
So finde ich Augustinus auf vielerlei Weise faszinierend: Er hat ein ziemlich bewegtes Leben gelebt, hat lange gebraucht, bis er Christ wurde - so lange, dass seine Mutter darüber schier verzweifelt ist - und hat seine Um- und Abwege aber nie verschwiegen und sie unter den Teppich kehren wollen, sondern sie in seinen "Confessiones" allen dargelegt.
Ich denke, in Zukunft müssen wir uns als Kirche und Ordensgemeinschaften vermehrt auf Menschen einstellen und einlassen, die auf unterschiedlichen Wegen Christ geworden sind oder es vielleicht erst noch werden wollen. Auf solche, die ehrlich auf der Suche sind und die uns als Zeugen anfragen. Die von uns wissen wollen, warum wir so leben, wie wir leben und welchen Mehrwert das für uns hat.
Wir müssen verstärkt die Menschen im Blick haben, die fast kein Glaubenswissen haben, weil es keine Eltern oder keine Großeltern gab, die ihnen das Beten beigebracht haben oder die sie mitgenommen haben in die Kirche. Aber ich finde, an Augustinus kann man ja sehen, wohin es führen kann: Er ist heute ein viel verehrter Heiliger, der uns heute noch etwas zu sagen hat.
Und das finde ich ebenso faszinierend an ihm: Er hat so wunderbare Worte und Sätze geprägt, denen ich heute zustimmen kann, die mich heute ansprechen und manchmal auch herausfordern. Er war erfüllt von einer tiefen Liebe zu Gott, so tief, dass er sagte, sein Herz sei unruhig, bis es ruhe in Gott. Ein Gedanke, den auch ich heute nachvollziehen kann. Oder, ein ganz wunderbarer Satz von ihm: "Liebe, und tu was du willst." Da bin ich gefragt, da gibt es keine Bevormundung, aber da bin ich im Grunde auch nicht eingeengt. Eine schöne Herausforderung also.
Eine solche ist auch seine Regel, die er eigentlich schrieb für eine Gemeinschaft von Freunden. Sie ist recht weit gefasst und läßt viel Spielraum. Gleichzeitig geht es in ihr nicht darum, dass wir alle gleich werden müssen, sondern dass jeder bekommen soll, was für ihn wichtig und nötig ist. Es geht darum, ins Leben zu kommen und das kommt mir sehr entgegen.
Deswegen freue ich mich immer wieder, dass wir nach seiner Regel leben und dass es Menschen wie den hl. Augustinus gab und gibt.
Sr. Kerstin-Marie
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