Morgen feiern wir "Erscheinung des Herrn" oder auch das Fest der heiligen drei Könige. Diese sind bei mir schon seit einiger Zeit unterwegs zur Krippe hin und neulich morgens fiel mir etwas auf bei diesen drei Königen auf meiner Fensterbank: Sie sind zu dritt unterwegs. Das macht es nicht immer einfach, wenn man sich auf einen Weg einigen muss, wenn nicht immer klar ist, wohin der Stern einen jetzt führen will. Rechts oder links, Pause machen oder weiter. Zu zweit hat man sich schneller geeinigt, sind vielleicht die Rollen auch leichter zu verteilen. Zu dritt gibts da irgendwie mehr "Konfliktpotential". So, wie die drei Weisen bei mir unterwegs sind - und diese Anordnung hat sich von selbst ergeben - wird noch etwas deutlich: Einer geht vorne weg, die beiden hinteren Männer sind einander zugewandt und unterhalten sich miteinander. Vielleicht geht es gerade darum, wie sie den Stern interpretieren können, dem sie folgen, was sie erwarten wird, ob es überhaupt ein Ziel gibt,... Auf jeden Fall sind sie miteinander im Gespräch, sie haben sich etwas zu sagen, da scheint es niemanden zu geben, der dem anderen überlegen ist, auch wenn einer vorneweg geht. Sie sind unterwegs als ganz verschiedene Personen, dargestellt anhand des Aussehens und der Hautfarbe. Sie kommen nicht aus dem gleichen Haus, sie mussten sich unterwegs erst finden und haben ganz unterschiedliche Erfahrungshorizonte.
Für mich ist dieses Bild mit den drei Königen ein Sinnbild für unsere familia dominicana. Sicher sind wir keine Könige, manchmal muss man sich vielleicht auch fragen, ob wir weise sind, aber in den letzten Tagen durfte ich doch viel von dem erfahren, was ich gerade den Königen zugeschrieben habe: Ich war auf dem Provinzstudientag der Teutonia in Horrem, bei dem es um die Sprache der Verkündigung in den unterschiedlichen Medien ging.
Auch hier wurde deutlich, dass das Unterwegssein als Gemeinschaft nicht immer ganz einfach ist, die einen haben diese Erfahrungen, die anderen jene, die einen halten das für gut, andere finden anderes besser. Aber immer, und das stach in den vergangenen Tagen wirklich heraus, sind alle im Gespräch, keiner ist der Vorreiter, es ist nicht so, dass z.B. der Provinzial die Marschrichtung angibt und alle laufen hinterher. Vielmehr gab es ein buntes Mosaik von Brüdern, Schwestern, Mitgliedern der familia, die mit ihren Gedanken und Beiträgen die Tage bereicherten und mir einmal mehr zeigten, wie belebend es ist, mit mehreren unterwegs zu sein, dem Stern zu folgen und darauf zu vertrauen, dass der Stern uns zu dem Kind in der Krippe führt, der unser König ist.
Dabei ist jeder bereit, sich einzubringen, das zu tragen, was ihm und ihr möglich ist, auf dem Weg zu sein. Ich finds und fand die Tage anregend, spannend, interessant und belebend in den Gesprächen und Gedanken miteinander und freue mich schon auf das nächste Zusammentreffen. Denn das ist vielleicht auch ein - wohl eher unbekannter - Aspekt der Weisen aus dem Morgenland: Wahrscheinlich sind sie nicht die ganze Strecke als Grüppchen unterwegs, sicher gibt es Strecken, auf denen jeder für sich unterwegs ist. Dann ist das Zusammenkommen noch schöner.
Sr. Kerstin-Marie
Vielen Dank für die schönen Worte, die mich sehr ansprechen. Ja, im gemeinsamen Unterwegssein und im Dialog kann Vieles wachsen und reifen.
AntwortenLöschenSo wünsche ich Allen für morgen einen frohen, hoffnungsvollen Weg zur Krippe. Der Stern der Sehnsucht weist die Richtung.
Herzliche Grüße!