Freitag, 6. Januar 2012

so zart, so leise wie nichts auf der Welt

"Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem." (Mt 2,3)
An diesem Satz blieb ich heute Morgen in der Hl. Messe hängen. Wie verrückt ist das denn eigentlich, dass so ein Gewaltherrscher wie Herodes sich ernsthaft erschrickt, nur weil da ein paar Verrückte aus dem Fernen Orient anrücken und irgendeinem Neugeborenen huldigen wollen, auf dessen Geburt sie ein Stern aufmerksam gemacht hat? Wie auch immer sich die Geschichte damals zugetragen haben mag, sie bringt eine ebenso faszinierende wie erschütternde Wirklichkeit zum Ausdruck. 
Noch in der vergangenen Woche veröffentlichte das Hilfswerk "Open Doors" einen Bericht, in dem die erschreckende Gewalt, unter der 100 Millionen Christen in vielen Ländern der Erde zu leiden haben, zum Ausdruck kam. Da stellt sich doch unweigerlich die Frage: Warum haben die Despoten aller Generationen eigentlich solche Angst vor ein paar Christen, dass sie eine unglaubliche Energie aufwenden, um jegliches Aufblühen christlichen Lebens gleich im Keim zu ersticken? Mir kam wieder ein Wort der Schweizer Benediktinerin Silja Walter in den Sinn: 

"Es gibt das mächtige, das übermächtige Andere, so zart wie gar nichts, so zart, so leise wie nichts in der Welt. Auf der ganzen Erde, Sternenhimmel eingeschlossen, gibt es nichts so Leises, Denken, Fühlen  und Lieben eingeschlossen, es ist noch unsäglich leiser.
Und DOCH hat es die Weltscheibe gesprengt..."

Ist das nicht paradox, dass dieses zarte, übermächtige Andere zu allen Zeiten die Machtbesessenen der Erde erzittern lässt? Nur weil einige Menschen den Stern in ihrem Leben entdeckt haben und ihm folgen wollen? Und ist es nicht wunderbar, dass so etwas unsäglich Zartes, Leises wie beispielsweise ein Stern bis heute die Herzen der Menschen so zu berühren vermag, dass sie bereit sind, lieber mit ihrem Leben zu bezahlen als die Suche nach dem wahren Grund ihres Seins aufzugeben? 
Manchmal drohen wir, dieses Zarte, Leise, übermächtige Andere auf unserem Weg aus dem Blick zu verlieren - so wie auch die Sterndeuter plötzlich den Stern, der sie einmal aufbrechen ließ, nicht mehr sahen. Gottes freilassende Macht, Gottes Voll-Macht hat so unendlich wenig mit unseren Vorstellungen von Herren und Knechten zu tun, dass sie uns zuweilen sogar Orientierungslosigkeit zumutet. Umso Mut machender ist für mich das tapfere Zeugnis der Vielen, die dem übermächtigen Anderen in ihrem Herzen Raum gegeben haben, die die ungeheure Sprengkraft Seiner Liebe auch in extremsten Situationen sichtbar und erfahrbar gemacht haben. So wünsche ich uns allen an diesem heutigen Festtag, dass nichts und niemand auf der Welt uns die innere Freiheit nehme, dem die Ehre zu geben, dem der Gehorsam der Völker gebührt (Gen 49,10), uns unter die Herrschaft dessen zu stellen, der gesagt hat: "Ich bin gekommen, damit sie das LEBEN haben und es in Fülle haben." (Joh 10,10)
Sr. M. Ursula

2 Kommentare:

  1. Die Worte von Silja Walter finde ich sehr schön, habe sie mir sofort aufgeschrieben, damit sie nicht verloren gehen. Dieses Kleine, dieses Leise, es hat eine unheimliche Kraft. Mir kam der Gedanke an das Senfkorn, so klein und winzig, und doch mit einer "inneren Größe", die sich im Wachstum entfaltet. Die Kraft, die im zarten und kleinen steckt, lässt sich niemals und von niemanden aufhalten.

    Danke Sr. Ursula, ich lese immer gerne ihre Blogs.

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  2. ein wunderbarer Blog-Eintrag ...
    Danke, Fritzi H.

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