Am Morgen des Weihnachtstages hörte ich in den Nachrichten von dem "Himmelsphänomen", das in der Weihnacht an vielen Orten zu sehen gewesen war. Inzwischen wissen wir ja längst, dass es Teile der Sojus-Rakete waren, die da verglühten, aber am Morgen des ersten Feiertages war das noch nicht so klar.
Ich fand es mal wieder eine irgendwie schöne und zu Weihnachten passende Erfahrung: Viele Menschen hatten etwas gesehen, was sich nicht sofort erklären ließ. Die Behörden wussten nicht, was das war und auch das allwissende Internet wusste noch nicht Bescheid. So staunten wir einfach einen Tag lang über dieses Licht, das wir selber leider nicht gesehen hatten. Und auch wenn klar war, dass es sicher bald eine Erklärung für das Phänomen geben würde, so fand ich es schön, einfach mal nicht zu wissen, woher das kommt. Einfach schauen und genießen und sich wundern, was alles so möglich ist am und im Himmel.
So ähnlich ging es mir auch 1997, als der Komet Hale-Bopp am Himmel zu sehen war. Zu der Zeit war ich das erste Mal in Taizé und erinnere mich noch gut daran, wie ich eines Abends nach dem Abendgebet aus der Kirche kam und eine fremde Frau auf Englisch zu mir sagte: "Schau da, Hale-Bopp!" Einfach nur schauen und staunen, auch wenn unser Mathe- und Physiklehrer das Phänomen anschließend ganz genau erklären konnte. Trotzdem bleibt die Faszination, dass so etwas überhaupt möglich ist, dass es solche Bilder zu sehen gibt, nicht, weil irgend jemand das am Computer so fabriziert hat, sondern weil unsere Welt so aufregend und vielfältig geschaffen ist. Da ist es also möglich, dass selbst etwas, das gerade vergeht, wie die Teile einer Rakete, noch so etwas Schönes hervorbringen. Das ist vielleicht das eigentliche Wunder, wenn sich auch alles erklären läßt, aber dass so etwas überhaupt möglich ist.
So staune ich noch ein bisschen und freue mich daran, auf wikipedia das Bild von Hale-Bopp gefunden zu haben, nachdem ich das Papierfoto, das besagter Mathe- und Physiklehrer gemacht hatte, heute natürlich nicht mehr habe.
Sr. Kerstin-Marie
Mittwoch, 28. Dezember 2011
Sonntag, 25. Dezember 2011
ein Stück Himmel
Wir auf dem Arenberg haben uns heute Morgen im Weihnachtshochamt ein bißchen gefühlt wie bis über beide Ohren verwöhnte Kinder: in einer wunderschön geschmückten, vollen Kirche mit prickelnder Orgelmusik, Weihrauch und allem was dazu gehört die Geburt unseres Herrn und Gottes feiern zu dürfen, und dabei auch noch geistliche Nahrung vom Feinsten aufzunehmen (ist eigentlich je etwas Tiefgehenderes, Ergreifenderes als dieser geniale Johannes-Prolog geschrieben worden??), das zählt für mich und uns definitiv zum Schönsten, was hier auf der Erde erfahrbar ist - eben ein Stück Himmel :-)
Nun wünschen wir allen, mit denen wir uns verbunden wissen, eine frohe, gesegnete Weihnachtszeit - möge die Freude über die Menschwerdung unseres Erlösers tief in unser aller Herz sinken!
Sr. M. Ursula
Nun wünschen wir allen, mit denen wir uns verbunden wissen, eine frohe, gesegnete Weihnachtszeit - möge die Freude über die Menschwerdung unseres Erlösers tief in unser aller Herz sinken!
Sr. M. Ursula
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Mittwoch, 21. Dezember 2011
Gott der Herr ist ihr Licht
Vor einigen Wochen zitierte ich in einem Post unseren Mitbruder William A. Hinnebusch. Er schreibt in seiner "Kleinen Geschichte des Dominikanerordens", dass der Orden wie ein altes Haus sei, in dem der Geist der Familie noch wohne und in dem die früheren Bewohner noch immer da zu sein scheinen.
Somit wird klar, dass wir unsere Mitschwestern nicht vergessen, wenn sie einmal verstorben sind. So erleben wir es gerade auch bei unserer Sr. M. Eucharis, die die Ankunft des Herrn nicht mehr abwarten wollte und endlich ihrer Sehnsucht nach dem Himmel folgen durfte. Sie verstarb am Samstag nachmittag und schaut nun Sein Antlitz.
Verstirbt eine Schwester, beginnt bei uns ein ganz bestimmter Gebetsreigen: Wenn es möglich ist, singen wir am Bett der Schwester in der Todesstunde das "Salve Regina" und verabschieden uns von ihr. Dann beten wir natürlich den Rosenkranz für sie und in der Zeit vor der Beerdigung haben wir einen stillen Tag, an dem wir auch das Totenoffizium für die Mitschwester beten. Dann folgt die Beerdigung und ab diesem Tag beten wir eine Woche lang unser spezielles Gebet für die Toten für unsere Verstorbene. Danach wird sie jedes Jahr am Abend vor ihrem Sterbetag gemeinsam mit allen anderen Schwestern, die an diesem Tag seit unserer Gründung verstorben sind, verlesen und wir beten für sie in der Messe.
So vergessen wir unsere verstorbenen Mitschwestern nicht, auch wenn sie vielleicht auf einem Friedhof beerdigt ist, wo wir schon nicht mehr sind. Das hat ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl zur Folge, es schafft eine Verbindung in die Vergangenheit, wenn mir z.B. unsere beiden Schwestern Gambacorta begegnen oder innerhalb von 20 Jahren zwei Schwestern Philippa Neri verstorben sind.
Gleichzeitig erinnern wir uns so jeden Tag daran, dass Sterben und Tod zu unserem Leben dazu gehören und auch wir eines Tages Sein Antlitz schauen werden. Das hilft, darüber nachzudenken, wie ich mein Leben gestalten möchte, habe ich doch eine Ahnung davon, dass ich nicht weiß, wann es soweit sein wird.
Es vermittelt aber auch ein Gefühl von Geborgenheit, darf ich doch darauf hoffen und vertrauen, dass auch ich eines Tages in der Reihe der Schwestern genannt werde, die als Arenberger Dominikanerin verstorben sind. Natürlich kann ich heute nicht sagen, ob ich es bis dahin "schaffe", wenn aber doch, was ich zutiefst hoffe, dann freue ich mich schon jetzt darauf, so im Kreis meiner Schwestern aufgehoben zu sein und zu bleiben.
So werden wir morgen unsere Sr. M. Eucharis im Kreis der Schwestern zu Grabe tragen hier auf dem Friedhof in Oberhausen, auf dem schon viele andere von uns liegen und nicht vergessen sind.
Sr. Kerstin-Marie
Somit wird klar, dass wir unsere Mitschwestern nicht vergessen, wenn sie einmal verstorben sind. So erleben wir es gerade auch bei unserer Sr. M. Eucharis, die die Ankunft des Herrn nicht mehr abwarten wollte und endlich ihrer Sehnsucht nach dem Himmel folgen durfte. Sie verstarb am Samstag nachmittag und schaut nun Sein Antlitz.
Verstirbt eine Schwester, beginnt bei uns ein ganz bestimmter Gebetsreigen: Wenn es möglich ist, singen wir am Bett der Schwester in der Todesstunde das "Salve Regina" und verabschieden uns von ihr. Dann beten wir natürlich den Rosenkranz für sie und in der Zeit vor der Beerdigung haben wir einen stillen Tag, an dem wir auch das Totenoffizium für die Mitschwester beten. Dann folgt die Beerdigung und ab diesem Tag beten wir eine Woche lang unser spezielles Gebet für die Toten für unsere Verstorbene. Danach wird sie jedes Jahr am Abend vor ihrem Sterbetag gemeinsam mit allen anderen Schwestern, die an diesem Tag seit unserer Gründung verstorben sind, verlesen und wir beten für sie in der Messe.
So vergessen wir unsere verstorbenen Mitschwestern nicht, auch wenn sie vielleicht auf einem Friedhof beerdigt ist, wo wir schon nicht mehr sind. Das hat ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl zur Folge, es schafft eine Verbindung in die Vergangenheit, wenn mir z.B. unsere beiden Schwestern Gambacorta begegnen oder innerhalb von 20 Jahren zwei Schwestern Philippa Neri verstorben sind.
Gleichzeitig erinnern wir uns so jeden Tag daran, dass Sterben und Tod zu unserem Leben dazu gehören und auch wir eines Tages Sein Antlitz schauen werden. Das hilft, darüber nachzudenken, wie ich mein Leben gestalten möchte, habe ich doch eine Ahnung davon, dass ich nicht weiß, wann es soweit sein wird.
Es vermittelt aber auch ein Gefühl von Geborgenheit, darf ich doch darauf hoffen und vertrauen, dass auch ich eines Tages in der Reihe der Schwestern genannt werde, die als Arenberger Dominikanerin verstorben sind. Natürlich kann ich heute nicht sagen, ob ich es bis dahin "schaffe", wenn aber doch, was ich zutiefst hoffe, dann freue ich mich schon jetzt darauf, so im Kreis meiner Schwestern aufgehoben zu sein und zu bleiben.
So werden wir morgen unsere Sr. M. Eucharis im Kreis der Schwestern zu Grabe tragen hier auf dem Friedhof in Oberhausen, auf dem schon viele andere von uns liegen und nicht vergessen sind.
Sr. Kerstin-Marie
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Dienstag, 20. Dezember 2011
was für ein Jahr!
...die (nicht alltäglichen) Augenblicke des zu Ende gehenden Jahres haben wir wieder einmal in einem kleinen Video festgehalten:
Sonntag, 18. Dezember 2011
Berufung
Dabei fand ich noch einmal bemerkenswert, was die Berufungspastoral nach innen für einen Stellenwert haben kann: Das Gebet der Brüder und Schwestern um Berufungen ist nicht zu unterschätzen, wobei ja auch klar ist, dass es darum geht, dass jemand seine eigene Berufung findet. Ob das nun die zum Ordensmenschen, zum Bäcker und Konditor oder zur Familie ist. Und so beten wir fleißig in der Vesper mit Hilfe der Fürbitten, die die Mitbrüder zusammengestellt haben, für und um Berufungen.
Am Donnerstag lagen dann anstrengende Tage hinter uns, die sich aber in mehrfacher Hinsicht total gelohnt haben. Zum einen war es natürlich wieder einmal bereichernd, Ordensleute aus anderen Gemeinschaften - in diesem Fall ja auch aus ganz anderen Ordensfamilien - kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen. Zum anderen bin ich einmal wieder davon beeindruckt, welche kompetente Menschen in der Ordenslandschaft unterwegs sind. Da bedauere ich es manchmal, dass ich diese erst jetzt kennenlerne und nicht schon vorher in meiner Zeit als Pastoralreferentin.
Auf jeden Fall hat die Arbeit im Workshop so viel Lust gemacht, dass Sr. Ursula und ich darüber nachdenken, ein Wochenende für Frauen anzubieten, die Interesse am Ordensleben haben. Dabei können wir dann den Fragen nach der eigenen Berufung nachspüren, soll die Gelegenheit zum Austausch sein und können Möglichkeiten abgeklärt werden. Genaue Infos zu diesem Angebot folgen natürlich noch.
Da kann ich kaum das neue Jahr abwarten, wenn wir dieses und andere Wochenenden anbieten werden...
Sr. Kerstin-Marie
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Dienstag, 13. Dezember 2011
Zeugnis geben
Das vergangene Wochenende war ein wahres "Zeugnis-Wochenende". Nicht nur, dass wir uns alle über das Spiegel-Interview mit Thomas Gottschalk gefreut haben, passend zum Thema war ich hier in der Gemeinde St. Josef eingeladen, Zeugnis zu geben. Die Firmanden der Gemeinde hatten den Gottesdienst vorbereitet und so hatten sich zwei aus ihrer Runde sowie eine Katechetin bereit erklärt, ebenfalls Rede und Antwort zu stehen.
Mich haben am Sonntag die Antworten und Ansichten der beiden Jugendlichen außerordentlich beeindruckt. Wie selbstverständlich sie über ihren Glauben sprachen, ihr Leben mit Gott als Christen, von ihrer Motivation, sich firmen zu lassen und ihren Begegnungen mit Gott. Total lässig und so, als gäbe es nix Normaleres auf der Welt, ganz ohne Hemmungen. Wenn ich daran denke, wie schwer ich mich dann oft tue, Worte für das zu finden, für das, was ich erlebe, was ich denke, was ich fühle, dann sind mir besonders die beiden Firmandinnen ein Vorbild in der Unaufgeregtheit ihrer Statements.
Mir zeigten die Zeugnisse einmal mehr, dass Jugendliche so oft viel besser als ihr Ruf sind. Diese 15jährigen lassen sich ein auf das Abenteuer Gott, geben sich hinein, investieren, machen mit und erzählen davon. Sie entdecken, dass Gott für sie da ist und wollen mit ihm unterwegs sein. Vielleicht kennen nicht alle die traditionellen Gebete der Kirche, aber oft erlebe ich, dass sie ganz unbefangen und wissbegierig sind. Was für ein Geschenk, mit jungen Leuten unterwegs sein zu können, mit ihnen gemeinsam nachzudenken, zu überlegen und einfach zu glauben. Und dann einfach davon zu reden und nicht lange darüber nachdenken, ob das jetzt vielleicht blöd klingt, theologisch ganz sauber ist oder ich dafür vielleicht schief angeschaut werde.
Und in diesem Zusammenhang hat mir am Sonntag auch gut gefallen, dass am Ende die ganze Gemeinde eingeladen war, sich zu fragen, wo und in welcher Situation jeder einzelne von Gott erzählt. Wir sind doch alle Zeugen, in dem, wie wir auftreten, handeln, erzählen und ich denke, es ist eine gute Erfahrung, sich das noch einmal bewusst zu machen.
Das war wirklich ein beeindruckender Vormittag, der mir viel Freude gemacht hat.
Sr. Kerstin-Marie
Mich haben am Sonntag die Antworten und Ansichten der beiden Jugendlichen außerordentlich beeindruckt. Wie selbstverständlich sie über ihren Glauben sprachen, ihr Leben mit Gott als Christen, von ihrer Motivation, sich firmen zu lassen und ihren Begegnungen mit Gott. Total lässig und so, als gäbe es nix Normaleres auf der Welt, ganz ohne Hemmungen. Wenn ich daran denke, wie schwer ich mich dann oft tue, Worte für das zu finden, für das, was ich erlebe, was ich denke, was ich fühle, dann sind mir besonders die beiden Firmandinnen ein Vorbild in der Unaufgeregtheit ihrer Statements.
Mir zeigten die Zeugnisse einmal mehr, dass Jugendliche so oft viel besser als ihr Ruf sind. Diese 15jährigen lassen sich ein auf das Abenteuer Gott, geben sich hinein, investieren, machen mit und erzählen davon. Sie entdecken, dass Gott für sie da ist und wollen mit ihm unterwegs sein. Vielleicht kennen nicht alle die traditionellen Gebete der Kirche, aber oft erlebe ich, dass sie ganz unbefangen und wissbegierig sind. Was für ein Geschenk, mit jungen Leuten unterwegs sein zu können, mit ihnen gemeinsam nachzudenken, zu überlegen und einfach zu glauben. Und dann einfach davon zu reden und nicht lange darüber nachdenken, ob das jetzt vielleicht blöd klingt, theologisch ganz sauber ist oder ich dafür vielleicht schief angeschaut werde.
Und in diesem Zusammenhang hat mir am Sonntag auch gut gefallen, dass am Ende die ganze Gemeinde eingeladen war, sich zu fragen, wo und in welcher Situation jeder einzelne von Gott erzählt. Wir sind doch alle Zeugen, in dem, wie wir auftreten, handeln, erzählen und ich denke, es ist eine gute Erfahrung, sich das noch einmal bewusst zu machen.
Das war wirklich ein beeindruckender Vormittag, der mir viel Freude gemacht hat.
Sr. Kerstin-Marie
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Samstag, 10. Dezember 2011
Was Johannes der Täufer und Thomas Gottschalk gemeinsam haben...
Wie jeden Freitagabend haben wir uns auch gestern mal
wieder im Noviziat zum Schriftgespräch getroffen und gemeinsam das
Sonntagsevangelium betrachtet. An diesem Wochenende, hören wir einen Ausschnitt
aus dem Anfang des Johannes-Evangeliums, wo uns von Johannes dem Täufer erzählt
wird. Was mich gestern an dieser Stelle berührte, war die große Souveränität und innere Freiheit, die uns da von Johannes dem Täufer entgegen
kommt. Er, der von Gott gesandt ist, Zeugnis abzulegen für das Licht, er muss
eine ungeheure Ausstrahlung auf die Menschen seiner Zeit gehabt haben. Kein
Wunder, dass die Frommen genau wissen wollen, was da dahinter steckt und ihn
mit Fragen bombardierten: "Wer bist du?" Und das großartige Zeugnis
des Johannes ist, dass er - wohl zur Enttäuschung und Überraschung aller -
bekannte: Ich bin nicht der Messias! Und ich bin auch nicht Elija! Und um es
ganz klar zu machen: Ich bin auch nicht der Prophet! Johannes, er weiß ganz
genau, wer er ist, und was sein von Gott gegebener Auftrag hier auf der Welt
ist: nämlich Stimme zu sein, Wegbereiter zu sein für den, der nach ihm kommt,
für den, dessen Schuhe aufzuschnüren er nicht wert ist. Johannes, er hat es
nicht nötig, sich irgendwie interessant zu machen, er ist es einfach. Er hat es
auch nicht nötig, sich mit fremden Blumen zu schmücken, sich irgendein nettes
frommes Mäntelchen anzuziehen, er ist und bleibt einfach er selbst und bleibt
seinem Auftrag radikal treu.
Die Art und Weise, wie Johannes so frisch fromm und frei
seine ureigene Berufung erkannt hat und lebt, finde ich einfach extrem attraktiv. Und eben diese Attraktivität kam mir gestern in einem sehr
lesenswerten Spiegel-Interview mit Thomas Gottschalk entgegen, indem er sich
als überzeugter Katholik outet. Auch wenn sein Gesprächspartner immer wieder
stichelt, ihn regelrecht "herunterhandeln" will von seinem Bekenntnis
zum christlichen Glauben, so gibt Thomas Gottschalk doch ein beeindruckendes,
freies Zeugnis von dem, was ihm heilig ist. Er steht zu seinen eigenen Grenzen,
steht aber genauso selbstverständlich zu seinem inneren und äußeren Reichtum,
verzichtet auf jegliche Art der Rechtfertigung. Er lebt, was er als seine
Berufung erkannt hat, er hat sein Leben lang nur das gemacht, was er ohne große
Anstrengung und ohne sich zu verstellen außergewöhnlich gut kann: nämlich Menschen
zu unterhalten und vor der Kamera stehen. Und genau damit hat er unzähligen
Menschen viel Freude gemacht. Das ist für mich der Punkt, an dem sich der Asket
Johannes der Täufer und der Entertainer Thomas Gottschalk ganz nahe sind: sie bleiben
in dem, was sie tun, Gott und sich selbst treu.
Ich wage zu behaupten, dass es genau das ist, worauf es
in unser aller Leben ankommt - nicht mehr, aber auch nicht weniger, als unser
Ureigenes zu finden, zu leben, fruchtbar zu machen für die Welt. Über alles
andere brauchen wir nicht zu grübeln und uns den Kopf zu zerbrechen. Der Arzt
und Kabarettist Eckart von Hirschhausen drückte einmal scherzhaft und doch sehr
treffend aus: "Wer als Pinguin
geboren wurde, wird auch nach sieben Jahren Therapie und Selbsterfahrung in
diesem Leben keine Giraffe werden. (…) Ein guter Therapeut wird wie ein guter
Freund nicht lange fragen: Warum hättest du gerne so einen langen Hals?
Sondern: Was willst du? Was macht dir Freude? Wann geht dein Herz auf? Wann
haben andere mit dir Freude? Was ist dein Beitrag? Wofür brennst du, ohne
auszubrennen?" (aus: GLÜCK kommt selten allein, Rowohlt-Verlag 2009,
S. 356).
Vielleicht ist der nun kommende Gaudete-Sonntag ja eine gute Gelegenheit, unserem guten Gott einfach mal für unser So-und-nicht-anders-Sein zu danken :-)
Sr. M. Ursula
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Freitag, 9. Dezember 2011
Morgenstund hat Gold im Mund
Treue Leser unseres Blogs wissen, dass ich gar nicht gerne früh morgens aufstehe. Eigentlich bin ich abends gerne lange wach und vor meiner Zeit im Kloster erst gegen 7.20 Uhr aufgestanden. Das ist natürlich heute lange vorbei und ich weiß gar nicht so ganz genau, wenn ich das letzte Mal bis 7.20 Uhr geschlafen habe.Aber besonders seitdem ich hier in Oberhausen bin, merke ich, wie sehr ich unseren Morgen schätze und mag: Das erste Gebet schon beim Zähneputzen, dann die Schriftlesung, anschließend die halbstündige Meditation in der Zelle. Hier höre ich schon Autos fahren, das Piepen der Fußgängerampel und habe den Lichtschein der Stadt in meiner Zelle. So bin ich mitten in der Welt und kann mich doch in meiner Zelle ganz zurück ziehen. Anschließend trinke ich schnell einen Kaffee im Refektorium, ehe wir im wunderschönen Chor mit dem Invitatorium den Tag beginnen. Dann die Laudes und anschließend die Messe in unserer Kirche, in der wir heute morgen sogar eine Roratemesse gefeiert haben, was zwar irgendwie ziemlich kalt, aber doch ganz schön eindrücklich war.
Erst danach geht es zum Frühstück und dann erst an die Arbeit. So gehören die ersten beiden Stunden des Tages ganz mir und Gott, da kommt nichts dazwischen, auch wenn es am Vorabend dann doch mal später war. Für mich eigentlich ein ganz guter Indikator dafür, ob dieser Weg mein Weg ist oder nicht: Natürlich gibt es Tage, an denen ich nicht völlig begeistert aus dem Bett springe, aber sollte die Zeit kommen, in der ich mich Tag für Tag quäle und keinen Funken Sinn mehr in diesem Tagesanfang sehe, dann sollte ich schon darüber nachdenken, ob das mein Leben sein kann.
Jetzt aber ist es so, dass ich mich meistens abends schon auf den nächsten Morgen freue und deswegen auch gerne früher ins Bett gehe, das Buch beiseite lege, um am nächsten Tag nicht völlig verpennt in den Tag zu starten. Denn das ist es ja, was wir in der Adventszeit einüben: Wachsamkeit.
Sr. Kerstin-Marie
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Dienstag, 6. Dezember 2011
In der Weihnachtsbäckerei
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, für die wir uns vorbereiten müssen. Deshalb begaben wir uns am Samstag nach der Komplet in die große Küche, um dort die ersten Plätzchen der Saison zu backen. Freundlicherweise hatte uns der Koch am Morgen Rührmaschine und Konvektomat erklärt, so dass wir richtig loslegen konnten. Allerdings gab es kein Nudelholz und keine Plätzchenförmchen, das sollte uns aber nicht daran hindern, in die Produktion von Vanilleplätzchen einzusteigen. Zu viert waren wir ziemlich flott bei der Sache, auch wenn wir die Rührschüssel nicht aus der Halterung bekamen. Unsere Subpriorin Sr. Benitia entdeckte ihre Freude am Backen ("Wenn ich das morgen meiner Cousine erzähle, die meint, ich wär verrückt.") und Sr. Blanka freute sich noch mehr darüber, am Schluss die Schüssel mit der geschmolzenen Schokolade zu säubern.
Wir hatten also einen Riesenspaß in der Küche und waren ganz froh, dass wir alle Bleche auf einmal in den Konvektomat bekamen. So war noch genug Zeit, von früheren Ereignissen und "Schandtaten" rund um das Thema Küche zu berichten, die dazu führten, dass wir auch plötzlich ziemlich großen Hunger und Durst bekamen. Wie gut, dass wir eine Ahnung davon hatten, wo etwas Gutes zu trinken und noch ein köstliches Dessert zu finden war. Noch schöner war es, als unsere Priorin, Sr. Stephana, später von einer Einladung nach Hause kam und noch einige Köstlichkeiten dabei hatte. Was für ein unglaublich schöner und lustiger Abend...
Und weil es so schön war, werden wir am Donnerstag und Samstag wieder in die Produktion einsteigen, dieses Mal sind war aber schon ausgerüstet mit einem Nudelholz und Ausstechern, außerdem wird sich unsere Mannschaft vergrößern. Ich freu mich drauf, sind das doch die schönen Seiten und Zeiten im Advent, wenn wir so außergewöhnliche Dinge in Angriff nehmen.
Sr. Kerstin-Marie
PS: Beweisbilder konnten leider keine gemacht werden...
Freitag, 2. Dezember 2011
das Leben...
Freitagmorgen 10 Uhr, erster Glaubens-Gesprächskreis im Advent für unsere Gäste in Kloster Arenberg. Zwei Frauen sitzen nebeneinander und die eine meint zur andern: "Sie hab ich aber auch schon oft hier gesehen, wie heißen Sie denn?" Die andere: "Wurzel, und Sie?" "Jesse!". So saßen also heute Frau Wurzel und Frau Jesse ganz fröhlich nebeneinander, und ich glaube, so adventlich war unser Gesprächskreis noch nie :D
Mit diesem netten Schwank aus dem aufregenden Leben einer Ordensfrau wünsche ich Ihnen und Euch ein frohes zweites Adventswochenende :)
Sr. M. Ursula
Sr. M. Ursula
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Sind Sie heute alleine?
Sr. Hildegunde und ich gehen deswegen einmal in der Woche zusammen im Oberhausener Hallenbad schwimmen. Das liegt direkt auf der anderen Straßenseite und es gibt einen Frühschwimmerrabatt. So nutzen wir den Ausschlaftag - hier der Donnerstag - und schlendern gegen 6.30 Uhr zum Schwimmen. In diesem Bad sitzt gar keiner an der Kasse, stattdessen haben wir einmal einen "Coin" erworben und helfen uns nun an Automat und Drehkreuz selber. Dann springen wir in das wirklich kühle Nass und machen uns nach insgesamt 45 Minuten wieder auf den Heimweg.
Man könnte meinen, dass das ganze eher unauffällig von statten geht, aber schon, als wir das erste Mal schwimmen waren, sprach mich ein Herr am Beckenrand an: Ich sei doch Schwester, ich bräuchte eine Schwimmbrille. Wenn ich in Afrika wäre, hätte ich ja auch eine Sonnenbrille... Woher der Herr jetzt wusste, dass ich Schwester bin, war mir nicht so richtig einleuchtend, aber schön, dass er so fürsorglich war.
Gestern dann sprach eine Dame am Ausgang Sr. Hildegunde an, die noch sehr geduldig auf mich wartete, schließlich hat sie schon mehr Übung darin, ohne Spiegel Haare und Schleier zu bändigen. Die Dame sagte also zu Sr. Hildegunde: "Sind Sie heute alleine hier?" Da sind wir also auch schon wahrgenommen worden als die beiden Schwestern...
Eine interessante Erfahrung, die mir noch einmal deutlich macht, dass wir alle wahrscheinlich oft im Verborgenen wirken, ohne, dass wir es selber wahrnehmen. Da kann dann ein Lächeln, dass ich vielleicht nur so vor mich hin lächelte einem anderen hilfreich sein oder ein grollender Blick kann jemanden abschrecken. Ein gutes Wort sinkt vielleicht tief in das Herz hinein, unsere Freude und Fröhlichkeit kann allein durch die Sichtbarkeit Freude machen.
Wie einfach doch das Leben manchmal sein kann...
Sr. Kerstin-Marie
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