Montag, 28. November 2011

Macht die Tore weit!


Adventsbrief unserer Schw. M. Scholastika
"Wieder Advent, schon wieder", geht es uns vielleicht durch den Kopf.
Und doch: diese vier Wochen zu Beginn des Kirchenjahres, sind sie nicht viel mehr als ein Zeitabschnitt, der uns bereiten will für das große, überwältigende Geheimnis der Hl. Nacht? Zeichnet der Advent letztlich nicht unseren Zustand, unser Sein, unsere tiefste Berufung als Ordensfrauen, in ständiger und steter Erwartung zu sein auf DEN, der unser Leben ist und das letzte Ziel unseres Suchens? Lehrt uns der Advent nicht dieses lebenslange, ganz wache, aufmerksame, ausgerichtete Warten auf GOTT? In der starken Gewissheit, dass ER wirklich kommt: liebend, erlösend, alles erfüllend?
GOTT will kommen und in unserer Mitte sein - die alttestamentlichen Verheißungen bringen diese Wirklichkeit auf den Punkt: 
„Juble und freue dich, Tochter Zion; denn siehe, ich komme und wohne in deiner Mitte - Spruch des Herrn. An jenem Tag werden sich viele Völker dem Herrn anschließen, und sie werden mein Volk sein, und ich werde in deiner Mitte wohnen. Dann wirst du erkennen, dass der Herr der Heere mich zu dir gesandt hat.“ 
(Sach 2,14)
Oder aus dem Buch Jesaja (52,7f):
Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, 
der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Rettung verheißt, 
der zu Zion sagt: Dein Gott ist König.
Horch, deine Wächter erheben die Stimme, sie beginnen alle zu jubeln. 
Denn sie sehen mit eigenen Augen, wie der Herr nach Zion zurückkehrt.
Brecht in Jubel aus, jauchzt alle zusammen, ihr Trümmer Jerusalems! 
Denn der Herr tröstet sein Volk, er erlöst Jerusalem.“

Unbändige Lebensfreude, lachende Gesichter kommen uns in diesen Texten entgegen. Endlich ist Er da, der längst Ersehnte. Auch wenn sein Kommen alle Vorstellungen sprengen wird: GOTT wird Mensch. Er gibt sich dieser Welt ganz und gar und wird Kind: hilflos, schutzlos, bedürftig. Welche Verrücktheit des Himmels. 
Sein Kommen findet bis heute kein Ende. HEUTE will er unter uns sein, HEUTE wirkt er in unserer Mitte als Heiland und Retter der Welt. Jeder Augenblick kann ein Raum der Begegnung mit ihm werden. Jede Situation, jeder Mensch. Die uns geschenkte Zeit wird heiliger Raum, auch die Armut unserer Gewöhnlichkeit wird dann in aller Demut der Stall von Bethlehem, in den GOTT hineingeboren wird. Und wenn wir uns zuweilen ob all den Nachrichten, die uns Tag für Tag erreichen, etwas bedrängt fragen, was die Zeit uns bringen wird, dürfen wir vertrauen, dass GOTT sich selber in unsere Tage bringt. 
Darum ist es gut, der Aufforderung aus dem Buch des Propheten Jesaja zu folgen:
„Mach den Raum deines Zeltes weit, 
spann deine Zelttücher aus, ohne zu sparen. 
Mach die Stricke lang und die Pflöcke fest!“   (Jes 54, 2)

Das ist Advent: das eigene Herz weit werden lassen, im Innersten die Zelttücher ausspannen, ohne zu sparen, dem Leben, Christus, einen „offenen, herzlichen Empfang bereiten“ (M. Delbrêl). Alles Beengende, Niederdrückende der befreienden Kraft GOTTES überlassen, alles Verschlossene behutsam zu öffnen versuchen. 
Im Laufe eines langen Jahres, im Laufe eines langen Lebens kann diese oder jene Türe zugeschlagen werden: kleine, oft unbedeutende Konflikte im Miteinander, blockierende Missverständnisse, manchmal unbeabsichtigte Verletzungen, Vorurteile und gegenseitige Enttäuschungen, einander nicht „erlassene Schulden“ und auch Unzufriedenheit und Undankbarkeit können Türen zuschlagen und uns zu Festungen werden lassen. Wege zueinander werden versperrt. Hindernisse aufgerichtet.
Doch wir dürfen mit der Zuversicht der Hl. Nacht neu beginnen: 
wohin GOTT kommt, dort, wo Er wohnt, ist Weite, ist Freiheit, ist blühendes Leben.

Ich wünsche uns zutiefst, dass jede von uns die Zelte des eigenen Herzens offen halten kann, dass jede von uns und alle, die in unseren Häusern mit uns täglich unterwegs sind, diese Herzenszelte für GOTT bereit zu halten vermögen, der in unserer Mitte Mensch werden will. Die Zelttücher ohne zu sparen ausspannen, kann heißen, mit großmütigem Herzen einander zu begegnen. Vorschnelle Verurteilungen zu lassen, dem Guten und der Hoffnung in unserem Inneren mehr Raum zu geben als dem Misstrauen und dem dunklen, negativen Denken.
In einem ihrer Gedichte formuliert Rose Ausländer diesen Neubeginn:
„…du darfst die Dinge neu ordnen, Farben verteilen
und wieder schön sagen an diesem Morgen, du Schöpfer und Geschöpf…“
Weihnachten wird dort Wirklichkeit, wo wir unsere Zelttücher des Vertrauens weit aus-spannen; wir erwarten oft Veränderungen bei den Anderen. Doch dort, wo wir selbst die Veränderung leben, die wir uns und unserer Gemeinschaft wünschen, dort wird sie geschehen. Machen wir Christus die Tore des eigenen Lebens weit, damit sein Friede einziehen kann. Er kommt leise und, vielleicht für uns verwirrend, oft auch unbekannt und überraschend. Er, der DA ist, gegenwärtig, kommt geheimnisvoll, verborgen im Wort und im Sakrament und in der Liebe, in der Zuwendung, die wir einander schenken.
Ja, sein Leben unter uns war eine stille Revolution der Liebe, durch die uns ein völlig neuer Anfang geschenkt ist. Er lebte von Bethlehem bis ans Kreuz eine Liebe, die sich nicht erschöpft im Habenwollen , sondern die sich verwirklicht in der Hingabe, im Loslassenkönnen und Freigeben, im Leben aus einem „Für“: für Dich, Mensch.
GOTT hat die Pflöcke seiner Liebe ein für alle Mal gesetzt. Auf diesem Fundament dürfen wir unser Zelt weit werden lassen und den Friedensfürst im Kind von Bethlehem aufnehmen: Er bringt den Frieden, die Freude, den Jubel. Er bringt uns das Licht, und er bleibt das Licht in allem Dunkel unserer Zeit, in der Ungewissheit unserer Tage, die uns überwältigen kann angesichts der Grenzen, die uns Älterwerden und Krankheit setzen können.
Mögen die kommenden Wochen für uns eine Zeit der Gnade sein, in der GOTT in uns Wohnung nimmt, in der die Freude über sein Kommen in uns wachsen kann und das göttliche Kind seine ganze Herrlichkeit in unserer Mitte ausbreiten kann und wir selber mit unserem ganzen Leben in den Lobgesang einstimmen dürfen: „Heute ist uns der Heiland geboren!“

Sehr herzlich und froh mit Ihnen verbunden,
Sr. M. Scholastika

Samstag, 26. November 2011

Herrenhunde :-)


"Seid wachsam" - mit diesen Worten ermahnt Jesus im Sonntagsevangelium gleich mehrfach seine Jünger. Als ich gestern ein wenig über die für unser Leben mit Gott offensichtlich so notwendige Wachsamkeit nachdachte, da fiel mir auf einmal eine Geschichte ein, die meine Mutter vor vielen Jahren mit ihrem Hund erlebte. Dieses bis über beide Ohren verwöhnte Vieh liebte es, an Nachmittagen einfach auf dem Sofa zu liegen und zu schlafen, während meine Mutter und meine Oma sich unterhielten. Das Einzige, was er allerdings noch mehr liebte als auf dem Sofa zu faulenzen, war eine Runde um den Block. Während der Hund (genannt Lumpi) nun  scheinbar im Tiefschlaf lag und schnarchte, stellte meine Oma ihn ab und zu auf die Probe, in dem sie - ohne den Tonfall zu wechseln - mitten im Gespräch den Satz einbaute "Ich geh gleich noch mit Lumpi vor die Tür". Und siehe da, sobald der Name "Lumpi" gefallen war, sprang das Tier wie von der Tarantel gestochen auf und rannte zur Tür. Diesen Test bestand Lumpi nebenbei bemerkt IMMER.
Ich wage zu behaupten, dass es genau diese Art von Wachsamkeit ist, zu der Jesus uns im Sonntagsevangelium aufruft. Eben nicht verbissen danach gieren, dass irgendetwas Spektakuläres geschieht, sondern vielmehr das tun, was hier und heute für uns dran ist (und sei es auch ein Nickerchen auf dem Sofa). Gleichzeitig aber ganz aufmerksam und wach dafür sein, was wir von Gott her hören, der sich oft so leise und zart in den Regungen unseres Herzens bemerkbar macht.
"Domini canes" - Hunde des Herrn, so werden die Dominikaner seit Jahrhunderten gerne spöttisch betitelt. Doch ich gestehe, je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr empfinde ich das als ebenso originelle wie treffende Umschreibung unserer Berufung, nämlich ganz wachsam zu sein für die Stimme Gottes, bereit zu sein, wenn wir unseren Namen hören, Ihm mit Liebe und Hingabe zu folgen, wenn Er uns ruft. 
Und so wünsche ich uns allen, dass wir in den Tagen des Advents ganz hellhörig werden auf Ihn hin, im festen Vertrauen darauf, dass Sein Ruf uns ins wahre Leben hineinführen will. 
Sr. M. Ursula

Donnerstag, 24. November 2011

typisch OP

Es ist ein paar Tage her, dass Papst Benedikt XVI. einen unserer Mitbrüder, Charles Morerod OP, zum neuen Bischof von Genf ernannt hat. Nun fanden wir diesen höchst amüsanten, aber doch tiefgreifenden Beitrag, in dem wieder einmal wunderbar zum Ausdruck kommt, wie prickelnd und vielseitig dominikanisches Ordensleben sein kann :)
Wir wünschen dem neu ernannten Bischof Gottes reichen Segen und vor allem viel Freude in seinem neuen, verantwortungsvollen Amt!

Mittwoch, 23. November 2011

Sterne

Der Advent kommt mit großen Schritten immer näher, letzten Sonntag haben wir schon Christkönig gefeiert und am Samstag werden wir um 16.00 Uhr im Innenhof die erste Kerze des Adventskranzes entzünden. Da ist ja klar, dass wir uns im ganzen Haus auf den Advent einstellen wollen, was zu einem emsigen Treiben führt. Welche Kerzen sollen auf die Kränze, wenn echte nicht möglich sind? Woher bekommen wir überhaupt die Adventskränze? Wie soll die Dekoration in den Wohngruppen aussehen? Was haben unsere Bewohner? ...
Als eine Dekorationsmöglichkeit fielen uns gefaltete Sterne aus Goldfolie ein, die ich nun fleißig in den verschiedenen Wohngruppen bastele. Das ist dann eine ganz schöne Stunde, mal macht ein Besucher mit, mal sitzt jemand dabei und schaut zu und es ist die Gelegenheit für ein Schwätzchen in aller Ruhe. Von dem Ergebnis waren wir am Montag in der Wohngruppe Monika völlig begeistert, so dass wir völlig motiviert weitermachen werden.
Ich finde dabei irgendwie anrührend, dass ich selber schon so lange keine Sterne mehr gebastelt hatte, dass ich mir die Anleitung erst suchen musste. Irgendwie bin ich nicht so ein großer Dekorateur und wäre in den letzten Jahren nicht auf die Idee zu kommen, solche Sterne aufzuhängen. Jetzt sieht es aber so schön in den Küchen aus, dass ich ganz begeistert bin und voller Elan Goldfolie schneide. Da braucht es nicht viel, jeder kann mitmachen, sogar wenn man bettlägerig ist, und am Ende entsteht so etwas schönes!
So bin ich ganz gespannt, welche wunderschönen Einfachheiten ich in diesem Advent noch entdecken werde.
Sr. Kerstin-Marie

Samstag, 19. November 2011

Fundamente

Wie auf dem Bild zu sehen ist, wird bei uns in Oberhausen noch kräftig gebaut. Zwar ist das neue Haus längst fertig und alle haben sich eingelebt, aber da, wo der Altbau stand, entsteht zur Zeit der Park. Letzte Woche wurden drei 10.000-l-Zisternen vergraben, damit wir später genug Wasser für die ganzen Außenanlagen haben und jetzt werden Wege und Beete angelegt. Dafür wird ziemlich ordentlich gerüttelt und gebaggert, so ordentlich, dass es gestern in der Sext das ganze Schwesternchor erschütterte, obwohl das auf der anderen Seite des Hauses liegt.
Das Rütteln und Zittern hielt uns natürlich nicht vom Beten ab, auch wenn wir zeitweise einander fast nicht verstehen konnten. In diesem Augenblick kam mir eine Szene aus dem Film "Von Menschen und Göttern" in den Sinn: Während die Mönche in ihrer Kapelle beten, steht ein Militärhubschrauber über ihrem Kloster. Die Männer beten weiter, stellen sich eng zusammen, legen die Arme umeinander und singen weiter die Psalmen. Ähnliches las ich über den Moment, in dem fr. Roger aus Taizé dem Attentat zum Opfer fiel: Einige Brüder trugen ihn raus, ein Bruder stimmte einen Gesang an und alle fielen mit ein.
Ich denke, in diesen Momenten, in denen die eigenen Fundamente so grundlegend erschüttert werden, zeigt sich, was und wer mein eigenes Leben trägt, wohin ich mich flüchte. Wenn Gott mein Grund ist, kann es nichts besseres geben, als weiter zu singen und zu beten, wie auch immer die Sache ausgeht.
Bestimmt ist das nicht immer einfach, und doch merke ich, welcher Schatz uns die Psalmen dabei sind, die wir Tag für Tag beten. Hier kommen so viele menschliche Erfahrungen zum Ausdruck, dass da die passenden Worte zu finden sind, wenn ich vor lauter Erschütterung eigentlich gar nicht weiß, was ich jetzt sagen, denken oder beten soll. Da ist es ein eindeutiger Vorteil, dass wir die Psalmen immer und immer wieder beten, so dass ich den ein oder anderen inzwischen auswendig kann und mir hier und da ein Vers ins Gehirn kommt.
Sr. Kerstin-Marie

Dienstag, 15. November 2011

vollendete Schönheit


Preist den Herrn, Frost und Hitze; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit! Preist den Herrn, Tau und Schnee; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit! Preist den Herrn, Eis und Kälte; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit! Preist den Herrn, Raureif und Schnee; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit! Preist den Herrn, ihr Nächte und Tage; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit! Preist den Herrn, Licht und Dunkel; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit! (Dan 3,67)

Wir feiern heute in der Kirche und natürlich besonders im Dominikanerorden das Fest des Hl. Albertus Magnus (1200 - 1280). Zu ihm habe ich einen ganz besonderen Draht, nicht zuletzt auch deshalb, weil er mir schon in meinem Pharmaziestudium "über den Weg gelaufen" ist - ohne dass ich damals geahnt hätte, selbst irgendwann einmal in diesem wunderbaren Verein zu landen ;-) 
"Auch die niedrigsten Lebewesen verdienen, dass man sie erforsche, müsse man doch ihre Formenvielfalt studieren, um so den Künstler zu preisen, der sie erschaffen habe, weil sich nämlich in der Kunst des Schöpfers seine Art zu schaffen offenbare" - das war die tiefste Überzeugung des Hl. Albert, und er "studierte" die Formenvielfalt der Schöpfung mit einer solchen Liebe und Hingabe, dass er nicht nur als Theologe Maßstäbe gesetzt hat, sondern auf ebenso beeindruckende Weise als Naturwissenschaftler. Dies brachte ihm letztlich den Ehrentitel Doktor universalis ein, denn man ging davon aus, dass er das gesamte Wissen der damaligen Zeit in sich trug. Was mich bei ihm am meisten berührt ist die Tatsache, dass er sich nicht einfach nur oberflächlich Wissen angeeignet hat, sondern dass er sich von dem, was er in der Natur beobachtete oder sich im Studium aneignete, bis ins Innerste ergreifen ließ, so dass sein Studium letztlich nichts anderes war als ein einziges großes Gebet. 
Tja, manchmal passt einfach alles zusammen. Mit dem Lobgesang aus dem Buch Daniel im Herzen (den ich gerade kurz zuvor in der Laudes gebetet hatte) startete ich heute gut gelaunt in den neuen Tag. Als ich nach draußen ging, hatte sich gerade die Sonne durch den Nebel gekämpft und die vom Rauhreif überzogene Natur glitzerte im hellen Morgenlicht. Dieser Anblick war so atemberaubend schön, dass es mir keine Sekunde schwer fiel, in der Betrachtung dieser Kunst den dahinter stehenden Künstler zu preisen, dessen Art zu schaffen mich immer wieder auf's Neue überwältigt. Und damit auch unsere treuen Blogleser ein wenig ihre Augen weiden können, gibt es unten einige Rauhreif-Impressionen aus dem Arenberger Klostergarten zu sehen mit denen ich herzlichste Grüße zum Fest des Hl. Albert verbinde ;-)
Sr. M. Ursula

Freitag, 11. November 2011

Talente

Am Sonntag werden wir im Evangelium von den Talenten hören, die der Herr vor der Reise seinen Dienern anvertraut. Die meisten kennen dieses Evangelium wahrscheinlich und so war es auch uns heute Abend im Schriftgespräch schon ziemlich vertraut. Und trotzdem konnten wir nicht einfach sagen: "Kennen wir schon, brauchen wir nicht mehr darüber zu reden."
Vielmehr entdeckten wir, wie viele verschiedene Talente es ja gibt, fast alles kann ein Talent sein. Sei es die musische Begabung, Reden oder Schweigen können, Geduld haben, stets bereit sein, kochen können, technisches Denken, Brücken bauen,... im Grunde bleibt da nichts außen vor, wenn ich etwas besonders gut kann und dieses Können auch einsetze. Andernfalls bin ich wie der dritte Diener im Gleichnis, der sein Talent vergräbt. Genauso ist es, wenn ich meine Talente nicht einsetze, selbst, wenn es vielleicht mit Arbeit und Überwindung verbunden ist. Wenn ich meine Begabung nicht einsetzen will, so sagte eine Schwester heute, dann schaufelt man sich vom Prinzip schon sein eigenes Grab. Ja, so, wie der Diener das Talent vergräbt, so vergräbt man sich selber, wenn man meint, nichts zu können, für nichts gut zu sein.
Wie wichtig selbst das winzigste Talent ist, merken wir jeden Tag in unserer Gemeinschaft, besonders auch da, wo alle älter werden und manches nicht mehr so leicht von der Hand geht. Da ist ein aufmunterndes Lächeln wichtig und kann neuen Schwung geben, da ist ein geduldiger Zuhörer manchmal der Retter in der Not, da kann eine liebevoll gebastelte Karte die Sonne scheinen lassen.
Und wie gesegnet sind wir doch, dass wir Mitschwestern haben, die mit Zahlen umgehen können...
Denn, was wir heute feststellten, wenn ich etwas von mir gebe, kommt es ja doch 1000fach zurück. Und wir sind nie am Ende damit, neue Talente in uns zu entdecken, jede Lebensphase hält da etwas bereit.
Wenn wir dann den Heiligen Geist wehen lassen, wird es nicht so schwer sein, immer wieder ein neues Talent zu entdecken oder neue Felder, in denen ich ein vorhandenes Talent einsetzen kann.
Sr. Kerstin-Marie

Montag, 7. November 2011

Allerheiligen

Allerheiligen wird selbstverständlich auch im Bistum Essen am 1. November gefeiert, aber wir haben heute das Fest "Allerheiligen unseres Ordens" gefeiert. Vom Grundgedanken her vielleicht ein bisschen schrill, sind doch unsere Heiligen auch letzte Woche bedacht worden, aber dann doch ein gutes Fest, weil es uns noch einmal die Bedeutung der familia dominicana vor Augen führt. Wir sind auch als Kongregation nicht nur irgendwie dominikanisch, nein, wir sind ganz und gar mit unseren Schwestern und Brüdern des ersten und zweiten Ordens verbunden und das wurde heute noch einmal deutlich. Ein schönes Beispiel für die familiäre Verbundenheit erlebte ich im Praktikum in Berlin, als Sr. Maria Willigis mir ein Andachtsbildchen von Johannes von Köln schenkte, mit den Worten, dass sie schon am Aufräumen sei und hoffe, dass das Bildchen eines Tages nicht in den blauen Sack komme, wenn sie mal tot sei. So gebe sie es mir, schließlich sei ich auch so eine "Familientante". Ja, da hat sie recht, ich finde unsere Familie wunderbar und finde es bezeichnend, wenn auch die 93jährige Mitschwester an ihr hängt. Und so konnte ich nur begeistert zustimmen, als ich vor einigen Wochen folgende Sätze von William A. Hinnebusch OP las:
"...'dass wir auch nach gründlichem Nachdenken nichts entdecken werden, was aktueller und für unsere Zeit mit ihren Nöten geeigneter ist als die Regel des heiligen Dominikus. Das einzig Alte an ihr ist ihre Geschichte, und es gibt keinen Grund, sich den Kopf zu zerbrechen, nur um sagen zu können, dass man modern sei.' Ein altes Haus besitzt eine Schönheit und Ausstrahlung, wie sie von einem neuen nicht erreicht werden kann, denn der Geist und das Andenken einer Familie lebt in seinen Mauern, seine Räume sprechen von Menschen und ihrem Handeln. Die früheren Bewohner scheinen immer noch hier zu weilen und ihre Freude und Begeisterung ihren jüngeren Brüdern und Schwestern mitzuteilen."
Die Begeisterung kommt ganz klar an...
Sr. Kerstin-Marie
Bildquelle: Art Vincent Pagan
Textquelle: William A. Hinnebusch, Kleine Geschichte des Dominikanerordens, Leipzig 2004, S.228.

Samstag, 5. November 2011

Angekommen

Nun bin ich schon fast eine Woche in Oberhausen angekommen. So langsam ist der letzte Karton ausgepackt und jedes Buch an seinem Platz, gar nicht immer so einfach in nur einer Zelle, weswegen ich gleich am ersten Abend umgezogen bin. Jetzt bewohne ich die schönste Zelle Oberhausens und erfreue mich an einem schönen Ausblick mitten in die Bäume.
In den ersten Tagen habe ich die ersten Bewohner kennengelernt, da die Kollegen vom Sozialdienst mich freundlicherweise mitnehmen und allen vorstellen. Leider ist mein Namensgedächtnis eher nicht so gut, weswegen ich mich nur an wenige Namen erinnere. Aber das kann ja noch werden.
Außerdem habe ich die Bewohner der Wohngruppen Barbara und Maria wiedergetroffen, bei denen ich im Februar war und akklimatisiere mich so langsam, damit wir dann überlegen, welche Aufgaben ich genau übernehmen kann.
Morgen Nachmittag gibts dann den furiosen Einstand im Konvent, aber die Schwestern haben mich schon jetzt sehr herzlich aufgenommen und mich mit meiner schweren Erkältung außerordentlich gut gepflegt, so dass ich mich pudelwohl fühle hier. Mein Fahrrad, das schon einige Wochen vor mir hier eingezogen ist, wurde heute mittag bei bestem Wetter ausgeführt und wer jetzt noch sagt, das Ruhrgebiet sei häßlich, der soll mal hierher ins schöne Oberhausen kommen - man muss nur wissen wo.
Von daher freue ich mich sehr auf das, was nun hier kommen mag.
Sr. Kerstin-Marie