Montag, 31. Oktober 2011

Abgefahren

...ein wenig abgefahren war unsere Schwester Kerstin-Marie ja schon immer, aber heute ist sie es nun richtig - und zwar nach Oberhausen, wo sie sich ab sofort ins pralle Ordensleben stürzen wird. Ich gebe es ja nicht gerne zu, aber ein klitzekleines bißchen werden wir "Hinterbliebenen" auf dem Arenberg die verrückteste Juniorin der Welt wahrscheinlich schon vermissen ;-)
Nun wünschen wir ihr von Herzen einen guten Anfang im Vincenzhaus, viel Freude an ihren neuen Aufgabengebieten und freuen uns jetzt schon darauf, wenn die OP-Jugend zu Junioratstagen und sonstigen Gelegenheiten wieder vereint sein wird :-) 
Sr. M. Ursula

Sonntag, 30. Oktober 2011

Anbetung sein


"Ich gehe noch in die Anbetung" - diesen Satz bekommt man bei uns an den Tagen, an denen das eucharistische Brot in unserer Mutterhauskirche ausgesetzt ist, oft zu hören. Wir ziehen uns für eine Stunde aus dem Alltag zurück, tauchen ein in die Stille, verweilen still vor dem Allerheiligsten. Diese Art der "Beziehungspflege" mit Gott, des einfach vor ihm Da-Sein dürfen, ist für die allermeisten von uns sehr wichtig und unverzichtbar.
Auch bei unserer Schwesterntagung in der vergangenen Woche ging es um das Thema "Anbetung", allerdings in einem viel umfassenderen Sinne. 
Auf beeindruckende Weise rief uns der wunderbare Dr. Georg Beirer in diesen Tagen in Erinnerung, dass die Anbetung in unserem Leben keine Sonderwelt darstellen soll, sondern dass es vielmehr darum geht, mit unserer ganzen Existenz Anbetung, Gebet zu werden. Das hört sich nun wahrscheinlich unglaublich theoretisch an, und doch glaube ich, dass es für unsere Beziehung zu Gott wesentlich ist.
Anbetung zu werden heißt nicht mehr, aber auch nicht weniger als mein Leben aus dem Bewusstsein von Gottes Gegenwart heraus zu gestalten. Mich in jedem Augenblick seinem liebenden Blick zu öffnen, auch und gerade in den Momenten, in denen ich mich selbst nicht anschauen möchte, ich mich in meiner Schwäche und Unzulänglichkeit selbst verurteile. Weg zu kommen von einem unguten, verbissenen Streben nach Vollkommenheit, was sicher nicht Gott gewollt ist und uns unbarmherzig gegenüber uns selbst und anderen macht. Letztlich heißt es, immer tiefer in das Vertrauen hineinzuwachsen, dass nichts, wirklich gar nichts uns trennen kann von der Liebe Gottes (vgl. Röm 8,31).
Anbetung zu werden bedeutet auch, mich nicht an meinen einmal gemachten Gotteserfahrungen fest zu machen, sondern lebendig mit diesem Gott unterwegs zu sein, auch in Situationen, in denen ich ihn nicht mehr spüre, geschweige denn begreife. Anbetung sein heißt, zu verinnerlichen, dass Gott der allzeit Gegenwärtige ist, dass er uns nicht mal näher, mal ferner ist, je nachdem wie "gut" oder "schlecht" wir sind, je nachdem ob wir ihn spüren oder nicht. So schön, so ergreifend Gotteserfahrungen in unserem Leben auch sein mögen, wir haben sie immer wieder neu loszulassen, damit der lebendige Gott sich uns offenbaren kann, damit wir Ihm auf der Spur bleiben und nicht unseren eigenen Bildern und Vorstellungen hinterher laufen. So wie auch Mose wohl kaum auf die Idee gekommen wäre, den brennenden Dornbusch mitzunehmen, sondern sich nach dieser Erfahrung im Bewusstsein der Gegenwart Gottes auf den Weg gemacht hat, so ist es auch an uns, uns nicht auf irgendwelche Erfahrungen zu fixieren, sondern immer neu aufzubrechen und mit dem Erfahrenen unseren Alltag zu gestalten.
Es ist schon irgendwie seltsam, dass es uns zuweilen so schwer fällt, Gottes Liebe und Zuneigung zu uns als das anzunehmen, was es wirklich ist: unverdientes und unverdienbares Geschenk. Dass es uns so schwer fällt zu glauben, dass wir an unserer Erlösung nicht zu arbeiten zu haben, sondern Erlöste sind. Dass Gott von uns keine außergewöhnlichen Opfer und Leistungen braucht (was wäre das für ein primitiver Gott!), sondern uns ganz und gar frei lässt, Seine zuvorkommende, bedingungslose Liebe zu erwidern.
"Lach doch, Gott liebt dich!" - wie oft haben wir schon gelacht über diesen scheinbar so grenzenlos oberflächlichen Aufkleber, der den Gitarrenkasten von Sr. Kerstin-Marie ziert. Aber dieser Satz, der sich - in manch schwierige Lebenssituation hinein gesprochen - fast sarkastisch anhört, birgt eine tiefe Wahrheit. Ist es nicht seltsam, dass unsere Heiligen, die wir in der nächsten Woche feiern, fast allesamt so ausgesprochen fröhliche, zugewandte Menschen waren, auch wenn sie in ihrem Leben durch so viele Anfechtungen zu gehen hatten? Ich bin überzeugt davon, dass ihre Fröhlichkeit gerade nicht Oberflächlichkeit, sondern Zeugnis ihrer tiefen Verwurzelung in Gott war. Und ich wünsche mir, dass etwas von dieser "himmlischen Freude", geliebte Kinder Gottes zu sein, auch heute durch uns in unserer Welt und Kirche spürbar wird. 
Sr. M. Ursula

Freitag, 28. Oktober 2011

Was in zwei Fahrradtaschen passt...

Es ist mal wieder so weit, für mich steht ein Umzug ins Haus: Nach der Profess im September bin ich nun nach Oberhausen versetzt, worauf ich mich sehr freue. Leider hat das wieder diesen leidigen Umzug zur Folge und ich gestehe, dass das nebenstehende Bild ein Urlaubsbild ist, da passte alles in zwei Fahrradtaschen und einen Ortlieb-Sack. Jetzt braucht es natürlich wieder mehr Taschen, Kisten und Koffer, um alles zu verstauen, was erstaunlicherweise in so einer Zelle Platz findet. So sagte ich zu einer Oberhausener Schwester in den letzten Tagen: "Oh, es ist schlimmer als der Auszug aus Ägypten!" Worauf sie nur meinte: "Was glauben Sie, was die alles aus Ägypten mitgenommen haben?!" Sehr tröstliche Worte einer weisen Schwester.
Und so gewinne ich dem Thema Umzug immer mehr positive Seiten ab: Plötzlich finden sich Dinge wieder, die ich schon verloren glaubte, manche Sachen dürfen jetzt endlich den Weg alles Irdischen gehen und bei manchen Dingen freue ich mich, sie wieder in die Hand zu nehmen oder wieder zu entdecken und kann mich dann doch nicht dazu entschließen, sie wegzuschmeißen.
Dazu ist der Auszug aus dem Noviziat ein bisschen wie der Auszug aus dem Elternhaus: Nun muss sich zeigen, ob das, was ich in den vergangenen drei Jahren gelernt und eingeübt habe, trägt. Nun geht es an die Arbeit, nun werde ich erleben, wie das Leben, das ich im Praktikum kennenlernen durfte, wirklich ist. Darauf freue ich mich sehr, noch mehr freue ich mich aber darauf, wenn am Montag alles im Auto und die Zelle geputzt ist und nächste Woche dann irgendwann alle Taschen, Kisten und Koffer wieder ausgepackt sind.
Sr. Kerstin-Marie

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Wie im Bienenstock

Gestern Abend vor der Messe summte und brummte es bei uns im Mutterhaus. Nicht, dass wir den Sommer verlängert hätten oder so - was wir gerne täten -, stattdessen waren jede Menge Schwestern aus den unterschiedlichen Konventen angereist, um an unserer Schwesterntagung teilzunehmen. Es sind so viele gekommen, dass alle Zimmer und Zellen belegt sind, sogar unsere beiden Gästezellen im Noviziat werden für die Schwestern genutzt.
56 Schwestern aus allen Häusern nehmen in diesen beiden Tagen an der jährlichen Schwesterntagung teil. Dabei spricht dieses Mal Dr. Georg Beirer unter dem Titel "Leben vor Gottes Angesicht" zu uns. Wichtige Punkte heute vormittag waren Anbetung sein und werden, die Dynamik der Anbetung und Gott lieben bzw. sich von Gott anschauen und lieben lassen.
Da es in diesem Maße weitergehen soll, fügt sich diese Tagung ganz wunderbar in die Erfahrungen der letzten Wochen ein: Das Beten überall während der Firmreise, letzte Woche die ARNO-Werkwoche mit den Zugängen aus dem Judentum und nun ein Schwerpunkt auf der Mystik. Das beglückt mich sehr, so dass ich heute mittag in der Sext mal wieder dachte: "Was haben wir doch für ein großartiges Leben!" Da bekommen wir so eine großartige Tagung frei Haus geliefert und die Glücklichen, die im Mutterhaus leben, müssen dafür noch nicht einmal woanders hinfahren, sondern können in Schlappen zu den Vorträgen gehen. Einfach perfekt!
Und nicht nur, dass der Inhalt so bereichernd ist, man merkt auch, dass eine ganz besondere Stimmung im Haus ist, da so viele Schwestern hier sind. Während der Exerzitien ist es immer deutlich ruhiger, schon die Anreise verläuft irgendwie ruhiger und auch der Tag der Begegnung ist irgendwie anders. Im Moment aber trifft man wo man geht und steht auf eine liebe Mitschwester aus der Ferne, mit der es noch dringend ein Schwätzchen zu halten gilt, es summt eben irgendwie alles.
Wie schön, dass wir solche Gelegenheiten haben, um zusammen zu kommen und uns geistlich-geistig fortzubilden.
Sr. Kerstin-Marie


Montag, 24. Oktober 2011

Beten

Wir tun es tagtäglich, sogar mehrmals: Beten. Mal alleine in der Zelle, oft gemeinsam, sei es im Schwesternchor, in der Kirche, im Refektorium, wo auch immer... Da ist es eigentlich keine schlechte Idee, sich einmal Gedanken über das Beten zu machen. Sr. Johanna und ich hatten dazu letzte Woche in Rickenbach die Gelegenheit, wo wir gemeinsam mit elf anderen Schwestern an einer Werkwoche zu eben jenem Thema teilnehmen konnten.
"Beten - meinen Alltag vor Gott zur Sprache bringen" lautete der Titel der Woche. Unter der Anleitung von Pfarrer Wilhelm Bruners befassten wir uns besonders mit der Bibel als Grundlage aller Gebete. Dabei kamen die Erfahrungen des Referenten aus 20 Jahren Israel nicht zur kurz, so dass wir ausführliche Informationen über Israel und das Judentum erhielten. Besonders bereichernd sind bei solchen Werkwochen jedoch die Gelegenheiten zum Austausch, schließlich treffen sich junge Schwestern aus ganz verschiedenen Gemeinschaften mit ganz verschiedenen Gebetsformen und -traditionen. Da tut es gut, im Gespräch zu sein und festzustellen, dass viele Fragen ähnlich sind und dass das Gebet uns über alle "Regelgrenzen" hinweg vereint.
Ist ja klar, dass wir da nicht nur "fromm" waren, sondern auch jede Menge Spaß hatten, der dazu führte, dass wir uns schon jetzt auf weitere Begegnungen freuen. Sei es bei der nächsten Werkwoche, einem Besuch, in den Ferien,...
Sr. Kerstin-Marie

Dienstag, 18. Oktober 2011

nur noch für kurze Zeit!

"Nur noch für kurze Zeit - jetzt zugreifen…!" - ob Schokolade, Uhren, Handys oder Autos - immer wieder lockt uns die Werbung mit diesem Slogan. Und ich finde es interessant, dass diese Art künstlicher Verknappung - obwohl der Trick ja eigentlich schon ziemlich alt ist - immer wieder Erfolg hat. Irgendwo wird da in uns anscheinend ein existentieller Nerv getroffen…
"Nur noch für kurze Zeit!" - das ging mir auch letzten Sonntag durch den Kopf, als der goldene Oktober seinem Namen alle Ehre machte und ich bei traumhaften Sonnenwetter zwei Stunden durch den Wald gelaufen bin. Klar, es wird in diesem Herbst sicherlich noch einige sonnige Tage geben, aber trotzdem hatte ich das Gefühl, alles Warme und Helle, was mir von oben entgegen kam, aber auch das Bunte, das meine Augen berührte, gleich doppelt und dreifach genießen zu können. Fast kam es mir vor, als verwende auch die Natur in diesen Tagen den Trick "nur noch für kurze Zeit", um mich sensibler zu machen für all das Schöne, was es um mich herum zu sehen gibt.
Offensichtlich war nicht nur ich mit solchen Gefühlen unterwegs, denn gleich mehrmals wurde ich auf dem Weg von anderen Spaziergängern gefragt: "Na, genießen Sie auch die letzten Sonnenstrahlen?"  Es war lustig der ganze Wald war voll mit gut gelaunten "Extrem-Genießern", alle auf der Jagd nach Wärme und Licht.
Auch wenn ich kein wirklich großer Fan von Regen, Kälte und Schmuddelwetter bin, so spüre ich doch, dass es gerade der Wechsel der Jahreszeiten ist, der mich lebendig macht und mich viel intensiver als sonst wahrnehmen und genießen lässt.
So wünsche ich uns allen in diesen Tagen schöne Stunden in der Natur, viel Freude an den herbstlichen Farben und dem warmen Licht, bevor der ganze Zauber dann der winterlichen Kargheit weicht.
Sr. M. Ursula

Sonntag, 16. Oktober 2011

Piazza, Wegesrand, Konferenzsaal

Wir beten hier in Arenberg meistens in eher konventionellen Räumen, die genau dafür gemacht wurden: Im Schwesternchor, in unserer Kirche, im Meditationsraum, im Refektorium,...
Auf unserer Pilgerreise beteten wir meistens eher in Räumen, die für alles gemacht sind, in denen das Gebet eher an letzter Stelle steht. Auf der Piazza vor unserer Unterkunft, auf der zwei Bänke weiter die örtliche Jugend den Feierabend feierte, unterwegs unter einem Baum am Wegesrand, während die Spinnen um uns herum krabbelten, beim Besuch Kardinal Kochs im Konferenzsaal, im Restaurant, der Bahnhofshalle,... Am Anfang war es uns ein bisschen ungewohnt, irgendwann aber selbstverständlich. Im Nachhinein wird mir klar, dass dieses Beten ein Bild für unsere Kirche ist: Wir sind die Kirche, da, wo wir sind. Egal, in welcher Situation, egal, wie die Räume sind, egal, wer da ist. Jesus sagt: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." (Mt 18,20). Er sagt nicht, wo diese beiden sich versammeln sollen, wie es dort auszusehen hat oder wer alles dabei sein soll.
Ja, ich denke, etwas von diesem Kirche-Sein haben wir auf unserer Pilgerreise erlebt, immer da, wo wir waren, wo wir auf unsere Personen gestoßen sind, die uns während der Tage begleitet haben. Schön, dass wir diese Erleben verbinden konnten mit dem Erleben Roms, wo die Weltkirche aufeinander trifft. Aber wie wohltuend, dass wir es an allen Orten erleben und leben konnten. Wir waren und sind Kirche und jeder von uns trägt dazu bei, wie die Kirche ist und wie sie aussieht. Eine ermutigende Erfahrung, auch für die Jugendlichen, die sich auf das Sakrament der Firmung vorbereiten und nach ihren eigenen Talenten Ausschau halten, nach dem Sinn ihres Lebens, die sich selber einbringen können und wollen in Kirche und Gesellschaft. Hoffentlich erleben wir noch oft an ganz unterschiedlichen Orten und zu ganz verschiedenen Gelegenheiten, dass wir Kirche sind und nicht einfach nur die anderen.
Sr. Kerstin-Marie

Dienstag, 11. Oktober 2011

Thank you, Lord!

Wie ja schon geschrieben, war ich in der letzten Woche mit Schweizer Firmlingen unterwegs. Erst zu einem Wochenende in der Schweiz, dann von Montag bis Mittwoch auf der via francigena und von Donnerstag bis Sonntag dann noch in Rom. So fiel ich gestern nach einer Fahrt durch die Nacht müde aus dem Zug in Koblenz, bin aber ganz erfüllt von den Erlebnissen der vergangenen Woche.
Nach einem erfüllten Wochenende zum Thema "Glauben und Zweifel" setzten wir unsere Schritte auf den 1000 Jahre alten Pilgerweg, der von Canterbury nach Rom führt. Nicht so bekannt, wie der Jakobsweg, aber bestimmt mindestens so schön. Dabei folgten wir den rot-weißen Zeichen und dem Pilgermännchen, so dass wir uns eigentlich nie verirrten, sondern stramm auf das Etappenziel des Tages zumarschieren konnten. Unterwegs "begegneten" wir Personen wie Thomas, dem Apostel, Christina von Bolsena und Maria Magdalena, die uns Hinweise für das eigene Leben gaben, z.B. wann und wo wir uns für etwas entscheiden mussten, vielleicht auch gegen den Willen der Eltern oder Freunde, was nach unserer Ansicht im Leben bewiesen werden muss,...
Wir wanderten aber auch durch eine wunderschöne Landschaft, konnten am 3. Oktober noch im See baden, wurden herzlich beherbergt bei sehr netten Benediktinerinnen in Montefiascone und fanden schließlich den Weg nach Rom. Nur gut, dass wir ein Begleitauto und einen findigen Fahrer dabei hatten, ohne das wäre manches schwieriger gewesen und manche Etappe unüberwindlich.
Ab Donnerstag erkundeten wir Rom, begegneten Petrus im Petersdom und in San Pietro in Vincoli, wo wir uns fragten, von welchen Ketten wir gerne befreit würden, wandelten auf den Spuren Katharina von Sienas und trafen Kurt Kardinal Koch sowie fr. Johannes Scheffler OP, die Jesus auch nachfolgen. Interessante und erfüllte Tage, an denen aber leider nie genug Zeit zum Shoppen war. Dafür gab es leckeres italienisches Essen, vor dem wir Gott mit dem Lied "Thank you, Lord, for giving us food" dankten. Praktisch, dass dieses Lied auch abgeändert werden kann und wir so in allen Lebenslagen für alles mögliche danken konnten.
Was für beeindruckende Tage, in denen wir viel miteinander geredet und nachgedacht haben, in denen wir den Platz vor unserer Unterkunft zum Gebetsraum umfunktionierten und in denen an manchen Tagen ein Eis das Highlight des Tages war oder die segnenden Worte des Kardinals.
Fast schade, dass es schon vorbei ist.
Sr. Kerstin-Marie
Bildquelle: wikipedia.de

Freitag, 7. Oktober 2011

Alles Maria, oder was?


Maria Empfängnis, Maria Verkündigung, Maria Heimsuchung, Maria Himmelfahrt, Maria Königin, Schmerzen Mariens, Maria Geburt.... Mehr als 15 Marienfeste feiern wir in der katholischen Kirche pro Jahr, und das heutige ist von außen betrachtet wahrscheinlich das seltsamste: Unsere liebe Frau vom Rosenkranz - oder kurz: Rosenkranzfest. Auch für mich, die ich früher keine wirklich fleißige Rosenkranzbeterin war, war dieses Fest lange Jahre geradezu eine Provokation, vor allem seine Entstehungsgeschichte. Der Dominikaner-Papst Pius V. hat es im 16. Jahrhundert ins Leben gerufen, als Dank für den Sieg in der Schlacht von Lepanto. Damit stellt sich natürlich die Frage, ob es denn legitim ist, ein solches Fest in unserer heutigen Zeit weiterhin zu begehen, statt es einfach unauffällig und leise unter den Tisch fallen zu lassen? Und außerdem: Wer betet denn heute noch den Rosenkranz, außer Nonnen und fromme alte Menschen? 
Gerade auf diesem Hintergrund, dass der Rosenkranz doch scheinbar nur noch ein Gebet von gestern ist, finde ich es faszinierend, dass sich viele unserer Gäste egal welcher Konfession von dieser Gebetsform sehr angesprochen fühlen. Er wird regelmäßig besucht und viele wollen mehr über das Rosenkranzgebet erfahren. Eine der Fragen, die uns am häufigsten gestellt wird, ist "Warum stellt Ihr Maria in den Mittelpunkt und ruft sie um ihre Fürsprache an, statt Euch direkt an den Chef zu wenden?"
Der Schlüssel, der mir persönlich einen Zugang zu dieser Marienfrömmigkeit verschafft hat, war der Gedanke des Theologen Heinrich Spaemann: "Was wir im Auge haben, das prägt uns, dahin werden wir verwandelt. Und wir kommen, wohin wir schauen." Maria ist für mich wie eine Ikone, ein Bild für einen Menschen, der sich ganz und gar, mit seiner ganzen Existenz seinem Gott verschrieben hat. Gott selbst hat sich ihr ganz geschenkt, in ihr hat Er Fleisch angenommen, durch sie kam Er in diese Welt. Sie war "voll der Gnade", was aber nicht heißt, dass sie von den Höhen und Tiefen des Menschseins verschont geblieben wäre. Ein Leben lang blieb sie eine Lernende im Umgang mit ihrem Sohn, der sich immer wieder als der Ganz-Andere entpuppte. Ihr Glaube trotzt selbst der äußersten Dunkelheit des Karfreitags, sie ist nach seiner Auferstehung diejenige, die zusammen mit den Aposteln im Abendmahlssaal auf die Herabkunft des Heiligen Geistes wartet.
Um wieder zu Heinrich Spaemann zurückzukehren: Wenn wir den Rosenkranz beten, dann nehmen wir Maria in den Blick, deren Leben untrennbar mit dem ihres Sohnes verwoben ist. Ich bin davon überzeugt, dass wir durch dieses Betrachten ihres Lebens geprägt werden, auch wenn es für uns oft nicht wahrnehmbar ist. Und ich spüre, dass es einfach heilsam ist, gerade in Zeiten, in denen mein Glaube mir so gar nicht felsenfest vorkommt, auf Maria, die "Mutter aller, die an Christus glauben" zu schauen.
Sr. M. Ursula
(Bildquelle: www.wikipedia.de)