Donnerstag, 29. September 2011

Im Gebet verbunden

Heute vor drei Wochen habe ich nun Profess gemacht und bin noch immer ganz im Glück. Es war ein wunderschönes Fest, es war ein besonderer Moment in der Venia, bevor Weihbischof Robert Brahm fragte, was ich verlange und es war großartig, Gott zu geloben und in die Hände der Generalpriorin zu verspechen, arm, ehelos und gehorsam zu leben. Es war ein Fest der Sinne!
Viele sind extra gekommen, um mit uns gemeinsam zu feiern, aber es gab noch viel mehr Post von all den lieben Menschen, die leider nicht dabei sein konnten. Immer wieder war darin zu lesen: "Ich denke fest an Dich." "Wir beten für Dich." "Im Gebet verbunden."... Jetzt könnte man ja denken, das sind so Formeln, die gerade unter Ordensleuten so gängig sind, aber ich denke, das waren wirklich ernst gemeinte Wünsche, Gedanken und Vorhaben, die mich durch den Tag getragen haben. Es war gut, kurz vor der eigentlichen Profess zu wissen, dass jetzt an allem möglichen Stellen Kerzen brennen, Freunde gedanklich dabei sind, mich und unsere Gemeinschaft vor Gott tragen. Das hat mich selber getragen, mir eine feste Stimme verliehen und ist ein wunderbares Geschenk, über das ich immer noch ganz glücklich bin. Vielen Dank also allen, die so feste gebetet haben, ich denke, wir sind immer noch im Gebet verbunden.
Und mit diesen guten Gedanken gehe ich auch in die nächste Woche, wenn ich mit einer Gruppe Jugendlicher aus der Schweiz in Italien unterwegs sein werde auf der Via francigena. Das ist bei allen Planungen ja doch immer ein kleines Abenteuer und man weiß nie, ob alles so klappt, wie es klappen soll. Da ist es eine wohltuende Unterstützung, dass schon mehrere Schwestern gesagt haben, dass sie uns im Gebet begleiten werden. Was soll da noch schief gehen?!
Sr. Kerstin-Marie

Dienstag, 27. September 2011

Andere Begegnungen

Letzten Donnerstag in der S-Bahn auf der Fahrt zum Olympiastadion hörte ich, wie ein Mann am Telefon folgendes sagte: "Es kommen auch viele Leute heute Abend ins Stadion, die eigentlich gar nicht gläubig oder katholisch oder so sind. Aber die sagen: 'Der Papst ist ja mehr als ein Pop-Star, das ist ja ein Welt-Star, näher kommt man nicht an den ran!'"
Ich denke, das ist genau die Situation der Säkularisierung, von der Papst Benedikt in seiner Rede im Konzerthaus in Freiburg gesprochen hat. Viele Menschen haben gar keinen Bezug mehr zum Glauben und zur Kirche, wissen gar nicht so richtig, was da eigentlich los ist, wer jetzt genau der Papst ist und wer zu welcher Konfession gehört. Aber viele von ihnen sind neugierig, interessiert, wollen doch mal wissen, was da eigentlich los ist. So, wie sie vielleicht mal Zen ausprobieren oder beim Judentum schnuppern, so schauen sie eben auch mal, was es da mit dem Papst auf sich hat und was bei so einer Messe passiert.
Vielleicht wissen nicht alle so genau, was man wann machen muss und wie das Kreuzzeichen geht, aber vielleicht fällt in diesen Momenten das Wort Gottes wie der Same auf den Boden. Wie der Boden beschaffen ist, weiß keiner, aber vielleicht ist es fruchtbare Erde und etwas beginnt zu wachsen. Vielleicht entdeckt jemand, dass hier eine Botschaft verkündet wird, die wirklich froh macht, die das Leben verändern kann. Sicher gehen viele nach Hause und fanden es einfach interessant, vielleicht auch anstößig und ärgerlich. Aber jeder, bei dem etwas zu wachsen beginnt, in dem das Wort nachwirkt, ist wie ein Wunder und ein Geschenk für die Kirche, wenn er oder sie mit all ihren Anfragen uns zum Nachdenken und Glauben anregt, jenseits aller Strukturen und Traditionen.
Das mag romantisch klingen, und oft ist es sicher anstrengend, in der schwierigen Situation der heutigen Kirche zu leben, offen zu sein für die Menschen, die kommen oder auch nicht kommen, eine Sprache zu sprechen, die möglichst viele verstehen können, nicht von, aber in der Welt zu sein, und doch finde ich die momentane Situation spannend und belebend. Auch, wenn wir als Ordensleute ja oft genug schräge Kommentare auf der Straße zu hören bekommen oder bestaunt werden, als kämen wir von einem anderen Stern. Aber immer wieder ergeben sich auch interessante Gespräche, gibt es gute Wünsche mit auf den Weg und kommen Anfragen. Das hätte es vor 40 Jahren, als man noch von einer Volkskirche sprechen konnte, so sicher nicht gegeben...
Sr. Kerstin-Marie

Montag, 26. September 2011

Begegnungen

Letzten Donnerstag in Berlin "begegneten" wir nicht nur Papst Benedikt - es war ja eine eher indirekte oder mittelbare Begegnung - , sondern auch vielen lieben Menschen. Irgendwie ist die Welt ja dann doch klein und so trafen wir zuerst in der Julius-Leber-Kaserne um kurz nach 7 Uhr den ein oder anderen Mitbruder! Wie schön, denn im Familienverbund kann man ja gleich viel leichter auf das warten, was noch kommen mag.
Wunderbar war auch die Begegnung mit Horst Wieshuber OPL, dem Referenten im Bundespräsidialamt, dem wir die ein oder andere bundespräsidiale Begegnung zu verdanken haben. Schön war es, ihn nach dem Empfang des Heiligen Vaters zu treffen und noch Zeit zu haben für ein kleines Gespräch, ohne jeden Stress. Er berichtete auch, dass wir die Einladung ins Schloss Bellevue dem Bundespräsidenten selber zu verdanken hatten.
Dazu trafen wir noch verschiedene Bischöfe, mit denen wir in verschiedener Weise verbunden sind und die Stimmung war nach diesem Vormittag natürlich bestens.
Und dann noch die sehr spontanen und überraschenden Begegnungen rund um das Olympiastadion: Während ich eigentlich auf einen Zisterzienser wartete, winkte jemand ganz in schwarz heftig: Der Studentenpfarrer aus Saarbrücken, damit hätte ich nun niemals gerechnet. Wie schön, dass wir uns in Berlin trafen und noch kurz miteinander plauderten. Und während ich wieder irgendwo wartete, kamen auf einmal zwei liebe Freunde aus der Gegend um Köln, von denen ich gar nicht wusste, dass sie auch in der Bundeshauptstadt sein würden. Da wir uns noch bei meiner Profess gesehen hatten, war die Freude riesig, dass wir uns nun hier völlig überraschend trafen.
Im Stadion kam dann noch einmal der ein oder andere Mitbruder vorbei, Menschen, die mit uns unterwegs waren und sind, Bekannte aus Hermsdorf,...
Einfach schön, trotz der vielen Menschen immer wieder Bekannte zu treffen, mit ihnen zu reden, sie aus der Ferne zu sehen und zu wissen, dass sie auch da sind.
Zum Abschluss des Tages gab es dann noch einmal ein sehr nettes Treffen in der S-Bahn, das war quasi eine gelungene Abrundung all der Zusammentreffen dieses Tages. Da komme ich nicht umhin, das Motto des vorletzten Papstbesuchs in Bayern zu zitieren: "Wer glaubt, ist nie allein."
Sr. Kerstin-Marie

Samstag, 24. September 2011

Mittendrin, statt nur dabei.

Wie ja schon vor einiger Zeit hier im Blog angekündigt, ist man als Ordensmensch einfach oft ganz vorne mit dabei - so hatten wir davon berichtet, dass wir eine Einladung bekommen hatten zum Empfang S.H. Papst Benedikt im Schloss Bellevue.
Und nun ist es schon Geschichte, aber es ist eine wundervolle Geschichte.
Am Mittwoch reisten wir zu insgesamt neun Schwestern nach Berlin-Hermsdorf in unseren Konvent, wo wir uns schon ordentlich auf den Empfang des Heiligen Vaters vorbereiteten und italienische Luft schnupperten. Am Donnerstag waren wir für sieben Uhr in die Julius-Leber-Kaserne geladen, wo wir nach einer Kontrolle wie am Flughafen nett verpflegt wurden und uns die Zeit vertreiben konnten, bis die Busse uns zum Schloss Bellevue bringen sollten. Wie nett, dass wir gleich die ersten Mitbrüder und Bekannten trafen, das war schon eine schöne Einstimmung. Dann ging es im Konvoi von 28 Bussen, begleitet von den "KRädern" der sächsischen Polizei in Richtung Bellevue - über rote Ampeln und vorbei an dem ein oder anderen Stau, der sich unseretwegen gebildet hatte. Angekommen am Schloss wurden wir in den Park geleitet, wo Papst Benedikt seine Rede halten sollte. Die nette Dame vom Bundespräsidialamt verfrachtete die weiße Reihe, die sich erst ganz am Rand eingefunden hatte, in die Mitte der einen Tribüne, so dass wir alles wunderbar im Blick hatten, inklusive der Leinwand, auf der wir auch die Ankunft des Papstes verfolgen konnten. Und dann kam Papst Benedikt, begleitet von Bundespräsident Wulff, selber in den Park. Irgendwie bewegend, aufregend und doch unwirklich, jemanden so nahe zu sehen, den man sonst fast nur aus den Medien bzw. der Entfernung kennt.
Die Reden des Bundespräsidenten und des Heiligen Vaters ließen unsere Herzen höher schlagen, so dass wir uns freuen konnten auf die Messe am Abend, an der wir auch noch teilnehmen konnten.
Der Weg zum Olympiastadion gestaltete sich etwas komplizierter, war aber letztendlich ganz einfach, so dass wir völlig entspannt am frühen Nachmittag schon dort waren. Genug Zeit also, um uns einzustellen auf den neuen Ort, noch etwas zu trinken, wieder Bekannte zu treffen und dann auch noch die beeindruckende Rede des Papstes im Bundestag über die Leinwand zu verfolgen. Natürlich machte sich da schon ein bisschen bemerkbar, dass wir schon recht lange unterwegs waren, aber als Benedikt XVI. dann in seinem Papamobil in das Stadion gefahren kam, war alle Müdigkeit verflogen. So konnten wir gemeinsam mit 61.000 anderen Menschen die Messe feiern, die beeindrucken, schön und bewegend war. Eigentlich nur ein bisschen schade, dass dann letztendlich alles so schnell vorbei war, aber wir alle kehrten ganz erfüllt und reich beschenkt nach Hermsdorf zurück, von wo wir gestern mittag die Heimreise antraten.
Was für ein wunderbarer Tag, was für ein Erlebnis, das noch Stoff bietet für den ein oder anderen Post.
Sr. Ursula und Sr. Kerstin-Marie

Wieder da!

Nachdem ich aufgrund von Professvorbereitung, Profess und Urlaub so lange geschwiegen habe, purzeln in mir die Gedanken, die ich unbedingt aufschreiben möchte, nur so in mir herum. So werde ich mich, hoffentlich, in den nächsten Tagen häufiger zu Wort melden und von all dem berichten, was so war: Die wunderschöne Profess, die Zeit seitdem und natürlich unser Besuch in Berlin, von dem wir gestern zurück gekommen sind und wo wir den Papst sehen und die Messe im Olympiastadion mitfeiern konnten. Es war ein toller Tag...
Aber zuerst einmal möchte ich mich bei allen ganz herzlich bedanken, die in den letzten Wochen und besonders am 8. September an mich gedacht und in Gedanken, Briefen und Werken mit uns gefeiert haben.
Vielen Dank für Euer Gebet, Euer Mitfiebern, Euer Lesen, Eure Glückwünsche!
Ich bin eine rundum glückliche Professschwester, die nun in das Leben einer solchen startet und heute mittag noch einmal erleichtert aufatmete, als ich auf der Tabelle der Chordienste noch nicht an der Stelle der Hebdomadaria genannt wurde. Das ist die Aufgabe der Vorbeterin und so ziemlich das einzige Amt, das wir erst nach der Profess übernehmen. Da ist die Aufregung davor dann natürlich doch ein bisschen da, vor allem, weil es da auch immer wieder Teile zu singen gibt... Dieser Kelch ging an mir vorüber, wie es mir sonst geht, davon in den nächsten Posts mehr.
Sr. Kerstin-Marie

Dienstag, 20. September 2011

Mahlzeit!

Nach monatelangen Sanierungs-arbeiten ist für uns Schwestern heute endlich der Tag gekommen, an dem wir wieder feierlich in unser gutes altes Refektorium einziehen dürfen.
Natürlich ist so ein Umzug vor allem für die verantwortlichen Schwestern mit viel Arbeit und manchmal auch Chaos verbunden, und sicherlich wird es noch einige Zeit dauern, bis wir uns wieder richtig eingelebt und an so manche Umstellung gewöhnt haben, aber wenn ich mir den neu gestalteten Raum so anschaue, dann könnte ich schlicht und einfach platzen vor Freude.
Unser Refektorium ist nicht einfach nur ein "Esszimmer", so wie unsere Mahlzeiten auch nicht nur Nahrungsaufnahme dienen. Das Wort "Refektorium" stammt vom lateinischen "Refectio", was mit Wiederherstellung, Labung, Erholung übersetzt werden kann. Das, was in unserem Refektorium geschieht, dass wir nämlich gemeinsam Mahl halten, ist im Grunde nichts anderes als eine Übertragung unseres Betens und Feierns in der Kirche hinein in unseren Alltag. Wir stellen bei den Mahlzeiten nicht nur uns selbst wieder her, sondern auch unsere Gemeinschaft. Und so soll das Refektorium nicht zuletzt ein Raum der Versöhnung sein, in dem wir miteinander das teilen, was unserem Leben dient. Und genau diesen Charakter hat unser Kirchenmaler Günter Daniel auf einzigartige Weise herausgestellt, in dem er unserem Refektorium einen ganz ähnlichen "Anstrich" gegeben hat, wie vor einigen Jahren schon unserer Mutterhauskirche. Und so ist unser Refektorium bereits auf den ersten Blick als das erkennbar, was es ja im Grunde auch ist - als Gottesdienstraum. Nun liegt es an uns, diesen Raum zu nutzen, ihn mit Leben zu füllen und vor allem die Einladung zur täglichen "Wiederherstellung" anzunehmen. 
Sr. M. Ursula

Samstag, 17. September 2011

gute Frage


Schon seit zwei Tagen muss ich grinsen über einen Kommentar, den eine Mitschwester gab, als wir im Schriftgespräch über das Sonntags-evangelium (Mt 20, 1-16) gesprochen haben: "Ich frage mich, warum hat denn der Gutsbesitzer die angeheuerten Arbeiter nicht einfach der Reihe nach bezahlt? Dann hätten die Ersten gar nicht mitbekommen, dass die Letzten genau den gleichen Lohn wie sie bekommen, und ihm wäre eine Menge Ärger erspart geblieben!"
Und in der Tat: Das wäre doch auch ein nettes Gleichnis gewesen, dafür nämlich, dass in Gottes Reich nicht nur die großen Lohn erhalten, die von Anfang an mitarbeiten, sondern dass auch diejenigen die gleiche Chance erhalten, die ihr ganzes Leben lang untätig auf dem Marktplatz herumgehängt haben und erst kurz vor Feierabend angeheuert wurden. Eigentlich doch schon genug Froh-Botschaft, oder?
Definitiv nicht, denn dann wären die Arbeiter der ersten Stunde tatsächlich außen vor, um nicht zu sagen: die Doofen gewesen. Es ist eine ungeheure Provokation, dass Jesus dieses Gleichnis ausgerechnet so und nicht anders erzählt. Die Kurzarbeiter, die sich kaum die Hände schmutzig gemacht haben, erhalten vor den Augen der Arbeiter der ersten Stunde als Erste ihren un-verdienten Lohn. Ausgerechnet exakt den gleichen Betrag, den die erhalten, welche sich den ganzen Tag verausgabt haben. Genau an diesem Punkt kommt die vielleicht etwas unbequeme göttliche Qualität in die Geschichte. Jesus erzählte die Geschichte seinen eigenen Jüngern, die sich garantiert sofort mit den scheinbar übervorteilten Arbeitern identifiziert haben. Er konfrontiert sie schonungslos mit dieser scheinbar himmelschreienden Ungerechtigkeit.
Ich bin überzeugt, einen weniger krassen Weg konnte er nicht gehen, um die Seinen herauszuführen aus einem gnadenlos kapitalistischen Denken, um sie zu befreien von der Vorstellung, sich im Reich Gottes durch Höchstleistung eine goldene Nase verdienen zu können. Der Gotteslohn ist nicht berechenbar. Gott selbst ist es, der sich seinen "Arbeitern" schenkt. Und Er schenkt sich ganz. Immer. Mit dieser unendlichen, provozierenden Großzügigkeit Gottes müssen wir alle, die wir von Ihm angeheuert wurden, umgehen lernen, vielleicht ein Leben lang. Ist es nicht allein schon "Lohn" genug, unseren himmlischen Arbeitgeber durch diese und andere Gleichnisse Jesu immer tiefer kennenlernen zu dürfen?
Sr. M. Ursula

Sonntag, 11. September 2011

Ihm bin ich verlobt

Soviel Brimborium nur für eine Erste Profess - wie soll sich das noch von der endgültigen Bindung in der ewigen Profess unterscheiden? Das fragte sich einer unserer Blog-Leser, als er sich die Fotos vom Festtag angeschaut hat. Und von außen betrachtet könnte man ihm ja auch wirklich zustimmen - da bindet sich eine einzige Novizin durch ein öffentliches Gelübde für ein Jahr an eine Ordensgemeinschaft, und dazu müssen dann gleich aus allen Himmelsrichtungen ein Weihbischof, zehn Priester, Familie, Freunde, Mitbrüder und Bekannte anreisen? So ein Aufwand für eine einfache Profess? 
Mal ganz davon abgesehen, dass wir am Festtag immer auch die Ordensjubiläen und Gelübdeerneuerung unserer älteren Mitschwestern begehen - meine Antwort ist ein klares JA. Ich kann natürlich nur von mir reden, aber für mich war genau diese Erstprofess ein riesengroßer Schritt. Ich bin ihn nicht gegangen mit dem Gedanken "ein Jahr hältst du das schon durch, dann kannst du ja ohne Probleme wieder die Fliege machen", sondern dieser Entscheidung ging eine lange Zeit intensiver Prüfung voraus, in denen mir immer tiefer bewusst wurde, dass ich meinem Gott in genau dieser Lebensform ein Leben lang treu bleiben will - soweit es in meiner Kraft steht. Mit anderen Worten: ich habe an diesem Tag eben innerlich nicht noch das Hintertürchen "ist ja nur für ein Jahr" offen gelassen, nicht nur einen Teil von mir hingegeben (das geht meiner Meinung nach sowieso nicht, wenn es um die Liebe unseres Lebens geht!), sondern die ganze Ursula. Und hätte ich ernsthafte Bedenken gehabt, diesen Weg mit Gott in unserer Gemeinschaft bis an mein Lebensende weitergehen zu wollen, hätte ich auch die erste Profess nicht abgelegt. "IHM bin ich verlobt" - so heißt es im Brautgesang der Hl. Agnes, der in der Liturgie nach der Ablegung der Erstprofess gesungen wird, und man verlobt sich ja auch nicht nur ein bißchen, sondern ganz.
Dass nun gerade an diesem für mich so wichtigen Tag, an dem ich mein erstes öffentliches Ja geben durfte, all meine Lieben an meiner Seite waren, die mich auf meinem bisherigen Lebens- und Glaubensweg geprägt und begleitet hatten, dass ich diesen Tag zusammen mit Mitschwestern feiern durfte, die 25, 50 oder und sogar 60 Jahre zuvor den gleichen Schritt gewagt haben, das wiederum verlieh dieser Feier ihren ganz besonderen Glanz. Da wurde für mich ganz existentiell erfahrbar, was es heißt, geborgen zu sein in der Gemeinschaft der Kirche, miteinander Freude zu teilen und im Gebet verbunden zu sein - und von dieser Erfahrung werde ich sicherlich mein ganzes Leben lang zehren.
Sr. M. Ursula

Er, der Herr, hat seine Hand auf mich gelegt und mich bezeichnet.
Er umschließt mich wie ein Flammenwall mit seinem Leben. Ihm bin ich verlobt.

Er, der Herr, der die Engel sendet, sein Wort zu vollziehn,
der die Sonne leuchten lässt und die Nacht mit Lichtern übersät, Ihm bin ich verlobt.

Er, der Herr, taucht mein Herz in seine Gegenwart.
All meinem Tun und Sinnen verleiht er Glanz und Kraft.
Er kleidet mich mit Gewändern des Heils. Er, mein Herr!

(Brautgesang der Hl. Agnes)


P.S. nicht, dass der Eindruck entsteht, unsere frisch "verlobte" Schwester Kerstin-Marie habe bei der Ablegung ihrer Erstprofess die Sprache verloren - die Gute genießt gerade ein paar wohlverdiente Ferientage und wird sich danach wieder im Blog zu Wort melden :-)

Freitag, 9. September 2011

Was für ein Fest!

...mit diesen Bildern möchten wir unseren Blog-Lesern einfach ein wenig Anteil geben an unserer Freude - zu weiteren Ausführungen sehen wir uns derzeit aufgrund akuter Müdigkeitsattacken außer Stande ;-)
Ganz herzlichen Dank für Ihre / Eure freudige Anteilnahme und Verbundenheit im Gebet - es war für uns alle ein unvergesslicher Tag!
(Fotos: Philipp Berretz)

Mittwoch, 7. September 2011

Hoch-Zeit

Einstimmung unserer Generalpriorin Sr. M. Scholastika in den morgigen Festtag

Liebe Schwester Kerstin-Marie,
liebe Jubilarinnen,

lassen Sie mich mit einem Wort vom verstorbenen Bischof Klaus Hemmerle beginnen, das einholt und zusammenbringt, was wir morgen feiern: Profess – Hoch-Zeit -  und Professerneuerung - Jubiläum. 
Bischof Hemmerle beginnt einen Vortrag über Maria mit einer eigenen Erfahrung:

„Die bewegendsten Augenblicke für mich als Bischof und Priester sind jene, in denen man sehr scheu und ehrfürchtig das Geheimnis eines Herzens, das sich Gott schenkt, berühren kann. Manchmal in der Not und in der Krise, oft aber auch in dieser einen innersten Hingabe. Man wird immer wieder Zeuge dafür, dass es wirklich eine Unruhe im menschlichen Herzen gibt, die nur zur Ruhe kommt in GOTT…. Da hat GOTT einen Menschen angerührt, und damit beginnt die heimliche Unruhe seines Lebens, bis er an den Punkt kommt, an dem dieses eine JA reift, und er dieses JA ganz sagt. Oder er hat es gesagt, und er kommt hinein in ein Dunkel, und nun muss er das JA neu sagen, muss er es durchtragen. Und was vielleicht am Anfang Jubel und selbstverständliche Zustimmung war, wird jetzt hartes Brot seiner Alltäglichkeit, aber dadurch nur umso kostbarer, umso redlicher, in aller Armut nur noch tiefer. Das ist das Ungeheuerliche, dass es im menschlichen Herzen mitten im Gewirr der Motive, Empfindungen, Erfahrungen, auch Abhängigkeiten, … und Verstellungen dennoch etwas gibt wie diesen lauteren Punkt: es geht um GOTT, es geht um ihn, um dieses „Nur DU“.“

Liebe Schwester Kerstin-Marie, 
Du sagst dieses Ja in der Dir geschenkten Freiheit, Entschiedenheit und tiefen Freude. Wenn ich es so sagen darf: Du feierst Hoch-Zeit mit Deinem GOTT, willst den innigen Bund mit IHM eingehen und Dich von Ihm immer neu rufen lassen, Dir von IHM den Weg zusagen lassen und den Weg der Nachfolge auch mutig gehen.

Und Sie, liebe Jubilarinnen, 
zeigen uns durch ihre vor 60, 50 und 25 Jahren abgelegte Profess, dass die Berufung Weg bedeutet, Lebensweg, Heilsweg. 
Es ist dieses wunderbare freie, unfassbare Zueinander von GOTT und Mensch, das auch durch Sie verwirklicht ist. In aller Alltäglichkeit. Im Auf und Ab unseres Lebens, in dem das JA immer wieder neu gesprochen und gelebt, vielleicht in dunklen, erschütterten Zeiten neu gesucht werden muss. Und wir wünschen Ihnen von ganzem Herzen, dass das Ja, das Sie morgen neu bestätigen, Sie ganz froh macht und Sie versöhnt auf das Kommende zugehen lässt.

Klaus Hemmerle spricht vom Geheimnis der innersten Hingabe, die allein Fülle schenkt, die allein bis ins Innerste menschlichen Lebens glücklich macht. Es ist dieses „Nur Du“, das den Pulsschlag gibt in unserer Lebensform und auf das hin sich unser Leben bündeln will. Lebenslang. Bis in den Tod hinein.
Wer von uns weiß nicht um diesen Punkt, um diese Weichenstellung des Herzens des Nicht-mehr-anders-Könnens, damals im Ringen um den eigenen Lebensweg und bis heute in den täglichen, kleinen Entscheidungen: ich will mit diesem einen GOTT, mit Christus mein Leben gestalten, will ihm gehören, mein Leben ganz nach seinem Willen ausrichten. 
Weil wir zuinnerst im Herzen wissen, was der Verstand vielleicht noch gar nicht recht zu fassen vermag, dass GOTT allein unsere tiefste Sehnsucht stillen kann, dass letztlich nur ER dieses Loch in uns, das brennend nach dem Himmel verlangt, beglückend füllen kann. Ruhe, Frieden, ein wirkliches Gestilltsein finden wir nur in IHM.

Der hl. Paulus beschreibt seine Entschiedenheit für Christus in der ihm eigenen Radikalität: 
„Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein. Christus will ich erkennen.

Es sind Worte eines Liebenden. Er hat Christus als seine Liebe entdeckt, und aus dieser Kraft vermag er alles zurückzulassen. Aus dieser Kraft wird er später auch seinem Tod entgegen sehen können. Da ist ein Anderer, ein Liebender und Erbarmender, der ihn hält, der ihn keinen Augenblick loslässt, der ihm das wahre Leben schenkt. Paulus vermag alles aufzugeben, weil er Empfangender geworden ist, ein Beschenkter, weil er sich ausstreckt nach dem Größeren, nach dem einzig Herrlichen. 
„In Christus zu sein“, ist für Paulus Alles, das Größte, die Erfüllung. Ist ihm Himmel auf Erden. Diese Liebe bleibt aber nicht bei sich, sondern zieht den Menschen über sich hinaus. In der göttlichen Liebe wird uns diese Wirklichkeit auf einzigartige Weise deutlich: 
GOTT liebt den Menschen, und diese Liebe erschöpft sich nicht darin, uns aus Notlagen zu befreien, uns etwas zu geben, sondern Er will sich geben. Ganz. Überfließend. 

Schauen wir auf Maria, deren Geburt wir morgen feiern:
Welche Kraft wohnt im entschiedenen, lauteren Ja eines Menschen! Das freie Ja einer einfachen Frau  ließ GOTT Mensch werden. Maria konnte ihn GANZ empfangen, sie konnte ihn GANZ geben. Ihr Leben zeigt uns das einzigartige Spiel von Schenken und Empfangen zwischen GOTT und dem Menschen. Maria verschenkt sich durch ihr Ja und wird Empfangende. GOTT schenkt sich ihr, verschenkt sich ihr vorbehaltlos. Auch mit allen Konsequenzen. Hier zeichnet sich das Geheimnis unserer eigenen Berufung. Im Blick auf Maria erkennen wir die unfassbare Größe unserer eigenen Würde. Empfangende sind wir, aber auch überreich Beschenkte, und darin können wir uns selber verschenken.

Liebe Jubilarinnen,  möge das Ja, das Sie morgen neu sprechen, möge Dich, liebe Schwester Kerstin-Marie dieses Ja in der Tiefe des Herzens glücklich machen und Sie mehr und mehr nach Christus ausrichten. Mögen Sie etwas von der Freiheit spüren, das in dieser Bereitschaft liegt:
Hier bin ich, sende mich.

Du wirst es morgen für uns alle neu sprechen, Schwester Kerstin-Marie:
Hier bin ich, Herr.
Was auch kommen mag, wie auch immer es mir geht: Hier bin ich, Herr.
Denn DU, Du bist da. Heute und alle Tage meines Lebens. Amen.
Sr. M. Scholastika

Exerzitien im Alltag

Sie war mal wieder ein kleines bißchen verrückt, diese letzte Woche, aber irgendwie auch typisch für unser Leben. Wie Sr. Kerstin-Marie im letzten Post schon schrieb, war für unsere Festtagsschwestern in Begleitung von Pater Wilhelm erst einmal tiefes Schweigen angesagt, während es rundherum im Zuge der Festvorbereitungen zuging wie im Bienenstock. Doch auch unsereins, die wir ja den ganz normalen Alltag zu leben hatten, durfte ein wenig von dem "Brot essen, das vom Tisch der Exerzitantinnen abfiel", wie Sr. M. Scholastika es schmunzelnd ausdrückte. Die Technik macht's möglich - in unserem Haus gibt es nämlich für die Schwestern, die krank sind oder nicht mehr zum Chorgebet kommen können, eine Übertragungsanlage, durch die beispielsweise Exerzitienvorträge oder die Gottesdienste im ganzen Haus gehört werden können. Da ich es fast jeden Morgen schaffte, mir die halbe Stunde Zeit zum Zuhören zu nehmen, bekamen auch meine Tage eine ganz besondere Prägung - eben Exerzitien im Alltag, bei denen ich dann gleich fünf Minuten später schon üben konnte, die gehörten Kostbarkeiten ins ganz normale Leben einzubinden ;-) 
Nachdem nun die Tische gedeckt, das Essen bestellt und die Zelte aufgebaut sind, es heute Morgen bereits eine Probe unserer Jubilarinnen gab, heute Mittag Messdienerprobe unter der Leitung unserer Obermessdienerin Sr. M. Johanna angesagt war und unser lieber Mitbruder Pater Thomas Möller OP heute Abend schon einmal mit berauschenden Klängen unser Örgelchen warm gespielt hat, stehen wir nun alle innerlich und äußerlich gut gerüstet in den Startlöchern für den morgigen Festtag. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass der gute Petrus sich das mit dem Wetter noch einmal durch den Kopf gehen lässt und uns statt des angekündigten Dauerregens mit ein paar Sonnenstrahlen überrascht ;-)
Sr. M. Ursula