Die Vorbereitungen auf den Festtag nächste Woche laufen auf Hochtouren und es erinnert mich ein bisschen an den Advent. So wie es in dieser Zeit des Jahres noch wahnsinnig viel zu tun gibt auf Weihnachten hin, so ist auch bei uns wahnsinnig viel zu tun. Wie viele Gäste kommen, wer singt wann was, wer sitzt wo, was gibt es zu essen,...
Aber nicht nur geschäftiges Treiben, sondern, ähnlich wie die Adventszeit ja auch ihre bestimmten Ereignisse hat, bestimmte Vorbereitungsrituale haben stattgefunden und finden statt. Letzte Woche Freitag hatten die Schwestern im Mutterhaus ihr Versöhnungskapitel, am Montag war dann ich im Noviziat dran. Dieses Kapitel ist eine Einrichtung, die es bei uns vor großen Anlässen für die jweiligen Festtagsschwestern gibt. Sie haben die Gelegenheit, sich in der Gemeinschaft zu entschuldigen für das, was sie falsch gemacht haben, wo sie gefehlt haben, was daneben gegangen ist. Das soll einen Neuanfang ermöglichen, so dass die Schwestern nach ihrem Fest wieder voll in der Gemeinschaft sein können.
Das mag auf den ersten Blick ein bisschen befremdlich klingen, aber ich finde es eine wirklich segensreiche Einrichtung. Einmal offen zu sagen, wo ich mich falsch verhalten habe, zu dem stehen zu können, was ich verbockt habe und dann um Verzeihung zu bitten, ist wie ein reinigendes Gewitter und bringt frische Luft. Natürlich ist es auch ein bisschen aufregend, aber in der Gemeinschaft von Schwestern kein Problem.
Gestern dann gab es die Noviziatsreflexion mit Sr. Scholastika und seit gestern Abend sind wir als Exerzitantinnen schon zusammen. Heute haben wir die Gelegenheit, einander zu begegnen, uns noch einmal leer zu reden, ehe morgen Abend dann unsere Exerzitienvorträge als Vorbereitung auf das Fest beginnen und wir die Stille suchen. Das ist natürlich ein echter Luxus für uns, sind doch alle anderen Schwestern noch schwer mit den Vorbereitungen beschäftigt, wofür wir sehr dankbar sind.
Und wenn ich dann achtmal geschlafen habe, werde ich zum letzten Mal den weißen Sonntagsschleier anziehen, das sichtbarste Zeichen der Veränderung mit der Profess. Mehr noch als auf den schwarzen Schleier freue ich mich aber darauf, mein JA öffentlich zu bekräftigen und volles Mitglied unserer Kongregation zu werden.
Bleibt nur zu hoffen, dass ich bis dahin wirklich achtmal schlafe und nicht nach vier Nächten vor lauter Aufregung kein Auge mehr zu tun werde. Auf jeden Fall werde ich meinen nächsten Post erst wieder mit schwarzem Schleier schreiben.
Bis dahin
Sr. Kerstin-Marie
Mittwoch, 31. August 2011
Montag, 29. August 2011
Einmal Eifel, bitte
Schon seit ungefähr einem Jahr sprechen wir davon, unbedingt mal einen Ausflug zusammen zu machen. Am Samstag nun konnten wir unsere Pläne in die Tat umsetzen und in die schöne Eifel aufbrechen. Dort hatten wir bis vor einigen Jahren ein Haus, in dem Sr. Beatrix Priorin war und in dem eigentlich alle Schwestern auch unterschiedlich oft zu Ferien oder aus anderen Gründen verweilten, so dass es quasi Pflicht war, in Daleiden vorbei zu schauen. Von dort aus ging es weiter nach Clerf in Luxemburg, wo wir zu Gast in der Abtei Saint Maurice waren. Nach Messe und Terz auf Französisch fand P. Schumacher Zeit für uns, den Sr. Roswitha gut kennt, und erzählte uns über sein Leben in der Abtei. Nach einem kleinen Besuch im Klosterladen war es dann schon wieder Zeit für die Sext und anschließend waren wir zum Mittagessen im wunderschönen Gästerefektorium eingeladen. Aus der angekündigten Suppe wurde ein dreigängiges Menu, bei dem wir kurz an unsere Schwestern zu Hause dachten, die sich an den samstäglichen Gerechtigkeitstag hielten. Wunderbar gestärkt, konnten wir auch noch fr. Peter begrüßen, der verantwortlich ist für die beeindruckende Homepage der Abtei.
Um unser ganzes Programm noch zu schaffen, war es dann schon wieder Zeit für den Aufbruch. Über Daleiden, wo wir noch die Kapelle in unserem alten Haus besuchen konnten, ging es weiter zur Schankweiler Klause. Hier regnete es zum ersten Mal an diesem Tag nicht, weswegen wir in aller Ruhe ein bisschen die gute Eifeler Waldluft schnuppern und den Platz der ursprünglichen Klause bewundern konnten. In der Kirche trafen wir dann den heutigen Klausner, der uns sogar seine Wohnung zeigte und mit uns zusammen das Gebet zur Gnadenmutter der Schankweiler Klause betete. Ein wirklich wunderschöner Ort, den man eigentlich öfter besuchen sollte, läge er nicht so irgendwo im Nirgendwo in der Eifel...
Weil wir also noch ein Stück Strecke vor uns hatten, ging es gleich wieder in den Bus und in Richtung Heimat und nach 453 km durch die Eifel waren wir abends wieder zu Hause. Nicht nur, dass wir ausführlich diesen Landstrich bereisten, im Grunde machten wir auch eine Reise durch die Vielfalt der Kirche: Das lateinisch-französische Gebet in der Abtei in Clerf mit ihren sehr streng lebenden Mönchen, die Stippvisite in unserer ehemaligen Kapelle in Daleiden, die Ferienort für so viele Menschen war und der Besuch in der Klause, mit dem besonderen Leben eines Klausners, sind ja nur winzige Ausschnitte von dem, was alles möglich ist in der Einheit der Kirche. Alles das ist katholisch und alles das, so unterschiedlich es ist, gehört zusammen. Wie groß, bunt und vielfältig ist doch die Kirche.
Sr. Kerstin-Marie
Um unser ganzes Programm noch zu schaffen, war es dann schon wieder Zeit für den Aufbruch. Über Daleiden, wo wir noch die Kapelle in unserem alten Haus besuchen konnten, ging es weiter zur Schankweiler Klause. Hier regnete es zum ersten Mal an diesem Tag nicht, weswegen wir in aller Ruhe ein bisschen die gute Eifeler Waldluft schnuppern und den Platz der ursprünglichen Klause bewundern konnten. In der Kirche trafen wir dann den heutigen Klausner, der uns sogar seine Wohnung zeigte und mit uns zusammen das Gebet zur Gnadenmutter der Schankweiler Klause betete. Ein wirklich wunderschöner Ort, den man eigentlich öfter besuchen sollte, läge er nicht so irgendwo im Nirgendwo in der Eifel...
Weil wir also noch ein Stück Strecke vor uns hatten, ging es gleich wieder in den Bus und in Richtung Heimat und nach 453 km durch die Eifel waren wir abends wieder zu Hause. Nicht nur, dass wir ausführlich diesen Landstrich bereisten, im Grunde machten wir auch eine Reise durch die Vielfalt der Kirche: Das lateinisch-französische Gebet in der Abtei in Clerf mit ihren sehr streng lebenden Mönchen, die Stippvisite in unserer ehemaligen Kapelle in Daleiden, die Ferienort für so viele Menschen war und der Besuch in der Klause, mit dem besonderen Leben eines Klausners, sind ja nur winzige Ausschnitte von dem, was alles möglich ist in der Einheit der Kirche. Alles das ist katholisch und alles das, so unterschiedlich es ist, gehört zusammen. Wie groß, bunt und vielfältig ist doch die Kirche.
Sr. Kerstin-Marie
Samstag, 27. August 2011
Ent-täuschend
Hunderte Male habe ich sie wahrscheinlich schon gehört oder gelesen, die erste Leidensankündigung Jesu, bei der er seinen Jüngern zu verstehen gibt, dass sein Weg ihn durch Ablehnung, Schmach, Leid und Tod hindurch führen wird. Unzählige Male hat sie mir schon zu denken gegeben, die darauf folgende krasse Auseinandersetzung mit Petrus. Der lehnt sich natürlich wie so oft ganz weit aus dem Fenster, zieht Jesus zu sich her, herrscht ihn an und macht ihm Vorhaltungen. "Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!" (Mt 16,22)... Aber noch nie ging mir die Dramatik dieser Geschichte so zu Herzen wie heute. Es war ausgerechnet der Hl. Augustinus, dessen Gedenktag wir morgen feiern, der einmal sinngemäß geschrieben hat: Jemandem zu bekennen "ich liebe dich" hieße ihm oder ihr zu sagen "ich will, dass du bist". Ich bin davon überzeugt, dass dieser Petrus, dessen rührendes Messiasbekenntnis "Du bist der Sohn des lebendigen Gottes" uns nur wenige Zeilen zuvor überliefert ist, Jesus abgöttisch geliebt hat. Und dementsprechend war für ihn die schlimmste aller Katastrophen, dass dieser geliebte Mensch irgendwann einmal nicht mehr sein könnte. Zumal es für ihn ja nicht nur irgendein geliebter Mensch war, sondern ausgerechnet der, den er als Heiland, als Messias erkannt hat. Wir nachösterlichen Besser-Wisser von heute haben gut reden, wir wissen ja, wie die Geschichte letztlich ausgegangen ist. Aber was konnte wohl dieser Petrus von damals anfangen mit dem undenkbaren Gedanken, dass dieses bevorstehende große Leid für seinen Herrn und Meister nicht die Endstation sein würde?
"Weg da, hinter mich, Satan!" lautet die überaus schroffe Antwort Jesu auf die Vorhaltungen seines Jüngers, "Ein Ärgernis bist du mir! Du hast ja nicht Gottes Sache, sondern die der Menschen im Sinn!" (Mt 16,23). Ehrlich, eine größere menschliche Enttäuschung als diese Reaktion kann ich mir kaum vorstellen. Wahrscheinlich hätte sich unsereins schmollend in die nächste Ecke zurückgezogen und wäre beleidigt seine eigenen Wege gegangen. Nicht so Petrus - er lässt sich von Jesus ent-täuschen, lässt sich von ihm erziehen, er hält aus und bleibt in seiner Nachfolge. Und indem er Jesus in seinem So-Sein, in seiner Unbegreiflichkeit und Fremdheit aushält, erweist er ihm die größtmögliche Liebe. Hier offenbart sich, welch starken "Felsen" Jesus für den Bau seiner Kirche ausgewählt hat.
Vielleicht ist es gerade dieses sich immer wieder tapfer "Ent-täuschen-Lassen", worauf es in unserer Beziehung zu Christus wesentlich ankommt - da es uns ja letztlich davor bewahrt, eigenen Trugbildern und Wunschvorstellungen statt dem wahren Gott zu folgen.
Sr. M. Ursula
(Übersetzung nach Fridolin Stier)
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Dienstag, 23. August 2011
Freunde
Am Samstag war ich auf der Hochzeit einer wunderbaren Freundin eingeladen. Eine gute Gelegenheit, weitere Freunde zu treffen, mit denen ich zusammen die Ausbildung zur Pastoralreferentin im Bistum Trier gemacht habe. Früher haben wir uns natürlich öfter getroffen, weil wir ja oft zusammen nach Trier mussten, gemeinsame Kurse irgendwo hatten und weil wir uns alle so schrecklich gern haben. Und auch wenn ich jetzt einen Haufen wunderbarer Mitschwestern und -brüder habe, so schlich sich am Samstag doch ein bisschen Wehmut in die Freude über die wunderbare Hochzeit, das Fest, den schönen Abend. Denn schließlich wird es immer komplizierter, sich mit den "weltlichen" Freunden zu treffen, den Kontakt nicht abreißen zu lassen, sich nicht aus den Augen zu verlieren.
Am Sonntag blätterte ich deshalb durch so ein Kinder-Freundebuch, das mir eine weitere wunderbare Freundin schenkte, ehe ich nach Trier aufbrach und in dem lauter tolle Leute verewigt sind.
Freunde eben, die man aus der Ferienfreizeit nachts um zwölf anrufen kann, wenn man dringend eine Internetverbindung braucht, die einem etwas für den Klingelbeutel geben, wenn man gerade nix hat, mit denen man jeden Abend Ramazotti trinken könnte, mit denen man auf langen Fahrten durch die Republik kurz die Welt rettet, die immer dafür zu haben sind, auf einen Kaffee irgendwo einzukehren, die einem immer ihr Gästezimmer als Domizil anbieten, mit denen man die schärfste Penne all'Arrabiata der Welt kochen und essen kann, mit denen man ewig Kleider kaufen kann, mit denen man alle Kirchen einer Stadt besichtigen kann, mit denen man so lange telefonieren kann, bis das Telefon von alleine die Verbindung kappt,...
Wie wunderbar ist es, solche Freunde zu haben, auch wenn wir uns nur selten sehen und die Zeiten vielleicht vorbei sind, in denen wir uns jeden Tag an der Uni trafen. Aber ein Anruf, eine Mail, vielleicht auch ein Besuch oder ein Treffen irgendwo sollten sich dann doch arrangieren lassen, damit dieses Geschenk der Freundschaft nicht verloren geht.
Sr. Kerstin-Marie
Am Sonntag blätterte ich deshalb durch so ein Kinder-Freundebuch, das mir eine weitere wunderbare Freundin schenkte, ehe ich nach Trier aufbrach und in dem lauter tolle Leute verewigt sind.
Freunde eben, die man aus der Ferienfreizeit nachts um zwölf anrufen kann, wenn man dringend eine Internetverbindung braucht, die einem etwas für den Klingelbeutel geben, wenn man gerade nix hat, mit denen man jeden Abend Ramazotti trinken könnte, mit denen man auf langen Fahrten durch die Republik kurz die Welt rettet, die immer dafür zu haben sind, auf einen Kaffee irgendwo einzukehren, die einem immer ihr Gästezimmer als Domizil anbieten, mit denen man die schärfste Penne all'Arrabiata der Welt kochen und essen kann, mit denen man ewig Kleider kaufen kann, mit denen man alle Kirchen einer Stadt besichtigen kann, mit denen man so lange telefonieren kann, bis das Telefon von alleine die Verbindung kappt,...
Wie wunderbar ist es, solche Freunde zu haben, auch wenn wir uns nur selten sehen und die Zeiten vielleicht vorbei sind, in denen wir uns jeden Tag an der Uni trafen. Aber ein Anruf, eine Mail, vielleicht auch ein Besuch oder ein Treffen irgendwo sollten sich dann doch arrangieren lassen, damit dieses Geschenk der Freundschaft nicht verloren geht.
Sr. Kerstin-Marie
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Mittwoch, 17. August 2011
Entscheidung
Heute feiern wir im Dominikanerorden den hl. Hyazinth von Polen, der ein Zeitgenosse Dominikus' war und diesen in Rom kennenlernte.
Heute morgen bei Tisch hieß es dann, Hyazinth habe sich, als er Dominikus erst einmal kennengelernt hatte, sehr schnell dazu entschieden, Dominikaner zu werden. Daraufhin meinte eine Schwester: "Ja, damals ging das so schnell." Worauf eine andere erwiderte: "Och, bei mir ging das auch so schnell."
Heute morgen bei Tisch hieß es dann, Hyazinth habe sich, als er Dominikus erst einmal kennengelernt hatte, sehr schnell dazu entschieden, Dominikaner zu werden. Daraufhin meinte eine Schwester: "Ja, damals ging das so schnell." Worauf eine andere erwiderte: "Och, bei mir ging das auch so schnell."
Damit ist mir heute und im Zusammenhang mit dem hl. Hyazinth das Thema "Entscheidung" nahe gekommen. Manchmal meint man ja, es sei zur Zeit so ein Phänomen, sich nicht entscheiden zu können. Menschen, die sich erst in letzter Minute für ein Wochenende anmelden, um dann in allerletzter Minute wieder abzusagen. Paare, die sich nicht entscheiden können, für immer beieinander bleiben zu wollen, junge Menschen, die sich nicht entscheiden können, was sie studieren wollen oder sollen. Natürlich ist das schwer, bei der gebotenen Auswahl das richtige für sich zu finden und in manchen Fällen drängt sich das Gefühl auf, dass jetzt unbedingt das richtige getan werden muss.
Eine große Herausforderung, finde ich, und sicher nie einfach, wenn es um Lebensentscheidungen geht. Der Satz, der mir bei meiner Entscheidung geholfen und quasi den letzten Schubs gab, war der von Hilde Domin:
"Ich setzte meinen Fuß in die Luft und sie trug."
Hier merke ich jeden Tag, wie tragfähig die Luft ist und was für eine gute Entscheidung ich da getroffen habe, wenn sie auch nicht immer ganz vernünftig zu sein schien. Wie belebend es ist, durch die Luft zu laufen und sich täglich neu überraschen zu lassen. Wenn dann in Zukunft Entscheidungen zu treffen sind, kann ich ganz beschwingt da ran gehen, weil ich zum einen nicht allein entscheiden muss und weil die Luft ja trägt.
Sr. Kerstin-Marie
Bildquelle: wikipedia.de
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Samstag, 13. August 2011
Eine Liebeserklärung
"Wie haben Sie eigentlich Ihre Gemeinschaft gefunden?" werde ich in Gesprächen oft gefragt. Nun ja, ehrlich gesagt habe ich dieser Frage nie eine besondere Bedeutung beigemessen. Da mein Plan A vom Leben sowieso nicht war, Ordensfrau zu werden, gab es auch zu keiner Zeit meines Lebens eine Phase, die ich bewusst der Suche nach einer passenden Gemeinschaft gewidmet hätte. Es war genau umgekehrt - ohne einen wirklich ernsthaften Gedanken daran zu verschwenden, einmal Arenberger Dominikanerin oder sonstwas zu werden, kam ich das erste Mal vor fast neun Jahren durch eine äußerst verrückte Fügung hierher ins Mutterhaus, und da hat es mich eben einfach voll "erwischt".
In letzter Zeit bekommen wir immer mal wieder Besuch von jungen Frauen, die Ordensinteresse haben und auf der Suche nach einer passenden Gemeinschaft sind. Manche von ihnen haben schon in vielen Klöstern mitgelebt, sind aber trotzdem noch nicht "fündig" geworden. Und diese Such-Wege haben bei mir schon einige Male die Frage aufgeworfen, ob ich mich denn letztlich auch dann für die Arenberger Dominikanerinnen entschieden hätte, wenn ich mir die Mühe gemacht hätte, noch andere Gemeinschaften kennen zu lernen? Und ob es eigentlich gut war, einfach so blind meinem Herzen zu trauen statt mich von allen Seiten abzusichern, auch wirklich die für mich beste, passendste aller Gemeinschaften gefunden zu haben?
In der letzten Woche habe ich zusammen mit Sr. M. Scholastika an einer dominikanischen Schwestern-Tagung teilgenommen. Mehr als 60 Schwestern aus 15 Gemeinschaften waren nach Strahlfeld gekommen, es gab viele nette Begegnungen, anregende Impulse, gute Gespräche und Diskussionen bis spät in die Nacht - kurz: wir hatten richtig gute Tage.
Doch als ich heute Nachmittag wieder durch die Tür unseres Mutterhauses ging, wurde mir auf einmal eines so deutlich wie selten: dass mein Weg mich damals ausgerechnet auf den Arenberg geführt hat, war für mich Nichtsahnende nicht weniger als der Sechser im Lotto meines Lebens - absolutes, unverdientes Geschenk.
"Wie haben Sie Ihre Gemeinschaft gefunden?" - im Chorgebet heute Abend fiel es mir wie Schuppen von den Augen: durch nichts anderes als ein absolutes, handfestes Wunder - eine jener besonders originellen Ideen Gottes, über die ich garantiert mein Leben lang staunen werde :-)
Ein schönes Wochenende wünscht
Die heute zutiefst dankbare und vielleicht ein bisschen verrückte Sr. M. Ursula
(Foto: Schw. Heike-Maria OP, Strahlfeld)
Donnerstag, 11. August 2011
Ganz weit vorne
Am Dienstag unterhielt ich mich mit einem jungen Menschen über das Ordensleben, wieso, weshalb, warum. Natürlich kam da auch die Frage nach dem Verzicht auf Freiheit, auf Familie, auf Partnerschaft. In dem Zusammenhang kam mir das heutige Evangelium am Fest der hl. Klara sehr nahe. Jesus antwortet Petrus da:
"Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen."
Vielleicht verzichten wir auf manche Dinge, Annehmlichkeiten und Menschen in unserem Leben, aber immer wieder stelle ich fest, welche Möglichkeiten uns stattdessen gegeben sind. Ein vielleicht eher profanes Beispiel dafür wurde Sr. Johanna gestern und mir sehr deutlich vor Augen geführt, als wir gemeinsam unsere Post öffneten und darunter auch ein Brief des Bundespräsidenten war. Wie man also sehen kann, sind wir im September eingeladen, beim Empfang unseres Papstes im Schloss Bellevue dabei zu sein. Natürlich noch mit ca. 1200 anderen Menschen, aber allein die Einladungskarte ließ kurz unser Herz höher schlagen. So etwas aufregendes!
Immer wieder gibt es so Gelegenheiten, in denen ich das Hundertfache erhalte, wenn es vielleicht auch mit einem anderen Maß gemessen wird, als andere es messen. Und so bin ich jetzt ganz gespannt auf unsere Reise im September nach Berlin, auf das Schloss Bellevue und natürlich Seine Heiligkeit.
Sr. Kerstin-Marie
"Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen."
Vielleicht verzichten wir auf manche Dinge, Annehmlichkeiten und Menschen in unserem Leben, aber immer wieder stelle ich fest, welche Möglichkeiten uns stattdessen gegeben sind. Ein vielleicht eher profanes Beispiel dafür wurde Sr. Johanna gestern und mir sehr deutlich vor Augen geführt, als wir gemeinsam unsere Post öffneten und darunter auch ein Brief des Bundespräsidenten war. Wie man also sehen kann, sind wir im September eingeladen, beim Empfang unseres Papstes im Schloss Bellevue dabei zu sein. Natürlich noch mit ca. 1200 anderen Menschen, aber allein die Einladungskarte ließ kurz unser Herz höher schlagen. So etwas aufregendes!
Immer wieder gibt es so Gelegenheiten, in denen ich das Hundertfache erhalte, wenn es vielleicht auch mit einem anderen Maß gemessen wird, als andere es messen. Und so bin ich jetzt ganz gespannt auf unsere Reise im September nach Berlin, auf das Schloss Bellevue und natürlich Seine Heiligkeit.
Sr. Kerstin-Marie
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Sonntag, 7. August 2011
Lodernder Brand
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus:
Am Freitag wurde gefastet, seit neun Tagen wird besonders gebetet nach dem Frühstück, am Samstag wurden die "guten" Teppiche in der Kirche ausgelegt und der Blumenschmuck ganz besonders schön gestaltet. Beim Wüstentag ging es thematisch um den "Wein der Freude". Ich musste noch schnell meinen Habit waschen und bügeln und heute dann brannten neue Kerzen auf dem Altar und ein Bild wurde im Altarraum aufgestellt. In der zweiten Vesper vom Sonntag wurde schon ein anderer Hymnus gesungen und P. Michael griff bei den Fürbitten und der Oration auch schon zum Dominikanischen Stundenbuch, denn morgen feiern wir den hl. Dominikus, unseren Ordensgründer. Da kann man bei uns schon merken, wie die Freude auf dieses Fest um sich greift, was also ganz dominikanisch ist, da die Freude unbedingt zu unserem Leben dazu gehört. Und so denke ich, ist es genau richtig, alles schön zu machen für das Fest und morgen von a bis z zu feiern, weil wir uns so daran freuen, in der Art unseres Vaters und Bruders Dominikus dem Herrn nachzufolgen.
Dominikanerin zu sein, ist eben ein besonderer Weg der Nachfolge und für uns der schönste, was wir dann morgen feiern, wenn wir aus vollen Kehlen den Hymnus "Lodernder Brand" singen.
Sr. Kerstin-Marie
Am Freitag wurde gefastet, seit neun Tagen wird besonders gebetet nach dem Frühstück, am Samstag wurden die "guten" Teppiche in der Kirche ausgelegt und der Blumenschmuck ganz besonders schön gestaltet. Beim Wüstentag ging es thematisch um den "Wein der Freude". Ich musste noch schnell meinen Habit waschen und bügeln und heute dann brannten neue Kerzen auf dem Altar und ein Bild wurde im Altarraum aufgestellt. In der zweiten Vesper vom Sonntag wurde schon ein anderer Hymnus gesungen und P. Michael griff bei den Fürbitten und der Oration auch schon zum Dominikanischen Stundenbuch, Dominikanerin zu sein, ist eben ein besonderer Weg der Nachfolge und für uns der schönste, was wir dann morgen feiern, wenn wir aus vollen Kehlen den Hymnus "Lodernder Brand" singen.
"Lodernder Brand",
"Licht in der Dunkelheit"
wirst du genannt,
"Retter der Christenheit".
Lass deinen Mut heiliges Erbe sein,
gieße die Glut auch deinen Töchtern ein.
Vater Dominikus!
Dämmt ihn nicht ein,
Schwestern, es kommt die Nacht!
Brand sollt ihr sein!
Habt auf den Vater acht!
Strahlender Stern, weise den rechten Weg,
der zu dem Herrn durch alle Fährnis geht,
Vater Dominikus!
Preisen wir denn
froh die Dreieinigkeit,
Vater und Sohn,
froh auch den Heilgen Geist.
Hier noch im Streit, doch nach der Zeitlichkeit
mit dir vereint ewig in Herrlichkeit,
Vater Dominikus!
Freude!
Gedanken von Sr. M. Scholastika zum Hochfest unseres Heiligen Vaters Dominikus
Der Dominikaner Paul Murray, der sich intensiv mit der dominikanischen Spiritualität auseinandergesetzt hat, stellt heraus, dass es im Herzen dominikanischen Lebens „eine tiefe Freude gab, nicht nur in Hinblick auf Gott, sondern auch hinsichtlich aller anderen Dinge und vor allem bezüglich der Menschen, denen die Brüder begegneten. Jemand kann nicht gleichzeitig Prediger der frohen Botschaft und dabei unglücklich sein."
Tatsächlich betrachtete Jordan von Sachsen, einer der liebens-würdigsten und beliebtesten der ersten Brüder, den Satz des Evangeliums „Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn“ (Mt 25,21) als eine Einladung, Dominikaner zu werden.
Tatsächlich betrachtete Jordan von Sachsen, einer der liebens-würdigsten und beliebtesten der ersten Brüder, den Satz des Evangeliums „Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn“ (Mt 25,21) als eine Einladung, Dominikaner zu werden.
Die Liebe des hl. Dominikus zu seinem Schöpfer floss über in eine Liebe zu allem, was GOTT ins Dasein rief. Diese Liebe war die Quelle seiner Heiterkeit, seiner Freude, die in der Begegnung mit ihm sichtbar und erlebbar wurde. Schwester Cäcilia schreibt von einem Strahlen, das von seiner Stirn ausging und das jeden mit Ehrfurcht erfüllte. Seine Freude war gespeist aus der tiefen Verbundenheit mit Christus, die ihm eine Leichtigkeit schenkte und eine Freiheit, die in unzähligen Menschen das Interesse weckte, sich der Wahrheit des Evangeliums zu öffnen. „Im Herzen seiner Freiheit war ein Vertrauen auf Gott“, so Paul Murray, „das zu einem Vertrauen in die Brüder führte.“ Und darin wuchs die Gemeinschaft.
Die Freude, die der dominikanischen Spiritualität eigen ist, meint kein oberflächliches Vergnügen, sondern einen Zustand des Herzens, der bleibt, auch wenn der Alltag Erschütterungen und Bedrängnisse kennt.
Ein Wort von Dietrich Bonhoeffer macht dies deutlich:
„Bei Gott wohnt die Freude ,und von ihm kommt sie herab und ergreift Geist, Seele und Leib, und wo diese Freude einen Menschen gefasst hat, dort greift sie um sich, dort reißt sie mit, dort sprengt sie verschlossene Türen.
Es gibt eine Freude, die von Schmerz, Not und Angst des Herzens gar nichts weiß; sie aber hat keinen Bestand, sie kann nur für Augenblicke betäuben.
Die Freude Gottes ist durch die Armut der Krippe und die Not des Kreuzes gegangen; darum ist sie unüberwindlich, unwiderleglich.
Sie leugnet nicht die Not, wo sie da ist, aber sie findet in ihr, gerade in ihr Gott. Sie bestreitet nicht die ernste Sünde, aber sie findet gerade so Vergebung. Sie sieht dem Tod ins Auge, aber sie findet gerade in ihm das Leben. Um diese Freude, die Jesus schenkt, geht es. Sie ist allein glaubwürdig, sie hilft und heilt."
Wir wissen, wie sehr der hl. Dominikus weinen konnte über die Not des Menschen, wie sehr ihn das Leid rührte. Gerade dieses Mitleid brachte ihn in die Nähe des Menschen: die Welt wurde für ihn das Evangelium, das Evangelium die Welt. Wie sehr betonte er immer wieder die unverbrüchliche Initiative GOTTES, die Welt zu erlösen, die Wurzel seiner Botschaft blieb die unerhörte Liebe GOTTES, die den Tod überwindet und in die Freude und den Frieden führt.
Das Bewusstsein, dass die Welt gerettet IST, dass sie getragen wird und er selbst sie nicht tragen muss, lässt ihn heiter werden.Mögen wir alle diese tiefe, unverbrüchliche Freude an Gott und seiner Schöpfung erfahren und weitergeben, aus ihr heraus unser Leben gestalten und so glaubwürdige Zeugen Seiner Heilsbotschaft werden!
Montag, 1. August 2011
Überfülle
…war gestern das Stichwort des Tages, und das nicht nur im Sonntagsevangelium, wo wir die Perikope von der wunderbaren Brotvermehrung hörten. Bereits am Samstag brachte uns Sr. Scholastika zum Staunen, als sie in kürzester Zeit aus einem Kilo Mehl, etwas Hefe und Milch den garantiert dicksten und leckersten Berner Sonntagszopf zauberte, der jemals einen Ofen verlassen hat. Und das nicht ohne Grund, denn es hatten sich zwar keine 5000 hungrigen Menschen zum Abendessen, dafür aber die gute Monika zum Kaffee angesagt; sie war vor einigen Monaten schon einmal bei uns zu Gast und wollte wieder einmal nach dem Rechten schauen. Nun kam aber auch Monika nicht mit leeren Händen, sondern brachte zur Freude aller auch noch einen sehr gediegenen Frankfurter Kranz mit. Erwähnen sollte man - wo wir gerade bei den kulinarischen Highlights sind - natürlich unbedingt auch noch Sr. Irmingards frisch gekochtes Brombeer-Gelee, welches wiederum hervorragend mit dem Hefezopf harmonierte.
Materiell und personell war damit also die beste Infrastruktur für einen Sonntagnachmittag der Extraklasse geschaffen, den wir dann auch in vollen Zügen genossen. Und damit die Nasen unserer Leser nun auch richtig lang werden, gibt’s hier noch einige Fotos zu sehen:
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