"Alles, was wir uns von ganzem Herzen wünschen, und sei dieser Wunsch auch noch so klein, wird uns irgendwann im Leben erfüllt - wenn auch manchmal erst nach Jahren." Es ist seltsam, aber diesen Satz, den Sr. M. Friedgardis mir einmal im Noviziat in Rickenbach mitgab, habe ich zwar auf Anhieb einfach nur belächelt, aber irgendwie ist er mir doch ins Herz gefallen. Schließlich war er ja auch nicht einfach nur dahin geplappert, sondern es steckte die Erfahrung eines ganzes Lebens dahinter. Wahrscheinlich konnte und wollte ich ihn einfach deshalb nicht glauben, weil er sich zu schön, zu glatt, zu naiv anhörte - passt einfach nicht wirklich zu einer aufgeklärten Dominikanerin der jüngeren Generation. Und trotzdem - ich denke oft an diese Worte und habe darüber in den letzten Jahren auch einmal eine Achtsamkeit für innere Wünsche und deren Erfüllung entwickelt. Und heute, heute wurde Sr. M. Friedgardis' Aussage plötzlich wieder SEHR lebendig - diese Geschichte ist fast zu verrückt, um wahr zu sein.
Inzwischen ist es über vier Jahre her, dass der Orkan Kyrill über Deutschland gefegt ist und große Teile auch unseres Waldes zum Umfallen gebracht hat. Ein Bild ist es, was mich damals, als ich zum ersten Mal wieder durch den verwüsteten Wald ging, sehr berührte. Unter den kreuz und quer liegenden umgefallenen Bäumen war nämlich einer, in dessen Jahresringen ein lachendes Gesicht zum Vorschein kam. Der Baumstamm liegt dort natürlich schon lange nicht mehr, aber jedes Mal, wenn ich an dieser Stelle vorbeigehe, muss ich an dieses Bild denken. Und man möge es mir glauben oder nicht, aber als Hobbyfotografin tat es mir auch nach mehr als vier Jahren immer noch extrem leid, dass ich es damals aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen versäumt hatte, ein Foto von diesem kleinen Wunder zu machen. Mit anderen Worten: ein Bild von diesem Baumstamm zu bekommen, war mir ein echter innerer Wunsch, vielleicht für viele schwer nachvollziehbar.
Tja, und heute Abend fiel ich vor lauter Staunen um ein Haar von meinem Schreibtischstuhl: Auf Wunsch schickte ich einer Dame, die in diesen Tagen bei uns zu Gast war, heute Morgen per Mail einen Text aus meinem Morgenimpuls. Und ohne, dass dieser Impuls irgendetwas mit einem Baum zu tun hatte, schickt mir eben diese Dame in einer Dankes-Mail genau das Bild, das ich eigentlich unbedingt fotografiert gehabt haben wollte, einfach so, mit der Bemerkung: "Diesen "lachenden Baum" (umgeknickt und durchgesägt) habe ich nach "Cyrill" im Arenberger Wald fotografiert. (…) Ist mir als ein beeindruckendes Symbol in Erinnerung, wie so eine wilde Zerstörung eine kleine "Schönheit" hervorzaubern kann!"Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen außer einem sehr herzlichen Gruß nach Rickenbach - Liebe Schwester M. Friedgardis, ja, ich glaube, da ist was dran :)
Sr. M. Ursula
