Mittwoch, 29. Juni 2011

Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin.

Heute feiern wir Peter und Paul, also die beiden Apostel Petrus und Paulus. Ich finde, an den beiden läßt sich auf beste Weise erkennen, wie Gott an und mit uns Menschen handelt.
Mein Griechischdozent an der Uni sprach oft davon, dass die Jünger eigentlich diejenigen um Jesus herum waren, die am allerwenigsten verstanden haben von dem, was da gerade passierte. Sie streiten sich darum, wer wo sitzen darf, kennen Jesus gut und haben doch Angst beim Sturm auf dem See und stellen oftmals die seltsamsten Fragen. Und vorneweg ist Petrus: Er will unbedingt auch übers Wasser laufen und als er es kann, bekommt er gleich Angst und geht unter. Er schätzt die Situation auf dem Berg mal gleich völlig falsch ein und will Hütten bauen, obwohl es da um ein Geschehen geht, das nicht manifestiert werden kann. Er nimmt den Mund wahnsinnig voll und verleugnet Jesus dann doch klar und deutlich. Und so kam mein Dozent zu dem Urteil: Petrus ist ja eigentlich der Unklügste von allen, er versteht gar nichts.
Ähnliches kann man ja von Paulus zu Beginn sagen. Er verfolgt die Christen aufs Schärfste, er galoppiert in die völlig falsche Richtung, bis er endlich vom Pferd fällt. Auch er versteht also gar nichts.
Und dann werden beide für uns wahnsinnig wichtig. Petrus erkennt als erster, dass Jesus der Messias ist und Jesus, der genau weiß, wen er da vor sich hat, erklärt ihn zum Felsen, auf dem er seine Kirche aufbauen will. Ebenso geht es mit Paulus. Der ärgster Gegner wird der größte Verfechter des neuen Weges und bringt die Frohe Botschaft in die ganze Welt. Paulus, der sich seiner Sache zu Anfang so sicher war, sagt dann den Satz: "Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin."
Und ich denke, das ist programmatisch für das Handeln Gottes an uns Menschen. Wir können noch so ungeschickt und verpeilt sein, aber wenn wir uns der Gnade Gottes überlassen, dann kann aus uns die unglaublichste Person, das allerbeste Werkzeug werden. Sicherlich keine einfache Aufgabe, aber eine Herausforderung, von der ich denke, dass es wert ist, sich ihr zu stellen, weil ich so am ehesten die werden kann, die ich eigentlich schon immer bin.
Sr. Kerstin-Marie
Bildquelle: wikipedia.de

Samstag, 25. Juni 2011

Lächerlich.

Lachen ist gesund für Körper, Geist und Seele. Das ist sogar wissenschaftlich nachgewiesen. Und immer wieder spüre ich, wenn wir in einer Gemeinschaft, Freundschaft oder auch in einer Partnerschaft miteinander und über uns selbst lachen können, dann brauchen wir uns um die Beziehung keine Sorgen zu machen.
Aber es gibt auch ein ungesundes, höhnisches Lachen, ein Lachen das zerstören kann. Manchmal ziehen wir sogar etwas bewusst ins Lächerliche, um es nicht zu nah an uns heranzulassen, um uns nicht damit auseinander setzen zu müssen. "Diese Show, die die katholische Kirche da abzieht, die ist doch absolut lächerlich" - so kam es mir beispielsweise dieser Tage zu Ohren, als es um das Fronleichnamsfest ging. Um ehrlich zu sein, musste ich meinem Gegenüber sogar zustimmen, denn wenn man von außen auf die Art und Weise schaut, mit der wir in der Liturgie unseren Glauben feiern, dann wirkt das in der Tat wie ein lächerliches Schauspiel. Es ist doch lächerlich, so einen Palaver um ein einfaches Stück Brot zu machen. Und überhaupt: Ist es nicht lächerlich, den Verheißungen Gottes, IHM selbst Glauben zu schenken, wo die Welt sich doch nach wie vor selbst in Stücke reißt? Und ist es nicht extrem lächerlich, in der heutigen Zeit von Armut, Gnade, Gehorsam, Demut oder gar Keuschheit zu sprechen? Und noch viel lächerlicher, eine Lebensform zu wählen, in der doch alles, was Spaß macht verboten ist?
Aber damit sind wir in guter Gesellschaft - "Lächerlichkeiten" aller Art begegnen uns bereits in der Bibel. So zum Beispiel im Markus-Evangelium, als Jesus die Tochter des Jairus auferweckt. "Das Mädchen ist nicht tot, es schläft nur" sagt er - und daraufhin lachen ihn die Umstehenden höhnisch aus, so nach dem Motto: dieser Jesus, der ist doch tatsächlich noch ein bißchen dummer als wir bislang angenommen hatten (vgl. Mk 5, 21 ff.). Und auch heute Morgen in der Lesung hörten wir, wie jemand über eine große Verheißung erstmal lachen musste:
"Sie fragten Abraham: Wo ist deine Frau Sara? Dort im Zelt, sagte er. Da sprach der Herr: In einem Jahr komme ich wieder zu dir, dann wird deine Frau Sara einen Sohn haben. Sara hörte am Zelteingang hinter seinem Rücken zu. Abraham und Sara waren schon alt; sie waren in die Jahre gekommen. Sara erging es längst nicht mehr, wie es Frauen zu ergehen pflegt. Sara lachte daher still in sich hinein und dachte: Ich bin doch schon alt und verbraucht und soll noch das Glück der Liebe erfahren? Auch ist mein Herr doch schon ein alter Mann! Da sprach der Herr zu Abraham: Warum lacht Sara und sagt: Soll ich wirklich noch Kinder bekommen, obwohl ich so alt bin? Ist beim Herrn etwas unmöglich? Nächstes Jahr um diese Zeit werde ich wieder zu dir kommen; dann wird Sara einen Sohn haben.  Sara leugnete: Ich habe nicht gelacht. Sie hatte nämlich Angst. Er aber sagte: Doch, du hast gelacht." (Gen 18,1 ff.)
…doch, du hast gelacht. Auch ich habe in meinem Leben manchmal gelacht über Glaubenswahrheiten, Zusagen, Verheißungen, die mir irgendwie zu groß, zu unwirklich, zu abgefahren schienen. Aber mir ist das Lachen auf eine ganz beglückende Art und Weise vergangen. Was geblieben ist, ist unendliches, dankbares Staunen über die ver-rückten Wege Gottes auch in unserer Welt und Zeit.
Sr. M. Ursula

Freitag, 24. Juni 2011

Fronleichnam

Gestern haben wir das Fest Fronleichnam gefeiert, das Hochfest des Leibes und Blutes Christi. Zur Zeit bin ich für vier Wochen in unserem Konvent in Berlin-Hermsdorf, um hier noch ein Praktikum zu machen, ehe es ernst wird.
Und so hatte ich gestern die Gelegenheit, Fronleichnam in der Hauptstadt zu feiern. Eine irgendwie ungewohnte Situation, da es schon damit losging, dass hier gar kein staatlicher Feiertag ist. Ist es sonst also an diesem Tag auf den Straßen eher ruhig, war hier gestern alles wie immer und im Krankenhaus, in dem wir hier tätig sind, war es die große Quizfrage, warum wir den Sonntagshabit anhatten. Weil hier eben alle ganz normal arbeiten mussten, gab es auch keine Fronleichnamsprozession am Morgen, sondern erst um 18.00 Uhr auf dem Gendarmenmarkt, mitten in der Stadt. Ist ja klar, dass wir uns auch dorthin auf den Weg machten.
Und hier erlebte ich ein Fronleichnamsfest, das ich vorher so noch nicht erlebt hatte: Eine beeindruckende Kulisse, ein wunderbare Chöre, jede Menge Ministranten, Priester, Ordensritter, Schwestern, Banner und natürlich noch viel mehr "Gemeinde". Allerdings waren auch Sicherheitsleute zu sehen, die sich um die Altarinsel postiert hatten und die zur Prozession rund um das Allerheiligste gingen bzw. am Weg postiert waren. Da weiß ich noch gar nicht so genau, was ich davon halten soll. Denn einerseits weiß ich, dass Berlin eine Stadt ist, in der Christen eine Gruppe unter vielen sind, andrerseits finde ich es irgendwie dissonant, dass eine Toleranz aller - aus wahrscheinlich guten Gründen - nicht vorausgesetzt werden kann.
Dass diese Tolerant derjenigen, die mit dem Fest nichts anfangen können, dann aber doch da war, zeigte sich bei der Prozession. Eine beeindruckend große Schar - wenn man die gestrige Gemeinde mit meiner Heimatgemeinde und ihrer Fronleichnamsprozession vergleicht - machte sich auf den Weg in Richtung Friedrichstraße, vorbei an den teuersten Läden und den schicksten Cafés, um wieder zum Gendarmenmarkt zurück zu kommen. Am Straßenrand waren dementsprechend viele Menschen, die gerade vom Einkaufen kamen, von der Arbeit, die als Touristen die Stadt erkundeten oder einfach so unterwegs waren. Da war meist Neugierde zu sehen, natürlich jede Menge Fotohandys, vielleicht auch Stress, weil es jetzt kein Durchkommen gab, sicher auch Verwunderung über diesen seltsamen Zug, aber eigentlich keine Ablehnung.
Vielleicht war das auch bedingt durch die Art der Prozession: Diözesanadministrator Weihbischof Heinrich hatte vorher in seiner Predigt gesagt, dass wir nicht demonstrieren, sondern unseren Glauben bezeugen. Dies taten wir mit Liedern, es gab Texte, die zum Motto "Eingeladen zum Tisch des Herrn" passten und eben Christus selber, den wir in unserer Mitte trugen. Wir drängten uns nicht auf, aber wir stehen dazu, dass wir Christen sind und dass wir daran glauben, nicht vom Brot allein leben zu können.
Und so war es ein berührendes Fest in einer Welt, die vielleicht nicht so viel mit der Kirche und dem Glauben anfangen kann, die aber, so wie sie ist, von Gott geliebt ist.
Sr. Kerstin-Marie
Bildquelle: wikipedia.de

Mittwoch, 22. Juni 2011

Ziel erreicht?

"Er hat sein größtes Ziel erreicht" - diese oder ähnliche Schlagzeilen bekommen wir hier und da zu lesen, wenn Sportler, Künstler oder Politiker auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angekommen sind. In der vergangenen Woche war es beispielsweise der geniale Dirk Nowitziki, der mit seinem Sieg im NBA-Finale sein größtes Ziel erreicht hatte und damit die ganze Welt einschließlich mir selbst zu Tränen rührte.

"Du siehst auf den Fotos so glücklich aus - wie schön, dass du dein Ziel erreicht hast, du bist wirklich angekommen…"  Immer mal wieder bekomme auch ich von alten Bekannten Rückmeldungen dieser Art, vor allem, wenn wir uns längere Zeit nicht mehr gesehen haben.
"Ziel erreicht - angekommen…" - es gab einen Augenblick in meinem Leben, an dem ich tatsächlich einmal genau dieses Gefühl hatte, aber er zählt definitiv nicht zu den glücklichsten Momenten meines Lebens. Inzwischen ist es 13 Jahre her, dass ich nach einem unendlich stressigem Studium mein Examenszeugnis in den Händen hielt. Jahrelang hatte ich mit höchster Disziplin darauf hingearbeitet, gelernt bis zum Umfallen und war mir ganz sicher, dass ich der glücklichste Mensch der Welt sein müsste, wenn ich das alles endlich erfolgreich hinter mich gebracht hätte. Doch der erwartete Glückstaumel blieb aus - ich konnte mich zwar riesig über den Erfolg und meine Leistung freuen, aber genau das Gefühl, am Ziel zu sein, hinterließ in meinem Innern vor allem eins: gähnende Leere. Mit dieser Leere verbunden tat sich die existentielle Frage auf: kann das wirklich das Ziel sein - eine bestandene Prüfung, ein Karrieresprung, eine sportliche Leistung, eine gewählte Lebensform?
Ein Gedanke von Frère Roger wurde mir damals sehr wichtig und begleitet mich bis heute. Sinngemäß sagte er einmal: "Christus macht uns nicht zu Menschen, die es geschafft haben, sondern Er bewahrt uns immer einen Frühling im Herzen".
Ich spüre, dass es genau das ist, was mich tief  im Herzen glücklich macht: nicht das Angekommen-Sein oder gar Vollkommen-Sein, sondern das radikale Unterwegs-sein-Dürfen, Wachsen auf Christus hin. Oder anders ausgedrückt: unser lebenslanges Mensch-werden-Dürfen. Und wie ich mich kenne, werde ich wahrscheinlich frühestens bei meinem letzten Atemzug am wirklichen Ziel meines Lebens angekommen sein
;-)
Sr. M. Ursula
(Foto: A. Kern)

Donnerstag, 16. Juni 2011

Ich habe dich beim Namen gerufen


"Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir."
Jes 43,1

Dieser Text des Propheten Jesaja begegnete mir in den Exerzitien und geht mir bis heute nach.
Gott hat mich ausgelöst, das heißt, er hat etwas für mich gegeben, damit ich frei werden konnte. Ich bin ihm so wertvoll, dass er etwas für mich hergibt, ich bin ihm nicht egal.
Gott ruft mich beim Namen. Schon letztes Jahr in den Exerzitien gab es eine Situation, in der es um meinem Namen ging und ja, ich glaube, dass Gott mich bei meinem Namen ruft: Kerstin-Marie. Was für ein Glück, dass ich mir vor fast zwei Jahren nicht "Theodulfa" gewünscht habe und was für ein Hinweis, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Gott ruft mich und hat schon längst von mir Besitz ergriffen, ich gehöre IHM! Und jetzt geht es darum, Antwort zu geben, der Ansage zu trauen, dass es keinen Grund gibt, mich zu fürchten, weil ich unter den allerbesten Bedingungen laufe.
Und weil ich gerne Gott gehöre, weil ER der einzige ist, dem ich überhaupt gehören möchte, deswegen habe ich schon vor einigen Wochen meinen Antrag auf Zulassung zur Ersten Profess abgegeben und war deswegen am Dienstag beim Rat, um diesen Antrag noch einmal mündlich zu bekräftigen. Weil es um die Verbindung mit Gott geht, deswegen will ich mich an diese Gemeinschaft binden, die wie Sr. Veneranda am Dienstag betonte, für mich eine große Verantwortung übernimmt, für die ich aber auch Verantwortung zu übernehmen habe.
Und weil die Gemeinschaft bzw. der Generalrat sich vorstellen kann, mich in diese Gemeinschaft ganz und gar aufzunehmen, haben sie meinem Antrag zugestimmt und mich zur Profess zugelassen.
Deswegen laufe ich schon seit Dienstag Abend grinsend wie ein Honigkuchenpferd durch die Welt und freue mich wie ein Kind darauf, Profess zu machen und mich an Gott, der schon längst in Vorleistung gegangen ist, zu binden. Zwar erstmal "nur" für ein Jahr, aber dann hoffentlich für immer, in einer großartigen Gemeinschaft und einem wunderbaren Orden.
Sr. Kerstin-Marie

Dienstag, 14. Juni 2011

Alles Gute zum Alltag

Mit einem grandiosen Pommes- und Grillabend im Marienhof haben wir gestern Abend im Mutterhauskonvent noch einmal mit Pauken und Trompeten das Ende der 50tägigen Osterzeit begangen. Und nun ist er auch in der Liturgie wieder eingekehrt - der ganz normale Alltag. Ich musste schmunzeln, als ich heute Morgen in meiner Zelle die Augen aufschlug, da hatte ich auf einmal einen Ohrwurm: "Alles Gute zum Alltag" - ein wie ich finde ziemlich origineller Song des Liedermachers Samuel Harfst.
Fast 100 Tage sind vergangen, seit wir am 9. März mit dem Aschermittwoch zunächst in die Fastenzeit gestartet sind, und danach satte 50 Tage lang mit Leib und Seele und unzähligen Halleluja's das Fest unserer Erlösung gefeiert haben. Eine Zeit, die einen ungeheuren Spannungsbogen umschließt und mir jedes Jahr wieder neu vorkommt wie eine einzige große Exerzitienzeit für die gesamte Kirche. Vielleicht daher auch mein Ohrwurm heute Morgen - in unserer Gemeinschaft ist es nämlich gute alte Tradition, Schwestern, die aus den Exerzitien zurückkehren, einen guten Start in den Alltag zu wünschen. Denn wir alle wissen, wie anspruchsvoll es ist, das, was ich im Gebet und in der Betrachtung erkannt und verinnerlicht habe, auch wirklich im Alltag mit Leben zu füllen und nicht die Nerven zu verlieren, wenn mal wieder alles drunter und drüber geht.
Und so wünsche ich uns heute allen einen guten, gesegnetes Start in den Alltag - dass die österlichen Erfahrungen der vergangenen Wochen noch etwas nachklingen dürfen, dass wir mitten im alltäglichen Gewühl den Blick auf das Wesentliche niemals verlieren mögen.
Sr. M. Ursula

Samstag, 11. Juni 2011

Komm, Heiliger Geist

Atme in mir, du Heiliger Geist,
dass ich Heiliges denke.

Treibe mich, du Heiliger Geist,
dass ich Heiliges tue.

Locke mich, du Heiliger Geist,
dass ich Heiliges liebe.

Stärke mich, du Heiliger Geist,
dass ich Heiliges hüte.

Hüte mich, du Heiliger Geist,
dass ich das Heilige niemals verliere.
Augustinus

Die erste Vesper von Pfingsten ist schon gebetet und in den letzten Tagen ist mir eines sehr nahe gegangen: Schon in den Exerzitien haben als Vorbereitung auf Pfingsten jeden Abend das Heilig-Geist-Gebet von Augustinus gebetet und hier haben wir jeden Morgen die Pfingstnovene gebetet. In allen Antiphonen, Liedern und Hymnen haben wir immer wieder um das Kommen des Heiligen Geistes gefleht. So intensiv ist mir das erst in diesem Jahr aufgefallen und es ist mir quasi ins Herz gefallen.
Jesus verspricht seinen Jüngern immer wieder den Beistand, den der Vater senden wird, wenn er nicht mehr da ist. Das ist der Heilige Geist, auf ihn dürfen wir vertrauen, er spendet uns, wie wir u.a. in der Pfingstsequenz beten, in Ermüdung Ruh, haucht uns in der Glut Kühlung zu, tröstet den, der trostlos weint. Wer kann also ein besserer Beistand sein, wenn wir das Reich Gottes verkünden, wenn wir Zeugen sein wollen für die Frohe Botschaft. Und das Gebet von Augustinus zeigt mir, was der Heilige Geist in mir bewirken kann: Heiliges denken, anstatt sich runterziehen zu lassen von miesen Gedanken, Heiliges tun, anstatt die Hände in den Schoß zu legen, Heiliges lieben, anstatt mich auf das Falsche auszurichten, Heiliges hüten, anstatt keine Meinung dazu zu haben und dann auch darauf vertrauen zu können, das Heilige nicht zu verlieren.
Für mich sind das ermutigende Gedanken unseres Regelvaters Augustinus für die nun kommende Zeit.
Sr. Kerstin-Marie

Freitag, 10. Juni 2011

himmlische Erfahrungen

Dienstag: Unwetterwarnung
Mittwoch: anhaltender Regen
Donnerstag: Schauer

Meine Seelsorge-Kollegin Elke Lackmann und ich waren zugegebenermaßen nur mäßig begeistert, als wir am vergangenen Montag die Wettervorhersage sahen - schließlich wollten wir doch in dieser Woche mit unserer Wanderexerzitiengruppe die Wälder rund um den Arenberg erwandern, und das möglichst trockenen Fußes! Aber wie schon so oft durften wir erfahren, dass die Wetterfrösche bei ihrer Prognose wohl ganz offensichtlich nicht mit unserem im Hintergrund betenden Mutterhauskonvent gerechnet haben. Und so kam es, dass die heftigen Gewitter am Dienstag bis zu unserer Rückkehr warteten, der für Mittwoch angekündigte Dauerregen sich auf einen Nieselregen am Morgen reduzierte und es auch am Donnerstag nach anfangs strahlendem Sonnenschein nur einen einzigen nicht ernst zu nehmenden Baby-Regenschauer am späten Nachmittag gab. Aber nicht nur das: sich in einer Gruppe - begleitet von Stille und Impulsen - mit einem Bütterchen im Rucksack auf den Weg zu machen, jeden Tag 6 Stunden in atemberaubender Landschaft zu verbringen und dann auch noch um eine betende Schwestern-Gemeinschaft im Hintergrund zu wissen, das zählt definitiv zum Schönsten, was ich bei meiner Arbeit in Kloster Arenberg je erlebt habe. Und zur Krönung gab es gestern Abend auch noch vor dem Nachtimpuls in der Kapelle einen Sonnenuntergang der Extraklasse zu bestaunen, den ich wohl meinen Lebtag nicht mehr vergessen werde. Und so darf ich nun - unendlich beschenkt und zutiefst dankbar für die himmlischen Erfahrungen der vergangenen Woche - ins Pfingstwochenende starten, wo wir hoffentlich alle nochmal ganz kräftig vom Heiligen Geist persönlich durchpustet werden :-)
Sr. M. Ursula

Montag, 6. Juni 2011

Gnade über Gnade

Einmal im Jahr ziehen wir uns zurück aus der Welt, um fernab von allen Fragen nach EHEC-Erregern, Urteilssprüchen über Wettermännern usw. der Frage nachzugehen, wie es eigentlich so mit mir und Gott aussieht. Aus der Geschichte von Jakob am Jabbok ist bekannt, dass Jakob zwar von Gott gesegnet wurde, seitdem aber aufgrund eines Hüftschadens beeinträchtigt war.
Und so fuhr ich vor knapp zwei Wochen ziemlich angespannt nach Ilanz, wo ich zum dritten Mal unter der wunderbaren Begleitung der weltbesten Exerzitienbegleiterin Sr. Sabine Lustenberger aus Stans und Sr. Monika Hüppi aus Ilanz genau dieser Frage nach Gott nachgehen konnte. Die vertraute Umgebung, das Eingebettet-Sein in die Gemeinschaft der Ilanzer Dominikanerinnen und die gute Gruppe von sieben Exerzitantinnen und den beiden Begleiterinnen schufen die besten Bedingungen für die kommenden Tage im Schweigen, mit der heiligen Schrift und dem Herrn.
Wenn Ilanz auch am Rhein liegt und ich deshalb schon am Fluss war, so fühlte ich mich nicht wie Jakob, sondern in den ersten Tagen vielleicht eher wie Jona, der über Bord geworfen wurde: Ein Meer von Gnade wurde quasi über mir ausgeschüttet, da waren erstmal kräftige Schwimmzüge nötig, ehe ich das Ganze genießen konnte und damit zurecht kam. Dass es aber letztendlich wunderbare und gesegnete Tage waren, zeigt der große Schreibtisch in meinem Zimmer: Wenn es in den Exerzitien so, also vielleicht eher nicht sehr ordentlich, aussieht, dann geht es mir wunderbar.
Und so bin ich bestens vorbereitet auf dem Weg zur und für die Profess selber, wofür in den nächsten Tagen noch wichtige Schritte anliegen.
Jetzt aber heißt es erstmal, wieder im "normalen" Leben anzukommen und das Gute der vergangenen Tage nicht gleich wieder aus den Augen zu verlieren.
Sr. Kerstin-Marie

Mittwoch, 1. Juni 2011

vom Guten überwältigt

Die Glaubensboten der frühen Christenheit haben nichts zu lachen - sie werden verfolgt und gedemütigt, misshandelt und gefesselt ins Gefängnis geworfen. Da bestürmen sie den Himmel, dass Gott ihnen zur Hilfe eile und das an ihnen geschehene Unrecht räche. Und prompt gibt es ein gewaltiges Erdbeben, die Türen des Gefängnisses springen auf, die Jünger können ungehindert fliehen - nur der arme Wärter, der hat leider Pech gehabt. Ihn kostet die Flucht seiner Gefangenen das Leben, aber was soll's - Hauptsache die "Guten" haben überlebt.

…so oder so ähnlich hätte die Geschichte, die uns im 16. Kapitel der Apostelgeschichte (Apg 16, 22-34) überliefert ist, wahrscheinlich geklungen, wenn unsereins das Drehbuch geschrieben hätte. Gestern Abend hörten wir sie in der Hl. Messe, und mir kam dieses schrille Szenario geradezu komisch vor. Es wird uns dort von Paulus und Silas berichtet, die durch ihre Taten und Worte bei den Philippern öffentliches Ärgernis erregen. Sie werden von den obersten Beamten ihrer Kleider beraubt und geschlagen, schließlich ins Gefängnis geworfen, ja sogar mit Fußfesseln in das innerste Gefängnis, gut bewacht von einem Wärter - schließlich weiß man ja bei Gefangenen dieser Art nie, ob es ihnen nicht durch einen Trick vielleicht doch noch gelingt, die Fliege zu machen. Jeder normale Mensch würde in einer solchen ausweglosen Situation wahrscheinlich furchtbar jammern und klagen, doch was machen unsere beiden Helden? Beginnen in der Mitte der Nacht im finstersten Kerker damit, Loblieder auf Gott zu singen. Und das Ganze muss sich wohl tatsächlich auch noch schön angehört haben, denn es ist uns extra berichtet, dass die anderen Gefangenen ihnen zugehört haben. Die hatten Nerven, das muss man ihnen lassen. Und dann kommt der große Showdown: der Lobgesang mündet in ein rettendes, gewaltiges Erdbeben, das die Grundmauern des Gefängnisses erschüttert - mit einem Mal springen die Türen auf und die Fesseln fallen ab - was für ein gewaltiges Bild! Hallo Ihr Beiden, ihr seid frei - wie wär's mit…
...ganz schnell Abhauen?? Aber nein. Die arme Socke von Gefängniswärter will sich schon vor lauter Verzweiflung das Leben nehmen, als Paulus ihm zuruft: "Keine Panik, schau, wir sind doch noch alle da!" Freiwillig bleiben sie, das Leben dieses einen Menschen ist ihnen so kostbar, dass sie dafür ihre neu gewonnene Freiheit opfern. Und ich frage mich: kann es eigentlich eine größere innere Freiheit geben, als die dieser beiden "Gefangenen"?
Und plötzlich komme ich mir vor wie in einer anderen Welt: der Gefängniswärter ist überwältigt, nein, nicht durch Gewalt, sondern durch die (Voll-)Macht des Geistes Gottes, mit der er es hier zu tun bekommt. Das Lebenszeugnis dieser beiden tapferen Jünger ist für ihn so durch und durch glaub-würdig, er spürt, dass diese Menschen ihm den Weg zum wahren Leben weisen können. Noch in der gleichen Nacht bricht er auf aus seinem bisherigen Leben, aus seinem Gefängnis, führt die Jünger hinaus und lässt sich von ihnen das Wort Gottes verkünden. Und siehe, das Happy-End der Geschichte im göttlichen "Drehbuch" besteht nicht darin, dass die Jünger freigekommen sind - die waren nebenbei bemerkt doch niemals unfrei - sondern der Gefängniswärter, und zwar nicht nur er: "Und er führte sie hinauf in sein Haus, ließ ihnen den Tisch decken und jubelte, an Gott gläubig geworden, mit seinem ganzen Haus." (Apg 16,24)

"Lamm Gottes wahres Opferlamm,
durch das der Hölle Macht zerbrach.
Den Kerker hast du aufgesprengt,
zu neuem Leben uns befreit." 

So haben wir in den vergangenen Wochen immer und immer wieder im Hymnus der Vesper gesungen. Dass etwas von dieser befreienden Sprengkraft des Glaubens auch durch unser Leben mitten in dieser Welt und Zeit erfahrbar wird, das erbitte ich in den kommenden neun Tagen, wenn wir in der Pfingstnovene um die Herabkunft des Heiligen Geistes auf Kirche und Welt beten.
Sr. M. Ursula