Freitag, 29. April 2011

Alles Gute...

Nach fast 12 Jahren auf der Pflegestation verlässt Sr. M. Isidora das Mutterhaus. Sie ist nach Rickenbach in die Schweiz versetzt, um den Konvent dort tatkräftig zu unterstützen.
Gestern Nachmittag dann gab es das ultimative Verabschiedungskaffeetrinken, bei dem alles aufgefahren wurde, was das Herz begehrt: Waffeln satt, Kirschen und Sahne, Kaffee,... Natürlich kamen auch alle Mitarbeitenden, um sich gebührend von Sr. M. Isidora zu verabschieden. Die Waffeln waren da natürlich bei allen sehr willkommen und sorgten für eine grandiose Stimmung. Eigentlich schade, dass es so ein Kaffeetrinken nur bei eher traurigen Anlässen gibt.
Für uns Schwestern bleiben noch einige Tage bis zum Abschied, ehe es dann für Sr. M. Isidora nach ihrem wohlverdienten Urlaub in die Schweiz geht.
Ob es dort zum Willkommen Waffeln geben wird, ist natürlich ungewiss, auf jeden Fall wird sie sich dort mit der Schweizer Küche und Mundart vertraut machen dürfen.
Wir danken Sr. M. Isidora für ihren unermüdlichen Einsatz, für alles was sie für uns Schwestern und Mitarbeiter auf der „dritten Etage“ getan hat.
Für ihre neue Aufgabe in Rickenbach wünschen wir ihr alles Liebe, viel Kraft und Gottes Segen. Wie gut, dass es kein Abschied für immer ist, ist doch schon klar, dass es in diesem Jahr noch einen Studienaufenthalt in Rickenbach geben wird.
In diesem Sinne:
Of Wiederluege in Rickenbach
Sr. M. Johanna

Montag, 25. April 2011

einfach nur herrlich...

...was sich da unsere Novizinnen mal wieder ausgedacht haben. Heute vor genau zwei Jahren starb unsere liebe Schwester M. Emanuela, und es war klar, dass sich an diesem Nachmittag viele Schwestern auf den Weg zu ihrem Grab machen würden. Um den weiten, beschwerlichen Weg zum Friedhof ein wenig zu versüßen, warteten Sr. Kerstin-Marie und Sr. M. Johanna vor den Toren des Noviziates mal wieder mit einer netten Überraschung auf - kurzerhand wurde ein Waffelstand aufgebaut, so dass sich die vorüberziehenden Schwesternscharen etwas stärken konnten. Bei wolkenlosem Himmel und einem kühlen Lüftchen wurde das Ganze natürlich zu einem Fest der Sinne (wie Sr. Kerstin-Marie immer so schön zu sagen pflegt), wie man an den Fotos unschwer erkennen kann. Und ich bin sicher, unsere Schw. M. Emanuela hatte "da oben" ihre helle Freude :-)
Sr. M. Ursula

Sonntag, 24. April 2011

Osterlachen

In meiner alten Heimat  Wadgassen wird eine uralte Tradition gepflegt, die ich sehr schätze: Am Ende der Auferstehungsfeier ist es dort üblich, dass der Pastor vor dem Segen einen richtig guten Witz erzählt, so dass die ganze versammelte Gemeinde einmal kräftig lacht. Wie ich finde, ein gutes, bewährtes Mittel dafür, dass das, was wir hier an Ostern feiern, die Osterfreude, nicht im Kopf stecken bleibt, sondern in Leib und Seele übergeht.

Luscinia megarhynchos
ssp. materna
Gestern Abend gab es am Ende unserer Osternachtfeier zwar keinen Osterwitz, aber lachen musste ich trotzdem, und zwar, nachdem ich die Tür meiner Zelle hinter mir geschlossen hatte. Alles war ganz still, und da hörte ich auf einmal vor meinem Fenster ein wunderschönes Gezwitscher. Ich konnte es kaum fassen, aber das musste eine Nachtigall (Luscinia megarhynchos) sein, die sich in unseren Innenhof verirrt hatte - welcher Vogel sollte sonst so spät in der Nacht noch sein Liedchen trällern? Und dann noch so schön und facettenreich? Einige Minuten lauschte ich wie gebannt diesem wunderschönen Gesang, unserem guten Gott dankend für seine wunderbare Schöpfung, als die "Nachtigall" plötzlich ein neues Liedchen anstimmte, welches mich dann doch etwas stutzig machte. Nein, "Christus ist erstanden" gehört definitiv nicht zum Repertoire eines einheimischen Singvogels, selbst wenn er sich gerade im Marienhof des Mutterhauses der Arenberger Dominikanerinnen niedergelassen hat. Mein Osterlachen war jedenfalls perfekt, als sich die vermeintliche Nachtigall schließlich als Sr. M. Materna entpuppte :o))

Nun, mit dieser netten Episode wünsche ich uns allen ein FROHES, gesegnetes Osterfest - selbstverständlich auch im Namen der ganzen OP-Jugend und - nicht zu vergessen - unserer fünf (Oster-)Häschen Mia, Lotte, Bernhard, Max und Louise!
Sr. M. Ursula

Freitag, 22. April 2011

Karfreitag

„…Aber im Mannesjahr
maß er, ein Vater der Dichter,
in Verzweiflung
die Entfernung zu Gott aus,
und baute der Psalmen Nachtherbergen
für die Wegwunden.“
(Nelly Sachs)


Wohin mit mir selbst an diesem Tag, der immer leerer wird von Stunde zu Stunde?
Wohin mit dem aufgewühlten Herzen?
Die Worte. Ach, ein Stammeln: sie holen nicht ein, was heute geschah, was heute geschieht.
EINER wird uns genommen. Der Liebste. Das Leben. Das DU, es stirbt.

Auch wenn wir wissen und glauben, dass Jesus an Ostern auferstehen wird, dass Er auferweckt wird am dritten Tag und uns das Leben neu geschenkt sein wird, ist es doch heute ein grausames Nehmen. Bis ins Nichts, bis in den Tod hinein. O je, und dann nicht davonlaufen. Wenn es zum Davonlaufen ist, bleiben. An Jesu Seite bleiben. Das Schriftwort erfüllt sich heute: „Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein; in jenen Tagen werden sie fasten.“ (Lk, 5,35).
Was stützt und trägt, was auffängt und auch Jesus gehalten hat auf dem Weg in den unaufhaltsamen Tod, sind die Worte der Psalmen: „Nachtherbergen für die Wegwunden“, hat sie Nelly Sachs genannt.
In der Todesangst, in der Verzweiflung, in der nicht auszudenkenden Einsamkeit, mitten im brennenden Schmerz dürfen wir uns gleichsam anschmiegen an die uralten Worte, in denen Menschen vor uns, auch vor Jesus, ihr ganzes Elend herausgeschrien haben: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bist fern meinem Schreien, den Worten meiner Klage? Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du gibst keine Antwort; ich rufe bei Nacht und finde doch keine Ruhe." (Psalm 22, 1f)

„Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ (Lk 9,58) Und doch: Psalmen werden ihm Nachtherbergen, längst gebaut im täglichen Murmeln und Singen, wohl von Kindesbeinen an - hier gibt es ein Innehalten, ein sich Vergewissern, ein inneres Aufrichten. Auch für uns, die wir mit ihm gehen.
Seltsames Geschehen:
Auch wenn Du uns genommen wirst, bleibst Du doch.
Bleibst Du mir Herberge, Liebesraum durch das Gestern, Heute und Morgen.
Bleibst Du mein DU.

Sr. M. Scholastika

Mittwoch, 20. April 2011

Die Spannung steigt...

Nun wird es ernst: Heute Abend bei Tisch haben wir bereits eine Lesung gehört, die uns auf die Fußwaschung am Gründonnerstag einstimmen will, die Evangelien der letzten Tage haben uns das Szenario der kommenden Tage vorgeführt und morgen früh schon beten wir die erste Trauermette.
Damit treten wir ein das Triduum Paschale, die Heiligen Drei Tage, in denen wir das größte Geheimnis unseres Glaubens feiern, nämlich Leiden, Tod und Auferstehung von Jesus Christus.
Wenn wir morgen Abend die Messe feiern und damit das Letzte Abendmahl Jesu vergegenwärtigen, dann wird deutlich, dass wir uns nicht nur erinnern oder dass wir irgendetwas nachspielen, denn der Priester sagt im Hochgebet: „Am Abend vor seinem Leiden, das ist heute“ Und so wird deutlich, dass alles heute, hier und jetzt geschieht. Wir lassen uns ein auf das Geschehen, in dem Christus heute aus unendlicher Liebe zu uns sein Kreuz auf sich nimmt und den miesesten Tod stirbt, den man sich vorstellen kann. Wir gehen mit in diesen Tagen und müssen uns fragen: "Bleibe ich oder laufe ich weg? Kann ich das ertragen? Stehe ich zu diesem Jesus?"
Dann kommt auch das Heute ins Spiel. Die Menschen, die verraten werden, die wir verraten. Die Menschen, die mutterseelenallein durch dunkle Nächte gehen müssen, von allen verlassen. Die Menschen, die verfolgt und zu Unrecht verurteilt werden. Die, die ganz allein und auf furchtbarste Weise verrecken. Die Menschen, die all ihre Hoffnung verloren haben, deren Lebensidee auf einmal tot ist.
Wie gut und tröstlich, dass am Karfreitag nicht das Ende ist, sondern dass wir heute schon wissen, dass uns etwas anderes erwartet, dass es Hoffnung gibt für uns und alle die, die scheinbar ohne Hoffnung sind.
Aber erst müssen wir durch diese Tage hindurch, soweit es geht mitgehen in die tiefsten Tiefen, um dann ganz nach oben erhoben werden zu können.
Sr. Kerstin-Marie

Sonntag, 17. April 2011

das ist DEINE Sache

Als wir heute morgen in der Liturgie des Palmsonntags die Matthäuspassion hörten, sprang mir dieser Satz gleich zweimal "ins Ohr" und es lief mir eiskalt den Rücken herunter. "Was geht uns das an? Das ist deine Sache!" - antworten die Hohenpriester und die Ältesten Judas, der ihnen bekennt, ihnen einen unschuldigen Menschen ausgeliefert zu haben und - wie als Wieder-Gut-Machung reumütig die dreißig Silberstücke zurückbringt. ""Das ist deine Sache" (…) dann ging er weg und erhängte sich" - wird uns überliefert (Mt 27, 4-5).
"Das ist eure Sache" sagt aber auch der feige Pilatus zur aufgehetzten Menge (Mt 27,24), die die Kreuzigung Jesu fordert, und wäscht seine Hände einfach in Unschuld, obwohl er genau weiß, dass er einen Unschuldigen dem Tod ausliefert.
Was mir heute morgen so nahe ging, ist dieser Umgang mit der Schuld, die Menschen wissentlich oder unwissentlich auf sich geladen haben. Da steht auf der einen Seite die tragische Gestalt des Judas - wie furchtbar muss es für ihn gewesen sein, als er - zur Besinnung gekommen - erkennt, was er getan hat. In seiner Reue und Verzweiflung macht er sich sogar noch auf den Weg zu den Hohenpriestern um zu retten, was zu retten ist. Doch der schwer Beladene geht mit seiner Schuld zu den Falschen - mit der Hoffnung auf Vergebung begräbt er am Ende sein ganzes Leben. Auf der anderen Seite stehen die Hohenpriester und auch Pilatus, die eine ganz fiese Methode haben, ihre Schuld loszuwerden, indem sie den Schwarzen Peter einfach den anderen zuschieben - "Das ist deine / eure Sache".
Wohin also mit unserer Schuld? Einfach so tun, als wäre nichts? Einfach versuchen, alles ungeschehen zu machen? Vogel-Strauß-Politik und Kopf in den Sand? Ich glaube, wir alle haben bereits erfahren, dass es das ja wohl nicht sein kann.
In der kommenden Woche, der Heiligen Woche dürfen wir mit Leib und Seele DEN feiern, dem man die Worte in den Mund legen könnte: "Das ist MEINE Sache". Dass wir zu Ihm kommen dürfen mit allem, was uns belastet, dass Seine Liebe selbst unsere Schuld und unser Versagen aushält und dieses tödliche "Spiel" durchkreuzt, das ist für mich die überwältigende und frohmachende Glaubenswahrheit schlechthin.
Möge uns allen diese Wirklichkeit im Zugehen auf das große Fest unserer Erlösung ganz tief bewusst werden, das wünsche ich uns von Herzen!
Sr. M. Ursula

Die Ordnung der Welt ist jetzt gestört.
Ein GOTT, der sich entschlossen hat,
Mensch zu werden,
hat sich damit abgefunden,
in einer gestörten Ordnung Mensch zu werden...

Ich sehe das in der Gestalt von Judas.
Judas ist für mich diese große Faszination.
Wie hat Jesus sich um diese Zwölf bemüht,
und unter ihnen war ein Versager.
Er hat ihn um sich gehabt, hat seine Ideale mit ihm geteilt, hat die Hoffnung nicht aufgegeben,
hat ihm die Füße gewaschen.

Und Judas hat ihn verraten.

Und noch am Kreuz war das der vielgeliebte Judas.

Für mich ist es wieder dieses Geheimnis der Freiheit.
Die Freiheit,
die auf Liebe beruht,
hat in sich die Konsequenz,
dass der Geliebte auch nein sagen kann.
(Ruth Pfau)

Samstag, 16. April 2011

streng vertraulich

…das stand in den letzten Monaten oft im Betreff der Mails, die uns von unserem Geschäftsführer Herr Grunau zugeschickt wurden. Und ehrlich gesagt fiel es mir unglaublich schwer, den Inhalt dieser streng vertraulichen Mails nicht gleich in alle Welt hinaus zu posaunen, weil ich mich so sehr darüber freute.
Gestern durften wir nämlich bei uns in Kloster Arenberg einen Gast empfangen, dem sehr daran gelegen war, sich bei uns einfach ein bißchen zu erholen - es war niemand geringeres als unser Bundespräsident Christian Wulff. Am Freitag hat er die Bundesgartenschau in Koblenz eröffnet und sich - statt in irgendeinem schicken Hotel zu übernachten - für unser Gästehaus entschieden. Hergestellt wurde der Kontakt - die Welt ist wirklich sehr sehr klein! - durch seinen Referenten im Bundespräsidialamt, der Laien-Dominikaner und damit Mitglied unserer dominikanischen Familie ist.
"ER KOMMT!!!" - rief Sr. Matthia, die auf der Dachterrasse Wache hielt, über das ganze Klostergelände, als der Autokonvoi des Bundespräsidenten um kurz nach 15 Uhr in den Cherubine-Willimann-Weg einbog. Innerhalb von Sekunden hatte sich das Empfangskomitee am Eingang des Gästehauses formiert - ich selbst hatte das große Glück, als Fotografin die ganze Zeit hautnah bei den Begegnungen und Gesprächen mit Mitarbeitenden und Schwestern dabei sein zu dürfen, was für mich ein großes Erlebnis war. Innerhalb kürzester Zeit war das (eigentlich gar nicht vorhandene) Eis gebrochen, und es herrschte eine lockere, entspannte Atmosphäre. Sr. M. Beatrix staunte zum Beispiel nicht schlecht, als der Bundespräsident ihr bei der Begrüßung mit einem eigenhändig signierten Buch zum Geburtstag gratulierte - wie gut, dass wir keinen Neid kennen ;-) Nach einem kleinen Imbiss, bei dem wir uns alle ein wenig vorstellten und von unserer Arbeit berichteten, stand eine Führung über das Klostergelände auf dem Programm. Dabei gab es auch einige urkomische Szenen - wer hätte zum Beispiel gedacht, dass unsere Kaninchen einmal von einem amtierenden Bundespräsidenten bewundert würden? Nun ja, Mia & Co. blieben angesichts der ungewohnten Ehrung recht gelassen. Nach der Führung durfte dann aber auch unser Staatsoberhaupt das tun, was viele unserer Gäste am meisten lieben: nämlich einfach die Stille genießen und die Seele baumeln lassen.
Für uns alle war dieser Besuch ein großes Geschenk und eine große Ehre; wir wünschen Christian Wulff, den wir so durch und durch menschlich und unkompliziert erfahren durften, Gottes reichen Segen für seine weitere Amtszeit und dürfen - glaube - ich gespannt sein auf weitere Begegnungen :-)
Sr. M. Ursula
P.S. und hier gibt es ein paar Fotos:

Donnerstag, 14. April 2011

Die Welt ist klein

Letzten Montag waren Sr. Johanna und ich zum Bistumsnoviziat in Trier. Und weil wir uns ja bescheiden wollten, waren wir natürlich mit dem Zug unterwegs. Das ist nicht nur praktisch, weil man dann noch ein bisschen schlafen kann, sondern es führt auch dazu, dass man nach einer Veranstaltung noch durch die Stadt laufen muss, um zum Bahnhof zu gelangen.
So also auch am Montag, wo ich auf einmal in einem Café jemanden sitzen sah, der mir bekannt vorkam. Wir waren schon fast vorbei, da fiel es mir ein: Michael, ein alter Bekannter, den ich im Frühjahr 2000 in Taizé kennengelernt habe! Da musste ich natürlich kurz guten Tag sagen, aber erstmal sagen, wer ich eigentlich bin, weil Michael mich noch nicht als Schwester kannte. Das witzige bei uns ist nämlich, dass wir uns meistens irgendwo zufällig treffen: 2000 in Taizé kennengelernt, dann waren wir per Brief in Kontakt und dann zusammen beim Katholikentag in Hamburg, wo man unsere Reisegruppe auf dem Bild sehen kann. Danach haben wir uns irgendwie länger nicht gesehen, dann trafen wir uns 2001/02 beim Europäischen Jugendtreffen von Taizé in Budapest, dann wieder zufällig beim WJT in Köln an der Ausgabe des Materials für die Freiwilligen, danach 2006 beim Taizégebet in Bonn und jetzt einfach so in Trier.
Irgendwie finde ich das ziemlich erstaunlich, jemanden immer wieder zu treffen und ich finds auch schön, weil es mich jetzt noch einmal veranlasst hat, in alten Fotos zu schauen und in Erinnerungen zu kramen. Und es berührt mich irgendwie, dass ich jemanden über zehn Jahre hinweg immer wieder begegne, mit dem mich auf den ersten Blick gar nicht soo viel verbindet. Aber immer freuen wir uns, wenn wir uns sehen. Das ist dann so ein Überraschungsmoment, der, ohne dass viel passiert, ein ganz kostbarer Moment am Tag ist. Da wird ein relativ normaler Montag, der mit der ein oder anderen Pleite begann, zu einem besonderen Tag.
Mal sehen, was dieses Mal daraus wird und wann wir uns das nächste Mal sehen oder womit ich als nächstes überrascht werde.
Sr. Kerstin-Marie

Sonntag, 10. April 2011

Monika, Daniela, Ursula, Lea, Regina,...

Immer wieder kommen Frauen zu uns ins Noviziat zu Besuch, die interessiert am Ordensleben sind. Für einige Tage leben sie dann mit uns, meditieren, beten, trinken Kaffee (oder Tee), spülen, helfen mit und teilen ihren Glauben mit uns. Manche von ihnen kennen wir schon länger, manche kommen zum ersten Mal, andere werden Wiederholungstäterinnen. Auf den ersten Blick mag das dann manchmal unruhig wirken, gerade dann, wenn die Besuche hintereinander weg kommen. Schließlich kommen wir dann ein bisschen raus aus unserem "Normalen", müssen schauen, ob unser Gast mitkommt, sind vielleicht beim Essen etwas langsamer als sonst usw. Aber gleichzeitig ist genau das im Grunde ein großes Geschenk. Jede Frau, die zu uns kommt, um eine Zeit mit uns zu leben, um für sich zu schauen, ob die Art der Nachfolge ihre Art sein könnte, fordert uns heraus, selber zu schauen, was bei uns eigentlich läuft. Wie gehen wir miteinander um, sind wir aufmerksam den anderen gegenüber, nehmen wir die "Neue" mit oder bleibt sie auf einmal im Schwesternchor stehen?
Und wenn ich an das polnische Sprichwort "Gast im Haus, Gott im Haus" denke, dann kann es ja nichts schöneres geben, als jemanden zu beherbergen und immer wieder zu schauen, was wir anders machen können, damit ein Gast sich wohlfühlen kann bei uns und am Ende vielleicht sogar ein Mittagsschläfchen auf dem Sofa macht.
Dazu werden wir dann auch noch auf ganz direkte Weise von unseren Gästen beschenkt: Sie teilen sich mit, erzählen von ihrem Leben, von ihrer Suche, teilen ihren Glauben mit uns, stellen Fragen und bringen so noch einmal neue Perspektiven in unsere Gemeinschaft. Und so sind wir durch unsere Gäste durch und durch beschenkt, weswegen es dringend an der Zeit ist, hier ein dickes "DANKE" an alle die zu sagen, die uns besucht haben.
Sr. Kerstin-Marie

Mittwoch, 6. April 2011

Entdeckungstour für die Seele

"Heiles und Brüchiges im Leben" - so lautete die Überschrift zu einem Podiumsgespräch mit Seelsorgern, zu dem ich gestern Abend ins schöne Münster eingeladen wurde. Das Referat Frauenseelsorge hat dort eine 10tägige "Entdeckungstour für die Seele" ins Leben gerufen, in der unter verschiedenen Aspekten die Vielfalt der Spiritualität von Frauen beleuchtet wird. Was verstehen wir unter Seel-Sorge und wie praktizieren wir sie im Alltag? Und wir erreichen wir überhaupt die Menschen, die Hilfe brauchen? Das waren die Fragen, mit denen wir uns nun gestern Abend beschäftigten.
Was mir im Laufe des Gespräches wieder einmal neu bewusst wurde: Viele Menschen nehmen seelsorgliche Angebote wie Gesprächsbegleitung erst dann in Anspruch, wenn sie einen Bruch im Leben erfahren haben oder vor schweren Entscheidungen stehen. So nach dem Motto: solange ich in meinem Leben noch irgendwie alleine klar komme, die Lage im Griff habe, werde ich das Schiff schon schaukeln. Es kommt nicht selten vor, dass Gäste in Kloster Arenberg sich beispielsweise regelrecht entschuldigen, wenn sie ohne ein gravierendes Problem um ein Einzelgespräch bitten, einfach weil sie einmal mit jemand Außenstehendem über etwas anderes als über's Wetter reden wollen.
Eigentlich schade - in den vergangenen Jahren habe ich selbst erfahren, wie ungeheuer hilfreich es sein kann, bei einem Menschen meines Vertrauens regelmäßig das Wesentliche meines Lebens ins Wort bringen zu können - meine Beziehung zu Gott, meinen Mitmenschen und mir selbst, meine Hoffnungen und Ängste, beglückende und niederdrückende Erfahrungen - eben das was mich gerade jetzt, im Hier und Heute innerlich bewegt.
Wer weiß, vielleicht konnte ja der gestrige Abend einige zu ermutigen, nicht erst dann für die eigene Seele zu sorgen, wenn der "Notarzt" gebraucht wird, sondern sich regelmäßig, mitten im alltäglichen Trott auf eine "Entdeckungstour" der besonderen Art zu machen, um so dem Schatz im inneren Acker auf der Spur zu bleiben.
Sr. M. Ursula
(Bildquelle: Bistum Münster)

Dienstag, 5. April 2011

UNO

Wenn die Fastenzeit die Zeit ist, in der man sich von bestimmten Dingen abwendet, um andere Dinge wieder in den Blick zu bekommen, dann funktioniert genau das gerade bei uns.
Natürlich treffen wir uns, egal ob Fastenzeit oder nicht, am Sonntag Abend zur gemeinsamen Erholung oder Recreation, wie wir dazu sagen. Normalerweise hocken wir dann zusammen, handarbeiten, trinken etwas und unterhalten uns oder schauen ab und an einen Film. Am ersten Fastensonntag kam dann irgendwie die Idee auf, dass wir doch UNO spielen könnten. Zwar sind Sr. Ursula, Sr. Johanna und ich durch diverse OP-Studienwochen recht passionierte Spielerinnen geworden, aber hier zu Hause haben wir noch nie zusammen gespielt. Und so kommen wir nun ab und an zusammen und spielen unter viel Getöse zusammen Karten - und das sogar auch am Montag, da können weder Günther Jauch noch Schwimmbad noch sonst etwas locken.
Auch wenn das Bild ein bisschen verhalten aussieht, so gings doch gestern Abend wieder rund, manche brauchten fast einen Kartenhalter, weil sie so viele Karten ziehen mussten, Sr. Anuntiata hätte Sr. Ursula fast gelyncht, als diese kurz vor dem Sieg mit ihr die Karten tauschte, Sr. Irmingard bekam einen Orden, weil sie so gar nicht investigativ Karten spielt und wir mussten ziemlich viel lachen dabei. 
Vielleicht eine etwas ungewöhnliche Fastenaktion, aber sie tut uns allen gut, macht viel Spaß und sollte dringend auch nach der Fastenzeit weitergeführt werden.
Sr. Kerstin-Marie

Sonntag, 3. April 2011

ans Licht gekommen

Als ich das heutige Sonntagsevange-lium betrachtete und mich in das dort beschriebene Szenario hinein versetzte, da fand ich die Situation auf einmal urkomisch. Wir bekommen es dort mit einem von Geburt an blinden Bettler zu tun, einen Menschen am Rande der Gesellschaft, hilfsbedürftig und abhängig von der Gnade anderer. An diesem Menschen offenbart Jesus das Wirken Gottes - er, der von Geburt an blind ist, wird geheilt.

"Super, klasse, Gott sei Dank, wir freuen uns mit dir!" - wenn es eine angemessene Reaktion der umstehenden Mit-Menschen auf ein solches Wunder gäbe, dann wäre es doch diese, sollte man vermuten. Aber halt, was passiert denn hier? Ehe er sich versieht, gerät der Geheilte erst einmal schön auf die Anklagebank. Also ehrlich: Einfach so geheilt werden, ohne Vorleistung, und das auch noch am Sabbat, das geht ja wohl gar nicht! Mehrfach muss er sich den bohrenden Fragen stellen und seine Geschichte erzählen, und plötzlich passiert das Ungeheuerliche: mit geradezu unglaublicher Souveränität dreht der "Angeklagte" den Spieß rum, der ehemalige Bettler beginnt auszuteilen, wird selbst zum Ankläger und hält den Pharisäern den Spiegel vor die Nase:

...da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose. Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt. Der Mann antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet. Wir wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat. Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können. (Joh 9, 27-33)

Nein, da hört aber alles auf, das finden die immer braven und anständigen gesetzestreuen Pharisäer gar nicht lustig, kommt dieser Frechdachs einfach daher und erzählt ihnen was von Gottesfurcht? Das ist zuviel: kaum wieder gesellschaftsfähig gemacht, wird der Bettler nun wiederum hinausgeworfen aus ihrer ehrenwerten Runde, aber diesmal richtig.

Und nun geschieht das eigentliche Wunder an ihm - in einer erneuten Begegnung mit Jesus, für den er bereits so tapfer Zeugnis abgelegt hat, darf er nun endlich leibhaftig das Licht der Welt erblicken, indem Jesus sich ihm als der Menschensohn - die Sehnsucht aller Völker - offenbart.

Als wir uns am Freitagabend im Noviziat über diese Schriftstelle austauschten, fiel uns nochmal ein Gedanke von Dario Pizzano ein - sinngemäß meinte er: wir sind heute oft dazu geneigt, Gott die Strukturen vorschreiben zu wollen, in denen er dann gefälligst zu wirken hat. Aber Gott sei Dank spielt Er dieses Spiel nicht mit und bahnt sich in unserer Welt immer wieder Wege, die jenseits unserer Vorstellungskraft liegen. Das heutige Sonntags-evangelium kann uns in diesen Tagen der Fastenzeit vielleicht eine Einladung sein, nicht wie die Pharisäer im Guten zu verhärten, sondern uns in jedem Augenblick unseres Lebens mit Leib und Seele dem gnadenhaften Wirken Gottes an uns zu öffnen.
Sr. M. Ursula