Als wir heute morgen in der Liturgie des Palmsonntags die Matthäuspassion hörten, sprang mir dieser Satz gleich zweimal "ins Ohr" und es lief mir eiskalt den Rücken herunter. "Was geht uns das an? Das ist deine Sache!" - antworten die Hohenpriester und die Ältesten Judas, der ihnen bekennt, ihnen einen unschuldigen Menschen ausgeliefert zu haben und - wie als Wieder-Gut-Machung reumütig die dreißig Silberstücke zurückbringt. ""Das ist deine Sache" (…) dann ging er weg und erhängte sich" - wird uns überliefert (Mt 27, 4-5).
"Das ist eure Sache" sagt aber auch der feige Pilatus zur aufgehetzten Menge (Mt 27,24), die die Kreuzigung Jesu fordert, und wäscht seine Hände einfach in Unschuld, obwohl er genau weiß, dass er einen Unschuldigen dem Tod ausliefert.
Was mir heute morgen so nahe ging, ist dieser Umgang mit der Schuld, die Menschen wissentlich oder unwissentlich auf sich geladen haben. Da steht auf der einen Seite die tragische Gestalt des Judas - wie furchtbar muss es für ihn gewesen sein, als er - zur Besinnung gekommen - erkennt, was er getan hat. In seiner Reue und Verzweiflung macht er sich sogar noch auf den Weg zu den Hohenpriestern um zu retten, was zu retten ist. Doch der schwer Beladene geht mit seiner Schuld zu den Falschen - mit der Hoffnung auf Vergebung begräbt er am Ende sein ganzes Leben. Auf der anderen Seite stehen die Hohenpriester und auch Pilatus, die eine ganz fiese Methode haben, ihre Schuld loszuwerden, indem sie den Schwarzen Peter einfach den anderen zuschieben - "Das ist deine / eure Sache".
Wohin also mit unserer Schuld? Einfach so tun, als wäre nichts? Einfach versuchen, alles ungeschehen zu machen? Vogel-Strauß-Politik und Kopf in den Sand? Ich glaube, wir alle haben bereits erfahren, dass es das ja wohl nicht sein kann.
In der kommenden Woche, der Heiligen Woche dürfen wir mit Leib und Seele DEN feiern, dem man die Worte in den Mund legen könnte: "Das ist MEINE Sache". Dass wir zu Ihm kommen dürfen mit allem, was uns belastet, dass Seine Liebe selbst unsere Schuld und unser Versagen aushält und dieses tödliche "Spiel" durchkreuzt, das ist für mich die überwältigende und frohmachende Glaubenswahrheit schlechthin.
Möge uns allen diese Wirklichkeit im Zugehen auf das große Fest unserer Erlösung ganz tief bewusst werden, das wünsche ich uns von Herzen!
Sr. M. Ursula
Die Ordnung der Welt ist jetzt gestört.
Ein GOTT, der sich entschlossen hat,
Mensch zu werden,
hat sich damit abgefunden,
in einer gestörten Ordnung Mensch zu werden...
Ich sehe das in der Gestalt von Judas.
Judas ist für mich diese große Faszination.
Wie hat Jesus sich um diese Zwölf bemüht,
und unter ihnen war ein Versager.
Er hat ihn um sich gehabt, hat seine Ideale mit ihm geteilt, hat die Hoffnung nicht aufgegeben,
hat ihm die Füße gewaschen.
Und Judas hat ihn verraten.
Und noch am Kreuz war das der vielgeliebte Judas.
Für mich ist es wieder dieses Geheimnis der Freiheit.
Die Freiheit,
die auf Liebe beruht,
hat in sich die Konsequenz,
dass der Geliebte auch nein sagen kann.
(Ruth Pfau)