"Ich wünsche Ihnen ein gutes Abtauchen in der nächsten Woche, eine gesegnete Besinnungszeit und ein rundum erneuertes Auftauchen am kommenden Samstagmorgen!"
…mit dieser netten E-Mail verabschiedete mich Dr. Hofmeir, unser Seelsorge-Leiter in Kloster Arenberg, am Ende der vergangenen Woche in die Stille vor meiner zweiten Professerneuerung. Und wenn ich auf die letzten Tage zurückschaue - besser hätte man es gar nicht ausdrücken können ;-)
Aber nun mal von vorne: "abgetaucht" bin ich zusammen mit 25 unserer Mitschwestern aus verschiedenen Konventen am vergangenen Samstag, genau einen Tag nach der verheerenden Naturkatastrophe in Japan. In die Stille zu gehen, statt in Fernsehen und Internet die Entwicklungen dort zu verfolgen, fiel mir anfangs sehr schwer, doch irgendwann wurde mir bewusst, dass Information nicht alles ist, und es vielleicht auch viel wichtiger ist, wenn wir die leidenden Menschen dort im Herzen tragen und mit ins Gebet nehmen als hilflos in den Fernseher zu starren. Und genau das taten wir dann auch…
Zu meiner großen Freude begleitete uns unser Mitbruder
Pater Adrian Schenker OP aus der Schweiz durch die Tage. "Siehe, ich bin gekommen, Deinen Willen zu tun" - ausgehend von diesem Vers aus Psalm 40 betrachteten wir die Woche über unter verschiedensten Aspekten, was es denn konkret heißen kann, "den Willen Gottes zu tun" und wie wir diesem Willen auf die Spur kommen können. Dabei ging mir vor allem der Gedanke nach, dass jede unserer Handlungen, mag sie noch so klein und unbedeutend scheinen, diesen "Adel", diese Würde bekommen kann, Erfüllung des Willens Gottes hier auf dieser Erde zu sein. Uns diesen Heilswillen Gottes zu eigen zu machen, seine Weisungen zu verinnerlichen, uns Ihm mit Leib und Seele anzuvertrauen und zwar nicht so, wie wir gerne wären, sondern als die, die wir sind, das ist der "wahre und angemessene Gottesdienst", wie es Paulus im Römerbrief (Röm 12,1) ausdrückt. Mich hat es wirklich fasziniert, wie es Pater Adrian durch eine sehr feinfühlige Art und Weise gelang, dieses hehre Wort "den Willen Gottes tun" ganz radikal in unseren ganz konkreten Alltag, in unsere alltäglichen Verrichtungen herunter zu brechen.
Bereits in seinem Einführungsvortrag brachte er einen wie ich finde eindrücklichen Vergleich: Wenn eine Mutter mit ihrem Baby redet, versteht der kleine Säugling zunächst noch nichts, trotzdem redet und redet die Mutter ohne Unterlass mit dem Kind. Irgendwann gibt es dann einen Punkt, da beginnt das Kind zu verstehen. Es begreift (zum Beispiel, wenn es sein Fläschen leer getrunken hat): jetzt habe ich etwas getan, was meiner Mutter Freude macht. Das ist etwas unglaublich Schönes: Dass ein Gedanke, ein Gefühl, das in mir lebendig ist, auf mein Gegenüber übergeht - so wie das Gefühl der Mutter auf einmal beim Baby "ankommt" - das Baby beginnt zu hören und zu verstehen. Und genauso "redet" Gott unablässig zu uns mitten im Alltäglichen. Das ist ein abgrundtiefes Geheimnis. Der Gedanke Gottes geht auf uns über, Er hat uns ein inneres "Ohr" gegeben und wir können verstehen, was Sein Wille ist und ihn auch tun können.
Ja, die letzten Tage waren für mich ein großes Geschenk, einerseits wegen der hervorragenden Impulse, aber auch weil ich spürte, wie sich der Frühling nicht nur in unserem Klostergarten, sondern auch in meinem Innern mehr und mehr die Bahn brach. So fühlte ich mich heute Morgen tatsächlich rundum erneuert, als ich in der Heiligen Messe wieder "auftauchte" und erneut meine zeitliche Profess in die Hände unserer Generalpriorin ablegen durfte. Und einmal mehr bin ich mir bewusst geworden: diesen intensiven Weg mit Gott in dieser unserer Gemeinschaft zu gehen, ist für mich - bei allem Schweren, Mühsamen, Nervigen, was es natürlich wie in jeder anderen Lebensform auch immer mal wieder zu tragen gibt - nichts anderes als pures Glück.
Sr. M. Ursula