Samstag, 10. Dezember 2011

Was Johannes der Täufer und Thomas Gottschalk gemeinsam haben...


Wie jeden Freitagabend haben wir uns auch gestern mal wieder im Noviziat zum Schriftgespräch getroffen und gemeinsam das Sonntagsevangelium betrachtet. An diesem Wochenende, hören wir einen Ausschnitt aus dem Anfang des Johannes-Evangeliums, wo uns von Johannes dem Täufer erzählt wird. Was mich gestern an dieser Stelle berührte, war die große Souveränität und innere Freiheit, die uns da von Johannes dem Täufer entgegen kommt. Er, der von Gott gesandt ist, Zeugnis abzulegen für das Licht, er muss eine ungeheure Ausstrahlung auf die Menschen seiner Zeit gehabt haben. Kein Wunder, dass die Frommen genau wissen wollen, was da dahinter steckt und ihn mit Fragen bombardierten: "Wer bist du?" Und das großartige Zeugnis des Johannes ist, dass er - wohl zur Enttäuschung und Überraschung aller - bekannte: Ich bin nicht der Messias! Und ich bin auch nicht Elija! Und um es ganz klar zu machen: Ich bin auch nicht der Prophet! Johannes, er weiß ganz genau, wer er ist, und was sein von Gott gegebener Auftrag hier auf der Welt ist: nämlich Stimme zu sein, Wegbereiter zu sein für den, der nach ihm kommt, für den, dessen Schuhe aufzuschnüren er nicht wert ist. Johannes, er hat es nicht nötig, sich irgendwie interessant zu machen, er ist es einfach. Er hat es auch nicht nötig, sich mit fremden Blumen zu schmücken, sich irgendein nettes frommes Mäntelchen anzuziehen, er ist und bleibt einfach er selbst und bleibt seinem Auftrag radikal treu.
Die Art und Weise, wie Johannes so frisch fromm und frei seine ureigene Berufung erkannt hat und lebt, finde ich einfach extrem attraktiv. Und eben diese Attraktivität kam mir gestern in einem sehr lesenswerten Spiegel-Interview mit Thomas Gottschalk entgegen, indem er sich als überzeugter Katholik outet. Auch wenn sein Gesprächspartner immer wieder stichelt, ihn regelrecht "herunterhandeln" will von seinem Bekenntnis zum christlichen Glauben, so gibt Thomas Gottschalk doch ein beeindruckendes, freies Zeugnis von dem, was ihm heilig ist. Er steht zu seinen eigenen Grenzen, steht aber genauso selbstverständlich zu seinem inneren und äußeren Reichtum, verzichtet auf jegliche Art der Rechtfertigung. Er lebt, was er als seine Berufung erkannt hat, er hat sein Leben lang nur das gemacht, was er ohne große Anstrengung und ohne sich zu verstellen außergewöhnlich gut kann: nämlich Menschen zu unterhalten und vor der Kamera stehen. Und genau damit hat er unzähligen Menschen viel Freude gemacht. Das ist für mich der Punkt, an dem sich der Asket Johannes der Täufer und der Entertainer Thomas Gottschalk ganz nahe sind: sie bleiben in dem, was sie tun, Gott und sich selbst treu.
Ich wage zu behaupten, dass es genau das ist, worauf es in unser aller Leben ankommt - nicht mehr, aber auch nicht weniger, als unser Ureigenes zu finden, zu leben, fruchtbar zu machen für die Welt. Über alles andere brauchen wir nicht zu grübeln und uns den Kopf zu zerbrechen. Der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen drückte einmal scherzhaft und doch sehr treffend aus: "Wer als Pinguin geboren wurde, wird auch nach sieben Jahren Therapie und Selbsterfahrung in diesem Leben keine Giraffe werden. (…) Ein guter Therapeut wird wie ein guter Freund nicht lange fragen: Warum hättest du gerne so einen langen Hals? Sondern: Was willst du? Was macht dir Freude? Wann geht dein Herz auf? Wann haben andere mit dir Freude? Was ist dein Beitrag? Wofür brennst du, ohne auszubrennen?" (aus: GLÜCK kommt selten allein, Rowohlt-Verlag 2009, S. 356).
Vielleicht ist der nun kommende Gaudete-Sonntag ja eine gute Gelegenheit, unserem guten Gott einfach mal  für unser So-und-nicht-anders-Sein zu danken :-)
Sr. M. Ursula

1 Kommentare:

  1. Danke für diesen Beitrag und für den Hinweis auf das Spiegel-Interview mit Thomas Gottschalk! Beides hat mir ausnehmend gut gefallen und macht mich froh, auch ein Christ zu sein!

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