Am Sonntag werden wir im Evangelium von den Talenten hören, die der Herr vor der Reise seinen Dienern anvertraut. Die meisten kennen dieses Evangelium wahrscheinlich und so war es auch uns heute Abend im Schriftgespräch schon ziemlich vertraut. Und trotzdem konnten wir nicht einfach sagen: "Kennen wir schon, brauchen wir nicht mehr darüber zu reden."
Vielmehr entdeckten wir, wie viele verschiedene Talente es ja gibt, fast alles kann ein Talent sein. Sei es die musische Begabung, Reden oder Schweigen können, Geduld haben, stets bereit sein, kochen können, technisches Denken, Brücken bauen,... im Grunde bleibt da nichts außen vor, wenn ich etwas besonders gut kann und dieses Können auch einsetze. Andernfalls bin ich wie der dritte Diener im Gleichnis, der sein Talent vergräbt. Genauso ist es, wenn ich meine Talente nicht einsetze, selbst, wenn es vielleicht mit Arbeit und Überwindung verbunden ist. Wenn ich meine Begabung nicht einsetzen will, so sagte eine Schwester heute, dann schaufelt man sich vom Prinzip schon sein eigenes Grab. Ja, so, wie der Diener das Talent vergräbt, so vergräbt man sich selber, wenn man meint, nichts zu können, für nichts gut zu sein.
Wie wichtig selbst das winzigste Talent ist, merken wir jeden Tag in unserer Gemeinschaft, besonders auch da, wo alle älter werden und manches nicht mehr so leicht von der Hand geht. Da ist ein aufmunterndes Lächeln wichtig und kann neuen Schwung geben, da ist ein geduldiger Zuhörer manchmal der Retter in der Not, da kann eine liebevoll gebastelte Karte die Sonne scheinen lassen.
Und wie gesegnet sind wir doch, dass wir Mitschwestern haben, die mit Zahlen umgehen können...
Denn, was wir heute feststellten, wenn ich etwas von mir gebe, kommt es ja doch 1000fach zurück. Und wir sind nie am Ende damit, neue Talente in uns zu entdecken, jede Lebensphase hält da etwas bereit.
Wenn wir dann den Heiligen Geist wehen lassen, wird es nicht so schwer sein, immer wieder ein neues Talent zu entdecken oder neue Felder, in denen ich ein vorhandenes Talent einsetzen kann.
Sr. Kerstin-Marie

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