Mein Griechischdozent an der Uni sprach oft davon, dass die Jünger eigentlich diejenigen um Jesus herum waren, die am allerwenigsten verstanden haben von dem, was da gerade passierte. Sie streiten sich darum, wer wo sitzen darf, kennen Jesus gut und haben doch Angst beim Sturm auf dem See und stellen oftmals die seltsamsten Fragen. Und vorneweg ist Petrus: Er will unbedingt auch übers Wasser laufen und als er es kann, bekommt er gleich Angst und geht unter. Er schätzt die Situation auf dem Berg mal gleich völlig falsch ein und will Hütten bauen, obwohl es da um ein Geschehen geht, das nicht manifestiert werden kann. Er nimmt den Mund wahnsinnig voll und verleugnet Jesus dann doch klar und deutlich. Und so kam mein Dozent zu dem Urteil: Petrus ist ja eigentlich der Unklügste von allen, er versteht gar nichts.
Ähnliches kann man ja von Paulus zu Beginn sagen. Er verfolgt die Christen aufs Schärfste, er galoppiert in die völlig falsche Richtung, bis er endlich vom Pferd fällt. Auch er versteht also gar nichts.
Und dann werden beide für uns wahnsinnig wichtig. Petrus erkennt als erster, dass Jesus der Messias ist und Jesus, der genau weiß, wen er da vor sich hat, erklärt ihn zum Felsen, auf dem er seine Kirche aufbauen will. Ebenso geht es mit Paulus. Der ärgster Gegner wird der größte Verfechter des neuen Weges und bringt die Frohe Botschaft in die ganze Welt. Paulus, der sich seiner Sache zu Anfang so sicher war, sagt dann den Satz: "Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin."
Und ich denke, das ist programmatisch für das Handeln Gottes an uns Menschen. Wir können noch so ungeschickt und verpeilt sein, aber wenn wir uns der Gnade Gottes überlassen, dann kann aus uns die unglaublichste Person, das allerbeste Werkzeug werden. Sicherlich keine einfache Aufgabe, aber eine Herausforderung, von der ich denke, dass es wert ist, sich ihr zu stellen, weil ich so am ehesten die werden kann, die ich eigentlich schon immer bin.
Sr. Kerstin-Marie
Bildquelle: wikipedia.de

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