Samstag, 19. Februar 2011

ein kleines Wunder

Also sollte bei uns im Kloster tatsäch-lich mal so etwas wie "nor-maler Alltag" einkehren, dann gibt es immer noch fünf Anwohner, die das auf unvergleichlich kreative Art zu verhindern wissen. So hat unsere Mia, die ungekrönte Königin der Herzen, mir bzw. uns in der letzten Woche einen gehörigen Schrecken eingejagt.
Am frühen Donnerstagmorgen machte ich wie jeden Tag die Stalltür auf und entließ die Bande in ihr Freigehege. Alle waren gut gelaunt, topfit und munter - ich wunderte mich nur ein wenig darüber, dass Miachen schon nach kurzer Zeit im Kaninchenbau verschwand und auch nach 10 Minuten noch nicht wieder aufgetaucht war. Nun ja, ich regte mich nicht weiter drüber auf, zumal dieses mühsam gegrabene unterirdische Höhlensystem sowieso zu ihren Lieblingsaufenthaltsorten zählt. Als ich jedoch am späten Nachmittag nochmal kurz vor der Messe nach den Kaninchen geschaut habe, begann ich mir allerdings ziemlich massiv Sorgen zu machen, als ich bemerkte, dass Mia spurlos verschwunden war. Da wurde es mir doch ein wenig mulmig, ich holte mir eine kleine Schaufel, um den Kaninchenbau aufzugraben. Bald musste ich aber einsehen, dass dieses Werkzeug für Tunnel dieser Größenordnung nun ja, sagen wir mal: suboptimal war. Nach Messe, Abendessen und Vesper - Mia war weiterhin verschwunden, fand sich dann glücklicherweise ein richtiger Bergungstrupp bestehend aus den beiden Taschenlampenhalterinnen Sr. M. Johanna und Sr. M. Beatrix, Herrn Grunau (für's Grobe Graben) und mir (für die "Feinarbeit") zusammen, und wir schafften es tatsächlich, den Bau, der wesentlich tiefer und größer als vermutet war, bis zur Gehegegrenze (dort haben wir einen unterirdischen "Buddelstop" angelegt) aufzugraben. Trotz aller Bemühungen - die Gesuchte blieb verschwunden, und wir mussten traurig aufgeben.
Als Mia am nächsten Morgen noch nicht in Sicht war, ließ ich unsere vier hinterbliebenen Häschen in die Höhle, in der Hoffnung, dass sie weitergraben bzw. irgendeine Spur bringen würden. Gegraben haben sie zwar wie verrückt, doch leider ohne den gewünschten Erfolg. Als sich auch am Nachmittag immer noch nichts zeigte, begann ich massiv zu bezweifeln, dass Mia dort in der Höhle stecken könnte und dachte eher daran, dass sie geklaut worden sei. Fast hatte ich ihr Leben aufgegeben, aber Gott sei Dank auch nur fast! Ich kam nämlich auf die glorreiche Idee, einen kleinen Spiegel in die Höhle zu halten, und mit einer Taschenlampe hineinzuleuchten, und sah, dass es eine Verzweigung nach rechts gab, die wir noch nicht aufgegraben hatten. Ich startete einen vorsichtigen Versuch, die Erde entlang der Gehegeumzäunung aufzugraben, und tatsächlich - ganz dicht unter der Oberfläche gab es auch hier einen schmalen Gang. Mit dem Mut einer Verzweifelten grub ich weiter - es schien mir wirklich sinnlos, der allerletzte Versuch, bevor ich den Spaten wegräumen wollte - als mir auf einmal, ich traute meinen Augen kaum - Mias Näschen entgegen kam. Und das allerbeste: es schnüffelte!! Zwei Minuten später hielt ich die sehr geschwächte Madame dann in den Armen - sie war tatsächlich im lehmigen Boden wie einbetoniert gewesen, kam weder vorwärts noch rückwärts und hätte mit größter Wahrscheinlichkeit eine weitere Nacht ohne Futter und Wasser nicht überlebt. Mit riesiger Freude brachte ich Mia in ihrer schicken "Ganzkörperlehmkruste" dann erstmal ins Noviziat, wo ich ihr zusammen mit der zu Hilfe eilenden Sr. M. Irmingard eine warme Dusche verabreicht habe, die sie tapfer über sich ergehen ließ. Nachdem ein tierärztlicher Gesundheitscheck ihr dann noch "erschöpft, aber sonst kerngesund" bescheinigt hatte, konnte ich sie gestern am späten Abend wieder zu den anderen in den Stall zurücksetzen.
Mit dieser "hasigen Geschichte", deren geistliche Aussagekraft mir ehrlich gesagt ebenfalls ziemlich unter die Haut geht (mir hat sich in den letzten Tagen das Gleichnis vom verlorenen Schaf jedenfalls nochmal sehr ganzheitlich erschlossen!) wünsche ich uns allen ein ruhiges, erholsames Wochenende!
Sr. M. Ursula

2 Kommentare:

  1. Eine wunderschöne Parabel für unser Leben! Auch da lohnt es sich ja "weiter zu graben", weil wir dabei oft ganz unverhofft Wege entdecken - Wege, von denen wir noch nicht einmal ahnten, dass es sie geben könnte. Und oft sind es dann diese Wege, die uns mit dem Leben wieder in Berührung bringen.
    DANKE für diese schöne Geschichte!

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