Dienstag, 28. Dezember 2010

...und Friede auf Erden

Gestern Morgen gab es nach dem Frühstück im Refektorium ein Riesengelächter: Sr. M. Scholastika kündete feierlich an, es gäbe eine frohe Nachricht, wir bekämen nämlich Zuwachs. Unsere lieben älteren Mitschwestern rechneten natürlich fest damit, dass es Zuwachs in Form von mindestens einer neuen Kandidatin sei und mussten umso mehr lachen, als es dann hieß: "Wir bekommen zwei neue Kaninchen!" - nun ja, die ersten zwei Anfangsbuchstaben waren ja wenigstens gleich ;-))
unser entzückter Geschäftsführer mit Mia

Auf jeden Fall haben dann gestern Nachmit-tag die beiden entzük-kenden Kaninchendamen Mia und Lotte bei uns Einzug gehalten und wurden zur Freude aller auf neutralem Boden im Katharinenhof mit Max, Bernhard und Louise bekannt gemacht.
Für mich als "Kaninchenmutter" war bzw. ist das natürlich eine ziemlich spannende Angelegenheit, zumal ich so etwas das erste Mal erlebte. Und wider Erwarten wurde diese Vergesellschaftung für mich zu einer Erfahrung der besonderen Art. Zunächst hatten unsere fünf Schützlinge ja richtig Spaß miteinander. Mia und Lotte, die zuvor beide alleine leben mussten, freuten sich an der neuen Gesellschaft, und unsere drei "alten Hasen" waren ebenfalls ganz interessiert und zeigten sich von ihrer besten Seite. Das Blatt wendete sich allerdings, als wir die fünf dann ins Gehege überführt hatten. Mia und Lotte wurden zuerst hineingelassen und suchten sich - ich war schon ganz begeistert - zwei Plätze aus, an denen sich die anderen drei normalerweise nie aufhielten. Ich dachte schon, ich würde Zeugin der unkompliziertesten Vergesellschaftung aller Zeiten werden, aber Pustekuchen! Als wir wenige Minuten später nämlich Max, Bernhard und Louise hineinließen, war es mit der Freundschaft vorbei und es begann eine wilde Hetzjagd durch Stall und Gehege. Interessanterweise übrigens nicht nur drei gegen zwei, sondern jeder gegen jeden. Mir sind die biologischen Hintergründe natürlich völlig klar, dass die Häschen-Bande eine neue Rangordnung finden muss usw. usw., doch als ich diese Kämpfe beobachtete, da wurde mir auf einmal bewusst, dass das, was sich dort im Kaninchengehege zugetragen hat, in vielerlei Hinsicht dem ähnelt, wie es Tag für Tag - im Großen und im Kleinen - in unserer Welt zugeht. Genau wie die Kaninchen sind auch wir naturgemäß "soziale Wesen", die krank werden, wenn sie alleine leben müssen. Und so, wie wir den Kaninchen ein schönstmögliches Gehege bereitet haben und sie dreimal am Tag mit feinster Nahrung und Wasser versorgen, so ist auch uns eine wunderbare Welt, ein Lebens-Raum bereitet, in der es eigentlich mehr als genug Platz und Nahrung für alle gäbe. Und ich bin davon überzeugt, genauso wie ich mich danach sehne, dass unsere fünf sich einfach nur gut miteinander verstehen und nicht vereinsamen, so sehnt sich auch Gott danach, dass wir einander annehmen und uns lieben. Doch was sah ich gestern? Mia setzt sich instinktiv in die Ecke des Stalls, die für die anderen bislang überhaupt nicht interessant war, wird aber innerhalb von Sekunden von drei wild ihr Revier verteidigenden Häschen verjagt. Das lässt sie sich aber natürlich auch nicht gefallen und beißt Louise erstmal kräftig in den Hintern, was Lotte daraufhin veranlasst, sich ebenfalls in die Kampfhandlungen einzumischen, obwohl sie gar nicht angegriffen wurde. Und so gibt es seit gestern Abend ununterbrochen Streit und Zank, von einigen Waffenstillstandsminuten abgesehen, in denen alle fünf schmollend in verschiedenen Ecken ausruhen. Natürlich, das Ganze muss sein, damit sich die Gruppe findet, und trotzdem dachte ich gestern so oft: "Warum können die sich eigentlich nicht einfach gern haben?"…
Ein hasiger Vergleich? Nein, ich gebe zu, für mich ist es mehr, denn durch diese Erfahrung ist mir die Friedensbotschaft von Weihnachten in diesen Tagen noch einmal auf eine ganz andere Weise unter die Haut gegangen. Obwohl ich gewiss bin, dass es da Jemanden gibt, der am Rand des "Geheges" Erde steht, der jeden von uns unendlich liebt und dessen Wille es ist, dass wir untereinander in Frieden leben, geht es manchmal selbst in meinem eigenen Herzen nicht minder "kriegerisch" zu als im Kaninchengehege von Kloster Arenberg.
"ER verschafft deinen Grenzen Frieden und sättigt dich mit bestem Weizen" (Ps 147, 14) - so betet der Psalmist und ich wünsche mir, mich immer mehr Seinem Wirken an mir öffnen zu können, mehr und mehr zu lernen, diesen "göttlichen Frieden" in mir zu bewahren um so als fried-voller Mensch in dieser Welt unterwegs sein zu können.
Sr. M. Ursula

Sr. M. Lidwina

P.S: Wie sich inzwischen herausgestellt hat: Kaninchenhaltung hat in unserer Gemeinschaft doch tatsächlich schon eine lange Tradition - so tauchte an Weihnachten ein Bild aus den 70er Jahren auf: Sr. M. Lidwina mit Kaninchen auf dem Arm. Damals hatte ihre Zucht aber einen wesentlich existen-tielleren Hintergrund: sie leistete in Bolivien Hilfe zur Selbsthilfe, verschenkte die "sich wie die Kaninchen vermehrenden" Tiere und schaffte es so, ganze Dörfer mit Fleisch zu versorgen...

Montag, 27. Dezember 2010

Wir sind drin!

Vielleicht denken einige unserer treuen Leser schon, dass wir vielleicht die Weihnachtstage nicht überlebt hätten oder sonstiges, aber nein, es ist viel profaner: Wir waren seit letzter Woche quasi abgeschnitten von der (Internet-)Außenwelt und hatten/haben große Probleme mit dem Hotelprogramm und hatten nur an sehr wenigen Stellen einen Internetzugang, weswegen wir in den letzten Tagen nichts geschrieben haben. Das holen wir aber ab heute nach und wünschen jetzt allen noch

Frohe und gesegnete Weihnachten!

Gott wird Mensch, läßt sich zu uns herab und will bei uns wohnen. Lassen wir IHN ein, nehmen wir IHN auf und lassen uns vom Kind in der Krippe beschenken.

Wir hatten sehr schöne Festtage mit viel Schnee, berührenden Gottesdiensten, guten Begegnungen in der Gemeinschaft und leckeren Plätzchen. Jetzt erfreuen wir uns an der Geburt Christi in der Oktav und genießen das Winterwetter.
Sr. Kerstin-Marie

Dienstag, 21. Dezember 2010

Akute Erwartung

Folgende Zeichen können in den letzten Tagen bei uns beobachtet werden:
Es kommen Wagenladungen voller geheimnisvoller Pakete hier an, Briefe verlassen in ungezählter Menge das Haus und mindestens ebenso viele treffen hier ein, Tannenbäume kommen ins Haus, werden aufgestellt und mit Lichtern bestückt, in unserer Kirche sind unsere Männer fleißig bei der Arbeit, morgen ist für die Schwestern noch einmal Beichtgelegenheit, ...
Ja, nun weihnachtet es sehr bei uns. Übermorgen kommen die meisten Gäste des Gästehauses an, die letzten Karten und Briefe werden geschrieben, Weihnachtsüberraschungen besorgt und so langsam werden die Weihnachtsbäume und die Krippen aufgestellt. Es läßt sich nun nicht mehr verleugnen, dass wir voller Erwartungen sind. Zum einen erwarten wir sicherlich schöne und besinnliche Weihnachtstage, vielleicht ein bisschen Schnee, stimmungsvolles Beisammensein und was da sonst noch dazu gehört.
Aber ich merke in diesem Jahr auch wieder, dass wir ja eigentlich und wirklich etwas ganz anderes erwarten. Jeden Abend singen wir seit dem 17. Dezember in der Vesper die sogenannten O-Antiphonen, die alle mit O beginnen und mit dem Ruf "Komm!" enden. Dort werden die herrlichsten Bilder gemalt, von dem, den wir erwarten - ja, ich denke, wir erwarten ihn wirklich. Und am Ende singen wir dann dieses "Komm!", was vielleicht so ein bisschen zu vergleichen ist mit der Ungeduld von Kindern, bis es nun endlich Weihnachten wird.
Wenn man dann die Anfangsbuchstaben der Antiphonen von hinten nach vorne liest, ergibt sich der Ausspruch "ero cras", was heißt "ich werde da sein". Das ist wohl eher ein Zufall, dass die Buchstaben diese Worte ergeben, aber ich finde es einen sehr schönen Zufall, der mir den Zuspruch gibt, dass ich nicht umsonst warte, wenn auch meine Hoffnungen und Erwartungen vielleicht nicht unbedingt diesen Freitag erfüllt werden. Klar ist aber, dass ich auf keinen Fall umsonst warte und hoffe, schließlich strahlt schon überall etwas von der erwarteten Freude und Lebensfülle hier hin in unser Dunkel.
Deswegen freue ich mich wie ein Kind beim Öffnen des Adventskalenders, wenn wir morgen singen "O König der Völker... Komm!"
Sr. Kerstin-Marie

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Ein Anruf von...

In der Süddeutschen Zeitung gibt es manchmal die Rubrik "Ein Anruf bei...". In meinem Fall erhielt ich am Sonntag Abend allerdings einen Anruf von. Nämlich von einer alten Freundin, die ich vor über zehn Jahren in Taizé kennengelernt habe, zu der der Kontakt aber dann über ein paar Jahre abgebrochen war, als sie nach Indien heiratete. Anfang des Jahres dann fand sie mich via Facebook und wir tauschten unsere "Newsletter" aus.
Und am Sonntag Abend schellte dann das Telefon und eine Stimme sagte: "Hallo, hier ist Anna!" Was hab ich mich gefreut! Zur Zeit ist sie in Deutschland und es war ein wirkliches Geschenk, nach so langer Zeit mit ihr zu sprechen. Da verging die Zeit natürlich wie im Flug, so viel gibt es zu erzählen. Und wir stellten fest, dass wir in gewisser Weise in ähnlichen Situationen leben. Anna lebt mit ihrem Mann in Indien, ein Abenteuer wie ich finde, das außerordentlich beeindruckend ist. Und ich lebe mit meinen lieben Schwestern in einem Kloster, was manche auch abenteuerlich finden. Wir stellten noch ein paar Gemeinsamkeiten hinsichtlich unseres Tagesablaufs fest, in Bezug auf die Gelübde - ja, auch oder gerade Eheleute leben die Gelübde und hinsichtlich der Endgültigkeit von Entscheidungen.
Ich bin noch immer ganz bewegt und berührt von dem Gespräch, in dem meine Freundin mir erzählen konnte, dass Indien für sie eine echte Heimat ist, wo sie mit ihrer Familie für immer leben möchte. Von der Gemeinschaft im Dorf, den Gottesdiensten, den Aufgaben usw. Ich hatte eine Frau am Telefon, die total erfüllt und glücklich war. Das freut mich riesig, darf ich doch hier ein ähnliches Glück erleben, das ich, natürlich je verschieden, jedem wünsche.
Somit war dieses Telefonat am Sonntag Abend ein echtes Weihnachtsgeschenk - wie gut, dass es moderne Medien gibt ;-)
Sr. Kerstin-Marie

Dienstag, 14. Dezember 2010

Tau in den Haaren

Es ist immer wieder diese eigene Sprache, es sind die starken, lebendigen Bilder, die mich beim Lesen der Texte von Silja Walter berühren; sie schaffen es, eine Brücke dem Wort zu bauen, das mich, das uns ganz und gar angeht und unser Leben sein will. So schreibt die Schweizer Benediktinerin in einem ihrer Gedichte:

Die Nacht läuft der Mitte zu
spring
WORT
Geliebter
Tau in den Haaren
über die honigduftenden Berge
in deine Stadt.

Liebeslyrik? Eingeholte Liebesgeschichte zwischen GOTT und seinem Menschen? Die Parallele finden wir im alttestamentlichen Hohelied Salomos: "Horch! Mein Geliebter! Sieh da, er kommt. Er springt über die Berge, hüpft über die Hügel. Der Gazelle gleicht mein Geliebter, dem jungen Hirsch." GOTT kommt auf uns zu und läuft uns entgegen. Wagen wir diese Unmittelbarkeit zu denken? GOTTES eigene Sehnsucht bringt ihn buchstäblich laufend auf den Weg: wie ein Verliebter springt und läuft er über die Hügel und Berge unserer Alltagslandschaften, um uns hineinzuholen in sein Heil. Verrückter GOTT, der da läuft, ohne müde zu werden, der immer auf uns zuläuft und nicht innehält.
Es scheint mir, als wäre unser adventliches "Komm" die Initialzündung: Gott kann nicht mehr anders als alles stehen und liegen zu lassen und sich durchzusuchen zu uns. In der Liebe gibt es dieses "Muss", dieses Nicht-mehr-anders-Können.
Wen erwarten wir denn, wenn nicht IHN selbst? Er läuft uns entgegen mit dem Tau der Erlösung in den Haaren und mutet sich uns zu, denn er kommt doch wie ein Dieb in der Nacht. Er kommt, Er, nicht irgendetwas von ihm. Ich meine, es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ich den Trost GOTTES ersehne oder den GOTT des Trostes; ob ich seine Liebe und seinen Frieden erhoffe oder ob ich den GOTT der Liebe und des Friedens erwarte. Pingelig? Vielleicht.
Es ist mutig, mit dem Aufwand des ganzen Herzens und der ganzen Existenz, um das Kommen GOTTES zu bitten und ihn dann ganz und gar zuzulassen, wie auch immer er kommt, bereit zu sein für ihn, der alle Vorstellungen und Bilder, unser vermeintliches Wissen sprengen wird. Adventlich unterwegs sind wir, hoffend und erwartend. Vertrauend, dass durch sein Kommen Weihnachten in uns und unter uns geschieht: Menschwerdung GOTTES und darin unser eigenes Reifen und Werden.
Sr. M. Scholastika
(Kolumne vom 12.12.2010 auf www.orden.de)

Vier Hoch-Zeiten und ein Todesfall

Also wenn ich auf die letzten acht Tage zurückschaue, dann muss ich fast ein wenig lachen, denn der "Stoff", mit dem diese Zeit gefüllt war, würde locker ausreichen, um sich ein paar Wochen nicht zu langweilen. So gab es letzte Woche im Konvent mal wieder einiges zu feiern - angefangen vom Nikolaus-Abend, den ich in diesem Jahr erstmals aus einer ganz anderen Perspektive erlebt habe ;o) Dann ging es munter weiter mit einer sehr schönen Adventsfeier für unsere Schwestern und Mitarbeiter von Kloster Arenberg - und am 08.12. feierten wir das Hochfest Maria Empfängnis und damit verbunden den Namenstag unserer Mutterhaus-Priorin Sr. M. Veneranda.
Doch am gleichen Abend gab es dann leider auch den im Titel erwähnten Todesfall zu beklagen - als ich mich im Schneesturm zum Kaninchengehege durchkämpfte bemerkte ich zunächst, dass die Häschen alle so seltsam verstört waren. Louise und Max rannten wie verrückt durch's Gehege, während Bernhard - schon ganz eingeschneit - nicht bereit war, sich auch nur einen Millimeter von der Stelle zu rühren. Beim genaueren Hinsehen entdeckte ich auch den Grund seines Verhaltens - neben ihm lag nämlich in einer Kuhle seine beste Freundin Trudi, totgebissen von einem Marder, der wohl irgendwie ins Gehege gelangt war. Es war ein Bild des Jammers, das mir richtig unter die Haut ging… Nach diesem traurigen Verlust haben die drei trauernden Hinterbliebenen nun erst mal "Stubenarrest" und wir sind dabei, das Gehege nochmal neu gegen solch ungebetenen Besuch abzusichern.

Bevor ich dann am Wochenende auch noch mein 35. Lebensjahr vollendete, durfte ich am Donnerstag einen Abend eintauchen in eine für mich ganz fremde Welt. Zusammen mit Jürgen von der Lippe und 5 weiteren Gästen durfte ich im SWR-Nachtcafé mit Wieland Backes über das schöne Thema "Ich bin einmalig!" diskutieren. Da ich diese Sendung in vorklösterlichen Zeiten fast nie verpasst habe, war meine Freude natürlich doppelt groß. Die Aufzeichnung selbst empfand ich allerdings ehrlich gesagt lange nicht so spannend wie die Begegnungen und Gespräche mit den anderen Gästen und den SWR-Mitarbeitern vor und nach der Sendung. Alles in allem war es für mich ein schönes Erlebnis, und ich bin mal gespannt, wie das Ganze nun im Fernsehen rüberkommt (zu sehen ist das Ganze übrigens am 17.12. um 22:15 Uhr im SWR).

So eindrucksvoll diese letzte Woche auch war, nun bin ich sehr sehr froh, dass bei mir inzwischen wieder adventliche Ruhe eingekehrt ist, und ich Zeit habe, mich auf's Wesentliche zu konzentrieren.
Sr. M. Ursula
(Bildquelle: SWR)

Freitag, 10. Dezember 2010

Lebendiger Adventskalender

Gestern Abend war es so weit: Schon vor der Adventszeit gaben Sr. Johanna und ich unser Bestes, um eine ordentliche 9 zu basteln, weil Kloster Arenberg ein "Türchen" des lebendigen Adventskalenders der Pfarrei sein wollte und wir den Part übernommen hatten.
Basteln ist nicht so unser Metier, aber so eine Sache wie dann gestern Abend vorzubereiten, liegt uns viel mehr. Schnee für eine hübsche Kulisse war ja reichlich vorhanden, nette Gäste hatten vorher schon einen Schneemann gebaut und ein beleuchteter Tannenbaum war auch schon aufgestellt. Also die Gitarre genommen und losgelegt:
In der Vorbereitung hatten wir uns dazu entschieden, die Erwartung des Advents aufzugreifen: Wie der Prophet Jesaja beschreibt, sind auch wir im Dunklen und warten auf das Licht, das in Christus zur Erde kommen wird. Ehe die Ankunft aber möglich ist, bedarf es eventuell noch der Vorbereitung. Dazu passend fanden wir den Text zum "Anderen Advent" des Vereins "Andere Zeiten".

zur erde
vom himmel
schwebend
ein kind
landeplatz:
dein
winterliches herz

Diesen bekam jeder mitsamt der dazugehörigen Karte mit auf den Weg, um in den kommenden Tagen immer wieder darüber nachdenken zu können, ob das winterliche Herz bereitet ist für die Ankunft des Herrn.
Zum Abschluss konnten wir dann noch alle Anwesenden zu einem kleinen Punsch einladen und so den Abend ausklingen lassen. Eigentlich schade, dass wir nicht zu den anderen "Türchen" gehen können, weil die Zeit für uns so ungünstig ist. Ich denke, dieser Adventskalender, den ich so auch zum ersten Mal erlebe, ist eine schöne Art der Vorbereitung auf Weihnachten und ich schätze, dass wir im nächsten Jahr sicher auch wieder eine Zahl übernehmen werden. Schön, wenn die Adventszeit nicht nur im vorweihnachtlichen Stress versinkt - was ja auch bei uns eine Gefahr ist - sondern es Zeit und Gelegenheit gibt für diese Art der Vorbereitung, in der man auf ganz unterschiedliche Weise innehalten kann.
Sr. Kerstin-Marie

Montag, 6. Dezember 2010

...und will, dass es brennt!

Gestern haben wir im Evangelium von Johannes gehört, der am Jordan tauft. Wie er bei Matthäus beschrieben wird, ist dieser Johannes ein sehr engagierter Vorläufer Jesu: Er steht da in einem Gewand aus Kamelhaaren und ernährt sich von dem, was er da in der Gegend findet, nämlich Heuschrecken und wilden Honig.
In Anbetracht der Tatsache, dass die Leute aus Jerusalem, ganz Judäa und der ganzen Jordangegend kamen, um sich von ihm taufen zu lassen, muss Johannes sehr beschäftigt gewesen sein. Wahrscheinlich nicht nur beschäftigt, sondern ihm muss seine Aufgabe ein echtes Herzensanliegen gewesen sein, sonst hätte er wohl nicht Tag und Nacht dort am Jordan verbracht und so viele Menschen getauft. Der Fortgang der Geschichte, nämlich dass er am Ende sogar geköpft wird, zeigt wohl, dass er gebrannt haben muss für den Messias. Und das kündigt Johannes ja auch an: Der, der nach mir kommen wird, wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Damit ist also eigentlich klar, dass wir selber auch brennen, wenn wir Getaufte sind. Dass ich mich einsetze für die Sache, die mir am Herzen liegt und dabei auch mal die Uhr vergesse. Dass ich etwas tue, ohne zu fragen, was ich eigentlich dafür bekomme, eben, weil ich für die Sache brenne.
Das dürfte ja eigentlich kein Problem sein, da wir, wie gesagt, mit Feuer getauft sind. Wahrscheinlich muss ich dann "nur noch" dafür sorgen, dass ich brennbar bin. Vielleicht ist auch das eine Frage des Advents: Wie kann ich dafür sorgen, dass ich mich entzünden lasse für und von Jesus, in dem Gott Mensch wird? Was hilft mir dabei? Und was hält mich eigentlich davon ab?
Für jemanden oder eine Sache zu brennen bedeutet ja nicht immer zwangsläufig, dass ich verbrenne. Vielleicht kann ich Sachen beiseite lassen, von denen ich dachte, dass sie wichtig seien, die es aber gar nicht sind. Und bestimmt erlebe ich, wie belebend so ein Feuer sein kann - im Herzen, aber auch draußen, wenn es kalt ist - und wie gut so eine Flamme in der Dunkelheit ist.
So denke ich, dass es sich auf jeden Fall lohnt, Brennende zu werden, nicht nur für mich selber, sondern auch für die Menschen um mich herum.
Sr. Kerstin-Marie

Sonntag, 5. Dezember 2010

Von Gott angesehen


Irgendwie ist es seltsam: seit Monaten schon begegnet mir - immer wieder in unterschiedlichsten Facetten - ein Thema: Ansehen. Da hörten wir zum Beispiel vor einigen Wochen als Sonntagsevangelium die Geschichte von Zachäus, den Jesus mit einem einzigen liebenden Blick vom Baum herunterholt und ihn, den Verlorenen, aus dem Abseits der Sinnlosigkeit und Sünde zurückführt in die Gemeinschaft der Kinder Abrahams. Jesus schenkt ihm "einfach" Ansehen, dieser verkrachten Existenz, und dieses Ansehen führt dazu, dass Zachäus in der Lage ist, sein eigenes Leben im Lichte Gottes zu sehen und radikal umzukehren.
Wie schwer es manchmal aber auch sein kann, sich überhaupt anschauen zu lassen, bzw. einander anzusehen, das wiederum erlebte ich Anfang November während einer Kurseinheit bei meiner Ausbildung zur Geistlichen Begleitung. Dort machten wir eine ziemlich spannende Übung zu Nähe und Distanz, bei der wir uns jeweils paarweise einander gegenüber stellen und durch Handzeichen nach und nach möglichst nah heranrufen sollten. So erspürten wir, was sich in uns bewegt, wenn uns beispielsweise jemand Fremdes "zu dicht auf den Pelz" rückt - eine interessante Beobachtung für mich war: wenn die Nähe zu groß wird und die Vertrauensbasis fehlt, dann beginnt man automatisch wegzuschauen, um sich so ganz unauffällig "in Sicherheit" zu bringen...
Und dann bekam ich in der letzten Woche überraschend eine Einladung zu einer Talkshow, an der ich in der kommenden Woche teilnehmen werde - hier geht es u.a. um die Frage, warum viele Menschen heute so große, teilweise schon skurrile Anstrengungen unternehmen, angesehen zu sein, ihre Einmaligkeit unter Beweis zu stellen. Angeregt durch die intensiven Vorgespräche ging mir in den letzten Tagen das Thema "Ansehen und angesehen werden" noch einmal ganz neu unter die Haut. Ich glaube, die Sehnsucht, "jemand" zu sein, angesehen zu sein, sie steckt in jedem Menschen, ob er sie sich eingesteht oder nicht. Auf den ersten Blick scheint diese Sehnsucht sehr weltlich zu sein, aber das Verrückte ist - je mehr wir sie auf weltlichem Wege zu stillen versuchen, d.h. je mehr wir versuchen, etwas oder jemand darzustellen um gesehen zu werden, umso mehr entfremden wir uns oft unbemerkt von unserem eigenen Selbst.
Nein, ganz im Gegenteil - ich bin mehr und mehr davon überzeugt, dass die Sehnsucht nach Ansehen im Grunde eine ganz wesentliche Brücke zwischen Gott und uns Menschen ist. So schrieb Romano Guardini einmal das wunderschöne Gebet:

Immerfort empfange ich mich aus deiner Hand.
Das ist meine Wahrheit und meine Freude.
Immerfort blickt mich voll Liebe dein Auge an,
und ich lebe aus deinem Blick,
mein Schöpfer und mein Heil.
Lehre mich, in der Stille deiner Gegenwart
das Geheimnis zu verstehen, das ich bin,
und das ich bin durch dich und von dir und für dich.

Wer in seinem Leben schon einmal auf existentielle Weise erfahren hat, ein von Gott angesehener Mensch zu sein, der weiß um seinen eigenen Wert, der weiß, dass er nicht irgendetwas darzustellen braucht, um jemand zu sein. Dass uns dieses Ansehen von Gott her immer wieder neu und tief bewusst wird, dass wir uns in tiefem Vertrauen seinem liebenden Blick öffnen und aus diesem Geheimnis heraus unser Leben gestalten, das wünsche ich mir und uns in diesen adventlichen Tagen.
Sr. M. Ursula

Mittwoch, 1. Dezember 2010

ungeahnte Freude

"Aus dem Alter bist du jetzt aber wirklich raus" - diesen Satz hörte ich von meiner geplagten Mutter ab meinem 18. Lebensjahr Jahr für Jahr Ende November mit zunehmender Dringlichkeit im Tonfall, nämlich immer dann, wenn es um das Thema "Adventskalender" ging. Für manche mag sich das vielleicht kindisch anhören, aber diese Kalenderchen haben für mich bis heute noch nichts von ihrer Faszination verloren. Ich meine damit weder irgendwelche SMS-Adventskalender, noch sonstigen elektronischen Kram, am liebsten sind mir immer noch die ganz normalen, bei denen man einfach jeden Tag ein Türchen aufmacht.

Es ist goldig - da einige wenige Freunde von dieser heimlichen "Leidenschaft" wussten, bekam ich auch nach meinem Klostereintritt jedes Jahr immer noch von irgendwem ein kleines Postkarten-Adventskalenderchen zugeschickt. Doch dieses Jahr blieb der Briefkasten leer. Nun ja, ich hatte mich schon (fast) in mein neues adventskalenderfreies Leben hineingefunden und war mit fast 35 Jahren wild entschlossen, endlich mal erwachsen zu werden… Doch dann bekam ich heute einen viel versprechenden Brief von einer sehr lieben Freundin; es war nicht nur der entzückende Adventskalender, über den ich mich gefreut habe wie verrückt, sondern der Brief kam ausgerechnet von einer Freundin, die vor ein paar Wochen ihr drittes Kind bekommen hat und momentan weiß Gott genug anderes zu tun hätte, als mir pünktlich zum 1. Dezember einen Adventskalender nebst liebem Brief ins Kloster zu schicken. Angesichts dieser völlig unerwarteten Doppel-Freude habe ich mich jedenfalls gerade eben spontan entschlossen, mein dringend notwendiges Erwachsenwerden nun doch auf nächstes Jahr zu verschieben ;-)
Sr. M. Ursula