Donnerstag, 28. Oktober 2010

weltbewegend

Eine unserer älteren Mitschwestern, der ich mich seit meinem Eintritt sehr verbunden fühle, erzählte uns heute Nachmittag im Gesprächskreis eine kleine Geschichte, die mir fast die Tränen in die Augen trieb und mich irgendwie gar nicht mehr los lässt, weil ich sie einfach goldig finde: Als sie noch ein kleines Mädchen war, fiel ihr in der Kirche immer eine Frau auf, die auf sie einen unendlich traurigen Eindruck machte - sie war sehr alt, hatte eine gebückte Haltung, und man sah sie niemals lachen. "Wie kann ich dieser Frau eine kleine Freude machen?", fragte sich da unsere liebe Schwester, und eine Antwort kam ihr bald in den Sinn: Kurzerhand schenkte sie, das kleine Mädchen, der armen alten Frau nämlich ihre kleine Puppenküche - es muss eine sehr schöne, kleine, zusammenklappbare Puppenküche gewesen sein, denn noch heute, nach so vielen Jahren, kann sie sie ziemlich detailliert beschreiben, und ihre Augen beginnen dabei zu leuchten…

Auch auf die Gefahr hin, dass mich manch einer für verrückt halten mag - ich bin felsenfest davon überzeugt: solche Geschichten, wie sie unsere Mitschwester heute erzählt hat, sie sind welt-bewegend. Weltbewegend, nicht nur in Bezug auf die Welt der traurigen Frau und auf die Welt des kleinen Mädchens damals -  nein, die ganze Welt wird bewegt durch solche "Explosionen der Liebe", die vielleicht ganz ganz leise, aber doch ungeheuer machtvoll sind. Sie machen das Leben lebenswert, sie katapultieren uns geradezu heraus aus dem alltäglichen Einerlei, aus der Trost-losigkeit. Wir werden verwandelt, wir blühen auf, finden neues Leben. Sie lassen etwas aufscheinen von dem, wozu wir eigentlich geschaffen sind. Weltbewegend nicht nur damals, vor über 70 Jahren, sondern auch noch heute, wo die Schwester Ursula an einem ganz gewöhnlichen Donnerstagnachmittag durch diese Erzählung mal wieder ganz unvermittelt auf das Wesentliche im Leben gestupst wurde. Was mir bei allem Pessimismus, der sich unserer manchmal zu bemächtigen versucht, immer wieder neue Kraft und Hoffnung schenkt, ist der Gedanke daran, wie oft Tag für Tag ganz leise, im Verborgenen solch wunderbare Dinge passieren. Wie Menschen absichtslos Hilfe leisten, füreinander da sind, einander tragen in schweren Situationen. So oft ist es leider das Vordergründige, Gewalttätige, Laute in dieser Welt, was alles zu beherrschen scheint, doch ich glaube, genau das Gegenteil ist der Fall.
Als ich diese Geschichte heute hörte, kam mir ein Gedanke von Papst Benedikt in den Sinn, der mich schon seit einiger Zeit begleitet:
"Das Fruchtbringen und in der Verbundenheit mit Jesus Christus an der Erlösung der Menschen mitzuwirken, kann heißen: „Jedes angenommene, noch so verborgene Leid, jedes stille Ertragen des Bösen, jede innere Überwindung, jeder Aufbruch der Liebe, jeder Verzicht und jede stille Zuwendung zu Gott – das alles wird wirksam im Ganzen: Nichts Gutes ist umsonst. Der Macht des Bösen, die wie mit Polypenarmen das ganze Gefüge unserer Gesellschaft zu umgreifen und in einer tödlichen Umarmung zu ersticken droht, tritt nun dieser stille Kreislauf des wahren Lebens entgegen als die befreiende Macht, in der das Reich Gottes ohne alles Aufheben, wie der Herr sagt, schon mitten unter uns ist. In diesem Kreislauf wird Gottes Reich, weil Gottes Wille geschieht auf Erden wir im Himmel“
Papst Benedikt XVI.
Sr. M. Ursula

Der Stuhl neben uns bleibt leer

Wie ja bereits geschrieben, sind wir zur Zeit auf einer Werkwoche in der Schweiz, wo Sr. Miriam Altenhofen uns die Gelübde näher bringen möchte, was ihr bislang ziemlich gut gelingt.
Heute ging es dann nach einer Annäherung an alle drei Gelübde um das der ehelosen Keuschheit. Wirklich gut und irgendwie auch erfrischend war die Tatsache, dass Sr. Miriam ganz klar ansprach: Wenn Du Dich für das Ordensleben und damit für die Gelübde entscheidest, dann bleibt der Stuhl neben Dir leer. Dort nimmt dann Jesus Platz, aber kein Mann, mit dem Du eine exklusive Beziehung lebst mit allem, was so dazu gehört... Da kann man sich auch nicht selber froh reden, da ist einfach die Radikalität gefragt und die schmerzt eben manchmal. Aber, und das finde ich ja sehr wichtig und ermutigend, es gibt ein erfülltes Leben mit unerfüllten Sehnsüchten. Deswegen ist es wichtig, uns mit all unseren Bedürfnissen und Wünschen anzuschauen, nichts zu unterdrücken und uns als Frau wahr- und anzunehmen. Dann kann Leben prall und erfüllt sein und ein Zeichen der unendlichen Liebe Gottes sein, der für uns das Leben in Fülle will.
Wirklich gute Worte, in denen Sr. Miriam Konsequenzen aufzeigt, aber eben auch deutlich macht, dass es nicht darum geht, nur mit dem Kopf zu leben. Mal sehen, was dann morgen noch kommt, wenn es um Armut und Gehorsam geht...
Sr. M. Johanna und Sr. Kerstin-Marie

Mittwoch, 27. Oktober 2010

HURRA, wir leben noch!!!

"Hast du Mitschwestern wie euch, dann brauchst du keine Feinde mehr" - an diesen Satz, der Sr. Kerstin-Marie öfter mal über die Lippen geht, musste ich heute Morgen beim Frühstück denken.
Aber nun mal von vorn: Heute ist es genau ein Jahr her, dass unsere Sr. M. Scholastika zur Generalpriorin gewählt worden ist. Und natürlich mussten wir uns da etwas "Nettes" einfallen lassen, um dieses Jahrgedächtnis in würdiger, angemessener Weise zu begehen. Gestern Abend - Sr. M. Scholastika war zum Glück ausnahmsweise einmal nicht beim Abendessen dabei - kam uns eine ganz großartige Idee: In unserem Mutterhauskonvent ist es üblich, dass wir das Frühstück - außer an Namens- oder sonstigen Festtagen - im Schweigen einnehmen. Zweimal in der Woche allerdings - am Mittwoch und am Sonntag - hören wir dabei Musik, und ich habe die schöne Aufgabe, diese Musik auszusuchen. Für heute fiel mir da spontan ein sehr sehr passendes Lied ein, was allerdings zugegebenermaßen nicht ganz dem Genre der sonst zum Einsatz kommenden Frühstücksmusik entspricht: "Hurra, wir leben noch!!". Nachdem alle 55 Schwestern eingeweiht worden waren (bloß nichts anmerken lassen!!), machte sich im Konvent eine diebische Freude breit. Ich musste mich ganz ganz dolle beherrschen, als Sr. M. Scholastika mich gestern Abend noch anstupste und mir zuraunte: "Denkst du dran, für morgen früh noch Musik rauszusuchen?" - "Na klar!"
Auf jeden Fall lief alles wie am Schnürchen, alle hielten dicht, und amüsierten sich über das verdutzte Gesicht unserer Generalpriorin. Danach war es allerdings vorbei mit unserem Schweigen und Sr. M. Veneranda dankte ihr in einer kurzen Rede für alles, womit sie uns im vergangenen Jahr so reich beschenkt hat. ...allerdings nicht, ohne am Ende noch dieses Gebet zu sprechen:
Lieber Gott, ich bitte dich,
gib mir die Weisheit, meinen Chef zu begreifen.
Gib mir die Liebe, ihm zu verzeihen.
Gib mir die Geduld, seine Taten zu begreifen.
Aber lieber Gott,
schenk mir keine Kraft.
Denn wenn du mir Kraft gibst, haue ich ihm eine rein.

Nein, aber jetzt mal im Ernst: Wir sind einfach froh und zutiefst dankbar, eine solche Generalpriorin zu haben, die uns nicht nur in geistlicher Hinsicht wertvolle Impulse gibt, sondern auch so durch und durch menschlich, humorvoll und einfühlsam ist. Wir wünschen ihr von Herzen einen guten Start ins zweite Jahr, viel Kraft, Geduld und Ausdauer und vor allem Nerven wie Drahtseile, um unsere "wilde Bande" Tag für Tag zu ertragen ;-)
Sr. M. Ursula

Sonntag, 24. Oktober 2010

Gnadenloses Leben? - nein danke!

Evangelium vom 30. Sonntag im Jahreskreis
Einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, erzählte Jesus dieses Beispiel: Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort.  Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens. Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!  Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
(Lk 18, 9-14)
  
Bei der Betrachtung des Sonntagsevangeliums musste ich gestern doch ein wenig über mich selbst lachen, denn der erste Gedanke, der mir in den Kopf kam, lautete in etwa: "Oh Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie dieser eingebildete Pharisäer bin" - und dies warf natürlich spontan die Frage auf, worin sich denn mein Gebet eigentlich von dem Gebet des Pharisäers unterscheidet.
Gott für mein "So-und-nicht-anders-Sein" zu danken, halte ich zunächst einmal für etwas Gesundes, Natürliches. Es heißt doch, dass ich mich persönlich von Grund auf bejahe und mich selbst annehmen kann, ohne dauernd nach links und rechts zu schielen, dass ich zufrieden bin mit dem, was mir an Talenten zugeteilt wurde. Auch wenn ich viele Seiten an mir nicht wirklich ansehnlich finde und es nicht selten vorkommt, dass ich mich ganz massiv über mich selbst ärgere, so vergeht doch kein einziger Tag, an dem ich Gott nicht danke, dass ich so und nicht anders bin, dass ich außerdem dieses Leben, das ich frei gewählt habe, leben darf.
Trotzdem - das "Gebet" des Pharisäers, es regt mich auf. Aus dem einfachen Grund, weil er im Grunde eigentlich gar nicht betet, sondern statt Gott sich selbst beweihräuchert. Er kommt mir vor wie einer dieser Menschen, die im Leben einfach ALLES richtig machen. Gnade Gottes? Die hat er doch gar nicht nötig! Ich habe den Eindruck, genau hier liegt der Knackpunkt des heutigen Evangeliums. Denn, wenn wir meinen alles selbst machen zu müssen, uns unser Heil selbst erarbeiten und sichern zu können, wird unser Leben gnaden-los, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich denke, auf diese Gefahr im geistlichen Leben wollte Jesus die Menschen, "die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten" aufmerksam machen. Es ist ein oft zu beobachtendes Wechselspiel: je barmherziger ich mit mir selbst umgehe, je mehr ich um meine Unzulänglichkeit weiß und mich als Mensch erfahre, der unbedingt auf die Gnade Gottes angewiesen ist, umso barmherziger gehe ich automatisch auch mit meinen Mitmenschen um. Und umgekehrt - wenn ich selbst existentiell am eigenen Leib erfahren habe, dass ich ganz und gar unverdient be-gnadet bin, dann drängt es mich doch, Dem mit meinem Leben Antwort zu geben, der mich so überreich beschenkt hat. D.h. ich werde die Gebote halten, aber nicht, um mir dadurch das Heil zu erarbeiten, sondern weil ich erfahren habe, dass sie mir Wegweisung ins wahre Leben sind.
Ich finde es einfach ungeheuer ergreifend, dass Jesus die Sünder niemals durch irgendwelche Moralpredigten zur Umkehr bewegt hat, sondern er schenkte ihnen Ansehen, offenbarte ihnen neu ihre unverbrüchliche Würde und ließ sie erfahren, was es heißt, bedingungslos geliebt zu sein. Und genau diese Erfahrung ließ sie aufblühen, aufbrechen, das Alte hinter sich lassen und neues Leben finden.
"Öffne dein ganzes Leben der Liebe, die Gott dir als erster entgegenbringt. Bleibe für immer in dieser Gewissheit verankert, denn sie allein kann deinem Leben Sinn, Kraft und Freude schenken. Seine Liebe zu dir wird nie vergehen. Der Bund seines Friedens mit dir wird nicht erschüttert werden. Gott bereut niemals seine Gaben, und sein Ruf ist unwiderruflich. Er hat deinen Namen in seine Hände geschrieben. Tag und Nacht soll dich die zärtlich liebende Gegenwart des Herrn erfüllen, so wirst du leben. Gott wohnt in dir mit machtvoller Liebe, und in dieser Freude gestärkt, wirst du nicht mutlos werden." - so beginnt die Lebensregel der monastischen Gemeinschaften von Jerusalem, und diese Gedanken drücken für mich sehr schön aus, dass es in unserem Leben doch letztlich nur auf eines ankommt: uns Tag für Tag neu von Gott beschenken zu lassen, uns seiner Gnade zu öffnen. Die Konsequenzen für unser Handeln ergeben sich aus dieser Haltung heraus von selbst, davon bin ich überzeugt :-)
Sr. M. Ursula

Samstag, 23. Oktober 2010

Eine Reise in die Schweiz

Schon am Donnerstag haben Sr. Johanna und ich uns auf den Weg in die schöne Schweiz gemacht. Hier schwelgen wir aber nicht nur in Erinnerungen oder hängen den ganzen Tag im orangenen Sessel, sondern werden zum einen ab Montag an einem Kurs für Novizinnen teilnehmen und nutzen die Tage vorher für die unterschiedlichsten Begegnungen.
So besuchten wir gestern unsere Freundin Lea in ihrer Schulklasse, wo nach einem Vortrag über das Christentum "überzeugte Christinnen" gesucht waren. Da haben wir natürlich gerne ausgeholfen und alle Fragen beantwortet, die uns so gestellt wurden: Wie viel Urlaub haben wir, wie verbringen wir ihn? Wurden wir christlich erzogen und hatte das Vor- oder Nachteile für uns? Welche Gelübde haben wir bereits abgelegt? In welchem Alter haben wir uns dazu entschieden, ins Kloster zu gehen? Und das sind nur ein paar Fragen, die wir gestern nach bestem Wissen und Gewissen beantworteten. Uns hat es auf jeden Fall viel Spass gemacht, von unserem Leben zu erzählen und wir freuen uns, wenn wir mit ein paar Vorurteilen aufräumen konnten.
Nach dem Interview in der Klasse nutzten wir dann noch die Gelegenheit, in aller Ruhe durch Luzern zu schlendern und uns ein bisschen ins Schweizerdeutsch einzuüben, das wir ab Montag sicher wieder verstärkt zu hören bekommen werden.

Eine gute Gelegenheit zum "Mundartüben" war dann auch unsere heutige Reise zum Tag der familia domincana nach Cazis. Die Schwestern dort hatten den Tag der Begegnung vorbereitet und es war ein Fest, die verschiedenen Schwestern wieder zu sehen oder neu kennen zu lernen. Am Vormittag konnten wir uns dort in Kleingruppen mit verschiedenen Aspekten des dominkanischen Unterwegs-Seins auseinandersetzen und wurden am Nachmittag in Gruppen durch das Kloster geführt, ehe wir gemeinsam die Messe in der Pfarrkirche feierten. Nach dem gemeinsamen Kaffee, bei dem es wie im Bienenstock zuging, ging es dann wieder heimwärts, wobei wir eine Ferienschwester aus Cazis mit im Gepäck hatten. Auch dies ein wunderbarer Tag, der gleichzeitig noch die Gelegenheit bot, unsere "neue" Schwester in Rickenbach, Sr. M. Konradis, besser kennen zu lernen. Sie ist vor zwei Wochen von Michendorf nach Rickenbach gekommen und wir wünschen ihr hier bei den Eidgenossen einen guten Einstieg.
Sr. Kerstin-Marie

Sonntag, 17. Oktober 2010

COMPARTIR

Gestern war es also so weit: Wir haben unsere Bolivienausstellung eröffnet. Nun kann man bis zum 4. Januar in unserem Wandelgang entdecken, welche Arbeit unsere Schwestern in Bolivien leisten, wie sie dort angefangen haben und was sich wie entwickelt hat. Sr. Christa hat jede Menge Bilder zusammengesammelt, Texte dazu geschrieben und all das haben wir auf große Platten gebraucht, die nun im Gästehaus zu sehen sind. Zur Ausstellungseröffnung kamen nicht nur viele Hausgäste, Schwestern und Gäste von außerhalb, sondern auch ein gewisses bolivianisches Flair. Unsere bolivianische Spanischlehrerin und Freundin Ines Berger hatte für köstliche Empanadas und Cunapes gesorgt, so dass wir nicht nur einen visuellen Eindruck von Bolivien bekommen konnten, sondern auch einen geschmacklichen. Abgerundet wurde das Ganze noch durch die Anwesenheit zweier bolivianischer Priester, die uns mit bolivianischer Musik erfreuten. Als dann auch noch dazu getanzt wurde, war wohl jeder angerührt. Auf diese Weise bekamen die Bilder der Ausstellung noch eine andere Lebendigkeit, da das Leben dreidimensionaler vorstellbar wurde.

"Bolivianer" unter sich.
Sr. Christa sprach in ihrer Rede davon, dass der Missionsgedanke sich gewandelt habe, nämlich vom Gedanken des einfachen und reinen Helfens hin zum Geben und Nehmen. Wer in ein anderes Land geht, braucht ein offenes Herz, so wurde es den ersten Schwestern gesagt, die nach Bolivien aufbrachen, und ich denke, wenn wir über die Entfernung ein offenes Herz für unsere Mitschwestern und Mitmenschen in Bolivien haben, dann können wir etwas von uns geben, aber auch jede Menge von ihnen lernen. Ein kleiner Schritt dazu kann die Ausstellung sein, die jetzt bei uns zu sehen ist. Mal sehen, was darauf vielleicht noch folgt.
Gestern war es auf jeden Fall ein, wie ich finde, gelungener Auftakt der Ausstellung und vielleicht hat ja der ein oder andere mal Lust, bei uns vorbei zu kommen.
Sr. Kerstin-Marie

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Ja, ich will.

Am Wochenende bekam ich eine Email von einem alten Freund, den ich seit ca. 100 Jahren kenne. Wir waren zusammen bei den Pfadfindern, waren mal zusammen Firmkatecheten, in Taizé, beim Katholikentag, in Sommer- Pfingst- und Herbstlägern und haben diverse Parties miteinander gefeiert. Also ein richtig alter Kumpel, den ich gut leiden kann.
Der schickte mir also die freudige Nachricht, dass er demnächst seine Freundin heiraten werde, was mich natürlich gefreut hat. Allerdings muss ich auch sagen: Da geht er hin, einer der letzten, der noch nicht verheiratet war... Jetzt kenne ich also bald überwiegend Menschen, die ich meine Freunde nenne, die zumeist verheiratet oder zumindest mal in einer Beziehung sind. Von den Priestern abgesehen, haben die sich alle für einen Menschen entschieden, den sie so über alles lieben, dass sie für immer mit ihm zusammen bleiben und leben wollen.
Und wenn wir dann noch bei uns Goldhochzeitspaare in der Messe haben, die sich bei den Fürbitten ganz verliebt an den Händen halten, dann kommt ja unweigerlich die Frage auf: Was ist eigentlich mit uns, die wir zwar in einer Gemeinschaft leben, die aber auf Männer, Kinder und Familien verzichten?
Fehlt uns nicht etwas Entscheidendes zu unserem Glück?
Nein, ich denke nicht. So wie sich mein alter Kumpel für seine Freundin entschieden hat, weil sie die tollste aller Frauen auf der ganzen Welt für ihn ist, so entscheiden wir uns für unseren Weg. Für den in einer Beziehung bedeutet das, dass es zwar noch unendlich viele andere tolle Frauen bzw. Männer auf der Welt geben mag, aber die kommen dann eben nicht mehr in Frage.
Und für mich heißt das: Ich finde Männer toll, ich mag Kinder und freue mich an meinen Patenkindern und meiner Nichte, aber der Großartigste ist für mich eben ein anderer. Und weil ich mich für Ihn entschieden habe und auf dem Weg der Entscheidung bin, fallen eben andere Dinge für mich weg. Wenn ich eine so enge und vielleicht auch spezielle Beziehung mit Christus eingehe, dann kann ich nur schlecht noch mit einem anderen in einer so einzigartigen Beziehung leben. Aber so, wie das genau mein Ding ist und ich nicht tauschen wollte, so ist hoffentlich jeder überzeugte Single mit seiner Lebensweise, in der er nur Termine nur mit dem Kalender absprechen muss froh und jedes Paar, dass nur dann glücklich ist, wenn es abends in den Armen des Anderen einschlafen kann.
Aber welche Lebensform auch immer: Ich wünsche jedem, dass er genau seine Form findet, also seine ganz persönliche Berufung entdeckt. Und meinem alten Kumpel und seiner Liebsten wünsche ich alles Gute und Gottes Segen für die gemeinsame Zukunft.
Sr. Kerstin-Marie

Samstag, 9. Oktober 2010

Stunde um Stunde, Tag für Tag

Also manch-mal passieren ja mitten im Alltag Dinge, die man fast nicht glauben kann. So erging es mir beispielsweise vor etwa einem halben Jahr, an einem ganz normalen Freitagnachmittag: um 16:30 Uhr sollte ich eigentlich die gemeinsame Meditation für unsere Gäste anleiten, hatte aber irgendwie verpasst, diesen Termin in meinen Kalender einzutragen, mit anderen Worten: Worst-case-Szenario! Nachdem es am Morgen bei mir ziemlich rund gegangen war, war ich froh, dass ich den Nachmittag "frei" hatte, um mal gründlich mein Büro zu putzen und aufzuräumen (was bei mir sowieso selten genug vorkommt). Nichts ahnend machte ich mich in aller Seelenruhe an die Arbeit, aber was dann geschah, ist für mich bis heute noch irgendwie unwirklich. Nachdem ich schon eine gute Stunde geräumt hatte - etwa um 16:15 Uhr - fiel mir ein Buch in die Hand, das ich sehr mag, schon lange vermisst hatte und das eigentlich nicht ins Büro, sondern in meine Zelle gehört. Ich legte es mir raus und dachte: "Das nimmst du dir heute Abend mit rüber...." Dann, ein paar Minuten später, ich weiß nicht warum, aber da kam mir auf einmal der Impuls: "Ach komm, das kannst du doch eigentlich auch jetzt noch schnell rüberbringen, dann kannst du dir grad noch ein bißchen die Füße vertreten." Ich machte mich also auf den Weg in Richtung Konvent, und als ich gerade in dem "Verbindungs-Treppenhaus" zwischen Gästehaus und Mutterhaus war, da hörte ich, wie oben in der dritten Etage die Tür vom Meditationsraum zufiel. Ich sah auf die Uhr - es war 16:23 Uhr, und dachte: "Ah ja, die haben jetzt oben Meditation..." ging gemütlich weiter ins Mutterhaus. Als ich zwei Minuten später in meiner Zelle war, da fragte ich mich plötzlich: "Mmmh, wer leitet denn heute eigentlich die Meditation?" Und da - es wurde mir heiß und kalt - fiel mir doch tatsächlich auf, dass all meine in Frage kommenden Kollegen sich schon zum Wochenende verabschiedet hatten... Irgendwie blieb da definitiv nur noch die Sr. Ursula übrig!!! Um es kurz zu machen: der Groschen fiel noch früh genug, dass ich um 16:28 ganz relaxt und fast gar nicht außer Atem im Meditationsraum erschien, wo bereits 24 Leute auf mich warteten. Die kommende halbe Stunde Meditation verging wie im Flug, und mir ging nur ein einziges Wort durch den Kopf: "Danke". Irgendwie war ich ganz außer mir vor Glück und Freude, aber nicht, weil ich es noch rechtzeitig und ohne aufzufallen geschafft hatte, nein, sondern weil ich das ganz dringende Gefühl hatte, dass da "Jemand" seine Hand im Spiel hatte.
Ja, es mag sein, dass nun aufgeklärte Zeitgenossen aufschreien und die berechtigte Frage stellen, ob ich allen Ernstes meine, der liebe Gott hätte nichts Besseres zu tun, als Sr. Ursula einen sanften Tritt in den Hintern zu geben, wenn sie gerade dabei ist, einen Termin zu verpassen. Genau diese Frage habe ich mir im Nachhinein nämlich auch gestellt und stelle sie bis heute. Umgekehrt: Wenn wir doch von Gott glauben, dass er nicht irgendwo auf Wolke 7 thront, sondern in allem, ein Gott-mit-uns ist, wieso glauben wir dann nicht, dass er sich auch und gerade mitten im ganz und gar Alltäglichen, Unspektakulären offenbaren kann? Und denken wir nicht gerade dann viel zu klein von Ihm, wenn wir Ihm das nicht zutrauen? "Der Herr tut heute noch Wunder, Stunde um Stunde, Tag für Tag" - so lautet der Refrain eines Songs des christlichen Liedermachers Samuel Harfst.
Im morgigen Sonntagsevangelium wird uns auch wieder einmal von einem Wunder Jesu berichtet: die Heilung der zehn Aussätzigen. Neun von ihnen werden zwar von ihrer Krankheit geheilt, aber dabei bleibt es auch. Ein einziger kehrt um, ausgerechnet ein Fremder aus Samarien, an ihm geschieht das wahre Wunder, die Heilung an Leib und Seele markiert für ihn den Beginn seiner ur-eigenen Heilsgeschichte und lässt ihn den erkennen, der hinter allem steht.
"Der Herr tut heute noch Wunder, Stunde um Stunde, Tag für Tag" - eines steht für mich fest: diese kleinen und manchmal auch großen Wunder im eigenen Leben wahrzunehmen, macht tief im Herzen glücklich und dankbar. Und ich wünsche mir, keinen einzigen dieser kostbaren Momente zu verpassen, in denen im ganz Kleinen Großes an mir geschieht.
Sr. M. Ursula

Montag, 4. Oktober 2010

Pommes, Pommes, Pommes und kein Kartoffelsalat

Nachdem Sr. Ursula ja schon für die Bilder von unserem gestrigen Abend gesorgt hat, obliegt mir die etwas detailliertere Berichterstattung, die ich sehr gerne übernehme.
Gestern morgen in der Messe ging mir auf, was wir eigentlich gestern alles zu feiern hatten, nämlich Oktoberfest, Erntedank, 20 Jahre Deutsche Einheit und am Abend quasi schon den heiligen Franziskus, den wir als Dominikaner auch "Vater" nennen. Von daher war der Grillabend im Grunde prädestiniert und das wunderschöne Wetter zeigte ja, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten.
Nach der Vesper, die ich leider nur aus der Ferne mitbeten konnte, da ja eine das Feuer bewachen musste, sammelten sich schon die ersten Schwester rund um den Grill und nahmen probehalber auf der Pommeswartebank Platz. Um 18.30 Uhr ging es dann los mit Nudelsalat, Krautsalat, Brot, Möhrensalat, Wurst, Käse, Würstchen und Fleisch vom Grill und natürlich: Pommes! Wer hätte gedacht, dass Schwestern im Alter von 70-90 so viel Lust auf Pommes haben können? Aber dazu muss wohl gesagt werden, dass viele wahrscheinlich schon seit Jahren keine mehr gegessen haben, weil es sie bei uns einfach niemals gibt - außer man lebt im Noviziat...
Von daher konnten wir gar nicht so schnell frittieren wie die Rufe kamen: "Ich möchte auch noch Pommes!" "Sind schon wieder welche fertig?" "Ich hatte noch gar keine..." Gott sei Dank hatten wir aber genügend Vorräte, so dass alle Schwestern satt wurden und am Ende noch ein winziges Schnäpschen vertragen konnten.
Meiner Meinung nach sorgten nicht nur die guten Speisen und das gute Wetter für die gute Stimmung am gestrigen Abend - so dass Sr. Hadumut heute fragte, ob das jetzt klar sei, dass wir das monatlich machen -, sondern auch die Tatsache, so ungezwungen zusammen zu sein. Jede konnte sitzen, wo und mit wem sie wollte, manche zog es nach draußen, andere blieben lieber im Refektorium, so dass mal wieder neue Sitzkombinationen ausprobiert werden konnten. An solchen Abenden wie gestern zeigt sich dann auch, welches Potenzial eigentlich in unserer Gemeinschaft steckt: zum Dank beschallte Sr. Maria Hyazinth uns gestern Abend noch mit einem Abendlied von oben aus ihrer Zelle, Sr. Bernhardine brachte von oben etwas Licht in den Innenhof, manche sagten die Zeit aus luftiger Höhe an usw. So lernen wir uns alle von anderen Seiten kennen, was immer irgendwie spannend ist.
Gleichzeitig hat es uns wohl auch gut getan, unter uns zu sein. So sehr Gäste ein Segen sind und so schön es ist, mit Mitarbeitern, Gastschwestern, Hauspatres usw. zu feiern, so schön ist es auch mal, nur mit den Mitschwestern zusammen zu sein. Das bringt uns als Gemeinschaft näher und ich glaube, es fördert so einen Rahmen von Geborgenheit und Zusammengehörigkeit. Von daher werden wir zwar bestimmt nicht jeden Monat grillen, aber Vorschläge, was wir machen könnten, gab es schon genug und ich hoffe sehr, dass ein monatliches Zusammensein mit allen Schwestern von nun an Tradition wird.
Sr. Kerstin-Marie

Sonntag, 3. Oktober 2010

Nee, was war das schön!

Ab und zu, in ganz seltenen Ausnahmefällen, hat das Noviziat der Arenberger Dominikanerinnen auch mal richtig vernünftige Ideen, das muss die Juniorin ganz ehrlich zugeben. Und zu diesen vernünftigen Ideen ist ganz sicher auch das heutige "Oktoberfest" im Marienhof zu rechnen, wie man beim Betrachten des unten angehängten Videos unschwer erkennen kann :-)

Was bringt's?


"Und? Was hast du davon, ein gläubiger Mensch zu sein? Hilft dir das irgendwie, durch's Leben zu kommen?" - mit Fragen dieser Art bin ich schon öfter mal konfrontiert worden, aber irgendwie hinterließen sie bei mir immer ein schales Gefühl. Was "bringt" einem der Glaube? Je mehr ich mit Menschen, auch und vor allem mit Menschen, die in ihrem Leben Schlimmes durchzustehen haben, unterwegs bin, umso mehr wird mir bewusst: Eigentlich - von außen betrachtet - gar nichts. Wer an Gott glaubt, der hat daraus zunächst einmal überhaupt keine ersichtlichen Vorteile. Er hat genauso wenig Antwort auf existentielle Fragen wie jeder andere auch - im Gegenteil, manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass diejenigen, die nicht an Gott glauben, es fast leichter haben, die Welt zu erklären… Ein gläubiger Mensch hat genauso dunkle Wegstrecken zu gehen wie alle anderen auch, er bleibt auch nicht verschont von Schmerzen, Krankheit, Leid und Erfahrungen von Sinnlosigkeit, und vielleicht ist das für ihn noch viel schwerer zu ertragen. Es mag sein, dass der Glaube - oberflächlich betrachtet - das Leben von Menschen etwas heller macht, gemeinschafts-stiftend wirkt, und ich habe auch einmal gehört, dass religiöse Menschen eine etwas höhere Lebenserwartung haben (was wohl darauf zurückzuführen ist, dass sie in der Regel sorgsamer mit ihrem Leib umgehen), aber wenn es im Leben zu existentiellen Krisen kommt, dann sieht die Sache doch noch einmal ganz anders aus.
Diese Gedanken beschäftigen mich seit einigen Tagen, seit wir uns beim Schriftgespräch über das Sonntagsevangelium austauschten. Ich gebe zu, hier wurde uns heute harter Stoff geliefert:

In jener Zeit baten die Apostel den Herrn: Stärke unseren Glauben! Der Herr erwiderte: Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden, und verpflanz dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.
Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich, und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken. Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan. (Lk 17, 5-10)

Die Apostel kommen zu Jesus mit der Bitte: Stärke unseren Glauben! Ich kann mir vorstellen, dass sie bei ihrem Meister einen starken Glauben wahrgenommen, und die Früchte dieser tiefen Gottverbundenheit zu schätzen gelernt haben. Sicherlich hat Jesus auf die Menschen seiner Zeit eine ungeheuer klare und kraftvolle Ausstrahlung gehabt…. Und ich wette, dass der Hintergedanke der Apostel war: Stärke unseren Glauben, damit auch wir so glaub-würdig werden wie du, damit auch wir so wie du unser Leben "meistern" können, damit auch wir Wunder vollbringen. Sie werden dabei - wahrscheinlich genauso wie die meisten von uns auch - zunächst auf die Früchte geschielt haben. Nach dem fast lächerlichen Vergleich mit dem Senfkorn erzählt Jesus ihnen jenes Beispiel, das sich in unseren Ohren so schroff anhört und erstmal einen gehörigen Widerstand hervorruft. Ich glaube, kaum einer von uns kann ehrlichen Herzens von sich sagen, dass die Erfüllung all seiner Träume darin liegt, ein unnützer Sklave zu sein, der lediglich seine Schuldigkeit getan hat. Und doch sehe ich in diesem Gleichnis einen ganz wichtigen Schlüssel zu dem, was glauben im Tiefsten meint.
Derjenige, der diesen Vergleich heranzieht, Jesus Christus, der menschgewordene Gott, hat sich selbst zum Sklaven aller gemacht, was er immer wieder auf eindrückliche Weise gezeigt hat. Er hat sich nicht geschont, sich nicht zu Tisch gesetzt, wie es ihm gebührt hätte, sondern sich ganz hingegeben, ganz hineingegeben in unser Menschsein, bis in die tiefsten Abgründe. Dieser Herr, dessen Sklaven wir sein dürfen, ist derjenige, der sich selbst nicht geschont hat, sondern bis zum Äußersten gegangen ist, um uns zu zeigen, was es heißt, bedingungslos Geliebte zu sein. Diese Liebe allein ist das Fundament, auf dem unsere Beziehung steht, und ihm als Sklaven zu dienen heißt letztlich nur eines: dem Leben selbst zu dienen, dem Antwort zu geben, der uns als erster geliebt hat.
Sobald ich einen Menschen wirklich liebe, fällt jede Form von Berechnung wie von selbst weg. Ich liebe ihn um seiner selbst willen und nicht, weil ich aus dieser Beziehung irgendwelche Vorteile ziehen könnte. Wahre Liebe ist durch und durch verschwenderisch. Ich bin davon überzeugt, allein diese Form der absichtslosen Liebe ist es, die unsere Sehnsucht stillt, uns erfüllt und glücklich macht. Und das ist für mich persönlich auch die Antwort auf die Frage: "Was bringt's?"
Sr. M. Ursula

Samstag, 2. Oktober 2010

Festvorbereitungen

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus - hoffentlich sind es nur Schatten und keine Wolken: Für morgen Abend hat das Noviziat den Mutterhauskonvent zu einem Grillabend eingeladen. Was ja im "normalen" Leben eine kleine Familienparty ist, artet bei uns dann natürlich ein bisschen aus und so waren Sr. Beatrix und ich am Donnerstag zur ersten Einkaufsrunde unterwegs und kauften u.a. bei einem großen Metzger in Urbar 30 Steaks, 20 Putendinger und 20 Würstchen, die allerdings noch aufgestockt werden mussten. Das war schon ein Erlebnis, eine halbe Stunde bei diesem Metzger zu stehen, der uns dann feierlich einen riesigen Sack voller Fleisch überreichte.
Und während unsere Männer dann gestern Nachmittag schonmal Tische, Bänke, den Grill und einen Pavillion aufstellten - wie gut, dass wir die Männer haben - machte ich mich noch einmal auf den Weg nach Koblenz, um in einem großen Supermarkt 10 kg Pommes, 5 kg Krautsalat, 5 kg Nudelsalat, 4 l Frittierfett usw. einzukaufen.
Dabei traf ich im Aufzug mit dem vollen Einkaufswagen auf ein Kind, das zu mir sagte: "Boah, hast Du einen vollen Wagen." Und auf dem Rollband auf einen Mann, der mich fragte, ob ich Krankenschwester sei. Als ich antwortete, dass ich Nonne sei - um es mal plakativ auszudrücken - fragte er: "Christin?" "Ja." "Ich bin auch Christ." Der Dialog ging noch ein bisschen weiter, wurde dann aber durch das Ende des Rollbandes abgebrochen. Vielleicht aber sollten wir uns immer mal wieder am Freitag Nachmittag ins Einkaufsgetümmel stürzen, wo so unterschiedliche Menschen unterwegs sind und bereit sein für Gespräch, offen für die Menschen.
Ehe es aber soweit ist, hoffen wir morgen auf gutes Wetter und freuen uns auf einen schönen Grillabend nur unter uns Schwestern, was es auch schon ewig nicht mehr gab.
Sr. Kerstin-Marie

Freitag, 1. Oktober 2010

14 Tage unterwegs


Nicht dass der Verdacht entsteht, die Sr. Ursula sei in den letzten Wochen schreibfaul geworden - dass es von mir in letzter Zeit nicht viel zu lesen gab, liegt einfach daran, dass ich in den vergangenen Wochen ziemlich viel unterwegs war. Zuerst einen Tag beim Frauentag anlässlich der Kreuzwoche im Bistum Limburg, wo ich einen Vortrag über Kloster Arenberg halten gehalten habe, am nächsten Tag ging es weiter in Richtung alte Heimat Saarland, um dort - übrigens bei wolkenlosem Himmel! - meine letzten Ferientage zu genießen, und nach einem kurzen Zwischenstopp im Mutterhaus ging es dann abermals nach Limburg, denn dort begann am vergangenen Wochenende meine zweijährige Ausbildung zur Geistlichen Begleiterin.
Ich gestehe, obwohl es ab und zu ja schön ist, ein wenig in der Weltgeschichte umherzuschwirren, am allerliebsten ist und bleibt mir immer noch der ganz normale Alltag. Gerade in den Zeiten, in denen ich viel unterwegs bin, merke ich manchmal besonders deutlich, was ich im Klosteralltag so liebe, und was mir auf Dauer am meisten fehlen würde. Für mich sind beispielsweise die Räume der Stille, die uns selbstverständlich Tag für Tag gegeben sind, absoluter Luxus. Sei es die halbstündige Meditation am frühen Morgen, seien es die über den Tag verteilten Gebetszeiten, ein Spaziergang durch den Garten oder die Stille am Abend, wenn ich die Zellentür hinter mir schließen darf - immer wieder spüre ich, dass mir diese heilsamen Unterbrechungen dabei helfen, gut und ausgeglichen da zu sein, auch wenn es natürlich auch in meinem Alltag manchmal ganz schön turbulent zugeht.
So, und bevor nun im November eine weitere Kurswoche ansteht, genieße ich erst einmal das alltägliche Vielerlei auf dem schönen Arenberg J
Sr. M. Ursula