In der Fastenzeit gibt es an vielen Orten und Städten die Aktion "7 Wochen ohne". Wir hier in Arenberg begehen heute die Aktione "7 Tage ohne". Denn vor sieben Tagen haben wir unsere liebe Mitschwester Hna. M. Angela verabschiedet, die nach ca. 13 Monaten in Deutschland ihren Heimflug nach Bolivien angetreten hat.
In diesen sieben Tagen ohne Sr. Angela haben mir unter anderem folgende Dinge gefehlt:
Niemand nickt mir so schön am Morgen vor der Laudes zur Begrüßung zu, wie sie das gemacht hat. Mit niemanden brauche ich nun Deutsch zu üben und damit so komplizierte Worte wie "pünktlich" aussprechen üben, unterbrochen von herzlichem Gelächter.
Niemand hat so lustige Ideen und niemand trägt Erdnüsse einfach so in der Tasche mit sich herum.
Ja, daran wird wieder einmal deutlich, wie einzigartig jede Schwester ist und wie sehr uns jede einzelne bereichert, egal, wie alt sie ist, wie gut sie Deutsch spricht, wie intelligent sie ist,...
Die Zeit mit Sr. Angela war auf jeden Fall sehr schön und wir sind alle froh und dankbar, dass sie gut in Bolivien gelandet ist, stand es nämlich erst in Frage, ob sie überhaupt würde starten können, da ihr Flug überbucht und sie auf "stand-by" gebucht war. Aber es hat alles geklappt und inzwischen ist sie wieder in Comarapa angekommen, wo sie hoffentlich ihre Deutschkenntnisse nicht vergisst.
Sr. Kerstin-Marie
Sonntag, 26. September 2010
Freitag, 24. September 2010
Mit 17 hat man noch Träume...
Wie vielleicht bekannt, bin ich nun seit fast einem Jahr 30 Jahre alt, was ja irgendwie doch so eine magische Grenze ist. Das erste Mal feiert man einen "runden" Geburtstag bewusst als runden Geburtstag und danach ist man irgendwie erwachsen. Wenn man Kinder bekommen möchte, sollte man sich so langsam Gedanken darüber machen, wann man diese bekommen könnte usw. Um mich herum haben inzwischen auch fast alle Freunde geheiratet, bekommen den ersten Nachwuchs, sind in "ordentlichen" Berufen und führen so ein Leben, wie es sich für jemanden mit 30 vielleicht gehört.
Daneben stehe ich als quasi Kindergartenkind hier in der Gemeinschaft: Mit 30 bin ich hier die Jüngste und als Novizin ja auch vom Ordensalter her noch ganz am Anfang. Also eher der Gegenentwurf zu dem, was meine Freunde gerade leben und sich aufbauen.
Und trotzdem, oder gerade deswegen, bin ich mit meinen 30 Jahren vollauf zufrieden und rundherum froh. Entdecke ich doch, gerade im Orden, dass wir hier nicht den Stress haben, dass es gut wäre, spätestens mit 35 die Lebensplanung abgeschlossen zu haben, dass man spätestens dann einen tollen Job haben sollte, weil man sonst schon zum alten Eisen gehört.
Nein, ich entdecke, dass wir hier viel Zeit haben. Man kann bei uns noch mit 50 nach Bolivien gehen oder mit 55 Jahren für ein Jahr nach Deutschland kommen. Man kann mit 71 noch eine neue Aufgabe im Noviziat bekommen oder mit 45 schon Generalpriorin werden. Und man kann mit 91 Jahren noch in die Ferien nach Berlin fliegen und mit 30 Jahren Ferien in Oberhausen machen. Von daher spielt das Alter keine wirkliche Rolle, und gleichzeitig gilt, was Sr. Christa neulich sagte: Man hat schon eine gewisse Lebenserfahrung, aber das Leben liegt noch vor einem. Von daher denke ich, haben die Träume durchaus noch ihren Platz, allerdings sind es heute wohl andere als mit 17.
So bin ich rundum zufrieden mit meinem Alter und freue mich auf das Leben, das hier vor mir liegt.
Sr. Kerstin-Marie
Daneben stehe ich als quasi Kindergartenkind hier in der Gemeinschaft: Mit 30 bin ich hier die Jüngste und als Novizin ja auch vom Ordensalter her noch ganz am Anfang. Also eher der Gegenentwurf zu dem, was meine Freunde gerade leben und sich aufbauen.
Und trotzdem, oder gerade deswegen, bin ich mit meinen 30 Jahren vollauf zufrieden und rundherum froh. Entdecke ich doch, gerade im Orden, dass wir hier nicht den Stress haben, dass es gut wäre, spätestens mit 35 die Lebensplanung abgeschlossen zu haben, dass man spätestens dann einen tollen Job haben sollte, weil man sonst schon zum alten Eisen gehört.
Nein, ich entdecke, dass wir hier viel Zeit haben. Man kann bei uns noch mit 50 nach Bolivien gehen oder mit 55 Jahren für ein Jahr nach Deutschland kommen. Man kann mit 71 noch eine neue Aufgabe im Noviziat bekommen oder mit 45 schon Generalpriorin werden. Und man kann mit 91 Jahren noch in die Ferien nach Berlin fliegen und mit 30 Jahren Ferien in Oberhausen machen. Von daher spielt das Alter keine wirkliche Rolle, und gleichzeitig gilt, was Sr. Christa neulich sagte: Man hat schon eine gewisse Lebenserfahrung, aber das Leben liegt noch vor einem. Von daher denke ich, haben die Träume durchaus noch ihren Platz, allerdings sind es heute wohl andere als mit 17.
So bin ich rundum zufrieden mit meinem Alter und freue mich auf das Leben, das hier vor mir liegt.
Sr. Kerstin-Marie
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Sonntag, 19. September 2010
John Henry Newman
Heute hat der Papst John Henry Newman in Großbritannien selig gesprochen. Ein Theologe des 19. Jahrhunderts, der ursprünglich der Anglikanischen Kirche angehörte, dann aber katholisch wurde. Ich begegnete ihm während meines Studiums, als ich in München eine Vorlesung über ihn hörte. Nicht, dass ich jetzt noch wahnsinnig viel über seine Theologie wüßte, aber ein paar Dinge sind mir doch hängen geblieben und ich fand ihn außerordentlich interessant.
Später dann begegnete er mir noch einmal in einem Gebet, das, so finde ich, viel von seiner Theologie und Spiritualität ausdrückt, weswegen ich es hier einstelle:
O Herr, ich gebe mich ganz in deine Hände. Mache mit mir, was du willst. Du hast mich für dich geschaffen. Ich will nicht mehr an mich selber denken. Ich will dir folgen. Was willst du, dass ich tun soll? Geh deinen eigenen Weg mit mir. Was du auch forderst, ich will es tun. Ich opfere dir die Wünsche, die Vergnügungen, die Schwächen, die Pläne, die Meinungen, die mich von dir fernhalten und mich auf mich selbst zurückwerfen. Mache mit mir, was du willst. Ich feilsche um nichts. Ich suche nicht im voraus zu erkunden, was du mit mir vorhast. Ich will das sein, wozu du mich haben willst; ich will all das, wozu du mich machen willst. Ich sage nicht: ich will dir folgen, wohin du gehst; denn ich bin schwach. Aber ich gebe mich dir, dass du mich führst, gleich, wohin. Ich will dir im Dunkel folgen und bitte nur um Kraft für meinen Tag.
O Gott, du bist so wundervoll bei mir gewesen alle Tage meines Lebens. Du wirst mich auch ferner nicht verlassen. Ich weiß es, obschon ich keine Rechte vor dir habe. Lass mich meinen Weg nicht gehen, ohne an dich zu denken. Lass mich alles vor dein Angesicht tragen, um dein Ja zu erfragen bei jedem Wollen und deinen Segen für jedes Tun. Wie die Sonnenuhr von der Sonne, so will ich allein bestimmt sein von dir. So sei es, mein Herr Jesus Christus. Ich gebe mich dir ganz.
Berührt von diesem Gebet
Sr. Kerstin-Marie
Später dann begegnete er mir noch einmal in einem Gebet, das, so finde ich, viel von seiner Theologie und Spiritualität ausdrückt, weswegen ich es hier einstelle:
O Herr, ich gebe mich ganz in deine Hände. Mache mit mir, was du willst. Du hast mich für dich geschaffen. Ich will nicht mehr an mich selber denken. Ich will dir folgen. Was willst du, dass ich tun soll? Geh deinen eigenen Weg mit mir. Was du auch forderst, ich will es tun. Ich opfere dir die Wünsche, die Vergnügungen, die Schwächen, die Pläne, die Meinungen, die mich von dir fernhalten und mich auf mich selbst zurückwerfen. Mache mit mir, was du willst. Ich feilsche um nichts. Ich suche nicht im voraus zu erkunden, was du mit mir vorhast. Ich will das sein, wozu du mich haben willst; ich will all das, wozu du mich machen willst. Ich sage nicht: ich will dir folgen, wohin du gehst; denn ich bin schwach. Aber ich gebe mich dir, dass du mich führst, gleich, wohin. Ich will dir im Dunkel folgen und bitte nur um Kraft für meinen Tag.
O Gott, du bist so wundervoll bei mir gewesen alle Tage meines Lebens. Du wirst mich auch ferner nicht verlassen. Ich weiß es, obschon ich keine Rechte vor dir habe. Lass mich meinen Weg nicht gehen, ohne an dich zu denken. Lass mich alles vor dein Angesicht tragen, um dein Ja zu erfragen bei jedem Wollen und deinen Segen für jedes Tun. Wie die Sonnenuhr von der Sonne, so will ich allein bestimmt sein von dir. So sei es, mein Herr Jesus Christus. Ich gebe mich dir ganz.
Berührt von diesem Gebet
Sr. Kerstin-Marie
Mittwoch, 15. September 2010
Ich gestehe...
Ja, ich muss gestehen, als ich vor fast zwei Jahren in unsere schöne Gemeinschaft eingetreten bin und damit jeden Mittwoch Abend die Anbetung auf der Tagesordnung stand, habe ich mich zu Anfang schon schwer damit getan: Bis dahin war ich eigentlich nie so eine große Anbeterin, abends meistens müde, in Rickenbach war es oft stressig, um 20.00 Uhr mit allem fertig zu sein und dann ließ ich mich oft ziemlich leicht ablenken: Vom Rascheln der Kleider, vom Gähnen, irgendwelchen Geräuschen und wartete oft darauf, dass die Kirchturmuhr das Verstreichen der nächsten Viertelstunde anzeigt.
Theoretisch konnte ich schon begreifen, wie wertvoll und wichtig diese eine Stunde am Abend ist, selbst, wenn ich mal wegschlummere, aber dass das Dasein mit und bei dem Herrn wichtig ist. Dass er mit uns sein will und dass ja klar ist, dass man in einer Beziehung immer exklusive Zeiten reservieren muss usw. Leider blieben diese Gedanken oft eher im Kopf und fanden nicht so recht den Weg ins Herz...
Inzwischen sind unzählige Mittwoche - und seitdem wir in Arenberg sind, Dienstage - verstrichen, daneben kommen noch die Anbetungen am Nachmittag und während der Exerzitien und im Laufe der Zeit durfte ich so meine ganz eigenen Erfahrungen mit der Anbetung machen. Zum einen denke ich, dass eine Stunde, die ja unter Umständen recht lang werden kann, nicht zu kurz ist, sondern genau die richtige Zeit. Wie oft verfliegt eine Stunde wie nichts, wenn ich mit guten Freunden zusammen bin, wie gut ist es dann, mir eine Stunde für den zu reservieren, der mir der Liebste ist? Und irgendwie scheint diese eine Stunde genau das richtige Maß zu sein, denn manchmal passiert etwas nach ca. 50 Minuten und dann ist es auch gut, wieder zu gehen, um das, was passiert, sich setzen zu lassen.
Auch das ist eine Erfahrung der vergangenen beiden Jahre: Es kann etwas passieren in dieser Zeit. Dafür muss ich gar nichts machen, gar nicht besonders aufmerksam, fromm oder konzentriert sein, sondern manchmal gibt es solche Stunden in der Anbetung, in denen mich ein Gedanke, eine Idee, eine Einsicht quasi anfällt und auf einmal sehe ich Dinge aus einer ganz anderen Perspektive.
Wenn ich bereit bin, ein Ohr zu öffnen, dann kann ich aus einer solchen Stunde mit völlig neuen Einsichten gehen, dann verändert sich wirklich etwas in mir. Das ist sicher nicht jedes Mal der Fall, wahrscheinlich würde ich dann auch verrückt, und mal sind es "große" Einsichten, mal nur Gedankensplitter. Aber ich merke, wie wichtig und wertvoll diese Zeit ist, um die Beziehung zu Gott zu gestalten. Und deswegen wird es wahrscheinlich weiterhin Tage geben, an denen ich eigentlich müde bin, keine Lust habe,..., aber ich es wird eben auch diese Tage geben, an denen ich denke: "Juchhu, es geht zur Anbetung."Sr. Kerstin-Marie
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Freitag, 10. September 2010
Die geheimen Talente in Kloster Arenberg
So sind wir also gespannt auf die nächsten Überraschungen, mal sehen, wer demnächst zu ungeahnter Höchstform aufläuft.
Sr. Kerstin-Marie
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Dienstag, 7. September 2010
Zum Fest Maria Geburt
Morgen, am Fest Maria Geburt, feiern wir in unserer Gemeinschaft die Profess-Jubiläen unserer Mitschwestern. Heute Nachmittag gab es für alle Schwestern eine Einstimmung in den Festtag - hier die Ansprache unserer Generalpriorin:
Liebe Jubilarinnen,
liebe Schwestern,
„jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Gestirne, bei dem es keine Veränderung und keine Verfinsterung gibt.“
Nach diesen Worten aus dem soeben gehörten Jakobsbrief sind wir reich, überreich Beschenkte, und mit der Betonung auf das Unveränderliche GOTTES führt uns die Lesung in jene staunenswerte Wirklichkeit, die uns allen verheißen ist: GOTT kann nur lieben, nur schenken; Seine Zuwendung und Zuneigung zu uns bleiben in allen Alltagserfahrungen unverbrüchlich gegeben. Jede von uns sieht GOTT unaufhörlich hineingenommen in den unerschöpflichen Fluss Seiner göttlichen Liebe.
Das ist vielleicht der tiefste Grund, warum wir Jubiläum feiern.
Nicht unsere eigene Verdienste, unsere Werke sind es zuerst, die uns dankbar zurückschauen lassen, sondern GOTTES Wirken, Sein Tun an uns. GOTTES Großzügigkeit, die wir immer und immer wieder erfahren durften und dürfen.
So konnte Hildegard von Bingen beten:
„Wenn ich mit offenen Augen betrachte, was du, mein Gott, geschaffen hast, besitze ich hier schon den Himmel. Ruhig sammle ich im Schoß Rosen und Lilien und alles Grün, während ich Deine Werke preise. Dir schreibe ich meine Werke zu. Freude entspringt der Traurigkeit und diese Freude macht glücklich.“
Die ganze Heilige Schrift ist von diesem tiefsinnigen Gedanken durchzogen:
Dir, GOTT, schreibe ich alles Gute und Schöne, all das Herrliche dieses Lebens und dieser Welt zu, auch meine eigenen Werke. GOTT war und ist es, der die Initiative ergreift.
Jede von uns ist ein einzigartiges Beispiel, wie Er unerwartet, auch oft unvorbereitet einen Menschen erwählt, ganz frei, unerklärlich, aus seinem liebenden Willen heraus: Im Alten Testament bereits wissen wir um diese Zusagen:
„Nicht weil ihr zahlreicher als die anderen Völker wäret, hat euch der Herr ins Herz geschlossen und ausgewählt; ihr seid das kleinste unter allen Völkern. Weil der Herr euch liebt und weil er auf den Schwur achtet, den er euren Vätern geleistet hat, deshalb hat der Herr euch mit starker Hand herausgeführt und euch aus dem Sklavenhaus freigekauft …"
Das ist das Umwerfende: Nicht weil Ihr größer seid als alle Völker, sondern weil er Euch geliebt hat, hat Euch der HERR angenommen und erwählt. Dass Gott ausgerechnet Euch gewollt hat, dafür gibt es keinen Grund außer den der Liebe. Die Liebe Gottes kennt offenbar keine Ursache, kein Auswahlkriterium, keine besonderen Qualitäten, keine Auszeichnungen.
Das hebräische Wort, das hier verwendet wird, „wird an anderen Stellen gerade auch für das anscheinend sinnlose, das heißt keiner vernünftigen Begründung bedürftige ‚Sich Verlieben‘ gebraucht. Gott verliebt sich in Israel, obwohl es das kleinste unter den Völkern ist“, und genau durch dieses Volk will er seine Botschaft von Güte und Frieden in die Welt bringen.
Israel hat diese Worte verstanden: Hier kommt ein Gott, der stellt sich auf unsere Seite. Einer, der die Sklaverei nicht duldet, der die Gleichgültigkeit nicht erträgt, ein GOTT, der uns frei machen will und der uns uneigennützig liebt. Ein Gott, der die Mutlosigkeit beseitigt und uns ein Zuhause verspricht.
Gott traut es einer kleinen Gruppe von Menschen zu, der Welt bekannt zu machen, was in seinen Augen gut ist und was sein tiefstes Wesen ausmacht: Liebe und Erbarmen.
Morgen an unserem Festtag schauen wir auf Maria. Eine junge Frau, ganz frei von GOTT erwählt. Auch hier: kein Verdienst, kein Vorzug, keine Begabung wird erwähnt. Im Gegenteil, die Schrifttexte zeigen uns ein stilles, alltägliches Leben. Selbst für Maria bleibt ihre Erwählung ein unergründliches Geheimnis: sie kann das an ihr Geschehene auch nur in ihrem Herzen bewegen und bewahren.
Maria konnte sich ihrem GOTT ganz öffnen. Sie konnte diesem mächtigen Überfloss des Beschenk-Werdens zustimmen und einwilligen in die unerhörte Zumutung, die da von GOTT kommt.
Auch das ist pure Gnade. Es gab nichts in ihr, was sich Ihm verschloss, verweigerte, entgegenstellte. In ihr durfte GOTTES Gnade GANZ zusammenfließen mit ihrer freien, IHM hingehaltenen Verfügbarkeit.
Maria hat Ihn in der Einfachheit ihres Herzens und ihres Lebens geliebt. Das Geschöpf seinen Schöpfer. Darin ist das Heil zu uns gekommen. Maria hat erfasst, dass der Mensch aus Liebe geschaffen ist – für die Liebe; mit einer Liebe, die keine Bedingungen stellt, die sich von keiner Bezahlung abhängig macht. Eine verwegene Liebe …
Diese Liebe, hat sie nicht auch uns gnadenhaft getroffen?
Wo immer Sie aufgewachsen sind, liebe Jubilarinnen, wer und was auch immer Sie geprägt hat, es gab doch diesen Augenblick, diese eine Stunde, in der Sie GOTT berührt und zutiefst erfasst hat. Warum wohl wären Sie sonst diesen Weg der Nachfolge gegangen, warum wohl wären Sie geblieben, die ganzen 40, 50, 60, 65, ja gar 70 Jahre lang. Es muss doch Liebe gewesen sein - und Gnade. Eine Liebe, die Sie alles auf eine Karte setzen ließ. Eine Liebe, die Sie in ein neues Leben hineingestellt hat, eine Liebe, in der Ihnen die Treue zur Gefährtin wurde. Diese erste Liebe, in der das Herz mehr wusste als der Verstand.
Vielleicht erinnern sie sich an den Gesang der hl. Agnes, der früher bei der Einkleidung gesungen wurde und in dem etwas von diesem Geheimnis zwischen Gott und Mensch zum Ausdruck kommt:
„...als der Herr vorüberging, als sein Blick mich streifte, verstand ich.
Ich verstand, warum das Volk aufbrach aus dem vertrauten Gehäuse, um in der Wüste ein Fest zu feiern mit seinem Herrn.
Ich verstand, was das Gleichnis meint von der Perle und vom Schatz im Acker.
Ich verstand – und wählte – und liebe…“
Danken wir GOTT, danken wir einander für dieses Geschenk seiner Liebe, und bitten wir Maria nun in den Anrufungen um das Wachstum ihrer Haltung: „Mir geschehe nach Deinem Wort, nach Deinem Willen, nach Deiner Liebe.“ Mögen wir darin neu geboren werden, uns tief und tiefer als die von Christus Erwählte, als reich Beschenkte zu erkennen und aus diesem letztlich unbegreiflichen Geheimnis zu leben.
Sr. M. Scholastika
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Montag, 6. September 2010
Tatort Kaninchenstall
Nun, als ich heute die Wettervorhersage schaute und sah, dass für morgen wieder Starkregen angekündigt ist, wandte ich - die allzeit besorgte Hasenmutter - mich hilfesuchend an unseren Mitarbeiter Herrn Wagner, ob er vielleicht eine Idee hat, wie man den Kaninchenstall vorne etwas abdichten kann - nach der letzten Regennacht war die ganze Hütte doch etwas nass geworden und außerdem sollen es unsere Schützlinge ja auch bei Wind und Wetter gemütlich haben. Herr Wagner hatte die glorreiche Idee, ein paar Styroporplatten zurecht zu schneiden und vor die Gitter zu setzen, was wir dann auch sofort in die Tat umsetzen. Nachdem dann alles liebevollst und professionell abgedichtet war, gingen wir wieder unserer eigentlichen Arbeit nach (ist ja nicht so, als gäbe es in Kloster Arenberg nichts zu tun, als Kaninchenställe wetterfest zu machen ;-)).
Tja, es war ca. 5 Minuten vor dem Rosenkranz, als sich einige unserer Gäste beim Empfang meldeten - die Häschen waren von unserer Idee in der Tat sehr begeistert, und sie würdigten sie - allerdings auf ihre Art und Weise. Diese unmöglichen Viecher haben sich nämlich einen Riesenspaß draus gemacht, die Wind- und Wetterabdichtung mit ihren Krallen innerhalb von Minuten zu zerfetzen und in ein riesiges Meer von kleinen Styroporkügelchen zu verwandeln, die nun das Gehege aussehen lassen, als sei bereits der erste Schnee gefallen… Also ehrlich - die Süßen, sie können einfach nur froh sein, dass ich in dem Moment, als ich das hörte, keine Zeit mehr hatte, um schnell rauszulaufen und ihnen der Reihe nach das Fell über die Ohren zu ziehen!!
Nach Rosenkranz, Vesper, Abendessen und Komplet hatte sich die Hasenmutter dann wieder auf ihre normale Betriebstemperatur abgekühlt und musste sogar ein kleines bißchen schmunzeln, als sie ihre vier inmitten ihres selbst fabrizierten Chaos sitzen sah, als könne sie kein Wässerchen trüben...
Sr. M. Ursula
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quasi medicina
Ein Bild „quasi medicina“ — ein Heilungsbild für die Seele? Wohl kaum. Niemals kann es verglichen werden mit einem Isenheimer Altar, vor den die Kranken mit ihren Pestbeulen getragen wurden, bevor sie ins Spital des Antoniter-Ordens in Colmar aufgenommen wurden. Hier erkannten sie DEN, der den Weg der Liebe bis in den Tod hinein gegangen ist, „ein Mann voller Schmerzen mit Krankheit vertraut“. Hier fanden die Siechen Kraft, Trost, österliche Zuversicht.
Und doch lehrt mich unsere Marienikone das Sehen. Es kommt weniger darauf an, was wir sehen, wesentlich ist, wie wir hinschauen. Sehe ich durch die Dinge hindurch, hinter das Vordergründige auf eine tiefere Wirklichkeit? Auf die Wirklichkeit schlechthin: GOTT. Die dominikanische Formel, von Thomas von Aquin geprägt, führt uns diese kontemplative Spur: contemplari et contemplata aliis tradere. Betrachten - trächtig werden - gehen mit dem Geschauten - es wie Maria im Herzen tragen - das Erkannte hinaustragen und „hineinleben“ in die Welt. Alles, wirklich alles, das Helle wie das Dunkle, das Gesunde wie das Kranke, Frühling wie Winter, alles kann Eingangstor werden auf GOTT hin. Keine Technik, keine Methode gibt mir die Garantie, GOTT zu finden, ihm näher zu kommen. Was wir brauchen, ist Mut. Mut, zurückzutreten aus dem Gewühl, Mut zur Stille, Mut zur Hingabe in dem gegebenen Augenblick, dann leuchten sie auf: Gottes Schönheit in einem Gänseblümchen, Gottes Erbarmen in einem Glas Wasser, Gottes Lebendigkeit im Lachen eines Kindes, Seine Zusage des Heils im Zeichen der Koralle um den Hals Dessen, der das Heil ist und die Liebe. Und das Leben. Pur. Christus.
Sr. M. Scholastika
Sr. M. Scholastika
Sonntag, 5. September 2010
Schocktherapie?
Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzube-reiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.(Antoine de Saint-Exupery)
An dieses Zitat von Antoine de Saint-Exupéry musste ich heute Morgen auf einmal denken, als mir die Worte des Sonntagsevangeliums (Lk 14, 25-33) zu Ohren kamen. Ehrlich gesagt, diese Perikope aus dem Lukasevangelium ist und bleibt für mich ein Schocker, und gerade in der Zeit, als ich mit meiner Entscheidung für das Ordensleben rang, empfand ich sie als nicht wirklich ermutigend. Werden meine Mittel für den Turmbau reichen? Bin ich dem gewachsen, der meinen paar armseligen Soldaten mit doppelt so großer Truppe entgegen rückt? Ich brauche nicht lange zu überlegen, um diese Fragen mit einem kristallklaren NEIN zu beantworten. Und je länger ich auf diesem Weg unterwegs bin, und je mehr Lebensgeschichten ich von anderen Menschen höre, umso mehr bin ich davon überzeugt, dass niemand mit letzter Sicherheit von sich selbst behaupten kann, den "Lebensturm" mit den eigenen Mitteln fertig stellen zu können. Wir alle stehen ständig - mal mehr, mal weniger - in der Gefahr, unseren ursprünglichen Plan aufgeben zu müssen und von den anderen verspottet zu werden: dieser Mensch hat angefangen zu bauen und konnte nicht vollenden.
Aber - und davon bin ich überzeugt - darauf kommt es auch gar nicht an, das ist nicht der letzte Sinn unseres Lebens. Natürlich kommen wir nicht daran vorbei, unser Leben zu planen, zu schauen, was uns persönlich an "Kapital" zur Verfügung steht und wie wir es optimal einsetzen können. So habe ich mich beispielsweise in meiner Jugend immer danach gesehnt, Musik zu studieren, aber mir war relativ bald bewusst, dass es mir dazu schlicht und einfach an Talent mangelte. Um die eigenen Begabungen, aber auch Grenzen zu wissen, ist etwas sehr Gesundes.
Und dennoch, eines steht fest - das Wesentliche in unserem Leben, gelingendes Leben können wir nicht machen, es ist und bleibt Gnade, Geschenk. Umgekehrt, auch wenn es in jedem Leben hier und da von außen betrachtet gewaltige Brüche gibt, die anderen vielleicht sogar Anlass zum Spotten geben, dürfen wir dennoch in der tiefen Gewissheit leben, dass es Heilsgeschichte Gottes mit uns ist.
Ich gebe zu - krasser hätte Jesus nicht wirklich sprechen können, und - wie unser Pater Michael heute Morgen so treffend in seiner Predigt festgestellt hat - jeder Werbefachmann würde heute angesichts dieser harten Worte wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. So entmutigend, ja geradezu unmenschlich diese Rede Jesu auf den ersten Blick auch zu sein scheint, ich bin davon überzeugt, dass er durch diese "Schocktherapie" in denen, die ihm in Scharen hinterher liefen, eine Sehnsucht wecken wollte, und zwar die Sehnsucht nach dem, der allein unserem Leben Halt und Sinn zu geben vermag, wenn alles andere wegbricht. Er will in denen, die noch ganz davon eingenommen sind, Holz zu beschaffen und Aufgaben zu verteilen, und meinen, das sei das Wesentliche ihres Lebens, die Sehnsucht nach dem Meer (bzw. Mehr ;-) wecken. Er will uns führen vom hilf-losen Aktionismus zum radikalen Vertrauen auf den, der an uns handeln möchte, an uns Großes bewirken möchte.
Auch wenn die Auseinandersetzung mit solchen Schriftstellen manchmal schon eine stachelige Angelegenheit ist, so bin ich doch froh um diese "Wecker", die uns immer wieder aus dem Dämmerschlaf der Halbheiten wach rütteln und in die Entscheidung für das wahre Leben rufen wollen.
Sr. M. Ursula
Aber - und davon bin ich überzeugt - darauf kommt es auch gar nicht an, das ist nicht der letzte Sinn unseres Lebens. Natürlich kommen wir nicht daran vorbei, unser Leben zu planen, zu schauen, was uns persönlich an "Kapital" zur Verfügung steht und wie wir es optimal einsetzen können. So habe ich mich beispielsweise in meiner Jugend immer danach gesehnt, Musik zu studieren, aber mir war relativ bald bewusst, dass es mir dazu schlicht und einfach an Talent mangelte. Um die eigenen Begabungen, aber auch Grenzen zu wissen, ist etwas sehr Gesundes.
Und dennoch, eines steht fest - das Wesentliche in unserem Leben, gelingendes Leben können wir nicht machen, es ist und bleibt Gnade, Geschenk. Umgekehrt, auch wenn es in jedem Leben hier und da von außen betrachtet gewaltige Brüche gibt, die anderen vielleicht sogar Anlass zum Spotten geben, dürfen wir dennoch in der tiefen Gewissheit leben, dass es Heilsgeschichte Gottes mit uns ist.
Ich gebe zu - krasser hätte Jesus nicht wirklich sprechen können, und - wie unser Pater Michael heute Morgen so treffend in seiner Predigt festgestellt hat - jeder Werbefachmann würde heute angesichts dieser harten Worte wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. So entmutigend, ja geradezu unmenschlich diese Rede Jesu auf den ersten Blick auch zu sein scheint, ich bin davon überzeugt, dass er durch diese "Schocktherapie" in denen, die ihm in Scharen hinterher liefen, eine Sehnsucht wecken wollte, und zwar die Sehnsucht nach dem, der allein unserem Leben Halt und Sinn zu geben vermag, wenn alles andere wegbricht. Er will in denen, die noch ganz davon eingenommen sind, Holz zu beschaffen und Aufgaben zu verteilen, und meinen, das sei das Wesentliche ihres Lebens, die Sehnsucht nach dem Meer (bzw. Mehr ;-) wecken. Er will uns führen vom hilf-losen Aktionismus zum radikalen Vertrauen auf den, der an uns handeln möchte, an uns Großes bewirken möchte.
Auch wenn die Auseinandersetzung mit solchen Schriftstellen manchmal schon eine stachelige Angelegenheit ist, so bin ich doch froh um diese "Wecker", die uns immer wieder aus dem Dämmerschlaf der Halbheiten wach rütteln und in die Entscheidung für das wahre Leben rufen wollen.
Sr. M. Ursula
(Bildquelle: sokaeiko / pixelio.de)
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Kirchenjahr
ein neuer Ordensmeister
Das Generalkapitel der Dominikaner, das gerade in Rom tagt, hat heute einen neuen Ordensmeister - um genau zu sein, den 86. Nachfolger des Hl. Dominikus gewählt - es ist der 55jährige P. Bruno Cadoré, Fachmann in Sachen Bioethik und bislang Provinzial der französischen Dominikanerprovinz. Er wird nun für die nächsten neun Jahre weltweit dem Männerorden und den kontemplativen dominikanischen Frauengemeinschaften vorstehen.Wir wünschen ihm für seine Amtszeit viel Kraft und Freude, vor allem aber den Beistand des Hl. Geistes :-)
Einen ausführlichen Bericht vom Wahltag mit vielen Fotos gibt es hier zu lesen.
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Donnerstag, 2. September 2010
Der Geist weht, wo er will
So bekommen also auch wir etwas mit von diesen Exerzitien und lassen uns umwehen vom Heiligen Geist, der gerade hoffentlich ganz ordentlich weht. Da bleibt den Exerzitantinnen nur noch zu wünschen, dass es fruchtbare Tage werden.
Sr. Kerstin-Marie
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Mittwoch, 1. September 2010
Gott und die Welt
Ich darf diese Runde moderieren, und betrachte das derzeit als meine schönste Aufgabe in Kloster Arenberg. Woche für Woche bin ich neu beeindruckt und gerührt, wenn Menschen, die einen kostbaren Schatz an Lebenserfahrungen in sich tragen, diesen bereitwillig teilen, auch auf die Gefahr hin, nicht verstanden zu werden. Zum anderen werde ich natürlich durch die aufkommenden Fragestellungen selbst immer wieder neu herausgefordert. Besonders spannend wird das Ganze dadurch, dass in dieser Runde meist ziemlich krasse religiöse und weltanschauliche Extreme "ungeschützt" aufeinander prallen - vom frommen katholischen Ur-Gestein bis zum evangelischen Freikirchler, von Menschen, die sich taufen lassen möchten bis zu solchen, die gerade aus der Kirche ausgetreten sind. Und so bleibt das Ganze eine prickelnde, unberechenbare Angelegenheit, denn man weiß schließlich nie, wer alles dabei sein wird, und welche Themen sich ergeben. Die einzige "Regel" ist, sich gegenseitig zuzuhören, einander wertzuschätzen und andere Meinungen stehen zu lassen, auch wenn sie einem noch so fremd und unverständlich erscheinen mögen.
"Wenn Sie wirklich zuhören, dann geschieht dabei ein Wunder. Das Wunder besteht darin, dass Sie ganz bei dem sind, was gesagt wird und gleichzeitig Ihren eigenen Reaktionen lauschen." so sagte einmal der indische Philosoph Krishnamurti, und dieses Wunder, dieses lauschen auf meine eigenen Reaktionen, während ich dem anderen zuhöre, bedingt dass sich im Vielerlei der Gedanken zunehmend mein Eigenes herauskristallisieren kann.
Gespräche mit anderen, in denen über mehr gesprochen wird als übers Wetter, können eine ungeheure Bereicherung für den eigenen Lebens- und Glaubensweg sein. "Schade, dass es so eine Gelegenheit nicht öfter gibt", sagen viele unserer Gäste, nachdem die eineinhalb Stunden am Freitagmorgen wieder vorbeigeflogen sind - und ich frage mich: warum eigentlich nicht?
Sr. M. Ursula
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