Montag, 30. August 2010

Blogo ergo sum?

"Ich blogge, also bin ich" - diese natürlich leicht ironisch gemeinte Überschrift las ich neulich in einer Zeitung. Nun ja, ganz so krass würde ich es vielleicht nicht formulieren, aber - und das zeigen die Erfahrungen, die wir seit März vergangenen Jahres mit unserem OP-Jugend-Blog sammeln durften - das Bloggen bietet doch eine ganz gute Möglichkeit, etwas vom eigenen Leben zu teilen, und so mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen, die man sonst vielleicht nie kennengelernt hätte.
Aus diesem Grund hat sich nun im Bistum Trier eine Gruppe ziemlich be-geisterter Frauen und Männer gebildet, die in verschiedenen pastoralen Berufen tätig sind bzw. sich auf den Weg gemacht haben, um einmal in einem kirchlichen Beruf zu arbeiten. Letzten Donnerstag trafen wir uns zu einem ersten Kennenlernen und Erfahrungsaustausch hier auf dem Arenberg (daher übrigens auch die vielen Gäste im Chorgebet ;-). Wir haben einen neuen Blog "Geist-Erfahrer" ins Leben gerufen, in dem wir davon erzählen, was uns bewegt und begeistert, was wir auf unserem Berufsweg erleben, was uns freut oder mit Sorgen erfüllt. Sr. Kerstin-Marie und ich werden als Bloggerinnen auch mit von der Partie sein, was aber natürlich nicht heißen soll, dass unser guter alter OP-Jugend-Blog künftig vernachlässigt wird :-)
Also: viel Freude beim Lesen der Geist-Erfahrungen wünscht
Sr. M. Ursula

Samstag, 28. August 2010

Der gute Gusti

Heute feiern wir den hl. Augustinus, Kirchenvater und Philosoph, nach dessen Regel wir leben. Weil wir nach der Augustinusregel leben, haben wir uns in verschiedenen Studienwochen und Unterrichtseinheiten mit ihm und seinen Werken beschäftigt, so dass wir in Anlehnung an Sr. Katharina Deifel aus Wien Augustinus jetzt gerne Gusti nennen.
So finde ich Augustinus auf vielerlei Weise faszinierend: Er hat ein ziemlich bewegtes Leben gelebt, hat lange gebraucht, bis er Christ wurde - so lange, dass seine Mutter darüber schier verzweifelt ist - und hat seine Um- und Abwege aber nie verschwiegen und sie unter den Teppich kehren wollen, sondern sie in seinen "Confessiones" allen dargelegt.
Ich denke, in Zukunft müssen wir uns als Kirche und Ordensgemeinschaften vermehrt auf Menschen einstellen und einlassen, die auf unterschiedlichen Wegen Christ geworden sind oder es vielleicht erst noch werden wollen. Auf solche, die ehrlich auf der Suche sind und die uns als Zeugen anfragen. Die von uns wissen wollen, warum wir so leben, wie wir leben und welchen Mehrwert das für uns hat.
Wir müssen verstärkt die Menschen im Blick haben, die fast kein Glaubenswissen haben, weil es keine Eltern oder keine Großeltern gab, die ihnen das Beten beigebracht haben oder die sie mitgenommen haben in die Kirche. Aber ich finde, an Augustinus kann man ja sehen, wohin es führen kann: Er ist heute ein viel verehrter Heiliger, der uns heute noch etwas zu sagen hat.
Und das finde ich ebenso faszinierend an ihm: Er hat so wunderbare Worte und Sätze geprägt, denen ich heute zustimmen kann, die mich heute ansprechen und manchmal auch herausfordern. Er war erfüllt von einer tiefen Liebe zu Gott, so tief, dass er sagte, sein Herz sei unruhig, bis es ruhe in Gott. Ein Gedanke, den auch ich heute nachvollziehen kann. Oder, ein ganz wunderbarer Satz von ihm: "Liebe, und tu was du willst." Da bin ich gefragt, da gibt es keine Bevormundung, aber da bin ich im Grunde auch nicht eingeengt. Eine schöne Herausforderung also.
Eine solche ist auch seine Regel, die er eigentlich schrieb für eine Gemeinschaft von Freunden. Sie ist recht weit gefasst und läßt viel Spielraum. Gleichzeitig geht es in ihr nicht darum, dass wir alle gleich werden müssen, sondern dass jeder bekommen soll, was für ihn wichtig und nötig ist. Es geht darum, ins Leben zu kommen und das kommt mir sehr entgegen.
Deswegen freue ich mich immer wieder, dass wir nach seiner Regel leben und dass es Menschen wie den hl. Augustinus gab und gibt.
Sr. Kerstin-Marie

Donnerstag, 26. August 2010

Millionenfacher Chor

Heute in der Sext hatten wir eine recht große Gruppe von Gästen bei uns im Schwesternchor - warum, wird bald verraten. So war der Gesang auch deutlich kräftiger als sonst, zumal ein paar Schwestern zur Zeit nicht im Haus sind, die sonst gesanglich sehr stark sind. Zwei Dinge sind mir da heute aufgefallen:
Zum einen wurde mir bewusst, dass eine Gemeinschaft wohl auch dadurch gekennzeichnet ist, dass sie ihre eigenen Arten, ihre Eigenarten hat. So singen wir in einem bestimmten Tempo, mit einer bestimmten Art, die Pausen einzuhalten, und in einem eigenen Rhythmus. Kommen dann viele Gäste dazu, muss erst ein gemeinsames Singen gefunden werden, die Gäste passen sich uns an, wir nehmen die Gäste mit im Singen und so entsteht ein Gemeinsames. Daran wird wohl deutlich, dass wir als eine Gemeinschaft bestimmte Arten und Dinge pflegen, die uns vertraut sind, die vielleicht nicht immer schön und stimmig sind, aber die wir sind und die wir pflegen, so dass sie unsere Heimat sind. Das fällt mir auch dann auf, wenn ich einmal in einer anderen Gemeinschaft zu Gast bin, die prinzipiell das gleiche betet wie wir, dann aber doch wieder anders.
Zum anderen konnte ich heute auch entdecken, wie großartig es ist, dass wir uns zusammen finden zum Lob Gottes. Wir singen ja nicht deshalb, weil es so viel Spaß macht oder weil uns gerade nichts besseres einfällt, sondern wir unterbrechen unsere Arbeit, lassen den Magen knurren, um Gott zu loben. Und ohne größere Probleme kann da jeder mit einschwingen, der da ist. Da spielt es keine Rolle, wo jeder herkommt, welchen Beruf er hat oder welche Kleidung sie trägt. Einfach da sein und mit loben. Dann wird es ein millionenfacher Chor, der zudem noch auf der ganzen Erde erklingt. Wenn man also mal ganz genau hinhört, müsste man eigentlich immerzu so ein gesungenes Lob hören, das aus allen Enden und Ecken der Erde kommt. Und wir sind mitten drin und gehören dazu. Da passt der Spruch: "Wer glaubt, ist nie allein."
Sr. Kerstin-Marie

Sonntag, 22. August 2010

Beten II

Der Beitrag vom letzten Mittwoch erfordert dringend noch eine Ergänzung:
Denn wie ich finde, ist nicht nur die Tatsache, dass Dominikus diese Art zu beten pflegte, sie aber seinen Brüdern aufzwang zu erwähnen, sondern noch eine weitere Tatsache.
Dominikus wurde ja sehr angetrieben von dem Gedanken, all denen das Christentum nahe zu bringen, die es nicht kannten. So z.B. den Katharern in Südfrankreich, die sich zwar irgendwie als Christen bezeichneten, letztendlich aber eine etwas seltsame Sekte waren, bei der u.a. der Leib-Seele-Dualismus zentral war. Das bedeutet, dass der Leib schlecht ist, da er Materie ist, die Seele aber das ist, was erlöst, also vom Körper getrennt werden soll.
Am Montag haben wir uns die Zeit genommen, die Gebetsweisen nicht nur theoretisch zu betrachten, sondern haben sie selber auch nachvollzogen. Und da, so finde ich, merkt man gleich, dass es ein anderes Beten ist, wenn ich ausgestreckt auf dem Boden liege und die Stirn schwer auf darauf aufliegt. Oder wenn ich mit ausgestreckten Armen da stehe, ausgespannt und meine Arme und Schultern spüre. Dann nehme ich auch den Raum, in dem ich mich befinde, anders wahr, dann nehme ich die Realität anders wahr und dann findet viel mehr Eingang ins Gebet, als wenn ich in einer Bank sitze. Das macht deutlich, dass Dominikus also nicht sehr leibfeindlich gewesen sein kann, wenn der ganze Körper im Gebet mit ins Spiel kommt. Denn dann kann der ja nicht schlechte Materie sein, von der es sich zu lösen gilt.
Sicher hat Dominikus mit der Selbstgeißelung eine Praxis gepflegt, die wir heute gar nicht mehr nachvollziehen können und deren Sinn sich mir irgendwie nicht erschließt. Aber ich fände es schade, die Gebetsweisen nur darauf zu reduzieren, gibt es doch noch all die anderen Arten, von denen wir auch wissen und die mich anders vor Gott bringen können. Da, so denke ich, kann ich mit Haut und Haaren spüren, dass der Glaube sich nicht nur auf etwas Mentales bezieht, sondern dass ich komplett gefragt bin.
Sr. Kerstin-Marie

Donnerstag, 19. August 2010

Je kleiner die Herde,

... desto fetter die Weide.
Diesen Satz prägte gestern Abend Sr. Irmingard. Zur Zeit sind wir im Noviziatskonvent nämlich eine sehr kleine Herde von vier Schwestern, während sich die anderen Mitschwestern im Urlaub vergnügen, an einem Kurs teilnehmen oder in wichtigen Angelegenheiten unterwegs sind.
Am Mittwoch Abend essen wir nun immer zusammen bei uns im Schutzengelhaus und nicht, wie sonst, im Refektorium des Mutterhauses. Da wir nur zu viert waren und keine Abenddienst oder einen sonstigen Termin im Anschluss hatte, haben wir ein richtig gutes Essen zubereitet: Spaghetti mit Tomatensauce, dazu leckeren Parmesankäse, etwas Brot und Kräuterbutter und zum Nachtisch dann noch Apfelkompott aus selbst gesammelten Äpfeln sowie Tee aus den Apfelschalen.
Für dieses Mahl hätten wir sicher keine Haube und keinen Stern bekommen, aber uns hat es einmalig geschmeckt, vor allem, da es bei uns nie Nudeln mit Tomatensauce gibt und wir die Spaghetti erst unmittelbar vor dem Essen gekocht haben. So haben wir gestern also ein echtes Festmahl eingenommen und uns an diesem unverhofften Feiertag wie die Kiner gefreut. Es braucht also gar nicht unbedingt die tollsten Zutaten und das opulenteste Essen, aber wenn wir uns die Zeit nehmen und das, was wir haben, so richtig genießen, dann ergibt das schon ein Festmahl.
Viel Freude also an den einfachen Dingen des Lebens.
Sr. Kerstin-Marie

Mittwoch, 18. August 2010

Beten

Im Unterricht bei Sr. Judith beschäftigen wir uns gerade verstärkt mit dem Gebet. Dabei durften wir am Montag feststellen, dass Dominikus, wen wundert das, doch ein echter Held war: Zuerst haben wir Texte rund um seine Heiligsprechung gelesen, in denen Zeugen berichten, wie Dominikus gebetet hat. Nämlich oft, lang, gerne in einer Kirche, unter Tränen, seufzend, alleine, wenn alle anderen schon schliefen usw. Also ein wirklich großes Pensum, bei dem man ihn auch schon einmal eine Elle über dem Boden schweben sah.
Außerdem beschreiben die Mitbrüder, dass Dominikus in verschiedenen Körperhaltungen betete, unter anderem mit weit ausgestreckten Armen, so, wie Jesus am Kreuz war. Oder auf dem Boden liegend, mit der Stirn auf dem Fußboden, in der Verneigung, mit unterschiedlichen Handhaltungen,... Dabei fiel uns auf, dass keiner der Zeugen berichtete, dass Dominikus wollte, dass alle so wie er beteten. Vielmehr war das seine Art des Gebetes, wichtig für die Zugehörigkeit zum Orden war und ist die Theologie. Daneben kann - und muss wahrscheinlich auch - jeder seine eigene Spiritualität entdecken und pflegen, die über das hinaus geht, was wir gemeinsam im Stundengebet usw. weiter beten.
Für mich war das eine großartige Entdeckung, die mir gar nicht soo bewusst war. Aber es macht deutlich, wie wichtig unsere je eigene Persönlichkeit ist und dass es wichtig ist, sie auch in der Gemeinschaft zu behalten. So hat wohl auch im Gebet, im Gespräch mit Gott, jede ihre speziellen Vorlieben. Während die eine sich total im Rosenkranz wiederfindet, ist für die andere die Anbetung der Ort des Gebetes. Die nächste findet alles in der Bibel und wieder eine andere während der Meditation im Freien. Und das alles ist dominikanisch.
Wir müssen gar nicht alle gleich sein und wir müssen nicht alle auf die gleiche Weise beten. Wichtig ist wohl, dass wir gemeinsam unterwegs sind und im Gespräch bleiben über das, was und wen wir suchen, weswegen wir unterwegs sind. Dass wir gemeinsam studieren und uns nicht irgendwann auf den Posten zurückziehen, dass es jetzt aber genug sei. Und dann ist die Form frei.
Ist doch super.
Sr. Kerstin-Marie

Samstag, 14. August 2010

Süßer als Honig

"Dominikus begann einen leidenschaftlichen Appetit für Gottes Wort zu entwickeln und fand es süßer als Honig in seinem Mund" - so schrieb der Sel. Jordan von Sachsen in seinem "Libellus" über unseren Ordensgründer - sicher in Anlehnung an eine Perikope aus dem Buch Ezechiel: Menschensohn, iss, was dir gegeben wird. Iss diese Schriftrolle und dann geh und sprich zum Haus Israel. Ernähre dich und werde satt an der Papierrolle, die ich dir gebe. Ich aß sie und sie schmeckte süß wie Honig. (Ez 3,1 f.)
Vielleicht mag der Gedanke, eine Schriftrolle zu essen, auf den ersten Blick ziemlich befremdlich erscheinen, und doch durften wir in der vergangenen Woche feststellen, dass es zwischen unserer täglichen Nahrungsaufnahme und geistlichen Esskultur erstaunliche Parallelen gibt. Zunächst einmal: Wir, das sind knapp 90 Dominikanerinnen aus 18 verschiedenen Kongregationen, die sich vom 09. - 13. August zu einer Tagung in Ilanz trafen. Vier Tage lang drehte sich alles rund um das Thema "Studium im Dominikanerorden". Neben höchst interessanten Vorträgen und Impulsen verschiedener Referenten und Referentinnen gab es auch genügend Möglichkeit zum Austausch in kleinen Gruppen und viele praktische Anregungen, wie wir uns in unseren Gemeinschaften gegenseitig "Lust auf's Studieren" machen können. Und wir hatten eben auch Zeit, uns einmal Gedanken darüber zu machen, wie es um unser persönliches Studieren, unsere persönliche Suche nach der Wahrheit bestellt ist. "Welche Assoziationen kommen mir, wenn ich an mein persönliches biblisches Studieren und Meditieren denke", so lautete die einleitende Frage von Sr. Benedikta Hintersberger OP am ersten Abend: Denke ich da an süßen Honig, eine Essiggurke, frisches gutes Obst oder hartes Schwarzbrot? Wie nehme ich meine geistliche Kost zu mir - verschlinge ich sie, oder esse ich langsam, um die "Nährstoffe" auch wirklich aufnehmen zu können? Was nehme ich zu mir - bin ich eine Feinschmeckerin, die nur das isst, was zur Lebenslust beiträgt und Spaß macht? Bevorzuge ich aus Angst vor Allergien eine bestimmte Diät, die mir gut tut, leicht bekömmlich ist und mir möglichst wenig schadet? Oder neige ich zur Völlerei, stopfe alles in mich hinein, was ich kriegen kann, was mir zusteht? Und was gehört für mich unbedingt zu einer guten dominikanischen "Esskultur" dazu?
Von Anfang an kam dem Studium im Dominikanerorden eine ganz und gar außergewöhnliche Rolle zu. Die leidenschaftliche Suche nach der Wahrheit, die Sehnsucht, den Dingen auf den Grund zu gehen, statt im Oberflächlichen hängen zu bleiben, das Beschreiten völlig neuer Wege, auch in der Gefahr, sich in etwas zu "verrennen" brachte im Laufe der Geschichte unseres Ordens immer wieder herausragende Theologen und Menschenkenner hervor. Doch beim dominikanischen Studium ging es niemals nur um eine bloße Aneignung von Wissen, sondern um betendes Studieren - Studieren und Meditieren vor dem Angesicht Gottes. Und so ist es für mich ziemlich bezeichnend, dass solch großartige Gelehrte wir Thomas von Aquin oder Meister Eckart gleichzeitig auch Mystiker waren, die durch ihr Studium in die Tiefe der Weisheit und der Erkenntnis Gottes geführt wurden.
Dominikus und seinen ersten Brüdern war bewusst, dass sie nur dann glaubwürdige Verkünder des Evangeliums sein konnten, wenn sie nicht nur ganz und gar vom Wort Gottes durchdrungen waren, sondern auch argumentativ den Anfechtungen der Häretiker standhalten konnten. Das gilt selbstverständlich auch und gerade in der heutigen Zeit, wo der Glaube an unseren menschgewordenen Gott leider so oft als un-vernünftig angesehen, auf fromme Innerlichkeit reduziert wird.
Mir jedenfalls wurde in der vergangenen Woche noch einmal neu deutlich, dass lebenslanges Studieren nicht nur existentiell wichtig für unsere Sendung als Dominikanerinnen ist, sondern dass gerade die abwechslungsreiche geistliche Ernährung nebenbei auch richtig Freude macht - zumal es ja auch absolut legitim ist, neben verschiedenen schwer verdaulichen Speisen gelegentlich auch mal mit allen Sinnen einen leckeren Schokoladenpudding zu verkosten ;-))
Sr. M. Ursula

Montag, 9. August 2010

Gekommen, um zu bleiben

Gestern haben wir unseren Ordensgründer ganz ordentlich gefeiert und ich finde, wir haben da eine gute Feierkultur: Eine festliche Einstimmung am Vorabend, den ganzen Tag über das besondere Chorgebet zum Fest, die Messe in der besonders geschmückten Kapelle mit Weihrauch, immer wieder der Hymnus "Lodernder Brand", feierlich gedeckte Tische im Refektorium und im Erholungszimmer, feine Speisen und Getränke und eine fröhliche Stimmung haben den Tag berührend und bewegend gemacht.
Als wir dann am Abend nach dem "Feiermarathon" zur Komplet im Schwesternchor waren, fiel mein Blick auf eine Frau, die gerade bei uns zu Gast ist und am Ordensleben interessiert ist. In den letzten Wochen hatten wir immer wieder Interessierte in unserer Mitte, die einige Tage mit uns leben und dann wieder in ihr gewohntes Leben zurück kehren, immer auf der Suche nach ihrer Berufung.
Ich für meinen Teil war gestern Abend - und bin es auch heute noch - sehr froh, dass ich nicht wieder gehen muss in eine sehr schöne Wohnung, in einer netten Hausgemeinschaft, zu einer erfüllenden Arbeit, sondern dass ich meinen Platz hier gefunden habe, mit allem, was da dazu gehört. Ich freue mich, mit den anderen Schwestern unterwegs zu sein, mit ihnen die Psalmen zu singen und mittags die Kartoffeln zu teilen und ich bin gespannt, wohin unser Weg uns noch führt.
Deshalb werde ich bleiben und wünsche allen, die auf der Suche nach ihrem Weg sind, dass auch sie einen Platz finden, an dem sie so froh sind, wie ich es hier bei den Arenberger Dominikanerinnen bin.
Sr. Kerstin-Marie

Sonntag, 8. August 2010

Licht der Kirche

Zusammen mit tausenden Brüdern, Schwestern und Laien der "familia dominicana" auf der ganzen Welt feiern wir heute das Hochfest unseres Ordensgründers, des Hl. Dominikus.
Es berührt mich immer wieder neu: von unserem Ordensvater, der ja ausgerechnet den Predigerorden gründete, ist uns - außer einigen belanglosen Briefen - kein einziges Schriftstück erhalten, nur die Botschaft, die er uns durch sein Leben gab, eine Botschaft, die bis heute wegweisend ist und auch nach 800 Jahren noch nichts an ihrer Aktualität verloren hat. Der Hl. Dominikus mit seiner entschiedenen Verwurzelung in Christus, seiner Klarheit und Menschenfreundlichkeit, seiner Weite, seinem Mut und seiner fast unglaublichen Weitsicht - er war ganz und gar Werkzeug Gottes inmitten einer aus den Fugen geratenen trost-losen Welt. Die Liebe drängte ihn, sich mit Haut und Haaren dem Dienst der Verkündigung zu widmen und die suchenden, orientierungslosen Menschen wieder in Berührung zu bringen mit der ursprünglichen Kraft und Frische des Evangeliums Christi.
Ich gebe zu, ich bin einfach unendlich dankbar, im Orden des Hl. Dominikus unterwegs sein zu dürfen. Möge sein Beispiel uns immer neu entflammen für unseren Auftrag und unseren Dienst an den Menschen.
Sr. M. Ursula
Herr, unser Gott, stärke deine Kirche durch das Vorbild und die Lehre des heiligen Dominikus, unseres Vaters, der mit Macht deine Wahrheit verkündet hat. Höre auf seine Fürsprache und erwecke auch in unserer Zeit Prediger, die dein Wort glaubwürdig verkünden. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Donnerstag, 5. August 2010

Unverwechselbar - Kevelaer

Am Anfang dieser Woche führte uns der Noviziatsunterricht mit Sr. Judith nach Kevelaer, wo wir das Gnadenbild der Gottesmutter besuchen wollten. Den Weg dorthin und wieder zurück bewältigten wir aber nicht einfach mit dem Auto oder der Bahn, sondern machten eine "echte" Wallfahrt daraus und bestiegen die Fahrräder. Auf den ca. 60 km Weg hielten wir immer wieder an, um uns mit dem Rosenkranz zu beschäftigen, uns mit ihm auseinander zu setzen und ihn natürlich auch zu beten. In Kevelaer angekommen besuchten wir die Kerzenkapelle, wo hunderte Wallfahrerkerzen stehen und zündeten selber welche an, betrachteten die Säulen mit den Mariendogmen in der Basilika und verweilten eine Zeit in der Anbetungskapelle. Danach ging es dann noch um die Mariendogmen, was sie aussagen wollen und wie wir sie verstehen können.
Vor dem großen Regen kamen wir pünktlich im Nachbarort Twisteden an, wo wir in einer wunderbaren Bett-and-Bike-Pension unterkamen und manche quasi vom Rad fielen. Der schnöde Hunger führte uns dann in eine wunderbare Gaststätte namens Kastanien-Eck, in der wir Leib und Seele wieder zusammenbringen konnten bei wirklich gutem Essen. Bei unserer Vegetarierdichte von fast 50 Prozent waren die verschiedenen vegetarischen Gerichte besonders bemerkenswert, dazu die freundliche Bedienung und das nette Ambiente.
Am nächsten Tag feierten wir dann das Pilgeramt mit und schwangen uns nach einer weiteren Einheit "Mariendogmen" wieder auf die Räder und zurück in Richtung Waldniel, wo Sr. Sophia uns um 18 Uhr mit einer leckeren Linsensuppe und Mamorkuchen erwartete.
Mir hat diese Wallfahrt rundherum Freude gemacht und gut getan, wenn ich gestern auch noch recht müde war. Kevelaer, wo ich schon lange nicht mehr war, hat mir gut gefallen, das Unterwegssein mit den Mitschwestern war sehr schön und bei all dem entdecken wir immer wieder Neues rund um unseren Glauben und die Welt. Von daher war es sicher nicht meine letzte Fahrrad(wall)fahrt.
Sr. Kerstin-Marie

Montag, 2. August 2010

NICHTS ist zu wenig

Was kann ich schon ausrichten angesichts des unfassba-ren Elends in dieser Welt? Auf mich kommt es doch sowieso nicht an, ich bin doch eh nur ein unbedeutendes Rädchen im Getriebe… Ich glaube, jeden von uns haben schon irgendwann einmal solche Gedanken überfallen und gequält, und mir kamen sie in den Sinn, als ich heute Morgen das Tagesevangelium betrachtete. Dort haben wir die Geschichte von der wundersamen Brotvermehrung gehört: Es ist Abend, der Ort ist öde, die Jünger sind erschöpft und sehen sich mittellos einer hungrigen Menschenmasse gegenüber. "Schick sie doch weg, dass sie in die umliegenden Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können" - WIE gut kann ich an dieser Stelle diesen Wunsch der Jünger nachvollziehen. 5 oder 10 Leute, die hätte man ja vielleicht noch ausgehalten und satt bekommen, aber 5000 Männer, und dazu noch die Frauen und Kinder? Diese Menschenmenge ist ihnen definitiv ein paar Nummern zu groß, und so ist es mehr als verständlich, dass sie dieser unangenehmen Situation entfliehen wollen. Wegschicken und Essen kaufen lassen, das wäre für einen rational denkenden Menschen auf jeden Fall der bequemere, vernünftigere Weg gewesen. Doch mit diesem Lösungsvorschlag waren sie bei ihrem Meister an der falschen Adresse. "Gebt ihr ihnen zu essen!" - sagt der da einfach ganz dreist, und die Antwort der Jünger "wir haben nur fünf Brote und zwei Fische" hört sich irgendwie hilflos, beinahe komisch an. So als sollten drei Tröpfchen Wasser zum Löschen eines brennenden Hauses verwendet werden. Und wenn wir diese Stelle nicht schon zig Mal gehört hätten, würde man doch spätestens jetzt auf jeden Fall erwarten, dass Jesus ihnen sagt: "Gut, dann halt nicht, dann müssen wir sie doch wegschicken". Aber nein, diese lächerlichen fünf Brote und zwei Fische, sie sollen zu Ihm gebracht werden.
Genau an dieser Stelle setzt für mich der blinde, alltägliche Gehorsam Gott gegenüber an. Wie oft fühle auch ich mich unendlich arm angesichts der vielen Probleme, mit denen ich Tag für Tag konfrontiert bin. Wie oft würde auch ich gerne den Hunger notleidender Menschen um mich herum stillen, aber meine fünf Brote und zwei Fische kommen mir viel zu lächerlich vor, als dass ich es wagen würde, sie ihnen überhaupt anzubieten. Genauso wird es auch den Jüngern gegangen sein, und doch befiehlt Jesus: "Bringt sie her!" Heute wurde es mir noch einmal neu bewusst: nichts ist zu wenig, und zwar in doppeltem Sinn: Es ist zu wenig, einfach nur verzagt nichts zu bringen, aber es ist auch nichts zu wenig, um es Jesus hinzuhalten, der allein uns das Brot geben kann, das allen Hunger zu stillen vermag. Ihm in diesem Bewusstsein jeden Tag das geben, was wir haben, und kommt es uns manchmal noch so unbedeutend vor, bewahrt uns einerseits vor lähmender Resignation und Mutlosigkeit, andererseits aber auch vor der Versuchung, das Heil selbst machen zu wollen. Und ich glaube, genau dieses unerschütterliche Vertrauen in das Große, das Er durch uns in dieser Welt wirken kann und will ist es, was uns hilft, in schwierigen Situationen tapfer standzuhalten statt einfach davon zu laufen.
Sr. M. Ursula

Sonntag, 1. August 2010

back to the roots

"Saarländer haben keine Füße, Saarländer haben Wurzeln" - stellte einmal mein ehemaliger Chef fest, und ich glaube, da ist wirklich etwas dran.
Auf Einladung meiner Eltern machte sich gestern Morgen ein voll besetzter Koblenzer Minibus auf den Weg in meine alte Heimat, in die bedeutende Metropole Wadgassen. Während sich beispielsweise Sr. M. Beatrix im Saarland schon vorher bestens auskannte, war es für Sr. M. Johanna tatsächlich das allererste Mal, dass sie die Grenze zum schönsten Bundesland der Welt passieren durfte. Nun ja, machen wir's kurz: es waren wunderschöne, sonnige, lustige, frohe Stunden, die wir mit meiner Familie verbringen durften. Also, ich gebe zu, der Patriotismus saarländischer "Ureinwohner" wie mir ist für Unbeteiligte manchmal etwas anstrengend und schwer nachzuvollziehen, aber ich glaube, gestern ist der Funke saarländischer Lebensfreude doch auf alle übergesprungen.
Bevor wir uns wieder auf den Weg nach Hause machten, besuchten wir die Abendmesse in der vollbesetzten Wadgasser Pfarrkirche, wo die Gruppe der Dominikanerinnen vom Arenberg freundlichst begrüßt und willkommen geheißen wurde.
Nach einer wunderschönen Fahrt, auf der wir zu allem Überfluss lange Zeit entlang eines Regenbogens fuhren, kamen wir um 21 Uhr wieder bestens gelaunt und fast gar nicht müde auf dem Arenberg an - ich glaube, uns allen wird dieser Tag noch lange in guter Erinnerung bleiben.
Sr. M. Ursula