Mittwoch, 28. Juli 2010

Familia Dominicana Teil 348

Ich glaube, ich habe schon mehrfach über die wunderbare Familie Dominicana berichtet, kann es aber einfach nicht lassen, weswegen hier wieder ein sehr schönes Ereignis stehen soll rund um unsere Mitbrüder und -schwestern:
Am Sonntag bekamen wir einen Kurzbesuch unseres Mitbruders fr. Marc, der aus Luxemburg stammt und zur Zeit Novize der Provinz Francia ist. Er absolvierte gerade sein Praktikum bei den Mitbrüdern in Düsseldorf und nutzte die räumliche Nähe, um auf der Rückfahrt nach Strassburg bei uns vorbei zu schauen. So geht das bei uns: Wir kennen uns nicht, haben uns nie gesehen, es gab nur mal einen Emailkontakt und schon ist man da und es waren wirklich nette zwei Stunden mit Gebet, Mittagessen und Plaudereien über die Noviziate hüben und drüben. Leider konnte fr. Marc nicht so lange bleiben, aber wir hoffen doch, dass es mal wieder zu einem Besuch kommt, denn auch wenn das Noviziat in Strassburg bald vorbei ist und es dann erstmal zum Studium nach Lille geht, so gibt es ja hoffentlich noch einmal die Gelegenheit, etwas mehr Zeit miteinander zu verbringen.
Da zeigt sich wieder die große Welt des Ordens: Es braucht keine langen Überlegungen, ob man da wohl mal hingehen könnte, ob man überhaupt willkommen ist oder wie man sich jetzt anmelden sollte. Nein, wo Dominkaner und Dominkanerinnen sind, da kann man ruhig vorbei schlendern und lernt lauter nette Leute kennen. So freuen wir uns schon auf die nächsten Besuche.
Sr. Kerstin-Marie

Samstag, 24. Juli 2010

Von Bolivien lernen

In diesem Jahr feiern das Bistum Trier und Bolivien 50 Jahre Partnerschaft und auch wir sind nun fast 50 Jahre mit Bolivien verbunden, seitdem unsere ersten Schwestern nach Bolivien gingen, um dort zu leben und zu helfen.
In unserem Gästehaus hier in Arenberg greifen wir das Thema Bolivien auf in einer Ausstellung eben zu diesem Land auf der anderen Seite der Erde. Sr. Christa, die über 20 Jahre in Bolivien war, ist deshalb ganz aktiv, sucht Texte und Bilder, die ab September einen Einblick geben wollen und einen Eindruck verschaffen wollen von Land und Leuten. Ich darf ihr im Moment bei den Vorbereitungen helfen und finde es sehr interessant, was Sr. Christa zu berichten hat aus Bolivien: Sie hat viel in sogenannten Barrios, Armenvierteln, gearbeitet und hat dort pastoral gewirkt. In Gegenden, in denen die Pfarreien riesig sind und es gar nicht so viele Priester gibt, ist es eine der wichtigsten Aufgaben, die Menschen erleben zu lassen, dass sie selber die Kirche sind und dass sie selber an der Kirche bauen. So kann die Kirche bei vielen alltäglichen Problemen helfen, die oftmals nicht zu unterschätzen sind, wenn es z.B. darum geht, die Apathie zu überwinden, Hoffnung zu bringen usw.
Nun gibt es in Deutschland sicher auch eine Armut, die aber anders ist als in Bolivien und vielleicht kann man in den Gemeinden nicht unbedingt von Apathie sprechen. Wichtig erscheint mir aber, vor allem in Zeiten der größer werdenden Pfarreien, zu erleben, dass jeder, der da ist und mittut, Kirche ist und Einfluss nehmen kann, wenn es auch kein besonders großer Einfluss zu sein scheint. Wichtig scheint mir auch zu sein, dass jeder entdeckt, dass er gefragt ist, dass er spirituelle Kompetenzen hat und dass er etwas beitragen kann zum Leben der Gemeinde. Sicher nicht einfach, wenn Strukturen sich verändern, Personal wegbricht und neue Wege gefunden werden müssen. Aber, wenn man auf die Apostel schaut, waren eigentlich in der Kirche niemals die großen Kenner am Werk, sondern die, die sich von Jesus rufen ließen, ihm vertrauten und mit dem Heiligen Geist unterwegs waren. Und solche können wir ja auch sein.
In diesem Sinne: Vamos!
Sr. Kerstin-Marie

Donnerstag, 22. Juli 2010

Liebe über den Tod hinaus

In der Kirche und besonders im Dominikanerorden feiern wir heute den Gedenktag der Hl. Maria Magdalena. Als ich heute Morgen in der Meditation das Tagesevangelium betrachtete, hat mich ein Aspekt ganz besonders berührt: Maria Magdalena, sie war eine wahrhaft absichtslos liebende Frau. Sie, die berührt von Jesu Liebe von ihrem abgrundtiefen seelischen Leid geheilt worden war, war ihm treu - nicht nur bis ans Kreuz, sondern bis in den Tod.
Im Johannesevangelium wird uns berichtet, wie sie am frühen Morgen, als es noch dunkel war, zum Grab eilt. Das Grab - Endstation ihrer Hoffnung, Ort des Schreckens, Bild des vollkommenen Scheiterns - hatte sie doch auf das falsche Pferd gesetzt, als sie sich diesem Jesus mit Leib und Seele anvertraute? Er, der sie einst mit göttlicher Vollmacht von sieben Dämonen befreit hatte, Er, der ihr selbst das Leben neu geschenkt hatte, war nun tot.
"Manche Leute wollen Gott mit den Augen ansehen, mit denen sie eine Kuh ansehen, und wollen Gott lieben, wie sie eine Kuh lieben. Die liebst du wegen der Milch und des Käses und deines eigenen Nutzens. So halten’s alle jene Leute, die Gott um äußeren Reichtums oder inneren Trostes willen lieben; die aber lieben Gott nicht recht, sondern lieben ihren Eigennutz." - so sagte einmal Meister Eckhart. Maria Magdalena, sie liebte ihren Herrn und Meister so sehr, dass ihre Liebe sogar dann nichts von ihrer leidenschaftlichen Glut verlor, als sie nichts, aber auch wirklich gar nichts mehr von Ihm erwarten konnte, auf den sie einst all ihre Hoffnung gesetzt hatte. Und diese so leidenschaftlich liebende Frau wird mitten in ihrer Verzweiflung darüber, Ihn verloren zu haben, zur Ersten, der sich der auferstandene Herr offenbart, sie wird zur Apostolin der Apostel.
Ich gestehe, es erfüllt mich mit unbändiger Freude, dass ausgerechnet sie zur Schutzpatronin unseres Ordens bestimmt wurde. Sie lässt uns das Große erahnen, das Gott denen bereitet, die ihn lieben - nicht um der Milch und des Käses, sondern um Seiner selbst willen. Möge ihr Beispiel uns helfen, Ihm treu zu bleiben, auch wenn uns im Leben manchmal der Gang zum Grab zugemutet wird und alles um uns herum finster scheint. Und möge diese Liebe in uns jenes Feuer entzünden, das uns zu glaubwürdigen Zeuginnen und Zeugen seines Evangeliums macht.
Sr. M. Ursula

Sonntag, 18. Juli 2010

der gute Teil

Evangelium vom 16. Sonntag im Jahreskreis
Als sie weiter wanderten, kam er in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn in ihrem Haus auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria gerufen wurde. Die hatte sich dem Herrn zu Füßen gesetzt und hörte sein Wort. Marta aber musste sich schinden mit vielen Diensten. Und sie trat auf und sprach: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester mich allein dienen lässt? Sag ihr doch, dass sie mit mir zufasst. Der Herr aber hob an und sprach zu ihr: Marta, Marta! Du sorgst dich und regst dich über vieles auf; aber man braucht nur eins. Maria also hat sich den guten Teil gewählt, der ihr nicht genommen werden soll.
(Lk 10, 38-42, übersetzt von Fridolin Stier)
Ich glaube, ich war gerade mal drei Monate im Noviziat, da überfiel mich die erste existentielle Krise. Allerdings nicht, weil es mir an irgendetwas gefehlt hätte, oder mir die Decke auf den Kopf gefallen wäre, nein, sondern verrückterweise weil es mir einfach "zu gut" ging. Auf einmal nämlich bekam ich ein unglaublich schlechtes Gewissen, mich - wie es mir vorkam - in der Blüte meiner Schaffenskraft mal einfach so drei Jahre mehr oder weniger aus der (Arbeits-)Welt auszuklinken. Ich hatte auf plötzlich unendlich viel Zeit, tiefer zu mir selbst und zu Gott zu finden und durfte im Studium ganz nebenbei auch noch geistliche Nahrung vom Feinsten zu mir nehmen. Diese Brachzeit empfand ich als den puren Luxus - vor allem, wenn ich daran dachte, welches Arbeitspensum meine beiden leiblichen Schwestern zur gleichen Zeit mit Beruf und Familie Tag für Tag zu bewältigen hatten. Dieses schlechte Gewissen wurde so stark, dass ich mir schließlich vorkam, als sei ich der letzte Egoist. Doch irgendwann erkannte ich - Gott sei Dank!: Diese Zeit wird dir in deinem Leben nie wieder geschenkt, und du darfst zugreifen - JETZT ist der rechte Augenblick, um den Boden zu bereiten, auf dem du später dein ganzes Ordensleben lang unterwegs sein wird. Mir wurde bewusst, dass ich diese Zeit dringend nötig hatte, um Seinem Ruf auch wirklich mit Leib und Seele folgen zu können.
Um nun aber wieder auf das heutige Sonntagsevangelium zurückzukommen: Eigentlich war es ja zur damaligen Zeit ein Ungeheuerlichkeit, dass sich eine Frau wie Maria einfach so zu den Füßen Jesu setzt und ihm zuhört, statt - wie es ihr gebührt - für ihn zu sorgen und ihn zu bewirten. Das ist etwas, was vorher ganz und gar undenkbar war, eine völlig neue Rolle der Frau, die Jesus da begründet. Und man stelle sich einmal vor, wie schade es gewesen wäre, wenn Maria aus lauter Bescheidenheit und falscher Rücksichtnahme darauf verzichtet und diesen für sie bereiteten Platz gar nicht eingenommen hätte…
"Wir Christen haben kein Recht auf Bescheidenheit", hat uns einmal ganz krass ein Theologe gesagt. Und da ist wirklich etwas dran. Bescheidenheit an sich ist ohne Zweifel eine ganz kostbare Tugend, das möchte ich gar nicht in Frage stellen. Und doch verträgt sich falsch verstandene Bescheidenheit ganz und gar nicht mit dem Plan Gottes, der jede und jeden von uns immer wieder hinausrufen will ins je Größere. Und wenn ich spüre, dass es mir auf meinem Weg in Seiner Nachfolge hilft, mich ab und zu wie Maria Ihm zu Füßen zu setzen, einfach nur auf Sein Wort zu hören und Seine Nähe zu suchen, dann gilt es auch, mich mit allen Kräften dafür einzusetzen, mir im Alltag solche "heiligen" Zeiten freizuhalten - auch wenn mich der ein oder andere möglicherweise als Faulpelz bezeichnen wird. Sich so auch immer wieder von Seinem Wort herausrufen zu lassen aus dem Alltäglichen bewahrt uns sowohl vor Trägheit als auch vor einem falschen Aktionismus, davon bin ich fest überzeugt. Es hilft uns, uns der Größe unserer Berufung bewusst zu werden, die Herausforderungen des Lebens anzunehmen und so auch wirklich fruchtbar zu werden in der Welt, ohne uns dabei im Vordergründigen zu verstricken.
Sr. M. Ursula

Echt kein Luxus

Dieses Wort vom Luxus benutzt Sr. M. Ursula immer wieder gerne, wenn es um irgendwelche Anschaffungen oder Dinge geht, die wir so haben und benutzen. Inwiefern solche Güter Luxus sind, liegt natürlich meistens im Auge des Betrachters, aber es gibt eine Sache, die bestimmt KEIN Luxus ist:
Das Schwimmbad in unserem Gästehaus, das auch wir Schwestern benutzen können. In den heißen Tagen der vergangenen Wochen ist das der einzige Ort, an dem man auch mal eine Chance hat zu frieren, wenn man nur lange genug still im bzw. auf dem Wasser liegt. Und nach dazu hat es für mich einen unschätzbaren Wert, wenn ich dort am Abend auf und ab schwimme: Ich muss mir keine Gedanken darüber machen, wohin ich gehen will, es gibt nicht so wahnsinnig viel zu sehen und so kommen meine Gedanken in Schwung, ich denke über den Tag nach, über das, was gerade los ist, Inhalte aus dem Unterricht drängen nochmal ans Tageslicht oder Ideen, die ich mit mir herum trage, können von allen Seiten angeschaut werden. Wenn ich dann also meine Bahnen gezogen habe, steige ich erfrischt aus dem Wasser und habe gleichzeitig in mir aufgeräumt. Dazu soll Schwimmen ja wahnsinnig gesund sein, so dass wirklich keiner sagen kann, dass ein Schwimmbad Luxus ist.
Sr. Kerstin-Marie

Samstag, 17. Juli 2010

Neustart

Im vergange-nen Jahr bekam Schw. Kerstin-Marie regelmäßig Besuch von einem SWR-Team, das eine Kurz-Reportage über ihr erstes Jahr im Kloster drehte. Die dreiteilige Dokumentation gibt's nun auch im Internet zu sehen, dazu einfach auf die Links klicken:
Teil 1: Abschied von zuhause

Freitag, 16. Juli 2010

Vielfalt in Kloster Arenberg

Zur Zeit ist meine "Chefin" in der Sakristei, Sr. Wernfried, im Urlaub, weswegen ich nur noch eine Teilzeitbeschäftigung in der Sakristei habe. Wenn ich dort morgens den Garten ordentlich gegossen habe - ich brauche dazu nur den Wasserschlauch anschließen und mich auf die Bank zu setzen -, dann ziehe ich weiter: Am Dienstag war ich z.B. in der Wäscherei, wo ich zusammen mit Sr. Irmingard ca. 1000 Handtücher in verschiedensten Größen und Formen gefaltet habe. Das war auch eine schöne Stelle, dort gabs um 10 Uhr eine Frühstückspause inklusive Bonbon und um 10.50 Uhr wurden wir von der Chefin der Waschküche entlassen. Die anderen Tage gehe ich in die Kräuterei, wo gerade einiges zu tun ist, da jeden Tag unendlich viele Königskerzen und Malven geerntet werden wollen. So bin ich also dort viel an der frischen Luft und es gibt immer wieder nette Gespräch mit denen, die auch ernten.
Da es gestern Vormittag aber noch ein bisschen zu feucht war zum Ernten, war ich bei Sr. Lidwina, die zusammen mit Sr. Annette die getrockneten Kräuter ausliest, damit keine Stängel usw. drin bleiben. Das war auch sehr interessant, weil Sr. Lidwina ewig lang in Bolivien war und von dort her jede Menge zu erzählen hat.
Wenn ich also auch gerne in die Sakristei gehe, genieße ich es doch gerade, ein bisschen durch die Betriebe zu tingeln und mal alles so kennen zu lernen. Das, so finde ich, passt richtig gut zum Sommer und ist fast vergleichbar mit einem Sommerjob.
Sr. Kerstin-Marie

Mittwoch, 14. Juli 2010

beflügelnd

Ich liebe sie - diese Begegnungen, die einen innerhalb kürzester Zeit völlig aus dem Alltag heraus reißen. So erging es mir gestern Abend - nach der Anbetung ging ich noch kurz nach draußen, um ein bißchen kühle Abendluft zu schnuppern, als mich eine Frau ansprach, die gerade in unserem Haus zu Gast ist. In der Mittagshore, als so viele Gäste zum Gebet gekommen waren, dass wir ziemlich zusammen-gequetscht nebeneinander saßen, war ihr meine Medaille am Rosenkranz aufgefallen, und sie fragte mich, ob ich da das Meditationsbild von Bruder Klaus tragen würde. Ich war ganz überrascht, dass sie es erkannt hatte. Mit dem Schweizer Nationalheiligen Bruder Klaus verbindet mich seit meiner Noviziatszeit eine ziemlich ergreifende Geschichte, und diese Medaille ist für mich eine schöne Erinnerung daran (zumal ich ja auch mehr als die Hälfte meines Noviziates in der Schweiz verbracht habe). Ich war in dieser Zeit viermal in seiner noch heute erhaltenen Einsiedelei im Flüeli - für mich einfach ein ganz besonderer, heiliger Ort. Nun ja, auf jeden Fall begann diese nette Dame, mir von der neu gebauten, von Peter Zumthor entworfenen Bruder Klaus-Kapelle in der Eifel zu erzählen, deren Bau ich selbst witzigerweise vor wenigen Jahren mit ganz großem Interesse verfolgt habe. Immer und immer wieder ging mir damals durch den Kopf "Was sind das wohl für wunderbare Menschen, die heute noch mit so viel Idealismus, Liebe und Begeisterung eine Kapelle bauen, wo doch sonst jeder nur ans Sparen denkt? Die würde ich ja gerne mal kennenlernen…" Und dass diese neue Feld-Kapelle, ein architektonisches Meisterstück, auch noch ausgerechnet dem Hl. Bruder Klaus geweiht werden sollte, ließ in mir den Wunsch wachsen, irgendwann einmal dorthin zu pilgern.
Tja, was sind das für Menschen… im Laufe unseres Gespräches stellte sich bald heraus, dass es ausgerechnet die Ehefrau des Bauherren war, die mich angesprochen hatte. Sie freute sich riesig, dass ich so großes Interesse an der Kapelle hatte, und ich bin - wie man im Saarland so schön sagt: fast "aus der Bux gesprungen" vor Freude, dass ich ihr begegnet bin. Irgendwie kam uns beiden diese Begegnung vor wie eine einzige große Fügung von oben und innerhalb weniger Minuten war eine innere Verbindung hergestellt, die uns beflügelte und unsere Herzen weit machte. Vergessen war die Müdigkeit, die Hitze des Tages… Ehrlich, so oder so ähnlich stelle ich mir die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth vor, wie sie uns im Lukasevangelium (Lk 1, 39-56) geschildert wird - bahnbrechende, pure Lebensfreude, die etwas von dem aufscheinen lässt, wozu wir Menschen eigentlich berufen sind.
Mein Wunsch, diese Kapelle einmal aufzusuchen, ist nun natürlich noch größer geworden, und wer weiß, vielleicht geht er ja einmal in Erfüllung.
Sr. M. Ursula

Montag, 12. Juli 2010

Exerzitium

Übung
nähert dich
dem Meister

begib dich
auf die große Reise
hin zu Ihm


wandere mit Ihm
durch deine
inneren Welten

umarme Ihn
mit allen
deinen Sinnen

und du wirst Ihn
im Alltag
selig wiedererkennen

dein Leben
in Seines verwoben
Er genügt


Exerzitium - Übung hat Andreas Knapp dieses wunderbare Gedicht überschrieben. Nachdem wir nun in Rickenbach zehn Tage Zeit hatten, uns in den Exerzitien auf diese große Reise zu Ihm zu machen, sind wir gestern Abend wieder nach Hause gekommen - totmüde, aber mindestens genauso froh und dankbar für die Erfahrungen, die wir in diesen für uns so wertvollen Tagen sammeln durften.
Für manche mag es sich vielleicht seltsam anhören, dass wir Jahr für Jahr eine so lange Zeit in die Stille gehen, stundenlang manchmal sogar mitten in der Nacht meditieren und uns auf diese Weise ins Wort Gottes vertiefen. Aber ich selbst bin jedes Mal erstaunt, wieviel Heilsames mit mir und in mir in diesem tiefen Schweigen passiert. Zunächst einmal werde ich ganz sensibel für das, was in meinem Innern lebendig ist - meine Sehnsüchte, meine Hoffnungen und Ängste, manchmal auch Ärger oder versteckter Zorn… Irgendwann kommt man dann in den Exerzitien - vorausgesetzt, man läuft nicht davon - an einen Punkt, an dem man sich einfach nichts mehr vormachen kann, an dem man sich selbst und vor allem GOTT endlich "ungeschützt" ausgesetzt ist - und dann vor dem Geheimnis einer Liebe steht, die in ihrer Klarheit und Kraft schlichtweg überwältigend ist. Diese Momente des puren Gegenwärtig-Sein im großen DU Gottes, das sind Augenblicke, die mir einfach unendlich kostbar sind und mich im Tiefsten glücklich machen. Und ich hoffe und wünsche mir, dass mein Leben, auch wenn ich Ihn im Gewühl des Alltags manchmal nicht "selig wiedererkenne", immer mehr in Seines verwoben wird. Er genügt!
Sr. M. Ursula

Donnerstag, 8. Juli 2010

Der Morgen rötet sich und glüht

Nun bin ich ja wahrhaftig kein Frühaufsteher und heute morgen dachte ich, dass das doch jetzt echt ein Scherz sein muss, als mein Wecker schellte. Was mir aber jeden Morgen sehr attraktiv werden läßt ist der Ablauf, den wir hier in Arenberg pflegen: Zuerst eine halbe Stunde Meditation bei uns im Schutzengelhaus und dann gehe ich außen rum ins Mutterhaus. Dieser kurze Weg durch den jungen Morgen gefällt mir so sehr, dass ich ihn immer genieße. Besonders in diesen heißen Tagen ist da die Luft noch so angenehm frisch und kühl, die Sonne ist noch nicht richtig aufgegangen und der neue Tag birgt noch alle Möglichkeiten.
Und dann gibt es im Refektorium schon den ersten Milchkaffee des Tages, den ich dann am liebsten am offenen Fenster genieße, durch das ein leichtes Lüftchen weht. Spätestens jetzt werden die Lebensgeister geweckt und ich freue mich, die ein oder andere Schwester zu sehen, die auch hier einen Kaffee trinkt, ohne dass wir dabei schon reden.
Anschließend freue ich mich dann darauf, gemeinsam mit meinen Mitschwestern den Tag in der Kapelle zu beginnen und zu singen:
Der Morgen rötet sich und glüht, der ganze Himmel tönt von Lob, in Jubel jauchzt die Erde auf, und klagend stöhnt die Unterwelt.
Der starke, königliche Held zerbrach des Todes schweren Bann. Sein Fuß zertrat der Hölle Macht: Aus harter Fron sind wir befreit.
Er, den der Stein verschlossen hielt, und den man noch im Grab bewacht, er steigt als Sieger aus dem Grab, fährt auf in strahlendem Triumph.
Schon werden alle Klagen stumm, in Freude wandelt sich der Schmerz, denn auferstanden ist der Herr; ein lichter Engel tut es kund.
Dem Herrn sei Preis und Herrlichkeit, der aus dem Grabe auferstand, dem Vater und dem Geist zugleich, durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.
Dafür stehe ich dann doch auch gerne früh auf und möchte nur ungern auf diesen Ablauf verzichten.
Sr. Kerstin-Marie

Sonntag, 4. Juli 2010

Eine Fahrt ins Grüne

Für heute mittag hatte ich einen Fahrauftrag bekommen, da wir zwar einige Autos, aber nicht so viele fahrtüchtige Schwestern haben. Ich sollte mit Sr. Christa und Frau Lackmann, unserer Mitarbeiterin aus der Seelsorge, in die Nähe von Manderscheid in der Eifel fahren, wo eine Ausstellung zu sehen ist, die im September auch zu uns kommen wird.
Gesagt, getan, nach dem Mittagessen noch schnell den Schleier gerichtet und dann ab ins Auto, erst Sr. Christa eingesammelt und dann Frau Lackmann, die noch eine weitere Passagierin mitbrachte. Und so ging es über die Autobahn in Richtung Eifel, eine Gegend, die mir als Wohnort nicht soo attraktiv zu sein erscheint, aber heute war es doch recht schön. Besonders schön fand ich den alten Klosterhof in Buchholz, wo das Fest war, in dessen Rahmen die Ausstellung gezeigt wurde: Ein Klösterchen aus dem 19. Jahrhundert, das von den Hausener Franziskanern gegründet und bewohnt wurde, auf einer sehr schönen Anhöhe gelegen, von der aus man über die ganze Gegend schauen kann. Dazu noch eine wirklich hübsche Kirche, schön ausgemalt, aber nicht zu aufdringlich. Seit über 60 Jahren sind die Franziskaner nicht mehr dort und inzwischen kann man das alte Kloster als Tagungs- und Ferienhaus mieten. Ein echt sehr schöner Platz, an dem man bestimmt tolle Tage verbringen kann.
Weil die Ausstellung nicht so viel Zeit in Anspruch nahm und Maria Martental gleich um die Ecke liegt, sind wir auf dem Rückweg dort auch noch vorbei gefahren und haben, wie Sr. Christa beim Abendessen so schön sagte, für die ganze Gemeinschaft vor der Mutter Gottes gebetet. Auch das ein sehr schönes Örtchen, das herrliche Wege rundherum hat, so dass man dort auch schöne Tage verleben kann.
Pünktlich zur Vesper waren wir dann wieder zurück und haben so einen wunderschönen Tag verlebt.
Sr. Kerstin-Marie

Donnerstag, 1. Juli 2010

Haste mal ne Mark?

Solche oder ähnliche Fragen werden uns, wie wahrscheinlich jedem, der das hier liest, schonmal gestellt, wenn wir irgendwo unterwegs sind. Ganz anders lief es aber in den Ferien in Oberhausen: Wir waren zu viert unterwegs zum Pfarrfest von Herz Jesu, als eine Frau uns ansprach mit der Frage, ob wir aus dem Vincenzhaus seien. Sr. Stephana bejahte und die Frau fragte, ob wir dort immer kochen würden. Sr. Stephana bejahte auch das, denn bislang gab es im Vincenzhaus eine "Armenküche". Daraufhin wollte die Dame uns etwas Geld geben, worauf Sr. Stephana fragte: "Kommen Sie auch manchmal zu uns zum Essen?" "Ja." "Dann behalten Sie Ihr Geld lieber."
Die Frau steckte das Geld ein und meinte, sie würde demnächst mal wieder kommen.
Für mich war das so ein Beispiel dafür, dass eben nicht alle Arbeitslosen, Hartz-IV-Empfänger,... einfach nur nicht arbeiten wollen und sich in der Hängematte des Sozialstaates ausruhen. Sicher mag es die auch geben, aber der große Teil derer, die von Hartz IV leben müssen, finden das nicht so wunderbar, schämen sich dafür und würden lieber heute als morgen wieder ihr Essen selber bezahlen. So wohl auch diese Frau, die wir in Oberhausen trafen. Da bleibt nur zu wünschen, dass sie eines Tages wieder einen Job findet, von dem sie auch leben kann.
Sr. Kerstin-Marie