Montag, 31. Mai 2010

Schock am Abend

So kann es gehen: da flitzt man einen ganzen Tag lang von einem Termin zum nächsten, geht dann nach getaner Arbeit nochmal kurz ins Internet, um schnell die Nachrichten zu schauen - und muss dann leider lesen, dass heute die Welt untergangen ist. Vielleicht ein kleines bißchen übertrieben, aber ganz genau so habe ich mich eben gefühlt, als ich ungläubig die Nachricht vom Rücktritt unseres Bundespräsidenten las.
Ich glaube, sowas gibt’s wirklich nur im Kloster: Nach einer wunderschönen Woche Heimaturlaub hatte ich heute einen ziemlich vollen ersten Arbeitstag und kam gar nicht dazu, wie sonst mal kurz zwischendurch die Schlagzeilen zu überfliegen. Und da wir heute Abend wie jeden Montagabend im Schweigen gegessen haben, konnten mich auch meine Mitschwestern nicht informieren. Tja, und direkt nach der Komplet hatte ich dann auch noch einen Abendtermin im Gästehaus, so dass ich tatsächlich erst jetzt mitbekommen habe, was heute in Deutschland los war.
Es ist verrückt, in unseren politischen Ansichten haben Sr. Kerstin-Marie, Sr. M. Johanna und ich ja nicht wirklich viel gemeinsam - aber in einem sind wir uns so einig wie selten: dass wir hier in Deutschland mit Horst Köhler (von uns auch gerne mal liebevoll "der Hotte" genannt) den besten Bundespräsidenten hatten, den man sich vorstellen kann. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals so interessiert und begeistert den Ansprachen eines Bundespräsidenten gelauscht zu haben. Er hatte uns tatsächlich etwas zu sagen, und immer wieder faszinierte mich sein starkes Rückgrat, seine Ehrlichkeit und Lauterkeit. Als Sr. Katharina uns neulich in Wien gestand, dass sie richtig neidisch auf unseren Präsidenten sei und ihn am liebsten für Österreich "abwerben" würde, da konterten wir alle drei sofort lautstark: "Keine Chance, der bleibt bei uns!"
Nein, dass ausgerechnet er heute seinen Hut genommen hat, macht mich und uns schlichtweg fassungslos und traurig. Auch wenn ich seine Entscheidung nicht verstehen kann, so flößt mir seine innere Freiheit, die er sich ganz offensichtlich bewahrt hat, doch Hochachtung ein.
So, nachdem auch ich nun (besser spät als nie) in Sachen Weltgeschehen auf dem neuesten Stand bin, werde ich jetzt noch etwas den Draht nach oben pflegen, in die Stille gehen und beten - heute natürlich ganz besonders für Horst Köhler und unser Land, das derzeit klare Köpfe wie ihn so dringend nötig hat...
Sr. M. Ursula

Mittwoch, 26. Mai 2010

grün

Jetzt hat es uns wieder, das "grüne" Kirchenjahr. Seit gestern sind alle Stundenbücher wieder umgesteckt, im Antiphonale muss nicht mehr so viel geblättert werden und liturgisch zieht nun im Grunde wieder der Alltag ein. Eigentlich schade, singe ich doch so gerne das dreifache Halleluja als Antiphon der Sext oder freue ich mich an den schönen Responsorien der Osterzeit. Aber die ruhen jetzt wieder bis zum nächsten Jahr. Deswegen habe ich am Montag auch feierlich Abschied von ihnen genommen...
Als ich gestern Morgen dann aber die Laudes in meiner Zelle am offenen Fenster betete, weil ja dienstags Ausschlaftag ist und wir die Laudes da still beten, da kam mir in den Sinn, dass die "normale" Zeit aber nach der Osterzeit auch ein Vorbote des Sommers ist. Eben so wie gestern Morgen, als es 22,5 Grad in meiner Zelle waren und ich mich beim Beten von einem kühlen Lüftchen erfrischen ließ. Das geht Ostern natürlich nicht, da wäre ich wahrscheinlich erfroren. Also freue ich mich jetzt auf laue Sommerabende, die dazu einladen, draußen zu sitzen, luftige Mittage, an denen man unter dem Kirschbaum das Mittagsschläfchen halten kann, Sonnenschein am frühen Morgen, so dass beim Aufstehen kein Licht nötig ist und heiße Tage, an denen das Schwimmbad der einzig sinnvolle Aufenthaltsort zu sein scheint. Das sind doch wirklich verlockende Aussichten, da warte ich dann auch gerne auf nächstes Jahr, bis wir wieder das dreifache Halleluja singen und freue mich an und auf den Sommer.
Sr. Kerstin-Marie

Sonntag, 23. Mai 2010

Pfingsten

Komm, Heiliger Geist,
der du dich zu meinem Verlangen gemacht hast,
und der du gemacht hast, dass ich nach dir verlange.

Symeon der neue Theologe
Kirchenväter erkannten in diesem "Komm" den spontanen Ruf der Seele, die im Tiefsten um ihre letzte Einsamkeit und Leere weiß, die doch durch nichts Bleibendes gesättigt werden kann als durch GOTT allein.
Der Heilige Geist
"füllt und übergießt alle Grunde und alle Herzen und Seelen, wo immer er Raum findet; die füllt er mit all dem Reichtum, den Gnaden, der Liebe und unbeschreiblichen Gaben. Und er füllt Täler und Tiefen, die ihm geöffnet sind".
So hat es Johannes Tauler meditiert und erkannt. Und mit seinen Worten empfiehlt er uns ein Lebensprogramm: Dem Heiligen Geist Täler und Kanäle unseres Herzens offen zu halten, bereit zu sein für diese Nähe, die uns erschüttern kann:
"Du - näher als ich mir selbst und innerlicher als mein Innerstes - und doch ungreifbar und unfassbar und jeden Namen sprengend."
(Edith Stein)
Welche Würde und damit auch welche Verantwortung Gott uns schenkt: Sein ganze Liebe ist im Heiligen Geist ausgegossen in unsere Herzen. Und es bleibt unsere Entscheidung, unsere Freiheit, ob wir ihn in unserem Leben annehmen und Ihm Raum geben - in der Stille, im Miteinander, in all unserem Tun und Denken.
Ich wünsche uns, dass jede und jeder Einzelne von uns und wir als Gemeinschaft pfingstlicher Raum werden für unsere Welt.
Sr. M. Scholastika

Freitag, 21. Mai 2010

Veni Sancte Spiritus II

Jetzt muss doch noch ein Nachtrag zu Pfingsten sein: Während wir also praktisch darauf warten, dass der Heilige Geist kommt, packt mich gerade so ein Kribbeln. Nachdem es ja fast den ganzen Mai nur geregnet hat, ist es heute und endlich wunderbar draußen, schön warm, Sonnenschein und blauer Himmel. Und da starten doch heute ungezählte Pfadfinder ins Pfingstlager auf, was ich früher auch eigentlich jedes Jahr gemacht habe. Zelte aufbauen, Feuer anzünden, draußen sein, die Gemeinschaft erleben und in langen Nächten auch Gott näher kommen.
Dieses Jahr wird mein Heimatstamm 35 Jahre und da gibt es ein großes Jubiläumslager "Back to the roots" bei Bauer Hassel, in dessen Wald man wirklich wunderbar lagern kann. Da werde ich wirklich ein bisschen wehmütig, sind doch am Sonntag auch alle Ehemaligen zu einem Tag im Lager eingeladen.
Aber, wie heißt es: Man kann schließlich nicht alles haben. So hoffe ich, dass das Wetter hält, was es heute verspricht und dass alle, die in der Elfringhauser Schweiz, in Westernohe, Rhens oder der Brex sind, ganz wunderbare Pfingstläger haben.
Gut Pfad
Sr. Kerstin-Marie

Dienstag, 18. Mai 2010

Veni Sancte Spiritus

Vor großen Festen bereiten wir uns neun Tage lang auf dieses Fest vor, indem wir eine Novene beten. Jetzt steht Pfingsten vor der Tür und jeden Mittag beten wir nach der Sext um die Gaben des Heiligen Geistes: Weisheit, Verstand, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht.
Vielleicht nicht auf Anhieb ganz leicht zu durchschauen, so sind es doch höchst interessante Gaben, die eigentlich in allen Lebenslagen helfen.
Und nehme ich den Gedanken von Pfingsten ernst, dann kann ich diese Gaben ziemlich gut gebrauchen, denn wenn der Geist auf die Jünger herabkommt, die bis dahin eher zurückhaltend war in puncto Verkündigung, geht es dann los und die Frohe Botschaft ist nicht mehr aufzuhalten. Das gleich gilt ja heute auch für uns, dass wir uns nicht in unsere Kammern und Obergemächer in dieser schwierigen Zeit zurück ziehen, sondern dass wir verkünden, was wir glauben und (hoffentlich) leben.
Deswegen kann ich nur sagen: Komm, Heiliger Geist! und bin gespannt, was geht und passiert. In der Apostelgeschichte ist ja die Rede davon, dass eine Menge passiert, da braust ein Sturm durch den Raum und plötzlich haben die Jünger keine Angst mehr vor der Menge, sondern ziehen los. Und sie gehen nicht als völlige Deppen, die keine Chance haben, sondern sie werden von den Leuten verstanden. Sie sind also ausgestattet für ihre Aufgabe und sprechen die Sprache der Leute, zu denen sie gehen sollen.
Mal sehen, wofür genau ich ausgestattet werde und welche Sprache ich dann sprechen werde.
Sr. Kerstin-Marie

Sonntag, 16. Mai 2010

zum Fressen

UPS! Ich gebe zu, für diejenigen, die bereits den vorangegangenen Post gelesen haben, muss dieser Titel wohl etwas irritierend klingen, aber mir fällt gerade einfach nichts Treffenderes ein, um den "Goldigkeitsgrad" unserer heute eingezogenen Kaninchen Bernhard, Max, Louise und Trudi zu beschreiben. Die vier, die uns von einer ganz lieben Familie einfach so geschenkt wurden, sind Geschwister, 8 Monate alt, quietschfidel und dazu noch äußerst zutraulich. Wir alle haben sie spontan ins Herz geschlossen, sie haben sich in ihrem neuen Heim sofort wohl gefühlt, und auch den großen Bahnhof gut überstanden, den ihr Einzug zur Folge hatte.
Natürlich mussten wir heute Abend noch mit den Schwestern, einigen Mitarbeitern und Gästen etwas "Einstand" feiern - ein paar aussagekräftige Fotos gibt es hier zu sehen :-)
Sr. M. Ursula

Samstag, 15. Mai 2010

Schaffe dir Kaninchen an...

...und du lernst deine Mitschwestern kennen!
Im Januar fuhren wir ja mit unseren Teams aus Kloster Arenberg und Rickenbach zu einer Klausurtagung nach Lauda-Messelhausen, um uns dort etwas Zeit für wesentliche Fragen der Konzeptionierung unserer Häuser zu nehmen. Als wir abends gemütlich bei einem Glas Wein zusammensaßen und dabei auf die große Arten-Vielfalt des Arenberger Klostergartens zu sprechen kamen (Streuobstwiesen, Kräuterfeld, eine Wiese mit alten Kastanien, Insektenhotel, Bienenstöcke, Schafe auf der Weide, mäusejagende Katzen, zig Vogelarten, verpachtete Kuhweiden in der Nachbarschaft, natürlich Maulwürfe ohne Ende, unzählige Eichhörnchen, regelmäßigen Fuchsbesuch (der sich zukünftig noch häufen könnte ;-)), Biotop mit Goldfischen und Enten….) meinte Sr. M. Scholastika spontan: "Was uns noch fehlt, sind ein paar Häschen" - und sie sprach mir damit aus der Seele. Und auch unser Geschäftsführer Herr Grunau war direkt ganz angetan von der Idee und meinte, wir sollten uns doch mal Gedanken zur Realisierung eines "Kaninchenprojektes" machen. Tja, eigentlich war es anfangs eher ein Witz, aber wer uns kennt, der weiß, dass wir für solch verrückte Aktionen ja immer gerne zu haben sind.

Um nun aber wieder zum Post-Titel zurückzukommen: Natürlich war die potentielle Kaninchen-Anschaffung in den letzten Wochen immer wieder mal Thema im Konvent, aber oh Schreck: Fast jede zweite Reaktion meiner lieben Schwestern beinhaltete aussagekräftige Stichworte wie "lecker Hasenbraten" bzw. "Schlachten". Und als ich entgegen setzte, man könne solche Tierchen doch nicht einfach töten und essen, erntete ich beispielsweise von einer bislang immer als lieb und harmlos eingeschätzten Schwester ein trockenes: "Doch, kann ich." Nein, welche Abgründe!
Nun ja, nachdem wir gestern fleißig den Stall aufgebaut haben, werden morgen vier Zwergkaninchen in unseren Klostergarten einziehen, und ich in meiner neuen Funktion als "Hasenhüterin" werde auf jeden Fall alles daran setzen, sie vor dem heimtückischen Zugriff meiner Mitschwestern zu bewahren, damit sie auch ihr volles Lebensalter erreichen ;-)
Und ich glaube, ein bißchen freuen sich fast alle auf unsere neuen Untermieter...

Einen schönen Sonntag wünscht
Sr. M. Ursula

Mittwoch, 12. Mai 2010

... bitte für uns.

Der Tradition entsprechend haben wir heute morgen unsere Bittprozession abgehalten. Seit ca. 1500 Jahren ziehen die Christen in den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt durch Felder und Äcker und bitten Gott um eine gute Ernte. In den letzten Jahren wurden die Anliegen ausgeweitet auf viele verschiedene menschliche Anliegen und so haben wir heute morgen die Allerheiligenlitanei gebetet. Dabei werden zuerst die Heiligen angerufen, für uns zu bitten. Weil es ja eine unglaublich große Zahl von Heiligen gibt, kann man gar nicht alle anrufen, aber bei uns waren heute morgen natürlich die Wichtigsten dabei, nämlich die, die im Gotteslob aufgeführt sind und natürlich noch Dominikus und Katharina.
Nach der Anrufung der Heiligen folgt die Bitte um Erlösung, die ganz unterschiedliche ausgestaltet sein kann, und anschließend folgen verschiedene Bitten und Anrufungen, ehe die Litanei abgeschlossen wird mit dem Agnus Dei.
Auch wenn wir vielleicht nicht mehr in der ursprünglichen Intention, nämlich der Bitte um gute Ernte, um unsere Felder ziehen, so ist es doch eine gute Erfahrung, in dieser Prozession um all das zu bitten, was wir so dringend nötig haben. Da wird mir doch schnell wieder sehr klar, dass wir eben nicht die ganz großen Helden sind, sondern total auf den liebenden Gott angewiesen sind. Wenn er uns aber schon eine so schöne Prozession schenkt, dann kann es nur eine wahre Wonne sein, auf ihn angewiesen zu sein.
Sr. Kerstin-Marie

Montag, 10. Mai 2010

außergewöhnlich

Ich stelle es immer wieder fest: es ist einfach wunderbar, Menschen zu begegnen, die sich mit Liebe in ihre alltägliche Arbeit hineingeben. So durften wir beispiels-weise am Samstag bei unserer schier unendlichen 1000 km langen ICE-Fahrt einen Bahn-Bediensteten kennenlernen, der so ca. stündlich mit einem Wägelchen durch den Zug tingelte um Snacks und Getränke zu verkaufen. Unter einem Traumjob stellen sich wahrscheinlich 99,99 % aller Menschen etwas vollkommen anderes vor, doch diesem jungen Mann merkte man auf den ersten Blick an, wie viel Freude ihm seine Arbeit machte. Er unterhielt sich mit den Leuten, machte hier und dort ein Witzchen, bedachte auch die mit einem Lächeln, die nichts bei ihm kauften… Kurz - er war voll und ganz in seinem Element, und das hatte zu Folge, dass sich jedes Mal, wenn er vorbeikam, die Stimmung im Großraumwagen innerhalb kürzester Zeit aufhellte - es wurde viel gelacht, und ganz nebenbei bekamen wir alle auf einmal ganz schrecklich Lust auf Kaffee ;-)))
Und heute - schon wieder so eine nette Erfahrung! Da unser Arenberger Klostergarten in den kommenden Tagen vier neue Mitbewohner bekommt (die Spannung steigt!!), sind Sr. M. Johanna und ich heute in den Tierfachhandel gefahren, um dort alles Notwendige zu besorgen. Während man in so großen Geschäften ja oft stundenlang ahnungslos herumirrt, bis man das Passende gefunden hat, wurden wir heute direkt von einem freundlichen Herrn angesprochen, der sich nicht nur richtig Zeit genommen und uns optimal beraten, sondern gleich auch höchstpersönlich die schweren Pakete in den Einkaufswagen gehievt hat. Auch das war eine Begegnung, die mich einfach im Herzen froh gemacht hat.
"Es geht nicht darum, irgendetwas Außergewöhnliches zu tun, sondern das Gewöhnliche mit außergewöhnlicher Liebe zu tun" - dieser Satz wurde uns bei unserem Ordenseintritt mitgegeben. Er ist mir ganz wichtig geworden, zumal ich immer wieder selbst erfahre, wie wohltuend es ist, Menschen zu begegnen, die eben nicht einfach nur ihren Job tun, sondern sich ihrer Arbeit - und sei sie in den Augen anderer noch so banal - mit Liebe und Hingabe widmen.
Da kann schon mal mitten im grauen Alltag ganz unvermutet die Sonne aufgehen…
Sr. M. Ursula

Sonntag, 9. Mai 2010

Studienwoche in Wien

Falls sich jemand darüber gewundert hat, dass es hier im Blog in der letzten Woche so auffällig ruhig zugegangen ist: die OP-Jugend war mal wieder unterwegs!
Wie ihr euch vielleicht erinnert, hatten wir im vergangenen Jahr bei uns auf dem Arenberg eine dominikanische Studienwoche mit Sr. Katharina Deifel OP aus Wien, die uns allen in lebendiger Erinnerung geblieben ist. Am Ende des Kurses hatte Sr. Katharina die wunderbare Idee, unsere ganze Truppe in ihren Heimat-Konvent in Wien einzuladen, um uns dort noch einmal zu einer Studienwoche zu treffen und ganz nebenbei die Stadt zu erkunden (Sr. Katharina ist Wienerin in der 8. Generation, und könnte dort ohne weiteres eine neue Karriere als Fremdenführerin starten). Was uns zuerst wie eine Träumerei erschien, wurde nun tatsächlich Wirklichkeit, und vergangenen Montag setzten wir uns frühmorgens in den Zug Richtung Österreich.
Eine ganze Woche lang hatten wir Zeit, um uns ausgiebig mit den wichtigsten Schriften des Hl. Augustinus zu beschäftigen, von dem Sr. Katharina selbst so angetan ist, dass sie ihm liebevoll den Spitznamen "Gusti" gegeben hat. Und die Begeisterung schwappte auch prompt auf uns über, nicht nur, weil es uns unter fachkundiger Anleitung gelang, die doch manchmal recht komplizierten Gedankengänge mühelos nachzuvollziehen, sondern auch, weil uns dabei noch einmal auffiel, wie sehr dieser große Heilige, dem wir ja unsere Ordensregel zu verdanken haben, seiner Zeit voraus war.
"Gott schreibt auch auf krummen Zeilen gerade" - dieses schon einigermaßen abgenutzte Sprichwort kam mir in der letzten Woche oft in den Sinn. Augustinus hat in seinem Leben - um es mal etwas salopp zu formulieren - ganz schön viel Mist gebaut, und seine jugendlichen Frauengeschichten und die Mitgliedschaft in der Sekte der Manichäer sind da wohl nur die Spitze des Eisbergs. Und doch sehe ich diesen auf den ersten Blick "wüsten Lebenswandel" auch als Ausdruck seiner leidenschaftlichen Suche nach der Wahrheit, seiner unstillbaren Sehnsucht nach dem Unendlichen, nach der wahren Liebe. Als er nach und nach über die Vernunft zur Erkenntnis Gottes gelangt, leidet er sehr darunter, wie schwer es für ihn ist, das einmal als richtig erkannte auch in die Tat umzusetzen und seinen Lebensstil grundlegend zu ändern. In seinen berühmten Bekenntnissen, den Confessiones, vergleicht er das dauernde Verschieben des Neubeginns ganz treffend mit einem, der am Morgen einfach nicht vom Schlaf aufstehen will - er weiß, dass es richtig wäre, aufzustehen, aber der innere Schweinehund ist einfach stärker. Doch schließlich wird ihm - als er das Vertrauen in sich selbst schon ganz und gar verloren hat - in einer ganz alltäglichen Situation ein Bekehrungserlebnis geschenkt, das sein Herz in Liebe entbrennen ließ. Was er selbst aus eigener Kraft nicht schaffte, das wirkte Gott an ihm, und von diesem Moment an wird er innerlich frei und sein Ringen und Suchen verliert jegliche Verkrampftheit.
Die vergangene Woche war für uns alle einfach ein Riesengeschenk. Nicht nur das "Gehirn-Jogging" beim Nachdenken über die wesentlichen Dinge unseres Mensch-Seins, die guten, anregenden Gespräche mit unseren jungen Mitschwestern aus der Schweiz und Österreich, sondern auch die Großzügigkeit und Gastfreundlichkeit der Wiener Dominikanerinnen und nicht zuletzt die spannenden Stadtführungen und kulinarischen Highlights werden wir sicherlich so schnell nicht vergessen. Ach ja, und für die Daheimgebliebenen gibt es natürlich auch noch ein paar "Naselangmachfotos" zu sehen :-)
Sr. M. Ursula

Samstag, 1. Mai 2010

wie in alten Zeiten...

Also wenn es eine Erfahrung gibt, die die Noviziate der Arenberger Dominikanerinnen aller Zeiten verbindet, dann sind das die Wanderungen zum so genannten "Felsenkapellchen", einer kleinen, sehr schön gelegenen Marienkapelle in unserer Nähe. Und da es ja guter alter Brauch ist, den Monat Mai mit etwas Bewegung zu beginnen, haben Schw. M. Scholastika, Schw. Kerstin-Marie, Schw. M. Johanna und ich uns heute bei optimalem Wanderwetter auf diesen traditionsreichen Weg gemacht. Unterwegs konnte ich mich einfach gar nicht sattsehen am jungen Grün, der ungeheuren Pflanzenvielfalt (ohne genauer hinzuschauen, habe ich am Wegrand im Vorbeigehen mehr als 40 verschiedene Kräuter entdeckt) und den überall umherfliegenden Schmetterlingen, und durch Vogelgezwitscher und den neben uns plätschernden Bach kamen auch noch die Ohren auf ihre Kosten. Nein, schöner geht es definitiv nicht mehr.
Am Ende unserer Tour wurde es dann sogar noch richtig abenteuerlich, denn unter der Führung unserer Generalpriorin gerieten wir tatsächlich auf Abwege (was will uns das wohl sagen?? ;-) Eigentlich wollten wir - schon müde von der langen Wanderung - eine kleine Abkürzung einlegen, doch die war leider völlig zugewachsen, so dass wir uns auf den letzten Metern noch eine Runde durchs Unterholz kämpfen mussten. Doch selbst das konnte uns tapfere Wanderer nicht weiter schocken, und schon wenige Minuten später hatten wir wieder sicheren Boden unter den Füßen.
Obwohl ich heute Abend in Erwartung eines fürchterlichen Muskelkaters bin und meine Füße so gar nicht mehr ihren Dienst leisten wollen, mir eben in der Vesper schon fast vor Müdigkeit die Augen zufielen (zugegebenermaßen alles Folgen meines "hervorragenden" Trainingszustandes), so bin ich doch einfach nur dankbar für diesen so eindrucksvollen, bewegten Tag.
Einen schönen, erholsamen Sonntag wünscht all unseren Lesern
Sr. M. Ursula