Donnerstag, 29. April 2010

Zum Fest der Hl. Katharina von Siena

Unsere Gründerin, Mutter M. Cherubine hat uns die Hl. Katharina ans Herz gelegt, und damit ihre tiefe, in Christus verwurzelte Liebe zu jedem Menschen, ihren Mut zur Wahrheit und ihre brennende Sehnsucht nach dem Heil der Welt. Wir spüren, das sind Wesenseigenschaften, die wir nicht „machen“, nicht herstellen können. Sie bleiben ein Geschenk, Gnade. Wir dürfen uns immer wieder neu dafür öffnen.

Wie Katharina erleben wir eine schmerzliche Krise in unserer Kirche. Wie sie erahnen wir, in welchen Umbrüchen wir stehen.
„Jesus stand am Ufer“, hören wir in den Ostererzählungen. An den Übergängen unseres Lebens steht Er, der Herr, wirklich Er.

Er lässt uns nicht allein, Er geht mit uns und führt uns gute, von Ihm gesegnete Wege. Katharina lebte ein unerschütterliches Vertrauen auf die Vorsehung GOTTES, das sie ermächtigte, das ihr Aufgetragene entschieden zu wagen. Aus dieser Kraft hat sie Licht ins Dunkel, Leben ins Kranke und GOTT selbst in diese Welt gebracht.

Beten wir füreinander, dass wir als Christen gemeinsam - wie die hl. Katharina zu ihrer Zeit - Quelle der Hoffnung für unsere Zeit sein und damit einen Vorgeschmack des Reiches GOTTES hier auf Erden“ geben dürfen.
Sr. M. Scholastika

La dolce Vita

So langsam will es Sommer werden hier in Arenberg, worauf wir uns natürlich sehr freuen. Am Wüstentag habe ich deshalb auch unsere Schwesternliegewiese in Beschlag genommen, die ein bisschen abseits vom Haus zu finden und von einer dichten Tannenhecke umgeben ist. Dazu gibt es noch eine "Laube" mit WC, Sitzbänken und Terrasse, die allerdings noch sommertauglich gemacht werden musste. Unter dem Motto "Pimp my monastery" haben wir das am Dienstag Abend in Angriff genommen und eifrig gefegt, geschrubbt - es lebe ATTA - und gewischt, so dass es jetzt zumindest draußen recht gut aussieht. Die richtige Musik hat uns dabei unterstützt, so dass Sr. Roswitha am Ende das Tanzbein schwang, nachdem sie mit dem Maulwurfshügel gerungen hatte. Jetzt fehlen nur noch ein paar sommerliche Lampions, kühle Getränke und vielleicht ein bisschen Deko auf dem Tisch sowie ein bisschen Putzarbeit in der Laube selber und dann können wir das Leben dort draußen so richtig genießen. So träumen wir schon vom sonntäglichen Kaffee unter dem Kirschbaum, Grillabenden in lauen Sommernächten, Festen mit allen Schwestern usw.
Da kann man nur sagen: Uns gehts so richtig gut hier und das gemeinsame Putzen am Abend hat viel Spaß gemacht. Gekrönt wurde dieser Abend dann noch von einer Espresso-Kanne sowie -Tassen, die den Weg zu uns gefunden haben, so dass das dolce Vita in Vollendung bei uns einziehen kann.
Leben im Kloster ist einfach super!
Sr. Kerstin-Marie

Sonntag, 25. April 2010

Gemeinsam unterwegs...

Nachdem Sr. Kerstin-Marie bereits am letzten Samstag beim Jugendtag der Heilig-Rock-Tage die Arenberger Fahne hochgehalten hatte, machten wir uns heute in aller Frühe nochmals mit einer Delegation von sieben Schwestern auf den Weg in unsere Bistumsstadt, wo wir heute zum Ordenstag geladen waren.
Der ganze Tag war erfüllt von herrlichem Sonnenschein, frohen Begegnungen, guten Gesprächen und spätestens beim Pontifikalamt am Morgen wurde mir mal wieder bewusst (man möge mir diesen Patriotismus verzeihen), dass wir nicht nur das Glück haben, im ältesten, traditionsreichsten Bistum Deutschlands zu leben (die christlichen Spuren in Trier gehen ins 3. Jahrhundert zurück), sondern uns im vergangenen Jahr ein richtig beeindruckender Bischof geschenkt worden ist. Die Predigten und Ansprachen von Stephan Ackermann berühren mich in ihrer Klarheit, Ehrlichkeit und Tiefe immer wieder aufs Neue, so auch die von heute Morgen. Dass er aber nicht nur ein brillianter Prediger ist, sondern ganz nebenbei ein einfacher, bescheidener und sehr humorvoller Mensch, das durften wir dann bei der Begegnung nach der Messe erleben, als wir uns im Gespräch mit ihm fast kaputt gelacht haben.
Nach einem Tag wie heute, an dem wir uns mit so vielen engagierten Christen unterschiedlichster Herkunft, Berufe und Stände austauschen und Begegnung feiern durften, macht es mich umso trauriger, dass das Bild von Kirche momentan in der Öffentlichkeit fast ausschließlich auf die dunklen Seiten reduziert wird. Das kann doch wohl nicht wahr sein, und das IST auch nicht wahr! Klar, Tage wie heute, sie können einen schon mal etwas euphorisieren, aber dennoch bleibe ich dabei - das Schönste am Christentum ist für mich, dass wir nicht alleine Christ sein können, sondern wir uns auf diesem Weg einander in einer sehr konkreten Weise zugemutet sind. Wo Menschen intensiv miteinander unterwegs sind, gibt es immer Reibungen, und leider tun sich oft auch Abgründe auf. Doch diese Abgründe werden mich hoffentlich nie davon abhalten, an diesen Weg Gottes mit uns Menschen zu glauben und darauf zu bauen, dass Er uns nicht verlässt - selbst dort, wo wir schuldig geworden sind, wo Unbegreifliches geschieht.
Sr. M. Ursula
(Foto: "Schwätzchen" mit Weihbischof Jörg Peters -
Quelle: Bistum Trier)
Jesus Christus, Heiland und Erlöser,
erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
Gedenke deiner Christenheit und führe zusammen, was getrennt ist.

Samstag, 24. April 2010

Auf in die Wüste

Einmal im Monat nehmen wir uns einen ganzen Tag, um aus dem Alltagsgeschäft heraus zu treten und mit Gott zu sein.
Heute ist es wieder so weit und wir beginnen gleich um 9 Uhr mit einem Impuls für den Tag, heute zum Thema "Die eigene Mitte finden". Dann wird das Allerheiligste ausgesetzt, so dass sehr deutlich wird, wer heute unsere Mitte ist, wer heute auf jeden Fall mit uns auf dem Weg ist. Jede von uns hat dann den Tag zur freien Verfügung, wir haben uns abgemeldet vom Mittagessen und können so frei bei Christus verweilen, raus gehen und real unterwegs sein, den Impuls meditieren oder vielleicht noch einmal die Bibelstelle zur Hand nehmen, die mich gerade bewegt.
Dabei schweigen wir den ganzen Tag, damit wir uns nicht gegenseitig ablenken, so dass wir, auch wenn wir als Konvent ja zusammen sind, quasi alleine in der Wüste sein können. Schön ist, dass heute ein wunderschöner Tag ist mit blauem Himmel und Sonnenschein, also perfekt, um sich bescheinen zu lassen von Christus, der voller Leben da ist und auch für uns das Leben will.
So werde ich heute bestimmt auf einer Bank in der Sonne zu finden sein und freue mich auf den Tag, der quasi so etwas wie kürzeste Kurzexerzitien ist.
Sr. Kerstin-Marie

Mittwoch, 21. April 2010

Den Kopf hinhalten?

Fast täglich neu erreichen uns derzeit in den Nachrichten neue Schreckensmeldungen, in denen uns von unfassbaren Vergehen berichtet werden, die in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten innerhalb der Kirche begangen wurden. Das alles geht uns natürlich sehr unter die Haut und macht uns traurig, wütend, fassungslos. Und doch bleiben wir in dieser Kirche - aber warum eigentlich?
Eine Aktion auf einer Internet-Seite gab uns heute die Gelegenheit, einmal darüber nachzudenken, was es denn genau ist, das uns noch hält und uns zudem nicht verzweifeln lässt. Was wir und andere zu diesem Thema zu sagen haben, das könnt ihr hier nachlesen.
Sr. M. Ursula
Quelle Bild: www.liborius.de

Sonntag, 18. April 2010

alte Nasen mit jungen Herzen...

Unsere lieben Mitschwes-tern - manchmal sind sie einfach zum Schreien. Da Sr. Kerstin-Marie ja gestern nach Trier zum Jugendtag der Heilig-Rock-Tage gefahren war, hatte sie heute nach dem Abendessen im Refektorium die Gelegenheit, auch den Daheimgebliebenen ein bißchen von dem zu erzählen, was sie dort alles erlebt hat. Dabei berichtete sie u.a. von ihrem gut besuchten Workshop "Firmung auf Facebook" und da stand natürlich auch sehr bald die Frage im Raum "Was ist eigentlich Facebook?". Sr. Kerstin-Marie erzählte dann von der Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu bleiben, Gleichgesinnte zu treffen, sich miteinander über Themen auszutauschen und sich verschiedenen Interessengruppen anzuschließen. Und dass dort eben auch ganz viele junge Ordensleute zu "treffen" seien. Woraufhin Sr. M. Christa zur Erheiterung aller die Frage stellte: "Und gibt es da denn auch eine Gruppe "Alte Nasen mit jungen Herzen"?
Ja, "alte Nasen mit jungen Herzen" - dieser Gruppe könnten aus unserem Konvent eine ganze Menge Schwestern beitreten. Dass unser Zusammenleben von jung und alt gelingt, ist und bleibt natürlich eine ungeheure Herausforderung, bei der es auch immer wieder Spannungen auszuhalten gilt. Aber gerade die vielen "alten Nasen mit jungen Herzen" tragen unendlich viel dazu bei, weil sie aufrichtiges Interesse an dem haben, was uns "junge Hüpfer" heute bewegt, ihnen absolut nichts Menschliches fremd ist, sie uns Anteil geben an ihren eigenen Erfahrungen und nicht zuletzt, weil sie einen köstlichen Humor haben so wunderbar über sich selbst lachen können.
Ich jedenfalls finde es einfach prickelnd, dass es in unserem Konvent so lebendig und fröhlich zugeht, auch wenn die allermeisten Schwestern schon zu den "Ü-Sie's" zählen, nicht nur alterstechnisch Welten aufeinander prallen und es weiß Gott nicht an Sorgen und körperlichen Gebrechen mangelt. Und wer weiß, wer sich da demnächst alles in der neu zu gründenden Facebook-Gruppe rumtummeln wird ;o)
Sr. M. Ursula

In Gerechtigkeit dein Angesicht suchen

Derzeit feiert das Bistum Trier sein Bistumsfest, die Heilig-Rock-Tage. Gestern war der Tag der Jugend und ich hatte das große Glück, dabei sein zu können. Gemeinsam mit einem Kollegen habe ich einen Workshop mit dem Thema "Firmung auf Facebook? Firmvorbereitung und neue Medien" angeboten und war bei touch-me-Gott.live vertreten. Beim Workshop, in dem wir uns mit den Teilnehmern Gedanken darüber gemacht haben, welche Möglichkeiten das Internet in der Sakramentenpastoral bietet, waren wir erstaunt, wie viele Menschen den Weg in den versteckten Tagungsraum gefunden haben und haben festgestellt, dass das Thema wirklich wichtig ist und viele Leute bewegt. Sehr schön war zu Beginn die Frage des Abtes von Himmerrod: "Was ist eigentlich Facebook?" So unterschiedlich ist also der Zu- und Umgang mit dem Internet.
Aber das war nur ein Aspekt von weiteren an diesem Tag, den ich sehr genossen habe. Ich fands toll, dass dieses Mal beim Tag der Jugend richtig viel los war und die Jugendlichen ganz verschiedene Sachen machen konnten, wie z.B. beim Projektchor für die Ministrantenwallfahrt nach Rom, beim Musical, bei Diskussionen, den Ständen der Jugendverbände. Dazu war das allerbeste Wetter aufgeboten, was natürlich auch zur Stimmung beitrug.
Ich fands natürlich sehr schön, ganz viele alte Bekannte und Kollegen wieder zu treffen, die ich ja nun schon lange nicht mehr gesehen hatte und die mich zum großen Teil ja auch noch nicht als Schwester gesehen hatten. Da merke ich, dass ich im Bistum Trier doch zu Hause bin, wenn ich meine Herkunft auch nicht verleugnen kann.
Sehr schön war zum Abschluss des Tages auch die Messe mit Bischof Stephan Ackermann. Dieses Jahr zum ersten Mal in der Form, so dass der Dom richtig voll war. Der Besuchsdienst verteilte Sitzkissen für die, die auf Stühlen und Bänken keinen Platz mehr fanden, überall waren Bildschirme und Leinwände aufgestellt, auf denen die Liedtexte und Bilder aus Bolivien zu sehen waren, Vertreter der verschiedenen Jugendverbände hatten den Gottesdienst mit vorbereitet, der am Nachmittag gebildete Projektchor sang aus voller Kehle und so war alles sehr, sehr schön.
Auf der Rückfahrt hatte ich dann noch eine außerordentlich nette Begleitung durch einen Freund und Kollegen, so dass es ein wirklich gelungener Tag war.
Gleichzeitig habe ich erfahren, dass es gut ist, als junge Ordensfrau in der Öffentlichkeit zu sein, sei es, dass Jugendliche erleben, dass wir ganz normal sind, sei es, dass Menschen die Möglichkeit haben, uns unverbindlich anzusprechen, sei es, dass wir auffallen, so dass vielleicht der ein oder andere nochmal in Erinnerung gerufen bekommt, dass es ja auch diese Lebensform noch gibt, sei es, dass wir unsere Erfahrungen mit dem Internet teilen und weitergeben.
Sr. Kerstin-Marie

Mittwoch, 14. April 2010

Du hast den Tod bezwungen

Ich liebe an Ostern, dass wir es so lange feiern. Zwar ist die Oktav inzwischen rum und liturgisch sind wir schon ein bisschen in den Alltag zurück gekehrt, aber trotzdem singen wir noch fleißig "HALLELUJA" und ich persönlich könnte die ganze Zeit über ein sehr schönes Trierer Osterlied singen, in dem es heißt: "Du hast den Tod bezwungen, du Held auf Golgotha! Dich preist mit allen Zungen die Welt: Halleluja."
Das ist für mich in diesem Jahr auch irgendwie die beste aller Nachrichten: Der Tod hat eben nicht das letzte Wort, sondern es gibt eine Hoffnung, besser noch eine Verheißung darüber hinaus. Der Mensch Jesus Christus ist auferweckt von den Toten, er lebt. Das heißt nicht, dass es fortan kein Leid mehr gibt, dass erleben wir ja täglich an allen Orten und in so unterschiedlichem Ausmaß. Und ich glaube, ein für mich ganz neuer Aspekt an Ostern in diesem Jahr, dass ja auch die Jünger nicht sofort in einen haltlosen Osterjubel ausbrechen, weil der Tod und die Auferstehung Jesu für sie auch bedeuten, dass das Zusammensein mit Jesus nun ein anderes ist. Haben sie vorher mit ihm sozusagen zusammen gelebt, gibt es nun seine Erscheinungen, in denen er zwar ganz bei ihnen ist, die aber anders sind als vorher und die sie nicht suchen können. Und so braucht es wahrscheinlich wirklich diese 50 Tage, in denen sie verunsichert sind, in denen sie nicht so genau wissen, wie es weitergehen soll und in denen sie sicher manchmal auch um die frühere Beziehung zu Jesus trauern. Und in diesen 50 Tagen wird ihnen vielleicht auch erst nach und nach bewusst, was sie da eigentlich erlebt haben mit diesem Menschen, der doch mehr ist und war als ein Mensch.
Und auch dann erst kann das Pfingstereignis stattfinden, dann erst können sie ihr Obergemach verlassen und allen Menschen erzählen, was eigentlich passiert ist. Das finde ich einen guten Gedanken für diese Osterzeit: Osterlieder summen und immer wieder darüber nachdenken, was auch mir heute mit Jesus Christus passiert, der auch für mich ganz persönlich die Leiden am Kreuz erlebt hat.
Sr. Kerstin-Marie

Montag, 12. April 2010

Sich Mut anbeten

Passend zu der geradezu explodie-renden Natur vor unserer Haustür bekommen wir in diesen österlichen Tagen in der Liturgie Ausschnitte aus der Apostelgeschichte zu hören, die uns von den Anfängen, vom "Frühling" der jungen Kirche berichten. Für mich ist es immer wieder eine richtige Wonne, diesen Texten zu lauschen, weil ich in ihnen etwas von diesem unglaublichen Zauber des Anfangs spüre, der die Glaub-würdigkeit der ersten tapferen Zeugen des Evangeliums ausmachte. Überwältigt von den Begegnungen mit dem Auferstandenen haben die Jünger endlich, endlich begriffen, worum es geht, und finden zu ihrer wahren Größe. Die gleichen Menschen, die vorher ihrem Meister vollmundig treue Gefolgschaft versprochen hatten, ihn aber dann doch schmählich verraten und verleugnet haben, sie blühen auf in der absoluten Gewissheit, dass sie eben doch auf die richtige Karte gesetzt hatten, als sie Ihm zuliebe alles verlassen und auf Seinen Ruf in die Nachfolge gehört hatten.
Aber von noch etwas erscheinen mir die Jünger geheilt: von der törichten Versuchung, sich bei ihrer Mission nur auf ihre eigenen Kräfte zu verlassen. Sie erkennen sich selbst als "Werkzeuge Gottes", die sich nicht durch herausragende Fähigkeiten bzw. Tapferkeit für ihren Dienst qualifizieren, sondern durch ihr felsenfestes Vertrauen, dass Er stark ist, wo sie selbst am Ende sind. Und so wird uns in der Apostelgeschichte immer wieder berichtet, wie die Jünger sich in Krisenzeiten versammelten und sich regelrecht "Mut anbeteten", und zwar - und darüber musste ich in der Lesung heute Morgen fast ein wenig schmunzeln - bis die Wände wackelten:
"Die Könige der Erde stehen auf, und die Herrscher haben sich verbündet gegen den Herrn und seinen Gesalbten. Wahrhaftig, verbündet haben sich in dieser Stadt gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und den Stämmen Israels, um alles auszuführen, was deine Hand und dein Wille im Voraus bestimmt haben. Doch jetzt, Herr, sieh auf ihre Drohungen und gib deinen Knechten die Kraft, mit allem Freimut dein Wort zu verkünden. Streck deine Hand aus, damit Heilungen und Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus. Als sie gebetet hatten, bebte der Ort, an dem sie versammelt waren, und alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt, und sie verkündeten freimütig das Wort Gottes." (Apg 4, 26-31)
Wenn ich das lese, dann merke ich, wie sehr ich mich danach sehne, dass auch wir immer wieder von diesem Feuer des Anfangs angesteckt werden. Dass wir uns gerade in Zeiten der Anfechtung nicht einschüchtern lassen, sondern immer und immer wieder neu aufbrechen, in dem Bewusstsein, dass Gott allein in uns das Große wirken kann. Und dass Er es bis heute tut, daran habe ich nicht den geringsten Zweifel.
Sr. M. Ursula

Freitag, 9. April 2010

Krank im Kloster

Ja, auch wir bleiben von alltäglichen Dingen nicht verschont und werden gerade von einer heimtückischen Seuche heimgesucht, die jede Schwester ca. 24 Stunden in ihren Klauen hält.
Ich selber wurde gestern morgen um 4 Uhr wach und wunderte mich, warum mir denn so schlecht war. Kurze Zeit später folgte das Ergebnis und ich fühlte mich hundeelend. Mit allerletzter Kraft konnte ich mich aufraffen und einen Zettel vor den Meditationsraum mit meiner Krankmeldung legen. Danach, und das ist das schöne bei uns im Kloster, kam die Maschinerie quasi wie von selbst in Gang. Irgendwann am Morgen schaute Sr. Beatrix vorbei und fragte, was ich brauche, dann kam Sr. Scholastika und brachte mir den gewünschten Kamillentee. Als ich mich am Nachmittag mal nach oben schleppte, wurden wir dort gleich Salzstangen und ein sicheres Geleit zurück ins Bett angeboten. Diese Fürsorge tat so gut, da wird man quasi von selbst gesund.
Wie arm dran ist man da doch, wenn man alleine lebt und krank wird. Da schaut dann keiner nach einem, für den Kamillentee muss man selber sorgen und hat ihn wahrscheinlich noch nicht mal im Haus - also ich hätte keinen da gehabt. Hier gibt es außerdem bei Bedarf auch einen Haferschleim, Zwieback und freundliche Mitschwestern übernehmen eventuell anstehende Dienste. Da zeigt sich noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive, wie gut wir es im Kloster doch haben.
Ein Bild gibts heute zum Beitrag nicht, weil wir alle nicht so rosig aussehen. Wir hoffen aber, dass von unseren Lesern möglichst viele von der Seuche verschont bleiben und wünschen ansonsten gute Besserung.
Sr. Kerstin-Marie

Sonntag, 4. April 2010

Ein Fest der Sinne

…so pflegt unsere Schwester Kerstin-Marie zu sagen, wenn wir etwas Schönes erleben.
Ich finde, wenn ein Fest im Kirchenjahr diesen "Titel" verdient hat, dann ist es das Osterfest. Als ich heute Morgen im Hochamt saß, ich mich kaum sattsehen konnte an dem wunderbaren Blumenschmuck, den feinen Duft des Weihrauchs einatmete, unser Organist der Orgel göttliche Töne entlockte, ich durch und durch ergriffen war von den wunderbaren Lesungen und das alles schließlich in die Feier der Eucharistie mündete, da kam es mir wirklich vor, als würden alle meine Sinne in diesem Augenblick ein riesiges Fest feiern - schöner ging es definitiv nicht. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum ich das Osterfest über alles liebe. Was mich ebenfalls immer wieder tief bewegt ist, dass in der Heiligen Woche keine einzige Facette unseres Menschseins ausgeklammert wird. Wir hören von abgrundtiefen Dunkelheiten, von Verrat, Verleugnung, Verlassenheit, Hohn und Spott, Feigheit, nackter Angst, aber auch von einigen wenigen Menschen, die die Liebe über sich selbst hinauswachsen lässt, die bis zur letzten Sekunde treu geblieben sind. Und dann dieser entsetzliche Tod Christi am Kreuz, der absolute Nullpunkt der Menschheitsgeschichte. Alles, wirklich alles ist hineingenommen in dieses Mysterium, seitdem wissen wir, dass es in der ganzen Schöpfung keinen Gott-losen Ort mehr gibt - Er hat alles "besucht", selbst die finstersten Abgründe. Und ich spüre, wie sehr ich mich danach sehne, Ostern nicht einfach so zu feiern, wie man jedes Fest feiert und danach wieder zur Tagesordnung übergeht - nein, ich möchte immer tiefer in dieses Geheimnis hineinwachsen und daraus mein ganzes Leben gestalten. Ostern - das ist für mich DIE Offenbarung der Liebe Gottes schlechthin, deutlicher kann Er uns Menschen gar nicht zeigen, wie wertvoll wir in Seinen Augen sind. Und es ist nur würdig und recht, wenn wir Ihn dafür mit allen Sinnen feiern und Ehre erweisen.
In dieser tiefen Freude wünsche ich - bzw. wünschen wir! - all unseren Lesern ein frohes, gesegnetes Osterfest, die unerschütterliche Hoffnung und feste Gewissheit, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.
Sr. M. Ursula


Samstag, 3. April 2010

Wieder da

Am Mittwoch bin ich pünktlich zur Kompletprozession aus den Exerzitien nach Hause gekommen und schreibe erst jetzt, weil ich doch recht erschöpft war und immer noch ein bisschen bin.
Hatte ich vor meiner Abreise geschrieben, dass Exerzitien sozusagen wie ein Urlaub zu zweit sind, so sage ich nach den Tagen in Ilanz, dass es auf jeden Fall kein Strandurlaub war. Vielmehr ein Abenteuerurlaub, in dem jeden Tag etwas Neues los war, nämlich, um im Bild zu bleiben, das Erlebnis von Berghängen, die sich plötzlich ganz anders präsentieren, Eintauchen in tiefblaues Wasser, verbunden mit der Frage, ob es eigentlich trägt, Sonne, Schnee und Regen, steile Berge, Lakritzschnecken, aber auch wunderbare Aussichten, sehr gutes Essen und eine sehr, sehr gute Wegbegleitung in jeder Hinsicht.
Ich bin wirklich dankbar, dass es uns möglich ist, jedes Jahr Exerzitien zu machen und dass jede Schwester bei uns wählen kann, welche Form für sie am besten ist. Mindestens ebenso dankbar bin ich, dass ich Sr. Sabine Lustenberger als Begleiterin gefunden habe, die auch bei meinen wirresten Gedanken und Erzählungen maximal innerlich zusammengezuckt ist und sich nie davon abhalten ließ, mit mir unterwegs zu sein.
Das hat mich in ganz ungeahnte Tiefen geführt und damit näher an das große Geheimnis Gott, der, wie es in Ps 139 mich erforscht hat und mich kennt, der mich gewoben hat im Schoß meiner Mutter. Gleichzeitig bin ich auch dem großen Geheimnis Kerstin-Marie auf die Spur gekommen, was zwar anstrengend, aber auch sehr gut war.
Da gibt es also noch jede Menge zum Nach-Denken und komme damit ziemlich reich aus diesen Exerzitien nach Hause. Es ist wohl kaum verwunderlich, dass mich die Begrüßung durch die Schwestern, verbunden mit guten Segenswünschen für den "Neuanfang", ziemlich gerührt hat.
So gehe ich durch diese Kartage ganz anders als jemals zuvor und freue mich wie verrückt auf heute Abend, wenn es endlich Ostern wird und wir aus voller Kehle, bei hoffentlich dröhnender Orgel und läutenden Glocken das HALLELUJA singen, weil der Tod nicht das letzte Wort hat.
Sr. Kerstin-Marie

Donnerstag, 1. April 2010

ein Geschenk deiner Gnade

Heute Morgen bekam ich doch tatsächlich einen Anfall von Dankbarkeit.
Wie einige unserer Mitschwestern und ~Brüder, so nutze auch ich ganz gerne die Internet-Plattform Facebook, um mich mit anderen über Gott und die Welt auszutauschen und mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Dort gibt es u.a. auch eine Fan-Gruppe "Ausschlafen", der ich mich als altes Faultier (ich glaube, ich könnte ohne Probleme 24 Stunden am Tag schlafen) natürlich unbedingt anschließen musste. Nun ja, und heute Morgen, kurz nachdem ich mich beim Beten der Lesehore und Laudes ernsthaft gefragt habe, ob es eigentlich auf der Welt irgendetwas Erhabeneres, Ergreifenderes gibt als die uralte, symbolträchtige Liturgie der Kar- und Ostertage, entdeckte ich bei eben dieser Facebook-Gruppe die fröhliche Einladung zum "Extrem-Ausschlafing" zu Ostern - mit dem Start an Karfreitagmorgen.
Als ich das las, da kam mir ein Gebet in den Sinn, das wir ab und an in den Werktagsmessen beten:
"Gott, du bedarfst nicht unseres Lobes, es ist ein Geschenk deiner Gnade, dass wir dir danken. Unser Lobpreis kann deine Größe nicht mehren, doch uns bringt er Segen und Heil."
Gott zu loben und zu preisen, IHN Tag für Tag zu feiern im "göttlichen Spiel" der Liturgie (wie Romano Guardini es so schön nannte), in den kommenden Tagen intensiv Seinem Weg der Entäußerung bis zum Letzten nachzuspüren, um dann in den weltumspannenden Osterjubel einzustimmen - das zählt für mich definitiv zum Schönsten, was das Leben hier auf dieser Erde zu bieten hat. Nein, Gott braucht es garantiert nicht, dass wir - zusammen mit unzähligen Christen auf der ganzen Welt - heute die Nacht zum Tag machen und nach der Feier vom Letzten Abendmahl bis in die Morgenstunden des Karfreitags wachen und beten. Er braucht überhaupt gar nichts von uns. Und Seine Größe kann unser Lobpreis auch nicht mehren, ganz klar. Aber ich, ich brauche es. Weil ich spüre, dass dieses zweckfreie, absichtslose Spiel, bei dem ich mich mit Leib und Seele nach Ihm ausstrecke, mich heilsam herausreißt aus dem alltäglichen Trott, mich etwas von meiner wahren Bestimmung erahnen lässt und mir hilft, mich mehr und mehr Seinem Heilswillen zu öffnen.
Alles zu seiner Zeit - Ausschlafen ist ja etwas Wunderschönes, und der nächste Dienstag kommt bestimmt, aber nun freue ich mich erst einmal riesig auf die kommenden, sehr schlafarmen, aber ansonsten so reichen 72 Stunden, danke Gott nochmal für dieses Geschenk seiner Gnade, dass ich Ihn loben darf - und wünsche auch all unseren Lesern gesegnete Tage.
Sr. M. Ursula