Donnerstag, 25. März 2010

als wäre draußen plötzlich alles leer...

Aug in Auge.
Herz in Herzen.
Nur noch Begegnung die alles in sich hinein-nimmt,
die ganze Welt.
Alles.
„Als wäre draußen alles leer.“

Stille.

Kann es so gewesen sein, als der Engel eintrat, um Maria ihre Bestimmung kund zu tun?

Begegnung zwischen Liebenden.
Urplötzlich ist er da, dieser reife Augen­blick, in dem sich GOTT ganz gibt und Er ganz genommen wird in dieser alles buchstäblich umwerfenden Antwort: „Mir geschehe nach deinem Wort.“

Dabei bewegt mich der Ausschnitt eines Gedichtes von Rainer Maria Rilke:
Mariae Verkündigung

Nicht, dass er eintrat, aber dass
er dicht,
der Engel, eines Jünglings Angesicht
so zu ihr neigte; dass sein Blick und der,
mit dem sie aufsah, so zusammenschlugen
als wäre draußen plötzlich alles leer
und, was Millionen schauten, trieben, trugen,
hineingedrängt in sie:
nur sie und er;
Schaun und Geschautes, Aug und Augenweide
sonst nirgends als an dieser Stelle -: sieh,
dieses erschreckt. Und sie erschraken beide.
Dann sang der Engel seine Melodie.
Diese Wucht in dieser Stille. Dichte Atempause in einer überschwänglichen, weltumfassenden Symphonie, in der alles bereitet wird, gesammelt, gebündelt auf das eine Wort dieses einen Menschen hin: JA. Hoch-Zeit. Tief-Punkt, in dem die Welt, das eigene Herz neu beginnen kann:
„Wenn du den triffst, den du dein ganzes Leben lang gesucht
hast,wirst du augenblicklich mit deinem ganzen Leben antworten."
Wort - Antwort
Und das Wort kann Fleisch werden…

Ist uns Christen, ist uns Schwestern, die wir heute unsere Gelübde erneuern, dieses völlig Neue, das uns durch das Ja dieser jungen Frau geschenkt wurde, bewusst?
Was es auch für uns heißen kann, wenn wir uns ganz auf diesen GOTT einlassen? Vorbehaltlos? Mit vollem Risiko?
Maria fragt nicht zitternd: Was wird? Wusste sie doch, dass einer Frau, die ehelos schwanger wurde, Steinigung drohte. Sie fragt nur nach dem Wie - im Wissen um ihre menschliche Begrenzung. Und dann auf das Ungeheure dieser Gottesbotschaft dieses geballte JA, das uns den Atem nehmen müsste.
Ahnen wir etwas von dieser Liebe zwischen GOTT und dem Menschen, die unserer Welt eine völlig neue Dimension eröffnet? Erkennen wir, was da geschieht, was das JA eines Menschen bewirken kann? Mein Ja?

Das Gemälde von Sr. M. Ruth Nussbaumer, Zisterzienserin im Kloster Eschenbach, Schweiz, holt das Erschütternde wunderbar ein: Begegnung. Gespräch. Berührung. Geöffneter Raum der Liebe.
Herzraum, in dem neues Leben wachsen kann.

Und das ist ja das Wunder und die auch für uns offen gebliebene Möglichkeit:
Durch Dich, durch mich geschieht das Wort, wird es Fleisch. Immer. Im Jetzt.
Auf Deine Weise, auf meine Weise.

Der Engel singt seine Melodie weiter …
Sr. M. Scholastika

Mittwoch, 24. März 2010

Mit ganzem Herzen

Ansprache zum Noviziatsbeginn von Jenny Schwippe am Hochfest des Hl. Josef „Wo würde deine Liebe weilen, wenn ich nicht wäre?"
Dieser Ausruf von Rabindranath Tagore weckt uns auf, wie sehr jede und jeder von uns GOTTES einzige Liebe bleibt. Tagore war kein christlicher Denker, und doch liegt in seinem Wort die Grundbotschaft unseres Lebens, die unsere Würde ausmacht, unsere Schönheit und Größe.
„Wo würde deine Liebe weilen, wenn ich nicht wäre?"
Wir sind die Geliebten GOTTES, radikal und vorbehaltlos. Und wo GOTT liebt, liebt er in der Fülle seines Seins, liebt er eben göttlich, d.h. heißt: Es gibt nichts in GOTT, was nicht lieben kann. Er liebt GANZ. Menschlich können wir das Wort aus dem Buch Deuteronomium auf GOTT hin zurückführen: Er liebt mit all seiner Kraft, mit seinem ganzen Wesen. Er IST die Liebe.
Wo GOTT wirkt, wirkt er immer ganz. Er spart sich nicht, er rechnet nicht auf.
Wo GOTT sich dem Menschen zuwendet, geschieht dies immer ganz und vollendet.
GOTT will sich verschenken, und Er ist darin der mit brennender Sehnsucht Wartende, dass wir Ihn und Seine Liebe annehmen. „Wie ein Freier“, formuliert Sören Kierkegaard, „wie ein Freier, der fragt: Willst Du mich haben oder nicht…“
Die Heiligen wussten sich im Tiefsten von dieser Liebe GOTTES berührt und umfangen, auch herausgefordert. Sie hat ihrem Leben Richtung und Ziel gegeben und die Dynamik ihres Tuns blieb die einzigartige, personale Umsetzung dieser Liebe in den Alltag: heilend, lösend, erhellend, schützend, im Gebet durchdringend.

Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen. Du sollst sie deinen Söhnen wiederholen. Du sollst von ihnen reden, wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst. Du sollst sie als Zeichen um das Handgelenk binden. Sie sollen zum Schmuck auf deiner Stirn werden. Du sollst sie auf die Türpfosten deines Hauses und in deine Stadttore schreiben. (Dtn 6,4-9)

„Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“, gehört in unser Berufungsgeschehen, lebenslang.
Manche unter uns tragen diese Liebe auf den Lippen, sie werden Stimme GOTTES, Rufende, wie die Propheten des Alten Bundes, deren Linie dann Johannes der Täufer an der Schwelle zum Neuen Bund weitergezogen hat: Hören und Reden, manchmal auch Redenmüssen.
Hören und Tun, gleichsam gebunden um das Handgelenk.
Hören und diese Liebe Herzenssache werden lassen, damit wir durchlässig bleiben und das „mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit all unseren Kräften“ in unseren Begegnungen uns auf der Stirne geschrieben bleibt.
An den Türpfosten befestigt bleibt es im Schenken von Gastfreundschaft, im Verbreiten einer Atmosphäre, in der Menschen heil werden und sich als Angeschaute erfahren, wer auch immer vor der Türe steht, und Ängste weichen können.

Die Heiligen haben versucht, mit ganzer Seele, mit allen Gedanken, mit allen Kräften, mit ihrem Leben dieser Liebe Gestalt zu geben, bestimmt oft auch tastend, suchend, stolpernd - wie wir auch. Auf Wegen, die oftmals nicht die unsrigen sind, als Aufforderung jedoch, den unsrigen zu gehen.

Schauen wir auf unseren Tages-Heiligen - Josef von Nazareth: Er zeigt uns eine Liebe, die ganz aufmerksam bleibt, über alle Gesetze und Rechte hinweg: Er hört, selbst im Schlaf, sein Herz, sein Innerstes bleiben wach und verfügbar. Im Hören wird er frei für das, was JETZT gefordert ist. Er hat ein feines Gespür für das, was dem Leben dient.
Die Liebe zu Maria, die tief und fast selbstverständlich in GOTT gründet, holt ihn nicht aus der Welt heraus, sondern sie stellt ihn, schickt ihn hinein. Auf den Weg. In das Unverständnis, in das Unerhörte eines Wortes, einer Entscheidung, die einen Lebensplan völlig durchkreuzen kann.
In die Armut, in das Unwirtliche von Bethlehem, in das Ungesicherte und in die Ängste einer Flucht.
Diese Liebe gibt ihm seinen Platz im Jetzt seiner Zeit: Aus Liebe zu Maria tritt er zurück, wird er der im Hintergrund Behütende: Seine Aufgabe war, in Stille für das Größere zu sorgen.
So ist es unsere Aufgabe, im Hören unseren ureigenen Platz zu entdecken, uns ihn von GOTT zeigen zu lassen, in der Wachheit unserer Sinne, in der Wachheit unseres Herzen.
Dazu ist das ja auch das Noviziat da, liebe Jenny, ist es auch da, dass Du Dich selber erkennst, tiefer erkennst und darin die Führung GOTTES mit Dir, dass Du wahr bist und Dich Deinem Wesen gemäß zu leben übst. Dass Du glücklich wirst im Herrn, dass Du Deinen Platz, Deine Sendung in unserer Gemeinschaft entdeckst, die Ort der Kirche ist, dass Du, wo Du stehst, mit Deiner ganzen Existenz den Himmel offen hältst. Auf Deine Weise …

„Wo würde deine Liebe weilen, wenn ich nicht wäre?"
Das ist ja das Wunderbare, es gibt mich und ich bin Beweis, dass Du einen Ort gefunden hast,
Deiner Liebe vollen Raum zu geben.

Finde mich, Herr immer wieder neu,
mitten in aller Alltäglichkeit,
auf meinen Wegen,
in meinem Suchen und Fragen,
heute und immer. Amen.

Sr. M. Scholastika

Dienstag, 23. März 2010

Ein ganzes Jahr

Heute morgen wurde ich von einer Journa-listin interviewt, die eine Reportage über junge Ordensleu-te schreibt und bei ihren Recherchen im Internet auf unseren Blog gestoßen war. Als sie mich fragte, wie lange es diesen Blog denn schon gäbe, da fiel mir auf, dass wir ganz genau heute vor einem Jahr den ersten Post geschrieben haben - unser Blog feiert also quasi seinen ersten "Geburtstag" ;-)
215 mal haben wir hier inzwischen etwas von uns erzählt - und wenn ich mir überlege, was in den vergangenen 12 Monaten alles los war, dann bin ich überzeugt, dass dieser "Stoff" auch locker für fünf Jahre ausgereicht hätte. Wir haben viel Schönes erlebt, mussten aber auch einige Male schmerzlich Abschied nehmen - am schlimmsten war für uns alle sicherlich der Tod unserer lieben Sr. M. Emanuela, der uns bis ins Mark erschütterte; es gab jede Menge Bewegung in der Gemeinschaft, mehrere Aufbrüche und Umzüge, gleich zweimal konnten wir eine Noviziatsaufnahme feiern, dann ein hochspannendes außerordentliches Generalkapitel, bei dem unsere Novizenmeisterin zur neuen Generalpriorin gewählt wurde, und außerdem natürlich ganz viel Alltägliches, was aber manchmal eben doch nicht so ganz alltäglich war...
"Hat Sie das Bloggen verändert oder hat es Auswirkungen auf das Miteinander in Ihrer Gemeinschaft?" wollte eine andere Journalistin neulich von mir wissen. Ich muss sagen, ich habe an mir selbst bemerkt, dass ich im Alltag etwas achtsamer geworden bin für die vielen "kleinen" Dinge, die einem "einfach so" gegeben sind, die ich aber alles andere als selbstverständlich betrachte. Ich habe meine Freude am Schreiben entdeckt und finde es anregend, Themen, die mich im Innern bewegen, ins Wort zu bringen. Einfach nur staunen können wir Bloggerinnen über die übergroße Resonanz, auch und besonders von unseren älteren Mitschwestern, mit denen wir über unsere Posts noch einmal ganz anders als sonst ins Gespräch kommen.
Wir haben den Blog im vergangenen Jahr ins Leben gerufen, weil es uns einfach ein Anliegen war, zu vermitteln, dass wir hier im Kloster kein Inseldasein fristen, sondern mit beiden Beinen in der Welt stehen, ohne dabei den Blick "nach oben" zu verlieren. Uns ist es wichtig, mit alten "Kloster-Bildern" aufzuräumen, die nach wie vor in den Köpfen so Vieler herumgeistern. Nein, wir sind hier nicht eingesperrt, wir haben uns alle ganz freiwillig und mit Begeisterung und Liebe für diesen Weg mit Gott entschieden und haben diese Entscheidung in großer Freiheit getroffen. Wir bleiben (Gott sei Dank) genauso wenig verschont von den Härten des Lebens wie alle anderen Menschen auch und sind (leider) auch kein Hauch besser als der Rest der Welt.
"Wer in Gott eintaucht, taucht bei den Menschen wieder auf" hat einmal jemand gesagt. Ich sehe das Bloggen neben vielen persönlichen Kontakten als eine sehr schöne Auftauchmöglichkeit, die es uns ermöglicht, etwas von dem Kostbaren zu teilen, womit unser guter Gott uns Tag für Tag so überreich beschenkt.
So, und am Schluss dieses "Geburtstags-Posts" möchten wir unseren treuen Lesern einfach mal ganz herzlich danken für die vielen (auch kritischen) Rückmeldungen, für die große Anteilnahme in Freud und Leid und nicht zuletzt für ihr begleitendes Gebet, das wir sehr zu schätzen wissen!
Sr. M. Ursula


Montag, 22. März 2010

Wohlann denn, Herz...

Nach diesen wunder-schönen Tagen mit Sr. Ursulas Professerneue-rung, Sr. Johannas Einkleidung und der Profess der Mitbrüder in Worms steht für mich nun der fastenzeitliche Höhepunkt an: In wenigen Stunden breche ich auf nach Ilanz, wo ich 10 Tage Exerzitien machen werde. Darauf freue ich mich wie Bolle - um hier mal unsere neue Schwester zu zitieren, habe ich letztes Jahr am Ende der Osterzeit dort schon bei Sr. Sabine Lustenberger meine Exerzitien gemacht. Das war von Christi Himmelfahrt bis Pfingsten schon eine top Zeit, aber ich habe das Gefühl, dass die Zeit jetzt bis in die Karwoche noch grossartiger ist, weil ich mich so noch besser auf das wunderbare Ostergeheimnis einstimmen kann.
Nachdem die Exerzitien letztes Jahr soo gut waren, bin ich natürlich gespannt, wie es wohl dieses Jahr wird. Sind doch diese Tage, so finde ich, immer ein bisschen so, wie ein Urlaub mit der/dem Liebsten: Versteht man sich im Alltag ziemlich gut, ist so eine extra Zeit nur zu zweit doch vorher immer ein bisschen spannend. Werden wir uns verstehen? Haben wir uns etwas zu sagen oder geht uns am zweiten Tag der Gesprächsstoff aus? Und wenn das so ist, können wir auch miteinander schweigen?
So geht es mir jetzt auch, aber ich bin ausserordentlich zuversichtlich und bin schon ganz gespannt, welche Wege meine Exerzitienleiterin wohl mit mir einschlagen wird. Auf jeden Fall werde ich in den nächsten zehn Tagen nichts in den Blog schreiben und wünsche deshalb allen ein gutes Zugehen auf Ostern.
Sr. Kerstin-Marie

Samstag, 20. März 2010

In besten Händen...

Nachdem wir gestern auf dem Arenberg so viel Grund zur Freude hatten, machten wir uns heute mit einer ziemlich stattlichen Schwestern-Delegation auf den Weg in den Dominikanerkonvent nach Worms, um dort die Erstprofess unserer beiden Mitbrüder Fr. Philipp Maria und Fr. Denis mitzufeiern, die nun ihre Noviziatszeit abgeschlossen haben. Für mich selbst eine gute Gelegenheit, meine gestrige Professerneuerung noch etwas "nachklingen" zu lassen.
"Bist Du überhaupt stark genug für das Leben in einer Ordensgemeinschaft?" "Schaffst Du das?" … Diese Fragen haben mich in der Zeit meiner Entscheidungsfindung und auch während meiner Postulats- und Noviziatszeit sehr beschäftigt. Einerseits war da die große Sehnsucht, mein Leben wirklich GANZ auf diesen Gott auszurichten - andererseits kam da in mir mindestens genauso stark die Angst vor dem Unbekannten hoch und mehr als einmal fragte ich mich, ob ich eigentlich total verrückt geworden bin, so viel Liebgewonnenes, letztlich mich selbst auf eine so unvernünftige Art und Weise zu riskieren. Doch irgendwann wurde mir klar, dass ich innerlich wahrscheinlich nie mehr zur Ruhe kommen würde, wenn ich nicht tapfer den großen Sprung wagen und einfach mal ein Stück auf diesem Weg gehen würde, ohne die Gewissheit zu haben, ob es denn nun wirklich "mein Weg" ist.
Nun ja, die bohrenden Fragen, sie kehrten recht bald wieder, als nach einigen Monaten im Postulat die erste Begeisterung verflogen war und der Alltag einkehrte. Und dann gab es im Noviziat einen Zeitpunkt - für mich ein absoluter Nullpunkt - da musste ich mir selbst eingestehen, dass meine persönliche Antwort auf die Frage "Bist Du überhaupt stark genug?" ein eindeutiges "Nein" war. Und die einzig logische Schlussfolgerung schien mir zu sein, meine Koffer zu packen und zu gehen. Doch allein beim Gedanken daran wurde ich so dermaßen traurig, dass mich das dann wiederum zum Nachdenken brachte. Aus dem resignierten "dann musst du eben gehen" entwickelte sich ein energisches "ich will aber nicht!!", und genau in diesem Moment - ich erinnere mich, als sei es gestern gewesen - tat ich den vielleicht größten, existentiellsten Sprung meines bisherigen Lebens, ich legte nämlich all mein Fragen, meine Ängste, meine Traurigkeit, meine Ohnmacht - in die Hände Gottes. "Ich will weitergehen, aber allein schaff ich das definitiv nicht. Wenn DU es auch willst, dann musst Du mir jetzt einfach helfen. Und wenn nicht, dann will ich das annehmen, weil ich weiß, dass es für mich das Beste ist." Dieser Punkt, an dem ich mich erstmals wirklich auf Ihn hin loslassen konnte, kam mir vor wie ein ungeheurer innerer Befreiungsschlag - auf einmal verspürte ich eine Gelassenheit, die mich tief glücklich machte und die bis heute trägt. Nein, nicht mehr ich bin hier die große Macherin, nein, es geht um nichts anderes, als an mir geschehen zu lassen, auch in der "Gefahr", dass mein Weg möglicherweise ganz anders weitergeht, als ich es mir ursprünglich gewünscht habe.
Als ich gestern meine Profess erneuerte, da musste ich - wie schon bei meiner Erstprofess im vergangenen Jahr - noch einmal genau an diesen Punkt denken. Ich finde, es ist ein starkes Bild, dass wir unsere Hände bei der Profess in die der Generalpriorin legen. Nicht nur, weil wir ihr unser Versprechen "in die Hand" geben, sondern für mich ist es auch ein Zeichen dafür, mich selbst aus der Hand zu geben, in die Hände eines anderen, der um meine Schwachheit weiß und mich besser kennt als ich mich selbst. Und dass ich bei IHM in den besten Händen bin, die man sich vorstellen kann, davon bin ich felsenfest überzeugt.
Sr. M. Ursula


Freitag, 19. März 2010

Dürfen wir vorstellen?

Schwester M. Johanna Schwippe!



Unsere Freude kennt keine Grenzen und wir wünschen unserer neuen Mitschwester von Herzen einen guten Start ins Noviziat!

Donnerstag, 18. März 2010

Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab...

Diesen Satz aus dem Matthäusevangelium, den Jesus den Zwölf mit auf den Weg gibt, als er sie aussendet, wollte offensichtlich heute auch mir jemand nahe legen. Am Samstag breche ich nämlich über Worms und Rickenbach auf in die Exerzitien und überlegte in den letzten Tagen noch, ob ein Kleid genügen würde oder ob ich zur Sicherheit bzw. für die Reise selber nicht doch noch das Werktagskleid einpacken sollte. Während der Exerzitien tragen wir unseren Habit, aber auf der Reise würde es sich im Zug ja anbieten, das Werktagskleid zu tragen, das unempfindlicher ist.
Die Frage danach erübrigte sich heute allerdings, was so kam: Am Donnerstag kommen normalerweise unsere Kleider aus der Wäsche zurück. Dann steht vor dem Refektorium ein großer Kleiderständer, auf dem alle Kleider hängen und am Nachmittag schlendere ich ins Wäschezimmer, um die Wäsche aus dem Schutzengelhaus abzuholen. Heute morgen erfasste mich schon die erste Verwunderung, als mein Kleid nicht auf dem Ständer hing. Nun ja, das kann ja irgendwo gelandet sein - bei zwei Kleidern kann man da auch ruhig recht gelassen sein. Als ich dann aber am Nachmittag im Wäschezimmer ziemlich wenig Sachen von mir vorfand, nämlich wurde ich doch ein bisschen skeptisch, schließlich fehlen im Moment von mir das Kleid, das Skapulier, eine Haube, ein Schleier, zwei Kragen und ca. 1000 Taschentücher, die ich wegen einer Erkältung gerade ganz gut gebrauchen könnte.
Nun ja, da ist wohl Bescheidenheit angesagt, gut nur, dass ich meinen letzten Kragen extra für den morgigen großen Tag aufgehoben habe, da strahlt der immerhin blütenrein. Finden sich die restlichen Klamotten bis Samstag morgen nicht, habe ich immerhin kein Gepäckproblem, wenn ich in die Schweiz aufbreche. Und bis ich wieder da bin, nämlich am 31. März, werden hoffentlich auch die Kleider wieder da sein. Andernfalls müsste ich mir dann vielleicht etwas von Jenny leihen, die inzwischen schon ziemlich aufgeregt ist und ab morgen dann eventuell von ähnlichen Sorgen geplagt wird.
Ob mit oder ohne Klamotten: Morgen wird es bestimmt ein ganz schöner Tag, auf den ich mich schon sehr freue.
Sr. Kerstin-Marie

Sonntag, 14. März 2010

wir sind dann mal weg...

Die Spannung steigt: der 19. März, der Tag an dem aus Jenny in der Noviziats-Aufnahme Schwester M. ??? wird und auch ich selbst in meiner Profess-Erneuerung noch einmal neu JA sagen darf zu meinem Weg mit Gott in unserer Gemeinschaft rückt in Riesenschritten näher - nur noch fünfmal schlafen!
Damit wir beide nicht einfach so aus dem Alltagsgetümmel in unseren Festtag hinein "schlittern", dürfen wir uns in den kommenden Tagen in die Stille zurückziehen, um uns auch innerlich für unseren Schritt zu bereiten. Also: wundert euch nicht, wenn es auch hier im Blog etwas ruhiger wird - am Ende der Woche gibt es dafür sicherlich umso mehr zu erzählen :-)
Wir wünschen euch einen guten Start in die neue Woche, vielleicht könnt ihr ja im Gebet ein bißchen an uns denken...
Sr. M. Ursula

Laetare!

"Mir wurde nichts geschenkt im Leben - ich musste mir alles hart erarbeiten"
wie oft schon habe ich diesen Satz gehört, und jedes Mal versetzt er mir einen kleinen Stich. Nichts geschenkt? Da kommt in mir unweigerlich die Gegenfrage hoch: was denn im Leben wurde uns bitte schön nicht geschenkt? Können wir uns denn überhaupt irgendetwas "hart erarbeiten", ohne dass uns nicht vorher schon unendlich viel geschenkt wurde - angefangen bei unserer Geburt, wo uns das Leben selbst geschenkt wurde? Ich muss da zum Beispiel an meine Berufsausbildung denken - natürlich war das ein enormer Kraftakt - monatelanges Lernen und knallharte Disziplin, aber das alles wäre mir doch gar nicht möglich gewesen, ohne dass mir die Fähigkeit dazu von jemand anderem geschenkt worden wäre. Das, was uns ausmacht, das Kostbarste, der einzigartige, göttliche Kern in uns, der aus jedem von uns eine unverwechselbare Persönlichkeit macht, unsere Talente und Begabungen, das Wesentliche unseres Lebens - das alles ist doch pures Geschenk Gottes, das es in größter Freiheit entweder anzunehmen oder auch abzulehnen gilt. Gelingende Beziehungen und Freundschaften, Selbsterkenntnis, die Annahme schwerer Krankheiten oder Behinderungen ohne zu verbittern, das Ertragen von Ungerechtigkeiten ohne auf Rache zu sinnen, echtes Mitleid, tiefe Freude, im Grunde alles, was das Leben so schön und liebenswert macht - was davon können wir uns wirklich "erarbeiten"?
Neulich las ich in einem sehr amüsanten Buch über das Glück: Das größte Glück empfindet ein Mensch immer dann, wenn etwas besser ausgeht, als er es erwartet hat. Und ich glaube, genau auf diese Art und Weise will uns unser guter Gott immer wieder neu beschenken und glücklich machen. ER schreibt mit jedem einzelnen Menschen eine Heilsgeschichte, Er schreibt - wie es schön heißt - auch auf krummen Zeilen grade und es gibt keine, wirklich keine scheinbar noch so ausweglose und verfahrene Situation in unserem Leben, in der Er nicht als der bedingungslos Liebende gegenwärtig ist. Selbst wenn wir bei den Schweinen landen - wie der verlorene Sohn aus dem heutigen Sonntagsevangelium - ER wartet schon auf uns und ist ganz aus dem Häuschen vor Freude, wenn wir zu Ihm zurückkehren (und seien die Absichten, die uns zur Heimkehr bewegen, auch noch so unlauter und opportunistisch - der jüngere Sohn kehrt ja auch nur zum Vater zurück, weil er kurz vorm Verhungern ist, und sich daran erinnert, dass die Tagelöhner seines Vaters keinen Hunger leiden müssen).
Der ältere Sohn in der Geschichte, er scheint mir auch einer von der Sorte zu sein, denen im Leben nichts geschenkt wurde, wirklich ein armer Schlucker: "So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte." Der Vater antwortete ihm: "Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein."
Alles was mein ist, ist auch dein…. Heute Morgen wurde mir noch einmal deutlich bewusst: Zugreifen ist angesagt! Gott als der immer noch Größere, er hat nichts von unserer falschen Bescheidenheit, Seine größte Freude ist es, wenn wir das Geschenk Seiner Liebe, Sein ALLES, annehmen und einfach - wie Kinder das so schön können: dankbar genießen ohne große Fragen zu stellen!
In der Freude des Laetare-Sonntags grüßt Sie/Euch
Sr. M. Ursula

Der Orden weckt, was in dir steckt.

Oder: Man hebt ja nie zu viel auf. Dachte ich vor gut zwei Wochen bei unserem Umzug noch, dass ich ja schon ganz schön viel Zeug habe, das ich so mit mir trage, kam mir das doch in der vergangenen Woche sehr zugute. Seit Montag bin ich nämlich am Vormittag in der Sakristei eingesetzt und mir eilte der Ruf voraus, dass ich doch nähen könne und auch eine Nähmaschine besäße. Darüber freute sich Sr. Wernfried so sehr, dass sie gleich allerhand Stolen parat legte, an denen die Schutzkragen nach dem Waschen wieder befestigt werden mussten. Zuerst versuchte ich mich da auch tapfer mit der Hand, aber dann würde ich wahrscheinlich noch bis zur ewigen Profess daran sitzen. Da die Nähmaschine, die meine Mutter mir einst zum Auszug schenkte, aber ein echt tolles Teil ist, probierte ich es dann am Dienstag damit aus und siehe da: In rasender Geschwindigkeit ist alles fertig geworden, so dass jetzt noch Zeit bleibt, alles mögliche andere näherisch in Angriff zu nehmen. Dabei habe ich bis vor dem Eintritt die Nähmaschine meistens nur an Karneval heraus geholt, aber seitdem ich im Kloster bin und im Rickenbacher Nähzimmer ganz schöne Stoffreste entdeckt habe bzw. aus dem Heimaturlaub noch ein paar Bänder mitgebracht habe, gibt es doch immer wieder etwas Nettes zu nähen und Geschenke kann man ja immer brauchen bzw. machen.
Da schwindet auch die Ehrfurcht vor einem neuen Futter für eine Stola, obwohl ich fürchte, dass da auch die dollste Nähmaschine nicht weiterhilft. Da ist wohl gute Handarbeit gefragt. Aber bis das soweit ist, wird es wohl noch ein bisschen dauern. Auf jeden Fall bewährt sich die Nähmaschine hier in vollem Umfang und ich bin gespannt, was es noch alles zu entdecken gilt.
Sr. Kerstin-Marie


Bildquelle: brewis, pixelio.de

Mittwoch, 10. März 2010

sich selbst in Beschlag nehmen

"Jeder Mensch hat einige unversiegbare Quellen, die ihm mitten im Alltag geschenkt sind - vorausgesetzt, sie werden gepflegt und nicht zugeschüttet." - Im Rahmen eines Kurses, den ich kürzlich besuchen durfte, hatten wir einmal einen ganzen Morgen lang die Gelegenheit, darüber nachzudenken und uns auszutauschen, was denn für uns persönlich solche Quellen sind. Ich muss sagen, die Beschäftigung mit diesem Thema tat mir sehr gut, und so lag es für mich nahe, in diesen Tagen der Fastenzeit auch einmal einen besonderen Augenmerk auf meine lebensspendenden Quellen zu legen.
Für mich ist beispielsweise die schlichte Wahrnehmung in der Natur eine solche Quelle der Freude, sei es beim kurzen Spaziergang durch unseren Garten, sei es in der Mittagspause, wenn ich mich auf eine Bank setze und das gleißende warme Licht der Frühlingssonne im Gesicht spüre. Oder auch die Zeit vor dem Schlafengehen am Abend, in der ich in der Stille meiner Zelle den Tag Revue passieren lasse, nichts mehr leisten muss, alles loslassen darf. Das sind Momente, in denen ich selbst ganz gegenwärtig bin und mich auch gleichzeitig Gott ganz nahe fühle.
Als besonderen Luxus empfinde ich zum Beispiel im Klosteralltag auch nach wie vor auch den Rhythmus unserer gemeinsamen Mahlzeiten, die - genau wie die Gebetszeiten - für alle Schwestern zum festen Tagesablauf gehören. Normalerweise haben wir dabei einmal am Tag Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, zweimal am Tag essen wir im Schweigen und hören dabei eine Tischlesung, und am Mittwoch- und Sonntagmorgen (das ist für mich immer wieder ein Fest!) hören wir sogar Musik zum Frühstück. Ich merke immer wieder, dass mir gerade dieser Wechsel von Reden und Schweigen gut tut, auch wenn die vorgegebenen Zeiten natürlich nicht immer meiner jeweiligen "Tagesform" entsprechen ;-)
Neulich bin ich zufällig auf einen Brief gestoßen, den Bernhard von Clairvaux im 12. Jahrhundert an seinen ehemaligen Schüler, Papst Eugen III. geschrieben hat, und der wie ich finde brandaktuell ist:
"Höre also, was ich dich rügen und raten möchte: Wenn du dein ganzes Leben und Wissen für die Tätigkeit aufwendest, für die Besinnung aber nichts, soll ich dich da loben? Wenn dich alle in Beschlag nehmen, so sei du auch selber einer von ihnen. Wieso sollst nur du um das Geschenk deiner selbst betrogen werden? Wie lange noch willst du ein Geist sein, der ausgeht, aber nicht heimkehrt? Achte also darauf, dass du dir - ich will nicht sagen immer, nicht einmal häufig, doch dann und wann - Zeit für dich selber nimmst!"
Es braucht oft so überraschend wenig, um sich mitten im Alltagstrott ein wenig zum Himmel auszustrecken, manchmal nur ein paar Minuten, die man sich bewusst freihält und in denen man "sich selbst in Beschlag nimmt" - wie der Heilige Bernhard es so schön ausdrückt. Und ich merke immer wieder, das kommt nicht nur mir selbst zugute, sondern auch den Menschen um mich herum, denen ich dann - frisch gestärkt - wieder eine ganz andere Aufmerksamkeit schenken kann.
Sr. M. Ursula

Montag, 8. März 2010

Eine nette Überraschung

Als wir gestern Nachmittag im Schutzengelhaus beim Kaffee zusammensaßen, wurde Sr. Beatrix plötzlich angefunkt und bekam den Hinweis, dass da drei junge Dominikaner gerne das Haus gezeigt bekommen würden. Da war uns ja gleich klar, dass die drei erstmal unseren schönen Konvent gezeigt bekommen mussten und glücklicherweise war auch noch etwas Stuten da. Und schon standen die drei netten Mitbrüder aus Worms in der Tür: P. Philipp, der Magister und die beiden "Jungnovizen" Fr. Christian Johannes und Fr. Tobias. Das war ein unglaubliches Hallo, konnten wir uns so doch endlich für den herzlichen Empfang im April in Worms revanchieren und haben uns natürlich gefreut, die "neuen" Mitbrüder kennenzulernen. Die Reise auf den schönen Arenberg war ziemlich spontan entstanden, weil Fr. Christian Johannes beim Mittagessen gefragt hatte, wo Arenberg denn eigentlich ist. Als Wanderprediger kennt man da natürlich nichts und springt direkt ins Auto, dann ist man, wenn nicht gerade das Ende der Krokussferien in Holland ist, in ca. einer Stunde in Koblenz, da kann man auch mal zum Kaffee vorbei kommen. Wir haben uns auf jeden Fall sehr über diesen spontanen Besuch gefreut und machen uns am 20. März dann auf den Weg nach Worms, um bei Fr. Denis und Fr. Philipp der Erstprofess beizuwohnen. Wie schön, dass so der Kontakt möglich ist, natürlich hilft dabei auch das Internet, weswegen Sr. Ursula nur wenige Sekunden nach Abreise der Mitbrüder schon etwas an die Pinnwand von P. Philipp postete. Mal sehen, wann die nächste Überraschung ansteht.
Sr. Kerstin-Marie

Freitag, 5. März 2010

unterwegs ins Noviziat

... mit Gott und der Kirche hatte ich schon immer zu tun.
Allerdings ins Kloster zu gehen – darüber habe ich früher nie wirklich ernsthaft nachgedacht; nie?
Einfach mal raus, Ruhe, auftanken, gemeinsames Gebet. Das war vor ein paar Jahren mein Anliegen, als ich mich zum ersten Mal für fünf Tage auf den Weg ins Kloster Arenberg machte.
Rein in den Zug, eine Fahrt ins Ungewisse, wusste ich doch vorher nicht, was mich dort erwartet.
Ich war auf der Suche – wonach wusste ich nicht.
Und dann war ich da – angekommen? Nein, wohl noch lange nicht. Aber ich habe mich auf einen Weg gemacht...
Die Tage waren wertvoll und bereichernd zugleich.
Das gemeinsame Chorgebet war Teil meines Tages, mitten in der Gemeinschaft – als Teil der Gemeinschaft.
Eines war mir dort wieder ganz bewusst geworden: Woran ich glaube! An einen Gott der mich liebt, dem ich mich immer und überall anvertrauen darf.
Gott ist da – bei mir – das spüre ich.
Ich war mir immer sicher, dass Gott noch etwas mit mir vorhat, aber was, das wusste ich lange nicht.
Ein Gefühl von Wärme, Nähe und Geborgenheit war geblieben. Ein Gefühl, das mein Leben doch mehr mit Gott zu tun haben muss ...
Ich spürte eine tiefe innere Zufriedenheit, innere Ruhe und das Gefühl zu Hause zu sein.
Ich hatte einen Ort der Stille und des Gebetes gefunden, einen Ort, an dem ich meinem Gott sehr nahe sein darf.
Am Tag der Abreise hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, nicht nach Hause zu fahren...
Ich war traurig und glücklich zugleich (und verwirrt) - war ich am richtigen Ort? Wollte Gott doch mehr von mir?
Dann war da dieses Gefühl: ER ist bei mir – ganz nah – und dieses starke Gefühl ist bis heute geblieben.
Ich habe mich weiter auf den Weg gemacht, um diesem Gott zu folgen.
Im Juni 2009 bin ich in Rickenbach ins Postulat eingetreten und nun nach 7 Monaten wieder auf den Arenberg zurückgekehrt - jetzt freue ich mich auf meine Noviziatsaufnahme und Einkleidung am 19. März!
Ich bin froh und dankbar, dass ich diesen begonnenen Weg weitergehen darf, mit Gott hier in mitten dieser Gemeinschaft.
Jenny

Donnerstag, 4. März 2010

Wir leben noch

Bevor Fragen danach kommen, ob wir vielleicht den Umzug nicht überlebt hätten: Wir leben noch! Der Abschied war, wie in den Bildern zu sehen, gar nicht soo leicht und die Fahrt hierhin war außerordentlich anstrengend, denn offensichtlich hatten die Niederlande gerade Ferienende und so fuhren alle Holländer die gleiche Strecke wie wir. War überhaupt noch jemand in den Niederlanden? So brauchten wir gepflegte 8,5 Stunden für die Strecke, die Sr. Ursula am Vortag in 4,5 gefahren war, also alles kein Witz. Der Empfang war dann dafür außerordentlich herzlich und die Zellen sehr, sehr schön.
Wie das mit einem richtigen Umzug so ist, braucht es dann erstmal Zeit, bis alles ausgepackt ist, dann muss man noch zu diesem großen schwedischen Möbelhaus fahren, Sachen einkaufen, wieder umtauschen, aufbauchen, aufstellen, einräumen,... Jetzt wird gerade unsere Bibliothek fertig gemacht, wofür wir gleich noch Möbel aufbauen, dann noch Bücher einräumen, Internetanschluss freigeschaltet bekommen usw. Warum soll es uns anders gehen als anderen Leuten?
Trotz allem fühle ich mich hier außerordentlich wohl, war bereits zweimal in unserem Schwimmbad, genieße Quark mit Marmelade am Morgen, das Chorgebet im Schwesternchor, wo ich einen sehr coolen Platz bekommen habe und das Leben in unserem Noviziatskonvent, dem Schutzengelhaus. Am Mittwoch Abend essen wir immer dort zu Abend und so war das gestern dann der Auftakt mit Spaghetti und Tomatensauce aus der Schweiz, Bündner Fleisch, Gurkensalat,... Ein wahres Festessen und das mitten in der Fastenzeit.
Im Moment haben wir noch frei und Zeit, um alles herzurichten, dann gibt es bald die Arbeit und dann wird wahrscheinlich irgendwann auch der Unterricht aufgenommen. Klar ist auf jeden Fall, dass am 16. März ein Studientag der Noviziate des Bistums Trier ist, worauf ich mich schon sehr freue.
So fühle ich mich außerordentlich wohl und bin schon ganz angekommen, trotzdem sende ich natürlich 1000 Grüße in die Schweiz...
Sr. Kerstin-Marie

Dienstag, 2. März 2010

Brief aus Comarapa

Von Schwester M. Gundelinde erreichte uns gestern folgender Brief aus Comarapa, der einmal einen schönen Einblick in die Arbeit unserer bolivianischen Mitschwestern gibt:
"(...)nach einer längeren stillen Pause sende ich Euch allen erneut ein Lebenszeichen, verbunden mit vielen herzlichen Grüssen aus Comarapa.
Trotz der überaus schwierigen politischen Situation arbeiten unsere 19 einheimischen Schwestern der Region wie gewohnt eine jede von ihnen an ihrem Platz, um Zeugnis zu geben von der Liebe und Treue unseres Gottes, für den wir leben und sterben wo immer es auch sei. Machen wir eben mal eine, wenn auch sehr kurze Rundreise durch unsere Filialen, um die dortige Situation wahrzunehmen.
Da sind die 4 Schwestern in Santa Cruz: Schw. Rosa Maria und Schw. M. Ivonnee in der Volks- und Oberschule mit über 1000 Schülern, Schw. M. Lucía arbeitet in der Kindertagesstätte und Schw. M. Inés im Katecheten–Zentrum.
In Saipina hat Schw. M. Celina in ihrer Ambulanzstation immer Hochbetrieb. Und das, trotz des schon seit 4 Jahren bestehenden staatl. Krankenhauses im selben Dorf. Ebenso haben die beiden Schwestern M. Franziska und M. Asunta in der Pastoral alle Hände voll zu tun.
In Sucre kümmern sich die drei Schwestern M. Gracia, M. Teresa und unsere Novizin M. Fabiola um die Schülerspeisung von über 100 hungrigen Kindern.
Auch in Cochabamba, unserer Ausbildungsfiliale, herrscht, wenn auch nur in einer kleinen Gemeinschaft, immer reges Leben: Schw. M. Josefine ist die Verantwortung für unseren Klosternachwuchs anvertraut. Zur Zeit ist es eine Postulantin. Dazu gehören noch Schw. M. Virginia und Schw. M. Sulma dieser Gemeinschaft an. Erstere widmet sich dem Theologiestudium und die zweite der Ernährungslehre. Beide Schwestern hoffen, nächstes Jahr zum Abschluss ihrer Lernzeit zu kommen.
Außer der Verantwortung für die Klosterjugend sorgt sich Schw. M. Josefine noch um die unzähligen Armen, die tagtäglich an unsere Tür kommen, sowie um die nie endende Reihe der Schuhputzerjungen und deren Familien. Auch die drogenabhängigen Jugendlichen, die unter der Brücke hausen, sind bei ihr nicht vergessen. So ist der Tag dieser Schwester besonders reich an Arbeit und oft mit traurigen Erlebnissen angefüllt.
Dann bliebe noch Comarapa, die Wiege unserer Mission, zu erwähnen. 7 Schwestern gehören dieser Gemeinschaft an. 3 von ihnen arbeiten im Krankenhaus, das mit 30 Betten, 8 Fachärzten und 6 Krankenschwestern für die gesamte Provinz die Türen offen hält. Schw. M. Martha, unsere Regionalpriorin und Schw. M. Rosa erteilen Unterricht im Colegio und sind auch in der Sakramenten- und Familienpastoral voll eingesetzt. Schw. Maria leitet die Kindertagesstätte (insgesamt 90 Kinder zwischen 8 Monaten und 6 Jahren) sowie den Vor- und Nachmittagskindergarten (insgesamt 240).
Geht nun noch einen Augenblick mit mir zur Altenherberge, damit Ihr Euch in etwa vorstellen könnt, wie es auch dort weiterläuft. Diesem Obdach für die Ärmsten gilt meine Hauptsorge. Zur Zeit haben wir 23 alte Menschen, die von 6 angestellten Frauen betreut werden.
Es freut uns Frauen der Pfarrgruppe sehr, die Anteilnahme und das Interesse an unserer Arbeit mit den alten Menschen vonseiten der Bevölkerung in Comarapa zu erleben und zu spüren. Kaum vergeht eine der wöchentlichen Schulmessen, in der die Schüler nicht einen Korb voller Lebensmittel dem Herrn als Opfergabe für die Altenherberge darbringen. Viele Bauern bringen uns von der Ernte ihre Erstlingsgabe. Etliche Personen im Dorf haben es sich zur Norm gemacht, regelmäßig unsere lieben Alten zu besuchen. Einer dieser barmherzigen Samariter, ein pensionierter Oberschullehrer, spendet sogar monatlich einen sehr hohen Teil seiner Rente für die Herberge. Ein bisher einmaliges Spendenaufkommen! Eine Schülergruppe aus dem Internat schenkt uns jede Woche einige Stunden ihre Arbeitskraft. Diese Jungens und Mädchen putzen die Flure und den Speisesaal, kehren die Strasse und bearbeiten den Garten. Darüber hinaus lernen sie mit den alten Menschen umzugehen und lernen deren Eigenheiten kennen. Aber sie lernen sie auch schätzen und lieben und werden von ihnen vermisst, wenn sie schon mal aus irgendeinem Grunde nicht kommen können.
Über die Hälfte unserer lieben Alten ist entweder körperlich oder geistig behindert. Das erfordert viel Geduld und Einfühlungsvermögen vonseiten unseres Personals. Einige von ihnen können sich aber doch noch auf irgendeine Weise nützlich machen.
Da ist z.B. Don Alberto, der sich nur durch Laute und Gesten mitteilen kann - er ist unser treuer freundlicher Türhüter. Für ihn ist es eine Freude, wenn er jemanden hereinlassen und begrüßen kann. Seine bekannten Laute, die er von sich gibt, schallen durchs ganze Haus. Aber auch die Eintretenden haben ihre Freude an ihm, wenn er sich auf seine Art verständlich macht.
Don Cornelio versorgt schon viele Jahre lang das Läuten der Totenglocke. Es ist in Comarapa Brauch, dass beim Tod eines Dorfbewohners die an einem Baum angebrachte Glocke am Hügel etwa eine viertel Stunde lang in Abständen angeschlagen wird. Die Angehörigen des Verstorbenen kommen zur Herberge und bitten Cornelio um diesen Dienst. Dafür darf er sich 5.-Bs. (= 50 Cent) geben lassen. Vor einiger Zeit erfuhr ich zufällig, dass er sich 10.- Bs. „auszahlen“ lässt. Als ich ihn deswegen erstaunt ansprach, meinte er: “Aber Madre, es ist doch auch alles teurer geworden!“ Das sagte er so treuherzig, dass ich ihn spontan in die Arme nahm.
Was die Einrichtung der Herberge anbelangt, liegt natürlich noch vieles im Argen und wir müssen uns schon sehr gedulden. Aber desto fleißiger nehmen wir Frauen der Pfarrgruppe jede Gelegenheit wahr, um durch Bazare und vielerlei Feste und sonstige Veranstaltungen dafür zu sorgen, dass wenigstens für den Unterhalt der Bedarf gedeckt bleibt. Umso dankbarer sind wir für jede, auch noch so kleine Spende, die aus der Heimat kommt und ich möchte mich bei dieser Gelegenheit wiederum von ganzem Herzen bedanken bei allen Gruppen und Privatpersonen, die durch ihre Spenden, besonders in der Weihnachtszeit, uns gezeigt haben, dass wir mit unserem dringenden Anliegen nicht vergessen sind. Das schenkt uns ungeheuren Mut und Kraft, weiterzuarbeiten, das Leid und die Not, wie immer sie auch aussehen mögen, zu lindern oder gar zu heilen.
Eure Schw. M. Gundelinde"