Sonntag, 31. Januar 2010

Weißer Sonntag ;-)

"Zieh dich warm an!" - diesen Ratschlag, den man bei diesen arktischen Temperaturen doch recht oft zu hören bekommt, scheinen auch unsere "Wartenden" im Innenhof beherzigt zu haben, heute morgen jedenfalls sah es so aus, als hätten sich Maria und Elisabeth Schal und Mütze angezogen!
Als es gestern morgen zum x-ten Mal innerhalb der letzten Wochen schneite wie verrückt, war ich anfangs ja doch - und das will bei mir was heißen! - ein ganz kleines bißchen genervt. Schon wieder Schnee... Doch meine Laune besserte sich schlagartig, als gestern nachmittag zum Schnee noch die passende Sonne herauskam. Und am Abend erlebte ich im Park dann einen Genuß der besonderen Art, den ich so schnell nicht mehr vergessen werde - ich ging noch eine Runde durch den tiefverschneiten Garten, ich war ganz allein, es war mucksmäuschen still und "roch" nach Schnee (wie ich es so liebe) und ich konnte es nicht lassen, mich vor lauter Freude ein bißchen auf die Schaukel zu setzen. Genau in diesem Moment kam dann auch - und das war fast schon kitschig! - der Vollmond raus und der Pulverschnee glitzerte im Mondlicht. Es war einfach atemberaubend schön, und ich hätte am liebsten die Zeit angehalten. In solchen Momenten kann ich einfach nur dankbar staunen.
So, und damit auch unsere Leser sich ein bißchen an der weißen Pracht freuen können, gibt es hier ein paar aktuelle Fotos vom Arenberg zu sehen!
Einen schönen Sonntag wünscht die ziemlich begeisterte
Sr. M. Ursula

Samstag, 30. Januar 2010

Schwester Schwippe

So, es gibt mal wieder richtig schöne Neuigkeiten zu berichten: Unsere - leider etwas schreibfaule - Postulantin Jenny, vielen besser bekannt als "Schwester Schwippe", ist auch nach sieben Monaten Postulat und jeder Menge Mobbing von Seiten der Juniorin und Novizin immer noch wild entschlossen, den begonnenen Weg in unserer Gemeinschaft fortzusetzen und hat Mitte Januar den Ordensrat um Aufnahme ins Noviziat gebeten. Glücklicherweise waren auch die Ratsschwestern der Meinung, dass Jenny ganz prima zu uns passt, so dass ihrer Einkleidung und Noviziatsaufnahme am 19. März nun nichts mehr im Wege steht. Worüber ich mich aber besonders freue ist, dass auch ich, nachdem sich mein erstes Junioratsjahr nun seinem Ende zuneigt, am kommenden Josefstag meine Profess erneuern darf, so dass Jenny und ich an diesem Tag gleich im "Doppelpack" feiern können.
Aber nicht nur bei uns, sondern auch in unseren Niederlassungen in Bolivien tut sich was. So bekamen wir vor einigen Tagen von unseren bolivianischen Mitschwestern diesen schönen Bericht zugeschickt:
"Am 10. Januar 2010 endeten unsere Exerzitien mit einer feierlichen Hl. Messe um 17.30, und in die Liturgie war eingeschlossen die Aufnahme ins Noviziat unserer Postulantin Fabiola und die Professerneuerung von Hna. M. Sulma. Pater Nicolás - unser Exerzitienmeister - Direktor des Priesterseminars in Cochabamba - konzelebrierte die Hl. Messe mit Pater Jesús Navarro OP, dem neuen Pfarrer von Comarapa.
Es war das Fest der Taufe des Herrn und das Ende der Weihnachtszeit.
Pater Nicolás bezog sich in der Predigt auf das Thema Taufe. Als Fabiola getauft wurde, verpflichteten sich ihre Eltern und Paten, sie im Glauben zu erziehen, und heute übergaben sie den damaligen Täufling dem Herrn im Ordensstand. Pater Nicolás bat die Eltern, ihre Tochter immer im Gebet zu begleiten. An Fabiola gewandt, fasste der Pater die drei wichtigsten Themen der Exerzitien zusammen, als 3 fundamentale Säulen für ihr künftiges Ordensleben: Die Gotteserfahrung im Gebet, das Leben in Gemeinschaft und das Gesendetsein zu den Menschen. Als Dominikanerin möge sie nicht aufhören, sich an „die Wolke von Fürbittern" zu wenden, nämlich unseren Ordensgründer und die Heiligen, die wir verehren.
Nach der Predigt folgte der Ritus der Übergabe des Ordenskleides durch Pater Nicolás und die Namensgebung. So heißt unsere neue Novizin von nun an: Hna. Maria Fabiola! Anschließend erneuerte Hna. M. Sulma ihre Profess in die Hände unserer Regionalpriorin Hna. Maria Martha.
Die Hl. Messe wurde fortgesetzt. Mit den Eltern von Fabiola waren viele Freunde und Verwandte zugegen."

(in Bolivien erfolgt die Einkleidung noch - wie früher auch bei uns - öffentlich und im Rahmen der Hl. Messe)

Mir macht es einfach Mut, dass es auch in der heutigen Zeit und dazu noch unter solch widrigen Umständen, wie sie derzeit in Bolivien herrschen, immer wieder junge Frauen gibt, die sich mit Leib und Seele auf diesen Gott einlassen wollen und den Weg in die Gemeinschaft wagen.
Ich wünsche unserer neuen Mitschwester Hna. Maria Fabiola, meiner Juniorats-"Kollegin" Hna. M. Sulma und der guten Jenny, die sich in diesen Tagen in Einzelexerzitien auf den bevorstehenden Schritt vorbereitet (und sich nach eigenen Angaben "freut wie Bolle") viel Kraft und Ausdauer und nicht zuletzt die tiefe unerschütterliche Freude an DEM, auf dessen bedingungslose Liebe wir mit unserem Leben Antwort geben wollen.
Sr. M. Ursula

Freitag, 29. Januar 2010

Der Aquinate

Gestern haben wir den Gedenktag des hl. Thomas von Aquin gefeiert, der 1567 in den Rang eines Kirchenlehrers erhoben wurde und der, das freut mich natürlich besonders, ein Dominikaner war. Thomas verband die Philosophie mit dem Christentum und prägte die Theologie nachhaltig, so dass das Zweite Vatikanische Konzil Thomas ausdrücklich als Lehrer empfiehlt, nach dem sich die Lehre in Philosophie und Theologie richten soll.
Abgesehen davon, dass Thomas also offensichtlich ein sehr schlauer und gelehrter Mann war, sagt die Legende, dass er außerdem so dick gewesen sein soll, dass seine Schreibtischplatte halb rund ausgeschnitten gewesen sein soll. Dementsprechend genossen natürlich auch wir gestern den Festtag mit einem guten Mittagessen inklusive Erholung. Angesichts des Festes war auch ein Nachtisch in Aussicht gestellt, der aber irgendwie nicht zu uns kam. "Selbst ist die Schwester", dachte sich Sr. Maria, ging kurzerhand in die Küche und kam mit Eis samt Sahne zurück. Da wir gar nicht genau wussten, ob die Sahne wirklich für uns gedacht war, verputzten wir sie einfach schnell und gründlich. Anschließend schrieben wir unserem lieben Koch einen kleinen Brief: Zur Buße für das "Zurückhalten" des Eises verdonnerten wir ihn, innerhalb der nächsten drei Tage Milchreis für uns zu kochen, den wir ja alle so schrecklich gerne essen. Prompt kam die Zusage, dass wir heute Abend Milchreis essen können!
Wenn wir gestern also nicht unbedingt in theologischen Debatten geschwelgt haben und uns die Werke von Thomas zu Gemüte geführt haben - da hatten wir ja eine ganz wunderbare Studienwoche mit Sr. Katharina Deifel im Mai - so eifern wir ihm wohl darin nach, dass wir die Gaben der Schöpfung genießen und das auch heute noch weiterhin tun werden. Daneben schadet es aber natürlich auch nicht, immer wieder mal in die Werke von Thomas zu schauen.
Sr. Kerstin-Marie
Bildquelle: Carlo Crivelli über wikipedia.de

Donnerstag, 28. Januar 2010

Hoher Besuch auf dem Arenberg

...wenn der Prophet nicht zum (Aren-)Berg kommt, dann kommt der (Aren-)Berg eben zum Propheten, und holt ihn einfach ab ;-) So geschehen heute: Unsere liebe Schwester M. Friedgardis, vielen wohl vertraut als die "gute Seele" des Rickenbacher Konventes, weilt derzeit im wohl-verdienten Heimaturlaub an der Mosel. Als ich im Mai vergangenen Jahres auf den Arenberg zurückgekehrte, hat sie mir bei meinem Abschied von Rickenbach feierlich in die Hand versprochen, dass sie mich einmal im Mutterhaus besuchen kommt. Das war insofern etwas ganz Besonderes, als Schw. M. Friedgardis den Arenberg normalerweise nur in äußersten "Notfällen", also beispielsweise zum Goldjubiläum oder sonstigen gravierenden Feierlichkeiten erklimmt. Aber natürlich habe ich sie auch beim Wort genommen, denn versprochen ist schließlich versprochen!!
Heute war es nun soweit - uns war natürlich nix zuviel, und so ließen wir es uns nicht nehmen, unseren Ehrengast in der Nörtershausener Heimat abzuholen, wo wir von ihren beiden leiblichen Schwestern und ihrem Bruder mit liebevoll bereiteten Schnittchen und einer Tasse Kaffee begrüßt wurden. Nachdem wir uns gestärkt und ein bißchen geplaudert hatten, machten wir uns auf den Weg in Richtung Arenberg. Das gab vielleicht ein "Hallo"!
Heute nachmittag hatte ich dann die schöne Aufgabe, die gute Sr. M. Friedgardis einmal durch unser Gästehaus zu führen, das sie nur aus der Zeit vor dem Umbau kannte. Sie war doch sichtlich überwältigt, wie schön alles geworden ist und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Natürlich durfte auch ein Besuch im Schutzengelhaus nicht fehlen, wo jetzt bald unser Noviziatskonvent Einzug halten wird - schließlich musste die "Grosi" sich davon überzeugen, dass es der Dorfjugend auch hier auf dem Arenberg an nichts fehlen wird. Nach einem netten spontanen "Kaffeekränzchen" im Refektorium (zu dem sich nach und nach immer mehr "Ex-Rickenbacher-Schwestern" gesellten), hieß es dann wieder Abschied nehmen.
"Die haben ja einfach nicht locker gelassen, aber jetzt bin ich doch ein bißchen froh, dass ich hier war" - so sagte Sr. M. Friedgardis, nachdem wir sie wieder gut in Nörtershausen abgesetzt haben. Ich jedenfalls habe mich riesig über die uns zuteil gewordene Ehre gefreut und hoffe nun, dass wir einen so guten Eindruck hinterlassen haben, dass weitere Besuche in nicht allzu ferner Zukunft folgen werden :-)
Sr. M. Ursula

Mittwoch, 27. Januar 2010

Von Kisten, Koffern und Taschen

In genau einem Monat geht es los: Dann folgt das Noviziat der Meisterin ins Mutterhaus, die in gut zehn Tagen die Schweiz verlässt. Für uns heisst es eben auch, der Schweiz "of Wiederluege" zu sagen und nach Koblenz zu ziehen.
So schwer uns das fällt und so gerne wir hier bleiben würden - vor allem auch, seitdem Sr. Angelina hier ist und wir quasi von Tag zu Tag jünger werden - so freuen wir uns doch auch aufs Mutterhaus mit all seinen Schwestern, mit der Gegend, den Menschen, die wir dort kennen, dem Rhein, dem Karneval,...
Unser Umzug ist damit wohl auch eine ganz gute Einübung in das Leben eines Wanderpredigers: Im Gegensatz zu den monastischen Gemeinschaften, die meistens für immer am gleichen Ort bleiben, ist es bei uns quasi grundgelegt, dass wir wahrscheinlich nicht dort sterben werden, wo wir einmal eingetreten sind. Und so haben wir die fast einmalige Gelegenheit, schon im Noviziat zu erleben, wie das denn ist mit den Versetzungen, auch wenn man später als Professschwester noch mehr mitreden kann, wenn es um eine neue Aufgabe in einem anderen Konvent geht. Aber ich finde es eine gute Übung, meine Koffer wieder zu packen, die ich ja eigentlich für ca. drei Jahre hier ausgepackt hatte und dann im Mutterhaus zu starten.
Und bei aller Wehmut um die schöne Schweiz, die ohne Schnee eigentlich noch schöner ist, bin ich doch sehr dankbar, dass ich bislang immerhin die Gelegenheit hatte, für 1,5 Jahre hier zu leben. Wäre ich nicht ins Kloster gegangen, wäre das nicht so leicht möglich gewesen - somit hat sich der Schritt schon gelohnt ;-)
Nachdem ich schon einige Sachen ins Mutterhaus geschickt habe, heisst es nun so langsam: Packen im Endspurt und das, wo ich doch gar nicht so viel Spass daran habe. Es könnte in Zukunft dazu führen, dass ich mich ständig bemühe, meinen Bestand möglichst klein zu halten.
Bis es aber so weit ist und wir in Richtung Deutschland brausen, wird es sicher noch einige Berichte hier aus Rickenbach geben.
Sr. Kerstin-Marie
Bildquelle: Daniel Borberg, fotocommunity.de

Sonntag, 24. Januar 2010

Meine Gnade allein genügt dir

„Meine Gnade genügt dir. Denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.
(2 Kor 12,9)
Diese Zusage Gottes war dem großen Völkerapostel Paulus Nahrung auf seinem beeindruckenden Lebens-weg, auf dem er sich immer und immer wieder auch - manchmal auf schmerzliche Weise - seiner eigenen Unzulänglichkeit bewusst wurde.
Morgen, am 25. Januar feiern wir das Fest seiner Bekehrung und dieser Tag ist auch für mich persönlich ein kleiner Festtag. Es war nämlich genau an einem 25. Januar, als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal zu den Dominikanerinnen auf den Arenberg fuhr. „In Arenberg gibt es noch ein paar fitte Schwestern, da würde ich an Deiner Stelle einfach mal reinschauen“ – diese Worte eines jungen Priesters hatten mich am Ende überzeugt, nachdem ich zuvor schon von mehreren verschiedenen Personen auf die Arenberger Dominikanerinnen aufmerksam gemacht worden war, ohne dass ich mich dann wirklich auf den Weg dorthin gemacht hätte. Heute könnte ich mich darüber kaputt lachen, wie sehr ich mich gewunden und vor diesem Schritt gedrückt hatte – als ob ich irgendwie geahnt hätte, dass mein geliebtes „altes“ Leben dadurch ganz schön aus der Bahn geworfen würde.
An einem Samstag, den 25. Januar war es dann soweit, ich setzte mich ins Auto und fuhr mit laut klopfendem Herzen nach Koblenz. „Warum bist du eigentlich so aufgeregt?“ fragte ich mich die ganze Fahrt über. Es war wirklich seltsam.
Nein, vom Pferd gefallen bin ich zwar nicht, aber immerhin kann ich mich daran erinnern, dass mich die Sonne an diesem eiskalten Wintermorgen so blendete, dass ich nur mit Mühe die Straßenschilder lesen konnte und ich mich um ein Haar verfahren hätte. Als ich in Arenberg ankam, wurde ich zu allen Überfluss beim Einbiegen in den Cherubine-Willimann-Weg von einem freundlichen „Durchfahrt verboten“-Schild empfangen (das neue Gästehaus war damals noch eine einzige Großbaustelle) und wäre auch tatsächlich einfach am liebsten direkt wieder umgekehrt, doch ausnahmsweise riss ich mich mal zusammen und dachte: „Jetzt hast du schon die Fahrt auf dich genommen, jetzt wird hier geblieben und nicht gekniffen!“.
Bis heute kann ich nicht ausdrücken, was es genau war, das mich so berührte, vielleicht einfach, dass alles so normal war. Die Schwestern waren freundlich, aber nicht zu freundlich. Das Kloster war ganz nett, aber baulich und auch sonst nicht wirklich beeindruckend. Das Essen war einfach und gut. Beim Gesang der Mittagshore hörte man zwar ein paar falsche Töne, aber ich spürte, dass hier mit Liebe gebetet wurde. Ich kann mich erinnern an ein sehr gutes Gespräch mit einer Schwester, an einen langen Spaziergang in der Wintersonne und an eine Anbetungsstunde in der Klosterkirche, bei der ich den Eindruck hatte, die Zeit sei stehen geblieben. Nicht mehr, und auch nicht weniger.
Als ich mich wieder ins Auto setzte und auf den Heimweg machte, fühlte ich mich, als sei ich verliebt bis über beide Ohren. An diesem Tag hatte unser guter Gott mich voll erwischt, ganz unspektakulär, zart und leise, aber doch unüberhörbar deutlich.
Es dauerte noch drei Jahre, bevor ich nach langem Hin- und Her und heftigen inneren Kämpfen den großen Sprung wagte. Dass die Gnade Gottes ihre Kraft gerade in unserer Schwachheit erweist, das erfuhr ich vor allem in diesen Jahren am eigenen Leib, und bis heute ist mir ein Rätsel, woher ich letztendlich den Mut bekam, das Gewohnte, die viel geliebte Heimat zu verlassen und zu neuen Ufern aufzubrechen.
Übrigens: als ich an jenem 25. Januar abends nach Hause kam, fand ich eine Karte aus Arenberg in meinem Briefkasten, die ich mir bis heute aufgehoben habe: „Liebe Frau Hertewich, (...) da unsere Zufahrt zum Kloster momentan pure Zumutung ist, möchte ich nicht, dass Sie stehenden Fußes wieder umkehren. Sie können ruhig bis zum großen Tor hochfahren und dort am Straßenrand stehen bleiben...“ Puuh, was bin ich so dankbar, dass die bahnbrechende Wirkung des Heiligen Geistes im „Notfall“ sogar zur Übertretung der Straßenverkehrsordnung anstiftet ;-))
Sr. M. Ursula

Freitag, 22. Januar 2010

Nehmt Abschied, Brüder

Mit diesem Lied, das mir aus alten Pfadfinderzeiten sehr vertraut ist, haben wir gestern am Schluss der Messe unseren lieben Prälaten verabschiedet. Prälat Opheys war dieses Mal 40 Tage bei uns, aber, wie er uns versicherte, war es für ihn keine Fastenzeit, wenn auch sicher ruhiger als zu Hause, wo er jetzt voll in den Fasteloovend einsteigt.
Für uns ist es immer schön, wenn der Prälat über Weihnachten und Neujahr bei uns ist. So schön die Abwechslung durch all die guten Priester ist, die zu uns kommen, um mit uns die Messe zu feiern, weil wir keinen Hausgeistlichen haben, so schön finde ich es dann auch, wenn der Prälat bei uns ist und jeden Tag mit uns feiert.
Da er ja den ganzen Tag bei uns ist und auch die Festlichkeiten mit uns feiert, teilen wir so wirklich das Leben. So konnte ich mir von einem echten Jecken schonmal ein paar Anregungen für Karneval geben lassen, schließlich rückt unsere Schürzensitzung immer näher.
Schön ist aber auch, dass durch die Nähe die Gottesdienstvorbereitungen ganz anders möglich sind. So gestalteten wir gemeinsam den Bußgottesdienst vor Weihnachten, konnten eine Messe für unsere Verstorbenen, Frau Weibel hier aus dem Haus und Sr. Daniela aus dem Mutterhaus, die der Prälat auch kannte, feiern oder waren als Schwestern immer wieder auch auf die ein oder andere Weise in den Gottesdienst eingebunden. Ich finde, das ist ein echtes Geschenk.
Was für ein Glück also, dass Sr. Hedwig den Prälaten vor über 50 Jahren in Arenberg behandelte und die beiden seitdem ihre Freundschaft pflegen. Nicht nur, dass ich es bewundernswert finde, dass es Freundschaften gibt, die so lange halten, sondern schön auch, dass wir auch daran teilhaben dürfen, wenn der Prälat zu uns kommt.
Hoffen wir, dass er noch lange fit bleibt und immer wieder Freude daran hat, zu uns nach Rickenbach zu kommen.
Sr. Kerstin-Marie

Montag, 18. Januar 2010

gesucht und gefunden

Heute morgen musste ich mal wieder über mich selbst lachen. Nachdem ich jetzt schon wieder fast ein Jahr in Deutschland lebe, wird es nun langsam aber sicher Zeit, auch meinen Schweizer Führerschein wieder in den deutschen umzutauschen. Und damit ich nicht vergesse, es auch rechtzeitig zu tun, wollte ich mich heute morgen mal an die Arbeit machen und in Erfahrung bringen, wie ich da genau vorgehen muss. Doch – oh Schreck – mein Führerschein war spurlos verschwunden. Ich suchte in meiner Schreibtischschublade, im Schrank, in meiner Jackentasche, in meinem Rucksack, fand ihn aber nicht… Ich versuchte, meine letzten Wege zu rekonstruieren, ob ich ihn vielleicht gedankenlos irgendwo hingelegt oder im Auto vergessen hätte, doch auch bei schärfstem Nachdenken tat sich keine Spur auf. Schon leicht panisch setzte ich dann die Suche in meinem (zugegebenermaßen nicht wirklich aufgeräumten) Büro fort – blieb aber trotzdem erfolglos. Das Ganze ließ mir natürlich keine Ruhe, und so ging ich ein paar Minuten später anlässlich einer zweiten Suchaktion wieder zurück in meine Zelle, machte die Schreibtischschublade auf, und was springt mir da bereits beim ersten Hinschauen ins Auge??? MEIN FÜHRERSCHEIN! Ein bißchen peinlich war es mir schon auch, aber trotzdem war die Freude und Erleichterung natürlich riesig, als ich das Teil wieder in den Händen hielt.
Schmunzeln musste ich aber vor allem auch deshalb, weil ich in dieser Woche die Morgenimpulse für unsere Gäste halte und mir dazu passenderweise das Thema „Gesucht und gefunden“ ausgewählt habe. Es geht um unsere menschliche Gottsuche und die Suche Gottes nach uns. Das ist ein Thema, was mich immer wieder beschäftigt und zum Nachdenken bringt. Rückblickend betrachtet waren es meist gerade die Momente in meinem Leben, in denen Gott mir unendlich fern oder mich gar verlassen zu haben schien, von denen ich heute nur staunend sagen kann, dass Er da ganz eindeutig seine Hand im Spiel hatte. Und oft verstehe ich es gar nicht, warum mir das nicht aufgefallen war, als ich mitten in der jeweiligen Situation steckte. Darüber kann ich manchmal genauso lachen wie gerade eben, als ich meinen Führerschein nach einigen bangen Minuten genau an der Stelle fand, wo ich ihn zuerst gesucht hatte.
Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen sind wir manchmal wie mit Blindheit geschlagen, sei es, weil wir einfach nur zu "struddelig" hinschauen, sei es, weil wir manchmal bestimmte Wahrheiten einfach nicht erkennen wollen. Mir kommt es ab und an so vor, wie wenn man eine Kamera falsch fokussiert - da wird dann das Unwesentliche messerscharf abgebildet, während das eigentliche Motiv nicht oder nur schemenhaft erkennbar ist.
Diese Suchaktion heute morgen war für mich jedenfalls mein persönlicher Montagmorgenimpuls zu etwas mehr "all-täglicher" Achtsamkeit - und ich bin jetzt schon gespannt auf weitere Entdeckungen ;o)
Sr. M. Ursula
Ich löschte das Licht, um den Schnee zu sehen. Und sah den Schnee durch das Fenster und sah den Mond. Doch dann sah ich, dass Schnee und Mond nur wieder Fenster sind, und durch dieses Fenster sahst Du mich an.
Ich machte die Augen zu, um besser zu hören. Und hörte Orgelmusik und hörte das Zwitschern der Vögel. Doch dann hörte ich, dass Musik und Vögel nur wieder Laute sind, und durch diese Laute sprachst Du mich an.
Ich stand still, um den Frühling zu riechen. Und roch die Blüten und roch die Erde. Doch dann roch ich, dass Blüten und Erde nur wieder Düfte sind, und durch diese Düfte sprachst Du mich an.
Ich setzte mich zu Tisch, um zu essen. Und aß das Brot und trank den Wein. Doch dann schmeckte ich, dass Brot und Wein noch einmal Stärkung sind, und durch Brot und Wein nährtest Du mich ganz.
Ich streckte die Hand aus, um einen Menschen zu fühlen. Und fühlte zarte Haut und fühlte weiche Haare. Doch dann fühlte ich, dass Haut und Haare noch einmal Welten sind, und durch diese Welten rührtest Du mich an.
(Ernesto Cardenal / Anton Rotzetter)

Freitag, 15. Januar 2010

Eine kleine Herde

Nachdem wir in den letzten Wochen eigentlich aus verschie-denen Gründen immer eine eher große Runde im Konvent waren - sei es, dass wir jemand im Rahmen von Kloster auf Zeit zu Gast hatten, unsere Mitbrüder aus Luzern bei uns waren oder Sr. Angelina mitsamt Chauffeur und Begleitung angekommen ist, sind wir nun ein kleiner Konvent geworden: Sr. Scholastika ist in Sachen Generalpriorat unterwegs, Sr. Maria ist bei den Ratssitzungen im Mutterhaus, Sr. Friedgardis erquickt sich in ihren Ferien an Spiegeleiern sowie Düppekuchen und die Jenny weilt ebenfalls im Heimaturlaub, wo sie schon mindestens eine Currywurst verdrückt hat.
Das hat zur Folge, das wir nun also noch zu siebt sind, was gewisse Vorteile mit sich bringt: Morgens sind wir viel schneller beim Spülen und brauchen auch abends nicht mehr so lange, da zumindest wir in der Klausur ja weniger Schüsseln brauchen.
Allerdings gibt es auch Nachteile, die dazu führen, dass wir uns darauf freuen, wenn bald wieder alle da sind: Unsere Kapelle ist ja nun nicht soo groß, aber immerhin doch so groß, dass sie jetzt eher leer aussieht, wenn nur wir Schwestern in ihr sind, was z.B. bei der Laudes der Fall ist. Noch dazu geht eine Erkältung durchs Haus, weswegen wechselweise immer wieder Schwestern beim Singen ausfallen und unser Gesang so etwas dünner wird und Sr. Maria Ancilla schlägt sich ganz schön tapfer beim Rosenkranz, sitzt sie doch fast alleine auf ihrer Seite.
Natürlich ist es an sich auch einfach schöner, wenn alle wieder da sind, so dass wir uns darauf freuen, wenn Sr. Scholastika und Sr. Maria am Sonntag endlich wieder nach Hause kommen ;-) Bis dahin schlagen wir uns ganz tapfer und wehren uns mit Kräften gegen jeden Erkältungsangriff.
Sr. Kerstin-Marie
Bildquelle: RobbyB, fotocommunity.de

Mittwoch, 13. Januar 2010

In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst

Was ursprünglich einmal eine fixe Idee unseres Gästehaus-Seelsorgers Martin Hofmeir war, wurde nun tatsächlich Wirklichkeit: Zusammen mit unserem Geschäftsführer Bernhard Grunau, Sr. M. Scholastika, dem Seelsorge-Team von Kloster Rickenbach und der Arenberger "Kleingruppe" (die sich hauptsächlich allem mit der Konzeption und Programmentwicklung in unserem Gästehaus befasst) fuhr ich am Sonntag zu einer Klausurtagung ins Augustiner-Kloster Messelhausen. Während wir sonst bei unseren regelmäßigen Treffen im Grunde eigentlich immer unter Zeitdruck planen müssen, hatten wir nun fast drei Tage Zeit, wichtigen Fragestellungen auf dem Grund zu gehen, Ideen auszutauschen, und einander Anregungen zu geben.
Ein Höhepunkt, den wir so schnell sicher nicht vergessen werden, war unsere gestrige Wanderung auf dem "Augustinus-Weg", einem fast 9 km langen Wanderweg rund um Messelhausen, auf dem man dem spannenden Lebens- und Glaubensweg unseres "Regel-Vaters", des Hl. Augustinus nachspüren kann. Weder hoher Schnee noch eisige Kälte konnten uns davon abhalten, uns auf den Weg zu machen, und belohnt wurden wir mit zahlreichen, wirklich ansprechend gestalteten Stationen, die uns sehr zum Nachdenken brachten. "In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst" - in diesem Augustinus-Zitat, das wir in Stein gemeißelt an einem Wegrand fanden, ist für mich das A und O christlicher Glaubensweitergabe und Verkündigung ausgedrückt. Mir wurde in den letzten Tagen noch einmal neu bewusst, was für ein großes Geschenk es ist, in einem Haus wie Kloster Arenberg zu arbeiten, das, was in meinem Herzen brennt, mit anderen Menschen teilen zu dürfen.
Und nun hoffe ich, dass die Tage in Messelhausen auch fruchtbar werden für unsere Arbeit und wir die ein oder andere "zündende" Idee mit Leben füllen können.
Sr. M. Ursula
P.S. hier gibt es nun einige Bilder zum Thema "nur die Harten kommen in den Garten" zu sehen ;-)

Samstag, 9. Januar 2010

(K)ein Abschied

Also wenn ich eines im Leben ganz ganz schrecklich finde, dann sind das Abschiede, und ich gebe zu, dass ich in dieser Hinsicht auch ziemlich verpienzt bin. Mir kommen manchmal sogar schon die Tränen, wenn ich nur am Bahnhof stehe und sehe, wie sich dort andere voneinander verab-schieden. In der letzten Woche wurde mir aber bewusst, dass es etwas gibt, was noch viel viel schlimmer ist als ein Abschied – nämlich, wenn man keine Gelegenheit hat, sich von einem lieben Menschen richtig zu verabschieden. So einen Abschied, der eigentlich gar kein Abschied war, haben wir Schwestern im Mutterhaus in diesen Tagen zu verkraften. Am Dienstag lag unsere Schwester M. Daniela, die am Montagabend noch topfit in unserer Mitte war, tot in ihrer Zelle. Ihr plötzlicher Tod macht mich und uns einfach fassungslos und wir alle können es noch gar nicht so richtig begreifen, dass sie nicht mehr unter uns ist.
Ich durfte Sr. M. Daniela als einen wunderbaren, ausgeglichenen, bescheidenen und äußerst humorvollen Menschen erleben; sie hatte das Herz auf dem rechten Fleck und immer wenn man ihr begegnete ein Lächeln auf den Lippen. Ganz nebenbei war sie eine äußerst versierte und routinierte Autofahrerin, und ich denke noch mit Freude an unsere gemeinsamen Fahrten in die Exerzitien nach Rickenbach zurück.
„Herr, auf Dich vertraue ich, in Deine Hände lege ich mein Leben“ – so sangen wir am Montagabend - wie an jedem anderen Abend - in der Komplet, unserem letzten gemeinsamen Gebet. Die tiefe Gewissheit, dass Sr. M. Danielas segensreiches Leben nun endgültig geborgen ist in Seinen liebenden Händen, ist uns Kraft und Zuversicht, wenn wir heute nachmittag auf dem Friedhof endgültig von ihr Abschied nehmen müssen.
Sr. M. Ursula

Freitag, 8. Januar 2010

Herr, öffne meine Lippen...

Diese Woche ist Sr. Scholastika nicht im Haus und deswegen hat Sr. Luciana das Amt der Kantorin gewonnen. Nun kann aber die Taschentuchindustrie momentan bei uns im Haus Geld wie heu machen, sprich alle sind erkältet und dazu gehört auch Sr. Luciana. Damit die Gute nicht völlig ihre Stimme verliert, kann/soll/darf ich sie in den nächsten Tagen unterstützen. Im Sommer ereilte mich schon einmal diese Aufgabe und damals fand ich es noch ausserordentlich herausfordernd, die Antiphonen mit vorzusingen. Nun aber merke ich, dass die "normalen" Antiphonen mich fast nicht mehr schrecken, wenn wir sie einmal vorher zusammen anschauen, und auch die weihnachtlichen Stücke funktionieren ganz gut. So konnten wir heute morgen in der Messe ziemlich spontan den Psalm zusammen singen, wobei ich es richtig schön fand, mit Sr. Luciana zu singen und ihr quasi zu folgen.
Und ich glaube, das ist eine der wichtigen Erfahrungen als und in Gemeinschaft: Wir sind zwar ziemlich verschieden, sind aus völlig verschiedenen Generationen, haben andere Interessen, aber wir finden zusammen. Und gerade beim Singen und Psalmodieren wird mir noch einmal deutlich, welcher Schatz in unserer Gemeinschaft steckt und wie toll es ist, dass ich daran teilhaben darf. Da freue ich mich doch auf die nächsten Tage und bin gar nicht so unfroh, dass am Montag wieder der Jahreskreis beginnt ;-)
Sr. Kerstin-Marie

Dienstag, 5. Januar 2010

Herzlich willkommen!

Kommen und Gehen prägen das Leben eines Wanderpredigers und so geht es auch bei uns immer rund. Heute ist Sr. M. Angelina aus Oberhausen angekommen. Wenn sie ihr Hab und Gut ausgepackt und sich ein bisschen eingelebt hat, dann soll sie hauptsächlich das Geschäft an der Pforte übernehmen.
Dabei dürften die Telefonate, die manchmal in Mundart ankommen, für sie wahrscheinlich die grösste Herausforderung sein, aber das wird sich bestimmt ziemlich bald legen.
Wir freuen uns auf jeden Fall, eine junge Schwester hier an unserer Seite zu haben und wünschen Ihr viel Freude in der schönen Schweiz, wenig Heimweh, Spass an der Arbeit und natürlich Gottes Segen.
Sr. Kerstin-Marie

Montag, 4. Januar 2010

die zehnte Stunde...

Als ich gestern Abend das heutige Tagesevan-gelium (Joh 1, 35-42) be-trachtete, musste ich spontan an eine Erfahrung denken, die ich während meines Pharmaziestudiums machte: ab und zu kam es vor, dass wir aus einem Stoffgemisch oder einem Pflanzenextrakt eine Verbindung zu isolieren hatten. Bis man die Reinsubstanz erhielt, waren oft einige Trennungsschritte notwendig. Kurz vor dem Ziel hatte man manchmal eine trübe Suppe vor sich, der man zwar äußerlich nichts ansah, von der man aber durch verschiedene Analysenmethoden wusste, dass sie den gewünschten Stoff in sehr hoher Konzentration enthielt. Was allein fehlte, war ein Impuls, diese Substanz zur Kristallisation zu bringen. Kaum stellte man diese Brühe zum Beispiel in den Tiefkühlraum oder fügte einige Körnchen eines „Kristallisationskeims“ hinzu, bildeten sich die schönsten Kristalle in der dann glasklaren Flüssigkeit. Man brauchte sie nur noch zu filtrieren und zu waschen, und schon hatte man die Reinsubstanz.
Vielleicht mag es den beiden Johannes-Jüngern, von denen wir heute im Evangelium hören, ähnlich ergangen sein, nachdem ihr Meister sie mit den Worten „Seht, das Lamm Gottes“ auf Jesus gestupst hatte. Sie folgen Ihm erst einmal blind nach, weil sie ahnen, dass in Ihm die „Substanz“ sein könnte, nach der sie suchen. Von Jesus gefragt, was sie denn suchen, stellen sie zunächst eine – wie ich finde - ziemlich diffuse Gegenfrage „Meister, wo wohnst du?“ Sie folgen der Einladung Jesu „Kommt und seht!“, gehen mit Ihm, und bleiben bei Ihm. Äußerlich betrachtet eigentlich ein – im wahrsten Sinne des Wortes – ziemlich unspektakuläres Ereignis. Und doch geschah in diesem Zusammensein mit Jesus ganz offensichtlich Wesentliches, denn noch Jahrzehnte später kann der Evangelist Johannes sagen: „es war um die zehnte Stunde“ (nach unserer heutigen Zeitrechnung also gegen 16 Uhr). Noch Jahrzehnte später konnte er sich also an die genaue Stunde erinnern! Was auch immer damals geschah - diese zehnte Stunde, sie war für die beiden Jünger mit Sicherheit der Kristallisationkeim, der sie in diesem Menschen Jesus den göttlichen Kern erkennen ließ, denn nach der Begegnung kann Andreas seinem Bruder Simon in größter Klarheit bezeugen: Wir haben den Messias gefunden.
Diese Berufungsgeschichte der ersten Jünger zeigt auf wunderbar anschauliche Weise den Weg, auf dem bis heute Menschen zu Christus gelangen und in Ihm den verheißenen Messias entdecken. Am Anfang steht da eine oft diffuse Suche nach „mehr“, eine Ahnung, eine Sehnsucht, die dazu bringt, aufzubrechen und Ihm zu folgen. Immer wieder hören auch heute noch zahllose Menschen die Einladung Jesu „Kommt und seht!“ Und es gibt sie immer noch, diese Kristallisationspunkte, diese „zehnte Stunde“, in der ihnen plötzlich eine Einsicht, eine Klarheit geschenkt wird, die sie sich selbst in ihren kühnsten Träumen nicht ausmalen könnten.
In der Weihnachtszeit feiern wir die Menschwerdung Gottes - überspitzt könnte man auch sagen: die Kristallisation seines Wesens im Kind in der Krippe. Ich finde, gerade diese Tage laden ein, wieder einmal auf die Suche zu gehen nach den "Kristallisationskeimen" in unserem eigenen Leben, uns an die heilsamen Stunden zu erinnern, in denen wir etwas Wesentliches erkennen durften, um dann auch unseren Mitmenschen mit neu entfachter Begeisterung bezeugen zu können: Wir haben den Messias gefunden!
Sr. M. Ursula
Am Tag darauf stand Johannes wieder dort, und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister -, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde. Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden. Messias heißt übersetzt: der Gesalbte (Christus). Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen. Kephas bedeutet: Fels (Petrus).
(Joh 1, 35-42)

Freitag, 1. Januar 2010

Ora et labora

„Für das Vergangene Dank, für das Kommende Ja“ – so lautet ein schönes Zitat des ehemaligen UN-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld. Und so haben wir uns gestern abend um 23 Uhr zusammen mit einigen Gästen in unserer Klosterkirche versammelt, um in einer Stunde der Anbetung noch einmal Dank zu sagen für Gottes Beistand in guten und in schweren Stunden, Dank zu sagen auch für alles, womit wir im vergangenen Jahr so reich beschenkt wurden.
Nach Mitternacht knallten dann aber natürlich auch bei uns die Korken, was zur Folge hatte, dass die ein oder andere Schwester (ich nenne jetzt keine Namen) heute morgen in der Laudes doch ganz schön kleine Augen hatte ;-))
Am Neujahrstag gibt es in unserer Gemeinschaft eine schöne alte Tradition, wir bekommen nämlich eine neue "Beterin". Für jede Schwester gibt es ein kleines Kärtchen, auf dem ihr Name und ein Gebetsanliegen geschrieben steht. Diese Kärtchen kommen dann in einen Korb und werden paarweise gezogen. So bekommt jede von uns eine Mitschwester, die sie das ganze Jahr hindurch besonders in ihre Gebete einschließen wird. Für mich ist das ein ganz schönes Gefühl, zu wissen, dass es jemanden in der Gemeinschaft gibt, der mich auf diese Weise begleitet und umgekehrt auch selbst ein Jahr lang besonders an eine Schwester zu denken, an die ich sonst möglicherweise nur selten denken würde.
Manchmal entstehen bei dieser „Verlosung“ ganz lustige Kombinationen, und auch heute wurde mehr als einmal kräftig geschmunzelt. So habe ich dieses Jahr beispielsweise ausgerechnet meine Kräuterei-„Chefin“ Sr. M. Josefa bekommen und damit den Auftrag, für sie und für ein wachsendes Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung zu beten. Das hat mich gleich doppelt gefreut, denn unsere Zusammenarbeit in der Kräuterei macht mir viel Freude, und die Bewahrung der Schöpfung liegt mir sehr am Herzen. Sr. M. Josefa meinte eben sehr treffend, dass wir beide nun die einmalige Gelegenheit haben, das benediktinische „Ora et labora“ (arbeite und bete) sehr konkret in unserem dominikanischen Alltag umzusetzen ;-)
Von ganzem Herzen wünschen wir nun all unseren Blog-Lesern ein frohes, gesegnetes neues Jahr 2010 - die tiefe Gewissheit, dass unser Gott der Gott-mit-uns ist, was auch immer uns widerfahren mag.
Sr. M. Ursula