Montag, 30. November 2009

Willi Wurm oder Wie feiern wir den 1. Advent

Diese Anzeige findet sich zur Zeit an unserem Infobrett. Wie es dazu kam und was Willi Wurm mit dem 1. Advent zu tun hat, erzähle ich Euch an dieser Stelle:
Unser Adventskranz in der Kapelle ist in diesem Jahr kein Kranz sondern ein Baum. Und aus diesem Baum krabbelte gestern morgen in der Laudes ein Wurm und machte sich zielsicher auf den Weg in Richtung Altar. Das konnte Sr. Friedgardis allerdings so nicht stehen lassen und musste noch während des Vater Unsers zur Tat schreiten: Mutig nahm sie ein Taschentuch, warf es über Willi Wurm und - manche dachten, sie wollte das Tier sanft nach draussen beförden - trat es mit mächtigen Tritten kaputt - gut, dass wir keine Franziskanerinnen sind.
Den ganzen Tag über musste dann Sr. Friedgardis die ein oder andere "Stichelei" wegen des armen Tiers ertragen, war die ganze Situation in der Kapelle auch so schrill, dass wir kaum noch an uns halten konnten. Gestern Abend trafen wir uns dann, um den Adventsbrief von Sr. Scholastika zu lesen und uns darüber auszutauschen. Das ist bei uns am 1. Advent so üblich und eigentlich sehr schön, um so in die Adventszeit eingestimmt zu werden. Dabei stellten wir fest, dass in diesem Brief ziemlich viel drin steckt und er, wie Sr. Birgit meinte, eigentlich mehr eine Lebensaufgabe als eine Aufgabe "nur" für den Advent sei. Beeindruckt waren wir alle von den Gedanken des Friedens, die ganz stark heraus kommen.
Im Anschluss an den Austausch - und das ist bei uns auch Tradition - gab es noch einen Bratapfel und etwas Glühwein - das war allerdings neu.
Während des gemütlichen Beisammenseins kam dann auch noch einmal die Rede auf Willi Wurm und die Tat wurde noch einmal in allen Einzelheiten dargelegt, hatte Sr. Birgit das ganze doch irgendwie verpasst. Die Stimmung stieg und am Ende wurde sogar über eine Exhumierung von Willi nachgedacht und darüber, in welchem Kostüm Sr. Friedgardis wohl zur nächsten Karnevalssitzung erscheint. Da durfte eine Todesanzeige auf keinen Fall mehr fehlen.
Und auch wer Willi Wurm nicht kannte, über eine Spende würde sich der WWF sicherlich trotzdem freuen ;-)
Sr. Kerstin-Marie

Samstag, 28. November 2009

Bereitet dem Herrn den Weg!

… aus randvollen Tagen grüsse ich Sie sehr herzlich und hoffe, dass Sie sich aufgehoben wissen in der Liebe und im Erbarmen unseres Gottes.
Jede und jeder von uns kennt sie, diese vollen Zeiten; wir haben sie durchlebt und stehen immer wieder mitten im Vielerlei, in Bedrängnissen und Unruhen, die hoffentlich immer auch durchlichtet bleiben durch Augenblicke bewegter Freude und tiefen Glücks.
In unsere alltägliche Wirklichkeit, in unsere eigenen inneren Zustände und Stimmungen hinein hören wir den uns vertrauten Adventsruf aus der Wüste:
Bereitet dem Herrn den Weg. Ebnet ihm die Strassen.
Als Kirche bleiben wir diese Gerufenen, GOTT den Weg in unsere Welt zu bereiten, unser Leben in gespannter Erwartung auszurichten auf Sein Kommen. Die biblischen Texte der adventlichen Tage bringen uns nahe, wie Er kommt: leise, nicht wie ein dröhnend daherstampfender Stiefel:
„Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus…“. Er bringt das Recht und den Frieden. (vgl. Jes 42, 2f)

GOTT kommt im Kind, im Schwachen und Verletzlichen, fast unmerklich in aller Stille. Das schlichte und doch so starke Vertrauen jener jungen Frau Maria, ihr offenes Ohr und Herz reichten dafür aus, Gott in unser Menschsein eintreten zu lassen. Maria vermag uns den Weg zu erschliessen, was es bedeutet, den Weg für Christus zu bereiten, unsere Strassen, die oft so voll gestopften, zu ebnen:
im Stillwerden und Hören
im Zulassen
im Geschehenlassen
Es ist weniger ein Tun, weniger ein Noch-mehr-tun-Müssen, vielmehr erkennen wir das Tun GOTTES an uns. Er will unser Herz bereiten, Er will mitten in unserem Leben, in unseren Gemeinschaften, Familien und Gemeinden wirken dürfen.

Der Advent ist eine Zeit der Gnade, eine Zeit, in der wir neu beschenkt werden mit GOTT selbst. Im Kind in der Krippe will Er sich jedem und jeder von uns geben. Ganz. Und wo Er sich geben darf, wo wir seiner Ankunft zustimmen, bringt er in uns den Frieden des Herzens zur Welt. Jenen Frieden, den wir an Weihnachten besingen und den die Welt nicht geben kann.
Der hl. Ambrosius von Mailand prägte das Wort:
„Beginne das Friedenswerk bei dir selbst. Wenn du mit dir selbst versöhnt bist, wirst du den Frieden auch zu anderen bringen.“
GOTT will dieses Werk in uns vollbringen.
„Bereitet dem Herrn den Weg“ kann dann konkret heissen, dass wir Ihn zuerst in unseren Herzen zulassen, Ihn, der jedes drückende Joch zerbrechen will, das Tragholz auf unseren Schultern, den Stock des Treibers. Jeden dröhnenden Stiefel vernichtet Er auf seine Ihm eigene, gewaltlose Weise (vgl. Jes 9, 3f).
Den Frieden annehmen heißt immer auch, uns verletzlich machen, Verweigerungen aufbrechen lassen, Unversöhntes und Enttäuschungen immer und immer wieder in die wandelnde Kraft GOTTES hineinhalten wollen. Wir wissen, dass dies uns nur auf dem Boden des Vertrauens gelingen kann …
Es ist die wunderbare Botschaft, die Christus uns in den Evangelien bringt. Nicht wir müssen unser Leben schaffen, nicht wir müssen uns erlösen, sondern GOTT schafft es in uns. Die größte Herausforderung bleibt vielleicht diese Zustimmung, dass Er in unseren Herzen, in unserem Leben und in unserer Mitte wirken darf. Dass Er letztlich den Weg in uns bereiten und die Strassen ebnen kann.

Die Geschichte des jungen Mannes im Evangelium, der sehr reich war, wird dann zu unserer:
„Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ - Nein, nicht noch mehr tun: den Himmel können wir nicht gewinnen, wir können und müssen ihn uns nicht verdienen, er ist uns in Christus geschenkt.
… Nicht unsere Leistung, unsere Erfolge, nicht unser Besiegen und Bezwingen bringt uns GOTT, sondern Er will sich uns geben.
Er will in uns „geschehen“ …
Jesus sagte zu dem jungen Mann, weil er ihn liebte: “Geh und verkaufe, was Du hast…“: Überlasse Dich GOTT.
„Empfange Ihn im Frieden der Nacht, in der Stille des Tages, in der Schönheit der Schöpfung, aber auch in Stunden heftiger innerer Kämpfe“ (Frère Roger Schutz)
Gib Dich mit Deinem eigenen Reichtum dort, wo Du lebst und baue mit Deinen Möglichkeiten mutig an Räumen des Vertrauens und der Versöhnung.
Ein Mystiker unserer Tage, Robert Lax (1915 – 2000), hat es treffend ausgedrückt:
„Versuche so klar und einfach zu leben, wie Du kannst. Vergib… Sei liebevoll. Du bist ein Friedensstifter. Die, die Dir über den Weg laufen, könnten Dich brauchen, wie Du sie brauchen könntest. Vergiss nicht, dass alles unter dem Himmel eine besondere Beziehung zu Gott hat. Respektiere, was Dir begegnet. Arbeit am Herzen braucht ein Leben lang Zeit. Bleibe dran und setze um, was Du erkennen darfst …“

Ich wünsche uns von ganzem Herzen, dass GOTT in unserer Mitte ankommen kann und dass Er durch uns offenen und bereiten Raum findet.
Ich wünsche uns, dass wir einander im Angenommensein erfahren dürfen, jede und jeder einzigartig vor GOTT, dass wir gemeinsam auf dem Weg bleiben und dass wir uns als Suchende zeigen dürfen, auch auf der Suche nach Ihm in jedem Menschen.
Und dass das Vertrauen zwischen uns wachse… nur dann verlieren Ängste, Enge und Druck, die doch so oft unseren Alltag verdunkeln, ihre Kraft. Nur dann bekommt auch unsere menschliche Zerbrechlichkeit Wohnrecht.
Möge uns das Warten auf IHN mit tiefer Freude erfüllen, möge das Geheimnis seines Nahekommens uns neu erfassen und überwältigen.
Sr. M. Scholastika

Die Freude der Jugend

Weil Sr. Scholastika aufgrund ihrer neuen Aufgabe im Mutterhaus weilt, konnte ich am Freitag ihren Job in der Pfarrei übernehmen und mit den Firmlingen und ihrer Katechetin, Ruth Hüsler, den Gottesdienst zum Auftakt ihres Bibelabends feiern. Dabei war ich zum einen für die Musik "gebucht", zum anderen durfte ich aber auch die Auslegung des Evangeliums übernehmen, was mir immer ziemlich viel Spass macht - da bin ich doch im Ordo Praedicatorum sehr richtig. Ich finde es immer schön und bereichernd zu schauen, was der Text uns heute sagen möchte, inwiefern wir uns da wiederfinden können und meine Gedanken zum Heiligen Schrift dann so auszudrücken, dass die Zuhörer verstehen, was ich meine.
Das war also schon mal wieder in der Hinsicht ausserordentlich bereichernd. Dazu kam aber noch, dass die Firmlinge hier ungefähr 12 Jahre alt sind und damit genauso alt wie die jungen Menschen, die ich kurz vor meinem Eintritt ins Kloster in Alsdorf und Daaden zusammen mit drei weiteren Frauen auf die Firmung vorbereitet habe. In dieser Vorbereitungszeit und auch jetzt wieder habe ich gemerkt, wie spannend dieses Alter noch ist: Die Jungs und Mädels, die schon wahnsinnig cool sein wollen, angesagte Frisuren und Klamotten tragen und irgendwie nur bedingt aufnahmefähig oder -willig sind. Aber manchmal sind sie dann doch zu packen und dann huscht da doch ein Lächeln über die Lippen, da merkt man dann, dass sie doch nicht nur cool sind.
Wirklich erfrischend finde ich auch, dass die Reaktionen und Rückmeldungen meistens noch gnadenlos ehrlich sind. Da kommt dann auch schonmal ein Satz wie "Oh, ist das langweilig!". Aber das ist mir lieber, als höflich zu lächeln und gleichzeitig vom nächsten Urlaub zu träumen. Dann lieber immer raus mit der Sprache. Hoffentlich behalten das viele Jugendliche bei und hoffentlich kann ich noch mit vielen Jugendlichen zu tun haben, die mir radikal sagen, was sie meinen.
Sr. Kerstin-Marie

Donnerstag, 26. November 2009

Auf die Perspektive kommt es an

"Sie fotografieren ja mit der gleichen Kamera wie wir" - so sprach Schw. M. Gertrud vor einigen Monaten eine unserer Gäste an, die gerade dabei war, Fotos von einem Innenhof zu machen. Wie sich bald herausstellte, war diese Frau - Antje Kern - Fotografin, und zwar eine der besonderen Art. Die Bilder, die sie uns nach ihrem Besuch einfach so zur Verfügung stellte, waren mit die schönsten Bilder, die ich je von unserem Gästehaus gesehen habe. Meine Begeisterung kannte natürlich keine Grenzen, als Frau Kern sich spontan bereit erklärte, Schw. M. Gertrud und mich einmal in die Geheimnisse der Fotografie einzuweihen. Nachdem wir lange nach einem geeigneten Termin gesucht haben, war es heute soweit. Den ganzen Tag über beschäftigten wir uns mit Bildgestaltung, Blendenöffnungen, Belichtungszeiten, ISO-Einstellungen, Nachbearbeitung und und und.... Neben der Theorie durften natürlich auch die Praxisübungen nicht fehlen, und so liefen wir den ganzen Nachmittag mit der Kamera durchs Haus, immer auf der Suche nach neuen Perspektiven. Natürlich musste auch die ein oder andere Schwester ihren Kopf hinhalten, denn auch Portrait-Fotografie will gelernt sein. Für mich war dieser Tag heute ein pures Geschenk, denn ich habe das Fotografieren in den letzten Jahren als eine wunderbare Ausdrucksform für mich entdeckt und finde es einfach total spannend, auf die Suche nach ungewöhnlichen Motiven zu gehen. Umso besser, dass ich heute noch eine ganze Menge Hintergrundwissen bekommen und dadurch viel mehr Gestaltungsspielraum bekommen habe.
Was nun bleibt, ist ganz große Dankbarkeit, dass die gute Frau Kern sich so spontan auf dieses Abenteuer mit uns blutigen Laien eingelassen hat - ich hoffe, wir haben sie nicht zu viel Nerven gekostet ;-)
Sr. M. Ursula

Ein Jahr und ein Tag

Vor genau einem Jahr schlug ich zum ersten Mal morgens die Augen in einem "Klosterbett" auf. Am 25. November war ich von Betzdorf mit einem schicken Leihwagen, vollgepackt bis obenhin, nach Arenberg aufgebrochen, wo ich mich erstmal ein paar Tage erholen musste. Abschiednehmen ist ganz schön anstrengend, noch dazu hatte ich kurz vor dem Eintritt Geburtstag, also eine gute Gelegenheit, um noch einmal mit der ganzen Familie und den lieben Hausgeistern der Jahnstrasse 29 bei Grünkohl zusammen zu sein. Kein Wunder also, dass ich ziemlich abgekämpft war, als ich dann endlich in Arenberg ankam und von einer Horde Schwestern begrüsst wurde. Ach, war das schön.
Und so schön wie es anfing, ging es eigentlich das ganze Jahr weiter. Hier ist eigentlich kein Tag wie der andere, Schwestern kommen und gehen und nachdem ich bis März ziemlich stabil hier in Rickenbach war, sind wir seitdem ganz schön unterwegs. So konnte ich schon die ein oder andere Ecke der Schweiz kennenlernen, habe viele Mitbrüder und -schwestern kennengelernt, hier im Konvent Karneval gefeiert bei der 1. Schürzensitzung im neuen Aufenthaltsraum und bin ja nun schon einen entscheidenden Schritt auf dem Weg weitergekommen.
Das alles ist wahrscheinlich aber deswegen auch so schön, weil das hier offensichtlich der für mich richtige Weg ist, auch wenn ich mich jeden Morgen frage, ob Gott wirklich will, dass wir ihm um 6 Uhr morgens den Hymnus singen. Aber davon abgesehen freue ich mich daran, immer tiefer in die Geheimnisse unserer Gemeinschaft einzutauchen, viel Spass mit den Schwestern zu haben und das Leben auf diese Weise zu teilen.
So freue ich mich auf die nächsten 365 Tage und bin ganz gespannt, was sie wohl bringen werden.
Sr. Kerstin-Marie

Mittwoch, 25. November 2009

Was für eine Zumutung!

Auf den ersten Blick ist die Liturgie der letzten Wochen des Kirchen-jahres ja eine echte Zu-mutung. In den Evangelien werden die treuen Gottesdienst-besucher immer wieder mit apokalyp-tischen Texten konfrontiert, in denen vom herannahenden Ende berichtet wird, von der großen Not, von einer verfinsterten Sonne und herunterfallenden Sternen, von allen möglichen schaurigen Szenarien. Das alles hört sich nicht wirklich mutmachend, wenn nicht sogar angst-einflößend an, und das trübe Novemberwetter trägt dann auch noch das Übrige dazu bei, dass das innere Stimmungsbarometer schonmal den ein oder anderen Durchhänger anzeigt. Könnte uns die Kirche nicht gerade in dieser Jahreszeit mal ein paar „gefälligere“ Schriftstellen mit auf den Weg geben? So neigt man (oder besser gesagt: ich) schnell dazu, einfach gar nicht mehr richtig zuzuhören...
Aber in den letzen Tagen habe ich diese Evangelien (z.B. Lk 21) noch einmal ganz anders wahrgenommen. Zugegeben, es tut weh, sich intensiv mit ihnen auseinanderzusetzen, es ist irgendwie „unbequem“. Wer das Leben hier auf dieser Erde liebt, dem bereitet allein der Gedanke daran, dass diese wunderbare Schöpfung möglicherweise einmal mit Pauken und Trompeten untergehen wird, naturgemäß ganz schön Magengrimmen, und das ist auch gesund und urmenschlich. Christus darf ja gerne irgendwann mal mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke wiederkommen, aber er soll damit doch bitte noch ein paar Jahre warten… Selbst wenn hier vieles aus dem Ruder läuft und die Menschen auch nach Jahrtausenden gelebter Erfahrung genauso unverbesserlich scheinen wie eh und je – irgendwie haben wir uns ja eigentlich ganz gut eingerichtet.
Andererseits kennen wir alle schon jetzt Erfahrungen – Einbrüche - in unserem Leben, in denen uns alles aus den Händen zu gleiten scheint und wir den sicheren Boden unter den Füßen verlieren. Schwere Krankheiten, der Bruch von Beziehungen, der Verlust eines lieben Menschen, Erfahrungen des Scheiterns, Momente der scheinbaren Gottferne, existentielle Sorgen und Nöte… Von jetzt auf gleich kann es passieren, dass unsere "Sterne", die uns jahrelang Orientierung und Halt gegeben haben, vom Himmel stürzen und die Dunkelheit um uns herum undurchdringlich erscheint. Diese Nächte gehören zu unserem Leben dazu, und je mehr wir ihnen zu entrinnen zu versuchen, uns absichern wollen, umso mehr rennen wir in unser Unglück - soviel steht fest.
Umso tröstlicher erscheinen mir vor diesem Hintergrund die Zusagen, die Jesus seinen Jüngern im Rahmen seiner Endzeitreden ebenfalls mit auf den Weg gegeben hat und die bei all diesen schrecklichen Szenarien schnell überlesen werden: „Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden. Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden.“ oder: „Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe“, und "Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen."
Diese Worte sind nicht einfach leere Versprechungen, billige Vertröstungen auf eine unbestimmte Zukunft, in der alles besser werden wird, sondern eine Realität, die Menschen aller Zeiten schon in dieser Welt zutiefst ergriffen hat: Dass gerade in unmenschlichsten Situationen GOTT derjenige war, der ihren Füßen wieder festen Halt gab, auf den sie sich verlassen konnten, wenn alles sie verließ.
Diese Erfahrung muss wohl auch der russische Soldat gemacht haben, der im Zweiten Weltkrieg gefallen ist, und in dessen Uniform ein deutscher Sanitäter folgendes Gebet fand:
Hörst du mich, Gott? Noch nie im Leben sprach ich mit dir ... Doch heute, heut will ich dich begrüßen. Du weißt, von Kindertagen an sagte man mir, dich gebe es nicht. Und ich, ich glaubte es, Narr, der ich war. Die Schönheit deiner Schöpfung ging mir niemals auf.
Doch heute Nacht nahm ich ihn wahr, vom Grund des aufgerissenen Kraters, den Sternenhimmel über mir. Und ich verstand staunend sein Gefunkel ...
Ich weiß nicht, Herr, ob du mir die Hand reichst, doch will ich es dir sagen, und du wirst mich verstehen: dies Wunder, dass mitten in der schauerlichen Hölle das Herz mir leicht wurde und ich dich erkannte. Sonst weiß ich dir nichts zu sagen, nur, dass ich froh wurde, als ich dich erkannte. Mir war so wohl bei dir.


Ja, die Endzeitreden in den Evangelien sind eine Zu-mutung, aber auch in dem Sinn, dass sie uns Mut zusprechen. So schön es hier auf unserer Erde auch ist - das Schönste steht uns noch bevor, soviel lassen die Momente in unserem Leben erahnen, in denen sich schon jetzt Himmel und Erde berühren. Und ich wünsche uns allen, dass wir immer tiefer in die Gewissheit hinein wachsen, dass unser Gott der Ich-bin-da ist, auch und gerade wenn alles um uns herum im Chaos versinkt.
Sr. M. Ursula

Sonntag, 22. November 2009

Wo zwei oder drei...

Dieses Wort aus dem Matthäusevangelium nahm für uns während der Studienwoche auf der Grimmialp in besonderer Weise Gestalt an: Waren wir doch zu Gast bei der Steppenblüte Communität, die zur Zeit aus vier Schwestern besteht und die im alten Kurhaus auf der Grimmialp leben und Gäste zu sich einladen. Seit 17 Jahren sind die Schwestern im Diemtigtal und haben in den ersten Jahren zu viert alleine das Haus geschmissen, in dem bis zu 75 Personen eine Unterkunft finden.
Sr. Barbara, die an der ARNO-Werkwoche teilnahm, erzählte immer wieder von ihrem Leben als kleine Schwesterngemeinschaft, in der zu Anfang so unendlich viel Arbeit im Haus war, dass sie fast zu nichts anderes mehr kamen als Kochen, Putzen, Hausmeistern,... Trotzdem hielten sie immer am geistlichen Leben fest, mit Bibelarbeiten, dem gemeinsamen Singen der Psalmen, Gottesdiensten und Gebetsnächten. Das ist schon beeindruckend und prägt die Atmosphäre des Hauses, in dem es einen wunderschönen neu gestalteten Andachtsraum gibt.
Beeindruckend finde ich auch, wie sehr die Schwestern immer wieder um ihr Leben in der Nachfolge gerungen haben: was will Gott jetzt von uns, ist es richtig, so ein grosses Haus zu kaufen, was können wir ändern, um nicht in der Arbeit zu versinken,... Da ist von jeder einzelnen oft ein grosses Engagement gefragt und es gibt keine Entscheidungsinstanzen, auf die man sich verlassen kann, sondern jede ist permanent gefragt. Wahrscheinlich gar nicht immer so einfach, so zu leben.
Gleichzeitig ist die Steppenblüte Communität ein Vorbild für sinnvolles und sensibles Wirtschaften: Mit Arbeiten am Haus - und davon gibt es viele - werden Handwerker aus dem Tal beauftragt, die Mitarbeitenden des Hauses leben ebenfalls im Tal und sind auf diese Weise nicht gezwungen, abzuwandern, weil es keine Arbeit mehr gibt. Ebenso wird im Haus der Gemeinschaft, dort wo es geht, mit regionalen Produkten gekocht und regionale Produkte zum Kauf angeboten.
Wie schön, dass wir dort zu Gast sein durften.
Sr. Kerstin-Marie

Sonntag, 15. November 2009

Alte Liebe rostet nicht

Gestern habe ich mich mal wieder auf den Weg in die schöne Schweiz gemacht, da wir in der kommen-den Woche mit unserer Ordensjugend zusammen mit Postulantinnen, Novizinnen und Juniorinnen aus verschiedenen deutsch-schweizer Gemeinschaften an einer Werkwoche zum Thema "Gottesbilder" teilnehmen.
Obwohl ich mich im letzten halben Jahr wieder gut in Arenberg eingelebt habe, mir die Arbeit im Gästehaus richtig Freude macht und ich mich im Mutterhauskonvent sehr wohl fühle, spürte ich gestern beim Ankommen in Rickenbach doch, dass ich einen Teil meines Herzens hier gelassen habe. Umso mehr habe ich mich gefreut, heute morgen mit einem Sonnenaufgang vom Feinsten verwöhnt zu werden und die Alpenkette mal wieder in ihrer ganzen Pracht bewundern zu können! Unser guter Gott ist einfach ein ganz grossartiger Künstler, dass wird mir bei solchen Anblicken immer wieder bewusst.
Morgen machen Schw. M. Scholastika, Schw. Kerstin-Marie, Jenny, Corinna und ich uns nun auf den Weg ins Berner Oberland, wo wir die nächsten Tage in einem einfachen Haus auf der 1200m hoch gelegenen Grimmialp tagen werden. Wir freuen uns auf viele nette Begegnungen, anregende Impulse und gute Gespräche und werden nach unserer Rückkehr bestimmt einiges zu erzählen haben!
Unseren treuen Blog-Lesern wünschen wir eine gute, gesegnete neue Woche - hier und da einige "Licht-blicke" mitten im November-Grau
Sr. M. Ursula & Co.

Freitag, 13. November 2009

Die Armut einer Leseratte

Schon von Kindesbeinen kann ich mir nichts Schöneres vorstellen als zu lesen. Und das hat sich natürlich auch hier im Kloster nicht geändert. Dabei habe ich aber zwei Entdeckungen gemacht: Fragten mich vor kurzem noch Freunde, wie ich denn an Lesestoff komme, so muss ich feststellen, dass ich eigentlich nie unversorgt bin. Einmal bekam ich aus heiterem Himmel ein Buch geschickt, von zu Hause habe ich etwas mitgebracht, ich leihe mir Bücher von Leuten, die mich besuchen kommen und meine Mitschwestern versorgen mich immer wieder auch mit Büchern - so lese ich gerade "Die Kathedrale des Meeres". Von daher ist alles prima. Denn neben der "Trivialliteratur" gibt es ja auch noch das ein oder andere Schmankerl über das Ordensleben, die Gelübde, Theologie allgemein usw. zu lesen.
Die andere Entdeckung geht da schon in eine andere Richtung und spricht eher die Armut an: Besonders in den letzten Tagen musste ich entdecken, dass ich wirklich gerne abends im Bett lese und dann auch nur ungern eine Ende finde. Ich könnte locker noch länger lesen, wenn ich dann spätestens um 23 Uhr das Licht lösche. Eigentlich sollte ich aber besser schon früher aufhören, denn ich merke deutlich, dass diese Uhrzeit bei unserem morgendlichen Programm eindeutig zu spät ist und ich mich z.B. heute so durch den Tag schleppe - nicht alles läßt sich mit beginnendem Winterschlaf entschuldigen.
Und da kommt die Armut ins Spiel. Habe ich doch dieser Tage gelesen, dass Armut auch bedeutet, eigene Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren. Für mich heißt das wohl, die geliebten Bücher früher auf die Seite zu legen - schließlich läuft der Inhalt nicht weg, und mal eher zu schlummern, damit mich der Schlaf nicht plötzlich tagsüber hinterrücks übermannt. Da hilft auch kein Schielen auf die, die mit gefühlten drei Sekunden Schlaf pro Nacht leben können.
Sr. Kerstin-Marie

Dienstag, 10. November 2009

Das aktuelle Blogstudio

Kaum sind die Münder abgewischt, da steht es schon hier im Blog: Bekanntlich muss man die Feste feiern, wie sie fallen, und so haben wir es uns auch nicht nehmen lassen, heute, am Vorabend von St. Martin, mit allen zusammen ein bisschen zu feiern und zu teilen.
Nach einem kleinen Impuls von Sr. Maria, in dem sie uns noch einmal in Erinnerung gerufen hat, dass Martin nicht nur seinen Mantel teilte, sondern noch viel mehr tat und war, kamen dann die Kinder vom Kindergarten, um uns mit ihren Rübenlaternen schweizer Martinslieder zu singen. Allerdings muss dabei angemerkt werden, dass es keinen Martin hoch zu Ross im Zug gab und dass die Lieder auch eher "Laternenlieder" waren. Schön war es trotzdem.
Danach setzten wir den Abend mit der ganzen Hausgemeinschaft inklusive unserer Gäste bei einem gepflegten Raclette fort, wozu es verschiedene Sorten Raclettekäse gab: Weisswein, Paprika, Knoblauch, Pfeffer, Speck,... Da blieb kein Auge trocken und kein Magen leer und Sr. Friedgardis war von vorne bis hinten im Glück, vor allem, als sie ihr persönliches Highlight zelebrierte: eine Scheibe Brot mit Schinken und geschmolzenen Käse. Nach ihrer Ansicht war das damit der schönste Abend im ganzen Jahr. Aber für uns andere war es auch wirklich schön und manche wussten vor lauter Glück (und vielleicht auch wegen des Schnäppschens am Ende des Abends) nicht mehr so ganz genau, wo nochmal ihr Zimmer war.
Damit haben wir den winterlichen Festreigen eröffnet und freuen uns nun auf Samichlaus, Weihnachten, Silvester usw. Wie schön, dass es den Winter gibt, denn wenn es abends früh dunkel wird, dann wird es ja erst so richtig gemütlich, wenn alle zusammen sitzen.
Sr. Kerstin-Marie

Sonntag, 8. November 2009

Volles Haus

Nachdem wir in der vorletzten Woche mit sieben Schwestern ein eher kleiner Konvent waren, hatten wir in der vergangenen Woche etwas Zuwachs: Nicht nur, dass Sr. Scholastika und Sr. Maria aus dem Mutterhaus heim gekehrt sind, sondern wir hatten auch noch Besuch von Elli und Lea, die uns und unseren Konvent kennenlernen wollten. So war auf einmal unser Chorgebet wieder ganz ordentlich gefüllt und wurde sängerisch tiptop unterstützt und im Refektorium war es auch etwas enger, dafür auch ziemlich gemütlich.
Elli und Lea nutzten auch jede Gelegenheit, um unser Konventsleben in all seinen Facetten kennen zu lernen: So z.B. beim Spülen am Morgen und Abend, wo wir sie nun eindeutig vermissen ;-), aber auch vielen anderen kleinen Handgriffen. Sehr dankbar sind wir für das Durchsehen unserer Liedhefte, das Zusammenlegen der Flyer und natürlich dafür, dass die beiden überhaupt bei uns waren und eine Woche so mit uns gelebt haben. Mir macht es immer viel Freude, wenn Menschen, die an uns und unserem Leben mit Christus interessiert sind und sich gleichzeitig selber einbringen. Ich empfinde es immer auch so, dass wir die Gelegenheit haben wahrzunehmen, wie wir als Schwestern und als Konvent eigentlich auf andere wirken. Schön, wenn am Ende eine positive Rückmeldung steht, wenn nicht, müssen wir uns und unser Zusammenleben wohl noch einmal überprüfen. Für dieses Mal haben wir aber Glück gehabt.
So wünschen wir Euch, Elli und Lea, alles Gute und Gottes Segen auf Eurem Weg und würden uns freuen, wenn wir uns eines Tages irgendwo einmal wiedersehen.
Sr. Kerstin-Marie

Freitag, 6. November 2009

Die herrliche Unvernunft der Liebe

Evangelium vom 32. Sonntag im Jahreskreis
Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel. Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein. Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.
(Mk 12, 41-44)
Es gibt Begegnungen, bei denen bin ich mir sicher, dass ich sie mein ganzes Leben lang nicht vergessen werde. Es war noch vor meinem Ordenseintritt, als ich in meiner Heimatpfarrei regelmäßig Anfang Dezember mit einer Spendendose in der Hand durch die Straßen zog und an den Haustüren für die Caritas sammelte. Meistens gaben die Leute 1 oder 2 Euro, ab und an einen 5- oder 10-Euro-Schein, in seltenen Glückfällen zückten sie auch mal eine 20 Euro Note aus dem Geldbeutel hervor. Einmal klingelte ich bei einer alten Frau, von der ich wusste, dass sie selbst so wenig zum Leben hatte, dass man ihr eher etwas aus dem Spendentopf hätte geben müssen, als sie um eine Spende zu bitten. Aber ich klingelte trotzdem – und wurde bereits von ihr erwartet. Mit größter Selbstverständlichkeit streckte sie mir einen 50 Euro Schein entgegen. Ich war natürlich total baff und fragte, ob ihr noch etwas rausgeben solle, woraufhin sie mich anlachte und meinte: „Nein, nein, ist gut so!“. Das Strahlen in ihren Augen, als sie das sagte, hat sich mir ganz tief eingeprägt, und ich war von dieser Szene so dermaßen angerührt, das kann man keinem Menschen erzählen. Ich wurde an diesem Tag noch einige Male angepflaumt und bekam die Tür vor der Nase zugemacht, aber das machte mir alles nichts mehr aus. Ich schwebte 2cm über dem Boden durch die Straßen, weil es mich einfach so glücklich machte, solch einen Menschen in meiner Nachbarschaft wohnen zu haben.
Und jedes Mal, wenn ich das heutige Sonntagsevangelium höre, sehe ich ihr strahlendes Gesicht wieder vor mir. Genau wie die Witwe, von der dort erzählt wird, so hat auch sie damals weit mehr gegeben, als sie sich eigentlich „leisten“ konnte.
Aber – so kann man ja wirklich zu Recht einwenden – ist ein solches Handeln nicht vollkommen verrückt? Die zwei kleinen Münzen, die 50 Euro, was ändern die schon an der Not der Zeit? Sollten diese armen Menschen nicht besser erstmal für sich selbst schauen, um nicht am Ende noch anderen auf der Tasche zu liegen?
Ach Gott, es kann sein, dass ich da hoffnungslos romantisch veranlagt bin, aber ich finde, wenn es etwas gibt, was unser Leben hier auf der Erde schön macht, dann ist es diese herrliche, grenzenlose „Unvernunft der Liebe“. Wo wahre Liebe im Herzen lebendig ist, da hört jede Form von Berechnung auf. Da fragt man nicht mehr „Was kann ich schon ausrichten?“ oder „Was bringt’s?“ Da gibt man auf einmal ganz ohne Angst vor den Konsequenzen ALLES, und das Schönste ist, dass diese Ganz-Hin-Gabe noch nicht einmal als Opfer empfunden wird, sondern den Gebenden genauso froh macht wie den Empfangenden. Das gilt für die Liebe zwischen uns Menschen, aber genauso auch für die Liebe zu Gott. Ich kann mir vorstellen, dass Jesus seine helle Freude hatte, als er diese arme Witwe im Tempel beobachtete. Und ich bin dankbar, dass uns diese zarte Liebesgeschichte im Markusevangelium überliefert ist und uns auch nach 2000 Jahren sanft, aber sehr bestimmt zeigt, was in Gottes Augen in dieser Welt wirklich groß ist.
Ein schönes Wochenende wünscht
Sr. M. Ursula

„Man kann, ohne zu lügen, dem Herrn immer ALLES anbieten. Doch jedes Mal, wenn man den Herrn wieder tiefer kennen gelernt hat, verwandelt sich dieses ALLES im Sinne eines MEHR, das aber nicht in den Überblick des Menschen gelegt ist, sondern ganz im Geheimnis des Herrn versiegelt bleibt.“
(Adrienne v. Speyr)

Mittwoch, 4. November 2009

Reisesegen

Also manche alte Traditionen sind doch einfach schön. Da unsere bolivianischen Mitschwestern Hna. Maria Martha und Hna. M. Josefine zusammen mit Schw. M. Christa heute abend die beschwerliche Heimreise nach Bolivien antreten, empfingen sie eben nach der Messe von Pater Michael den Reisesegen.
Aber nicht nur vor solch großen Reisen, sondern auch, wenn wir beispielsweise in Ferien oder zu Tagungen aufbrechen, ist es bei uns im Kloster Brauch, dass uns unsere Priorin vor der Abfahrt segnet. Ich persönlich kann mit diesem Zeichen sehr viel anfangen und merke immer, dass ich mich dann ganz anders gestimmt auf den Weg mache.
Vor der Abfahrt geht es ja meistens ziemlich stressig zu, man muss an Vieles denken und oft gibt es noch eine Menge zu regeln – da kommt mir dieser Moment des Gesegnet-Werdens immer vor, als würde für einen kurzen Augenblick die Zeit stehen bleiben. Nur für eine Minute alles stehen und liegen lassen, innehalten und mich ganz bewusst unter den Schutz Gottes stellen. Mich segnen lassen und dann aufbrechen in dem Bewusstsein, dass ER – egal was mir auch zustoßen mag – an meiner Seite geht…
Diese Gewissheit möge nun auch unsere drei Reisenden begleiten, von Herzen wünsche ich ihnen einen guten Flug und frohes Ankommen in Bolivien!
Sr. M. Ursula

Gott, du hast deinen Knecht Abraham auf allen Wegen unversehrt behütet. Du hast die Söhne Israels auf trockenem Pfad mitten durch das Meer geführt. Durch den Stern hast du den Weisen aus dem Morgenland den Weg zu Christus gezeigt. Geleite auch unsere Mitschwestern auf ihrer Reise. Lass sie deine Gegenwart erfahren, mehre ihren Glauben, stärke ihre Hoffnung und erneuere ihre Liebe. Schütze sie vor allen Gefahren und bewahre sie vor jedem Unfall. Führe sie glücklich ans Ziel unserer Fahrt und lass sie wieder unversehrt nach Hause zurückkehren. Gewähre ihnen schließlich, dass sie sicher das Ziel ihrer irdischen Pilgerfahrt erreichen und das ewige Heil erlangen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

So ein schöner Regenbogen

Der Herbst kommt unerbittlich in die Schweiz und eigentlich hätte ich gut und gerne noch 3 bis 12 Monate Sommer vertragen, aber es ist ja nun einmal nicht zu ändern und bringt auch ziemlich schöne Seiten mit sich:
Zum einen heute morgen, als ich um kurz vor sechs in die Kapelle wankte, da war es ja noch dunkel und es regnete ganz ordentlich. Ich fühlte mich direkt erinnert an einen Sommer in Taizé, als es am Samstag Abend beim Abendgebet ein ordentliches Gewitter gab. Aber wir saßen in der großen Kirche mit den festen Mauern und haben die schönen Gesänge gesungen mit ganz vielen anderen Menschen zusammen. Da kommt gleich ein besonderes Gefühl dafür auf, was es heißt, wenn der Psalmist betet: "Er beschirmt mich im Schutz seines Zeltes." (Ps 27, 5) Daran erinnerte ich mich heute morgen, auch wenn ich weiß, dass unsere Kapelle keinen völlig ausreichenden Schutz bietet, regnet es doch auch schonmal rein, wenn die Wassermassen nur so vom Himmel fallen.
Und nach der Messe wurde uns dann ein wunderschöner Regenbogen geboten, der einen ganzen Bogen beschrieb. Wirklich schön anzusehen, da nehme ich auch jeden Herbst in Kauf, wenn es dann so beeindruckende Bilder zu sehen gibt. Ausserdem ist ja der Regenbogen das Bundeszeichen Gottes, mit dem er Noah versprach, dass eine Sintflut nicht mehr vorkommen wird. Wie gut können wir zur Zeit so ein Bundeszeichen gebrauchen, haben wir ja nun eine wunderbare neue Leitung, gehen aber trotzdem noch mit einigen offenen Fragen in die Zukunft. Da ist es doch wirklich gut zu wissen, dass Gott treu und an unserer Seite ist.
Sr. Kerstin-Marie