Samstag, 31. Oktober 2009

Das Reich Gottes ist mitten unter euch

...unter diesen Leitvers war das außerordentliche Generalkapitel unserer Kongregation gestellt, das nach dem Tod unserer ehemaligen Generalpriorin Schw. M. Emanuela einberufen worden war.
Wie schon beim vergangenen Kapitel, so begleitete uns auch diesmal der Theologe Dr. Georg Beirer durch die Tage. Gleich bei der Eröffnung am Montag gab er uns einen Impuls, der mir seitdem sehr nachgeht. Er verortete dieses Jesus-Zitat aus dem Lukas-Evangelium nämlich in einer Krise, die uns im Alten Testament überliefert ist. Im Buch Jeremia und bei Deuterojesaja wird uns von einer vernichtenden, niederschlagenden Erfahrung des Volkes Israel berichtet: Jerusalem war erobert, die Bundeslade verschollen, der siebenarmige Leuchter eingeschmolzen. Das in die babylonische Gefangenschaft verschleppte Volk war damit nicht nur seiner politischen, sondern vor allem auch seiner geistlichen Mitte beraubt. Es schien, als sei Gott, der ja im Tempel wohnte, nicht mehr mit dem Volk zu sein. Doch genau in dieser verheerenden, scheinbar hoffnungslosen Situation machte das Volk des Alten Bundes eine Erfahrung, die auch unser Christsein bis heute bestimmt: Es erkannte: Gott wohnt nicht im Tempel, Gott wohnt nicht in der Bundeslade, sondern unser Gott ist ein Gott, der mit seinem Volk unterwegs ist. Mit anderen Worten: da wo das Volk ist, ist Gott und nicht an irgendeinem geheimnisvollen Ort. Genau das ist es, was Jesus meinte, wenn er sagte: "Man kann nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch." (Lk 17, 20-21)
Unser Gott, Er ist der, der selbst in der Zerstreuung bei uns ist. "Von daher gibt es keinen Moment mehr in unserem Leben, in dem Gott nicht bei uns wäre. Es gibt keine noch so aussichtslose Situation mehr, in der Gott nicht der ist, der mit uns geht. Gott ist da,wo wir sind.“, so drückte es Dr. Beirer zugespitzt aus. Und diese tiefe Erkenntnis war es, die dem Volk Israel neuen Mut gab, mitten in der Verbannung, in der Diaspora, seinen Glauben zu leben.
Mich hat es zutiefst berührt, wie gut sich diese Situation des Volkes Israel auf die heutige Situation unserer Ordensgemeinschaften, aber auch der Gesamtkirche übertragen lässt. Die tröstende Erfahrung, dass Gott immer dort ist, wo wir sind, dass ER mit uns unterwegs ist, genau sie ist es, die uns doch immer wieder aufbrechen lässt, und seien die äußeren Begleit-Umstände noch so bedrohlich.
In dieser Gewissheit brauchen wir auch nicht die Augen zu verschließen vor der unsagbaren Not unserer Zeit. Wer das Elend so vieler Menschen aus dem Blick verliert, wer nicht leidet unter der Spannung zwischen dem, was ist und dem, was möglich wäre, der verliert die ganze Spannkraft seiner christlichen Existenz.
Nein, wir sollen nicht darauf warten, dass die Zustände irgendwann einmal „von selbst“ besser werden oder den „guten alten Zeiten“ nachtrauern, sondern JETZT ist der Kairos, jetzt ist die Zeit, in der wir als (Ordens-)Christen gefragt sind, jetzt haben wir unseren Glauben zu leben, und zwar unabhängig von unseren Kräften und unserem Alter. Dort, wo wir hingestellt sind, mit diesem Gott an der Seite, der uns näher ist, als wir es für möglich halten…
Für mich war es ein großes Geschenk, dass ich als Vertreterin der OP-Jugend beim Generalkapitel dabei sein durfte. Die Tage waren in jeder Hinsicht bewegt und geisterfüllt, und inmitten unserer Armut entdeckten wir einen Reichtum, der uns alle zum Staunen brachte.
Mir persönlich wurden wieder einmal ganz neue Dimensionen des Ordenslebens eröffnet, und so ich bin einfach nur glücklich und dankbar, in dieser Lebensform mit dieser Gemeinschaft unterwegs sein zu dürfen.
Sr. M. Ursula

Freitag, 30. Oktober 2009

Die schöne Schweiz

Die durften Corinna, Jenny und ich am letzten Donnerstag von oben bewundern, nämlich von der Rigi aus. Der Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters hatte uns eingeladen, ihn in seinen Ferien dort zu besuchen und diese Einladung nahmen wir natürlich gerne an.
Nach einem ganz köstlichen Mittagessen, gekocht vom Weihbischof persönlich, liessen wir es uns dann auch nicht nehmen, den Gipfel des Berges - Kulm - zu besteigen und hatten wettertechnisch gesehen wirklich Glück. Hatte es am Vormittag noch eher diesig ausgesehen, so wurde es von Minute zu Minute schöner und wir konnten immer mehr Berge und sogar bis nach Deutschland sehen. Dann wurde es sogar so sonnig, dass wir eine Weile auf dem Gipfel verweilen und in der Sonne sitzen konnten.
Nach einem leckeren Stück Kuchen feierten wir dann noch am Abend die Messe in Kaltbad, der der Weihbischof vorstand.
Auf der Rückfahrt mit der Rigi-Bahn hatten wir das Glück, mit einer Reisegruppe zu fahren, denn für die wurde extra das Licht in der Bahn ausgeschaltet, damit wir die Sterne und die Lichter auf und über dem Vierwaldstätter See bewundern konnten.
So war es ein ganz herrlicher Tag, über den wir uns sehr gefreut und den wir sehr genossen haben. Vielen Dank auch noch einmal an Weihbischof Jörg Michael Peters, der uns zu diesem Tag eingeladen hat. Andernfalls wären wir wahrscheinlich nicht so bald auf die Rigi gekommen und hätten so wirklich etwas verpasst, ist es doch faszinierend zu sehen, wie all die Berge da sind, wie die Seen dazwischen liegen und wie sich die Wolken zwischen den Bergen durchschieben.
Eine Frage blieb uns allerdings am Ende des Tages noch: Warum wohnt man denn an und auf diesem Berg, auf den man nur mit einer Zahnradbahn oder einer Seilbahn kommt? Die Antwort lieferten dann Sr. Ida und Sr. Silvia aus Ilanz, die beide von der Rigi kommen und es nicht anders kennen. Sr. Ida sagte sogar, dass die Zeit auf der Alm die schönste für sie und ihre Familie waren und sie heute noch davon schwärmen. Naja, so ist wohl jeder anders...
Sr. Kerstin-Marie

Dienstag, 27. Oktober 2009

Generalpriorin

Eigentlich bin ich ja viel zu müde und kaputt, um noch etwas Vernünfti-ges von mir zu geben, aber nachdem in den letzten Tagen soo viele Menschen mit uns gefiebert und für uns gebetet haben, muss ich doch noch schnell etwas zu DEM Ereignis des heutigen Tages schreiben:
Heute morgen hat das XXII. Generalkapitel der Arenberger Dominikanerinnen unsere liebe Novizenmeisterin und Priorin Schwester M. Scholastika zur XI. Generalpriorin unserer Kongregation gewählt.
Vor der Wahl feierten wir zunächst mit Weihbischof Jörg Michael Peters eine Votivmesse zum Heiligen Geist, denn Er sollte natürlich in den Herzen der Kapitularinnen freie Bahn bekommen :-)
Um 10:15 Uhr wurde es dann ernst, und während sich die Delegierten in den Kapitelssaal zurückzogen, ging ich in den Schwesternchor, um dort noch ein bißchen still zu beten. Zusammen mit mir hatten sich dort auch einige andere Schwestern versammelt; die Atmosphäre in diesem "geschützten Raum", die so sehr geprägt war von froher Erwartung, hat mich sehr berührt. Wir mussten nicht lange warten, denn bereits gute 20 Minuten später wurde die Hausglocke geläutet, die Kapitularinnen zogen in die Kapelle ein und der Weihbischof stellte uns unsere neue Generalpriorin vor - die Freude, die dabei in unserer Mitte spürbar wurde, kann ich gar nicht in Worte fassen - Gänsehaut pur!
Bemerkenswert ist, dass Sr. M. Scholastika nun nach unserer Gründerin Mutter M. Cherubine Willimann schon die zweite Generalpriorin unserer Kongregation ist, die aus dem Schweizer Dörfchen Rickenbach stammt, was ich ja schon ganz schön verrückt finde....
Heute nachmittag ging dann der "Wahlmarathon" weiter, denn es stand noch die Wahl der vier Ordensrat-Schwestern an, die die Generalpriorin bei ihrer Arbeit unterstützen und mit ihr zusammen wichtige Entscheidungen treffen können. Und auch da ist mit Sr. M. Veneranda als Generalvikarin, Sr. M. Beatrix, Sr. M. Stephana und Sr. Maria eine richtig starke Truppe zusammengekommen - wir können uns also wirklich freuen!!
Auch ich bin nun schon ganz gespannt auf die neuen Wege, die jetzt zu gehen sind und sage unserem guten Gott am Abend des heutigen Tages noch einmal extra danke für unsere neue Ordensleitung und unsere Gemeinschaft, die zwar vielleicht alt, aber trotzdem noch so lebendig ist.
Sr. M. Ursula

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen.

Ja, heute war oder ist ein grosser Tag für uns alle.
Und auch wenn im Mutterhaus heute eine Entscheidung getroffen wurde, die uns in Rickenbach nur zur Hälfte glücklich macht, so ist doch gleichzeitig zu spüren, dass wir nicht nur auf uns gucken, sondern das grössere Ganze im Blick haben. Und so haben wir nach der Nachricht heute Mittag zwar erst ein bisschen bedröppelt geschaut, dann aber trotzdem das Te Deum angestimmt und waren beim Kaffee und erst recht beim Abendessen, bei dem es zur Feier des Tages sogar Wein gab, schon ziemlich ausgelassen und fröhlich. So wurden schon Pläne für die Zukunft geschmiedet und die Frage erörtert, wie viele Leute wohl mit einem Gruppenticket nach Oberhausen reisen können und wann denn dann die grosse Rickenbach-Party dort gefeiert wird und ob man dazu auch die Generalpriorin einladen könnte bzw. wer wir Ferien machen müsste, damit sich alle in Oberhausen treffen können und wer dann dort welche Aufgabe übernehmen soll.
Ach nee, was haben wir es doch schön. Wie schön auch, dass es uns möglich ist, nicht im "Elend" zu verharren, sondern nach vorne zu schauen, Pläne zu schmieden und sich damit anzufreunden, was jetzt gegeben ist. Vielleicht hat das damit zu tun, sich einfach in Gott zu geben. Er ist ja da, egal, wo wir sind. So müssen wir uns gar nicht so unendlich viele Gedanken machen, sondern werden sehen, wie es kommt.
Was auch immer kommen mag, ich freue mich darauf und bin ganz gespannt.
Jetzt müssen wir noch ein bisschen feiern...
Sr. Kerstin-Marie

Sonntag, 25. Oktober 2009

Gast-Freundschaft

Unter diesem Titel stand das gestrige Treffen der Familia Dominicana in Ilanz. Eingeladen waren alle dominikanischen Menschen der Schweiz, z.T. kamen auch Schwestern aus Konstanz und dominikanische Laien aus Österreich.
Von uns waren Sr. Luciana und ich, Sr. Kerstin-Marie, mit von der Partie, auch wenn die zwei Stunden Fahrt für die Schweiz eine weite Reise waren, aber Ilanz ist eben immer eine Reise wert. Und nicht nur Ilanz, sondern auch das Zusammentreffen mit vielen Schwestern und einigen Brüdern war ganz wunderbar. Inzwischen kenne ich ja auch schon die ein oder andere Schwester aus anderen Kongregationen und es ist immer wieder toll, andere Schwestern und Brüder kennen zu lernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Da merke ich, dass wir tatsächlich alle in einem Geist unterwegs sind. In diesem Geist waren wir gestern Vormittag auch in verschiedenen Kleingruppen zusammen. Grundlage für die Arbeit war der Text Jordan von Sachsens über Dominikus, der auf seiner Reise nach Skandinavien in einem Gasthaus Station macht und dort mit dem Gastwirt, der ein Katharer war, ins Gespräch kam. Mitten in der Nacht sprach er so lange mit diesem Mann, bis dieser erkannt hatte, wer Christus wirklich ist und dass er das Heil für uns will.
Anhand dieser Situation, dass Dominikus voller Mitleid für die war, denen er begegnete, den zutiefst enttäuschten Menschen, dass er in dieser Nacht und in dieser Stadt mit ihnen sprach, schauten wir auf verschiedene Aspekte des Lebens und überlegten, wo es in diesen Bezügen enttäuschte Menschen gibt, denen wir mit Glut und Eifer begegnen können und müssen, denen wir jetzt und hier die Frohe Botschaft verkünden wollen. Stichworte für diese Gruppen waren z.B. Gemeinschaft-Familie, Orden, Erde, Kulturen, Ortskirche-Weltkirche und Religionen. Leider war die Zeit natürlich viel zu kurz, um sich in das jeweilige Thema zu vertiefen, aber es war spannend, mit den Schwestern und Brüdern ins Gespräch zu kommen und die ein oder andere Anregung mitzunehmen.
Eine weitere Art der Gastfreundschaft durfte ich heute erleben, als ich Sr. Maria-Ancilla in Wil abholte, wo sie Exerzitien gemacht hatte. Sofort wurde ich sehr herzlich begrüsst, obwohl ich vorher noch nie in Wil gewesen war. Es gab eine kleine Führung durchs Haus, Kaffee und Kekse und die Akkorde für das Stundengebet am Sonntag. Wie nichts machte sich eine ganz schöne und herzliche Atmosphäre breit, so dass ich ohne weiteres noch länger hätte bleiben mögen. Aber natürlich mussten wir ja auch mal die Rückreise antreten.
Auf jeden Fall sind all diese Begegnungen mit den Schwestern und Brüder sehr beeindruckend, da denke ich auch an unsere Studienwoche in Speyer, als wir die Mitbrüder im Noviziat besuchten, in St. Magdalena und im Institut waren. Sofort ist eine Herzlichkeit und Verbundenheit da, die sich gar nicht so "herstellen" lässt. Hier weht wohl einfach der Geist.
Also freue ich mich auf viele weitere Begegnungen.
Sr. Kerstin-Marie

Donnerstag, 22. Oktober 2009

90 Jahre und ganz schön weise

Es gibt Menschen, denen braucht man nur ins Gesicht zu schauen, und schon geht die Sonne auf; in diese Kategorie ist eindeutig unsere liebe Schwester Maria Jucunda einzuordnen. Für mich ist es ein großes Geschenk, dass wir uns beim Frühstück fast täglich gegenüber sitzen - einmal angelächelt, und schon ist die gute Laune perfekt ;-)
Heute feiert die Gute nun ihren sage und schreibe 90. Geburtstag, was wir alle, einschließlich sie selbst (O-Ton: "ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so alt werden würde"), nicht so ganz glauben können.
In dankbarer Freude feiern wir mit ihr und wünschen ihr Gottes reichen Segen, die Erfahrung seiner liebenden Gegenwart auf ihrem weiteren Lebensweg.
Sr. M. Ursula

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Dominikanische Spiritualität

Nun noch ein später Nachtrag zu unserer Studienwoche im schönen Ilanz: Da wir uns ja nicht nur mit Meister Eckhart beschäftigt haben, sondern auch mit unserer dominikanischen Spiritualität, sollt Ihr auch davon etwas lesen können.
Sicher gehört zu uns auch der Rosenkranz, den wir jeden Tag beten und so erfüllten wir an einem Nachmittag alle Klischees, die es wohl über Schwestern gibt: Wir saßen da und knüpften einfach mal selber einen Rosenkranz... Aber das sollte ja nicht alles sein und so wurde in diesen Tagen klar:
Dominikanische Spiritualität ist nichts abgeschlossenes, weil sie mit jeder von uns neu und anders gelebt wird. Trotzdem gibt es Punkte, die uns verbinden, die die Art und Weise, Dominikanerin zu sein, ausmachen. Und dazu gehört auf jeden Fall die Suche nach der Wahrheit. Edward Schillebeeckx sagt sogar, dass die Suche nach der dominikanischen Wahrheit so wichtig ist, dass man unter Umständen die Gemeinschaft verlassen muss, um seiner Profess treu zu bleiben. Es kann also nicht darum gehen, sich einzurichten, etwas zu tun, nur, weil es so schön ist oder weil wir es doch immer schon so gemacht haben.
Nein, vielmehr müssen wir beständig auf der Suche sein danach, wie wir heute das Wort Gottes den Menschen verkünden können. Wir müssen immerzu darüber nachdenken, wie Dominikus heute zu den Menschen gegangen wäre, was er heute getan hätte, wie er heute die Nachfolge Jesus Christi leben würde.
Mir gefällt daran, dass wir, wenn wir so auf der Suche bleiben, niemals einrosten. Dass wir immer neu überprüfen müssen, was wir eigentlich gerade tun und warum wir es tun. Immer wieder neu sind wir somit aufgefordert zu schauen, was jetzt dran ist, wie wir jetzt mit und für die Menschen leben können. Das ist nicht eintönig, das bleibt nicht gleich, sondern für mich bedeutet es Bewegung und Leben. Auf dieses Leben freue ich mich und bin gespannt, was wir noch alles in Angriff nehmen werden.
Sr. Kerstin-Marie

Montag, 19. Oktober 2009

Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen,...

um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen...
So hiess es gestern am Schluss des Evangeliums. Mich fasziniert daran, und das irgendwie immer wieder neu, dass Gott ein Gott ist, der sich für nix zu schade ist. Der bleibt nicht wie die griechischen Götter auf dem Olymp und kommt nur mal herunter, um mit den Menschen seine Spielchen zu treiben. Vielmehr wird Gott selber Mensch unter den erbärmlichsten Umständen, die man sich so vorstellen kann. Und die Geschichte geht in dem gleichen Ton weiter: Jesus als wahrer Gott und wahrer Mensch ist kein Übermensch, keiner, der sich für etwas besseres hält. Selbst wenn die Jünger sich streiten und zanken und wenn sie gar nicht raffen wollen, wovon er die ganze Zeit redet, bleibt er geduldig und macht verständlich, was sie nicht verstehen. Und so sagt Jesus, dass er nicht da ist, um sich bedienen zu lassen, sondern dient selber.
Gott kommt also selber immer wieder auf mich zu und reicht mir quasi wie auf einem silbernen Tablett all die guten Dinge, die er für mich bereit hält. Ich muss nur noch selber zugreifen. Das finde ich wahnsinnig zuvorkommend, so als ob jemand mir meine Wünsche von den Augen ablesen würde. Scheint ja fast eine verkehrte Welt zu sein, Gott, der mir etwas anbietet, der für mich da ist, zu meinem Wohl. Er, der all die Köstlichkeiten dieses Lebens für mich bereit hält. Ich muss dann einfach nur noch ja sagen und zugreifen - mehr nicht.
Sr. Kerstin-Marie

Sonntag, 18. Oktober 2009

Aller Anfang ist schwer...

...und das wissen auch unsere Schwestern nur zu gut, denn im Kloster passiert es relativ oft, dass man plötzlich in Aufgaben gerufen wird, die man sich vorher selbst gar nicht zugetraut hätte. So ging es mir vor einigen Monaten, als ich von heute auf morgen im Mutterhaus ins Team der Kantorinnen aufgenommen wurde. Ich kann mir zwar relativ gut Melodien merken und auch einigermaßen vom Blatt singen, aber ich muss sagen, dass mir gerade in der Anfangszeit beim Vorsingen mir unbekannter Antiphonen manchmal das Herz bis zum Halse schlug. Vor lauter Panik habe ich mir angewöhnt, kurz vor dem Singen immer noch ein „Extra-Stoßgebet“ in den Himmel zu schicken, was meinen Blutdruck meist binnen Sekunden wieder auf normale Werte bringt - Not lehrt beten ;-) Mit einigen wertvollen Tipps unserer „alten Häsinnen" geht es nun immer besser, inzwischen kann ich alle Psalmtöne auswendig, wodurch sich mir auch die Melodien der Antiphonen schneller erschließen; ich kann mich also im Chorgebet wieder voll und ganz aufs Wesentliche konzentrieren und nebenbei macht mir die neue Aufgabe auch richtig Freude.
Heute abend war ich nun äußerst amüsiert, als mir Sr. M. Hadumuth, eine unserer langjährigen, inzwischen leider „pensionierten“ Kantorinnen ein uraltes Gebetszettelchen zusteckte. Sie selbst hatte es vor zig Jahren von der damaligen Hauptkantorin bekommen, mit dem handgeschriebenen Vermerk:

„Auch dieses „alte“ Zettelchen ist beachtenswert und könnte Ihnen, liebe Schwester Hadumuth Freude machen und nutzen!“
Ihre alte Sr. M. Cäcilia

Neben einigen wertvollen Praxis-Tipps, die im Laufe der Jahre immer noch nicht an Aktualität verloren haben, fanden sich auf der Rückseite zwei Gebete – eines für „vor dem Gesang“ und eines für „nach dem Gesang“. Darunter noch der kleine, sehr wichtige Vermerk: „Alle Gebete sind kirchlich gutgeheißen. Preis per Stück 2 Heller.“
Aha! - dachte ich, es wird den Kantorinnen früherer Zeiten also auch nicht anders ergangen sein als unsereins ;-) Auf jeden Fall werde ich dieses kostbare Zettelchen natürlich in Ehren halten und – wer weiß? – vielleicht freut sich in 40 Jahren eine junge Schwester genauso darüber wie ich mich heute…
Sr. M. Ursula

Samstag, 17. Oktober 2009

Bei euch aber soll es nicht so sein

Evangelium vom 29. Sonntag im Jahreskreis
Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, traten zu Jesus und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. Er antwortete: Was soll ich für euch tun? Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen. Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde? Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind. Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.
(Mk 10, 35-45)

Es sind bestimmt schon 15 Jahre her, da bekam ich einmal von unserer damaligen Gemeindereferentin im Vorbeigehen eine Postkarte zugesteckt. Auf der Rückseite stand irgendeine kurze Information, an die ich mich gar nicht erinnern kann, aber die Vorderseite traf mich mitten ins Herz. „Bei euch aber soll es nicht so sein“ stand da in einem schönen Schriftzug. Und von diesem einen Satz aus dem Markus-Evangelium fühlte ich mich so sehr angesprochen, dass ich mir die Karte aufhob und jahrelang in meinem Kalender mit mir trug, bis sie irgendwann wirklich unansehnlich geworden war. Als ich mich gestern abend mit dem Sonntagsevangelium auseinander setzte, da kam mir natürlich sofort auch diese Karte wieder in den Sinn.
Es gibt wenig Schriftstellen, die mich über lange Zeit so begleitet haben und immer noch begleiten wie dieser eine Satz „bei Euch aber soll es nicht so sein“. Die Situation, die uns vorweg im Markusevangelium geschildert wird, ist ja mal wieder urmenschlich. Jakobus und Johannes treten ganz offen mit der Bitte an Jesus heran, in seinem Reich rechts und links von ihm sitzen zu dürfen. Dass die anderen Jünger sich so sehr über diese Bitte aufregen, zeigt ja nur, dass sie im Grunde denselben Wunsch hatten, aber nur zu feige waren, ihn auszusprechen. Besser sind sie also auch nicht. Und sind wir mal ehrlich: besser sind wir doch im Grunde auch nicht ;-) Als die Jünger-Bande sich daraufhin wohl so richtig „in die Haare“ kriegt, da ruft Jesus sie zu sich und macht ihnen ganz ruhig und unmissverständlich klar, worauf es im Reich Gottes wirklich ankommt…
Dieser Satz „bei Euch aber soll es nicht so sein“ – er kommt mir oft in den Sinn in Situationen, in denen ich mal wieder fürchte, in irgendeiner Weise zu kurz zu kommen, missverstanden oder übergangen zu werden. Ich empfinde ihn manchmal wie eine Trillerpfeife, mit der Jesus mich immer wieder zu sich zurückpfeift, mit der Er mich wieder auf das Wesentliche stupst, auf das, was wirklich ins Leben führt, worauf es wirklich ankommt. Klar sind damit die inneren Kämpfe und Negativ-Gefühle nicht einfach so weggepustet (schön wär's!), aber trotzdem ist innerlich der Ring frei für den Kampf gegen das, was mich am Leben hindert anstatt mich wirklich glücklich zu machen – und eben nicht den Kampf gegen meine Mitmenschen.
Jörg Zink schrieb einmal einen Gedanken zur christlichen Gelassenheit, der zwar schon ziemlich radikal ist, aber doch – wie ich finde - einen echten Weg zum inneren und äußeren Frieden beschreibt:
"Uns ist ein Auftrag gegeben: Wir leben in der Liebe Gottes und sollen sie für andere spürbar machen. Wir sind Saat für das Reich Gottes und für seine Gerechtigkeit. Das ist der Sinn unseres Lebens. Es kann sich also durch uns in dieser Welt etwas ändern. Ich will es noch einmal mit einfachen Worten sagen: Scheue dich nicht, den Kürzeren zu ziehen. Das ist der Weg zur Gerechtigkeit. Lass dir etwas entgehen, so gibst du den Menschen um dich her mehr Leben. Wolle niemals einen Sieg. Das ist der Weg zum Frieden. Wolle nicht Recht haben. Das ist der Weg zur Gemeinschaft mit den Rechthabern. Sorge nie nur für dich selbst. Das ist der Weg zum Glück. Warte nicht für alles auf einen Lohn. Das ist der Weg zur Erfüllung. Versuche nicht, dich zu sichern. So wirst du frei und dein Weg offen sein. Lass dich los, so bekommst du dich selbst in die Hand. Wolle dich nicht selbst verwirklichen. So gewinnst du dich selbst. Niemand steht über dir außer Gott allein. Du kannst also für deine Überzeugung stehen gegen jeden Trend und jede Macht. Liebe und geh an deine Arbeit. Du wirst nicht nach ihrem Sinn fragen müssen.Und so stehen wir wieder auf der Straße und haben ein Leben vor uns, das uns, wie Jesus sagt, glücklich machen wird. Wolle also glücklich sein. Um dies aber zu erreichen, darf dir dein eigenes Glück nicht das einzige Ziel sein, sonst wird es dir immer wieder aus der Hand gleiten. Mühe dich darum, das Glück der Menschen um dich her zu stärken, so wirst du das bleibende Glück finden. Das bleibende Glück ist freilich, wie alles, was dir gelingt, eine Gnade von Gott.
Aus alledem geht hervor, dass es bei der Ethik, die Jesus uns zeigt, weniger um das geht, was wir tun, was wir erreichen, was wir bewirken können, sondern vielmehr um das, was wir lassen können, ohne dabei irgendetwas zu verlieren. Es geht um ein Lassen, das aus der großen Gelassenheit kommt, die eine Frucht des Glaubens ist."
von Jörg Zink, erschienen in Publik-Forum Ausgabe 2/2003
Ein schönes Wochenende wünscht
Sr. M. Ursula

Freitag, 16. Oktober 2009

Herbsterwachen

Ein bißchen verrückt ist das ja schon - letzte Woche haben wir in Ilanz noch bei spätsommerlichen Temperaturen auf der Terrasse gesessen und diese Woche wäre ich bei der Gartenarbeit um ein Haar erfroren. Meine Begeisterung steigerte sich ins Unermessliche, als ich danach völlig unterkühlt zurück in meine Zelle kam und dort arktisches Klima herrschte - ich hatte am Morgen vergessen, die Fenster zu schließen... Nun ja, was uns nicht tötet, härtet uns ab - nach einer heißen Blitzdusche spürte ich Gott sei Dank recht bald, wie nach und nach das Leben in meine Extremitäten zurückkehrte ;-)
Der frühe Frost der vergangenen Nächte und Tageshöchst-temperaturen, die diesen Namen eigentlich gar nicht verdienen, haben uns alle ganz schön überrascht. In der Kräuterei starteten wir die Groß-Aktion "Rettet die Pflanzen": in Windeseile wurde alles, was nicht winterhart ist ausgebuddelt und - umgepflanzt in kleinere Töpfchen - in Sicherheit gebracht, so dass unser Kräutergarten nun fast schon sein "Winteroutfit" angelegt hat.
Obwohl es mir schon ein wenig schwer fällt, mich an die kürzeren Tage, die Dunkelheit und die Kälte zu gewöhnen, irgendwie mag ich diesen Übergang in die "dunkle Jahreszeit" trotzdem.
Frère Roger empfahl einmal, gerade bei garstigem Wetter zu versuchen "jeder Jahreszeit einen Hauch Poesie abzugewinnen...". Das fällt mir - wenn ich mit offenen Augen durch die Natur gehe - auch gar nicht schwer, selbst bei trüber Witterung gibt es doch immer irgendwo etwas Schönes zu entdecken, und sei es "nur" ein bereiftes Spinnennetz...
Sr. M. Ursula
PS: Das Gute an der plötzlichen Kälte ist jedoch, zumindest hier in Rickenbach, dass die Mücken so langsam das Zeitliche segnen und uns nicht mehr stechen können. Es halt doch alles auch seine Vorteile...
Sr. Kerstin-Marie

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Niemals ohne...

Unsere Tage in Ilanz haben mich als junge Novizin eines - naja, neben vielen anderen Inhalten - gelehrt: Als Dominikanerin im weissen Kleid sollte man wirklich niemals ohne Rei in der Tube verreisen! Da ich ja nur zwei weisse Kleider und drei Skapuliere besitze, habe ich natürlich kein Ersatzkleid mit nach Ilanz genommen, ebenso kein Ersatzskapulier. Das rächte sich bereits am Montag Abend, als es Kartoffelgulasch gab und ich die Kartoffel in der Sauce zerquetschen wollte. Da die Kartoffel nicht ganz weich war, sprang sie irgendwie bei Seite und bespritze den Tisch, Sr. Raphaela und mich.
Wie gut, dass Sr. Ursula als Juniorin so weise war und Rei eingepackt hatte. So konnte sie mich gleich einweisen in die Kunst, Flecken auszuwaschen, so dass sie wirklich weg sind und ohne dass alles verknittert. Meinen Kragen hatte ich nämlich nicht ausgewaschen und der hat in der normalen Wäsche Flecken zurück behalten...
Alles also gar nicht so einfach, aber es ist mal klar, dass ich zur nächsten Reise auf jeden Fall Waschmittel einpacke, damit ich nicht dumm da stehe. Schade eigentlich, dass man Rei in der Schweiz gar nicht kennt. Das ist noch eine echte Lücke.
Sr. Kerstin-Marie

Montag, 12. Oktober 2009

Soviel in Gott, soviel in Frieden

Ja, der gute Meister Eckhart, er hat es mir seit dieser domini-kanischen Studien-woche in Ilanz wirklich angetan. Obwohl ich mich auch vorher schon einige Male mit manchen seiner Texte und Predigten ausei-nander gesetzt habe, fehlte mir doch der innere Zugang zu seiner Gedankenwelt. Vielleicht war es nun auch der Blick auf seinen Lebenslauf, der mir beim Verstehen seiner Texte geholfen hat.
Zu Beginn der Studienwoche setzten wir uns erst einmal grundlegend mit dem Begriff der Mystik auseinander - ein Wort das leider sehr oft missverstanden und leicht in die Schublade "abgehoben und weltfremd" einsortiert wird. Da hat mir die Definition "Mystik ist Erkenntnis Gottes aus der Erfahrung", die Sr. Raphaela uns gab, sehr geholfen. Christliche Mystik hat nichts zu tun mit abgeschlossener, irrationaler Innerlichkeit, esoterischer Abgehobenheit oder Weltabgewandtheit - ganz im Gegenteil. "Mystik", die nur auf Selbstverwirklichung und Bewusstseins-Erweiterung aus ist, Mystik ohne Tat ist schlicht und einfach keine Mystik im christlichen Sinn. Der große Meister Eckhart-Kenner Alois Haas sagte einmal: "Die Enthaltsamkeit von der Welt wird an der Hingabe an die Welt gemessen." Wahre Mystik führt NIE von der Nachfolge Christi im ganz konkreten Alltag weg.
Und so war es den großen Mystikern aller Zeiten ein großes Anliegen, ihre Gottes-Erfahrungen für die Welt fruchtbar zu machen, indem sie die Sprache als Ausdrucksform benutzten und versuchten, das "Unaussprechliche", das sie erfahren hatten, in Worte zu fassen. Überaus bemerkenswert und wirklich revolutionär ist, dass die drei großen Dominikaner Meister Eckhart (~1260 - ~1328), Johannes Tauler und Heinrich Seuse dazu ausgerechnet die deutsche Sprache verwendeten, die zur damaligen Zeit als die Sprache der Ungebildeten, eine barbarische Sprache, verpönt und keineswegs literaturfähig war. Wer etwas auf sich hielt, veröffentlichte seine Gedanken in lateinischer Sprache. Da es sich bei allen dreien auch um große Gelehrte ihrer Zeit handelte, steht fest, dass sie die deutsche Sprache ganz bewusst wählten, um ihren lebendigen Gotteserfahrungen Ausdruck zu verleihen und dadurch auch "einfachen" Menschen daran Anteil zu geben - sehr dominikanisch!!
Meister Eckhart, er war nicht nur ein Mystiker, sondern auch ein hoch geachteter Theologe, neben Thomas von Aquin einer der größten Denker des Spätmittelalters, Professor, leidenschaftlicher Prediger, überaus beliebter Seelsorger und trug nicht zuletzt schon in jungen Jahren große Verantwortung im Dominikanerorden. Wenn man allein schon einmal seine zahlreichen Reisen betrachtet (die Dominikaner waren immer zu Fuß unterwegs!), dann fragt man sich zu Recht, wie jemand das alles in einem einzigen Menschenleben unter einen Hut bekommen kann, ohne dabei völlig im Vielerlei der Dinge aufzugehen. Während unserer Studienwoche setzten wir uns vor allem mit seinen "Reden der Unterweisung" auseinander, die er in jungen Jahren als Spriritual für seine Mitbrüder geschrieben hat. Den darin enthaltenen Abschnitt "Von der Abgeschiedenheit und vom Besitzen Gottes" empfinde ich wie eine Antwort auf diese Frage:
"Ich wurde gefragt: manche Leute zögen sich streng von den Menschen zurück und wären immerzu gern allein, und daran läge ihr Friede und daran, daß sie in der Kirche wären - ob dies das beste wäre? Da sagte ich: »Nein!« Und gib acht, warum. Mit wem es recht steht, wahrlich, dem ist's an allen Stätten und unter allen Leuten recht. Mit wem es aber unrecht steht, für den ist's an allen Stätten und unter allen Leuten unrecht. Wer aber recht daran ist, der hat Gott in Wahrheit bei sich; wer aber Gott recht in Wahrheit hat, der hat ihn an allen Stätten und auf der Straße und bei allen Leuten ebensogut wie in der Kirche oder in der Einöde oder in der Zelle; wenn anders er ihn recht und nur ihn hat, so kann einen solchen Menschen niemand behindern. Warum? Weil er einzig Gott hat und nur auf Gott absieht, und alle Dinge ihm lauter Gott werden. Ein solcher Mensch trägt Gott in allen seinen Werken und an allen Stätten, und alle Werke dieses Menschen wirkt allein Gott; denn wer das Werk verursacht, dem gehört das Werk eigentlicher und wahrhaftiger zu als dem, der da das Werk verrichtet. Haben wir also lauter und allein Gott im Auge, wahrlich, so muß er unsere Werke wirken, und an allen seinen Werken mag ihn niemand zu hindern, keine Menge und keine Stätte. So kann also diesen Menschen niemand behindern, denn er erstrebt und sucht nichts, und es schmeckt ihm nichts als Gott; denn der wird mit dem menschen in allem seinem Streben vereint. Und so wie Gott keine Mannigfaltigkeit zu zerstreuen vermag, so auch kann diesen Menschen nichts zerstreuen noch vermannigfaltigen, denn er ist eins in jenem Einen, in dem jede Mannigfaltigkeit Eins und Nichtmannigfaltigkeit ist. "
Die Texte von Meister Eckhart, sie sind wirklich nachdenkenswert und haben uns auch heute noch viel zu sagen. Ich bin jedenfalls richtig auf den Geschmack gekommen und werde mich in der nächsten Zeit in der ein oder anderen stillen Stunde mal wieder etwas intensiver mit seinem Gedankengut auseinander setzen.
Sr. M. Ursula
P.S. natürlich haben wir in Ilanz und Umgebung auch einige nette Fotos gemacht, die ihr euch hier anschauen könnt :-))

Freitag, 9. Oktober 2009

Ein Gruß aus Ilanz

Wie Ihr sicherlich gemerkt habt, hatten wir in den letzten Tagen nicht wirklich viel Zeit zum Bloggen, aber trotzdem wollen wir Euch mal ein kleines Lebenszeichen aus Ilanz senden. Wir sind hier seit Sonntag im Kloster der Dominikanerinnen untergebracht und konnten uns in den letzten Tagen unter fachkundiger Anleitung von Sr. Raphaela Gasser OP einmal ganz intensiv mit dem Leben und Werk von Meister Eckhart auseinandersetzen (dazu demnächst mehr). Wir sind alle so begeistert, dass Jenny sich inzwischen nichts so sehr wünscht wie ein Foto von Meister Eckhart. Ob ihr da wohl zu helfen ist?
Ein schönes Wochenende wünschen
Corinna, Jenny, Sr. Kerstin-Marie und Sr. M. Ursula
Nachtrag: Dank unserer lieben Mitschwester Reineldis ist das erste Eckhart-Bild bereits 120 Minuten nach Veröffentlichung des Posts bei Jenny eingetroffen - weitere können gerne folgen ;-)

Samstag, 3. Oktober 2009

Wieder vereint

Die Jugend der Arenberger Dominikanerinnen ist wieder vereint! Heute nachmittag kam, zwar mit einigen Turbulenzen, Sr. Ursula zu uns nach Rickenbach, von wo wir morgen zur Dominikanischen Studienwoche nach Ilanz starten. Dort wird es unter anderem um Meister Eckhart und die Spiritualität unserer Gemeinschaften gehen, wofür wir noch einen kleinen Film vorbereiten. Inzwischen haben wir schon so viel Material gesammelt, aber noch gar nichts geschnitten, so dass wir wohl Anfang der Woche noch die ein oder andere Nachtschicht einlegen müssen. Aber das Filmen, Gefilmt-Werden usw. macht ziemlich viel Spass und gleichzeitig ist es eine coole Weise, sich Gedanken über uns und unsere Gemeinschaft zu machen. Spannend ist dabei auch noch, was wohl letztendlich für ein Film dabei herauskommen wird, weil wir davon eigentlich keinen wirklichen Plan, sondern nur eine Idee haben. Man könnte also quasi von einem kreativen Chaos sprechen, aber spontan sind wir wohl eh am besten und so rechne ich mit der Fertigstellung des Filmes nicht eine Minute bevor er gezeigt werden soll. Das aber auch nur, wenn mein Computer all die Datenmengen verarbeiten kann.
Weil wir noch nicht wissen, ob und wie wir in Ilanz ins Internet kommen, könnte es sein, dass an dieser Stelle erstmal Sendepause sein wird. Wir bitten Euch treue Leser um Geduld und werden uns dann nächste Woche wieder melden.
Schööööhööööö
Sr. Ursula, Sr. Kerstin-Marie, Corinna und Jenny
...und natürlich unsere Meisterin Sr. Scholastika, die sich ab und zu fragt, wer denn hier von wem lernt ;-))))))

Freitag, 2. Oktober 2009

Heimkehrer

"Als wir am Sonntag-morgen um 9:30 Uhr mit dem Glocken-geläut durch das Tor der Kathedrale gingen, da wollte ich nur noch eins: Nach Hause." - so gestand uns Sr. Andrea. Heute sind unsere beiden Jakobs-Pilger Sr. Josefa und Sr. Andrea nach 4wöchiger Wanderung wieder wohlbehalten zu Hause angekommen und natürlich war die Freude übergroß. Als die Beiden heute abend im Refektorium in ihren sehr witzigen "No pain - no glory"-T-Shirts ein wenig von ihren Erlebnissen erzählten, bekam ich eine Gänsehaut nach der anderen - ich hätte ihnen ohne Probleme die ganze Nacht zuhören können.
Nun wünsche ich ihnen einen tiefen Schlaf im eigenen Bett und ein gutes Wiedereinleben in den Alltag und freue mich jetzt schon auf weitere Reiseberichte!
Sr. M. Ursula

Gekreuzigt

Heute ist der erste Freitag im Monat und damit Herz-Jesu-Freitag. Da gilt es, noch einmal genauer auf Christus zu schauen, der am Kreuz gelitten hat und auf die schändlichste Weise sterben musste, die man sich damals vorstellen konnte.
Während der Exerzitien vor dem Noviziatsbeginn war just auch Herz-Jesu-Freitag und ich nutzte diesen Tag, um noch einmal dieses Geschehen zu meditieren. Deswegen war ich an diesem Tag ziemlich viel in der Kapelle unseres Mutterhauses und beim Betrachten des Kreuzes in der Apsis wurde mir folgendes nochmal deutlich: Christus hat am Kreuz unmenschlich gelitten, so sehr, dass ich es mir wahrscheinlich gar nicht vorstellen kann. Aber gleichzeitig breitet er voller Liebe die Arme aus und mir kam so sehr entgegen: "Ich leide, damit Du nicht leiden musst. Ich leide mit Dir, wenn Du leidest. Ich liebe Dich!" Das war und ist für mich immer wieder beeindruckend. Christus leidet, damit wir alle Erlöste sind, damit der Tod keine Macht mehr über uns hat. Und das alles tut er, nimmt es auf sich, weil er mich und Dich und jeden von uns so unendlich liebt. Das lese ich vor allem aus den ausgebreiteten Armen, mit denen er mich liebend empfängt.
Und das, so finde ich, ist doch ein unendlich grosses Geschenk, vor dem ich eigentlich nur staunen kann. Wenn ich es aber annehme und mich in dieses Geheimnis hineingebe, dann erfüllt es mich komplett, von den Haarspitzen bis in die Fusssohlen. Davon lasse ich mich gerne ergreifen und staune...
Sr. Kerstin-Marie

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Mein Gott, ich liebe Dich!

- so lauteten die letzten Worte der Hl. Therese von Lisieux, bevor sie 1897 im Alter von nur 24 Jahren nach schwerer Krankheit ihr Leben zurück in die Hände ihres Schöpfers gab. Heute feiern wir ihren Gedenktag und ich tippe mal, die Gute zählt zu den beliebtesten und populärsten Heiligen überhaupt. Das ist insofern schon ein bißchen verwunderlich, weil sie im Grunde ihr ganzes Leben lang nichts Herausragendes geleistet hat - „außer“: leidenschaftlich zu lieben. „Meine Berufung ist die Liebe“, durfte sie für sich selbst erkennen, und wie hingebungsvoll sie diese Berufung lebte, spürten wohl alle Menschen, die mit ihr zusammen lebten oder ihr begegneten.
Ich finde es sehr ausdrucksstark, dass Papst Pius XI., der Theresia bereits 1925 heilig gesprochen hat, sie [die mit 15 Jahren in den Karmel eintrat und danach den Rest ihres kurzen Lebens hinter Klostermauern verbrachte] ausgerechnet zur Patronin der Weltmission ernannte; und Papst Johannes Paul II. erhob sie 1997 gar zur Kirchenlehrerin. Ja, eine begnadete Lehrerin war und ist sie tatsächlich: In der Betrachtung ihrer glühenden Gottes- und Menschenliebe, im Lesen ihrer ergreifenden Gedanken und Gebete können wir lernen, was Christsein im Eigentlichen bedeutet.
Vom Hl. Augustinus stammt ein Zitat, das man wie eine Überschrift über Theresas Leben setzen könnte: "Liebe und sag es durch dein Leben." Wir Christen können der Welt kein schöneres, prickelnderes und glaub-würdigeres Zeugnis geben als dieses.
Sr. M. Ursula