Heute gab es beispielsweise wieder so eine Situation, wo ich doch fast ein wenig die Nerven verloren hätte. Eine Frauengruppe aus dem Nachbardorf meiner Heimatpfarrei hatte sich zusammen mit meinem Heimatpastor angekündigt – sie machten eine Wallfahrt nach Arenberg und wollten natürlich auch unserem Kloster einen Besuch abstatten. Und da sie auch ein bißchen etwas über unser Ordensleben erfahren wollten, hatte ich im Vorfeld voll Begeisterung mit viel Liebe einige eindrucksvolle Bilder und gute Gedanken zu einer netten Powerpoint-Präsentation verarbeitet. Alles war soweit bereitet, ich war voll motiviert, die 30köpfige Gruppe trudelte ein, wir feierten gemeinsam eine wunderschöne Messe in der Mutterhauskirche, und danach zogen die Scharen in froher Erwartung meines Impulses ins Gästehaus. Doch – oh Schreck – dass ausgerechnet zur Mittagszeit unser großer Vortragssaal besetzt sein könnte, daran hatte ich Dödel im Vorfeld nicht gedacht. Zuerst hieß es, wir bräuchten nur einige Minuten zu warten, dann sei die andere Veranstaltung vorbei, doch wir warteten und warteten und nichts tat sich. Keine Chance. Selbstverständlich waren alle anderen in Frage kommenden Räume auch besetzt (wie soll’s auch anders sein), so dass wir quasi wirklich „auf der Straße“ saßen. Die Leute wurden unruhig, die Schwester Ursula war verzweifelt und da kam dem Pastor die Idee: „Können wir nicht einfach noch einmal zurück in eure Mutterhauskirche, vielleicht kannst Du uns ja dort ein bißchen was erzählen?“ Oh Mann, aber ich hatte doch alles sooo schön vorbereitet!! Aber dann habe ich mich ganz bewusst von meinem Plan A verabschiedet und mir gesagt: so, jetzt beißt Du mal schön die Zähne zusammen und springst eben ins kalte Wasser. Plan B wurde also umgesetzt: Wir gingen zurück in die Kirche, und dort begann ich – ganz unvorbereitet, ohne Konzept und ohne nette Fotos – von unserem Leben zu erzählen. Von dem, was uns heilig ist, von unserem Leben in Gemeinschaft, unseren Hoffnungen und Ängsten, unserem Weg mit diesem verrückten Gott. Und während ich so redete, da spürte ich auf einmal, wie mir das Herz aufging. Vergessen war der ganze Ärger im Vorfeld, vergessen war meine olle Präsentation mit den schönen Bildern und guten Gedanken, und mit einem Mal wusste ich gar nicht mehr, worüber ich mich denn eigentlich so aufgeregt hatte.
Was mir heute im Kleinen passiert ist, das durfte ich auch einige Male in großen Lebenszusammenhängen erfahren. Interessanterweise sind es doch fast immer die Situationen, in denen eben nicht alles glatt und nach unseren Vorstellungen läuft, die uns die Gelegenheit geben, über uns selbst hinauszuwachsen. Ich bin fest davon überzeugt, dass gerade solche Situationen auch die Einfallstore Gottes in unser Leben sind, weil wir selbst (endlich?) mit unserer Weisheit am Ende sind. Ich merke immer wieder aufs Neue, wie wichtig und fruchtbar es ist, sich einfach mit Haut und Haaren auf das, was jetzt dran ist, einzulassen, sich ganz in die jeweilige Situation hineinzugeben und dabei fest darauf zu vertrauen, dass „das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt“ (vgl. 2 Kor 4,7).
Auf jeden Fall war der heutige Sprung ins kalte Wasser sehr erfrischend, und ich bin richtig dankbar, dass uns so etwas ab und an zugemutet wird – auch wenn es manchmal ganz schön Nerven kostet ;-)
Sr. M. Ursula

