Dienstag, 29. September 2009

Durchkreuzte Pläne

"Leben ist das, was passiert, während man eigentlich ganz andere Pläne geschmiedet hat." Dieses John Lennon zugeschriebene Zitat geht mir doch recht oft durch den Kopf. Wie oft passiert es im Alltag, dass unsere Pläne durchkreuzt werden und wir von jetzt auf gleich neue Lösungen finden müssen.
Heute gab es beispielsweise wieder so eine Situation, wo ich doch fast ein wenig die Nerven verloren hätte. Eine Frauengruppe aus dem Nachbardorf meiner Heimatpfarrei hatte sich zusammen mit meinem Heimatpastor angekündigt – sie machten eine Wallfahrt nach Arenberg und wollten natürlich auch unserem Kloster einen Besuch abstatten. Und da sie auch ein bißchen etwas über unser Ordensleben erfahren wollten, hatte ich im Vorfeld voll Begeisterung mit viel Liebe einige eindrucksvolle Bilder und gute Gedanken zu einer netten Powerpoint-Präsentation verarbeitet. Alles war soweit bereitet, ich war voll motiviert, die 30köpfige Gruppe trudelte ein, wir feierten gemeinsam eine wunderschöne Messe in der Mutterhauskirche, und danach zogen die Scharen in froher Erwartung meines Impulses ins Gästehaus. Doch – oh Schreck – dass ausgerechnet zur Mittagszeit unser großer Vortragssaal besetzt sein könnte, daran hatte ich Dödel im Vorfeld nicht gedacht. Zuerst hieß es, wir bräuchten nur einige Minuten zu warten, dann sei die andere Veranstaltung vorbei, doch wir warteten und warteten und nichts tat sich. Keine Chance. Selbstverständlich waren alle anderen in Frage kommenden Räume auch besetzt (wie soll’s auch anders sein), so dass wir quasi wirklich „auf der Straße“ saßen. Die Leute wurden unruhig, die Schwester Ursula war verzweifelt und da kam dem Pastor die Idee: „Können wir nicht einfach noch einmal zurück in eure Mutterhauskirche, vielleicht kannst Du uns ja dort ein bißchen was erzählen?“ Oh Mann, aber ich hatte doch alles sooo schön vorbereitet!! Aber dann habe ich mich ganz bewusst von meinem Plan A verabschiedet und mir gesagt: so, jetzt beißt Du mal schön die Zähne zusammen und springst eben ins kalte Wasser. Plan B wurde also umgesetzt: Wir gingen zurück in die Kirche, und dort begann ich – ganz unvorbereitet, ohne Konzept und ohne nette Fotos – von unserem Leben zu erzählen. Von dem, was uns heilig ist, von unserem Leben in Gemeinschaft, unseren Hoffnungen und Ängsten, unserem Weg mit diesem verrückten Gott. Und während ich so redete, da spürte ich auf einmal, wie mir das Herz aufging. Vergessen war der ganze Ärger im Vorfeld, vergessen war meine olle Präsentation mit den schönen Bildern und guten Gedanken, und mit einem Mal wusste ich gar nicht mehr, worüber ich mich denn eigentlich so aufgeregt hatte.
Was mir heute im Kleinen passiert ist, das durfte ich auch einige Male in großen Lebenszusammenhängen erfahren. Interessanterweise sind es doch fast immer die Situationen, in denen eben nicht alles glatt und nach unseren Vorstellungen läuft, die uns die Gelegenheit geben, über uns selbst hinauszuwachsen. Ich bin fest davon überzeugt, dass gerade solche Situationen auch die Einfallstore Gottes in unser Leben sind, weil wir selbst (endlich?) mit unserer Weisheit am Ende sind. Ich merke immer wieder aufs Neue, wie wichtig und fruchtbar es ist, sich einfach mit Haut und Haaren auf das, was jetzt dran ist, einzulassen, sich ganz in die jeweilige Situation hineinzugeben und dabei fest darauf zu vertrauen, dass „das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt“ (vgl. 2 Kor 4,7).
Auf jeden Fall war der heutige Sprung ins kalte Wasser sehr erfrischend, und ich bin richtig dankbar, dass uns so etwas ab und an zugemutet wird – auch wenn es manchmal ganz schön Nerven kostet ;-)
Sr. M. Ursula

Montag, 28. September 2009

Du deckst mir den Tisch.

An dieses Wort aus Psalm 23 muss ich in diesen Tagen ganz besonders denken und dass aus zwei Gründen:
Zum einen haben wir vor ungefähr vier Wochen im Konvent beschlossen, vermehrt regionales und saisonales Obst zu essen. Das heisst, wir wollen darauf achten, mehr Äpfel, Birnen, Zwetschgen usw. zu essen, also das, was zur Zeit gerade um uns herum wächst bzw. was wir auch hier lagern können. Ass ich bis dato fast jeden Morgen zum Frühstück fröhlich eine Kiwi, so habe ich seitdem darauf verzichtet und musste gestern mal feststellen, dass die Kiwi mir eigentlich gar nicht fehlt. So hatten wir in den letzten Wochen natürlich Äpfel auf dem Tisch, haben aber von verschiedenen lieben Menschen jede Menge Birnen geschenkt bekommen, ebenso Zwetschgen und, als mein persönliches Highlight, von einer Nachbarin vor einigen Tagen jede Menge Himbeeren, so dass jede Schwester ein Schälchen Himbeeren naschen konnte. Da Jenny nicht so eine grosse Obstesserin ist, konnte ich sogar zwei Schälchen verdrücken, worüber ich mich wirklich sehr gefreut habe, weil Himbeeren mir eigentlich das liebste Obst sind.
Wer braucht da schon Kiwis und Bananen, die aus der Ferne angeflogen kommen?
Der zweite Grund für die kulinarischen Freuden liegt in unserem Koch, der sich zur Zeit selber immer wieder übertrifft. So gab es gestern ein wirklich exquisites Mittagessen mit Hirschpfeffer, selbstgeschabten Spätzlen und Apfel-Rotkohl, gekrönt von einem Maronentiramisu. Da hätte ich am liebsten gar nicht mehr aufgehört zu essen, musste aber leider recht bald aufgeben. Das war wirklich wunderbar gestern und spätestens nächsten Samstag, wenn wir am Gerechtigkeitstag zum Mittag "nur" eine Suppe essen, werde ich wohl wieder daran denken.
Unterdessen werde ich aber auch Ausschau halten, ob nicht bald irgendein Gastro-Kritiker hier vorbei kommt, um unserem Koch den ein oder anderen Stern oder eine Haube zu verleihen. Mein Gott, geht es uns gut!
Sr. Kerstin-Marie

Sonntag, 27. September 2009

Katzenjammer

...ich muss zugeben, es versetzte mir gestern doch einen gewaltigen Stich ins Herz, als wir unsere Katze Clementine tot auf dem Bürgersteig fanden. Sie war nicht überfahren worden, vielmehr sah sie aus, als würde sie einfach schlafen, war aber leider mausetot - wahrscheinlich durch eine Vergiftung oder einfach einen Herzstillstand, wodurch auch immer.
Ja, ich weiß, in Anbetracht der schrecklichen Dinge, die sich Tag für Tag in unserer Welt zutragen, ist es geradezu lächerlich, sich über den Tod einer Katze aufzuregen - ich sage mir das auch dauernd vor - aber da merke ich auch, wie weit Verstand und Gefühl zuweilen auseinander klaffen. Es war eben nicht irgendeine Katze, es war unsere Clementine, nur zur Erinnerung: die wahrscheinlich faulste Katze der Welt, die jeder hier kannte, die einfach zum festen Bild in unserem Klostergarten gehörte, und deren tierischem Charme man sich nur schwer entziehen konnte. Ich bin sicher, dass ich nicht die Einzige bin, die sie ziemlich vermissen wird.
Die französische Dichterin Marie Noel, die ganz hinreißende Texte über ihren von Erfahrungen tiefen Glücks, aber auch von dunklen Nächten geprägten Weg mit Gott geschrieben hat, schrieb einmal in ihrem Tagebuch:
"Es gibt Tage, an denen ich gedrückt, schwerfällig, niedrig, irdisch bin, unfähig, das Unsichtbare zu ergreifen…. Dann kann ich eine Katze oder einen Hund liebhaben, aber nicht Gott. Ich habe nichts mehr, um ihn mir vorzustellen. Dann ist es eine große und harte Mühe, Gott zu danken und alles, was nicht für die Sinne existiert,was man nicht sieht, treu zu betrachten; zuzuhören, wo man nichts hört, das zu lieben, was gar nicht ist als nur in dieser Seele, in der nichts mehr ist. Allmählich beruhigt, entzündet sich wieder ein Licht und macht den Geist wieder lebendig."
Diese Erfahrung des inneren Niedergedrücktseins, die sie hier beschreibt, kenne ich sehr wohl. Umgekehrt hilft mir aber gerade die liebevolle Betrachtung der Schöpfung (und sei es - um wieder zum Thema zurückzukommen - auch nur ein wunderschönes getigertes Katzenfell) meine Seele wieder zu DEM zu erheben, der hinter allem steht, dem wir das alles zu verdanken haben....
Heute morgen aber musste ich aber dann bei allem Katzenjammer doch wieder ein bißchen lachen: Als ich unserer liebreizenden Organistin Sr. M. Diemut von dem "Trauerfall" erzählte (sie mochte Clementine auch sehr gerne), sagte sie nach dem ersten Schreck: "Da müssen wir aber nächste Woche unbedingt ein Requiem für sie spielen!"
Gut, ein Requiem wird sie wahrscheinlich doch nicht bekommen, aber ein liebendes Andenken werden wir unserem goldigen Clementinchen mit Sicherheit alle bewahren ;-)
Sr. M. Ursula

Freitag, 25. September 2009

+ Schwester M. Odilia OP

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die sind einfach seltsam. Gestern am frühen Morgen, als ich gerade auf dem Weg in die Meditation war und die Tür zur Kapelle öffnete, kam mir ganz plötzlich ein Name in den Kopf: Schwester M. Odilia. Ich fragte mich noch, wieso mir ausgerechnet ihr Name einfiel. Sr. M. Odilia, mit ihren 102 Jahren die älteste Schwester unserer Kongregation, habe ich persönlich nie kennen gelernt (sie lebte zuletzt in unserem Düsseldorfer Konvent), aber ich hatte über andere Schwestern von ihr gehört. Auf jeden Fall habe ich seit Jahren nicht mehr an sie gedacht, zuletzt wahrscheinlich, als sie ihren 100. Geburtstag feierte. Doch gestern morgen war auf einmal ihr Name da. Zunächst dachte ich darüber gar nicht mehr weiter nach - bis zum Mittagessen. Denn da hörte ich dann auf einmal, dass Sr. M. Odilia gefallen sei und sich einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen hätte. Boah, mir fiel fast der Löffel aus der Hand!
Sie wurde gestern noch operiert, und hatte die Operation scheinbar erstaunlich gut überstanden, so dass sie heute von der Intensivstation auf die normale Station verlegt wurde - doch dann ist sie, die so viel Angst vor dem Sterben hatte, ganz leise und ohne Kampf eingeschlafen.
Ob das nun Zufall war oder nicht, dass ich ausgerechnet noch gestern morgen an Sr. M. Odilia denken musste, verrückt ist es auf jeden Fall - und irgendwie auch schön, zeigt es mir doch, dass wir alle auf eine Art und Weise verbunden sind, die weit über das Sichtbare hinaus geht.
Sr. M. Odilia wurde am 18.01.1907 geboren und begann 1932 ihr Postulat. Am 19. März 1933 wurde sie eingekleidet und ins Noviziat aufgenommen, hat am 19. März 1935 ihre erste Profess abgelegt und sich 1939 für immer an unsere Gemeinschaft gebunden. Wenn man einmal nachrechnet - und das lohnt sich in ihrem Fall! - hat sie also 76,5 Jahre, bzw. 3992 Wochen oder 27949 Tage als Arenberger Dominikanerin gelebt und gewirkt. Ein solches Lebenszeugnis finde ich einfach zutiefst berührend und ermutigend.
Nun hat sie unser guter Gott, dem sie ihr ganzes Leben lang in Treue gedient hat, zu sich gerufen, nun darf sie - geborgen in Seiner Liebe - ruhen in Frieden.
Sr. M. Ursula

Die Arenberger Dominikanerinnen

6 Minuten pralles dominikanisches Ordensleben gibt es jetzt auch bei YouTube zu sehen - viel Freude beim Gucken!

actio et contemplatio

Gestern hatten wir mal wieder einen Regiotag - zur Erinnerung, dort treffen sich alle Noviziate der Region - dieses Mal in der Bruchmatt. Ganz schön fand ich an diesem gestrigen Treffen, dass zwei Juniorinnen von ihren Erlebnissen berichteten.
Nachdem wir am Vormittag einen Text des Propheten Jeremia meditiert hatten, der uns dazu aufruft, im Hier und Heute zu leben und in dieser Gegenwart aktiv zu werden, berichtete Sr. Judith, eine Menzinger Schwester, von ihren Eindrücken einer Tagung, bei der junge Ordensleute zusammen waren und Vorträge zum Thema "Gottesfreundschaft" hörten. Im Zusammenhang mit dem Jeremiatext wurde hier sehr deutlich, dass wir als Ordensleute im Hier und Heute gefragt sind und dass wir dort immer wieder die Freundschaft mit Gott finden und erneuern können.
Am Nachmittag erzählte dann Sr. Raphaela, eine Stanser Kapuzinerin, von ihrer Woche im Ashram Jesu und meditierte mit uns, wie dort meditiert wird. Dabei wurde deutlich: Beides gehört für uns zusammen, die Aktion, das Tun, das Leben in der Welt. Das geht für uns aber nicht, ohne dass wir uns immer wieder zurückziehen aus der Welt, dass wir Gott suchen in der Stille, dass wir uns bereit machen für sein Wort.
Interessanterweise sprachen wir am Montag im Noviziat über unsere Spiritualität als Arenberger Dominikanerinnen und fanden für uns heraus, dass uns eben dieser Wechsel von Arbeit und Gebet, von actio et contemplatio so am Herzen liegt und für uns die Attraktivität unserer Gemeinschaft begründet. Der, den wir am meisten lieben, nämlich Gott, ist die Mitte unseres Tages und unseres Lebens. Um die Beziehung mit ihm gestalten wir alles herum. So sind wir wirklich froh, dass wir bei uns auch noch die Mittagshore beten, weil wir so in der Mitte des Tages noch einmal einen Akzent setzen.
Auf diese Weise kommt es für uns zu dem wunderbaren Wechsel von Gebet und Arbeit. Ich für mich merke, dass ich dadurch wirklich ausgeglichener bin und mich so auch besser auf den Menschen einlassen kann, der gerade hier an der Pforte etwas braucht.
Für mich also die perfekte Mischung.
Sr. Kerstin-Marie

Dienstag, 22. September 2009

Hereinspaziert!

Immer wieder besuchen uns Gruppen, die nur ein paar Stunden oder einen Tag bei uns bleiben und das Kloster sowie unsere Lebensweise kennenlernen möchten. Angefangen von Kommunionkinder über Firmbewerber, Frauengruppen und Liturgiegruppen ist alles dabei.
Im Moment sind wir da ganz gut gebucht und, darüber freue ich mich natürlich sehr, recht oft darf ich diese Gruppen begleiten. Ziemlich schön finde ich, dass ich ja für jede Gruppe etwas anderes machen kann: Für die Kommunionkinder ein Spiel durchs ganze Haus, für andere einen Vortrag, wieder andere eine Führung,... So wird es nie langweilig und ich freue mich, den verschiedenen Menschen von unserem Haus und unserer Gemeinschaft zu erzählen. Dabei stelle ich allerdings auch fest, dass die Zeit meistens gar nicht reicht, um alles unterzubringen, was ja eigentlich berichtenswert wäre - auch wenn ich versuche, es durch schnelleres Sprechen auszugleichen.
Beeindruckend finde ich immer, was die Besucher und Gäste hier wahrnehmen. So kam z.B. am Freitag in der Abschlussrunde mit einer Schulklasse recht oft vor, dass es hier wirklich ruhig ist im Haus. Ich selber nehme das eigentlich gar nicht mehr so wahr, erkenne ich inzwischen doch die meisten Schwestern am Gang, höre abends noch diese oder jenes im Haus, permanent läuten die Kühe mit ihren Glocken usw. Aber eigentlich stimmt es ja, es ist schon ziemlich ruhig hier bei uns. Das ist ja auch wohltuend und kann uns helfen, auf das zu hören, was Gott von uns will, schliesslich erscheint er Elija am Horeb auch im leisen Säuseln, Martin Buber überträgt es sogar mit dem entschwebenden Nichts.
Also spitze ich die Ohren und versuche etwas von diesem entschwebenden Nichts zu erhaschen.
Sr. Kerstin-Marie

Montag, 21. September 2009

Die Rechnung, bitte!

"Einmal wird uns gewiss
die Rechnung präsentiert
für den Sonnenschein
und das Rauschen der Blätter,
die sanften Maiglöckchen
und die dunklen Tannen,
für den Schnee und den Wind,
den Vogelflug und das Gras
und die Schmetterlinge,
für die Luft, die wir geatmet haben,
und den Blick auf die Sterne
und für alle die Tage,
die Abende und die Nächte.
Einmal wird es Zeit,
dass wir aufbrechen und bezahlen;
bitte die Rechnung..."


...oh je, was würde das so teuer, dachte ich heute abend, als ich wie so oft staunend mit Tränen in den Augen auf der Terrasse unserer Gästekapelle stand und mir das unbeschreiblich schöne Farbenspiel über dem Rheintal anschaute. Was würde wohl allein ein solcher Sonnenuntergang kosten? Und was würde wohl das sanfte Lüftchen kosten, das mich heute den ganzen Nachmittag bei der Ernte im Kräutergarten so zart umweht hat? Und die milde Herbstsonne dazu, könnte das ein Mensch noch bezahlen?
Lothar Zenetti, von dem der schöne Text "Am Ende die Rechnung" stammt, hat diese Frage am Ende des Gedichtes aufgelöst:

"...doch wir haben sie
ohne den Wirt gemacht:
Ich habe euch eingeladen,
sagt der und lacht,
so weit die Erde reicht:
Es war mir ein Vergnügen!"

Ja, wir sind eingeladen, obwohl ich das manchmal gar nicht richtig glauben kann. Das Schönste und Beglückendste in unserem Leben kann man mit keinem Geld der Welt kaufen, es wird uns einfach so geschenkt - wir brauchen nur die Hand aufzuhalten bzw. die Augen aufzumachen.
Ist das nicht herrlich?
Eine gute Nacht wünscht
die reich beschenkte Sr. M. Ursula ;-)

Sonntag, 20. September 2009

Genuss pur

Die Ernte-Saison geht nun zwar schon langsam aber sicher dem Ende entgegen, doch unser Garten hat immer noch einige Köstlichkeiten, um nicht zu sagen: Delikatessen! zu bieten. So hat Sr. M. Josefa zum Beispiel in diesem Jahr erstmals ein ganzes Feld mit essbaren Physalis angebaut, die man sonst in unseren Breitengraden ja eher selten zu Gesicht bekommt. Die Sträucher haben erstaunlich gut getragen und hängen nun voller unglaublich leckerer reifer Früchte. Nun bringe ich ab und zu mal ein Körbchen voll in den Konvent und der Reaktion der Schwestern nach zu urteilen birgt der Genuss ein nicht unerhebliches Suchtrisiko ;-)
Und wo wir grad mal beim Thema "Lecker" sind - ohne Schmerzen und Mühen zu scheuen, haben unsere FÖJlerin Wiebke, unsere Praktikantin Verena und ich uns letzte Woche an die Ernte unserer Sanddornsträucher gemacht. Die sehr Vitamin-C-haltigen Beeren haben wir anschließend zu einem köstlichen Sirup verarbeitet, der heute zur Begeisterung aller beim Mittagessen im Konvent "zum Einsatz" kam. Luxus! Gestärkt durch diese Vitaminbomben sind wir nun gut gerüstet für die kalte Jahreszeit - fest steht: wenn jetzt eine von uns eine Erkältung bekommt, dann kann sie nur simulieren ;-))
So, nun habe ich Euch aber genug die Nase lang gemacht und wünsche Euch einen schönen Sonntagabend!
Sr. M. Ursula

Freitag, 18. September 2009

Ein Heiliger zum Verlieben

Wenn man an Heilige des Dominikanerordens denkt, dann fallen einem ja gewöhnlich erstmal spontan solch große Namen wie Thomas von Aquin, Albertus Magnus oder Katharina von Siena ein. Heute aber haben wir einen Heiligen gefeiert, von dem ich mit größter Wahrscheinlich-keit nie etwas gehört hätte, wenn ich nicht selbst diesem sym-pathischen "Verein" beigetreten wäre - es ist Johannes Macias, der im 16. Jhd. lebte und am 28. September 1975 von Papst Paul VI. heiliggesprochen wurde.
In seiner Ansprache anlässlich der Heiligsprechung sagte der damalige Ordensmeister Fr. Vincent de Couesnongle OP: "Johannes Macias hat nicht gepredigt, er hat nicht geschrieben. Dieser Bruder, nun von der ganzen Kirche verherrlicht, wäre sehr erstaunt gewesen, hätte man ihm damals gesagt, dass sein demütiges Leben unserer Welt eine Botschaft bringen würde, und was noch mehr ist, eine soziale Botschaft. Aber gerade dieses demütige Leben ist es, das heute vor uns Zeugnis ablegt und diese Botschaft darstellt."
Wer war dieser Johannes Macias? Er wurde 1585 in Ribera (Spanien) geboren und gelangte nach dem Tod seiner Eltern an Bord eines Handelsschiffes über Kolumbien und Ecuador nach Peru. Schon früh lernte er also das Elend der Entwurzelung und Heimatlosigkeit kennen, von dem auch heute so unsagbar viele Menschen betroffen sind. In Lima verschenkte er seinen gesamten Besitz den Armen, und bat um die Aufnahme in den Dominikanerorden, wo er 1622 sein Noviziat begann. Die 22 Jahre seines segensreichen Ordenslebens verbrachte er nirgends sonst als an der Klosterpforte des Konventes St. Magdalena in Lima, die recht bald zu einem Ort der Begegnung für die Armen, Kranken und Einsamen der Stadt wurde. Johannes Macias muss eine ungeheure Ausstrahlung gehabt haben und widmete sich den notleidenden Menschen mit einer solchen Hingabe (so verzichtete er beispielsweise auf eigene Nahrung, um sie den Hungernden zu geben), dass Unzählige durch sein überzeugendes Beispiel zum Glauben gekommen sind. Er war - wahrscheinlich auch durch seine eigenen Erfahrungen - voller Mit-Leid mit allen Menschen, die ein schweres Kreuz zu tragen hatten, erkannte in ihnen Christus, dem er sein Leben geweiht hatte.
Mich hat die Lebensgeschichte dieses großen Liebenden sehr berührt, zumal er auch für die unzähligen "Heiligen des Alltags" steht, von denen zwar die große Weltöffentlichkeit nichts ahnt, die aber dennoch das Leben derer, die ihnen begegnen, mit Licht und Freude füllen - ohne dass sie selbst sich ihrer "Wirkung" bewusst wären. Und sein Beispiel zeigt mir wieder einmal, dass es nicht darauf ankommt, in unserem (Ordens-)Leben irgendwelche großen, außergewöhnlichen Taten zu vollbringen, sondern nur, das Kleine, Alltägliche außergewöhnlich liebevoll zu tun. Mögen uns Gedenktage wie der heutige dabei helfen, immer tiefer in diese Haltung hineinzuwachsen...
Sr. M. Ursula

Donnerstag, 17. September 2009

Kleider machen Leute - Berichte aus dem Leben einer Jungnovizin...

Mit dem Noviziatsbeginn gab es ja, wie im Bild deutlich zu sehen, einen Haufen neuer Kleider. Für eine, die eigentlich immer nur in Hosen rumgelaufen ist, ist da jetzt doch ein merklicher Unterschied im Alltag feststellbar, an dem ich Euch hiermit teilhaben lassen möchte.
Musste ich mir früher zwar überlegen, was ich heute anziehe - das fällt jetzt ja weg, denn es gibt das Werktagskleid oder sonntags den Habit -, war ich damit dann aber in ca. zwei Minuten fertig. Heute gestaltet sich mein morgendliches Ankleiden - Sr. Birgit spricht ja gerne vom "Anpuppen" - etwas anders: nachdem ich den Unterrock angezogen habe, "tauche" ich in mein Kleid, das ca. knöchellang ist und nach Möglichkeit natürlich nicht über den Boden geschleift werden sollte. Danach kommen Gürtel und Rosenkranz um die Taille und das Skapulier über den Kopf, wobei der Kragen noch dadrüber gefummelt werden muss. Jetzt sind die ersten vier Minuten vergangen.
Aber es fehlt noch der Kopf. Also, Haare kämmen, zusammenbinden und hochstecken. Dann das Stirnband über die Haare und die Haube auf den Kopf. Dabei muss ich immer noch überlegen, wie jetzt die Haube am besten sitzt. Dann wird die Haube mit zwei Haarklemmen am Stirnband festgemacht, so eine Klemme von hinten nach vorne mit der linken Hand zu bewegen, ist gar nicht immer einfach. Und dann kommt der Schleier noch dazu, wobei es da auch manchmal ein Akt ist, bis der richtig sitzt... Darüber vergehen die nächsten vier Minuten.
Ich brauche jetzt also fast viermal so lange zum Anziehen, was sich aber angeblich noch bessern soll.
Über Tag reissen die Herausforderungen aber nicht ab: Nach Möglichkeit sollte man sich nicht auf das Skapulier setzen, da es sonst verknittert. Also zieht man es seitlich weg, legt es sich auf den Schoss oder lässt es einfach herunter hängen. Dabei muss ich aber aufpassen, wenn ich an der Pforte auf dem Bürostuhl Platz nehme, denn in kann mir schon ziemlich gut selber übers Skapulier fahren, was für Farbe und Form desselben nicht gerade dienlich ist.
In der Kapelle habe ich in den letzten Tagen festgestellt, dass mein Kragen ja doch sehr passgenau ist. Wenn ich dann sitze und mich zur Doxologie verneige, wird es eng und enger am Hals. Allerdings habe ich noch nicht herausgefunden, ob ich so zur Märtyrerin werden könnte, ich hab auch kein gesteigertes Interesse daran.
Um Kleid und Skapulier zu schonen, tragen wir ziemlich häufig eine Schürze. Unsere Schürzen finde ich wirklich schön, allerdings werden die Träger hinter dem Rücken unter dem Schleier gekreuzt und dann rechts und links festgeknöpft. Bislang bin ich noch nicht so gut darin, die Bänder glatt von a nach b zu bringen, so dass ich wirklich froh bin, dass die Jenny mir beim Anziehen hilft ;-) Und wenn ich dann den Unterrock, das Kleid, das Skapulier und die Schürze anhabe, dann bekomme ich eine Ahnung davon, wie sich wohl die Frauen vor der Emanzipation gefühlt haben müssen, als sie in jeder Lebenslage so viel Stoff an und um sich hatten. Deswegen bin ich jetzt doch froh, obwohl ich den Sommer liebe, dass jetzt erstmal der Herbst auf dem Programm steht, denn warm ist mir ja eigentlich immer.
Trotzdem fühle ich mich pudelwohl in den Klamotten und freue mich, dass ich sie jetzt tragen darf. Sobald ich das Anziehen morgens in weniger als vier Minuten schaffe, werde ich davon berichten.
Sr. Kerstin-Marie

Mittwoch, 16. September 2009

Heilige Verrücktheit

„Deine Mitschwes-tern (und natürlich auch Du) scheinen so fröhlich zu sein – täuscht das oder geht es Euch so gut?“ – so schrieb mir neulich ein ehemaliger Uni-Kollege, der sich unsere Fotos im Internet angeschaut hatte. Und irgendwie geht mir die Frage seitdem sehr nach. Von außen betrachtet hat unsere Gemeinschaft derzeit nämlich eigentlich gar nichts zu lachen, und vielleicht waren wir von unseren „Kapazitäten“ her noch nie zuvor so arm. Inzwischen haben wir ein Durchschnittsalter von 77 Jahren erreicht, keine von uns hat wirklich eine Ahnung, wie es mit uns in Zukunft weitergehen wird, und nach fünf Monaten ohne Generalpriorin wissen wir auch recht gut, wie sich das „wie Schafe, die keinen Hirten haben“ ganz konkret anfühlt. Seltsam – trotz allem können wir noch herzlich lachen und uns freuen, unser Humor hat sich bei weitem noch nicht auf einen Galgenhumor reduziert, und mitten in allen Turbulenzen nehme ich hier und da eine Grundstimmung wahr, die man als „heitere Gelassenheit“ bezeichnen kann. Dies alles könnte man uns ja gut und gerne auch als Oberflächlichkeit ankreiden, aber ich glaube, genau das Gegenteil ist der Fall. Irgendwie sind wir an einem Punkt angekommen, an dem nur noch eines zählt: radikales Vertrauen in den Weg, den Gott mit uns gehen will. Nein, wir sind hier nicht mehr die großen Macher, das ist uns allen bewusst. Diese unsere Armut von ganzem Herzen anzunehmen und zu bejahen, ohne dabei zu resignieren, fatalistisch zu werden oder die „Flinte ins Korn zu schmeißen“, ist eine riesige Heraus-forderung, aber auch ungeheuer befreiend. Und wahrscheinlich ist es auch genau das, was unsere innere Freude nährt, auch wenn sich um uns herum zuweilen beängstigende Dunkelheit breit macht.
Heute morgen hörten wir in der Messe eine Lesung aus dem zweiten Korintherbrief, und ich dachte nur: DAS ist es. Der gute Paulus, er hat wohl in seinem Wirken ganz ähnliche Ohnmachts-Erfahrungen durchgemacht und diese auf wunderbare Weise ins Wort gebracht:
"Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi. Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird. Denn immer werden wir, obgleich wir leben, um Jesu willen dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar wird."
(2 Kor 4, 6-11)
Christliche Freude ist keine oberflächlich hüpfende Freude, sondern echte christliche Freude ist die Freude, die durch das Kreuz hindurch gegangen ist - so drückte es unser Pater Michael einmal in einer Osterpredigt aus. Dass diese Freude - oder sagen wir besser: heilige Verrücktheit - in unserer Gemeinschaft mitten in allen Anfechtungen und Grenzerfahrungen spürbar bleibt, das wünsche ich uns von ganzem Herzen.
Sr. M. Ursula

Montag, 14. September 2009

Wie in alten Zeiten ;-)

Nun ist es "schon" ein halbes Jahr her, dass mit der Ablegung meiner ersten Profess meine Junioratszeit begonnen hat. Während in den Jahren des Postulats und Noviziats Unterricht und Studium im Vordergrund standen, durfte ich mich nun in den Monaten nach meiner Profess so richtig in die Arbeit "im Weinberg des Herrn" stürzen, was mir - nebenbei bemerkt - wirklich viel Freude macht.
Trotzdem fehlen mir manchmal die tiefgehenden Gespräche über Gott und die Welt, Gemeinschaftsleben, Gelübde und unsere Sendung, das muntere Gemeinsam-Ideen-für-die-Zukunft-Spinnen, wofür es in der Noviziatszeit ganz viel Raum gab. Umso schöner finde ich, dass wir auch in den ersten Jahren nach unserer Profess nicht so einfach alleine hängen gelassen werden, sondern dass es eine Juniorats-Leiterin gibt, die uns mit Rat und Tat zur Seite steht und mit der wir uns in regelmäßigen Abständen treffen können. Und ein kleines bißchen habe ich mich auch darüber gefreut, als ich nach meiner Profess hörte, dass diese Aufgabe der ärmsten Sr. M. Scholastika übertragen wurde, die mich als Novizenmeisterin bereits seit meinem Ordenseintritt auf meinem Weg begleitet hat (ein wirklich harter Job ;-))
Heute hatten wir beide nun unseren ersten "Juniorats-Tag" - und ich fand es einfach herrlich, mal wieder in aller Ausgiebigkeit über die Tiefen des Menschseins, des Christentums und des Ordenslebens zu sinnieren und die zahlreichen Erfahrungen der letzten Monate austauschen zu können - klösterlicher Luxus pur!
Sr. M. Ursula

Erinnern ist unsere Liebe

Diese Worte von Augustinus haben wir in unser alltägliches Leben aufgenommen. Zum einen beten wir jeden Tag für die Schwestern, die in den Jahren unserer Kongregation an diesem Tag verstorben sind und lesen ihre Namen sowie ihr Sterbejahr jeden Abend vor. Auf diese Weise, finde ich, haben wir eine gute Verbindung zu all denen, die schon vor uns Arenberger Dominikanerinnen waren und die den älteren Schwestern natürlich zum Teil bekannt sind. Selbst wenn es ihre Gräber eines Tages nicht mehr gibt oder sie auf einem Friedhof liegen, zu dem wir nicht so häufig kommen, sind sie doch nicht vergessen.
Zum anderen haben wir eine Gepflogenheit, die mir zuerst etwas seltsam vorkam: Stirbt eine Schwester, so werden ihr Rosenkranz, den sie am Gürtel trägt und ihr Professring nicht mit ins Grab gegeben. Erst war ich darüber etwas erstaunt, weil ich dachte, dass das doch Dinge sind, die unbedingt zu dieser Schwester gehören. Jetzt aber merke ich, dass es sehr schön ist, wenn diese Stücke nicht mitbeerdigt werden. Den Rosenkranz, den ich zur Einkleidung bekam, trug zuvor Sr. Wilhelma, die dieses Jahr im Juli verstorben ist und 59 Jahre Arenberger Dominikanerin war. Jetzt trage ich ihn täglich an meinem Gürtel und finde es ziemlich schön, etwas zu haben, dass eine meiner Mitschwestern ihr Leben lang begleitet hat. Ich schöpfe daraus die Zuversicht, dass es tatsächlich möglich ist, 60 Jahre lang - und auch noch länger - als Ordensfrau zu leben und dass das ein erfüllendes Leben ist.
Als historisch interessierte Person ist es natürlich auch irgendwie besonders, einen quasi historischen Gegenstand zu besitzen. Wenn ich daran denke, dass 1949, als Sr. Wilhelma eine ganz junge Schwester war, die Bundesrepublik Deutschland mit der Verabschiedung des Grundgesetzes gegründet wurde, beeindruckt mich das schon sehr. So kann ich nicht nur eine Brücke zur Geschichte unserer Gemeinschaft, sondern auch unserer Gesellschaft bauen, was, so glaube ich, durchaus wichtig ist, wenn ich in dieser Gesellschaft wirken will.
Sr. Kerstin-Marie

Sonntag, 13. September 2009

Der ultimative Berufungstest

Diesen habe ich vor ca. einer Woche durchlaufen. Da ich ja ein heimlicher Fan der Exerzitien auf der Straße bin, auch wenn ich sie noch nie selber gemacht habe, aber durchaus die Ansicht Madeleine Delbrêls teile, dass man Gott auf jeden Fall in der Stadt trifft, musste ich am Samstag der Exerzitien unbedingt mal nach Koblenz in die Stadt.
Da ich für die Rückfahrt den Bus gerade verpasst hatte und nun eine knappe halbe Stunde "zum Verplempern" hatte - was ich während meiner Busfahrkarriere häufiger hatte und darin also geübt bin - ging ich in ein sehr, sehr schönes Bekleidungsgeschäft, das in Koblenz direkt am Zentralplatz liegt. Hier hab ich hin und wieder mal Klamotten gekauft und bin davon ganz angetan. Ich spazierte also da rein und schaute mich so um, was der Herbst denn so für Farben bringen würde. Und gleich entdeckte ich ein ganz wunderbares T-Shirt in dunklem Lila, mit einem ganz schönen V-Ausschnitt, das auch noch relativ günstig war. Da konnte ich es mir doch nicht nehmen lassen und musste es gleich mal anprobieren, und nachdem ich mich meines Polo-Shirts entledigt hatte, das ich ja nun quasi jede Woche anhatte, musste ich feststellen, dass dieses T-Shirt außerordentlich gut zu mir gepasst hätte. Ach nee, tapfer hab ich es zurück gehängt. Dann entdeckte ich aber noch einen ganz wunderschönen Pullover, mit schönen Streifen und auch der passte wie für mich gemacht. Also bewunderte ich mich von vorne bis hinten in diesem schönen Teil und hängte auch das dann wieder weg - wie schade, schade, schade, dass ich jetzt nur noch schwarze Strümpfe und weiße Unterwäsche brauche...
Naja, sehr tapfer habe ich dann diesen wunderbaren Laden wieder verlassen, bin zum Bus gestiefelt und zurück ins Mutterhaus gefahren. Da kann ich nur sagen: Wahrscheinlich bin ich doch berufen, die ich so gerne shoppen war, wenn ich so tapfer aus dem Laden gehe und selbst die schönsten Sachen zurück hänge. Jetzt habe ich ja auch sehr schöne neue Kleider, aber das am Samstag war echt ein Abschied.
Sr. Kerstin-Marie

Samstag, 12. September 2009

Ich bin die Neue

- ich schreibe jetzt öfter!
Als "neue" Sr. Kerstin-Marie, gestern wieder frisch in Rickenbach gelandet, bin ich jetzt auch wieder blogfähig und will doch auch von der Noviziatsaufnahme und den ersten Tagen als Schwester berichten.
Auch wenn ich es vorher nicht gedacht hatte, war ich die meiste Zeit während der Exerzitien noch ziemlich gelassen und noch gar nicht so nervös, wie ich es erwartet hatte. Ich konnte in diesen Tagen ganz gut im Gebet verweilen und habe den Luxus der Gästekapelle in unserem Mutterhaus genossen. Immer abends konnte man mich dort finden, zuerst auf der Terrasse, die einen herrlichen Ausblick in Richtung Rhein bietet und dann in der Kapelle selber, um den Tag dort mit Gott zu beschliessen. So war ich echt ganz erfüllt und konnte die guten Gedanken der Einzelexerzitien im Mai noch einmal aufnehmen.
Ab Montag, als die Exerzitien zu Ende waren, stieg die Spannung natürlich an und am Dienstag nach dem Mittagessen fand ich es selber ein bisschen anstrengend, aber die 1,5 Stunden habe ich auch noch rumgekriegt. Als ich dann im Schwesternchor war, war ich natürlich bei den Psalmen sehr nervös, aber sobald es dann losging und ich mit Sr. Agnes im Wechsel die Gebete sprach, war alles gut und ich hab mich ziemlich gefreut. Die Gebete sind auch einfach schön und schon im Vorhinein war ich schon ganz im Glück, als ich sie las und da die Rede von "unserer Mitschwester" war. Vielleicht ist das auch mein grosses Stichwort: Seit Dienstag gehöre ich nun zu den Arenberger Dominikanerinnen und natürlich ganz besonders zum lieben Gott. Irgendwo dazu zu gehören, Heimat zu finden war für mich immer ein wichtiges Stichwort und jetzt habe ich sie quasi gefunden bzw. bin dabei sie zu finden.
Und dass ich am richtigen Ort bin, habe ich allerspätestens bei der Gratulationsrunde im Vorchor gemerkt: all die wunderbaren und coolen Schwestern, die mich feste gedrückt und mir alles Gute gewünscht haben, die mich schon mit meinem neuen Namen angesprochen haben und sich sichtlich mit mir gefreut haben. Wer will nicht mit ihnen unterwegs sein, wenn wir zusammen Gott suchen, der sich an einem Tag wie diesem von seiner allerbesten Seite zeigt?
Also ich war und bin immer noch ganz im Glück und fand diesen Tag und das Fest einfach nur herrlich. Denn nach der Hore gings zu einem tiptop Kaffeetrinken ins Refektorium und am Abend dann noch zu einer kleinen Party ins Schutzengelhaus.
Als ich dann ins Bett ging, war ich zutiefst bewegt von dem, was passiert war, davon, wie nah mir Gott war und von all den Glückwünschen der Mitschwestern und Freunde.
Jetzt bin ich ganz gespannt auf das Leben als Novizin und übe mich darin, mich als Sr. Kerstin-Marie am Telefon zu melden.
Sr. Kerstin-Marie

Donnerstag, 10. September 2009

Klösterliche "Gezeiten"

"Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn, wenn Fasten, dann Fasten" - dieses weise Zitat ist uns von der Hl. Teresa von Avila überliefert. Und vielleicht ist es genau das, was ich am Ordensleben am meisten genieße. Dieser gesunde Wechsel von Feier-tag und All-tag, von Sonntag und Werktag, von Sprechen und Schweigen...
Ja, wenn wir feiern, dann feiern wir, und da fehlt es dann auch an nichts. Weiße Tischdecken, Festtagsgeschirr, Blumenschmuck und Kerzen auf den Tischen, Brötchen und Ei zum Frühstück, Eis zum Nachtisch, manchmal auch ein Gläschen Wein... Am Dienstag war bei uns im Konvent so eine überschäumende Freude spürbar, das war einfach herrlich. Den ganzen Tag über wurde viel geredet, gesungen und gelacht - ich glaube, wir alle haben einen ziemlich kräftigen Schluck vom "Wein der Freude" getrunken.
Und mindestens genauso wohltuend empfand ich es, als gestern morgen wieder der Alltag einkehrte. Nach einem solchen Festtag den neuen Tag im Schweigen zu beginnen, während die schönen Erfahrungen noch leise im Innern nachklingen, das finde ich einfach ganz wunderbar.
Diese "klösterlichen Gezeiten" - sie geben unserem Ordensleben eine tiefe, gesunde Prägung. Heute abend darf ich unseren Gästen in Kloster Arenberg einen Vortrag zum Thema "Lebensfülle" halten. Wenn Jesus sagt: "Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben" (vgl. Joh 10,10), dann meint er sicherlich nicht, dass seinen Jüngern ein Hüpfen von Highlight zu Highlight beschieden sein wird. Das tut uns Menschen erfahrungsgemäß gar nicht gut und macht auch garantiert nicht glücklich. Das wurde mir schon als Kind bewusst: Als ich einmal ziemlich traurig war, dass mein Geburtstag viel zu schnell vergangen war und ich wieder ein ganzes Jahr warten musste, da sagte meine Mutter einmal: "Stell Dir mal vor, Du hättest jeden Tag Geburtstag, dann hättest Du bald gar keine Lust mehr zum Feiern." Recht hatte sie!
Im Epheserbrief schreibt uns der Apostel Paulus:
"Durch den Glauben wohne Christus in eurem Herzen. In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet, sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt." (Eph 3, 17-19)
...die Länge und Breite, die Höhe und die Tiefe ermessen - das bedeutet für mich auch Dürrezeiten, Ebbe, auszuhalten, sowohl im Gemeinschaftsleben als auch in meinem Innern und im Gebet, ohne irgendetwas beschönigen, glattbügeln oder zukleistern zu wollen. Aber auch dankbar zu sein für Zeiten der Freude, erfüllte Augenblicke, Momente der Ewigkeit, die sich hier und da immer mal wieder - manchmal ganz unverhofft - in den Alltag einschleichen. Das zählt für mich zum Schönsten am Mensch-Sein, und ich empfinde es immer wieder als großes Geschenk, dass wir diesen "Gezeitenwechsel" im Kloster so intensiv erfahren dürfen.
Sr. M. Ursula

Dienstag, 8. September 2009

Eilmeldung

„Bei deinem Namen habe ich dich gerufen. Du bist mein – spricht der Herr. Christus ruft jede von uns bei ihrem Namen.
Auch Sie, Kerstin, ruft er immer neu bei Ihrem Namen, damit Sie ihm folgen. So nehmen wir Sie heute als unsere Mitschwester auf,
Schwester Kerstin-Marie"
- ich glaube, es gibt kaum eine, der diese Worte von Schwester M. Agnes kein Lächeln ins Gesicht trieben.
Voll Freude und Dankbarkeit haben wir heute nachmittag unsere neue Mitschwester in unserer Mitte begrüßt! Wie Ihr Euch sicherlich denken könnt, wird jetzt erst einmal ganz kräftig ganz dominikanisch gefeiert, weshalb dieser Post auch etwas kürzer ausfällt. Einige Fotos könnt Ihr Euch aber trotzdem schon einmal anschauen und zwar hier!
Sr. M. Ursula

Samstag, 5. September 2009

Bei Deinem Namen habe ich Dich gerufen

Wie wird sie wohl heissen, unsere Novizin? Wie wird Kerstin wohl am 8. September von Sr. M. Agnes gerufen? Dieser neue Name, er beschäftigt doch sehr unsere Gemüter, und unter uns ist schon mal ein Raunen zu hören über diesen oder jenen Vorschlag. Kerstin hat selbst schon zwei Namen in Umlauf gebracht, bei denen alle hoffen, dass sie doch nicht zum Zuge kommen: Schwester M. Theodulfa, eine grosse Heilige aus ihrem Heimatbistum Essen. Oder wie wäre es mit Schwester M. Ita? Nun ja, wir sind gespannt.
Aus der Christa wurde eine Maria,
aus der Edith eine Scholastika
aus der Astrid eine Angelina,
aus der Ursula eine Ursula. Upps. Warum?
Der neue Name - vor dem II. Vatikanischen Konzil war es in den meisten Orden üblich, bei der Noviziatsaufnahme mit einem neuen Namen gerufen zu werden, wie es ja auch in der Heiligen Schrift heißt: „Man ruft dich mit einem neuen Namen, den der Mund des Herrn für dich bestimmt" (Jes 62,2)
Dahinter liegt verborgen, dass mit dem Ordenseintritt ein völlig neues Leben beginnt (beginnen sollte …). Altes, Liebgewonnenes, wie es Sr. M. Ursula im letzten Post schrieb, lasse ich zurück und trete ein in eine neue Seinsweise. Von GOTT getragen, geführt und gewirkt. Der Sprung ins neue Leben ist kein einmaliger Akt, der mit dem Eintritt getan ist, er bedeutet ein lebenslanges Ausziehen aus dem Gewohnten, Gesicherten, ein Exodus aus Lebensmustern, die mir bis dahin halfen, zu überleben. Mit dem Eintritt beginnt ein Austritt aus all dem, was eng macht, versklavt und nur scheinbare Erfüllung schenkt.
Ein neuer Name, ein neues Kleid (Habit): „Zieh den neuen Menschen an, den Menschen nach dem Bild dessen, der ihn geschaffen hat.“ (Kol 13) Wachse in Jesu Habitus, in sein „Gehabe“ hinein, in seine Gesinnung, in sein Lebensart und Lebensweise. In sein Denken und Urteilen. In sein Lieben.
Der Name drückt immer auch das Wesen einer Person aus: Gott offenbart sich im brennenden Dornbusch mit dem Namen „Ich-bin-der-der-da-ist“; der Name Jesus trägt die Bedeutung: „Gott ist Rettung, Gott ist Heil“. Der neue Ordensname kann aber auch Programm werden. Wo GOTT in ein Leben eintritt, geht es nicht einfach so weiter: aus Abram wird ein Abraham, aus Jakob Israel, aus Saulus ein Paulus.
„Scholastika“ - wie kann man einen solchen Namen tragen! Ich höre noch die erste Reaktion meines Bruders. Und diesen Namen dann erst recht noch selber vorschlagen! Verrückt.
Scholastika, die zur Schule gehörende, die Lernende, Lehrende; ich war mit Leib und Seele Primarlehrerin und mein tiefes Anliegen ist es, lebenslang eine Lernende bleiben zu dürfen.
Scholastika ist die (Zwillings-) Schwester des hl. Benedikt, der grosse Mönch des Abendlandes - ich selbst bin am gleichen Tag geboren wie mein Bruder Peter; Scholastikas Lebensgesetz: “Die Liebe muss immer grösser sein als jedes Gesetz, als jede Regel.“ So wird ihr Leben zusammengeholt, und diese Wahrheit kann ich unterschreiben. In einem dicken alten Buch mit Heiligen-biografien ist zu lesen: Gegen den herben Herbst eines Benedikts war Scholastika das Lächeln des Frühlings...
So blieb ich an diesem alten Namen hängen, der nun ganz der meine geworden ist …
Heute hat der Taufname eine grosse Bedeutung bekommen, denn Ordensleben ist nichts anderes als unsere radikal gelebte Taufe. Die Profess ist keine Weihe wie das Priestertum, sie ist auch kein Sakrament wie die Ehe, nein, wir gehören ganz zum „Fussvolk“. Ich lebe meine Taufe wie jeder Christ, jede Christin in dieser konkreten Form des Ordenslebens. Ich lasse mich ganz und gar hineinnehmen in das Leben Jesu, mit allen Konsequenzen (eintauchen); wir wissen ja, die Bedingungslosigkeit seiner Liebe hat Jesus das Leben gekostet. Das Evangelium wähle ich als erste Regel, die ich mir einverleibe.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes lebe ich meine Taufe im Hier und Jetzt meines Lebens.
Am 8. September wissen wir mehr…
Sr. M. Scholastika

Freitag, 4. September 2009

Lebenslänglich

Wenn es so etwas wie eine FAQ-Liste in Sachen Ordensleben gäbe, dann stände ganz oben auf der Liste mit Sicherheit die Frage: "Wenn Sie wollten, könnten Sie dann noch aus der Gemeinschaft austreten?" oder: "Wie lange können Sie noch austreten, bevor Sie sich für immer binden?" Im Grunde gibt es - wenn es um unser Leben im Kloster geht - kaum eine Gesprächsrunde, bei der diese Frage nicht irgendwann auftaucht, sie kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Manchmal muss ich darüber ein bißchen schmunzeln und stelle mir dann vor, wie es wohl auf ein frisch verheiratetes Paar wirken würde, wenn die am häufigsten gestellte Frage wäre: "Könnt Ihr Euch eigentlich wieder scheiden lassen?"
Klar, diese Fragen haben ihre Berechtigung, zumal in den Köpfen der meisten noch solche Vorstellungen wie "für immer eingesperrt hinter Klostermauern" herumgeistern. Und ich bin dann immer dankbar, wenn man die Möglichkeit hat, darauf einzugehen und mit solchen Klischees aufzuräumen. Ich finde, die Zeit, die wir uns im Kloster für unsere Lebensentscheidung nehmen können, ist im Vergleich zu anderen Lebenswegen purer Luxus. Die allermeisten von uns sind ja schon einmal nicht von heute auf morgen eingetreten, sondern dem Ordenseintritt ging meist eine längere Zeit - oft heftigen - inneren Ringens voraus. Wir alle haben schon einmal mitten im Leben unseren "Mann" (o.k., sagen wir besser: unsere Frau) gestanden und wissen auch um viel Schönes, Liebgewonnes und Kostbares, was wir mit dem Schritt ins Kloster hinter uns lassen und was dann und wann auch einmal schmerzen kann.
Die erste Zeit im Orden, die Postulatszeit, ist individuell unterschiedlich und dauert zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. In dieser Zeit geht es darum, die Gemeinschaft besser kennen zu lernen und mich innerhalb dieser Gemeinschaft wahrzunehmen. Finde ich ins Leben oder macht der klösterliche Alltag mein Herz eng? - das zum Beispiel ist ein ganz entscheidendes Kriterium, an dem man erkennen kann, ob man am richtigen Ort ist oder nicht. Wenn dann die Gemeinschaft und die Postulantin zu der Überzeugung gekommen sind, dass es gut ist, weiterzugehen, folgt das zweijährige Noviziat, in dem wir - begleitet von unserer Novizenmeisterin - einen ganz intensiven, konzentrierten Weg mit Gott gehen dürfen. Gut, der Vergleich hinkt vielleicht ein bißchen, aber das ist so ähnlich, wie wenn sich ein Liebespaar vor der Hochzeit erst einmal für zwei Jahre an einen einsamen Ort zurückziehen würde, um zu schauen, ob sie auch zu einander passen ;-) Klar, in dieser Wüsten-Zeit kann einem schon einmal gewaltig die Decke auf den Kopf fallen, aber das ist auch gut so. Während ich vorher immer Angst hatte, mich mit meinem Ordenseintritt in irgendetwas zu "verrennen" und vor lauter Begeisterung die Objektiviät zu verlieren, durfte ich im Noviziat erfahren, wie alle oberflächlichen Eintritts-Motive dahinschmolzen wie Eis an der Sonne, aber trotzdem noch eine große Sehnsucht blieb, Christus genau auf diesem Weg in dieser Gemeinschaft nachzufolgen. Die äußere Hülle musste also ganz schön Federn lassen, während tief im Innern Gewissheit wuchs.
...und erst dann - nach etwa 3-4 Jahren Probezeit, in denen man theoretisch jeden Tag seine Koffer packen und gehen könnte - erst dann legen wir die zeitliche Profess ab, in der wir uns in einem öffentlichen Versprechen erst einmal ein Jahr an unsere Gemeinschaft binden. Es beginnt die Juniorats-Zeit, in der man lernt, Arbeitsalltag und Gebetsleben in Einklang zu bringen, möglicherweise noch eine Ausbildung macht und das im Noviziat Erlernte auf seine "Alltagstauglichkeit" testen kann ;-) Und auch nach jedem Junioratsjahr entscheidet sowohl die Juniorin als auch die Gemeinschaft, ob es gut ist, gemeinsam unterwegs zu bleiben und die Profess zu erneuern oder nicht. Erst nach weiteren 4-6 Jahren legen wir dann - wie es so schön heißt: wenn alle Beteiligten wollen - die Ewige Profess ab, in der wir uns endgültig an die Gemeinschaft binden und umgekehrt.
Klar, selbst so ein langer Entscheidungs-Prozess ist keine Garantie dafür, dass diese Bindung wirklich hält bis zu Tod, ich glaube, es ist einfach eine große Gnade, ein Leben lang treu zu bleiben. Aber - wie Madeleine Delbrêl schreibt: "Der Sprung muss immer ins Schwarze getan werden. Auf klare Sicht zu warten, um springen zu können, heißt, sich dazu zu verurteilen, ewig zu warten."
Sr. M. Ursula

Mittwoch, 2. September 2009

Abgetaucht...

Nachdem Kerstin gestern nachmittag gut bei uns im Mutterhaus gelandet ist, ist sie seit heute im Schweigen, um sich auf ihren Noviziatsbeginn und die Einkleidung am 08. September vorzubereiten. Gestern war sie schon ganz schön aufgeregt, aber das ist denke ich auch irgendwie gesund. Bei mir liegt dieses Ereignis ja auch noch nicht so wirklich lange zurück, und ich kann mich noch sehr gut an diese Mischung aus großer Vorfreude und mindestens ebenso großer Aufregung erinnern, die sich in mir breit machte. Aber als dann der große Festtag vorbei war, wunderte ich mich selbst darüber, wie schnell ich mich an die "Äußerlichkeiten" gewöhnt hatte, der Alltag einkehrte und ich mich auf die Reise nach innen machen konnte, zu der uns die Noviziatszeit ja eigentlich einlädt.
Ich wünsche Kerstin nun von Herzen, dass sie in den nächsten Tagen trotz aller Spannung noch einmal innerlich zur Ruhe kommen und zum Wesentlichen gelangen darf; und freue mich zugegebenermaßen ein ganz kleines bißchen darauf, wenn sich in der kommenden Woche die komplette Ordensjugend mal wieder auf dem Arenberg versammeln wird und wir unsere neue Novizin feiern ;-)))
Sr. M. Ursula

Dienstag, 1. September 2009

Alltägliches Glück

Ich bin ja immer recht vorsichtig, hehre Begriffe wie "gött-liche Vor-sehung" in den banalen Alltag hinunter zu ziehen, aber manchmal passieren Dinge, bei denen kann ich einfach nicht glauben, dass das billiger Zufall sein soll. So eine Erfahrung durfte ich zum Beispiel heute wieder machen: Vor einigen Monaten schickte mir eine liebe Freundin in einem Brief sechs ganz schlichte Briefkarten inkl. Umschläge. Ich hab mich über diese originelle Idee wie verrückt gefreut, nicht nur, weil ich so gerne Briefe schreibe und sie daher sehr gut gebrauchen konnte, sondern auch, weil sie noch so wunderschön hellblau waren - meine absolute Lieblingsfarbe. Kurzum, die Karten haben mir so gut gefallen, dass ich sie mir wirklich gespart, und nur in "besonderen Fällen" verwendet habe. Gestern abend habe ich nun schweren Herzens die letzte dieser Karten aufgebraucht, erwägte noch hin und her, ob ich nicht vielleicht doch lieber "normales" Papier nehmen soll, gab mir dann aber selbst einen Kick: "Jetzt kleb' mal nicht so an diesen Karten!" ...
Und HEUTE - heute bekam ich wieder einen Brief von der gleichen Freundin - und den Inhalt könnt Ihr Euch jetzt wohl denken. Auch wenn es sich vielleicht völlig verrückt anhört, aber über solche Fügungen kann ich mich tagelang freuen, und ich stelle fest, seit ich im Kloster lebe, passiert mir so etwas vergleichsweise oft. Früher hätte ich mir eben einfach neues Briefpapier gekauft, wenn das alte verbraucht ist, da wäre mir so etwas wahrscheinlich gar nicht so aufgefallen.
So, bevor ich jetzt gleich unsere fast-Novizin Kerstin vom Bahnhof abhole, arbeite ich noch ein bißchen im Kräutergarten und lasse dabei dieses kleine aber feine Alltags-Glück etwas nachklingen :-)
Sr. M. Ursula