Sonntag, 30. August 2009

Buen camino!

Für Sr. M. Josefa und Sr. M. Andrea nimmt heute ein langjähriger Traum konkrete Gestalt an - die beiden sind gerade auf dem Weg nach Madrid und werden ab Dienstag (nach einem Abstecher über Caleruega, dem Geburtsort unseres Ordensvaters Dominikus) von Burgos aus 487 km zu Fuß nach Santiago de Compostela pilgern. Heute morgen haben sie sich beim Frühstück von uns verabschiedet und empfingen nach der Hl. Messe den Reisesegen. Neben ihren 12 kg schweren Rucksäcken haben sie noch weiteres "schweres Gepäck" mitgenommen - jede Schwester hatte nämlich die Möglichkeit, eine Bitte aufzuschreiben, so dass nun auch die Anliegen unserer Gemeinschaft zum Apostelgrab des Hl. Jakobus getragen werden, wo die beiden Ende September hoffentlich unversehrt und um viele gute Erfahrungen reicher ankommen.

"Den Pilgerstab in der Hand,
die Sehnsucht im Gepäck,
im Haar den Wind der Begeisterung,
und tief im Herzen das ewige Ziel -
was kann mir schon passieren?"

Diese Zuversicht, die Carola Matthiesen in einem Gedicht sehr schön ausgedrückt hat, wünsche ich unseren pilgernden Mitschwestern von ganzem Herzen, auch wenn der Weg mal hart wird und das Weitergehen durch Muskelkater, Rückenschmerzen und Blasen an den Füßen eher Tortur als Vergnügen ist.
BUEN CAMINO!
Sr. M. Ursula

Samstag, 29. August 2009

"So ist Versöhnung"

Alle zwei Jahre laden wir Gäste und Freunde von Kloster Arenberg zu einem großen Klosterfest ein. In diesem Jahr war es mal wieder soweit, und das Fest stand - wie auch unser aktuelles Jahrespro-gramm - unter dem Motto "So ist Versöhnung". Nach einem kurzen Impuls zu Beginn gab es verschiedene Möglichkeiten, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen, und natürlich daneben auch ganz viel Gelegenheit zu fröhlicher Begegnung und netten Gesprächen.
Ein echtes Highlight war die "Einweihung" unserer Erwachsenenschaukel - normalerweise steht es ja einem Versöhnungsprozess eher im Wege, sich gegenseitig hochzuschaukeln, doch Sr. M. Josefa und unser Geschäftsführer Bernhard Grunau durften als "Erst-Schaukler" diesbezüglich mal eine Ausnahme machen. Wer von beiden nun höher geschaukelt ist, lässt sich schwer sagen, für mich hat heute aber auf jeden Fall unsere Sr. M. Lamberta gewonnen, die sich nach vielen schaukelfreien Jahrzehnten wieder einmal traute. Und Sätze wie: "Kann man hier auch mal schaukeln, ohne dass einem hunderte Leute dabei zuschauen?" lassen vermuten, dass sich demnächst wohl die ein oder andere Schwester ganz heimlich in früher Morgenstunde auf den Weg zur Kastanienwiese machen wird... [wir wollen natürlich keine Namen nennen, aber eine der potentiellen Schaukel-Benutzerinnen wurde gerade von ihrem Amt als Mutterhaus-Priorin abgelöst ;-)]
Nach einem schönen Gottesdienst in der Mutterhauskirche neigte sich das Fest dann langsam dem Ende zu und ich denke mal, dass heute alle Beteiligten und Gäste sehr versöhnt nach Hause gegangen sind.
Mit einigen netten Fotos vom heutigen Tag wünsche ich all unseren Lesern einen ruhigen, erholsamen Sonntag
Sr. M. Ursula

In der Nacht, da er verraten wurde

Manchmal erwischt es einen. Unvermittelt.
Worte, die wir Tag für Tag hören, schlagen wie ein Blitz ein, lassen einen mit der ganzen Existenz aufhorchen, gehen unter die Haut und fangen dann an aufzugehen - wie die Saat im frisch gepflückten Acker. So ging es mir letzthin während einer Eucharistiefeier am frühen Morgen, wo das Herz wohl bereits wach ist, aber der Leib doch noch nach der Wärme des Bettes lechzt:
„In der Nacht, da er verraten wurde, nahm er das Brot und sagte Dank, brach es, reichte es seinen Jüngern und sprach: Nehmt und esst alle davon: Das ist mein Leib, für Euch hingegeben."
In dieser Nacht, der furchtbaren, in dieser Nacht des Verrates, in der das Zeichen inniger Freundschaft mit Füssen getreten und die Liebe preisgegeben wurde, da ist dieser verrückte GOTT ganz bei sich und gibt, was er hat. Sich selbst. Ganz.
Keine einzige Frage nach dem, was es denn bringt. Er bringt sich. Kein Sparen und Berechnen. Kein endloses Hinterfragen und Sichern, ob es sich lohnt.
In diese eine Nacht hinein, die im tiefsten alle menschlichen, oft unmenschlichen Nächte einholt und hebt, gibt Christus sich ganz und gar, mit Haut und Haar.
Dieses Bild von der Nacht, diese radikale, bedingungslose Hingabe seines Lebens berührt mich in unserer konkreten Situation: auch wir als Gemeinschaft kennen die Nacht, als Bild des Nicht-Mehr-Weiter-Wissens; dunkle Stunden und Tage dort, wo Lösungen nicht mehr auszudenken sind, sondern wo sie uns geschenkt werden müssen (dürfen). Nacht, wo Grenzen und Begrenzungen schmerzlich spürbar sind, wo wir Krankheiten zuweilen als Schläge erfahren.
Und da mich mit dem, was ich bin und habe, mitten hineinstellen, mit beiden Füssen. MICH geben, mein ganzes Leben hineingeben, nicht nur ein Teil von mir. Mich verschenken mit der Kraft, die Gott mir verleiht. Mich wagen, weil behütet. Weil geliebt.
Die Liebe hört auf zu rechnen, die Liebe gibt sich; echte Liebe ist frei von der Furcht, zu verlieren, zu kurz zu kommen, leer auszugehen. Das Geheimnis liegt wohl darin: nur wer sich hat, kann sich geben. Ganz. Bis zum Letzten, bis ins Äusserte hinein, bis in die Nacht aller Nächte hinein. Verrückt? Ja, verrückt. Aber volles, erfülltes Leben, so paradox es klingen mag.Aber was war das denn Anderes, wenn ich auf diesen Jesus schaue?
Selbstvergessenheit im schönsten Sinn des Wortes, ein Zustand, der uns dann und wann ja geschenkt ist: dieses Aussersichsein im Staunen, in der Ekstase: „Ich bin ganz aus dem Häuschen, hin und weg.“ Nicht nur in der Freude, im Glück, sondern auch hinein in die Not, in die Wüste, gar in die Leere.
In meinem konkreten Alltag: Hier bin ich. Ich gebe mich. Frei.
Hier bin ich – sende mich.
Vielleicht etwas abgehoben, aber ich höre diese Wirklichkeit aus den Worten Jesu. Und meine Überzeugung bleibt: nur Hingabe macht glücklich. Punkt.
Sr. M. Scholastika

Freitag, 28. August 2009

Mir ist nichts Menschliches fremd.

Diese weisen Worte sprach schon Augusti-nus, dessen Fest wir heute feiern. Eigentlich wäre es laut Kalender nur ein grosses G, also "nur" ein Gedenktag, aber für uns, die wir mit der Regel des hl. Augustinus leben, ist das heute natürlich ein Fest.
In den letzten Wochen hören wir morgens beim Frühstück die Augustinusregel, die Abt Hermann Josef Kugler kommentiert hat, und da werden für mich zwei Punkte immer deutlicher:
Augustinus war wirklich ein Menschenkenner, dem aber das Menschsein als Ganzes wichtig war. Und für ihn soll alles zur Einheit hin streben, letztlich auch zur Einheit mit Gott. So stammen von Augustinus ja auch die Worte "Unruhig ist mein Herz, bis es ruht in dir."
Und diese Unruhe ist es, die uns alle hier wohl antreibt, auf jeden Fall aber mich. Dafür nehme ich dann auch in Kauf, morgens schon vor der Sonne aufzustehen - inzwischen ist es morgens beim Aufstehen wieder dunkel -, meine Freunde eher virtuell zu treffen, nicht einfach so ins Kino zu gehen,... Es ist ja auch nicht so, als hätten wir gar keine Freude, auch so ein Punkt, der Augustinus wichtig war: Für ihn sind Askese, Selbstkasteiung und Armut nicht so zentral, das sind vielleicht Hilfsmittel auf dem Weg zu Gott.
Augustinus konnte sich, zumindest gegen Ende seines Lebens, an der Schönheit um ihn herum erfreuen. Das tue ich auch, besonders gerne, wenn ich mittags im Garten in unseren urgemütlichen 80er-Jahre-Gartenstühlen sitze und Wind und Sonne geniesse. Das ist doch Genuss pur. Oder am Nachmittag mal unter der Tanne zu sitzen und gemeinsam Kaffee zu trinken, da braucht es doch nicht viel mehr im Leben. Wer redet da noch von Verzicht.
Kerstin

Donnerstag, 27. August 2009

Miss "In-den-Bohnen" 2009

Oh mein Gott, wenn es demnächst eine Wahl zur Miss "In-den-Bohnen" geben sollte, dann sage man mir bitte rechtzeitig Bescheid, ich habe nämlich ernsthafte Aussichten auf den Titel!!! So verpeilt wie ich manchmal bin kann ein einzelner Mensch eigentlich gar nicht sein. Gut, aber heute ging bei mir auch alles Schlag auf Schlag. Nach der Mittagspause hatten wir zuerst eine Besprechung mit unserem Seelsorge-Team, dann aus ging es direkt weiter in die Kräuterei. Obwohl wir dort durch unser bevorstehendes Klosterfest eigentlich schon genug im Stress wären, kam heute nachmittag noch zu allem Überfluss ein Fernseh-Team vom WDR vorbei, um uns bei der Arbeit zu filmen. Sie waren zwar sehr nett und hatten alles recht schnell im Kasten, aber trotzdem ging uns wertvolle Arbeitszeit verloren, so dass wir nur mit Mühe bis kurz nach fünf fertig wurden. Dann flitzte ich nach einem kurzen Date mit meiner Dusche in die Abendmesse, nach der Messe war ich - da wir heute abend im Schweigen zu Abend gegessen haben - als Tischleserin im Einsatz, danach half ich Sr. M. Veneranda und im Anschluss auch Sr. M. Hilaria bei der Bewältigung heimtückischer Computer-Probleme, und dann ging ich selbst nochmal an den Computer, um noch ein bißchen zu arbeiten. Als ich da so saß, da bekam ich auf einmal ziemlichen Hunger, und wunderte mich "komisch, Du hast doch grad erst zu Abend gegessen".... Als das Hungergefühl aber trotzdem nicht nachließ, oh nein, wie peinlich - da fiel mir auf einmal ein: "DU HAST JA NOCH GAR NICHT ZU ABEND GEGESSEN, DU WARST JA TISCHLESERIN!!!"
Also, wie Ihr merkt, bei mir gehts schon ganz schön früh los... Aber vielleicht ist das auch ein kleiner Trost für unsere älteren Schwestern (die übrigens, wie man an der riesigen Resonanz bemerken kann, zu unseren treuesten Blog-Leserinnen zählen!!!) dass man auch mit 33 Jahren schonmal gewaltig neben der Spur sein kann.
Nun freue ich mich - gut gesättigt - auf einen ruhigen, erholsamen Abend
Sr. M. Ursula

Mittwoch, 26. August 2009

Werft das Netz auf der rechten Seite aus!

Diese Worte, die Jesus zu seinen Jüngern als Auferstandener sagt, hat der Trierer Bischof Stephan Ackermann in seinem ersten Hirtenbrief aufgenommen. Wir haben uns mit dem Hirtenbrief in Hinblick auf das Generalkapitel im Oktober auseinander gesetzt und diese Aufforderung Jesu ist uns besonders nahe gegangen.
Denn durch den Tod von Sr. Emanuela haben wir zur Zeit keine Generalpriorin und, das kann ich wohl sagen, es ist gar nicht so einfach, eine neue Generalpriorin zu wählen und Pläne für die Zukunft zu schmieden, wenn sehr viele Schwestern schon über 70 sind. Deswegen fanden wir die Worte Jesu an seine Jünger so bewegend: Die Jünger kommen wieder von einer anstrengenden Nacht auf dem See, in der sie nichts gefangen haben. Sie sind wahrscheinlich müde und hungrig, haben aber nichts zu essen. Also ziemlich frustriert.
Und dann kommt da ein Mann daher, den sie erst gar nicht erkennen, fragt sie nach etwas Essbarem und sagt ihnen dann: "Werft das Netz auf der rechten Seite aus!" Da kann man sich doch fragen, was das jetzt für eine blöde Idee ist. Was spielt das denn für eine Rolle, auf welcher Seite man das Netz auswirft? Die Fische schwimmen doch auch unter dem Boot lang und überhaupt gab es die ganze Nacht nichts zu fangen...
Aber die Geschichte zeigt uns ja, dass die Fischer die Netze anschließend so voll haben, dass sie bald nicht wissen, wie sie damit fertig werden sollen. Und so haben auch wir uns vorgenommen, auch auf die vielleicht auf den ersten Blick etwas blöden Ideen zu vertrauen, die der Geist uns eingibt und natürlich besonders den Delegierten für das Generalkapitel eingibt. Vielleicht steht am Ende etwas, das alle für sinnlos halten, aber vielleicht ist das genau der richtige Weg, weil der Heilige Geist mit uns ist. Bestimmt erfordert das von uns Offenheit, Dinge auszuprobieren, die wir nicht unbedingt gewohnt sind und vielleicht müssen wir uns auch von anderen Dingen verabschieden, aber wenn wir auf Christus vertrauen, kann uns ja eigentlich nicht viel passieren. Damit wir unsere Gedanken nicht vergessen und doch wieder in den alltäglichen Trott geraten, haben wir bei uns in der Klausur ein Netz aufgehangen - zugegebenermaßen könnte man damit eher Wale als kleine Fische fangen - und die Worte Jesu dazu geschrieben.
So bin ich jetzt eigentlich ziemlich gespannt auf das Generalkapitel, unsere neue Generalpriorin und auf das, was auf uns zukommt.
Kerstin

Dienstag, 25. August 2009

Drohbotschaft?

Also das Tagesevangelium heute ging mir irgendwie durch Mark und Bein und mein erster Gedanke war: Die armen Pharisäer, die armen Schriftgelehrten! In dieser Woche hören wir ausschnittsweise das 23. Kapitel des Matthäus-Evangeliums, in dem Jesus mit Worten regelrecht auf sie einprügelt. Manch einer wird sich da beim Hören wohl in die Kirchenbank zurücklehnen und sagen: "Denen geschieht's recht, dass Jesus ihnen mal eins auf die Mütze gibt." - denn "Pharisäer" hat sich ja im Laufe der Zeit tatsächlich zu einem Schimpfwort, geradezu einem Synonym für Heuchler entwickelt. Aber damit tut man ihnen doch ganz schön Unrecht, denn die Pharisäer zur damaligen Zeit waren die Juden, die mit ihrem Glauben wirklich ernst machten, die versuchten, die Gebote zu erfüllen und sich so für das Kommen des ersehnten Messias zu bereiten. Eigentlich also diejenigen, die für Gott auch in schweren Zeiten die Fahne hoch hielten! Doch die Pharisäer hatten ein grundlegendes Problem - sie waren nicht in der Lage, das Unwesentliche vom Wesentlichen zu unterscheiden, man kann sagen, sie sahen vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Sie waren davon überzeugt, sich den Himmel durch religiöse Glanzleistungen verdienen zu können. Sie versuchten - wie Madeleine Delbrêl es schreibt - "nach den Regeln des Sports" zu Gott zu gelangen, und merkten dabei gar nicht mehr, wie die peinlichst befolgten Gebote ihr Herz immer enger werden ließen. Die Gnade Gottes, von der Jesus immer wieder erzählte, hatten sie nach ihrer Einschätzung gar nicht mehr nötig. Aber warum reagiert Jesus so aggressiv und scharf auf diese doch eigentlich tief gläubigen Juden? Ich glaube, er wollte sie schlicht und einfach wach rütteln, ihre Nasen wieder auf das Wesentliche stupsen, und da sie so derart gefangen waren in sich selbst, brauchte es dazu eben entsprechend deutliche Worte.
Mir kam heute abend wieder ein für mich sehr ergreifendes Erlebnis in den Sinn; es war einige Jahre vor meinem Ordenseintritt, da machten wir mit unserer Pfarrei eine Wallfahrt nach Paris. Diese Wallfahrten waren immer Gesamt-Erlebnisse, wir beteten natürlich viel, aber feierten zugegebenermaßen mindestens genauso viel (eben so richtig katholisch ;-). An einem Abend, da hatten wir es ehrlich übertrieben, mit ein paar Freunden machte ich durch bis nachts um fünf, und am anderen Morgen brachen wir recht früh wieder auf, um in einer großen Pariser Kirche die Hl. Messe zu feiern. Oh Gott, mir ging es wirklich unheimlich schlecht, ich war übernächtigt, absolut lustlos und verkatert und hatte dazu noch ein schlechtes Gewissen, in diesem Zustand überhaupt eine Messe mitzufeiern. Ich konnte grade gar nichts beten außer so etwas wie "tut mir leid, lieber Gott, was anderes kann ich Dir heute leider nicht bieten". Und genau in dieser Messe gab es einen Moment, in dem ich mich von Seiner Liebe getroffen fühlte wie von einem Blitz. Das war einfach so dermaßen überwältigend, dass ich vor lauter Glück am liebsten die ganze Welt umarmt hätte. Und dieses Glück, es war völlig unverdient - genau das war das Allerschönste daran. Mit einem Mal wurde mir bewusst, was bedingungslose Liebe meint, wie wunderbar es ist, dass Gott sich uns schenken will, ohne dafür irgendeine Gegenleistung zu erwarten (was könnten wir ihm auch geben, was er nicht schon hätte?). Und von dem Moment an war mir klar, dass ich auf diese verrückte Liebe mit meinem Leben Antwort geben möchte...
"Wenn Ihr mich liebt, werdet Ihr meine Gebote halten", sagt Jesus im Johannes-Evangelium. Vielleicht hatten die Pharisäer einfach nur das Problem, dass sie das Pferd von hinten aufzäumen wollten. Erst muss da die Erfahrung einer Liebe stehen, die pures Geschenk ist und alles menschliche Ermessen übersteigt, und dann wächst auch die Sehnsucht, dieser Liebe Raum zu geben, und ich glaube, wenn man das versucht, befolgt man quasi automatisch auch die göttlichen Gebote, die uns ja nicht irgendwie einengen, sondern ins Leben führen wollen. Und auf dem Fundament jener Liebe weicht auch die Angst, einmal daneben zu treten, denn - "wenn das Herz uns auch verurteilt, Gott ist größer als unser Herz" (vgl. 1 Joh 3, 18).
Die Pharisäer in mir, die gibt es zugegebenermaßen auch, und ab und zu machen sie sich bemerkbar. Da bin ich dann doch dankbar für Evangelien wie das heutige, die uns wachrütteln und für das wahre Leben öffnen wollen.
Sr. M. Ursula

Samstag, 22. August 2009

Sola dosis facit venenum

- "nur die Dosis macht das Gift" - diese schlaue Erkenntnis hatte schon Paracelsus im 16. Jahrhundert. Heute abend beim Abendessen hab ich mich ja ernsthaft gefragt, ob es nicht vielleicht vernünftig wäre, einmal die letale Dosis von Zwetschgen in Erfahrung zu bringen, bevor hier im Mutter-hauskonvent der Aren-berger Dominikane-rinnen ein unerklär-liches Massensterben einsetzt ;-)
Nein, es ist wirklich lustig - in diesem Jahr haben wir so eine fette Zwetschgenernte, dass wir trotz des Kampf-Marmelade-und-Gelee-Kochens der letzten Tage immer noch massenweise Zwetschgen übrig haben, die möglichst schnell gegessen werden sollen. Und so werden wir schon seit Tagen mit Zwetschgen-kompott, Zwetschgenpfannkuchen, Milchreis mit Zwetschgen, Zwetschgenkuchen, Griesbrei mit Zwetschgen, oder einfach nur: "Zwetschgen ohne was" verwöhnt. Ich als alter Zwetschgen-Fan bin natürlich völlig im Glück, mache mir aber nur eben etwas Sorgen, ob das Ganze denn in diesen Konzentrationen noch gesund ist... Nun ja, hoffen wir einfach mal, dass gravierende Nebenwirkungen ausbleiben und wir morgen froh und munter den Tag des Herrn feiern können.
Einen schönen, sonnigen Sonntag wünscht
Sr. M. Ursula, die jetzt doch noch ein paar Zwetschgen essen muss ;-))

Freitag, 21. August 2009

Freiheit hinter Klostermauern!

Woche für Woche kommen zahlreiche Menschen auf der Suche nach Erholung an Leib und Seele zu uns ins Kloster Arenberg. Da unser Leben als Ordensschwestern bei unseren Gästen natürlich viele Fragen auslöst, bieten wir unter dem Titel „Feuer und Flamme“ einmal in der Woche einen Vortrag an, indem wir etwas über unsere Lebensform erzählen und die Gäste uns Löcher in den Bauch fragen dürfen. Gestern abend war ich mal wieder dran, und ich habe mir das Thema „Freiheit hinter Klostermauern?“ ausgesucht. Bei der Vorbereitung musste ich selbst etwas lachen, denn ich erinnerte mich an meinen ersten Besuch bei den Arenberger Dominikanerinnen. Damals war ich lediglich auf der Suche nach einer geistlichen Begleitung und wehrte mich innerlich noch mit Händen und Füßen gegen einen Ordenseintritt – „alles, bloß nicht Kloster“ war meine Devise. In meinem ersten Gespräch mit einer Schwester erzählte sie mir dann dauernd etwas von Freiheit, und ich fragte mich die ganze Zeit: „Was hat denn das Leben als Ordensschwester bitte schön mit Freiheit zu tun??“ (hab mich aber damals nicht getraut, nachzufragen ;-))
Was das Ordensleben mit Freiheit zu tun hat, das durfte ich in den letzten drei Jahren auf beeindruckende Weise erfahren, und so war dieses Thema, über das ich gestern abend sprechen durfte, tatsächlich auch „mein Thema“. Ja, nach außen hin mag es wirklich so erscheinen, dass unser relativ streng geregeltes Leben im Kloster wenig Freiräume für Persönliches lässt. Uns ist es vorgegeben, was wir anziehen, wann wir sprechen und wann wir schweigen, wann wir beten und wann wir arbeiten, wir machen normalerweise keine großen Reisen und haben auch nur ganz wenig persönliches Geld zur Verfügung. Das alles hört sich ja auf den ersten Blick nicht wirklich verlockend an, aber es ist seltsam, ich habe mich seit meinem Eintritt noch keinen einzigen Tag in irgendeiner Weise unfrei gefühlt. Woran das wohl liegen mag? Ich kann es selbst nur schwer erklären. Vielleicht, weil ich in der Aufgabe eines Teils meiner „äußeren Freiheit“ ein riesiges Stück innere Freiheit dazugewonnen, sogar eine ganz neue Welt in meinem Innern entdeckt habe, von der ich vorher nichts oder nur wenig ahnte. Die Evangelischen Räte Armut, Gehorsam und Jungfräulichkeit, die sich in den Ohren so Vieler anhören wie äußerst unattraktive Relikte aus längst vergangener Zeit, sie wollen tatsächlich nichts anderes, als dass wir zu freien, zu ganzen Menschen werden. Menschen, die sich nicht definieren über ihre Leistungen, sondern durch ihr Sein vor Gott; die an sich geschehen lassen statt die großen "Macher" zu sein. Menschen, die sich ihrer Geschöpflichkeit bewusst sind; die sich nicht künstlich aufblähen, sondern ganz zu ihrer eigenen – manchmal ziemlich armseligen Wahrheit - stehen. Menschen, die absichtslos, aber trotzdem leidenschaftlich liebend unterwegs sind. Menschen, die sich immer neu herausrufen lassen in die Not der Zeit und dabei manchmal ohne es zu ahnen über sich selbst hinauswachsen; die sich anfragen lassen, statt sich selbst zum Maß der Dinge zu machen. Menschen, die wissen, dass es auf sie ankommt, aber nichts von ihnen abhängt. Menschen, die in der Erfahrung ihrer eigenen Schwäche mit-leidend werden. Menschen, die auch Dürrezeiten aushalten, ohne sich gleich Zisternen zu graben, die das Wasser doch nicht halten (vgl. Jer 2,13). Menschen, die sich Tag für Tag dem Leben anschmiegen, immer wieder zu Neubeginn bereit sind, anstatt sich von Enttäuschungen und Misserfolgen lähmen zu lassen. Ich glaube, das ist dieser „zarte Duft der Freiheit“, der mir in den letzten Jahren in die Nase gekommen und so unendlich kostbar geworden ist, so dass ich mir nichts so sehr wünsche, als auf dem begonnenen Weg weiterzugehen.
Sr. M. Ursula

der drache der freiheit
braucht verlässlichen halt
um mit den wilden Winden
tanzen zu können


ohne feste bindung
würde er jählings
in die tiefe stürzen
und am boden zerschellen


binde deine freiheit
an die lange leine gottes
sie allein gibt halt
ohne dabei festzuhalten


sie ist wie ein sicherndes seil
das niemals fesselt
denn in der freigabe
erweist sich gottes macht

(aus: Andreas Knapp: Brennender als Feuer)

Donnerstag, 20. August 2009

Man kann ja blöd sein...

man muss sich nur zu helfen wissen.
In diese Kategorie fällt wohl mein Versuch, in diesen heissen Tagen - es wurde sogar in der Schweiz schon eine Hitzewarnung heraus gegeben - mir und vor allem unseren Gästen Abkühlung zu verschaffen. Zur Zeit tagt nämlich der Bischofsrat des Bistums Basel bei uns im Haus und wer bei uns vielleicht schonmal zu Gast war, der weiss, dass unser Konferenzraum auf der Sonnenseite des Hauses liegt. Das ist ja im normalen Leben sehr schön, aber unter diesen Witterungsbedingungen und wenn dann auch noch 24 Menschen konzentriert arbeiten, eine echte Katastrophe. Da würde wahrscheinlich bald Amnesty International auf der Matte stehen, weswegen wir etwas tun mussten. Also bin ich gestern nach der Anbetung, in der ich zu Anfang auch dezent schwitzte, durch das Haus gezogen und habe sämtliche Ventilatoren eingesammelt, die ich finden konnte. Darunter auch das historische Stück aus dem Bild. Im Konferenzraum habe ich dann einen kleinen Windpark aufgebaut, damit der Bischofsrat heute nicht am Hitzetod stirbt. Ich hoffe nur, dass die Ventilatoren nicht zu laut brummen und sie sich deswegen gegenseitig nicht verstehen.
Je länger es so heiss bleibt, desto ausgeklügelter werden auch unsere Lüftungssysteme, so dass bitte keiner auf die Idee kommen soll, dass wir uns das Ende des Sommers wünschen würden. Von mir aus kann es noch einige Wochen so weiter gehen!
Kerstin

Dienstag, 18. August 2009

Großproduktion

In unserem Kräuterhäus-chen geht es derzeit zu wie in einer Hexenküche - nachdem die Haupterntezeit sich nun langsam aber sicher bereits ihrem Ende zuneigt, sind wir nun in die "Produktion" übergangen - so hat Sr. M. Josefa letzte Woche beispielsweise mit einigen fleißigen Helfern einen großen Teil unserer riesigen Zwetschgenernte zu leckerster Marmelade verkocht. Ich selbst bin gerade dabei, alles was sich nicht wehren kann mit Alkohol zu übergießen und als Likör anzusetzen (was diejenigen, die mich noch aus "vorklösterlicher Zeit" kennen, wahrscheinlich mit einiger Heiterkeit erfüllen wird ;-)
Neben Johanniskraut- und Holunderlikör stellen wir mit 25 verschiedenen Kräutern aus unserem Garten zum Beispiel einen seehr gesunden Magenbitter her, unser "Aren-berger Gnadentröpfchen", das sich im Klosterladen großer Beliebtheit erfreut. Heute hatte im Kräuterhäuschen aber nicht nur die Junioratsschwester ihre Freude, sondern zu meiner Erheiterung (gemein, ich weiß) durfte auch eine arme verirrte Wespe wohl ihren ersten (?) Vollrausch erleben, als sie ganz unbedarft an einem herumliegenden Löffel trank. Hoffen wir mal, dass sie inzwischen wieder ausgenüchtert ist.
Eine gute Nacht wünscht
Sr. M. Ursula

Sonntag, 16. August 2009

Unerträglich?

Wenn ich mir das 6. Kapitel des Johannes-Evangeliums anschaue, das wir schon seit einigen Wochen ausschnittswei-se in den Sonntagsevan-gelien zu hören bekommen, dann geht mir etwas besonders nahe:
am Anfang steht Jesus dort ja wirklich als der strahlende Held, der die Volksmenge durch die Zeichen und Wunder, die er tut, zum Staunen bringt. In Joh 6,15 wird sogar berichtet, dass die Leute kommen und ihn zu ihrem König machen wollten. Ja, nach menschlichem Ermessen ist Jesus da wohl auf dem Zenit seiner Macht angekommen - er wird verehrt, man hört ihm zu und nimmt ihn ernst – also alles in Butter! Ich denke mal, jeder „normale Mensch“, der der Welt irgendeine wichtige Botschaft übermitteln möchte, würde diese Welle des Erfolgs ausnutzen, um möglichst viele Anhänger für sich zu gewinnen. Doch dann wird uns in Johannes 6, 22-59 die so genannte "Brotrede" überliefert, die Jesus in der Synagoge von Kafarnaum gehalten hat. Es tut schon fast ein bißchen weh, einmal nachzuspüren, wie schnell wohl im Verlauf dieser einen Rede die Stimmung der Volksmenge gegen Jesus „gekippt“ ist.
„Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.“ (Joh 6, 53-56) – bei Äußerungen dieser Art wird es selbst den eigenen Jüngern zu bunt: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?(Joh 6, 60) Wahrscheinlich werden sie gedacht haben, ihr Meister sei schlicht und einfach verrückt geworden, nicht mehr ernst zu nehmen. Es wird uns berichtet, dass sich nach diesen Worten viele von ihm abwandten und nicht mehr mit ihm umherwanderten.
Mir selbst fällt immer wieder auf, dass genau das der Punkt ist, an dem man als bekennender Christ in Gesprächen mit anderen unweigerlich ins Stammeln kommt. Als (einigermaßen) vernünftiger Mensch zu glauben, dass Christus selbst es ist, der uns in jeder Eucharistiefeier als kleines Stück Brot in die Hände gelegt wird, dass Er ausgerechnet auf diese Weise mit uns eins werden will – ist das nicht völlig verrückt, um nicht zu sagen: durchgeknallt? Ich glaube, wer diese Wirklichkeit "nur" mit dem Verstand begreifen will, beißt sich unweigerlich die Zähne aus. Jesus - er wollte uns eben nicht nur irgendeine Botschaft bringen, sondern GOTT selbst, der sich in Ihm unwiderruflich mit uns verbunden hat. Und dieses unfassbare Geschenk konnte und wollte Er uns unmöglich vorenthalten, auch nicht auf die Gefahr hin, dass Viele ihn nicht verstehen und ihm keinen Glauben schenken würden.
In der letzten Woche fiel mir ein Buch von André Frossard in die Hände, in dem er über seine überwältigende Gotteserfahrung und Bekehrung zum Christentum berichtet. Dort schreibt er:
„...ein Pater vom Orden vom Heiligen Geist übernahm es, mich auf die Taufe vorzubereiten, indem er mich in der Religion unterrichtete, von der ich, wie ich nicht noch einmal zu betonen brauche, nichts wußte. Was er mir von der christlichen Lehre sagte, erwartete und empfing ich mit Freuden. Die Lehre der Kirche war wahr bis zum letzten Beistrich, und ich nahm jede Zeile mit immer erneutem Beifall zur Kenntnis, so wie man einen Schuß ins Schwarze beklatscht. Nur etwas überraschte mich: die Eucharistie. Nicht dass sie mir unglaubhaft geschienen hätte, sondern dass die göttliche Liebe diesen einzigartigen Weg gefunden hatte, sich mitzuteilen, erregte mein höchstes Staunen, und vor allem dass sie zu diesem Zweck das Brot erwählt hatte, die Speise der Armen und die liebste Nahrung der Kinder. Von allen vor mich hingestreuten Gaben des Christentums war diese die schönste.“
Dass wir uns immer neu diesem Geheimnis öffnen, und uns von Ihm nähren lassen, das wünsche ich uns an diesem Sonntag von ganzem Herzen
Sr. M. Ursula
(Quelle Foto: http://jerusalem.cef.fr)

Freitag, 14. August 2009

Unsere neue Priorin

So, inzwischen ist Sr. M. Veneranda bei uns auf dem Arenberg eingetrof-fen, und wir haben sie natür-lich herz-lichst in unserer Mitte begrüßt [dabei ist mir zu Ohren gekommen, dass eine gewisse Postulantin K. aus R. gesagt haben soll, dass Sr. M. Veneranda - falls sie auf dem Arenberg nicht ebenso nett begrüßt wird wie sie in Rickenbach verabschiedet wurde - einfach morgen wieder mit zurück in die Schweiz fahren soll - aber das wissen wir selbstverständlich zu verhindern ;-)] !
Morgen, am Hochfest Maria Himmelfahrt, wird sie nun in einer feierlichen Mittagshore in ihr neues Amt als Mutterhauspriorin eingesetzt und damit unsere arme Sr. M. Agnes ablösen, die seit dem Tod von Sr. M. Emanuela gleichzeitig auch noch die Generalleitung unserer Gemeinschaft innehat und besonders in den letzten Monaten geradezu Unglaubliches leisten musste.
Ich gebe zu, ich freue mich ein bißchen, dass ich nun eine weitere "Heimweh-nach-Rickenbach"-Leidensgenossin an meiner Seite habe, die die lieben Menschen dort und die wunderbaren Sonnenaufgänge über den Alpen wahrscheinlich eben so vermissen wird wie ich... Aber der Arenberg hat natürlich auch seine Reize und unser Mutterhauskonvent macht - wie ich in den vergangenen Wochen feststellen durfte - das Einleben wirklich leicht.
Sr. M. Veneranda und uns allen wünsche ich einen guten, schwungvollen, segensreichen Neubeginn!
Sr. M. Ursula

Of Wiederluege Sr. Veneranda

Nach acht Jahren hier in Rickenbach ist Sr. Veneranda heute zu ihrer neuen Aufgabe ins Mutterhaus aufgebrochen. Der Abschied fiel ihr sichtlich schwer und deswegen haben wir quasi schon eine ganze Woche lang Abschied gefeiert, am Samstag zu Dominikus im Konvent, am Dienstag haben wir mit der Hausgemeinschaft und den Mitarbeitenden grilliert, wobei Sr. Veneranda ein kleines Quiz überstehen musste und gestern Abend gab es dann nochmals ein etwas ausgedehnteres Nachtessen im Konvent.
Wir wünschen Sr. Veneranda für ihr Ankommen im Mutterhaus alles Gute und Gottes Segen. Wie sie selber gesagt hat, ist sie dort ja auch zu Hause, so dass sie eigentlich keine Probleme haben dürfte, sich wieder einzuleben. Trotz alledem wartet ja keine einfache Aufgabe als Priorin des Mutterhauskonventes auf sie und deswegen wünschen wir Ihnen, liebe Sr. Veneranda, jede Menge Heiligen Geist, der Sie lebendig macht und belebt, der Ihnen ganz viel Kraft schenkt und natürlich die Liebe in Hülle und Fülle.
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit Ihnen!
Kerstin

Donnerstag, 13. August 2009

Ein Wunder der Natur

Gestern durften wir ein wirkliches Wunder der Natur erleben. Unsere Pensionärin Marie Schenker hat vor einigen Wochen zwei Schwalbenschwanz-Raupen eingefangen und in ein grosses Glas umquartiert. Irgendwann haben diese sich dann verpuppt, wie es sich für echte Raupen gehört, und nun warteten wir Tag für Tag darauf, dass die Burschen endlich zu Schmetterlingen wurden. Gestern war es dann so weit und der erste wunderschöne Schmetterling erblickte sozusagen das Licht der Welt.
Da war ich als ehemalige militante Tierfreundleserin - ich habe mal einen Klassenkameraden solange bequatscht, bis er auf seine Alufolie verzichtete und stattdessen eine Butterbrotdose benutzte (wie ich im Nachhinein feststellen konnte, schlummern da wohl doch dominikanische Qualitäten in mir) - direkt Feuer und Flamme, denn das ist ja wirklich unglaublich, so etwas mal live und in Farbe verfolgen zu können. Den Vormittag über hat der Schwalbenschwanz gebraucht, bis seine Flügel trocken und stabil waren, dann hat Marie ihn in die grosse weite Welt entlassen.
Das ist doch echt unglaublich, was es auf dieser Welt für Schönheiten gibt. Natürlich kann man das alles mit der Evolutionstheroie, Survival of the Fittest usw. erklären, aber ich kann nicht anders, als daran glauben, dass hinter all dieser Schönheit ein Gott hält, dem an der Welt gelegen ist und der selber in diese Welt gekommen ist. Der sogar Mensch geworden ist und sich als Kind wahrscheinlich auch an solchen Sachen wie Schwalbenschwänzen, Regenbögen und Wiesenschaumkraut erfreut hat.
Ich wünsche Euch viel Freude beim Entdecken der Schönheiten um Euch herum.
Kerstin

Dienstag, 11. August 2009

¡Bienvenidas!

Heute morgen gab es mal wieder ein Erlebnis der besonde-ren Art. Zusammen mit Sr. M. Agnes und zwei weiteren Schwestern durfte ich zum Frankfurter Flughafen fahren, um dort unsere Missionarin Sr. M. Christa (sie macht Heimaturlaub) und unsere bolivianische Mitschwester Hna M. Angela (sie wird an einem Deutschkurs teilnehmen) abzuholen.
Ich habe mich nicht nur total gefreut, nach langer Zeit wieder einmal Flughafenluft zu schnuppern, sondern durfte auch noch eine sehr sehr schöne Erfahrung machen, die ich Euch nicht vorenthalten will.
Also, ich muss es heute mal in aller Deutlichkeit sagen: Es gibt doch noch tolle Männer in Deutschland, um nicht zu sagen: Echte Helden!! Als ich nämlich unseren riesigen Minibus in das doch ziemlich enge Flughafen-Parkhaus lenkte, geriet ich (eine Sekunde nicht aufgepasst...) nach vergeblicher Parkplatzsuche einige Etagen obendrüber plötzlich unbeabsichtigt in den Ausfahrtsbereich. Tollerweise waren aber die anderen Schwestern mitsamt dem Parkticket schon ausgestiegen, und ich konnte weder vor (Schranke) noch zurück (Einbahnstraße). Kaum war ich hilfesuchend an unmöglichster Stelle ausgestiegen, kam auch schon ein Mann vom Service auf mich zu. Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, er würde mir jetzt gleich mindestens den Kopf abreißen, mich wüst beschimpfen und unglaublich zur Schnecke machen, aber nein, er war die Höflichkeit, Ruhe und Freundlichkeit in Person. Als ich ihm meine ausweglose Situation schilderte, meinte er: "Kommen Sie, Schwester, ich zeige Ihnen, wo Sie den Wagen stehen lassen können, fahren Sie mir einfach nach..." Nachdem der Gute dann im Ausfahrtbereich einen netten "Sonder-Parkplatz" für unser Dickschiff abgeriegelt hatte, ging es an Problem Nr. 2: Wie finde ich meine Schwestern wieder?? Doch da meldete sich auch schon gleich ein weiterer Mann vom Service, der "meine Kolleginnen" (wie er sagte...) gerade auf einem seiner Kamera-Bildschirme entdeckt hatte. Und damit ich nicht alleine im Parkhaus herumirren musste, ging er dann auch gleich mit mir auf die Suche. Nee, sowas Nettes und Hilfsbereites, also diese Männer waren für mich heute auf jeden Fall die Helden des Tages.
Ansonsten verlief die Abhol-Aktion ohne weitere Zwischenfälle, und wie man auf dem Foto sehen kann, wussten wir uns die Wartezeit gut zu vertreiben ;-)
Inzwischen sind wir alle wieder auf dem Arenberg gelandet und wir wünschen unseren beiden Neuankömmlingen eine frohe, gesegnete Zeit im Mutterhaus!
Sr. M. Ursula

Samstag, 8. August 2009

ein gottverliebter Menschenfreund

Also ein bißchen peinlich ist es mir ja schon, dass ich - bevor ich vor 7 Jahren erstmals in Kontakt mit den Arenberger Dominikanerinnen kam - noch nie etwas vom Heiligen Dominikus gehört hatte, und das, obwohl ich mich durchaus schon vorher als katholisch "soziali-siert" bezeichnen würde ;-) Das zeigt mir aber auch, dass unser guter Ordensgründer, dessen Hochfest wir heute begehen, eindeutig etwas mehr Öffentlichkeitsarbeit verdient hätte - und welcher Tag als der heutige wäre besser geeignet, um gleich einmal damit loszulegen?
Warum der Hl. Dominikus im Vergleich beispielsweise zum Hl. Franziskus (der übrigens etwa zur gleichen Zeit lebte) so wenig bekannt ist, ist schwer zu sagen. Vielleicht, weil sein Lebensweg viel geradliniger und unspektakulärer verlief, ohne diese großen, Aufsehen erregenden Brüche. Außer einigen recht belanglosen Briefen ist uns von ihm selbst nichts Schriftliches überliefert, dafür gibt es aber sehr beeindruckende Berichte von Zeitzeugen, die ihn als äußerst liebenswürdige, lautere und klare Persönlichkeit darstellen:
"Dominikus umfing alle Menschen mit einer fast grenzenlosen Liebe, und da er allen mit Liebe begegnete, wurde er von allen geliebt. Sich zu freuen mit den Fröhlichen und zu weinen mit den Weinenden, war seine persönliche Devise, überströmte er doch von Güte und Sorge für die Mitmenschen und von Mitleid für die Unglücklichen. Besonders liebenswert machte ihn die Tatsache, dass er immer geraden Weges ging und dass man in seinen Worten und Taten nie auch nur die geringste Spur von Verstellung oder Falschheit wahrnehmen konnte. ", schreibt beispielsweise Jordan von Sachsen, der Nachfolger des Heiligen Dominikus im Amt des Ordensmeisters: „(...)all dies geschah auf eine göttliche Eingebung hin. Es war wunderbar zu sehen, wie der Diener Gottes, Meister Dominikus, wenn er die Brüder hierhin und dorthin in die verschiedensten Bereiche der Kirche Gottes zerstreute, dies mit unerschütterlicher Sicherheit tat – auch wenn andere zur gleichen Zeit der Ansicht waren, er zerstöre das gerade erst begonnene Werk, anstatt es auszuweiten. Alles geschah so, als wäre er sich schon der Zukunft sicher, oder als hätte der Geist durch seine Offenbarungen ihn unterrichtet. Und wer hätte gewagt, daran zu zweifeln?"
Seine Güte und Menschenfreundlichkeit, seine Bodenständigkeit und sein unerschütterliches Gottvertrauen, seine tiefe Freude an der Schöpfung, seine Heiterkeit und Geselligkeit machten Dominikus zu einem Menschen, der bei seinen Zeitgenossen bleibenden Eindruck hinterließ. Ein besonders begnadeter Prediger war er selbst, der Gründer des "Predigerordens" wohl nicht (zumindest ist uns von brillianten Predigten des Hl. Dominikus nichts überliefert), aber sein durch und durch überzeugendes Leben in der Nachfolge Christi war die Predigt, die keinen, der mit ihm zu tun bekam, unberührt ließ.
Ich finde es schön, dass uns Festtage wie heute (an denen natürlich auch kräftig mit allem Pipapo gefeiert wird!!) immer wieder etwas aus dem alltäglichen Trott herausreißen, uns einladen, uns auf unseren Ursprung zurückzubesinnen und uns neu entflammen zu lassen für unseren Dienst. Und bevor ich jetzt allzu sehr ins Schwärmen komme, höre ich lieber auf und wünsche all unseren Lesern einen frohen, gesegneten Sonntag!
Sr. M. Ursula

Den Wein der Freude trinken

Heute feiern wir das Fest unseres Ordensgründers, des hl. Dominikus!
In den letzten Tagen haben wir, quasi als Vorbereitung auf das Fest, aus dem Buch von Paul Murray, Den Wein der Freude trinken, gelesen und uns dabei mal auf das Kapitel konzentriert, in dem es um die Fröhlichkeit als ein Wesensmerkmal dominikanischer Spiritualität geht. Und je länger ich mit den Schwestern zusammen lebe, desto mehr bekomme ich den Eindruck, dass wir wirklich ziemlich fröhlich sind. Natürlich gehen wir auch mal nicht so glücklich durch die Welt, haben vielleicht sogar schlechte Laune, aber es gibt doch immer wieder Gelegenheiten, wo wir wirklich fröhlich beisammen sind.
So z.B. auch heute Nachmittag, als wir beim Kaffee das allseits beliebte Spiel "Wer bin ich" mit Personen rund um unseren Orden gespielt haben. Selbst unsere älteren Schwestern Jahrgang 1926 machen da begeistert mit und da merke ich, dass wir echt eine ziemlich coole Gemeinschaft sind. Denn bei allem, was jede einzelne zu tragen hat - eine hat gerade das Handgelenk gebrochen, die nächste hat seit 12 Wochen ein Gipsbein, wieder eine kämpft mit ihrem Blutdruck und allerlei anderen Dingen, die nächste hat schlimme Füsse,... - ist es eigentlich nie so, dass das Leid im Vordergrund steht, sondern immer wieder kommt die Fröhlichkeit durch.
Und so einer war auch Dominikus, der ganz ehrlich über das Leid der Menschen um ihn herum weinen konnte, der aber bei allem die Fröhlichkeit und die Freude an Gott nicht verlor. Das finde ich so ansprechend, ja, fast betörend, dass wir uns in alle Situationen voll reingeben können und das kann eben beides sein. Leid und ganz sicher auch Freude.
So hoffe ich, dass ich diese Fähigkeit niemals verlieren werde, immer wieder die Freude und Fröhlichkeit zu entdecken und einen tiefen Schluck vom Wein der Freude nehmen kann.
Kerstin

Roverrotes Rickenbach

Eine Woche lang hatten wir etwas andere Gäste als sonst üblich. Solche, die morgens schonmal bis zehn Uhr schliefen, vornehmlich draussen waren, die Bäder nur im Keller benutzten, die unsere Toffifee-Fabrik suchten und fast den Schnecken zum Opfer gefallen wären.
Von Sonntag bis heute war die Roverrunde des Stammes St. Josef Hasslinghausen der dpsg da. Sprich: Die Pfadfinder aus meiner Heimat waren da und haben uns besucht.
Seit 1987 bin ich Pfadfinderin und es gilt der Spruch: Einmal Pfadfinder, immer Pfadfinder! Deswegen habe ich mich riesig gefreut, dass die Rover unter der Leitung meiner Geschwister Martina und Philipp für eine Woche hier bei uns waren. Da ich bis 2004 in unserem Stamm Wölflingsleiterin war, also für die jüngsten zuständig, waren alle Rover mal meine Gruppenkinder, so dass in den vergangenen Tagen schonmal das ein oder andere Anekdötchen ausgepackt werden musste. So soll es ja zwei Menschenkinder geben, die ihren Salat am liebsten mit Ei essen und wieder ein anderer kann, wenn es sein muss, eine ganze Dose Brixx essen...
Da das Wetter ab Dienstag tiptop war, waren die Tage wirklich schön. Eine Nacht konnte ich in der Jurte Quartier nehmen, am Mittwoch startete um 10.00 Uhr die 24-Stunden-Staffette mit Wanderung nach Beromünster und Mittwoch Abend konnte ich mit zum abendlichen Bad im Sempacher See. Daneben gab es am Donnerstag einen Liederabend am Feuer, an dem u.a. Sr. Hedwig viel Freude hatte und ich konnte in den letzten Tagen wieder feststellen, dass ich doch ziemlich gerne im Zelt schlafe, am Feuer sitze, ausserordentlich bodennah esse und mit so lustigen Menschen zusammen bin - natürlich sind wir Ordensfrauen, besonders wir Dominikanerinnen auch ein lustiges Volk, aber über die Jahre bürgert sich doch eine ganz eigene Sprache ein.
Wenn dann gerne mal davon gesprochen wird, dass die Jugend von heute ja so schlimm sei, muss ich dem doch entschieden widersprechen. Ausserdem finde ich es grossartig, dass Jugendliche und junge Menschen bereit sind, ihre Zeit und ihr Können zur Verfügung zu stellen, um sich für andere zu engagieren.
Den Rovern eine gute Heimfahrt und ein gutes Eingewöhnen an richtige Betten, Essen am Tisch usw. Schön, dass Ihr da ward!
Gut Pfad
Kerstin

Freitag, 7. August 2009

Grundsteinlegung in Oberhausen

Nachdem Mutterhaus und Gästehaus von Kloster Arenberg in den letzten vier Tagen internettechnisch - bedingt durch einen netten Trojaner-Virus - komplett von der Außenwelt abgeschnitten waren (ich glaube, alle unsere internet-nutzenden Schwestern müssen zugeben, dass das auch für die Ordensfrau von heute doch ein ganz schön komisches Gefühl ist!) sind wir nun eendlich wieder online! Und natürlich habe ich auch wieder etwas zu erzählen - denn zusammen mit einigen Mitschwestern habe ich mich heute auf den Weg in unsere Niederlassung nach Oberhausen gemacht, wo wir an der feierlichen Grundsteinlegung unseres neuen Seniorenheimes teilgenommen haben.
Das Vincenz-haus in Oberhau-sen ist eines unserer ältesten Häuser, aber das beste-hende Pflegeheim ist inzwischen so sanierungsbedürftig, dass ein neues Haus gebaut werden muss und das alte abgerissen wird. Zu Oberhausen habe ich seit meinem Noviziatspraktikum eine ganz besondere Beziehung. Im vergangenen Jahr durfte ich dort von Mai bis Juni vier Wochen lang im Sozialdienst mitarbeiten, und die Arbeit mit den alten Menschen hat mir viel Freude gemacht. Daneben - eigentlich darf man das ja gar nicht laut sagen - durfte ich in diesen vier Wochen sage und schreibe fünf große Feste mitfeiern (zwei Pfarrfeste, Fronleichnam, das große Sommerfest und die 50-Jahr-Feier des Bistums Essen), und habe dabei die großartige Erfahrung gemacht, dass die Oberhausener in Sachen Feiern fast so stark sind wie die Saarländer ;-) Besonders imponiert hat mir in dieser Zeit auch die "Dorfjugend" der Pfarrei St. Joseph Oberhausen-Styrum, zu der auch unser Vincenzhaus gehört. Dort gibt es wirklich noch ein paar fitte, begeisterte ältere Messdiener, die so richtig Leben in die Bude bringen, tolle Ideen haben und nebenbei noch ganz schön witzig sind. Heute haben mich die Verrückten mit einem sehr extravaganten Lebkuchenherz beglückt, das fortan meine Zellentür schmücken soll. Lieber Christoph, lieber Thorsten & Co.: wie Ihr seht, es hängt (fragt sich nur, wie lange ;-)!!
Ich hatte heute jedenfalls richtig Freude, bei der Grundsteinlegung unseres neuen Hauses dabei sein zu dürfen und nebenbei so viele Bekannte wiederzusehen. Nun hoffen wir mal, dass der Bau planmäßig fertiggestellt werden kann und unsere Bewohner ab Ende nächsten Jahres in das schöne neue Vincenzhaus umziehen können!
Ein kurzes Video von der Grundsteinlegung könnt Ihr Euch übrigens hier anschauen...
Sr. M. Ursula

Dienstag, 4. August 2009

Das erste Mal

Ja, endlich melde ich mich mal nach langer Zeit wieder, naja, Schreiben ist halt nicht mein Ding.
Jetzt möchte ich aber doch über meine ersten Exerzitien schreiben, weil sie mich so sehr bewegt und beeindruckt haben, dass ich unbedingt davon erzählen muss.

Erst war ich total nervös und hatte echt Angst, weil ich nicht genau wusste, wie es für mich wird, was so auf mich zukommt und was mit mir passieren wird. Deswegen war es schonmal ziemlich gut, dass die Exerzitien bei uns im Haus waren und ich die meisten Schwestern vom Sehen schon kannte. Pater Wilhelm ist für mich ja auch schon fast ein alter Bekannter. Dadurch wurde es für mich echt einfacher.
Es waren also neun Tage Schweigen (auweia) angesagt und das Programm dabei sah so aus:
Um 7.00 Uhr begann der Tag mit gemeinsamen Leibübungen, die ca. 30 Minuten dauerten, danach haben zusammen meditiert, wozu P. Wilhelm eine kleine Einleitung gegeben hat. Am Ende der Meditation haben wir noch einen Psalm im Wechsel gebetet und haben dann gemeinsam schweigend gefrühstückt.
Von 8.45 - 9.45 Uhr hatte ich meine erste Gebetszeit, danach die Reflexion der Gebetszeit und etwas Bewegung ;-). Von 10.30 - 11.30 Uhr dann die nächste Gebetszeit und um 11.45 Uhr Gespräch mit P. Wilhelm.
Mit ihm konnte ich darüber sprechen, wie es mir ergangen ist mit den Bibeltexten, mit den Gebetszeiten und überhaupt mit den Exerzitien.
Danach war dann schon Mittagszeit und um 12.30 Uhr gab es ein sehr gutes Essen, weswegen ich anschliessend Pause machen musste. In den ersten Tagen habe ich mich dann auch immer aufs Ohr gelegt und geschlafen, da ich anfangs richtig müde war, anschliessend habe ich einen Kaffee getrunken und bin an die Luft gegangen.
Von 14.30 - 15.30 Uhr war dann meine dritte Gebetszeit, anschliessend die Reflexion und wieder ein bisschen Bewegung. Von 16.15 - 17.15 Uhr dann schon wieder die nächste Gebetszeit und um 18.00 Uhr gemeinsame Meditation mit einem Musikstück am Anfang, mit dem wir dann in die Stille gingen.
Anschliessend gab es ein deftiges Nachtessen und um 19.15 Uhr trafen wir uns dann zur Eucharistiefeier.
Danach war der Abend frei und jeder konnte selber entscheiden, wie sie den Abend verbrachte. Ich bin meistens noch Spazieren gegangen und in die Anbetung.
Für mich war die Zeit eine wunderbare Erfahrung. Es war total schön, sich mit den Bibeltexten zu beschäftigen und zu entdecken, wie sehr die Geschichten auf mich gepasst haben. Ausserdem war es für mich sehr spannend und faszinierend, dass ich für mich so vieles rausholen durfte. Mit P. Wilhelm konnte ich ganz offen reden, was ich als sehr bereichernd empfand.
Total schön war auch, dass ich mir so viel Zeit nehmen konnte fürs Gebet mit Jesus und Gott, da bin ich direkt sprachlos und kann gar nicht in Worte fassen, was alles passiert ist. Auf jeden Fall bin ich jetzt wie im 7. Himmel. Ich bin voller Freude und geniesse das sehr. Ausserdem bin ich dankbar dafür, dass so viel geschehen ist und ich wachsen darf.
Es sind echt viele Lichter bei mir aufgegangen und ich weiss jetzt, woran ich arbeiten werde. Einiges ist auch schon anders geworden, was für mich sehr befreiend ist.
So kann ich abschliessend nur sagen, dass es einfach Wahnsinn ist, was alles geschehen kann, wenn ich es nur zulasse.
Corinna

Montag, 3. August 2009

Freundschaft...

Gestern abend musste ich ganz schön lachen – als ich in der Entscheidungsphase für meinen Klostereintritt steckte, war es eine meiner ganz großen Sorgen, ob und wie ich den Kontakt zu meinen Freunden aufrecht erhalten kann, ohne dass wir uns regelmäßig zu einem Bierchen treffen und etwa 200 SMSse pro Monat hin- und herschicken können… Inzwischen habe ich aber gemerkt, dass die Beziehungen zu meinen alten Freunden sich zwar schon etwas verändert haben, aber nichts von ihrer Qualität eingebüßt haben, ganz im Gegenteil. Wenn wir jetzt Gelegenheit zum Telefonieren haben oder ich ab und zu mal Besuch bekomme, dann genieße ich die gemeinsame Zeit doppelt und komischer-weise habe ich nie den Eindruck, als sei seit dem letzten Treffen viel Zeit vergangen… Und auch das ziemlich in den Hintergrund getretene „altmodische“ Briefeschreiben habe ich im Kloster wieder völlig neu entdeckt, was ich als große Bereicherung empfinde.
Gestern abend, da habe ich nun gemerkt, dass manchmal zur Kommunikation noch nicht einmal ein Handy notwendig ist – ich musste nämlich plötzlich an eine sehr liebe Freundin denken, von der ich schon ziemlich lange nichts mehr gehört habe, und genau in dieser Sekunde, genau als mir der Name in den Kopf kam, da klingelte das Telefon und sie war am Apparat. Ich war so verblüfft, dass mir fast der Hörer aus der Hand gefallen wäre!

Wie hat die amerikanische Benediktinerin Joan Chittister einmal so schön gesagt?
„Wenn ich von Liebe spreche, meine ich nicht Leidenschaft, obwohl diese ganz sicher – in der einen oder anderen spannungsvollen Weise – einer tiefen, guten Beziehung eine weitere stärkende Dimension verleiht. Mit Liebe meine ich den Pozeß des Hineinschmelzens in das Leben eines anderen Menschen, der unsere Seelen verbindet, unsere Herzen öffnet und unseren Geist weitet – und dabei nichts zurückverlangt.
Freundschaft ist der Prozeß des Sich-Öffnens für die Fürsorge, die Weisheit der anderen. Die Liebe der Freundschaft ist jene Liebe, die keine Geheimnisse kennt, keine ungestellten Fragen, keine unausgesprochenen Gedanken und keine Sorgen, auf die nicht reagiert wird. Freundschaft läßt uns an Orte ausschwärmen, an denen wir noch nie gewesen sind und die man allein auch nicht betreten kann. Freundschaft mag das Höchste oder das Alltäglichste sein, doch sie findet niemals statt, ohne daß man nicht ein klein wenig mehr Selbst gewinnt.“
(Joan Chittister, Freundschaft verbindet. München 2002)

Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar, dass wir auch im Kloster die Möglichkeit haben, unsere Freundschaften innerhalb und außerhalb der Gemeinschaft auf eine gute, "gesunde" Art zu pflegen...
Sr. M. Ursula

Samstag, 1. August 2009

Ewiges Leben

„Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird“ (Joh 6,27)

...diese Worte Jesu hören wir an diesem Wochenende im Sonntagsevangelium.
In den Exerzitien ist mir noch einmal neu bewusst geworden - und das würde ich manchmal am liebsten laut in die Welt rufen – im Grunde sind doch die Evangelien nichts anderes als eine Wegbeschreibung ins ewige Leben, in das tiefe Glück einer innigen Beziehung zu Gott, die unabhängig ist von Gesundheit oder Krankheit, Jugend oder Alter. Und das Beste ist, der "Reise-proviant" wird uns in den nährenden, manchmal auch sehr herausfordernden Worten noch gleich mitgeliefert ;-)
Ewiges Leben, das ist für mich nicht irgendeine diffuse Vorstellung von paradiesischen Zuständen, die mich möglicher-weise einmal nach meinem Tod über alles hinwegtrösten werden, was in meinem irdischen Leben schief gelaufen ist, nein, ich bin fest davon überzeugt, dass das „ewige Leben“, Leben in der Fülle Gottes, auch schon hier auf dieser Erde erfahrbar ist.
Die Schweizer Ärztin und Mystikerin Adrienne von Speyr hat es einmal auf sehr schöne Weise ausgedrückt:
„Die Liebe des Herrn ist beständig und ebenmäßig, sie ist treu, sie ist ewig, ob wir sie spüren und erleben oder nicht. Persönlich bewusst wird sie uns nur in den seltenen Momenten, in denen unsere Trägheit von uns abfällt und wir ernstlich versuchen, dieser Liebe zu entsprechen. Dann überfällt uns eine Ahnung von etwas übermässig Herrlichem, und wir behalten in uns die Erinnerung an diesen ahnungsvollen Augenblick.
Es war eine Vorahnung des ewigen Lebens, das der Herr uns gibt. Wenn wir einmal im ewigen Leben sein werden, dann wird das ewige Leben kein anderes sein als jetzt. Nur wir werden anders sein: Von unserer Sünde nicht mehr gehindert, uns diesem Leben hinzugeben und aus unserem ganzen Herzen zu lieben wie wir geliebt werden.“
Was es heißt, von ganzem Herzen zu lieben wie wir geliebt werden, hat Christus selbst uns auf beeindruckende, klarste Weise vorgelebt. Und vielleicht ist genau diese Liebe zu Gott und unseren Mitmenschen auch die Speise, von der Er spricht, die Speise, um die wir uns mühen sollen, da sie nicht verdirbt und für das ewige Leben bleibt.
Ein schönes Wochenende - mit oder ohne Erfahrungen von Ewigkeit - wünscht
Sr. M. Ursula

Ein ewiger Eid

Jedes Jahr am 1. August begehen die Schweizer ihren Nationalfeiertag, denn an jenem Tag im Jahr 1291 schlossen sich die drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden zu einem Bund mit dem "Ewigen Eid" zusammen.
Seitdem hat es in der Schweiz keinen Krieg mehr gegeben, wofür die Schweizer Bruder Klaus danken, der damals vom Ranft aus massgeblich beteiligt gewesen sein soll.
Und weil wir hier in Rickenbach ein gelungenes Beispiel von Integration sind, lassen wir es uns natürlich nicht nehmen, und feiern jedes Jahr mit unseren Gästen und Pensionären den Nationalfeiertag. Dafür wird alles mit der Schweizer Fahne geschmückt, die Terrasse wird gerüstet und es wird grilliert. Zu einem so wichtigen Feiertag gehört natürlich auch ein ordentliches Feuer, weswegen ich mir gestern Abend ganz besonders viel Mühe gegeben habe. Denn - und da unterscheiden wir uns dann doch von den Schweizern - da wir den neuen Tag ja quasi spätestens mit der Komplet beginnen, feiern wir den 1. August bereits am 31. Juli. Wer mag, der kann dann heute noch in aller Ruhe die Feuer ringsum auf den Hügeln anschauen oder einfach früh ins Bett gehen, weil es gestern dann doch relativ spät wurde.
Gott sei Dank ist ja Feiertag, so dass wir heute auch erst um 6.30 Uhr die Laudes gebetet haben. Da wir allerdings keinen hl. 1. August finden konnten, haben wir dann doch an Alfons Maria von Liguori gedacht...
Auf jeden Fall sind wir froh und dankbar, dass wir hier in der Schweiz vor 28 Jahren gründen konnten und hier so freundlich aufgenommen wurden. So wünschen wir allen Schweizern, die heute noch feiern, bei diesem tiptop Wetter einen ganz schönen Feiertag.
Kerstin