Mittwoch, 29. Juli 2009

Achtung wir kommen!

Heute sind sie nun zu Ende gegangen, unsere Einzelexerzitien bei Pater Wilhelm Germann, und wie man auf dem Foto erkennen kann, sind wir alle aus diesen Tagen sehr fröhlich hervor-gegangen. Vielleicht sollte man auf diesem Wege schon einmal unsere Mitschwestern in Arenberg, Oberhausen und Michendorf etwas vorwarnen, denn morgen treten wir nun wieder die Heimreise an und müssen dann wohl oder übel in unserem "Zustand" ertragen werden.
Sollte dieses tiefe Glück, dass ich in der letzten Woche einige Male erfahren durfte, Anzeichen einer beginnenden oder gar fortgeschrittenen Heilig-Geist-Vergiftung sein, dann erwarte man bitte nicht von mir, dass ich irgendwelche therapeutischen Massnahmen ergreife ;-)
Jetzt aber mal Spass beiseite - die Tage waren zwar anstrengend, aber ich empfinde es immer wieder als grosses Geschenk, dass wir einmal im Jahr die Möglichkeit haben, uns auf ganz intensive Weise mit dem Wort Gottes, unserem ganz persönlichen Weg mit Ihm, auseinanderzusetzen.
Die Exerzitien, im Grunde sind sie ja heute gar nicht zu Ende gegangen, sondern gehen erst richtig los, denn nun heisst es, das in der Stille dieser Tage Erkannte nach und nach in unseren Alltag "hinüberzuretten". Dass wir uns dabei auch von gelegentlichen Rückschlägen nicht entmutigen lassen, dass wünsche ich uns tapferen Streiterinnen nun von Herzen - auf in den Kampf! :-)
Sr. M. Ursula

Dienstag, 28. Juli 2009

Meditieren hilft

Gestern morgen dachte ich, ich drehe am Rad. Da hocke ich an der Pforte und will noch schnell den Wochenplan für nächste Woche ausdrucken, damit die Küche und die Hauswirtschaft sich schonmal geistig-seelisch-mental darauf einstellen können, was alles so ansteht, da hat auf einmal der Computer keinen Bock mehr. Beim Drucker war alles tiptop, aber dann kam die lustige Meldung, dass der Druckerspooler neu gestartet werden muss. Was, bitte, ist der Druckerspooler??
Da das Internet noch nicht zusammengebrochen war, habe ich doch mal rasch da geschaut und mich durch alle möglichen Foren geklickt, bis ich endlich ein bisschen schlauer war. Aber alle Einstellungen waren soweit in Ordnung, nur starten konnte ich den blöden Spooler nicht. Also schnell das Benutzerkonto gewechselt, aber auch da half es nix. Und die Zeit verrann und ich musste ja noch die Meditation vorbereiten, die um 10.00 Uhr startet und dafür auch noch ganz dringend drucken.
Das sind so Momente, in denen ich dann immer denke: "Wo ist denn jetzt der Mann, der mich rettet?" Wie so oft war aber auch da keiner in Sicht und die, die da waren, gaben so hilfreiche Tipps wie: "Installier halt den Drucker neu." Oder "Nee, da muss ein Techniker kommen."
Ich war also extrem gestresst und bin in den Meditationsraum gehetzt mit ein paar Bleistiftnotizen in der Hand und durfte dann erleben, was für ein Luxus so eine Meditationszeit dann doch sein kann. Zwar druckte der Drucker anschliessend noch immer nicht, aber ich war viel entspannter und konnte an andere Lösungen denken.
Freiwillig hätte ich wohl nicht aufgehört, am Drucker zu basteln, aber die Zeit war nunmal gesetzt und so musste ich das Thema mal ruhen lassen. Das kann ich allen nur empfehlen, auch wenn 45 Minuten im normalen Tag ziemlich viel sind. Aber danach ist es echt besser.
Der Drucker geht seit heute auch wieder, man muss nur lang genug im Internet suchen...
Kerstin

Donnerstag, 23. Juli 2009

Back for good

So, nun bin ich wieder da aus meinen Ferien, die ich sehr, sehr genossen habe. Fast hatte ich einen Jet-Lag, weil ich immer ziemlich spät ins Bett gegangen bin; auf dem Bild ist die Party am Samstag noch sehr jung ;-) Aber das hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn ich habe jede Menge Freunde getroffen, hatte eine sehr schöne Party, habe am Dienstag geschlafen, bis ich wach wurde, habe städtisches Leben genossen und festgestellt, dass mein Patenkind Thea offensichtlich genauso gerne Kuchen isst, wie ich. Neben all den tiptop Nachmittagen und Abenden bei und mit verschiedenen Freunden gab es natürlich auch noch das ein oder andere kulinarische Highlight: Ein Eis vom Conti, Frikadellen mit Reis und weißer Sauce, Pommes-Currywurst-Mayo, Reibekuchen, Penne all Arrabiata,...
Eine wirklich sehr gelungene Woche, die ich von vorne bis hinten genossen habe und die am Dienstag Abend durch ein familiäres Grillen abgerundet wurde.
Allerdings muss ich auch sagen, dass ich heute morgen, als ich nach dem Frühstück am Spülbecken stand, dachte, dass das auch mein Leben ist und dass ich schon sehr richtig hier bin. So freue ich mich gleich auch auf den Rosenkranz, was ich noch vor einem Jahr wohl niemals von mir gedacht hätte.
Tja, und dann ist es nun ja wirklich nicht mehr lang hin bis zum September und ich bin schon ganz gespannt und voller Vorfreude.
Kerstin

Samstag, 18. Juli 2009

Exerzitien


So, heute verabschiede ich mich nun einmal für ein paar Tage! Zusammen mit unserer Postulantin Corinna und 6 weiteren Mitschwestern starte ich am Montag in Rickenbach in meine jährlichen Einzelexerzitien. 10 Tage lang, vom 20. bis 30. Juli, werden wir aufbrechen in die "Wüste", werden schweigend unterwegs sein mit unserem GOTT, jede auf ihrem ganz eigenen Weg.
Ein schönes Bild dafür, warum uns die Exerzitien so wichtig sind, ist für mich die "Wilde Möhre", die Ihr oben auf dem Foto seht. Auf den ersten Blick sieht sie mit ihrem weißen Blütenstand ganz ähnlich aus wie viele andere Pflanzen der Familie der Doldenblütler. Ein kleines aber feines Detail macht aber die Wilde Möhre einmalig: In der Mitte ihrer Blütendolde befindet sich eine kleine, tief purpur gefärbte Einzelblüte, woran man sie ganz leicht erkennen und von allen anderen unterscheiden kann. Diese "purpurfarbene Einzelblüte" erinnert mich immer an die Unverwechselbarkeit jedes einzelnen Menschen, an den einmaligen göttlichen Kern, der in uns gelegt ist. Die jährlichen Exerzitien geben uns die Möglichkeit, uns voll und ganz auf unseren ureigenen Wesenskern zu konzentrieren, indem wir einmal für einige Tage alles sein lassen dürfen, was uns in irgendeiner Weise vom Wesentlichen ablenken könnte. Der große dominikanische Mystiker Meister Eckhart bezeichnete diesen Kern sehr treffend als "Seelenfünklein" - für ihn der Ort, an dem wir auch Gott am nächsten sind.
Dieses Zurückgeworfen-Werden auf sich selbst ist manchmal alles andere als angenehm, es gibt in den Exerzitien immer auch Tage, da fühlt man sich im wahrsten Sinne des Wortes richtig arm-selig und schwach. Es kann schon ziemlich hart sein, wenn man auf der Reise in die eigene innere Tiefe auf Bereiche stößt, die alles andere als anschaulich sind und man dann zudem keine Möglichkeit hat, sich irgendwie abzulenken. Aber genau darin liegt auch das Befreiende - auch und gerade diese "pickigen Angelegenheiten" zuzulassen, anzuschauen und der heilenden Liebe Gottes auszusetzen - dann hat ER alle Möglichkeiten...
Nach allen Auf's und Ab's der vergangenen Monate freue ich mich nun sehr auf diese intensive, stille Zeit und bin gespannt, wie die "Reise" diesmal aussehen wird ;-)
Sr. M. Ursula

"Nicht nur still werden und den Lärm abschalten, der mich umgibt. Nicht nur entspannen und die Nerven ruhig werden lassen. Das ist nur Ruhe. Schweigen ist mehr. Schweigen heißt: mich loslassen.
Nur einen winzigen Augenblick verzichten auf mich selbst, auf meine Wünsche, auf meine Pläne, auf meine Sympathien und Abneigungen, auf meine Schmerzen und meine Freuden, auf alles, was ich von mir denke und was ich von anderen halte, auf alle Verdienste, auf alle Taten. Verzichten auch auf das, was ich nicht getan habe, auf meine Schuld - und auf alle Schuld der anderen an mir, auf alles, was in mir Unheil ist. Verzichten auf mich selbst.
Nur einen Augenblick DU sagen und Gott da sein lassen. Nur einen Augenblick sich lieben lassen ohne Vorbehalt, ohne Zögern, bedingungslos und ohne auszuschließen, dass ich nachher brenne.
Das ist Schweigen vor GOTT. Dann ist im Schweigen Stille und Reden und Handeln und Leiden und Hoffen und Lieben zugleich. Dann ist Schweigen: Empfangen. Auf dieses Schweigen weiß ich keine Antwort als: neues Schweigen - weil Gott größer ist, weil jede versuchte Antwort zu klein gerät.
Und doch habe ich keine Angst zu reden und zu handeln, weil das Schweigen eines Augenblicks vor Gott und mit Gott und in Gott die lauten Stunden erlöst."

(eine 20jährige Frau in Taizé)

Donnerstag, 16. Juli 2009

Die wahrscheinlich faulste Katze der Welt

- sie lebt in unserem Kloster!! Ich denke, so eine "At-traktion" sollte man doch auch einmal in unserem Blog vorstellen: Unsere Clementine, ich glaube, wenn Faulheit groß machen würde, dann wäre sie (mindestens) ein Königstiger. Morgens geht sie im Garten ein bißchen auf die Jagd, da will sie aber dann auch überhaupt nicht gestört werden, nachmittags streift sie in der Gegend herum und abends setzt sie sich - strategisch günstig - gut sichtbar an den Eingang zum Klostergarten, wo sie von ihren zahlreichen entzückten Fans mit Streicheleinheiten über-häuft wird. Nur heute, heute war es ihr offensichtlich entschieden zu warm, da war sie noch zu faul zum Gestreichelt-Werden. Da sag ich nur noch eins:
Gute Nacht!
Sr. M. Ursula

Mittwoch, 15. Juli 2009

Einfach herrlich

Bei uns im Kräutergarten geht es zurzeit richtig zur Sache - Lavendel, Königskerzen, Malven und Römische Kamille sind bereit zur Ernte, müssen getrocknet und verarbeitet werden. Auch wenn die Arbeit auf dem Feld in praller Sonne manchmal recht anstrengend ist, jede von uns schon mehrfach Opfer einer beleidigten Biene wurde - immerhin holen wir denen ja bei der Ernte gemeinerweise das Futter weg! - und das Auslegen der Kräuter in unserem 50° C. heißen Trockenraum eine ziemlich schweißtreibende Angelegenheit ist, so sind wir uns in einem Punkt doch alle einig: Einen schöneren Arbeitsplatz als unseren Kräutergarten gibt es wahrscheinlich auf der ganzen Welt nicht mehr (zum Beweis: hier habe ich einige Fotos veröffentlicht)!
Ich jedenfalls kann mich einfach nicht sattsehen und ~riechen an den wunderschönen, duftenden Blüten, und wenn Sr. M. Josefa uns dann noch zwischendurch mit einer selbstgemachten eisgekühlten Rosen-Limonade verwöhnt, ist das Glück perfekt. Da sag ich nur eins: Einfach herrlich.
Sr. M. Ursula

Dienstag, 14. Juli 2009

Herzlichen Glückwunsch!

Nachdem Kerstin gestern ihr „Date“ mit dem Ordensrat wider Erwarten ohne größere Schäden überstan-den hat, steht nun fest: an unserem kommenden Festtag, den 8. September, wird sie eingekleidet und darf ihr Noviziat beginnen!!
Wir alle freuen uns natürlich RIESIG über ihren Entschluss, den begonnenen Weg in unserer Gemeinschaft weiterzugehen und wünschen ihr jetzt erst einmal schöne, erholsame, fröhliche, eis-reiche Ferientage in der Heimat :-))
Sr. M. Ursula

Montag, 13. Juli 2009

Im Mutterhaus

Gestern sind Sr. Scholastika und ich ins Mutterhaus nach Arenberg gefahren. Sr. Scholastika muss zu den Ratssitzungen und ich musste mit, weil ich ein Punkt der Ratssitzungen bin. Denn heute werde ich um die Aufnahme ins Noviziat bitten und auch, wenn ich weder Lumen Gentium noch den Codex Iuris Canonici auswendig wissen muss, muss ich heute nachmittag doch zu einem Gespräch vor den Rat und ein bisschen spannend ist es ja doch.
Wer also heute um 14.30 Uhr Zeit hat, den bitte ich, kurz an mich zu denken, denn dann bin ich dran.
Abgesehen von der Spannung, die sich jetzt doch auch ein bisschen breit macht, ist es doch immer wieder schön, im Mutterhaus zu sein. Die Schwestern dort zu treffen, ein bisschen mit Sr. Ursula zu quatschen, das Gelände rund ums Mutterhaus zu genießen, das ist doch alles ganz herrlich.
Je nachdem, wie das Gespräch heute nachmittag endet, werde ich morgen entweder nach Rickenbach fahren und pünktlich zum Spülen wieder da sein oder, und das hoffe ich, zu meinen Eltern fahren und eine Woche Ferien machen, um vor dem Noviziatsbeginn noch einmal zu entspannen und alle lieben Leute zu treffen.
Kerstin

Freitag, 10. Juli 2009

Willkommen daheim!

Unsere Sr. Hedwig kehrte gestern aus ihren wohlverdienten Ferien aus Essen zurück. Und weil nach zehn Tagen daheim der Koffer doch recht schwer ist, holten Jenny und ich Sr. Hedwig in Basel am Badischen Bahnhof ab, damit Sr. Hedwig nicht umsteigen musste.
Uns beiden hat das viel Spass gemacht, weil wir beide ziemlich gerne auf Bahnhöfen sind. Was gibt es Schöneres, als Zügen hinterher zu schauen, mit anzusehen, wie Menschen sich voneinander verabschieden und willkommen geheissen werden oder auf dem Fahrplan zu lesen, wo man jetzt theoretisch hinfahren könnte. Da kann mich glatt das Fernweh packen.
So ist ein sehr, sehr schöner Aspekt des Reisens für mich ein grosser Bahnhof, auf dem viele Menschen unterwegs sind, es viele Läden gibt, manche in Eile sind, weil sie dringend noch einen Zug erwischen müssen, andere offensichtlich alle Zeit der Welt haben und noch gemütlich einen Kaffee trinken.
Hier trifft man jeden Menschenschlag an, das glückliche Paar, dass sich nach einer langen Arbeitswoche endlich wiedersieht, den Geschäftsreisenden, der zum nächsten wichtigen Termin fährt, den Interrailer, dem die ganze Welt zu Füssen liegt und den Penner, der in der Bahnhofshalle auf den ein oder anderen Euro hofft. Menschen, die alleine reisen und vielleicht etwas einsam sind und solche, die mit einer Gruppe unterwegs sind und von einer schönen Reise müde nach Hause kommen.
Dazu noch die grossen Bahnhofshallen, die manchmal fast wie Kathedralen anmuten. Hätte es zu Dominikus Zeiten schon Bahnhöfe gegeben, wären sie bestimmt Orte gewesen, an denen Dominikus und seine Brüder oft gewesen wären, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und um bei den Menschen seiner Zeit zu sein.
Für mich sind Bahnhöfe Orte, an denen ich Gott in all den Menschen, die dort unterwegs sind, treffen kann.
Allen, die an diesem Wochenende in die Ferien aufbrechen und vielleicht mit der Bahn fahren, wünsche ich schöne Momente und glückliche Begegnungen.
Kerstin

Donnerstag, 9. Juli 2009

...ein Herz und eine Seele auf dem Weg zu Gott

Wenn Schwester Maria Hyazinth und ich nebeneinander her gehen, dann gibt es hinter uns nicht selten ein ziemliches Gegrinse und Getuschel, woran wir uns inzwischen aber längst gewöhnt haben. Ich selbst muss darüber manchmal lachen, denn ich finde, wir beide verkörpern ganz anschaulich die Einheit in der Verschiedenheit – äußerlich trennen uns über 40 cm Größenunterschied, aber innerlich fühlen wir uns einander doch sehr nahe.
Ich glaube, für Außenstehende ist es manchmal schwer vorstellbar, was es heißt, in einer Ordensgemeinschaft unterwegs zu sein. Was uns zutiefst verbindet ist, dass wir alle uns irgendwann einmal – von Christus bewegt – für diese Lebensform entschieden haben, aber ausgesucht haben wir einander keineswegs. Und so kommt es, dass in unseren Konventen manchmal ganz schöne Extreme aufeinanderprallen – allein schon was Herkunft, Alter, Spiritualität, Charakter, Verwundungen und Prägungen angeht, von der „Tagesform“ jeder einzelnen Schwester mal ganz zu schweigen. Da ist es klar, dass es nicht selten zu Reibungen kommt und ab und an auch mal wirklich die Fetzen fliegen können.
Ein befreundeter älterer Priester sagte einmal etwas spöttisch zu mir, für ihn zähle es zu den größten Wundern auf dieser Welt, dass es funktionierende Frauengemeinschaften gäbe (unverschämt, eigentlich!!). Aber je länger ich in der Gemeinschaft unterwegs bin, umso mehr wird mir tatsächlich bewusst, dass ein gutes Miteinander wirklich pures Geschenk, ja auch ein kleines Wunder ist, das man im Grunde gar nicht selbst "machen" kann.
„Zuallererst sollt Ihr einmütig zusammenwohnend, wie ein Herz und eine Seele auf dem Weg zu Gott sein“ – das hat uns der Hl. Augustinus als wichtigsten Leitsatz im ersten Kapitel unserer Ordensregel aufgetragen, und wir alle hier wissen, dass das in den alltäglichen Beanspruchungen eine ungeheure Herausforderung ist.
Aber das, was wir hier im Kloster Tag für Tag wie in einem "Trainingscamp" üben dürfen, ist vielleicht auch gleichzeitig das Schönste am Mensch-Sein überhaupt: immer wieder zu verzeihen statt im Zorn zu verharren, aufeinander zuzugehen statt Mauern aufzubauen, wirklich zuzuhören, statt zu verurteilen, voneinander zu lernen anstatt immer alles besser wissen zu wollen, einander etwas zuzutrauen statt zu resignieren, über alle Generations- und sozialen Grenzen hinweg Freude und Leid, Trauer und Angst, Hoffnungen und Sehnsüchte zu teilen.
Sr. M. Ursula

Samstag, 4. Juli 2009

Vielen Dank

Ziemlich oft erreichen uns Kommentare zu unseren Einträgen und wir freuen uns riesig darüber, weil wir wissen, dass Ihr Euch für uns interessiert und unsere Gedanken lest.
Wir möchten Euch an dieser Stelle darauf hinweisen, dass wir aber Kommentare nicht kommentieren, damit es keine öffentliche Diskussion über vielleicht ganz "geheime" Gedanken gibt. Wer also mit uns näher ins Gespräch kommen möchte, den bitten wir ganz herzlich, uns eine Email mit seiner eigenen Emailadresse zu schreiben, dann antworten wir gerne.
An folgende Adresse könnt Ihr schreiben: op-jugend@kloster-rickenbach.ch
Kerstin

Brandaktuell

Wie in Rickenbach, so treffen auch wir Schwestern auf dem Arenberg uns regelmäßig in kleinen Gruppen, um im Schriftgespräch gemeinsam über das Sonntagsevangelium nachzudenken. Am vergangenen Donnerstag war es mal wieder soweit, und an der Lebendigkeit des Austauschs spürte man sofort, dass das Evangelium an diesem Wochenende (Mk 6, 1-6) irgendwie unser aller Nerv getroffen hat – ich würd mal sagen: Brandaktuell! Es wird berichtet, wie Jesus nach einem sehr erfolgreichen „Start“ seiner Mission erstmals in seiner Heimatstadt predigt. Er muss dort wohl sehr begnadet gesprochen haben, so dass seine Zuhörer anfänglich aus dem Staunen über seine große Weisheit nicht mehr herauskamen. ABER DANN!!! - beginnt auch sofort die Tratscherei: „Ist das nicht der Zimmermann, den wir hier hören, der, den wir schon von klein auf kennen?“ Und das Evangelium berichtet uns: „Sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab“ (Mk 6,3). Zack. - Wie typisch! Etwas bitter muss Jesus feststellen: „Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat“ (Mk 6,4) und aufgrund ihres geringen Glaubens konnte er dort keine Wunder tun.
Mich berührt es immer wieder tief, dass uns Jesus in den Evangelien nicht als der große Superheld präsentiert wird, sondern dass uns auch Geschichten überliefert sind, wo er seine ganz menschlichen Grenzen erfährt. Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie schmerzlich es für ihn gewesen sein muss, ausgerechnet den Menschen, die er von klein auf kannte und sicher auch liebte, seine Heils-Botschaft nicht vermitteln zu können. Doch trotz allem drängt er sich ihnen nicht auf, macht den Zweiflern auch keine Vorwürfe, sondern „wundert sich“ lediglich über ihren Unglauben.
Was uns Schwestern bei unserem Schriftgespräch aber ebenfalls betroffen machte, war das Wissen darum, wie schnell wir selbst dabei sind, die Menschen, mit denen wir tagtäglich zusammenleben, die wir meinen, gut zu kennen, in irgendwelche Schubladen zu stecken. Jeder von uns fielen zu diesem Thema spontan zahlreiche Geschichten ein. Wie schnell fangen wir an, in Gedanken schon zu beurteilen und zu bewerten, statt einander wirklich zuzuhören! „Was soll die uns denn schon sagen können, die hat doch gar keine Ahnung, wovon sie spricht!“ – „Jaja, die redet doch nur so daher, in Wirklichkeit ist da ja gar nix dahinter…“ – man könnte die Liste dieser „Totmacher-Sätze“ wahrscheinlich unendlich fortführen. Aber möglicherweise ist es gerade diese Schwester, die heute eben doch nicht nur so daher redet, sondern wirklich etwas erkennen durfte, das sie und uns als Gemeinschaft weiterbringen könnte.
Wenn wir bei unserer Profess einander den Gehorsam versprechen, dann ist damit weniger gemeint „Sach watt, ich mach datt“ (wie eine Mitschwester es einmal so goldig zu ihrer Priorin sagte ;-)), als genau dieser Punkt, dass wir versprechen, Tag für Tag bemüht zu sein, aufeinander zu hören, auch und gerade auf die Schwestern, von denen man meint, den „Plan im Sack“ zu haben. Das gelingt zugegebenermaßen manchmal besser und manchmal schlechter, gibt mir aber dennoch das beruhigende Gefühl, dass ich mich im alltäglichen Miteinander weiterentwickeln darf, gehört und ernst genommen werde.
Und so wünsche ich mir und uns, dass wir in der kommenden – für unsere Gemeinschaft sicher nicht leichten – Zeit noch einmal ganz achtsam werden füreinander, damit der Heilige Geist bei uns auch alle Chancen hat ;-)
Sr. M. Ursula

Zeuge sein

Gestern waren wir bei den Salesianern Don Boscos, die heuer ihr Jubeljahr haben: 150 Jahre gibt es nun die Salesianer Don Boscos, vor 75 Jahren wurde Don Bosco heilig gesprochen und seit 50 Jahren sind die Salesianer in Beromünster.
Gestern nun waren speziell die Ordensleute aus der Umgebung zu einem kleinen Fest eingeladen. Es begann mit der Vesper, anschließend hielt P. Reinhard Gesing SDB einen Vortag über die missionarischen Spuren im Werk Don Boscos. Dabei zeichnete er zuerst die Situation der mitteleuropäischen Kirche, die davon geprägt ist, dass die Gesellschaften immer mehr säkularisiert werden. Im Mittelteil seines Vortrags ging P. Gesing dann auf das Apostolische Schreiben von Papst Paul VI. aus dem Jahr 1975 "Evangelii nuntiandi" ein und darauf, dass der Heilige Geist die Voraussetzung für jede Evangelisierung ist. "Die Menschen brauchen Glaubenszeugen und sie hören Gelehrten nur zu, wenn sie Zeugen sind."
Anschließend zeigte er anhand eines Bildes des Künstlers Siger Köder auf, dass Don Bosco es verstand, diese Zeugenschaft in Wort und Tat zu leben.
Nach diesem anregenden Vortrag war beim Abendessen die Gelegenheit, mit den vielen Ordensleuten ins Gespräch zu kommen und uns darüber auszutauschen, wo und wie wir den Evangelisierungsbedarf sehen.
Neben einigen interessanten Gesprächen hat es mich gefreut, andere Ordensleute aus der Gegend kennen zu lernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.
Den Salesianern Don Boscos wünschen wir alles Gute und Gottes Segen für ihr weiteres Tun.
Kerstin

Donnerstag, 2. Juli 2009

Magnificat

Tagesevangelium Lk 1, 39-56
Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends hinauf ins Bergland in eine Stadt in Judäa; und sie trat in das Haus des Zacharias ein und grüsste Elisabet. Und es geschah, als Elisabet den Gruss Marias vernahm, dass das Kind in ihrem Leib hüpfte; und Elisabet wurde von heiligem Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! Wie geschieht mir, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn als der Klang deines Grusses an mein Ohr drang, da hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Ja, selig, die geglaubt hat, dass in Erfüllung geht, was ihr vom Herrn gesagt wurde.
Und Maria sprach:
Meine Seele erhebt den Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter,
denn hingesehen hat er auf die Niedrigkeit seiner Magd.
Siehe von nun an werden mich seligpreisen alle Geschlechter,
denn Grosses hat der Mächtige an mir getan.
Und heilig ist sein Name,
und seine Barmherzigkeit gilt von Geschlecht zu Geschlecht
denen, die ihn fürchten.
Gewaltiges hat er vollbracht mit seinem Arm,
zerstreut hat er, die hochmütig sind in ihrem Herzen,
Mächtige hat er vom Thron gestürzt
und Niedrige erhöht,
Hungrige hat er gesättigt mit Gutem
und Reiche leer ausgehen lassen.
Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen,
und seiner Barmherzigkeit gedacht,
wie er es unseren Vätern versprochen hat,
Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit.
Maria blieb etwa drei Monate bei ihr und kehrte dann nach Hause zurück.

(Zürcher Übersetzung 2007)
Das Fest Maria Heimsuchung, das wir heute in der katholischen Kirche feiern, ist mir schon von Kindesbeinen an vertraut, nicht zuletzt, weil es auch das Patrozinium meiner Heimatpfarrei ist und wir rund um den 2. Juli immer ausgiebigst unsere Kirmes feierten. Bis ich jedoch einen tieferen inneren Zugang zu diesem Fest bekam, dauerte es allerdings etwas länger. So ganz konnte ich es nie so ganz verstehen, warum die Kirche dieser doch eher unscheinbaren Begebenheit so eine große Bedeutung beimisst, dass ihr gleich ein ganzer Festtag eingeräumt wird!
Im vergangenen Jahr nun fiel der 2. Juli mitten in meine Exerzitien, und da wurde mir durch unseren Exerzitienbegleiter Pater Wilhelm Germann OFMCap nochmals ein ganz neuer Zugang eröffnet: Im heutigen Tagesevangelium wird uns berichtet, dass Maria kurze Zeit, nachdem sie Gottes Sohn empfangen hat, in eine Stadt im Bergland von Judäa eilte. Dieses "Eilen" meint, dass hier ein geist-erfüllter Mensch unterwegs ist, der das Große, das an ihm geschehen ist, nicht mehr für sich behalten kann, sondern es in die Welt tragen muss. Eben diese geisterfüllte Maria macht sich auf den Weg zu Elisabeth, an der ebenfalls etwas Wunderbares geschehen ist. Als Elisabeth den Gruss Marias hört und das "Kind in ihrem Leib" voll Freude zu hüpfen beginnt, da begreift auch sie, dass ihre Schwangerschaft keine "Privatsache" ist, sondern dass auch sie eine ganz wesentliche Rolle im Heilsplan Gottes spielt (vgl. Lk 1,25). Im Grunde bewirkt erst das Aufeinandertreffen der beiden Frauen, dass sie sich ihrer Berufung bewusst werden - Maria singt ihr Magnificat nicht, nachdem der Engel sie verlassen hat, sondern erst als sie die Reaktion Elisabeths auf ihren Besuch erlebt hat (vgl. Lk 1, 43). Erst dann spürt Maria, dass Großes an ihr geschehen ist.
Das Fest Maria Heimsuchung lädt auch uns dazu ein, uns Tag für Tag gegenseitig zu helfen, uns der Größe unserer Berufung bewusst zu werden, einander größten Respekt vor dem göttlichen Kern zu zollen, der in jede und jeden von uns gelegt ist.
Und so wünsche ich uns allen viele geist-reiche Begegnungen, in denen vielleicht das "Kind in uns" vor Freude zu hüpfen beginnt und wir von staunender Dankbarkeit erfüllt werden für das Große, das Gott an uns getan hat.
Sr. M. Ursula

Mittwoch, 1. Juli 2009

Wenn wir keinen Grund zum Feiern haben...

"...dann machen wir uns eben einen!" - So begrüßte unser lieber Geschäfts-führer Bernhard Grunau heute die Gäste, Mitarbeiter und Schwestern, die sich zur "Einweihung" der frisch renovierten und umgestalteten Dachterrasse unseres Gästehauses versammelten. Nun ja, wir Dominikanerinnen sind zwar eigentlich die heimlichen Weltmeister im "Feiern ohne Grund", aber die Dachterrasse hat durch die Verschönerungs-Maßnahmen trotzdem sehr gewonnen ;-)
Es war ein rundum gelungener, froher, zugegebenermaßen etwas verrückter Nachmittag (manch eine von uns stellte recht bald fest, dass ein Glas Sekt auf leeren Magen bei 35 Grad Außentemperatur gar nicht mal so gut verträglich ist) mit vielen schönen Begegnungen und Gesprächen. Um auch unsere treuen Blog-Leser an unserer Freude teilhaben zu lassen, haben wir natürlich auch wieder ein paar lustige Fotos gemacht.
Sr. M. Ursula