Montag, 29. Juni 2009

Sportwochen in Kloster Rickenbach


Heute hat sie endlich begonnen, unsere sportliche Phase in Kloster Rickenbach! Nachdem wir vor zwei Wochen von schweren Regengüssen und einem Feuer-Fehl-Alarm im Haus aufgehalten worden waren, sind Jenny, Maria und ich heute endlich zu einer sportlichen Runde rund um den Buttenberg aufgebrochen und haben uns fest vorgenommen, dies jetzt am Montag und Donnerstag jeder Woche zu wiederholen. Damit wir auch in 100 Jahren noch fitte Schwestern sind und Sr. Ursula eines Tages beim Firmenlauf unterstützen können.
Wir hoffen, dass uns unsere Motivation erhalten bleibt.
Kerstin

Morgens um 5 in der Schweiz

Genau um diese Zeit beginnt hier in der Schweiz mein Wecker damit, mich wachzuklingeln. Habe ich mich früher um diese Zeit höchstens mal für Frühschichten, Bittprozessionen o.ä. aus dem Bett gequält und dann auch gerne mal verschlafen, so verliert die Zeit an und für sich so langsam ihren Schrecken - zumindest vernunftmässig. Momentan ist das ja auch halb so wild, weil es morgens schon ziemlich hell ist und ich fast kein Licht brauche.
Allerdings muss ich in doch feststellen, dass mein Körper sich an diese Zeit offensichtlich gar nicht gewöhnen will und eigentlich meint, er müsste noch mindestens zwei Stunden schlafen. Und das, obwohl ich doch deutlich früher ins Bett gehe, als vor meinem Eintritt. Erschreckend war da auch die Aussage von Sr. Scholastika am Freitag: "Ich bin jetzt fast 19 Jahre im Kloster und kriege immer noch eine Krise, wenn ich morgens so früh aufstehen muss." Offensichtlich gibt es Menschen, die sich einfach nicht daran gewöhnen. Und ich fürchte, dass ich dazu gehöre.
Andrerseits kann ich aber auch sagen, dass es sich jeden Morgen lohnt, so früh aufzustehen, weil unser Morgen hier so schön ist: Noch vor der Laudes lese ich das Tagesevangelium und will mich jeden Morgen neu treffen lassen von der Frohen Botschaft. Danach trinke ich einen Kaffee und dann beten wir gemeinsam die Laudes. Anschliessend gibt es ein kurzes Frühstück, dann meditieren wir vom Noviziat eine halbe Stunde und feiern dann die Messe.
So ist der Morgen, trotz der frühen Zeit, nicht von Stress geprägt - was früher bei mir durchaus sein konnte - und widmet sich dem, was uns das Liebste ist: dem Zusammensein mit Gott.
Kerstin

Sonntag, 28. Juni 2009

Mit Christus unterwegs

Fronleichnam selbst ist ja (wie Ihr unten lesen könnt) in diesem Jahr hier in Arenberg leider ins Wasser gefallen, aber dafür gab es heute eine angemessene "Entschädigung". Nach guter alter Tradition wurde nämlich das Immendorfer Kirmeshochamt vor unserem Mutterhaus gefeiert, und im Anschluss daran gab es eine große Sakramentsprozession durch den ganzen Ort, die schließlich in der Immendorfer Kapelle endete. Zusammen mit unserer Küsterin Sr. M. Wernfried und zwei unserer Mitarbeiterinnen war ich heute morgen schon ganz "unchristlich" früh auf den Beinen, um draußen alles festlich zu schmücken. Ja, ich gestehe - als wir nach dem Festgottesdienst und der Prozession mit vier Altären leicht erschöpft in die kühle Kapelle kamen und vor dem feierlichen Schlusssegen aus vollem Mund das "Te Deum" sangen, da wurde mir noch mal deutlich bewusst, dass solche Fälle wie ich wohl in die Kategorie "hoffnungslos katholisch" eingeordnet werden müssen ;-)
Sr. M. Ursula

Samstag, 27. Juni 2009

Firmenlauf


Etwas Abwechslung vom Klosteralltag hatten auch wir gestern: Hier in Koblenz findet alljährlich ein Firmenlauf statt, an dem in diesem Jahr rund 14000 Teilnehmer aus hunderten verschiedenen Betrieben teilgenommen haben. Natürlich durfte da eine Mannschaft aus dem Kloster Arenberg nicht fehlen, und so gingen von uns 16 Läufer an den Start. Ich selbst habe aufgrund meines Trainingszustands auf eine aktive Teilnahme verzichtet (ich hätte die anderen 13999 Teilnehmer selbstverständlich problemlos überholt, wollte denen aber nicht die Freude verderben ;-))
Stattdessen bildete ich zusammen mit unserer Gästehaus-Leitung Sr. M. Beatrix, unserer FÖJ'lerin Ricarda und Conny, einer langjährigen Mitarbeiterin die "Anfeuer- und Jubelgruppe". Wie man an den Fotos erkennen kann, hatten sowohl die Läufer als auch die Anfeuernden und Jubilierenden bei idealem Wetter eine Menge Spaß!
Da zu befürchten ist, dass ich im nächsten Jahr aufgrund massiven Drucks von außen um eine Aktiv-Teilnahme nicht herumkomme, fange ich glaube ich besser schon einmal langsam an zu trainieren ;-)
Ein schönes Wochenende wünscht
Sr. M. Ursula

Freitag, 26. Juni 2009

Wir wollen im Sommer ne Schiffstour machen...

So hiess es in einem Beitrag auf unserer Karnevalssitzung. Weiter hiess es da: Den Vierwaldstättersee hinab und wieder herauf. Da kriegen wir Spass, da kriegen wir Freud und viel zu lachen, den Vierwaldstättersee hinab und wieder herauf.
Und gestern war es dann endlich so weit: Unser Schwesternausflug führte uns auf den Vierwaldstättersee. Bei bedecktem Himmel enterten wir das Schiff in Luzern und konnten schon die erste Überraschung erleben: Die ausserordentlich freundlichen Mitarbeitenden halfen Sr. Birgit und Sr. Maria Ancilla sehr galant über die "Gangway" aufs Schiff, so dass wir direkt das Achterdeck für uns erobern konnten. So genossen wir die zweistündige Fahrt über den See bis nach Brunnen, bewunderten zwischendurch all die hübschen Örtchen am See, die schicken Hotels und die grandiose Bergkulissen. In Brunnen liessen wir uns dann in einem schicken Restaurant direkt am See zum Mittagessen nieder und zur Freude vieler gab es Pizza! Und dazu noch ziemlich gute. Anschliessend war bei inzwischen top Wetter noch Zeit für ein Bummel durch Brunnen und die Gelegenheit, eine in der Schweiz so seltenen Gelaterie aufzusuchen.
Da über Mittag alle Wolken verschwunden waren, gehörte es quasi zum Pflichtprogramm, die Füsse ins Wasser zu halten, auch wenn das doch noch ein bisschen kühl war.
Das schöne Wetter macht die Rückfahrt dann noch zu einem ganz besonderen Erlebnis und ich finde die Schweiz von Tag zu Tag schöner. Noch dazu, wo wir in Rickenbach ja wirklich in einer schönen Umgebung wohnen, auch wenn ich noch keine hässlichen Ecken in der Schweiz entdeckt habe. Eigentlich alle Schwestern haben die wunderschöne Schöpfung in sich aufgesogen wie nix, man könnte meinen, wir hätten in den letzten Tagen von der Maus Frederick gehört, die im Sommer die Sonnenstrahlen für den Winter sammelt.
Zu Hause erwartete uns dann am Ende des Tages noch Sr. Friedgardis, die am Schiff keine Freude hat, dafür aber daran, uns mit allerlei Leckereien zu überraschen. Rechtschaffen müde waren wahrscheinlich alle Schwestern gestern schon um neun Uhr im Bett.
Was für ein wunderschöner Tag!
Kerstin

Montag, 22. Juni 2009

Der Sommer ist vorbei

Ehe der Sommer so richtig angefangen hat, ist er schon wieder vorbei. Hier kann man das ganz leicht an Sr. Maria Ancillas Fuss sehen. Ihr ist eigentlich immer warm, aber heute ist es so kalt, dass der eingegipste Fuss einen Wärmeschutz braucht.
Und nach dem Motto "Man kann ja blöd sein, man muss sich nur zu helfen wissen" hat sie einfach eine Stauche, womit man sonst den Arm wärmt, wenn es in den Ärmel zieht, genommen und über den Fuss gezogen. Das sorgt bei uns für Erheiterung und ihr Fuss sieht jetzt ein bisschen wie eine Schweineschnauze aus, aber es hilft.
Trotzdem hoffe ich, dass das jetzt nicht der Sommer war, denn ich habe zwar jeden Sonnenstrahl in mich aufgesogen und bald jede Mittagspause draussen gesessen, aber ich könnte gut und gerne noch 12 Monate Sonne und Sommer vertragen. Zumal wir am Donnerstag unseren Schwesternausflug machen und dabei können wir Sonne wirklich gut gebrauchen. Was wir machen wird aber noch nicht verraten.
Kerstin

Sonntag, 21. Juni 2009

Prickelnd

Einen Hör-Genuss der besonderen Art durften wir heute in unserer Arenberger Klosterkirche erleben: Einer unserer Mitbrüder, Pater Thomas Möller OP, hat nach seiner Priesterweihe in den letzten vier Jahren Kirchenmusik an der Kölner Musikhochschule studiert und steht derzeit kurz vor seinen Abschlussprüfungen. Und so hat er uns gefragt, ob er uns Schwestern hier als "Generalprobe" einmal ein Konzert geben dürfe. Zu so einem Angebot kann man natürlich nicht nein sagen, und so wurden wir in den letzten zwei Tagen mit Orgelmusik vom Feinsten verwöhnt.
Schon heute morgen in der Hl. Messe entlockte Pater Thomas unserem Instrument ganz ungewohnte, aber äußerst prickelnde Klänge, und heute nachmittag im Konzert fühlte ich mich zeitweise ein kleines bißchen wie im Himmel. Von Bach und Buxtehude über Cesar Franck bis zu dem noch lebenden Organisten und Komponisten Naji Hakim war für jeden Geschmack etwas dabei und die abschließende Improvisation zum Salve Regina im Stil von Olivier Messiaen ließ auch mein dominikanisches Herz ganz hoch schlagen...
Nach diesem gelungenen Start in die heiße Prüfungsphase wünschen wir Pater Thomas nun alles Gute und drücken ihm natürlich ganz fest die Daumen!
Sr. M. Ursula

Samstag, 20. Juni 2009

Mama, schläfst Du schon?

Evangelium vom 12. Sonntag im Jahreskreis

Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn. Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, so dass es sich mit Wasser zu füllen begann. Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich, und es trat völlige Stille ein. Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Da ergriff sie große Furcht, und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?
(Mk 4, 35-41)

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich es als Kind gar nicht leiden konnte, wenn ich mal nicht schlafen konnte (das kam zugegebenermaßen recht selten vor) und meine Eltern vor mir eingeschlafen waren. Ich fühlte mich dann so schutzlos, die Dunkelheit war noch viel dunkler, alles wirkte irgendwie unheimlich und bedrohlich. Und ich weiß noch gut, dass ich in solchen Situationen nicht lange fackelte, zu meiner Mama ans Bett lief, sie etwas unsanft anstupste und fragte: „Mama, schläfst Du schon?“ (ich glaube, dafür sollte ich mich heute nochmal in aller Form entschuldigen ;-)
Daran musste ich wieder denken, als ich das heutige Sonntagsevangelium las. Die Jünger in der kleinen Nussschale mitten auf dem See, dann der tosende Wirbelsturm, also da möchte ich nicht unbedingt mit an Bord gewesen sein. Und dann liegt Jesus – der Einzige, der Abhilfe verschaffen könnte – auch noch hinten im Boot auf einem Kissen und schläft wie ein Bär.
Noch eine prägende Begebenheit meiner Kindheit fiel mir ein: einmal wurde ich mitten in der Nacht von einem ganz schlimmen Unwetter geweckt – draußen tobte ein Orkan, so stark, dass sogar eine große uralte Eiche in unserem Garten entwurzelt wurde. Natürlich rannte ich voller Angst ans Bett meiner Eltern, aber diesmal schliefen sie nicht, sondern waren hellwach – und ich spürte, dass auch sie sich vor den entfesselten Naturgewalten fürchteten. Für mich als Kind war das damals tief erschütternd, zu erleben, dass die beiden, meine einzige Sicherheit, Angst hatten. Da hätte ich sie doch lieber schlafend angetroffen! Aber dann sagte meine Mutter: "Du brauchst keine Angst zu haben, der liebe Gott passt auf uns auf." Unter diesem lieben Gott konnte ich mir zwar zur damaligen Zeit noch nicht so wirklich viel vorstellen, aber ich sagte mir: "Nun gut, Hauptsache, irgendjemand passt auf uns auf."
Ich glaube, genau diese Erfahrung war für mich ein erstes radikales Verwiesensein auf den, der uns allein festen Boden unter den Füßen geben kann. In späteren Jahren durfte ich dann existentiell erfahren, dass der Glaube an Christus als den, dem „der Wind und der See gehorchen“, keine billige Vertröstung ist, sondern dass unser Gott tatsächlich ein „Gott mit uns“ ist und uns niemals untergehen lässt, egal wie wild die Stürme um uns herum toben..
Eine ruhige, sturmfreie Nacht und einen schönen Sonntag wünscht
Sr. M. Ursula

Heiligstes Herz Jesu

Gestern haben wir das Fest Heiligstes Herz Jesu gefeiert. Und obwohl ich ja nun vor meinem Eintritt durchaus nicht ganz unfromm war, habe ich dieses Fest doch noch nie bewusst gefeiert. Das mag wohl auch damit zusammenhängen, dass ich mit der Herz-Jesu-Frömmigkeit bislang nicht so sehr viel anfangen konnte. Noch dazu sind die Herz-Jesu-Darstellungen, die ich kenne, meistens auch eher kitschig.
Deswegen durfte ich gestern das Fest entdecken und dabei hat auf alle Fälle die Auswahl der Texte in der Messe geholfen. Eigentlich wäre nämlich aus dem Johannesevangelium der Lanzenstoss am Kreuz dran gewesen, da wir aber Besuch von Benedikt Ogrodowczyk, einem Kommilitonen von mir, der heute Kaplan in Hattingen ist, hatten, durften wir in den Genuss des guten Hirten kommen. Und da wurde für mich schonmal eines deutlich: Es geht um mehr als um nur ein Herz, es geht um die Liebe an sich.
Im Unterricht haben wir uns dann dem Thema mal von der Seite genähert, dass wir überlegt haben, was für uns heisst "mit ganzem Herzen", "herzliche Grüsse",... Und siehe da: Was uns zu Herzen geht, das berührt uns zutiefst und wer uns am Herzen liegt, der ist ein und ganz wichtiger Mensch. Das Herz fliesst uns über, wenn wir voll von einem Gedanken oder Ereignis sind und wenn das Herz in die Hose rutscht, dann bahnt sich etwas an.
Wenn das Herz also so etwas wie der Sitz der Seele oder des Wesens ist, dann komme ich hier zu meinem eigenen Grund und gehe von dort aus. Von daher feiern wir am Fest des Heiligsten Herzens Jesu Jesus in dem, was ihn ausmacht: Sein Gott-Sein und damit seine unendliche und unbedingte Liebe zu uns, die ihn selbst den allerelendesten Weg gehen lässt.
Diese Gedanken erschliessen mir das Fest auf eine ganz berührende Weise und so war es genau passend, gestern nachmittag in der Anbetung in dieser Liebe zu bleiben.
Ich wünsche Euch, dass auch Ihr immer wieder diese unendliche Liebe erfahren dürft.
Kerstin

Mittwoch, 17. Juni 2009

Mer brötlid

Was für eine Sprache doch die Schweizer Mundart ist. Da sagt man nicht Parken, sondern Parkieren, man hat nicht eine Reservierung, sondern eine Reservation, man grillt nicht, sondern grilliert.
Und eben das haben wir heute mit unseren Pensionärinnen und Gästen getan. Der Grund dafür: Unsere Mitarbeitenden haben uns heute einfach im Stich gelassen und sich auf ihren jährlichen Ausflug gemacht. Heute ging es für sie in den Baseler Zoo und wir hoffen, dass sie nicht z.B. bei den Affen zurück bleiben müssen. Zur Sicherheit sind aber auch Sr. Luciana und Sr. Maria mitgefahren, so dass die Hoffnung besteht, dass alle wieder heil ankommen.
Da wir nun heute keinen Koch, keinen Hausmeister, niemanden in der Hauswirtschaft usw. da haben, mussten wir uns selber helfen. So ist Jenny heute morgen fleißig durch die Zimmer gezogen und hat Betten gemacht, Corinna hat den ganzen Tag wie verrückt gespült und ich war heute mittag für das Grillfeuer zuständig, weswegen ich jetzt selber wie ein Räucherlachs rieche. So wird im Nu aus einem ganz normalen Mittwoch ein kleiner Festtag, denn was gibt es Schöneres, als mit allen zusammen bei tiptop Wetter auf der Terrasse zu sitzen, zu grillen und das Leben zu genießen?
Schön finde ich dabei auch, dass wir bei solchen Gelegenheiten noch einmal ganz anders in Kontakt mit unseren Gästen kommen, denn beim Essen ist dann einfach auch mehr Zeit, um sich über Verschiedenes zu unterhalten und auszutauschen.
Kerstin

Dienstag, 16. Juni 2009

Demut - um Gottes willen!?

Einmal im Monat dürfen wir Schwestern mitten in der Woche eine Stunde lang unsere Arbeit stehen und liegen lassen, um uns einen geistlichen Vortrag anzuhören. Heute war es mal wieder soweit, und unser Hausgeistlicher P. Michael Dillmann OP sprach - ausgehend von dem Paulus-Zitat "Strebt nicht über das hinaus, was euch zukommt, sondern strebt danach, besonnen zu sein, jeder nach dem Maß des Glaubens, das Gott ihm zugeteilt hat" (Röm 12,3) - über die Demut.
Demut - ich glaube, wenn es eine Rangliste unpopulärer Wörter gäbe, dann wäre die Demut wahrscheinlich ganz vorne mit dabei. Wer will denn bitte schön schon demütig sein, wo es doch heute so ungeheuer wichtig ist, gut dazustehen, sich gut zu "verkaufen", erfolgreich zu sein. Ist der Ruf zur Demut nicht das altbewährte Druckmittel, um Menschen "klein" zu halten?
Ich glaube, selten wurde ein Wort in seinem eigentlichen Sinn so missbraucht und verfremdet wie das Wort Demut.
Demut als Mut zur eigenen Wahrheit - diese "Übersetzung" trifft meiner Meinung nach den Nagel auf den Kopf. Demut, das hat nichts, aber überhaupt nichts mit falscher (!) Bescheidenheit oder "Kleinmacherei" zu tun. Demut heißt für mich, zu sich selbst zu stehen, um die eigenen Stärken, aber auch die Grenzen zu wissen, sich seiner Geschöpflichkeit bewusst zu sein und vor allem Gott Gott sein zu lassen. Demut bedeutet für mich, dankbar staunen zu können über die vielen kleinen Wunder und Fügungen des Alltags. Zufrieden zu sein mit den eigenen Begabungen und Talenten und diese fruchtbringend einzusetzen. In dem Bewusstsein zu leben, dass es auf mich ankommt, aber nichts von mir abhängt. Geschehen zu lassen, statt machen zu wollen. An etwas leiden zu können statt davor zu flüchten, es zu überspielen oder sich schön zu reden. Sich seine Bedürftigkeit nach Liebe und Anerkennung, auch seine Verletzlichkeit einzugestehen. Und nicht zuletzt bewahrt uns die Demut auch davor, zu geistlichen "Hochleistungssportlern" zu werden, die meinen, immer perfekt sein zu müssen.
Klar, es ist nicht wirklich angenehm, wenn man beispielsweise einmal zugeben muss: Ich bin eifersüchtig. Aber es ist auf jeden Fall ungeheuer befreiend und vor allem ist mit der klaren Diagnose schon einmal eine Grundvoraussetzung für den Heilungsprozess gegeben. Interessanterweise waren die im besten Sinne demütigsten Menschen, denen ich bis jetzt in meinem Leben begegnet bin, auch gleichzeitig die spürbar glücklichsten. Aber gibt es etwas, was einen Menschen glücklicher machen kann, als wenn er in der Wahrheit lebt und mit sich selbst und seinen Mitmenschen im Reinen ist?
Sr. M. Ursula

Sonntag, 14. Juni 2009

In Gemeinschaft

Ich heiße Corinna Bauer und bin 37 Jahre alt. Ich bin vor fast sieben Monaten eingetreten und habe davor als Floristin gearbeitet. In meiner Freizeit habe ich im Kirchenchor gesungen und die Musik hat mich sehr berührt. Dann noch in der Kirche zu singen, die für mich immer etwas Geheimnisvolles hatte, das hat mich total berührt, weil ich eine ganz besondere Nähe gespürt und mich besonders wohl gefühlt habe.
So ist in mir dann auch der Wunsch gewachsen, einmal in einem Kloster Urlaub zu machen, um da reinzuschauen und mitzubekommen, wie das Leben dort so ist. Durch Zufall bin ich auf Kloster Arenberg gestoßen und bin dorthin gefahren. Als ich dann das erste Mal durch das Gartentörchen ging, langsam auf das Gelände ging und mich umgesehen habe, da hatte ich das Gefühl, als käme ich nach Hause. In der Woche dort habe ich dann Laudes, Mittagshore, Vesper und die Meditation kennengelernt und mitgebetet. Das hat mich so berührt, dass ich gar nicht wusste, wie mir geschieht. Das hat mich ganz schön verwirrt, dafür finde ich fast keine Worte: Alles war wunderbar, ich war aufgekratzt, fröhlich, glücklich, konnte nur noch danke sagen und war wie ein anderer Mensch.
Entsprechend schwer fiel mir dann auch der Abschied am Ende des Urlaubs und als ich zu Hause war, wäre ich am liebsten auf dem Absatz wieder umgedreht.
Da das unglaubliche Gefühl sich auch zu Hause hartnäckig hielt und die Sehnsucht nach Arenberg immer größer wurde, bin ich so schnell wie möglich wieder hingefahren und dann in jeder freien Minute. Je öfter ich dort war, desto deutlicher wurde für mich, dass ich in die Gemeinschaft gehöre - ich war total verliebt.
Ja, und jetzt bin ich hier und fühle mich sehr wohl. Es ist wunderbar, die Gebete in der Gemeinschaft zu beten. Ich darf total viel lernen und finde das alles total spannend, das macht mir richtig Freude und ich bin voller Neugier, auch darauf, was ich über mich erfahren kann.
Ganz wichtig ist mir, dass wir eine Gemeinschaft sind, gemeinsam Gott suchen und gut miteinander umgehen.
Außerdem finde ich es total schön, im Gebet alles vor Gott tragen zu können, überhaupt neue Formen des Gebetes kennenzulernen. Ich freue mich, dass ich so große Geschenke von Gott bekomme und hier sein darf.
Corinna

Samstag, 13. Juni 2009

Gewinne, Gewinne, Gewinne

Jeden Samstag beim Mittagessen steigt die Spannung förmlich ins Unermessliche. Denn am Ende wird die Chortabelle vorgelesen und auf der stehen die Dienste für die kommende Woche. Das bedeutet, dass man eine Woche lang entweder Lektorin während der Messe und unseren Gebeten ist, Tischdienerin ist und so dafür sorgt, dass das Essen auf den Tisch kommt und immer alle alles haben oder Tischleserin und damit die Aufgabe hat, während der Mahlzeiten, wenn wir schweigen, aus dem Buch vorzulesen, das wir gerade ausgewählt haben.

Ausserdem gibt es noch den Dienst der Kantorin, aber dafür braucht man natürlich gewisse Fähigkeiten und den Dienst der Hebdomadaria. Diese Aufgaben sind jedoch für Professschwestern vorgesehen, somit werden wir Postulantinnen davor verschont, worüber ich persönlich nicht traurig bin.

Letzte Woche war ich zum zweiten Mal in meinem Leben Tischleserin. Beim ersten Mal, das war Anfang des Jahres, habe ich gedacht, ich müsste sterben, weil die Tischleserin, wie z.B. bei uns im Mutterhaus üblich, nicht nach dem eigentlichen Essen erst isst, sondern irgendwann abgelöst wird und dann isst. Das heisst aber, dass meistens alle anderen Schwestern schon fertig sind mit Essen und nur darauf warten, dass die Tischleserin auch fertig wird. Beim ersten Mal also war das für mich der pure Stress, aber inzwischen bin ich ganz schön abgebrüht und esse in relativer Ruhe zu Ende - so ändert man sich im Kloster ;-)

Auch wenn ich nicht alle Aufgaben gleich gerne übernehme, finde ich es gut, dass wir sie haben und merke, wie sehr sie uns als Gemeinschaft helfen. Gäbe es z.B. keine Tischdienerin, würden wohl alle wie verrückt um den Tisch rennen. So haben wir einfach eine bestimmte Ruhe am Tisch, die uns ausserdem hilft, das Schweigen einzuhalten.

Da bin ich doch mal gespannt, was ich diese Woche gewinne.

Kerstin

Freitag, 12. Juni 2009

Unsere neuen RasenMÄHer

...seit einigen Tagen ist unser Klostergarten um eine sehr goldige "Attraktion" reicher: Zur Freude unserer Gäste (von einer gewissen Schwester U. mal ganz zu schweigen) haben wir uns einige Schäfchen ausgeliehen, die hier nun quasi einen "Wellness-Urlaub" auf unseren Streuobstwiesen verbringen dürfen. Nachdem sie heute morgen schon fleißig im Einsatz waren und sich den Bauch vollgeschlagen haben, machten die Herrschaften nun eben ein gediegenes Mittagsschläfchen an der Sonne.
Schaf müsste man sein ;-)

Ein schönes Wochen-ende wünscht
Sr. M. Ursula



Donnerstag, 11. Juni 2009

Fronleichnam im Regen

Heute haben wir Fronleichnam gefeiert, ein Fest, bei dem wir Katholiken normalerweise „Farbe bekennen“ und mit Christus im eucharistischen Brot singend und betend durch die Straßen ziehen. Zum ersten Mal in meinem ganzen Leben habe ich heute erlebt, dass die Prozession aufgrund des schlechten Wetters (Regen und starker Wind) ausfallen musste – eine seltsame Erfahrung!
Vom Christus-Feiern ließen wir uns natürlich trotz allem nicht abhalten, und so fand ein großer Festgottesdienst mit Weihbischof Jörg Peters in der Niederberger Pfarrkirche statt. Als Dechant Eugen Vogt bei seiner Begrüßungsrede mutmaßte, wahrscheinlich seien wohl die Arenberger Kräuter-Schwestern für den Regen verantwortlich zu machen (unser Garten hatte das kühle Nass in der Tat dringend notwendig!), stieß das bei uns natürlich auf heftigsten Protest ;-).
Im Anschluss an den sehr schön gestalteten Gottesdienst, zu dem auch auffallend viele Kinder, Jugendliche und junge Familien gekommen waren, gab es dann doch noch eine kleine Prozession, denn begleitet von der Musikkapelle zogen alle zusammen in eine nahe gelegene Turnhalle, um dort gemeinsam das Pfarrfest zu feiern.
Die bedeutendsten Hymnen zum Fronleichnamstag stammen übrigens aus der Feder eines Dominikaners - es war kein Geringerer als Thomas von Aquin, dessen Hymnus "Gottheit tief verborgen" für mich definitiv zum Schönsten zählt, was je von einem Menschen über das Mysterium Eucharistie geschrieben wurde (unangefochtener Platz 1 meiner persönlichen Kirchenmusik-Hitparade).
Sr. M. Ursula

Gottheit tief verborgen, betend nah ich dir.
Unter diesen Zeichen bist du wahrhaft hier.
Sieh, mit ganzem Herzen schenk ich dir mich hin,
weil vor solchem Wunder ich nur Armut bin.

Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir,
doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir.
Was Gott Sohn gesprochen, nehm ich glaubend an;
er ist selbst die Wahrheit, die nicht trügen kann.

Einst am Kreuz verhüllte sich der Gottheit Glanz,
hier ist auch verborgen deine Menschheit ganz.
Beide sieht mein Glaube in dem Brote hier;
wie der Schächer ruf ich, Herr, um Gnad zu dir.

(Thomas von Aquin,
geschrieben zum Fronleichnamsfest 1264)

Mittwoch, 10. Juni 2009

So klein ist die Welt

Während unserer dominikanischen Studienwoche in Arenberg waren wir, als wir unseren Ausflug zum Grab des hl. Albertus Magnus machten, auch in Groß St. Martin in der Vesper. Dort leben seit April diesen Jahres Schwestern und Brüder der Gemeinschaft von Jerusalem.
Und schon während der Vesper dachte ich: "Moment, diese Frau kennst du doch." Ich dachte an eine Kommilitonin, mit der ich zusammen den Graecums-Kurs gemacht hatte. Allerdings war ich mir etwas unsicher, das hätte ja jede sein können.
Als Jenny aber letzten Sonntag davon erzählte, dass eine Frau aus Bochum-Stiepel in die Gemeinschaft von Jerusalem eingetreten sei, da hab ich doch im Internet noch einmal genauer die Bilder des Klosters in Köln angeschaut und bin zu dem Schluss gekommen, dass das tatsächlich meine Kommilitonin Marion ist.
Wie klein die Welt doch ist und wie unverhofft man sich doch manchmal wieder über den Weg läuft. Vor allem freue ich mich darüber, dass auch andere Frauen in meinem Alter den Schritt tun und dass auch andere Gemeinschaften Nachwuchs haben.
Ich wünsche Marion alles Gute und Gottes Segen für ihren Weg in der Nachfolge.
Kerstin
Bildquelle: Gemeinschaft von Jerusalem

Montag, 8. Juni 2009

Jetzt sind wir zu dritt!

Seit gestern Abend ist Jenny unsere neue Postulantin der Arenberger Dominikanerinnen! Während der Vesper wurde sie im Namen von Sr. M. Agnes durch Sr. M. Scholastika aufgenommen und kann nun so richtig loslegen. Als Zeichen der Zugehörigkeit hat Jenny das Mantelwappen überreicht bekommen, das wir Postulantinnen alle an unserer Kleidung tragen. Die Worte, die Sr. Scholastika zur Aufnahme gesprochen hat, sind ja bereits nachzulesen.
Nach der Vesper ging der Gratulationsreigen der Schwestern dann im Refektorium los und es gab ein schickes Abendessen, währenddessen Sr. Veneranda die, wie sie selber zugab, etwas unverschämte Frage stellte: "Und wann kommt die nächste?"
Wann auch immer, wir freuen uns, dass Jenny da ist und mit uns zusammen nach Gott suchen will, den wir mit DU ansprechen dürfen und der jede von uns immer wieder neu ruft. Wir sind ganz gespannt auf den gemeinsamen Weg und freuen uns auf das, was vor uns liegt.
Aber jetzt beginnt für Jenny erstmal der Alltag: Ihre Zelle ist eingerichtet, die überflüssigen Sachen wieder nach Hause geschickt und heute mittag versieht sie ihren ersten Mittagsdienst bei den Gästen.
Wir hoffen, dass sie sich schon ganz bald hier im idyllischen Rickenbach wie zu Hause fühlt.
Weitere Bilder von der Aufnahme sind in unserem Fotoalbum zu finden.
Kerstin

Sonntag, 7. Juni 2009

Zur Aufnahme ins Postulat

Zeichnen Sie mir Gott
verlangte der Psychotherapeut


Sie rief: wie kann ich zeichnen
was ich nicht gesehen
nicht gefasst
nicht begriffen
habe

Nun geben Sie ihm einen Namen
bezeichnen Sie Gott
Er schwieg sein Gesicht blieb hart

ER ist zu groß zu herrlich
murmelte sie
zu vollkommen-schön
Ich finde keine Worte
Unwirsch zog sie einen Kreis
über Blatt und Tisch:
Sonne Erde Gestirn oder welche Kugel
Denken Sie nach:
Wie lassen sich Vater und Mutter
Bruder und Schwester
Freund und Geliebter
mit einem Namen benennen
Sie verbarg ihr Gesicht
mit den Händen und flüsterte:
DU
Bruno Stephan Scherer

Liebe Jenny,
Sie verbarg ihr Gesicht mit den Händen und flüsterte: DU.
Wir feiern heute das Hochfest der Heiligsten Dreifaltigkeit, und wenn wir die Antiphonen unseres Stundengebets betrachten, entdecken wir ein einziges Staunen, ein unaufhörliches Loben und Preisen, weil dieses tiefe, abgrundtiefe Geheimnis göttlichen Lebens unseren Verstand übersteigt, all unsere Vorstellungen sprengt. Ich meine, nur Liebende kommen diesem Geheimnis nahe.Vielleicht sagen wir mehr über GOTT, wenn wir ganz schlicht und einfach, wie die Frau im Gedicht von Bruno Scherer Du sagen, dieses Du von ganzem Herzen, mit all unseren Kräften leben.
Dieses Du Gottes, Jenny, lockt und drängt Dich, mit diesem wunderbaren, unbegreiflichen, alles übersteigenden Gott, der uns so nahe sein will und der uns doch immer der Unsagbare bleibt, Dein Leben zu gestalten, aus IHM zu leben und von IHM her tiefer und tiefer Deine Bestimmung zu finden.
Und ich glaube, wir alle hier dürfen bekennen, dass es dieses Du ist, das uns letztlich durch alles hindurch glücklich macht, uns erfüllt und uns den Frieden schenkt.
Und dieses DU ist der bleibende Pulsschlag unserer Gemeinschaft. Du wirst es Tag für Tag mit uns erfahren, dass auch wir mitten in aller Alltäglichkeit und Einfachheit, mitten in dem uns Vorgegebenen auf dem Weg bleiben, auf der Suche bleiben nach IHM. Wir haben ihn nicht, auch im Kloster nicht.
Wir feiern am heutigen Sonntag das Hochfest der Liebe, das Hochfest gelungener Gemeinschaft. GOTT ist in sich Gemeinschaft und von Ihm her lernen wir, was Gemeinschaft ist, was Lieben bedeutet. Liebe kann nicht für sich bleiben, sie braucht jenen Raum, jenen konkreten Menschen, in den sie sich ergiessen kann; und fruchtbar wird sie dort, wo die innere Zweisamkeit gesprengt wird in ein Drittes hinein. Wo GOTT wirken darf, wo seine Liebe in uns Weite gewinnt und fruchtbar werden darf, da wird uns jenes Glück der Selbstvergessenheit geschenkt, in dem wir alles, alles geschenkt bekommen. Es ist letztlich der Zustand des Staunens, der kontemplativen Lebensweise mitten in unserem Tun für die unsere Kirche, für Sein Reich, das GOTT durch jede von uns bauen will.
GOTT liebt, er kann nur lieben, und indem er liebt, gibt er sich. Restlos, ohne Berechnung, ohne zu sparen, gibt er. Sein Wesen ist Geben, ist Gabe. Ist Hin-Gabe. Ganz hat er sich eingelassen auf seine geliebte Schöpfung. Ganz verschenkt er sich: Er umfängt und durchdringt alles, Dich, Jenny, und jede Deiner Mitschwestern, mit denen Du nun Tag für Tag zusammenleben wirst. Darin lässt er uns teilhaben an Seiner Fülle. Heute schon.
Johannes von Kreuz kann beten: „Du nimmst mir ja nicht weg, mein Gott, was du mir in deinem einzigen Sohn Jesus Christus einmal gegeben hast; und in ihm hast du mir alles gegeben, was ich mir überhaupt wünschen kann.“
Liebe Jenny, diese reiche Erfahrung wünschen wir Dir von ganzem Herzen: der Vater hat uns in Christus durch den Heiligen Geist ALLES geschenkt. Er übertrifft alles, was Du Dir überhaupt wünschen kannst. Dieser Dein Glaube möge an Tiefe gewinnen dürfen und Dich ganz ganz froh machen. Ich bin überzeugt, dass wir Menschen nur aus dieser Gewissheit lassen, neue Wege einschlagen, wählen und uns für das Eine entscheiden können.
Denn das Leben, das sich uns täglich zeigt, ist so reich, so voll, so übervoll, dass wir immer wieder wählen, immer wieder entscheiden müssen, wie wir unsere Zeit füllen, wie wir unsere Beziehungen pflegen, was wir lesen, womit wir umgehen.
Du kennst vielleicht das Wort von Pedro Arupe:
"Nichts ist von größerer Bedeutung für das Leben, als GOTT zu finden –sich in einer sehr absoluten, endgültigen Weise zu verlieben. Das, was Du liebst, was Deine Vorstellungskraft beherrscht, wird nichts unberührt lassen. Es entscheidet darüber, was Dich am Morgen veranlasst, aufzustehen, was Du mit Deinen Abenden anfängst, wie Du Deine Wochenenden verbringst, was Du liest, wen Du kennen lernst, was Dir das Herz bricht und was Dich in Erstaunen, Freude oder Dankbarkeit versetzt. Liebe, bleib in der Liebe, und das wird alles entscheiden."
Liebe Jenny, Du bist eine von Christus Erwählte. Wähle ihn immer wieder neu. Wähle ihn auch in den kleinen, scheinbar unbedeutenden Dingen Deines beginnenden klösterlichen Alltags. Wir möchten Dir aus der Kraft des Geistes dabei helfen, und Dein Leben, Deine Liebe zu IHM möge „uns Alten“ immer wieder daran erinnern.
Mit Dir dürfen wir das unsagbar grosse Geheimnis GOTTES bewohnen, mit Dir IHN preisen, mit Dir staunen über Sein Sein in unserer Mitte.

Sr. M. Scholastika

Was bin ich Dir, dass Du von mir geliebt sein willst?
Du, über alles bist Du der Hohe,
der Gute, der Mächtige, der Allmächtige,
der Erbarmende, der Gerechte,
der Geheime und der Offenbare,
der Schöne und der Gewaltige,
der Feste und der Unbegreifliche,
der Unwandelbare, der alles wandelt:
nie bist Du neu, nie bist Du alt
und erneuerst doch alles.
Immer bist Du der Wirkende,
immer der Ruhende,
bist der Sammelnde und nichts Bedürfende,
bist der Tragende, Erfüllende,
der Schirmende über allem,
bist der Erschaffende, Nährende
und Vollendende,
bist Suchender, obgleich doch nichts Dir mangelt.
Du nimmst zu Dir, was Du findest
und niemals doch verloren hast;
niemals in Armut,
hast Du doch Freude über Gewonnenes.
Schulden zahlst Du, niemands Schuldner;
Schulden schenkst Du, ohne zu verlieren.
Du allgewaltiger, heiliger Herr.
Amen.
Hl. Augustinus

Samstag, 6. Juni 2009

Ich bin bei euch alle Tage

Immer am Freitag Abend trifft sich unser Konvent zum Schriftgespräch. Wir betrachten gemeinsam das Sonntagsevangelium des kommenden Sonntags und überlegen, was das Wort Gottes uns heute sagen möchte. Diesen Sonntag wird Mt 28, 16-20 gelesen, der dreifache Auftrag Jesu an seine Jünger.
Dabei hat Sr. Veneranda einen ganz schönen Aspekt benannt: Wir haben jetzt im Kirchenjahr alle Mysterien gefeiert, die es gibt. Da steht am Anfang die Menschwerdung Gottes in Christus, dann haben wir uns in der Fastenzeit auf das Leiden Christi vorbereitet, 50 Tage lang seine Auferstehung und den Sieg über den Tod gefeiert und letzten Sonntag die Geburtsstunde der Kirche. Und jetzt, da das ganz normale Kirchenjahr, der Jahreskreis angebrochen ist, steht der Auftrag Christi an uns, seine Jünger: Wir sollen in die Welt von heute gehen und erzählen, was wir erleben auf unserem Weg in der Nachfolge. Wir sollen allen, die wir treffen, sagen, was uns bewegt, was uns umtreibt. Wir sind prädestiniert dazu, den Menschen zu erzählen, wie abgefahren dieses Leben mit Christus ist, weil wir seine Jünger sind und weil er uns das zutraut, auch und gerade wenn wir zweifeln.
Das ist also im Grunde d a s Evangelium für uns Dominikaner, die wir ja vom Ursprung her im Ordo Praedicatores, im Predigerorden, sind.
Für mich soll das in der kommenden Woche heißen, dass ich versuchen will, hier im Blog, aber auch im Gespräch mit denen, die zu uns kommen, die richtigen Worte zu finden, von meinem ziemlich coolen Leben mit Christus zu erzählen. Das finde ich nicht immer einfach, denn wie soll ich Worte für etwas finden, dass ich selber eigentlich gar nicht so richtig fassen kann? Und dann sollten es nach Möglichkeit auch noch Worte sein, die nicht kitschig, frömmlerisch oder bekloppt klingen.
Also, mal sehen, was passiert - drückt mir die Daumen!
Kerstin

Dreifaltigkeit

„Warum muss unser Gott denn so kompliziert sein?“ – diese Frage stellte ich mir als Jugendliche oft, wenn ich versuchte, mich mit meinem Verstand dem „Einen Gott in drei Personen“ zu nähern. Und so ließ ich dieses Dogma einfach so stehen wie ein noch verpacktes Geschenk, dessen Inhalt mich gar nicht mal so sehr interessierte...
Das änderte sich für mich plötzlich nach meinem Ordenseintritt; vielleicht war es kein Zufall, dass ich ausgerechnet in der ersten Vesper zum Dreifaltigkeitssonntag ins Postulat aufgenommen wurde. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich damals richtig Angst vor meiner eigenen Courage hatte und offen gestanden der personifizierte Zweifel war, ob ich mich mit meiner Entscheidung fürs Ordensleben nicht in irgendetwas „verrenne“. Doch mitten in der Vesper kam in mir plötzlich ein Gefühl tiefer Geborgenheit auf – Geborgenheit im dreifaltigen Gott. Als mir wenige Wochen später nach meinen ersten Postulats-Exerzitien eine Karte mit einem Bild der „Barmherzigen Dreifaltigkeit“ von Schwester M. Caritas Müller OP in die Hand fiel, war die Verbindung vom Kopf zum Herzen endgültig hergestellt. Die Betrachtung des Bildes berührte mich sehr, denn so wie Gott dort dargestellt ist – der Vater, der liebevoll in den Arm nimmt und den Rücken stärkt, der Sohn als derjenige, der sich tief zu uns hinunterneigt, sich entäußert und zum Diener aller wird, der Heilige Geist als das alles umschliessende feurige Band der Liebe – genauso ist Gott auch in mein Leben getreten, so durfte ich Ihn erfahren.
Der Kreis schloß sich für mich, als ich später im Noviziatsunterricht das Buch „Der dreieine Gott“ von Gisbert Greshake las. Dort heißt es an einer Stelle:
„Als dreifaltiger Gott, dessen innergöttliches Leben sich im Austausch der Liebe vollzieht, ist er kein in sich stehendes Absolutum, sondern immer schon ent-äussert, so dass eine göttliche Person ihr Gottsein je von den beiden anderen her empfängt und ihnen schenkt.
Die Personen in Gott sind also von ihrer innersten Eigenart her so, dass sie Raum „neben“ sich gewähren. Raumgeben gehört zum Wesen der Liebe. (…) Wenn nun ein solcher Raum zum Wesen des trinitarischen Gottes gehört, muss dieser einen solchen nicht erst durch Einschränkung seiner Allmacht bereiten, um der Schöpfung einen „Ort“ der Existenz zuweisen zu können. Ein solcher Raum besteht bereits im innertrinitarischen Lebensvollzug. (...)
Gott ist bereits in seinem Wesen Raumgeben für andere, zunächst für das andere der göttlichen Personen, dann aber auch für das ganz andere der Schöpfung. Das Nicht, das zwischen Schöpfer und Geschöpf steht, ist im Nicht zwischen Gott und Gott geborgen.
(aus: G. Greshake, Der dreieine Gott, Herder-Verlag)
Wie Gisbert Greshake es ausdrückt – wir sind geborgen in diesem Raum der Liebe, der Gott selbst ist, ER umschliesst uns von allen Seiten, aus diesem Raum können wir niemals herausfallen. ER verleiht jedem Menschen eine unaussprechliche, unzerstörbare, göttliche Würde.
Als ich mir im März einen Professnamen aussuchen durfte, musste ich nicht lange überlegen - ich wählte die "Barmherzige Dreifaltigkeit". Einerseits, weil mir im Geheimnis der Dreifaltigkeit die Spannung zwischen spürbarer Nähe und Unbegreiflichkeit Gottes besonders stark zum Ausdruck kommt, die mir - genauso wie vielen anderen - manchmal schwer zu schaffen macht. Es steht für mich auch für die unbegreifliche Größe Gottes, sein Immer-Anders-Sein. Ich habe schon oft erfahren - wenn ich mir über IHN grübelnd den Kopf zerbreche, komme ich ihm keine Spur näher. Nein, ich möchte mehr und mehr lernen, Gott GOTT sein zu lassen, das Ge-heim-nis zu bewohnen, statt es unbedingt erklären zu wollen.
Einen gesegneten Dreifaltigkeitssonntag wünscht
Sr. M. Ursula

Freitag, 5. Juni 2009

Klosteralltag

So, da in den letzten 10 Tagen im Leben der Juniorats-schwester U. tat-sächlich mal wieder so etwas wie "Alltag" eingekehrt ist, kann ich Euch jetzt auch berichten, wie nun mein Tagesablauf aussieht.
Wie in Rickenbach und all unseren Konventen beginnt der Tag bei uns in Kloster Arenberg ganz still (abgesehen natürlich von dem unverschämten Lärm, den mein Wecker gegen 5:30 Uhr produziert).
Bevor ich um 6:30 Uhr gemeinsam mit allen Schwestern die Laudes bete, habe ich eine halbe Stunde Zeit zur Meditation. Dieses schweigende Da-Sein vor Gott ist mir täglich aufs Neue unendlich kostbar, wie eine Art "Kraftspritze" für den kommenden Tag. Nach der Laudes feiern wir um 7:00 Uhr die Messe, danach gibt es Frühstück, das normalerweise (wenn wir nicht gerade den Namenstag einer Schwester oder Sonstiges zu feiern haben) ebenfalls noch schweigend eingenommen wird. So gestärkt beginnt dann um 8 Uhr mein Arbeitstag. Die Zeit bis zum Mittagsgebet um 11:30 Uhr nutze ich für die Arbeit im Seelsorge-Team unseres Gästehauses, beispielsweise zur Vorbereitung von Morgenimpulsen oder Vorträgen. Nach dem Mittagessen und einer Mittagspause arbeite ich ab 14:00 Uhr in unserer Kräuterei, wo ich auch schon während meiner Postulatszeit mithelfen durfte. Derzeit bin ich beispielsweise gerade dabei, unseren Apothekergarten (s. Foto) etwas "aufzumöbeln", und stehe nebenbei als Ansprechperson zur Verfügung, wenn unsere Gäste etwas über die Verwendung der Heilpflanzen erfahren möchten. Ich gestehe, als ich letzte Woche nach langer Zeit wieder einmal richtigen Gartenduft in die Nase bekam, war ich doch ganz schön begeistert - ich bin und bleibe eben eine alte Kräuterhexe ;-)
Um 17:30 Uhr ist dann wieder Zeit fürs Gebet (Rosenkranz und Vesper), bevor es gegen 18:30 Uhr Abendessen gibt. Das letzte gemeinsame Gebet eines jeden Tages ist die Komplet, das Nachtgebet der Kirche, das wir mit Rücksicht auf unsere älteren Schwestern bereits um 19:00 Uhr beten. Die Komplet schließt nach guter alter dominikanischer Tradition mit einer "Salve-Regina-Prozession" und dem "O lumen", einem uralten Gesang zum Hl. Dominikus, bei dem mir auch nach drei Jahren noch das Herz aufgeht wie am ersten Tag...
Die freie Zeit nach der auch im Kloster "obligatorischen" Tagesschau nutze ich derzeit meistens zum Spazierengehen, Briefeschreiben, Musikhören oder Lesen, bevor ich dann gegen 22:30 Uhr totmüde ins Bett falle.
Sr. M. Ursula

Bittgang der Pfarrei

Gestern Abend lud die Pfarrei St. Margaretha hier in Rickenbach zum Bittgang ein. Zu sechs Schwestern machten wir uns mit den Rickenbachern auf den Weg vom Schulhausplatz zum Kreuz auf den Buttenberg, um die Anliegen der Pfarrei, des Dorfes und unsere eigenen Anliegen vor Gott zu bringen. Auf dem Berg angekommen feierten wir unter dem Kreuz bei schönstem Abendwetter eine Messer mit Pfr. Markus Brun und entzündeten unsere mitgebrachten Lichter, die wir ans Kreuz stellten.
Der Abend wurde abgerundet durch die Einladung zu Grillwurst und einem Getränk, wobei jede Menge Begegnung möglich war. Für Jenny schon gleich eine gute Gelegenheit, die ein oder anderen Rickenbacher kennen zu lernen und das Ohr auf Mundart einzustellen.
Es war ein ganz herrlicher Abend, weil das Wetter wunderbar war, wir durch die Felder gelaufen sind, die Messe unter freiem Himmel so schön war,...
Da muss man sich einfach an der schönen Schöpfung freuen und kann nur sagen, dass es in Rickenbach ganz schön idyllisch ist.
Kerstin

Mittwoch, 3. Juni 2009

Voll belegt

Seit Pfingstmontag sind wir in der Klausur voll belegt, denn unsere Postulantin Jenny ist angekommen! Selten hat es wohl so einen Empfang gegeben, bei dem alle auf den Beinen waren. Das Wetter war aber auch tiptop und so war es eine Freude, auf unsere neue "Mitschwester" zu warten. Uns zu Ehren hat sie sich zwei Kilometer vor dem Ziel extra noch klosterfein gemacht, das ist doch mal echter Einsatz.
Jetzt ist Jenny gerade dabei, ihre Kisten auzupacken und die Inhalte in der Zelle zu verstauen. Wir vom Noviziat freuen uns natürlich nicht nur, dass sie jetzt da ist, sondern auch noch die ein oder andere Leckerei mitgebracht hat ;-) Allerdings hat sie schon gesagt: "Die Hälfte der Kisten geht wieder zurück zu Mutti." Hoffentlich die richtige Hälfte...
Wir freuen uns auf jeden Fall alle riesig, dass Jenny jetzt endlich da ist und wünschen ihr jede Menge Freude und Gottes Segen für die ersten Schritte auf dem Weg zu und mit Gott.
Kerstin
PS: Auch wenn wir voll belegt sind, soll das nicht heißen, dass wir für weitere Kandidatinnen keinen Platz mehr hätten; Platz ist ja bekanntlich in der kleinsten Hütte.

Montag, 1. Juni 2009

Pfingsten an der Sonne


Pünktlich zu Pfingsten haben wir uns weder von der Sonne noch vom Wind abhalten lassen und die Terrassensaison eröffnet. Als starke Mädchen haben wir dazu völlig enthemmt auch unsere Sr. Maria Ancilla die beiden Stufen heruntergetragen, da sie zur Zeit im Rollstuhl unterwegs ist.
Sr. Hedwig zeigte uns bei überaus leckerer Erdbeertorte - endlich sind in der Schweiz die Erdbeeren auch reif - die neueste Klostermode; hier zu sehen mit Strohhut und Sonnenbrille. Das ist doch echter Luxus und so haben wir gute 1,5 Stunden die Sonne und das Leben genossen und uns damit auf unsere Kirmes vorbereitet, die wir heute feiern. Da uns keine Kirmesburschen einen Kirmesbaum aufgestellt haben, müssen wir das fürs nächste Jahr wohl selber in Angriff nehmen. Dann träumen wir auch schon von einem Kettenkarrussell und einem Autoscooter.
Kerstin

Alles Gute, liebe Jenny!

Heute morgen haben wir hier in Arenberg unsere Kandidatin Jenny verab-schiedet; sie ist nun unterwegs nach Rickenbach, wo sie diese Woche ihr Postulat beginnen wird.
Ich möchte unserer lieben Jenny heute einen Segenswunsch mit auf den Weg geben, den mir ein befreundeter Priester am Pfingstmontag 2006 zu meinem eigenen Ordenseintritt geschrieben hat:
"Ich wünsche Dir eine Zeit des Aufbruchs (Gen 12, 1), eine Zeit des Suchens (1 Kön 19) und vor allem eine Zeit des Ringens mit dem Lebendigen (Gen 32, 23-33). Er wird Dich in Steppen und Wüsten (Ex 3) führen, auf Berge, auf denen Er Dir begegnet wie Feuer (Dtn 5, 4f), oder auf denen es 40 Tage und 40 Nächte kein Brot und kein Wasser gibt (Dtn 9, 9). Erschrick nicht vor ihm!
Aber Er wird Dich auch trösten, Dich mit den Ketten der Liebe an sich ziehen und für Dich sein wie Eltern, die den Säugling an ihre Wange heben (Hos 11, 4), Er führt dich auf grüne Auen und zum Ruheplatz am Wasser (Ps 23, 2). So stillt Er Dein Verlangen!
Wahrscheinlich sind Dir all diese Erfahrungen schon jetzt nicht mehr fremd. Ich darf und muss sie jedenfalls immer wieder machen. Manchmal ist es wie das Fahren auf der Achterbahn und mitunter möchte man davonlaufen. Aber: Zu wem sollten wir gehen? (Joh 6, 68). Nur ER schenkt Leben.
Du gehst diesen Weg nicht allein. Auch wenn viele ihn nicht verstehen werden (und können), so werden sie Dich doch tragen mit ihrer Liebe und ihrem Gebet. Und dann die Heiligen, die uns wie eine "Wolke von Zeugen" (Hebr 12, 1) umgeben. Angefangen von Maria bis hinab zum kleinsten unbekannten Heiligen, der irgendwo im letzten Winkel der Welt sein Glaubenszeugnis gegeben hat, stehen sie alle hinter und neben uns, um uns in unserer Schwachheit zu stützen. Ein wunderbarer Gedanke der Solidarität, der vor allem in dunklen Stunden tragen kann.
So geh' nun, denn: "Ein Segen sollst du sein!" (Gen 12, 2)."

Sr. M. Ursula