Donnerstag, 30. April 2009

Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung.

Nein, der Tod hat nicht das letzte Wort, Christus hat ihn für uns alle überwunden: darin ruht unsere Hoffnung, und diese österliche Wirklichkeit zeigten uns die letzten schweren Leidenswochen von Schwester M. Emanuela.
Es macht betroffen, zu wissen, dass sie das "Leiden Jesu" verborgen in ihrem Professnamen trug.
Sie wusste sich mit Ihm - dem Gott-mit-uns, "Immanuel" - verbunden, von Seinem Wort geführt und getragen. Das Bild von Gott als "Adler, der sein Nest beschützt und über seinen Jungen schwebt, der seine Schwingen ausbreitet, ein Junges ergreift und es flügelschlagend davonträgt" (Dtn 32,11), war ihr Zuversicht und Kraft, besonders in den Jahren ihrer verantwortungsvollen Aufgaben in der Generalleitung. Ihr letzter Sendungsauftrag vor ihrer Erkrankung im November 2008 galt unserer Mission in Bolivien.
Ihr tiefes Gottvertrauen, ihre Entschiedenheit und Zielstrebigkeit, durchdrungen von einer heiteren Gelassenheit, ihr Realismus und nicht zuletzt ihre überzeugende Menschlichkeit, in der wir Schwestern uns verstanden und begleitet wussten, zeichneten ihr Wirken als langjährige Priorin, als Generalvikarin und Generalpriorin aus. Das Wohl unserer Gemeinschaft lag ihr bis zuletzt sehr am Herzen. In der Konfrontation mit täglichen Erfahrungen von Grenzen und Bedrängnissen vermochte Schwester M. Emanuela die Zukunft unserer Gemeinschaft immer neu in die Hände Gottes zu legen, und sie verkündete uns mit ihrem Leben Christus als den Menschgewordenen, Erbarmenen, Liebenden. "Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen" - Psalm 23 drückt etwas von der Grundmelodie ihres Herzens aus, und es war ihr ein Anliegen, selbst "in der Wüste noch das Lob Gottes zu singen" (T. Radcliffe).
Und wir vertrauen: Lauter Güte und Huld werden ihr folgen ihr Leben lang, und im Haus des Herrn darf sie nun wohnen für alle Zeit. Ewig.


(Nachruf der Kongregation)

Nach einem beeindruckenden Sterbeamt mit Weihbischof Jörg Michael Peters, unserem Arenberger Hausgeistlichen P. Michael Dillmann OP, dem Provinzial der deutschen Dominikaner P. Johannes Bunnenberg OP und zahlreichen Konzelebranten haben wir sie gestern zu Grabe getragen - unsere geliebte, verehrte Schwester M. Emanuela. Für uns Schwestern war es ein schmerzlicher Tag, an dem wir Mitgefühl und Anteilnahme von zahlreichen Priestern und Ordensleuten, Mitarbeitern, Freunden und Wohltätern erfahren durften.
Was bleibt, ist tiefe Dankbarkeit und die feste Gewissheit, dass Schwester M. Emanuela nun ihre wahre Heimat gefunden hat.
Sr. M. Ursula

Montag, 27. April 2009

Schw. M. Emanuela Münde OP


Am Samstag, den 25. April ist unsere Generalpriorin Schw. M. Emanuela im Alter von 63 Jahren nach langer und schwerer Krankheit heimgegangen ins ewige Leben.
Ihre lebensfrohe und direkte Art, ihre Herzlichkeit, ihr Humor, sie selber fehlt uns schon jetzt unendlich. Aber wir sind dankbar, dass sie von ihrem Leiden nun endlich erlöst ist und glauben mit dem Apostel Paulus: "Gott hat uns mit Christus auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben."
Schw. Emanuela wird am Mittwoch, dem Fest der hl. Katharina von Siena, um 14.00 Uhr im Mutterhaus in Arenberg beigesetzt.
Kerstin

Samstag, 25. April 2009

Sr. M. Friedgardis im Glück

...nachdem wir in letzte Woche im Konvent
"zu fünft alleine" waren (Kerstin und Corinna nahmen an einer dominikanischen Noviziats-Schulung teil, Sr. M. Scholastika und Sr. M. Veneranda waren auf dem Arenberg), waren wir "Hinterbliebenen" heute morgen so entkräftet vom vielen Arbeiten, dass wir uns erst einmal ein wenig stärken mussten.
Die frischen Spiegeleier von Sr. M. Friedgardis (der das Backen sichtlich Freude bereitete) haben ganz wunderbar geschmeckt und - wie man auf dem unteren Foto erkennen kann - sofortige Wirkung gezeigt!!
Ein schönes Wochenende wünscht
Sr. M. Ursula

Mittwoch, 22. April 2009

Frauenpower

"Mein Wesen ist Feuer". - "Seid versichert, wenn ich sterbe ist die einzige Ursache meines Todes die Liebe zur Kirche".
(Katharina v. Siena)

Anfang der Woche haben wir Schwestern damit begonnen, die Novene zum Fest der Heiligen Katharina von Siena zu beten, das wir am 29. April feiern werden. Eine gute Gelegenheit, hier einmal etwas über diese "feurige Kirchenlehrerin" zu schreiben, die uns von unserer Gründerin Mutter M. Cherubine als Vorbild und Schutzpatronin unserer Gemeinschaft gegeben wurde.

Katharina wurde 1347 in Benincasa geboren, in einer Zeit, in der in ganz Europa die Pest wütete. Bereits als Kind machte sie eine tiefgehende Gotteserfahrung, die in ihr den Wunsch wachsen ließ, sich ganz Christus zu weihen. Als sie - wie damals üblich - mit zwölf Jahren verheiratet werden sollte, schnitt sie sich kurzer Hand einfach die Haare ab, wodurch sie sich "eheuntauglich" machte.
Statt zu heiraten trat sie - nach langem Kampf und gegen den Willen ihrer Eltern - mit 16 Jahren dem Dominikanerorden bei. Hier verbringt sie die ersten Jahre völlig zurückgezogen mit strengstem Fasten und intensivem Gebet.
Einen neuerlichen Wendepunkt erfährt ihr Leben wiederum durch eine tiefe mystische Begegnung mit Christus, durch die sie sich herausgerufen fühlt, ihre Einsamkeit zu verlassen und zu den Menschen gehen. Sie folgt diesem Ruf und widmet sich fortan mit Leib und Seele der apostolischen Tätigkeit. Mit großer Hingabe sorgt sie für die Armen und Kranken und stellt sich - was für eine Frau zur damaligen Zeit höchst bemerkenswert und Aufsehen erregend war - neben kirchlichen auch gesellschaftlichen und politischen Fragen. Mit glühendem Herzen kämpft sie für die Einheit der Kirche, prangert deren Missstände und Dekadenz in leidenschaftlichen Briefen an die Kirchenfürsten aufs Schärfste an. Sie besitzt ein tiefes Verständnis der Kirche mit ihrem sowohl menschlichen als auch göttlichen Charakter. Sie weiß um ihren göttlichen, makellosen Ursprung in Christus und leidet umso mehr unter den skandalösen Zuständen, unter der Sündhaftigkeit der Laien und des Klerus. Fortwährend ruft sie auf zu Reform und Erneuerung.
Bald schon wird sie zu einer anerkannten Ratgeberin vieler politisch und kirchlich Verantwortlicher. "Niemand kam zu ihr, der nicht weiser und besser fortging. Ihre Gelehrsamkeit war von Gott eingegeben, nicht durch Studium erworben. Sie war mehr Lehrerin als Schülerin, so dass sie auch Professoren und Bischöfen von hohem Ansehen auf die schwierigsten Fragen hinsichtlich der göttlichen Dinge mit großer Weisheit Antwort gab" - so kann man in den Heiligsprechungsakten lesen.
Am 29. April 1380 stirbt sie erst 33jährig in Rom, wurde 1461 heilig gesprochen, 1970 von Papst Paul VI. zur Kirchenlehrerin ernannt und 1999 von Papst Johannes Paul II. zusammen mit Brigitta von Schweden und Edith Stein zur Schutzpatronin Europas erhoben.
Ja, Katharina ist eine unbequeme Heilige, und ein bißchen verrückt war sie zugegebenermaßen auch. Ihre Sprache ist für uns heute zwar oft schwer zu verstehen, aber trotzdem hat sie uns viel zu sagen. Ich jedenfalls bewundere zutiefst ihren Mut, ihre liebende Hingabe und ihre Klarheit und wünsche auch uns "Schwestern der Heiligen Katharina von Siena" ihre Frauenpower, wenn es darum geht, Zeugnis zu geben und für Christus und die Kirche einzustehen.
Sr. M. Ursula

Sonntag, 19. April 2009

Wenn ich nicht sehe, glaube ich nicht...


Ein Wort zum Evangelium
am 2. Ostersonntag 2009
(Joh 20, 24-29)



Seit Exerzitientagen vor zwei, drei Jahren ist mir der hl. Thomas sehr nahe gekommen. Mir wurde da ein für mich den „Himmel öffnenden“ Schlüssel geschenkt.
Dieser Thomas, der so leicht „Zweifler“ gerufen wird, dieser Thomas also besass den Mut, einzustehen für das, was ihm Wesentliches fehlt, um im Glauben zu wachsen.
Er hatte ein Gespür für das, was er braucht, um weiter gehen zu können.
Die anderen Jünger hielten auch nach der alles sprengenden Botschaft, dass der Herr auferstanden ist, immer noch ihre Türen verschlossen. Wer zweifelt hier mehr und verschliesst sich aus Angst und Unsicherheit?
Nun dieser Thomas, er bleibt nicht stehen: er fragt an. Fragt nach. Er versteckt sich nicht hinter allzu schnellen Antworten und Wahrscheinlichkeiten. Er läuft nicht einfach mit …
Er, er braucht mehr. Er braucht die Berührung, das Sehendürfen der Wunden Jesu.
Dann erst kann er mit ganzem Herzen, mit seiner Liebe bekennen: „Mein Herr und mein GOTT.“
Das will auch die Zeit des Postulats und des Noviziats: Nicht einfach nachlaufen. Sondern anfragen, um wachsen zu können. Empfindsam werden für das, was sich im eigenen Herzen bewegt und regt.
Diese erste Zeit im Orden gibt Räume frei, dich selbst besser kennen zu lernen - gerade auch in der Konfrontation mit der Gemeinschaft und ihren Verwundeten, denn Verletzte sind wir letztlich doch alle ... – und zu entdecken und dich dafür einzusetzen, was du wirklich brauchst, um im Glauben, in der Gottesfreundschaft, in der Liebe zu Christus und auf dem Weg in Gemeinschaft zu wachsen.
Es gehört zum tieferen Sinn des Gelübdes der Armut,
- zu dem zu stehen, was ich wirklich brauche: menschlich, geistig und geistlich (vom Hl. Geist bewegt)
- so frei zu werden, um dem offen und ehrlich - auch liebevoll - Ausdruck zu geben, was meine Grenzen sind, meine Fragen, meine Zweifel.
Kahlil Gibran lässt Thomas in seinem Buch „Jesus Menschensohn“ sprechen: "… ich hatte es mir angewöhnt, abzuwarten, bis eine Wahrheit augenscheinlich wurde. Ja, ich ging darin so weit, dass ich erst meine Hand in meine eigene Wunde legen musste, um das Blut zu fühlen, bevor ich an meine Schmerzen glaubte.“
Die alten Mystiker erkannten den Weg bereits:
wer sich selbst tief und tiefer erkennt, der wird mehr und mehr auch GOTT erkennen.
Sr. M. Scholastika

Noviziat

es ist der kleine Alltag
der dich einführt
in dein Leben
wie ein Novizenmeister

Tag für Tag
weiht er dich tiefer ein
in das Mysterium
von Schmerz und Glück

nicht alles geht
nach deinem Kopf
und vieles läuft dir
wider Willen

und grausam eingerissen wird
der Tempel deiner Selbstbildnisse
unbelügbare Entziehungskur
all deiner Süchte

du kannst nicht alles meistern
entthront wird deine Souveränität
und du begreifst dass du
nicht deines Lebens Herr bist

wenn du aber alles Kleine liebst
und deine Armut noch umarmst
so wird das Leben dir
zum stillen Freunde werden.

Andreas Knapp
(aus: Knapp, Andreas, Brennender als Feuer.
Geistliche Gedichte, Regensburg 2004)

Freitag, 17. April 2009

Frühlingsgefühle

"Wie der Mandelbaum im ersten Licht des Frühlings Blüten treibt, bringt ein Hauch des Vertrauens die Wüste im Herzen wieder zum Blühen. (...) Ein Jahrhundert nach Christus schrieb ein Glaubender: "Hülle dich in Freude...läutere dein Herz von unguter Traurigkeit, und du wirst für Gott leben." Wer für Gott lebt, entscheidet sich zu lieben. Diese Entscheidung durchzutragen, erfordert Umsicht und Ausdauer. Wer für Gott lebt, erkennt: Mit dem Vertrauen, das man Christus und dem Heiligen Geist schenkt, steht das ganze Leben auf dem Spiel. Mag innerer Nebel uns manchmal vom Vertrauen des Glaubens abschweifen lassen, Christus verlässt uns deshalb nicht. Niemand ist von seiner Liebe und seinem Verzeihen ausgeschlossen."
(Frère Roger)

Mit etwas Verspätung haben sich heute nun auch bei uns in Rickenbach die ersten Knospen der Kirschbäume geöffnet. Ja, der Frühling hat uns nun fest im Griff!
Die ersten warmen Sonnenstrahlen auf der Haut zu spüren, die zahllosen Aufbrüche der Natur wahrzunehmen, in den Laudes am frühen Morgen mit den Vögeln um die Wette zu singen, die wunderschönen Lichtspiele zu genießen, wenn beim Chorgebet die Sonne durch die Kapellenfenster scheint - das alles bedeutet für mich pures Glück, unbezahlbarer "Luxus".
Vielleicht auch deshalb, weil es mich so an die unfassbare, überströmende, verschwenderische Liebe unseres Gottes erinnert, der nichts anderes will, als dass jeder einzelne Mensch - von IHM berührt - zum Blühen kommt.

Dass auch Ihr in diesen österlichen Tagen Zeit zum Genießen habt, das wünscht Euch
Sr. M. Ursula

Ein Tag im Ländli

Obwohl wir mit einer Juniorin, zwei Postulantinnen und einer Kandidatin als Nachwuchs eigentlich gar nicht so schlecht dastehen - Platz hätten wir natürlich schon noch -, ist es trotzdem gut, das wir ca. sechs Mal im Jahr die Ordensjugend der Zentralschweiz treffen.
So gestern auch wieder bei den Diakonissen im Ländli. Dabei sind außerdem noch die Helferinnen aus Luzern, die Kappuzinerinnen aus Stans und die Menziger Schwestern.
In dieser Gruppe von ca. 12 Personen lassen sich einfach andere Sachen machen, als zu dritt oder zu viert. So wird immer wieder gerne getanzt, was zwar nicht ganz mein Stil ist, vielen in der Runde aber gefällt. Vor allem aber gibt es uns die Möglichkeit, andere junge Ordensfrauen kennenzulernen, von ihren Gemeinschaften zu erfahren und uns auszutauschen über Erfahrungen und Probleme, die gar nicht immer grundverschieden sind.
Gestern war Ostern das Thema, dem wir uns besonders durch verschiedene Methoden angenähert haben, die sonst vielleicht manchmal ein bisschen zu kurz kommen. Absolutes Highlight des Tages war die Aufgabe, eine (Oster-)Geschichte zu schreiben, in der bestimmte Begriffe vorkommen sollten. So haben wir uns mal von ganz anderen Seiten kennengelernt.
Durch die verschiedenen Noviziatsleiterinnen bekommen wir immer wieder neue Impulse und - positiver Nebeneffekt für uns Deutsche - lernen die Schweiz noch ein bisschen kennen.
Einmal im Jahr treffen wir uns nicht nur für einen Tag, sondern für eine ganze Werkwoche. Das wird aber erst im November der Fall sein, deswegen gibt darüber jetzt noch keinen Bericht.
Kerstin

Montag, 13. April 2009

Christus ist auferstanden!


Er ist wahrhaft auferstanden. Halleluja!

Mit diesem österlichen Gruß möchten wir Euch allen frohe und gesegnete Ostern wünschen in der Freude darüber, dass Christus von den Toten auferstanden ist.
Wie das Licht der aufgehenden Sonne, so erwarten wir Christus in der Osternacht, denn er ist das Licht der Welt. Und so kommen Christen auf der ganzen Welt in der Nacht zusammen, hören Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament, die davon sprechen, dass Jesus Christus der Retter der Welt ist.
Besonders eindrucksvoll ist deshalb in der Osternacht auch immer der Lichtritus, bei dem die besonders gestaltete Osterkerze erst geweiht und dann am Osterfeuer, das aus Stein geschlagen sein muss, entzündet wird.
Die Gemeinde zieht hinter der brennenden Osterkerze in die dunkle Kirche ein, so wie das Volk Israel Gott in der Wolkensäule folgte. Das Licht der Osterkerze symbolisiert gleichzeitig auch den auferstandenen Christus, weswegen beim Einzug in die Kirche dreimal "Lumen Christi - Deo gratias" - Licht Christi - Dank sei Gott - gesungen wird.
Das Licht der Osterkerze haben wir aus der Pfarrkirche mit nach Hause genommen, um hier unsere Osterkerze und das Ewige Licht, das am Tabernakel brennt, zu entzünden.
Endlich können wir auch wieder das Halleluja singen, das während der ganzen Fastenzeit tabu war und freuen uns so sehr darüber, dass wir gar nicht mehr aufhören wollen ;-)
Jetzt genießen wir die 50tägige Osterzeit und wünschen Euch viele schöne und erfüllte Momente.
Kerstin

Samstag, 11. April 2009

Warum geht man ins Kloster?

Man geht nicht ins Kloster, wie man auch nicht einfach heiratet, Kinder gross zieht oder in einer Aufgabe glücklich wird. Man geht nicht…
Jede und jeder von uns geht den ganz eigenen Weg. Das Man stirbt hoffentlich in all den Bewegungen des alltäglichen Lebens. In der lebendigen Auseinandersetzung mit GOTT, der nicht irgendjemand herausgerufen hat, sondern einen Abraham, einen Moses, Maria.
Das ist es: Warum gehst DU ins Kloster? DEINE Antwort ist das Leben.
Jede von uns erzählt ihn anders, den Anfang der Liebesgeschichte mit GOTT. Jeder unserer Wege ist einmalig. Unverwechselbar. Und doch gab es da, wenn wir einander erzählen, dieses Berührtsein von GOTT, dieses tiefe Erwachen eines Geheimnisses zwischen Himmel und Erde in uns, in unseren Herzen. Sehnsucht drängt auf den Weg, ins oft doch noch Ungewisse.
O ja, da ist auch Widerstand, Auflehnung, Verweigerung. Dann doch Ihn nicht lassen können, diesen Gott, diesen verrückt Liebenden und Unbegreiflichen, und wie es Jeremia schmerzlich (und beglückend zugleich) erfuhr: "Du hast mich betört, o Herr, und ich liess mich betören; du hast mich gepackt und überwältigt." (Jeremia 20,7)
Berührt und ergriffen die ersten Schritte setzen, brennend Suchende werde, laufen, laufen, laufen, bis die Füsse des Herzens wund werden. Und ankommen. Ankommen und dabei immer glücklicher werden. Und es gar nicht beschreiben können…
In allem Undurchsichtigen, in aller Unsicherheit mich wagen und darin Fülle erahnen. Und wählen: IHN, Christus, IHN immer neu wählen – lebenslang.
Und Gemeinschaft finden, Weggefährtinnen. Schwestern.
Und springen.
Mit diesem Sprung, mit dem Eintritt beginnt das Postulat, die erste Phase der Lebensschule „Kloster“, in der ich nach zahllosen Abschieden von Dingen und Menschen neu gehen lerne, stets und ständig mit der Verheissung GOTTES: „Ich will, dass sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ Für diese Lebensfülle bin ich geboren, dafür bin ich ins Kloster gekommen, dafür und für Gottes Reich, das mitten unter uns ist und doch im Werden bleibt.
Lebensfülle: auch mitten in der Leere, im Schmerz. In der Einsamkeit. Mitten in den Reibungen der Gemeinschaft. Auch. Dann und wann vielleicht gar mitten im Heimweh. Denn wir sind hier, um glücklich zu werden. Selig.
Das gilt es zu erlauschen: Warum bin ich hier? Wonach sehne ich mich, was, wen suche ich? Im Noviziat willige ich ein, Schülerin zu bleiben. Im tiefsten Sinne Jüngerin. Es geht um Gott, um mich. Um die Welt. Ja, auch um die Welt, denn für sie gehen wir auch ins Kloster. Für sie auch.
Ich wähle jedoch nicht zuerst eine Aufgabe, ich entscheide mich für eine Lebensform, für eine Freundschaft, für eine Liebe, in der es um mein Leben geht: und ich entscheide mich für eine konkrete Gemeinschaft, in der ich diese Liebe fruchtbar gestalten kann.
Im Hören auf GOTT und Sein Wort, auf mein Herz, meine Mitschwester, im Hören durch all die konkreten Gegebenheiten hindurch erspüre ich tief und tiefer meinen Weg.

Das soll hier erst genügen: Nein, eine Bewegung noch: den Glauben wieder und wieder entschlacken, um offen zu bleiben für IHN, Christus.
Zwei Jahre laufe ich ihn, den Weg des Noviziates, um hoffentlich zu entdecken - wohl bemerkt ohne Weltverachtung, ohne Weltflucht, das Leben in seiner Fülle verkostend -:
"DU bist mein Herr, mein ganzes Glück bist Du allein." (Psalm 16)
Dann hoffentlich drängt es mich zur Ablegung der ersten Profess…

Sr. M. Scholastika

Donnerstag, 9. April 2009

"Wachet und betet"

Mit dem Palmsonntag sind wir mit der ganzen Kirche eingestiegen in die Feier der Kar- und Ostertage, die den Höhepunkt des Kirchenjahres bilden. Die Liturgie dieser "Heiligen Woche" ist geprägt von einer Vielzahl von Symbolen, die mir jedes Jahr aufs Neue unter die Haut gehen.
An Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag beten wir zu Beginn des Tages die sog. "Trauermetten", die sich aus Lesehore und Laudes zusammensetzen. Als Zeichen für die mit dem Sterben Jesu hereinbrechende Dunkelheit steht auf dem Altar ein siebenarmiger Leuchter, dessen Kerzen bis zum Ende des Gebets nach und nach gelöscht werden.
Heute abend feiern wir im Gottesdienst das Gedächtnis des Letzten Abendmahls und die Einsetzung der Eucharistie. Nach dem Gloria verstummen die Orgel und die Glocken bis zur Osternacht. Im Anschluss an die Messe wird der Altar abgedeckt und jeder Schmuck aus der Kirche entfernt. Das Allerheiligste wird in die Krypta gebracht, wo wir in Erinnerung an das angstvolle Beten Jesu auf dem Ölberg abwechselnd die ganze Nacht hindurch Nachtwache halten werden.
Zusammen mit unseren Gästen und Pensionärinnen treffen wir Schwestern uns nach dem Gottesdienst zu einer Agape mit Brot, Wein und Traubensaft.
Morgen, am Karfreitag beten wir am Vormittag gemeinsam den Kreuzweg und besuchen nachmittags die Karfreitagsliturgie in der Rickenbacher Pfarrkirche. In diesem Gottesdienst gedenken wir der Todesstunde Jesu und bringen in den grossen Fürbitten die Anliegen der Kirche und der ganzen Welt vor Gott.
Der Karsamstag ist der Tag der Grabesruhe. Ein kleines liturgisches Detail berührt mich immer wieder tief: Ausgerechnet in der Laudes am Karsamstagmorgen singen wir in der Antiphon "Christus war für uns gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuze" (siehe Foto) den höchsten Ton des ganzen Kirchenjahres. Der absolute Nullpunkt, die tiefste Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit ist zugleich auch die Stunde, in der das neue Leben durchbricht und das Erlösungswerk Jesu vollendet wird.
Wir wünschen Euch allen gesegnete Tage!
Sr. M. Ursula

Mittwoch, 8. April 2009

Ein neuer Bischof


Was lange währt, wird endlich gut!

Seit heute mittag hat das Bistum Trier, das Bistum, in dem unser Mutterhaus steht, Heimatbistum von Sr. Ursula und quasi-Heimatbistum von mir, einen neuen Bischof!!

Nachdem wir heute morgen schon per mail den Hinweis auf die Ernennung des Bischofs heute im Anschluss an die Chrisammesse bekommen hatten, konnten wir uns nur schwer auf den Unterricht bei Frau Dr. Gubler konzentrieren, aber sie hat uns dann doch gepackt.

Jetzt gratulieren wir Bischof Dr. Stephan Ackermann zu seinem neuen Amt und wünschen Gottes Segen und die Gaben des Heiligen Geistes für seinen Dienst. Wahrscheinlich war unser Jubel bis nach Trier zu hören.
Kerstin

Freitag, 3. April 2009

Eine Juniorin


Bei diesem Bild könnte man meinen, das Leben einer Juniorin bestehe aus Faulenzen. Aber nein, Sr. Ursula genießt in ihrer wohlverdienten Mittagspause die Sonne, die nun endlich auch zu uns gekommen ist.

Das perfekte Wetter für die Karwoche und für Ostern, denn zum einen wird es nach einem langen Winter jetzt wirklich langsam Zeit, dass das Leben zurück kehrt. Zum anderen fällt es mir viel leichter, die Kartage zu durchleben, wenn draußen die Sonne scheint und die aufbrechenden Blumen, die Vögel usw. sich irgendwie schon andeutet, dass der Tod unmöglich das letzte Wort haben kann.
Kerstin

Donnerstag, 2. April 2009

ver-rückt: unsere Novizenmeisterin



GOTT - plötzlich DA in meinem Leben, nicht mehr nur im Kopf, sondern tief drinnen, im Herzen.



Völlig verrückt, ich gebe es zu. Buchstäblich ver-rückt, den Standort gewechselt, total neues Leben gefunden, an einer ganz alltäglichen, unbedeutenden Stelle der Welt: keine Visionen, keine Entrückung, aber pure Begegnung, beherztes, volles Leben, Glück. Alles bekommt auf einmal Sinn, alles beginnt zu reden, auch die vom Wohlstand verletzten, leergefegten Worte wie Gnade, Gehorsam, Freiheit, Demut... werden wieder randvoll, selbst das Leiden, selbst der Tod werden sinnvoll. Und wer ist "Schuld" daran? Dieser GOTT in Jesus Christus, dieser Unbegreifliche und doch so Nahe. Kein Bild holt Ihn ein, kein Wort vermag Ihn zu fassen, immer nur bleibt ein Stammeln über diese alles verändernde Begegnung mit Ihm.
Silja Walter, eine Benediktinerin aus dem Kloster Fahr, meine ich, findet in ihren Texten die Sprache wieder, die mir dann und wann verloren geht; sie gehört wohl auch zu den verrückten Frauen, mit denen es GOTT wieder und wieder wagt: "Es gibt das mächtige, das übermächtige Andere, so zart wie gar nichts, so zart, so leise wie nichts in der Welt. Auf der ganzen Erde, Sternenhimmel eingeschlossen, gibt es nichts so Leises, Denken, Fühlen und Lieben eingeschlossen,es ist noch unsäglich leiser, und doch hat es die Weltscheibe gesprengt..."
Es ist, als wird da wirklich etwas gesprengt, die eigene, manchmal auch gottlose, kleine Welt. GOTTES Wort, GOTTES Liebe berührt, geht unter die Haut, das Leise, anfänglich so Zarte dringt ein, wird mächtig im eigenen Herzen, wird immer lauter und bleibt da tief "drin" wohnen. Nicht zu begreifen, aber es ergreift, überwältigt. Ahnung wächst zur Gewissheit. Und dann nimmt sie den ganzen Raum ein, diese Gottesbegegnung, mit all ihren Tiefen und Höhen, in Augenblicken tiefster Freude, in Momenten der Tränen bis hin zum Verstummen.Liebende müssen davon etwas ahnen, ja ich glaube, nur Liebende... und jene, die noch dankbar staunen können, über ein Gänseblümchen vielleicht, über einen Schneekristall oder einen Teller dampfender Suppe.
Und dann gibt es eben nur noch das Eine, dann gab es für mich nur noch das Eine: mit und für diesen GOTT gehen, "mit allem", wie I. Raguin schreibt, "emigrieren, was man ist, mit seinen Knochen, seinem Geist, seiner Seele, alles muss mit...". Aufbruch ins Kloster, um Tag für Tag, Nacht um Nacht auf diesen lebendigen GOTT zuzugehen. Aufbruch ins Kloster, in dieses in den Köpfen vieler so verstaubte, monotone, leidenschaftslose Leben hinter zumauernden Vorschriften und Regeln. Ach, welche Vorstellungen!! Seit neunzehn Jahren lebe ich nun in der Gemeinschaft der Arenberger Dominikanerinnen und habe hier innerste Heimat - auch trotz Erfahrungen von Schwäche und Unvermögen -, beglückende Heimat gefunden, mit dem tiefen Bewusstsein, ganz und gar hierher zu gehören. Hier lernte und lerne ich mit anderen Augen zu sehen, mit anderen Ohren zu hören, mit dem Herzen DA zu sein und ich erfahre, dass dieses Leben geprägt ist von einer lebenslangen Gottsuche, von der eigenen lebenslangen Menschwerdung d.h. von meiner ureigensten Verwirklichung in DEM, der mich geschaffen hat. Es bleibt ein ständiges Unterwegssein, jedoch nicht im Alleingang, sondern in Gemeinschaft. In Gemeinschaft folgen wir den Spuren Jesu, geführt und angeleitet durch das einzigartige Leben unseres Ordensvaters Dominikus (um 1173 - 1221) und unserer Gründerin Mutter M. Cherubine Willimann (1842 - 1914). Beide geben uns Schwestern den Auftrag, in der heutigen Zeit für das Heil der Menschen gegenwärtig zu sein (Heil birgt das Wort Heilung, und Heil meint immer auch versöhntes, befreites Leben, was letztlich nur in der Beziehung zu GOTT gelingen kann; Heil meint Ganzsein, ein Integrieren all dessen, was mich als Person ausmacht).
Das Leben im Kloster ist kein Verlieren. Es ist, Du magst es glauben oder nicht, Gewinn, volles, bewegtes, buchstäblich verrücktes Leben.
Sr. M. Scholastika