Samstag, 28. November 2009

Bereitet dem Herrn den Weg!

… aus randvollen Tagen grüsse ich Sie sehr herzlich und hoffe, dass Sie sich aufgehoben wissen in der Liebe und im Erbarmen unseres Gottes.
Jede und jeder von uns kennt sie, diese vollen Zeiten; wir haben sie durchlebt und stehen immer wieder mitten im Vielerlei, in Bedrängnissen und Unruhen, die hoffentlich immer auch durchlichtet bleiben durch Augenblicke bewegter Freude und tiefen Glücks.
In unsere alltägliche Wirklichkeit, in unsere eigenen inneren Zustände und Stimmungen hinein hören wir den uns vertrauten Adventsruf aus der Wüste:
Bereitet dem Herrn den Weg. Ebnet ihm die Strassen.
Als Kirche bleiben wir diese Gerufenen, GOTT den Weg in unsere Welt zu bereiten, unser Leben in gespannter Erwartung auszurichten auf Sein Kommen. Die biblischen Texte der adventlichen Tage bringen uns nahe, wie Er kommt: leise, nicht wie ein dröhnend daherstampfender Stiefel:
„Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus…“. Er bringt das Recht und den Frieden. (vgl. Jes 42, 2f)

GOTT kommt im Kind, im Schwachen und Verletzlichen, fast unmerklich in aller Stille. Das schlichte und doch so starke Vertrauen jener jungen Frau Maria, ihr offenes Ohr und Herz reichten dafür aus, Gott in unser Menschsein eintreten zu lassen. Maria vermag uns den Weg zu erschliessen, was es bedeutet, den Weg für Christus zu bereiten, unsere Strassen, die oft so voll gestopften, zu ebnen:
im Stillwerden und Hören
im Zulassen
im Geschehenlassen
Es ist weniger ein Tun, weniger ein Noch-mehr-tun-Müssen, vielmehr erkennen wir das Tun GOTTES an uns. Er will unser Herz bereiten, Er will mitten in unserem Leben, in unseren Gemeinschaften, Familien und Gemeinden wirken dürfen.

Der Advent ist eine Zeit der Gnade, eine Zeit, in der wir neu beschenkt werden mit GOTT selbst. Im Kind in der Krippe will Er sich jedem und jeder von uns geben. Ganz. Und wo Er sich geben darf, wo wir seiner Ankunft zustimmen, bringt er in uns den Frieden des Herzens zur Welt. Jenen Frieden, den wir an Weihnachten besingen und den die Welt nicht geben kann.
Der hl. Ambrosius von Mailand prägte das Wort:
„Beginne das Friedenswerk bei dir selbst. Wenn du mit dir selbst versöhnt bist, wirst du den Frieden auch zu anderen bringen.“
GOTT will dieses Werk in uns vollbringen.
„Bereitet dem Herrn den Weg“ kann dann konkret heissen, dass wir Ihn zuerst in unseren Herzen zulassen, Ihn, der jedes drückende Joch zerbrechen will, das Tragholz auf unseren Schultern, den Stock des Treibers. Jeden dröhnenden Stiefel vernichtet Er auf seine Ihm eigene, gewaltlose Weise (vgl. Jes 9, 3f).
Den Frieden annehmen heißt immer auch, uns verletzlich machen, Verweigerungen aufbrechen lassen, Unversöhntes und Enttäuschungen immer und immer wieder in die wandelnde Kraft GOTTES hineinhalten wollen. Wir wissen, dass dies uns nur auf dem Boden des Vertrauens gelingen kann …
Es ist die wunderbare Botschaft, die Christus uns in den Evangelien bringt. Nicht wir müssen unser Leben schaffen, nicht wir müssen uns erlösen, sondern GOTT schafft es in uns. Die größte Herausforderung bleibt vielleicht diese Zustimmung, dass Er in unseren Herzen, in unserem Leben und in unserer Mitte wirken darf. Dass Er letztlich den Weg in uns bereiten und die Strassen ebnen kann.

Die Geschichte des jungen Mannes im Evangelium, der sehr reich war, wird dann zu unserer:
„Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ - Nein, nicht noch mehr tun: den Himmel können wir nicht gewinnen, wir können und müssen ihn uns nicht verdienen, er ist uns in Christus geschenkt.
… Nicht unsere Leistung, unsere Erfolge, nicht unser Besiegen und Bezwingen bringt uns GOTT, sondern Er will sich uns geben.
Er will in uns „geschehen“ …
Jesus sagte zu dem jungen Mann, weil er ihn liebte: “Geh und verkaufe, was Du hast…“: Überlasse Dich GOTT.
„Empfange Ihn im Frieden der Nacht, in der Stille des Tages, in der Schönheit der Schöpfung, aber auch in Stunden heftiger innerer Kämpfe“ (Frère Roger Schutz)
Gib Dich mit Deinem eigenen Reichtum dort, wo Du lebst und baue mit Deinen Möglichkeiten mutig an Räumen des Vertrauens und der Versöhnung.
Ein Mystiker unserer Tage, Robert Lax (1915 – 2000), hat es treffend ausgedrückt:
„Versuche so klar und einfach zu leben, wie Du kannst. Vergib… Sei liebevoll. Du bist ein Friedensstifter. Die, die Dir über den Weg laufen, könnten Dich brauchen, wie Du sie brauchen könntest. Vergiss nicht, dass alles unter dem Himmel eine besondere Beziehung zu Gott hat. Respektiere, was Dir begegnet. Arbeit am Herzen braucht ein Leben lang Zeit. Bleibe dran und setze um, was Du erkennen darfst …“

Ich wünsche uns von ganzem Herzen, dass GOTT in unserer Mitte ankommen kann und dass Er durch uns offenen und bereiten Raum findet.
Ich wünsche uns, dass wir einander im Angenommensein erfahren dürfen, jede und jeder einzigartig vor GOTT, dass wir gemeinsam auf dem Weg bleiben und dass wir uns als Suchende zeigen dürfen, auch auf der Suche nach Ihm in jedem Menschen.
Und dass das Vertrauen zwischen uns wachse… nur dann verlieren Ängste, Enge und Druck, die doch so oft unseren Alltag verdunkeln, ihre Kraft. Nur dann bekommt auch unsere menschliche Zerbrechlichkeit Wohnrecht.
Möge uns das Warten auf IHN mit tiefer Freude erfüllen, möge das Geheimnis seines Nahekommens uns neu erfassen und überwältigen.
Sr. M. Scholastika

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen