Worte, die wir Tag für Tag hören, schlagen wie ein Blitz ein, lassen einen mit der ganzen Existenz aufhorchen, gehen unter die Haut und fangen dann an aufzugehen - wie die Saat im frisch gepflückten Acker. So ging es mir letzthin während einer Eucharistiefeier am frühen Morgen, wo das Herz wohl bereits wach ist, aber der Leib doch noch nach der Wärme des Bettes lechzt:
„In der Nacht, da er verraten wurde, nahm er das Brot und sagte Dank, brach es, reichte es seinen Jüngern und sprach: Nehmt und esst alle davon: Das ist mein Leib, für Euch hingegeben."
In dieser Nacht, der furchtbaren, in dieser Nacht des Verrates, in der das Zeichen inniger Freundschaft mit Füssen getreten und die Liebe preisgegeben wurde, da ist dieser verrückte GOTT ganz bei sich und gibt, was er hat. Sich selbst. Ganz.
Keine einzige Frage nach dem, was es denn bringt. Er bringt sich. Kein Sparen und Berechnen. Kein endloses Hinterfragen und Sichern, ob es sich lohnt.
In diese eine Nacht hinein, die im tiefsten alle menschlichen, oft unmenschlichen Nächte einholt und hebt, gibt Christus sich ganz und gar, mit Haut und Haar.
Dieses Bild von der Nacht, diese radikale, bedingungslose Hingabe seines Lebens berührt mich in unserer konkreten Situation: auch wir als Gemeinschaft kennen die Nacht, als Bild des Nicht-Mehr-Weiter-Wissens; dunkle Stunden und Tage dort, wo Lösungen nicht mehr auszudenken sind, sondern wo sie uns geschenkt werden müssen (dürfen). Nacht, wo Grenzen und Begrenzungen schmerzlich spürbar sind, wo wir Krankheiten zuweilen als Schläge erfahren.
Und da mich mit dem, was ich bin und habe, mitten hineinstellen, mit beiden Füssen. MICH geben, mein ganzes Leben hineingeben, nicht nur ein Teil von mir. Mich verschenken mit der Kraft, die Gott mir verleiht. Mich wagen, weil behütet. Weil geliebt.
Die Liebe hört auf zu rechnen, die Liebe gibt sich; echte Liebe ist frei von der Furcht, zu verlieren, zu kurz zu kommen, leer auszugehen. Das Geheimnis liegt wohl darin: nur wer sich hat, kann sich geben. Ganz. Bis zum Letzten, bis ins Äusserte hinein, bis in die Nacht aller Nächte hinein. Verrückt? Ja, verrückt. Aber volles, erfülltes Leben, so paradox es klingen mag.Aber was war das denn Anderes, wenn ich auf diesen Jesus schaue?
Selbstvergessenheit im schönsten Sinn des Wortes, ein Zustand, der uns dann und wann ja geschenkt ist: dieses Aussersichsein im Staunen, in der Ekstase: „Ich bin ganz aus dem Häuschen, hin und weg.“ Nicht nur in der Freude, im Glück, sondern auch hinein in die Not, in die Wüste, gar in die Leere.
In meinem konkreten Alltag: Hier bin ich. Ich gebe mich. Frei.
Hier bin ich – sende mich.
Vielleicht etwas abgehoben, aber ich höre diese Wirklichkeit aus den Worten Jesu. Und meine Überzeugung bleibt: nur Hingabe macht glücklich. Punkt.
Sr. M. Scholastika
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen